Ein Plädoyer gegen News/Previews

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sid zung
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von sid zung » 17. Jun 2016, 14:11

Das schöne an kleinen homogenen Gruppen (mit kleinen homogenen Konsum-Gewohnheiten ist) dass man unter sich ist.

So lange die 300 Backer aber nicht bereit sind alle 20 € / Monat zu bezahlen und damit das gesamte Unternehmen zu finanzieren, müssen wir uns mit dem Gedanken anfreunden dass das Angebot breiter werden muss.
Es klingt wunderbar geradlinig und bodenständig wenn AeB den ersten Schritt unter der Prämisse "Wir bleiben uns selbst treu!" macht.

Trotzdem wird es Inhalte irgendwann geben (müssen) die nicht mehr alle Ur-Hörer im gleichen Maße faszinieren. Da auch mir das passieren wird kann ich uns nur raten: lasst uns von unserem Konsumverweigerungsrecht Gebrauch machen. Wenn mir zukünftig von 5 Formaten nur 3 gefallen, muss ich die anderen 2 (!News!) nicht konsumieren und mich anschliessend im Forum daran hochziehen. Es wäre zwar mein gutes Recht, kostet mich aber Nerven und Lebenszeit die ich woanders dringender brauche.

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derFuchsi
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von derFuchsi » 28. Jun 2016, 09:06

In Runde #64 haben die Beiden (ab 1:51h) das Problem sehr schön auf den Punkt gebracht.
Im heutigen Journalismus wird alles in kleinteilige Meldungen zerlegt und ungefiltert rausgehauen um möglichst viele Klicks zu produzieren anstatt Themen vorzusortieren und gebündelt und aufbereitet darzustellen. Das System scheint ja leider formal zu funktionieren, Klickzahlen lügen nicht. Leider ist das Ergebnis aber unbefriedigend.

Wenn jeder Trailer, jeder Screenshot und jedes vage Gerücht eine eigene Headline bekommt überfordert einen das sehr schnell.

"Ich wünsche mir die Zeit zurück in der ich im nächsten Monat eine Gamestar / PC Games aufschlage und auf 20 Seiten wird das Wesentliche zusammengefasst. Ich will jetzt nicht 400 Trailer gucken und 37 Artikel lesen und News usw." (Jochen)

Es findet keine Selektion mehr statt, das muss man heute selber machen und das ist anstrengend und nervig.
Zuletzt geändert von derFuchsi am 28. Jun 2016, 09:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Dostoyesque
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von Dostoyesque » 28. Jun 2016, 09:19

derFuchsi hat geschrieben: Es findet keine Selektion mehr statt, das muss man heute selber machen und das ist anstrengend und nervig.
Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Selektion vor 10-15 Jahren deutlich einfacher war, die Spielepresse musste sich da mittlerweile gewissermaßen auch an den Markt anpassen. Denke nicht, dass eine GameStar ernsthaft für mich eine wirklich gewissenhafte Selektion machen kann, weil sogar für eine Redaktion von der Größe einer GameStar den Markt nicht in seiner Gesamtheit erfassen kann. Dieses "ein Mal im Monat die GameStar aufschlagen und sehen, was es so Neues gibt" hat funktioniert, weil es insgesamt kaum Neues gab. Da hats in jeder zweiten Ausgabe previews zum selben Spiel gegeben, heute undenkbar, imho. Heute würde ich nie einer einzigen Quelle die Aufgabe überlassen, für mich zu selektieren.

inen Artikel ala "Okay, hier mal 7 Seiten zu allem, was an der E3 erwähnenswert war" hätt ich mir aber auch gewünscht. Eine E3 ist ja doch eher zu bewältigen mit einem 5-Mann Team als der komplette Markt.
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Belgarath
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von Belgarath » 28. Jun 2016, 10:08

Der Grund für diesen Wandel dürfte sicher auch darin zu finden sein, dass ein Heft im Gegensatz zu einer Webseite einen vordefinierten Umfang hat und man dadurch einfach Dinge zusammenfassen muss(te). Ganz allgemein geht die Entwicklung im Journalismus aber leider dahin, nur noch Nachrichten und Meldungen zu verbreiten und sie nicht mehr einzuordnen bzw. zusammenzufassen.

Dazu kommt, dass man dem Wahn verfallen scheint, auf Teufel komm raus Inhalte produzieren zu müssen. Da liegt es nahe, anstatt einem Artikel, in dem über die E3 berichtet wird, ein Dutzend zu machen, damit der Leser auch jede Stunde was neues zum Anklicken hat. Das Ganze wird dann noch mit Clickbaiting oberster Kategorie garniert. Ich persönlich hab schon langsam keine Lust mehr, auf bestimmten Seiten überhaupt irgendeine Meldung anzuklicken. Neulich habe ich in dem Zusammenhang einen schönen Satz gelesen, weiß nur leider nicht mehr von wem er war: "Wenn in der Überschrift eine Frage gestellt wird, lautet die Antwort im Text immer "Nein"."
"Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen, z.B. der Relativitätstheorie." - Albert Einstein

cptCaps
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von cptCaps » 28. Jun 2016, 11:06

Und dazu kommt dann noch, dass man auch zusammengefasste Fremdartikel auf mehrere News aufteilen kann. Zum ersten mal richtig aufgefallen ist mir das vor 2 oder 3 Wochen bei dem Interview mit dem Overwatch Entwickler auf einer englischsprachigen Website. Das Interview war in der ersten GS-News(in der eine Antwort aus dem Interview übersetzt wurde) dankenswerterweise verlinkt also hab ich es gelesen. Und dann kamen in den folgenden 2 Tagen nochmal jeweils eine "News" die eine andere Antwort aus dem selben Interview behandelten.

Wobei ich natürlich nicht glaube, dass Jochen und Andre ihr Projekt in diese Richtung steuern ;)

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derFuchsi
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von derFuchsi » 7. Sep 2016, 10:31

Ich hau das mal hier rein.
Ich bin da zufällig bei Twitter drüber gestolpert. Ich kenne die betreffende Seite nicht und der Artikel ist schon von 2015 wie ich sehe aber ein derart selbstkritischer Text über den Hype-Journalismus im Internet und die Abhängigkeit von Klicks ist bemerkenswert.

https://www.basicthinking.de/blog/2015/ ... ents-wwdc/" onclick="window.open(this.href);return false;
Raus aus dem Hamsterrad: Warum wir nicht mehr über Apple-Events berichten

Ein paar Auszüge:

"...
Denn wer derart von Werbung abhängig ist, braucht viele Klicks. Wer aber nach Klicks und nicht nach Relevanz schreibt, vernachlässigt (häufig) seine journalistischen Grundsätze. Und wenn dazu noch kommt, dass die Werbeumsätze rückläufig sind und man für den gleichen Umsatz noch mehr Klicks braucht… Ihr wisst, worauf ich hinaus möchte.

Entsprechend kann man den „Journalismus“ von so mancher mit Werbung zugekleisterter Nachrichtenseite nicht mehr ernst nehmen. Es ist der Ausverkauf der journalistischen Ethik gegen lächerliche Centbeträge aus Anzeigenerlösen.
...
Wie das kritische Bentgate-Video der Computerbild im Herbst 2014 gezeigt hat, nutzt Apple die Abhängigkeit der Medienhäuser von den Klicks der Berichterstattung ganz klar aus. Kurz nach dem Video erhielt das Magazin einen Anruf von Apple, in dem mitgeteilt wurde, dass es künftig keine Testgeräte oder Einladungen zu Events mehr geben werde. Gängige Praxis und unter anderem der Grund, warum man auf manchen Nachrichtenseiten – ich möchte bewusste jetzt keine Namen nennen – kaum ein kritisches Wort über Apple liest.
...
Das Problem ist: Es spielen noch viel zu viele Medien mit. Und deswegen wird sich hier nichts ändern. Steigt eins aus (was durchaus vorkommt), macht ein anderes mit. Viel zu begehrt sind die Plätze in den Keynotes oder die Testgeräte, die teils auch verschenkt werden, wie Kollege Richard Gutjahr vergangenes Jahr bei den Krautreportern aufgeschrieben hat."

Mangels näherer Kenntnis der Seite kann ich nicht sagen ob der das gut getan hat und ob man sich daran noch hält aber trotzdem erstmal Hut ab!
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derFuchsi
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Re: Ein Plädoyer gegen News/Previews

Beitrag von derFuchsi » 1. Sep 2017, 09:05

Sorry wenn ich den alten Thread wieder ausgrabe (Ich glaube der liegt auch im falschen Forum) aber Jochen hat mit seinem neuen Werk "Von Vorbestellungen und den anderen sozialen Netzwerken" mit schöneren Worten das konkretisiert was ich bisher nicht so recht ausdrücken konnte was mich an dem Thema Previews so stört und warum ich das Gefühl habe dass das früher nicht so schlimm war damit.

In den 90ern machten Previews noch einen Bruchteil der gelieferten Informationen aus, Anfang der 2000er schon knapp die Hälfte und mittlerweile sind es bis zu 70% der Informationen die sich nicht um gerade erscheinende oder schon erschienene Spiele drehen sondern schlicht aus Werbung bestehen (als etwas anderes kann man Artikel und News nicht bezeichnen die sich um Produkte drehen die noch weit vom Release entfernt sind).

"Kontrollierten die Hersteller in den 90er-Jahren etwa 20 Prozent der Informationen, sind es inzwischen oft 70 Prozent." Das sagt alles.
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