Weltherrschaft XXXIX: Die Rückkehr der dualen Weltherrschaft

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TheDarkShadow
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von TheDarkShadow »

Jochen Gebauer hat geschrieben:
5. Nov 2020, 19:55
TheDarkShadow hat geschrieben:
5. Nov 2020, 19:40
Ohje, einmal abgeschweift, schon gibts haue. Dabei war das gar nicht so gemeint... :(
Alles gut. Dich hatte ich gar nicht gemeint :)
Dann bin ich ja beruhigt, danke für die Antwort :)

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Jochen Gebauer
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Jochen Gebauer »

derFuchsi hat geschrieben:
5. Nov 2020, 13:37
Ich will jetzt nicht abschätzig klingen und glaube Jochen wenn er das so erzählt, so richtig nachvollziehen kann ich persönlich das aber als Außenstehender nicht so recht wie jemand an Burnout leiden kann der quasi das ganze Jahr Homeoffice macht, also freie Zeiteinteilung und die Arbeit aus spielen und podcasten besteht.
Du, das ist eine legitime Frage. Kann mir gut vorstellen, dass das auf einige "Außenstehende" komisch wirkt. Hatte im Anschluss an die Aufzeichnung deshalb André gefragt, ob ich eventuell ein bisschen zu weinerlich oder piensig rüberkam. Damit das nicht in den falschen Hals gerät.

Ich glaube, das Problem an der Sache mit Burnout ist die Vorstellung, dass das ursächlich mit der Arbeit zu tun habe. Einerseits stimmt das natürlich. Aber andererseits ist die Arbeit - so zumindest meine persönliche Wahrnehmung - bloß der Gegenstand eines tieferen Problems. Bei mir ist das (auch das erwähne ich im Podcast, glaube ich), dass mein Gehirn schlecht abschalten kann. Wenn es einmal losrennt, dann kriege ich es nur sehr, sehr schwer wieder eingefangen und es rennt dabei auch an Orte, an denen man es nicht gebrauchen kann. Ergo neige ich dazu, Dinge zu zerdenken, verdammt schlecht einzuschlafen (weil ich Dinge zerdenke), überall potenzielle Probleme zu wittern und allenthalben gedanklich sehr unentspannt zu sein. Das ist im normalen Jobleben oft sogar nützlich, aber im Kontext eines eigenen Start-up-Unternehmens mit all seinen vielen neuen Dingen und potenziellen Problemen extrem erschöpfend. Und diese dauernde Erschöpfung wiederum, die mit dem Ort der Arbeit (Home Office) oder dem Gegenstand der Arbeit (Spielen) überhaupt nichts zu tun hat, die entwickelt sich dann im Laufe der Zeit zu dem, was man landläufig wohl Burnout nennt. So jedenfalls mein Empfinden ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

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Textsortenlinguistik
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Textsortenlinguistik »

Hier ist ein Lehrer, der von seinen letzten Ferien genau einen Tag "frei" hatte und regelmäßig bis 21-22 Uhr am Schreibtisch sitzt.

Ich hab schon einige Einblicke gehabt in meinem Leben, und die Lehrertätigkeit ist mit Abstand die stressigste und psychisch belastendste davon. Niemandem, der nicht wirklich Freude an dieser Arbeit hat, würde ich diesen Beruf empfehlen. Ohne die "Ferien" ist eine angemessene Unterrichtsvorbereitung gar nicht zu leisten und das Gesundheitsrisiko im Beruf ist nicht zufällig so hoch.

Ich bin wirklich angefressen davon, dass ausgerechnet hier mal wieder das "LeHreR hAbeN uM 13 UhR FeIeRAbEnD"-Schild hochgehalten wird.
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Jahnu
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Jahnu »

Jochen Gebauer hat geschrieben:
5. Nov 2020, 19:34
Und ich hab' während der Aufnahme noch gedacht: Wären dir doch bloß nicht Lehrer als erstes Beispiel für einen 40-Stunden-Job (über das ganze Jahr gerechnet, wohlgemerkt!) eingefallen, das gibt doch wieder Haue :mrgreen:
[...] sondern Lehrer bloß als Beispiel für einen Beruf dienten, wo auch heute noch eine 40-Stunden-Woche relativ normal ist. Was keine Kritik bedeutet.
Hehe, wir Lehrer sind schon eine streitbare Berufsgruppe. Vielleicht sind wir auch nur ein bisschen mit den Nerven runter - im ersten Lockdown hat es mich einfach fertiggemacht, nach 12 Stunden am Schreibtisch auf Spiegel online zu lesen, was "ich" alles falsch mache. Ich hatte mich eigentlich schon dagegen entschieden, hier noch rumzumäkeln, weil ich mich über eure Weltschätzung sehr gefreut habe, aber lasst mich nur kurz für's Protokoll sagen:

Lehrer ist leider kein 40h-Job!
Ich versuche es dieses Jahr mit drei Regeln: Ich lese Dienstmails nur einmal am Tag, arbeite nur sechs Tage die Woche (sonntags am Schreibtisch, samstags frei) und höre abends um Punkt 8 Uhr auf. Regel Nr. 3 breche ich ständig.

Ich danke euch für euer ehrliches Gespräch; als jemand auch oft von seinem Beruf Gestresster regen mich solche Gespräche zum Nachdenken an. Meiner Meinung nach kann man Podcastfolgen anhören, ob die Beteiligten Spaß hatten oder ihre Pflicht erfüllen, daher macht euer Ding - Ich hoffe, ihr könnt weiter mit Freude schöne Podcasts zaubern!

PS: für mehr Scout-Content :)

foxxio
Beiträge: 12
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von foxxio »

Wie sieht denn die Unterrichtsvorbereitung aus, wenn man im zehnten Jahr in Folge den Satz des Pythagoras vermittelt? Ich denke, dass sich nach mehreren Jahren eine Routine einstellen sollte, von der man zeitlich profitiert. Klar macht es mehr Aufwand, den Unterricht erstmalig vorzubereiten. Aber das ist doch kein dauerhafter Zustand?
Dieses Schild, von dem du sprichst, sehe ich übrigens nicht.

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schneeland
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von schneeland »

Bin erst zur Hälfte durch, daher hier erstmal nur in Kürze:
1) Schön, dass Du wieder da bist, Jochen! Man merkt auch, dass da wieder mehr Spaß an der Sache da ist. Hoffe, Du kannst Dir das bewahren.
2) Sachen entscheiden und mentale Roadmaps entwickeln ist tatsächlich einigermaßen anstrengend - insofern ebenfalls Daumen hoch dafür, die Aufgaben ein bisschen klarer getrennt und etwas Verantwortung abgegeben zu haben.
3) Bei den Arbeitszeiten muss man immer etwas aufpassen: die 40h sind ja als "Nettoarbeitszeit" gemeint, sprich: exklusive Pausen, Pendeln, etc. So wird aus der 50h-Woche dann gelegentlich auch eine 45h-Woche, weil halt 5x eine Stunde Mittagspause dabei ist.
4) Aus eigener Erfahrung würde ich auch sagen: viel Arbeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Burnout oder burnout-ähnliche Zustände. Da muss normalerweise entweder noch privat etwas dazu kommen oder eben die selbständige (oder sehr stark selbstorganisierte) Arbeit, von der man schlecht abschalten kann.

Weitere Kommentare dann nach der zweiten Halbzeit :)
"Hello, my friend! Pay a while, and listen!" (BlizzCon 2018)
"And now our RPG even has NPCs!" (Bethesda, E3 2019)
"..." (E3 2020, entfallen)

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Pac-man
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Pac-man »

Den Lehrerberuf als Beispiel für die 40h Woche zu nehmen fand' ich auch etwas schräg und dachte mir schon, dass das zu diversen Beiträgen im Forum führt. Aber Schwamm drüber. Wie wäre es mit "Sachbearbeiter im Konzern" als zukünftigem Beispiel für 40h Jobs? Das ist so schön unspezifisch, da fühlt sich bestimmt keiner auf den Schlips getreten :D

Als Jemand der seit März im Home Office arbeitet ist mir aufgefallen, dass die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitsleben deutlich stärker verschwimmen. Durch den fehlenden Ortswechsel nimmt man Themen der Arbeit häufiger mit ins Privatleben als das vorher der Fall gewesen ist. Ich merke auch, dass ich wieder länger arbeite als noch zu Bürozeiten. Das liegt zum einen daran, dass man weniger mit den Kollegen quatscht und zum anderen daran, dass der Hin- und Rückweg fehlt. Man denkt sich dann halt "Och, das Thema kann ich jetzt auch noch eben fertig machen.". Ich kann daher gut nachvollziehen, dass man "auch im Home Office" durchaus einen Burnout bekommen kann.

Beim Thema Wochenarbeitszeit habe ich selbst in den letzten 10 Jahren verschiedene Extreme erlebt. Als Consultant waren 50-60h in der Woche normal. Die Überstundenkultur war stark ausgeprägt und die Ansicht "Wer lange da ist, der leistet auch was" war weit verbreitet. Es ging ja schließlich auch immer um weiterberechenbare Stunden. Wenn der Kunde gesehen hat, dass man bis 21 Uhr vor Ort war, war er auch eher bereit die 2000€+ Tagessätze zu bezahlen.

Auf Dauer sind solche Arbeitszeiten aber nicht durchzuhalten. Der Wechsel in einen Konzern mit 38,5 Stundenwoche und strikter Regelung zur Mehrarbeit war für mich definitiv die richtige Wahl. Arbeit ist nicht alles im Leben.

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Lurtz
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Registriert: 22. Feb 2016, 17:19

Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Lurtz »

Jochen Gebauer hat geschrieben:
5. Nov 2020, 22:36
Ich glaube, das Problem an der Sache mit Burnout ist die Vorstellung, dass das ursächlich mit der Arbeit zu tun habe. Einerseits stimmt das natürlich. Aber andererseits ist die Arbeit - so zumindest meine persönliche Wahrnehmung - bloß der Gegenstand eines tieferen Problems. Bei mir ist das (auch das erwähne ich im Podcast, glaube ich), dass mein Gehirn schlecht abschalten kann. Wenn es einmal losrennt, dann kriege ich es nur sehr, sehr schwer wieder eingefangen und es rennt dabei auch an Orte, an denen man es nicht gebrauchen kann. Ergo neige ich dazu, Dinge zu zerdenken, verdammt schlecht einzuschlafen (weil ich Dinge zerdenke), überall potenzielle Probleme zu wittern und allenthalben gedanklich sehr unentspannt zu sein. Das ist im normalen Jobleben oft sogar nützlich, aber im Kontext eines eigenen Start-up-Unternehmens mit all seinen vielen neuen Dingen und potenziellen Problemen extrem erschöpfend. Und diese dauernde Erschöpfung wiederum, die mit dem Ort der Arbeit (Home Office) oder dem Gegenstand der Arbeit (Spielen) überhaupt nichts zu tun hat, die entwickelt sich dann im Laufe der Zeit zu dem, was man landläufig wohl Burnout nennt. So jedenfalls mein Empfinden ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Ich kann das total verstehen, bin auch so ein "Denkertyp" (im negativen Sinne), der alles zerdenken muss. Selbständigkeit wäre wohl mein Sargnagel, da käme ich gar nicht mehr aus der Gedankenspirale raus.
Jobwechsel gerade mit der wirtschaftlichen Situation im Hinterkopf, zweitem Kind auf dem Weg etc. sind schon genug Sorgen, da würde ich nicht auch noch eine Selbständigkeit mit allem was sie mit sich bringt in den Kopf kriegen. Tollerweise scheitern diese ganzen Selbsthilfe-Tipps und -Maßnahmen dann spätestens auch daran, dass man Kinder hat und sich die Zeit nicht mehr einfach nehmen kann, wann man sie braucht, weil da ein Lebewesen ist, das dezent andere und nicht minder wichtige Bedürfnisse hat.
Immerhin habe ich mir schon nach 5 Jahren einen öffentlichen Arbeitgeber mit 38,5h-Woche und lückenloser Zeiterfassung gesucht. Diese Startup/Freie Wirtschaft-Arbeitskultur, in der man Workaholic-Chefs ausgeliefert ist, macht mich krank auf Dauer.
Sorry für off-topic, verdient vielleicht einen eigenen Thread das Thema.

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derFuchsi
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von derFuchsi »

Jochen Gebauer hat geschrieben:
5. Nov 2020, 22:36
derFuchsi hat geschrieben:
5. Nov 2020, 13:37
Ich will jetzt nicht abschätzig klingen und glaube Jochen wenn er das so erzählt, so richtig nachvollziehen kann ich persönlich das aber als Außenstehender nicht so recht wie jemand an Burnout leiden kann der quasi das ganze Jahr Homeoffice macht, also freie Zeiteinteilung und die Arbeit aus spielen und podcasten besteht.
Du, das ist eine legitime Frage. Kann mir gut vorstellen, dass das auf einige "Außenstehende" komisch wirkt. Hatte im Anschluss an die Aufzeichnung deshalb André gefragt, ob ich eventuell ein bisschen zu weinerlich oder piensig rüberkam. Damit das nicht in den falschen Hals gerät.
Danke für die Antwort und das Verständnis Jochen (uff ;) ) (so viele unnütze Kacksmilies hier aber keiner für "erleichtertes aufatmen").
Textsortenlinguistik hat geschrieben:
5. Nov 2020, 22:44
Ich bin wirklich angefressen davon, dass ausgerechnet hier mal wieder das "LeHreR hAbeN uM 13 UhR FeIeRAbEnD"-Schild hochgehalten wird.
Das tut doch niemand ernsthaft, man hat es ja sogar nochmal erklärt im Thread.

Ansonsten glaube ich auch sollte man diese Burnout- und Arbeitszeitdiskussionen vielleicht wirklich langsam auslagern.
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Andre Peschke
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Andre Peschke »

Pac-man hat geschrieben:
6. Nov 2020, 08:37
Ich kann daher gut nachvollziehen, dass man "auch im Home Office" durchaus einen Burnout bekommen kann.
Ich hab neulich einen Beitrag gelesen in dem es darum ging, wie schlecht das ganze Modell "Home Office" überhaupt noch untersucht ist. Einmal speziell in der aktuellen Corona-Situation, wo ja sehr viele plötzlich ungeplant ins Home Office müssen und dadurch Fragen von rechtlicher Seite entstehen(Muss der Mitarbeiter die ganzen Mehrkosten bei zB Strom und Heizung bezahlen? So war das ja nie ausgemacht?). Aber auch generell, zB eben was die Be- und Entlastungen angeht. Ob für einen bestimmten Anteil von Menschen eine Auflösung der Trennung zwischen "Ort der Arbeit" und "Zuhause" eventuell schädlich ist, beispielsweise (es gab ja schon lange Tipps wie "Arbeit / Sorgen nie mit ins Schlafzimmer tragen"). Oder auch, wie sich die Produktivität lagfristig wirklich entwickelt (kurzfristig scheint sie zu steigen - anders als von vielen Arbeitgebern befürchtet, die natürlich ohne Überwachung der Mitarbeiter mehr Schlendrian erwartet haben. :D Aber mittel- bis langfristig gibt es Gedanken dazu, wie sich da Teamfähigkeit, Firmenzugehörigkeitsdenken etc entwickeln).

Das ist schon interessant.

Andre

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DickHorner
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von DickHorner »

Jochen Gebauer hat geschrieben:
5. Nov 2020, 19:34
(über das ganze Jahr gerechnet, wohlgemerkt!)
Er kann's einfach nicht lassen. Was haben wir Dir denn getan? :lol: :lol: :lol:

PhelanKell
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von PhelanKell »

Zum Thema Burnout/ Home Office:
Das wirklich große gloabale Unternehmen, für das ich arbeite, hatte Zwangs-Home Office verordnet, soweit das möglich war.

Und wir haben mittlerweile sehr sehr viele Mitarbeiter, die die ersten Anzeichen eines Burnouts haben.
Daran sieht man, dass es an der reinen Arbeitsbelastung nicht liegt. So wird es aber ja immer dargestellt.
Burnout kann so sehr vielseitig sein, was auch die aktuellsten Ergebnisse in der Forschung zeigen.
Man kann sogar Burnout bei einer Unterforderung bekommen!!

Bei vielen meiner Kollegen/Kolleginnen ist das Problem die aktuelle soziale Abgrenzung. Der geringe zwischenmenschliche Austausch, den man ja sonst auf Arbeit hat. Sowas fällt schon auf.
Von daher finde ich Argrumente mit "ach, du hast Home Office, dir geht´s gut" in keinster Weise nachvollziehen.

Zum Thema Lehrer:
Ich habe einen guten Freund, der Lehrer ist.
Der heult mir so oft die Ohren voll, wenn er mal wieder das halbe Wochenende Klausuren (Oberstufe) kontrollieren muss und ggf. noch Unterricht vorbereiten muss. Einfach, weil unter der Woche schlicht die Zeit fehlt. Außer man will bis 18Uhr in der Schule hocken.

Zum Thema Weltherrschaft:
Holt sie euch!
Also macht einfach weiter so. Danke für das Update. Alles tutti!
Aber André, du solltest dennoch versucht einmal abzuschalten. Und wenn dir dann Gefühle hochkommen, ist das auch nicht schlimm.
1. Männer dürfen auch Gefühle haben. 2. MUSS es einmal verarbeitet werden. Und wenn Du Dir dafür mal 1-2 Wochen frei nimmst und mal nicht an das Projekt denkst. Es werden alle hier verstehen können. Und Sebastian erzählt dann einfach mal ein paar Hardware-Themen und Jochen redet über das Zocken mit Hund :dance: ;)
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MrSnibbles
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von MrSnibbles »

Andre Peschke hat geschrieben:Oder auch, wie sich die Produktivität lagfristig wirklich entwickelt (kurzfristig scheint sie zu steigen - anders als von vielen Arbeitgebern befürchtet, die natürlich ohne Überwachung der Mitarbeiter mehr Schlendrian erwartet haben. :D Aber mittel- bis langfristig gibt es Gedanken dazu, wie sich da Teamfähigkeit, Firmenzugehörigkeitsdenken etc entwickeln).

Das ist schon interessant.

Andre
Wir diskutieren das gerade unter Kollegen auch sehr ausgiebig. Ich persönlich glaube, man sollte den Faktor Corona nicht ausklammern. Momentan haben viele Angst um den Bestand ihres Arbeitgebers, deswegen legen sie sich eventuell mehr ins Zeug. Mich würde es nicht wundern, wenn die Produktivitätssteigerung durch Home Office mittelfristig sinkt oder sogar verschwindet. Für mich persönlich ist 1-2 Tage die Woche der Sweet Spot. So kann ich die Vorteile von Präsenzarbeit und Home Office für mich am besten kombinieren. Langfristig 100% Home Office halte ich in vielen Fällen für problematisch. Man bekommt häufig Dinge viel schneller und besser hin, wenn man sich gut kennt. Solche Netzwerke aufzubauen würde zumindest mir schwerer fallen ohne persönlichen Kontakt.

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Pac-man
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Registriert: 12. Mär 2017, 13:35

Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Pac-man »

Andre Peschke hat geschrieben:
6. Nov 2020, 10:13
Das ist schon interessant.

Andre
Ohja, definitiv. Bei uns im Konzern laufen dazu derzeit auch diverse Projekte und Arbeitsgruppen, die sich mit genau diesen Themen beschäftigen. Auf die Ergebnisse bin ich auch sehr gespannt.

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bluttrinker13
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Registriert: 4. Jun 2016, 22:44

Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von bluttrinker13 »

Bezüglich Arbeitstunden und home office:
Ich bin seit Mitte September auch wieder in der digitalen (Hochschul-)Corona-Lehre versumpft und habe eine 6-Tage Woche, die noch bis Dezember (Klausuren) anhalten wird. Nichts was man nicht kennt (50h Woche ziemlicher Standard in der Wissenschaft/Hochschule), nur komisch und teilweise echt langweilig weil (a) kein Menschenkontakt, der Lehre ja eigentlich erst spaßig macht, (b) extremes multitasking da man fünf Kurse gleichzeitig hat und immer hin und her wechseln muss in allen Dingen. Letzteres macht es auch meines Erachtens anstrengender als wenn dieselbe Menge Präsenzlehre wäre.
Das nun meine Eltern und Schwiegermutter und auch einige Freunde bis heute nicht verstehen, was ich hier eigentlich mache, warum das so stressig ist, und warum ich so wenig Zeit habe ("Du bist doch zu Hause"), ist normal und stört mich nicht. Das ist einfach bei vielen, vielen Jobs so, dass man gar nicht weiß, was da passiert, deshalb Stereotype an den Start bringt, und Sachen annimmt die so nicht zutreffen. Das trifft auf Wissenschafler, Lehrer, und sicherlich auch noch viele viele andere Berufe zu. Das sollte man nicht als persönlichen Angriff werten, sondern den Ausdruck von ignorance, aber keiner böswilligen.

Das einzige was mich stört ist, dass es jetzt langsam merklich mit meiner physischen Gesundheit bergab geht, typische Bürojob-Stresssymptomatik halt, bestehend aus Schlafproblemen, Magenproblemen und (goddamnit) Rückenschmerzen im Schulter-Nacken-Bereich. Ich sitze hier auch wie der letzte Pleb vorm Laptop jeden Tag 10h, also kein Wunder, und für Dez ist bereits ein Auffangsportprogramm geplant. Aber meine Güte, das mit dem Rücken ham sonst doch nur "alte Leute"?? :D

Bezüglich Weltherrschaft:
Ganz herzlichen Dank an Jochen, wie transparent er das alles dargelegt hat, ohne das er es wirklich musste. :clap: :clap: :clap: Alle meine Fragen, bei denen ich teilweise auch eher gedacht hätte "Geht dich eigentlich gar nichts an" wurden beantwortet, und auch der Schlenker zum Buchpodcast und dem (tollen) Projekt mit Falko war dabei erhellend.

Jetzt bin ich ungemein gespannt auf's nächste Jahr und Andre's Reportageprojekt.
Weiterhin alles Gute!

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echtschlecht165
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von echtschlecht165 »

ich arbeite auch in einem globalen Unternehmen, und seit März mehrheitlich auf Home Office.
Bei uns ist das Glück, dass HO nicht prinzipiell neu für uns war, und wir schon einigermaßen das umsetzten (aber früher war nur 1-2 Tage pro Woche erlaubt, und von manchen Chefs einfach nicht gern gesehen.

Ich kann das mit der erhöhten Belastung daheim gut nachvollziehen. Für mich (als Single, Kellerkind, Gamer) waren die 8h Büro immer ein schönes regulativ in meinem sonst etwas unsteten Leben :-D

Ich versuche auch im HO so gut es geht einen Büroalltag durchzuziehen. So hab ich kein TV laufen, erledige keine Hausarbeit in der Arbeitszeit etc.
Das funktioniert ganz gut, aber ohne Kinder habe ich auch nicht wirklich grossen Stress daheim
Das gute ist, dass wir in unserer Gruppe (12 Leute, technisches interdisziplinäres Entwicklungsteam) ähnlich ticken.
Und unser Gruppenleiter , der grossen Wert auf Team legt, es so gut es geht versucht auch im HO einen Büroalltag zu simulieren.

So gibt es zb 2x in der Woche einen freiwilligen Kaffeechat Online, wo wir halt einfach mal eine halbe Stunde plaudern.
Oder auch mal einen Feierabendchat. Wo wir nach 17uhr mit dem Bier vor der Webcam sitzen und noch ein wenig blödeln.

Sowas hilft ungemein. Ich war auch schon mal Richtung Burnout unterwegs. Und das war nicht weil die Arbeit so viel war, sondern weil sie so scheisse war :-D
ich habe dem durch Jobwechsel abhilfe getan, das hoffe ich bei Jochen NICHT.
In Stein gemeißelt

lolaldanee
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von lolaldanee »

echtschlecht165 hat geschrieben:
6. Nov 2020, 11:32
sondern weil sie so scheisse war :-D
Ich glaube, DAS wird generell massiv unterschätzt bei der Burnout Diskussion
Meiner Erfahrung nach stresst nichts so extrem, wie unklare Aufganenstellungen, unrealistische Erwartungen etc.

Voigt
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Voigt »

Denke Burnout kann durch beide Pfade auftreten.

Entweder beschissene Arbeit wo man kein Bock hat hinzugehen, aber wo man muss/trotzdem geht. Eventuell mit der fernen Hoffnung, dass es bald besser wird, oder man zumindest schon woanders sucht, aber noch nix findet.

Oder die andere Variante, man ist begeistert von seiner Arbeit grundsätzlich, aber dann ganze Zeit drüber nachdenkt und sehr viel Energie reinsteckt. Insbesondere wenn man dadurch Anspruch hat immer sehr gute Arbeit abzuliefern, immer noch einen Schritt weiterzugehen, und dann super frustriert ist, wenn es nicht klappt, insbesondere wenn man dann selber denkt man lässt Leute (Community oder Kollegen) hängen.

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Andre Peschke
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von Andre Peschke »

Voigt hat geschrieben:
6. Nov 2020, 12:22
Oder die andere Variante, man ist begeistert von seiner Arbeit grundsätzlich, aber dann ganze Zeit drüber nachdenkt und sehr viel Energie reinsteckt. Insbesondere wenn man dadurch Anspruch hat immer sehr gute Arbeit abzuliefern, immer noch einen Schritt weiterzugehen, und dann super frustriert ist, wenn es nicht klappt, insbesondere wenn man dann selber denkt man lässt Leute (Community oder Kollegen) hängen.
Idealismus soll einer der großen Burnout-Förderer sein. Ist daher angeblich in Berufsgruppen mit idealistischem Unterbau besonders verbreitet: Ärzte, Journalisten, Lehrer... - Jobs die Leute angetreten haben, weil sie was bewegen wollen / für eine Sache eintreten wollen.

Andre

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bluttrinker13
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Re: Weltherrschaft XXXIX

Beitrag von bluttrinker13 »

Andre Peschke hat geschrieben:
6. Nov 2020, 12:26
Idealismus soll einer der großen Burnout-Förderer sein. Ist daher angeblich in Berufsgruppen mit idealistischem Unterbau besonders verbreitet: Ärzte, Journalisten, Lehrer... - Jobs die Leute angetreten haben, weil sie was bewegen wollen / für eine Sache eintreten wollen.

Andre
Genau, weil Idealismus super darin funktioniert, die Ermüdungserscheinungen und Abbruchsignale durch den Dauerstress zu überschreiben. Wenn man die Tätigkeit die einen stresst nicht mag oder gar hasst, fällt es leichter sich abzuwenden, innerlich zu kündigen, "nur noch halbe Backe" zu machen (leichter heißt nicht, dass das auch immer geht) -> führt zu verringerter Beanspruchung, wenn auch nicht weniger Unzufriedenheit. "Idealismus" allerdings sorgt durch die hohe Motivation dafür, dass die ganzen Signale die einem andeuten, man solle sich doch bitte mal hinlegen und liegenbleiben, noch stärker ignoriert als eh schon. Weshalb das in den Bereichen auch immer krass endet, also wenn's schon viel zu spät ist, nämlich mit totalem Zusammenbruch, und dann nicht selten 1/2 Jahr Reha. Burnout is a bitch... :(

Edit: Forschungshistorisch stammt der Begriff auch aus klinischen Betrachtungen des Ausbrennens in Sozialberufen, welche ungefähr in den 80ern begannen.

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