COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

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Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Axel hat geschrieben:
12. Jul 2020, 22:24
Es ist wirklich der Wahnsinn, wie Du Dich immer wieder an einzelne Sätze aufhängst und dann ablenkst.
Ok, Artikel gelesen. Da wundert mich dann noch mehr, dass du dann meinst, dass solche Sätze eine konstruktive Diskussion ergeben:
Was würde passieren, wenn man 2-3 Jahre nach der Impfung feststellt, dass ein größerer Prozentsatz von Frauen in Folge der Impfung keine Kinder bekommen könnten? Nicht dass das passieren muss oder könnte, aber mal so als Hypothese in den Raum geworfen.
Du denkst dir also mal eben eine Nebenwirkung aus und bezeichnest das dann als deine Hypothese. Worüber soll man jetzt diskutieren? Über aktuelle medizinische Impfstoffforschung, tatsächlich vorhandene Nebenwirkungen von vorhandenen Impfstoffen oder deine in den Raum geworfene erfundene Vermutung einer theoretischen Nebenwirkung eines noch nicht existierenden Impfstoffs?
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Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Wudan hat geschrieben:
12. Jul 2020, 21:24
Man kann keine Langzeitwirkungen in Kurzzeitstudien erforschen. Das widerspricht sich selbst. Am Ende wirds auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen hinauslaufen.
Impfen ist nach wie vor primär das Verabreichen von toten oder noch lebenden Krankheitserregern bzw. Bestandteilen um eine Immunantwort des Körpers zu provozieren und diesen so zu "trainieren" diese Erreger im Ernstfall zu erkennen. Das Konzept ist nicht neu und wird seit Jahrhunderten praktiziert und ist gut erforscht. Abgesehen von relativ neuen DNA und RNA Forschungsansätzen versucht die Wissenschaft auch bei Covid dieses Prinzip anzuwenden. Es geht also nicht um völlig neue und unerforschte Wirkstoffe sondern bei den meisten Entwicklungen im Grunde darum tote Covidvirenbestandteile zu gewinnen die den Körper zur Bildung von Antikörpern anregen.
Das ist im Grunde aus meiner Laiensicht vermutlich nicht gefährlicher oder ungefährlicher als andere Impfstoffe weil es im Prinzip das selbe ist - nur mit einem neuen Erreger. Wenn wir alle Hypothesen aufstellen darf ich das auch...
Aber es macht einen großen Unterschied ob ein kleiner Teil der Bevölkerung das Virus kriegt und noch ein viel kleinerer Teil die negativsten Auswirkungen davon erleiden, oder ob man einen nebenwirkungsbehafteten Impfstoff an 80 Millionen Menschen verabreicht und damit potentiell alle diese Wirkungen erleiden könnten.
Argument. Nur wissen wir aktuell sehr wenig über die Langzeitfolgen von Covid - es gibt Berichte über dauerhafte Lungen, Herz und aktuell Hirn- und Nervensystemveränderungen. Wer weiß wie so eine Risikoabwägung in zwei Jahren aussehen wird.
https://www.dw.com/de/schwere-hirnsch%C ... a-54104386
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Leonard Zelig
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Leonard Zelig »

OrangeKnickers hat geschrieben:
12. Jul 2020, 22:52
Mal rein (nicht ganz so) hypothetisch. Die ersten Langzeitfolgen bei Coviderkrankten, insbesondere bei schwachen Verläufen, zeigen sich schon. Was, wenn sich in ein bis zwei Jahren zeigt, dass sich bei Erkrankten nicht in unerheblichem Maß Hirn- und Herzschäden zeigen? Denn über das Virus wissen wir derzeit noch herzlich wenig. In dem Fall war es dann sicherlich toll, wieder zu reisen, auf Konzerte zu gehen und so weiter.

Ich finde es echt problematisch, dass diejenigen, die beim Impfstoff so übervorsichtig zeigen, beim Virus selbst so optimistisch sind.
Eben.

Folgende Studie hat bloß ein n von 43, aber bei 18% der Covid-19-Patienten Schlaganfälle, Hirnhautentzündung bei 28% und Schädigung des peripheren Nervensystems bei 18% der Patienten. Das ganze unabhängig von der Schwere des Krankheitsverlaufs.
https://academic.oup.com/brain/article/ ... 40/5868408

Und auch mit 30 Jahren kann das Virus den Tod bedeuten:
https://abcnews.go.com/amp/US/30-year-m ... d=71731414
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

www.gamersglobal.de

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Norditalienische Ärzte berichten über die längerfristigen Folgen:
https://news.sky.com/story/coronavirus- ... t-12027348
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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Die Infektionsrate an Covid-19 ist im Einzelhandel verschwindend gering.
https://www.mdr.de/nachrichten/panorama ... l-100.html

Auch auf dem Höhepunkt der Infektionen im März und April ist es demnach kaum zu Infektionen gekommen.
Also kann man ja die Maskenpflicht im Einzelhandel durchaus nochmal hinterfragen. ;)

Währenddessen die Branche mit einem Verlust von 40 Milliarden Euro rechnet, aber nur dann, wenn es keine zweite Welle gibt. https://www.mdr.de/nachrichten/panorama ... 9cd8d.html
Der obige Beitrag stellt allein meine Meinung dar. Auch wenn ich es vielleicht nicht jedes einzelne Mal dazu schreibe, weil ich es vergesse: es ist dennoch nicht als Verallgemeinerung gemeint. Du sollst selbstverständlich eine andere Meinung haben. :)

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Alienloeffel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Alienloeffel »

Im Einzelhandel gab und gibt es aber auch die meisten Maßnahmen und Anstrengungen Infektionen zu vermeiden. Wenn diese gut funktionieren und der Grund sein sollten für die niedrigen Zahlen spricht das ja nur für die Maßnahmen.

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Axel hat geschrieben:
16. Jul 2020, 02:34
Auch auf dem Höhepunkt der Infektionen im März und April ist es demnach kaum zu Infektionen gekommen.
Also kann man ja die Maskenpflicht im Einzelhandel durchaus nochmal hinterfragen. ;)
Was ist das Ziel? Die Ansteckungsrate für Verkäufer/innen zu steigern?

Der Einzelhandel hat in Deutschland extrem früh und proaktiv reagiert - es war klar, dass die Mitarbeiter dort in "erster Reihe" stehen. Gerade die größeren Märkte hatten bereits bis Mitte März an allen Kassen Spuckschutzwände installiert und haben Abstandskonzepte an ihren Kassen umgesetzt, seit Mitte April kam dann die Maskenpflicht hinzu. Das hat offensichtlich hervorragend funktioniert - das ist kein Grund das nun zu hinterfragen, im Gegenteil.
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meieiro
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von meieiro »

Axel hat geschrieben:
16. Jul 2020, 02:34
Die Infektionsrate an Covid-19 ist im Einzelhandel verschwindend gering.
https://www.mdr.de/nachrichten/panorama ... l-100.html

Auch auf dem Höhepunkt der Infektionen im März und April ist es demnach kaum zu Infektionen gekommen.
Also kann man ja die Maskenpflicht im Einzelhandel durchaus nochmal hinterfragen. ;)
Dazu auch interressant ein Bericht aus den USA
Wie zwei Friseure Corona-Übertragungen verhinderten

Das heißt jetzt nicht, dass es nur an den Masken lag, dass die niemanden angesteckt haben. Das wird man nicht nachweisen können. Aber ist definitiv eine interressante Beobachtung und würde dafür sprechen, dass die Masken helfen die Verbreitung einzudämmen.

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

In Frankreich dürfte nun auch eine Maskenpflicht im Einzelhandel kommen.
https://www.zeit.de/politik/ausland/202 ... alfeiertag
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billi
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von billi »

In Leipzig soll nun ein groß angelegter Test / Studie zu Massenveranstaltungen "in Corona Zeiten" durchgeführt werden:

https://www.spiegel.de/panorama/gesells ... 4e82f658ea

Solche Studien sollte es meiner Meinung nach auch in anderen Bereichen geben, das würde viele Spekulationen verhindern.
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Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Zum Thema bei unseren Nachbarn geht es auch ohne Maske beim Einkaufen:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/oes ... a85a77b6d5
Aus den Zahlen geht auch hervor, dass im Mittel der vergangenen sieben Tage 104 Menschen positiv getestet wurden. Dieser Durchschnitt ist mehr als viermal so hoch wie am 14. Juni - dem Tag, an dem die Regierung in Wien bekannt gab, die landesweite Maskenpflicht im Handel und teils auch in der Gastronomie abzuschaffen. Nun trägt in diesen Bereichen nur noch ein Bruchteil der Kunden und des Personals freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz.

Die Zahl der bestätigten Infektionen pro 100.000 Einwohner war in den vergangenen sieben Tagen in Österreich (8,2) mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (3,0). Die Zahl der aktiven Covid-19-Fälle ist seit Mitte Juni von unter 400 auf 1315 gestiegen.
Klappt ja super...
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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Serdar Somuncu hat zum ganzen Thema den besten Text geschrieben, den ich seit Wochen gelesen habe.
https://www.facebook.com/serdarsomuncu/ ... 0029684793
Corona tötet Kultur!

Corona nervt. Nicht nur diejenigen, die mit dem neuen Alltag der Maßnahmen hadern, sondern auch diejenigen, die um ihre zukünftige Existenz bangen. Aber wo stehen wir Künstler, die auf die Bühne müssen. Womit haben wir zu kämpfen. Wie sieht die Zukunft aus, und welche Auswirkungen hat unser Schicksal auf den Rest der Gesellschaft?

Auf der einen Seite wirkt vieles normal. Die Realität 2.0 nach Corona hat schon längst begonnen. Schutzmaßnahmen und Vorsicht sind zwar weiterhin geboten. Viele halten sich daran. Andere murren. Wenige verweigern sich. Die meisten können wieder ihrer Arbeit nachgehen, reisen oder ihr Bier in der Kneipe trinken. Die Medien jonglieren mit einzelnen Zahlen hin und her. Die Politik lobt ihre Bürger und vermittelt Zuversicht. Die große Panik, so scheint es, ist vorbei. Selbst Drosten, Hildmann und Co scheinen die Lust am Weltuntergang verloren zu haben und machen Urlaub. Man hofft auf ein baldiges Ende des ausklingenden Albtraums. Wenn der Impfstoff oder und ein Medikament gefunden werden, sind wir safe und alles geht weiter wie bisher. Daran halten wir uns fest.

Auf der anderen Seite geht fast unmerklich eine ganze Branche zu Grunde. Schauspieler und Musiker sind der Perspektivlosigkeit ausgeliefert. Ihre Kreativität als Lebenselixier ist gelähmt und manch einem geht sprichwörtlich die Puste aus, wie dem Gitarristen Stephan Ullmann, der sich vor wenigen Wochen das Leben genommen hat. Umso zynischer wirkt es, wenn die Spießer, die sich in den Kommentarspalten solcher Artikel gerne als Hüter der relativierenden Gerechtigkeit aufspielen, die leise vonstatten gehende Katastrophe des Niedergangs nicht wahrhaben wollen und uns Künstlern suggerieren, dass wir unser selbstgewähltes Schicksal brav erdulden müssen, statt larmoyant unseren Untergang zu beklagen.

Die Realität sieht anders aus. Faktisch nämlich haben wir Künstler Corona weder bestellt, noch haben wir es verursacht. Dafür erdulden wir das einschneidendste Arbeitsverbot, das es je in unserer Geschichte gab. Während scheinbar systemrelevante Unternehmen, wie die Lufthansa mit Milliarden vollgepumpt werden, reiche Konzerne wie Apple und Amazon weiter Reibach machen dürfen, müssen wir Künstler uns anhören, dass wir welt- und lebensfremde Hallodris seien, die doch gefälligst etwas Anständiges hätten lernen sollen. Offensichtlich führen wir in der Vorstellung mancher immer noch ein Leben in Saus und Braus und sind nur zu faul und zu gierig, um uns von den Pfründen zu lösen, die wir uns im Laufe der Jahre ergaunert haben.

Wenn dem so ist, dann schauen wir uns das Leben nach Corona ohne Kunst doch einmal genauer an. Kein Kino, kein Theater, keine Comedy, keine Konzerte, keine Festivals, keine Opern, kein Circus und kein Varieté. Aber auch keine Podcasts, keine Hörspiele, Zaubershows, Ballett, Lesungen und Kabarattabende. Oder alles nur noch vorgesetzt und zum doppelten Preis. Und wem das zu teuer ist, für den gibt es Serien und TV Sendungen nur noch als X.Wiederholung und wenn live, dann als Stream mit miserablem Sound und schlechter Bildqualität. Dafür aber kostenlos und jederzeit.

Es ist an Unverschämtheit und Ignoranz nicht zu überbieten, wenn Menschen die tagtäglich unsere Dienstleistungen wie selbstverständlich in Anspruch nehmen, uns jetzt vorwerfen, wir hätten lange genug wie die Maden im Speck gelebt und uns dazu raten zur Bescheidenheit zurückkehren oder auf Alternativen zurückzugreifen, die ihnen selbst den Konsum erhalten, uns aber finanziell ruinieren.
All diesen Leuten müsste man mal zumuten auch nur einen einzigen Tag in der Ungewissheit zu leben, auf seine Intuition und sein Talent, sein Selbstvertrauen und seine Ausdauer angewiesen und seinen Selbstzweifeln ausgeliefert zu sein, die Hosen runterzulassen zu müssen, statt sich die Taschen vollmachen und davon leben zu können. Kein festes Gehalt am Monatsende, kein Krankenschein, wenn man Fieber hat, keine Altersvorsorge, keine automatische Absicherung durch Hartz 4 und trotzdem volle Steuern und Abgaben bei einer gesellschaftlichen Akzeptanz gleich Null.

Wir Künstler sind die Nutten der Anspruchslosigkeit. Wenn man uns gebrauchen kann, werden wir benutzt und bejubelt, wenn man auf uns verzichten kann, werden wir beschimpft und belächelt. Irgendwie ist das, was wir tun verrucht, aber ganz verzichten will man darauf auch nicht. Weil das, was wir für diese Gesellschaft leisten doch elementarer ist, als man glaubt. Denn wir alle wollen auch lachen und weinen, wir alle wollen auch lieben und leiden. Vor allem aber, wollen wir alle leben!
Schon jetzt liegen mehr als drei Viertel der Branche am Boden. Und auch die Zuschauer fragen sich, wie es weitergehen kann, ob Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden. Großverdiener und Profiteure, wie der Ticketmonopolist Eventim halten mit Duldung des Gesetzgebers ihre Hand auf die Erlöse der bereits verkauften Karten. Die Künstler sind die Gelackmeierten.

Alarmstufe Kultur! Wenn nicht schon sehr bald eine Lösung gefunden wird Veranstaltungen wieder stattfinden zu lassen, ist Schluss mit lustig und auch mit ernst. Denn dann werden wir nach Corona bei Null anfangen müssen und können unsere Unterhaltung aus dümmlichen Konversationen in sozialen Netzwerken beziehen. Eine intellektuelle Auseinandersetzung über das, was uns bewegt oder eine Verarbeitung unserer Ängste und Sorgen der Gegenwart, aber auch die Antwort unserer Dichter und Denker auf die Fragen der Vergangenheit werden wir dann vergeblich suchen. Denn, dann sind wir nur noch ein Torso einer einst hochentwickelten Gesellschaft, die von der Hand in den Mund lebt und nicht vom Verstand in die Vernunft.
Der obige Beitrag stellt allein meine Meinung dar. Auch wenn ich es vielleicht nicht jedes einzelne Mal dazu schreibe, weil ich es vergesse: es ist dennoch nicht als Verallgemeinerung gemeint. Du sollst selbstverständlich eine andere Meinung haben. :)

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Ein guter und richtiger Text.

Ich denke aber, dass es teilweise nicht gehen wird wie von ihm gefordert
Veranstaltungen wieder stattfinden zu lassen
Ein Teil wird gehen, ein anderer Teil nicht. Hier ist es aber höchste Zeit von staatlicher Seite einzugreifen und zu überbrückend helfen, egal wie - ein zeitlich begrenztes Grundeinkommen für alle Mitglieder der KSK beispielsweise kann bürokratisch nicht so aufwendig sein.
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vicsbier
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von vicsbier »

Axel hat geschrieben:
19. Jul 2020, 15:19
Serdar Somuncu hat zum ganzen Thema den besten Text geschrieben, den ich seit Wochen gelesen habe.
https://www.facebook.com/serdarsomuncu/ ... 0029684793
Corona tötet Kultur!

Corona nervt. Nicht nur diejenigen, die mit dem neuen Alltag der Maßnahmen hadern, sondern auch diejenigen, die um ihre zukünftige Existenz bangen. Aber wo stehen wir Künstler, die auf die Bühne müssen. Womit haben wir zu kämpfen. Wie sieht die Zukunft aus, und welche Auswirkungen hat unser Schicksal auf den Rest der Gesellschaft?

Auf der einen Seite wirkt vieles normal. Die Realität 2.0 nach Corona hat schon längst begonnen. Schutzmaßnahmen und Vorsicht sind zwar weiterhin geboten. Viele halten sich daran. Andere murren. Wenige verweigern sich. Die meisten können wieder ihrer Arbeit nachgehen, reisen oder ihr Bier in der Kneipe trinken. Die Medien jonglieren mit einzelnen Zahlen hin und her. Die Politik lobt ihre Bürger und vermittelt Zuversicht. Die große Panik, so scheint es, ist vorbei. Selbst Drosten, Hildmann und Co scheinen die Lust am Weltuntergang verloren zu haben und machen Urlaub. Man hofft auf ein baldiges Ende des ausklingenden Albtraums. Wenn der Impfstoff oder und ein Medikament gefunden werden, sind wir safe und alles geht weiter wie bisher. Daran halten wir uns fest.

Auf der anderen Seite geht fast unmerklich eine ganze Branche zu Grunde. Schauspieler und Musiker sind der Perspektivlosigkeit ausgeliefert. Ihre Kreativität als Lebenselixier ist gelähmt und manch einem geht sprichwörtlich die Puste aus, wie dem Gitarristen Stephan Ullmann, der sich vor wenigen Wochen das Leben genommen hat. Umso zynischer wirkt es, wenn die Spießer, die sich in den Kommentarspalten solcher Artikel gerne als Hüter der relativierenden Gerechtigkeit aufspielen, die leise vonstatten gehende Katastrophe des Niedergangs nicht wahrhaben wollen und uns Künstlern suggerieren, dass wir unser selbstgewähltes Schicksal brav erdulden müssen, statt larmoyant unseren Untergang zu beklagen.

Die Realität sieht anders aus. Faktisch nämlich haben wir Künstler Corona weder bestellt, noch haben wir es verursacht. Dafür erdulden wir das einschneidendste Arbeitsverbot, das es je in unserer Geschichte gab. Während scheinbar systemrelevante Unternehmen, wie die Lufthansa mit Milliarden vollgepumpt werden, reiche Konzerne wie Apple und Amazon weiter Reibach machen dürfen, müssen wir Künstler uns anhören, dass wir welt- und lebensfremde Hallodris seien, die doch gefälligst etwas Anständiges hätten lernen sollen. Offensichtlich führen wir in der Vorstellung mancher immer noch ein Leben in Saus und Braus und sind nur zu faul und zu gierig, um uns von den Pfründen zu lösen, die wir uns im Laufe der Jahre ergaunert haben.

Wenn dem so ist, dann schauen wir uns das Leben nach Corona ohne Kunst doch einmal genauer an. Kein Kino, kein Theater, keine Comedy, keine Konzerte, keine Festivals, keine Opern, kein Circus und kein Varieté. Aber auch keine Podcasts, keine Hörspiele, Zaubershows, Ballett, Lesungen und Kabarattabende. Oder alles nur noch vorgesetzt und zum doppelten Preis. Und wem das zu teuer ist, für den gibt es Serien und TV Sendungen nur noch als X.Wiederholung und wenn live, dann als Stream mit miserablem Sound und schlechter Bildqualität. Dafür aber kostenlos und jederzeit.

Es ist an Unverschämtheit und Ignoranz nicht zu überbieten, wenn Menschen die tagtäglich unsere Dienstleistungen wie selbstverständlich in Anspruch nehmen, uns jetzt vorwerfen, wir hätten lange genug wie die Maden im Speck gelebt und uns dazu raten zur Bescheidenheit zurückkehren oder auf Alternativen zurückzugreifen, die ihnen selbst den Konsum erhalten, uns aber finanziell ruinieren.
All diesen Leuten müsste man mal zumuten auch nur einen einzigen Tag in der Ungewissheit zu leben, auf seine Intuition und sein Talent, sein Selbstvertrauen und seine Ausdauer angewiesen und seinen Selbstzweifeln ausgeliefert zu sein, die Hosen runterzulassen zu müssen, statt sich die Taschen vollmachen und davon leben zu können. Kein festes Gehalt am Monatsende, kein Krankenschein, wenn man Fieber hat, keine Altersvorsorge, keine automatische Absicherung durch Hartz 4 und trotzdem volle Steuern und Abgaben bei einer gesellschaftlichen Akzeptanz gleich Null.

Wir Künstler sind die Nutten der Anspruchslosigkeit. Wenn man uns gebrauchen kann, werden wir benutzt und bejubelt, wenn man auf uns verzichten kann, werden wir beschimpft und belächelt. Irgendwie ist das, was wir tun verrucht, aber ganz verzichten will man darauf auch nicht. Weil das, was wir für diese Gesellschaft leisten doch elementarer ist, als man glaubt. Denn wir alle wollen auch lachen und weinen, wir alle wollen auch lieben und leiden. Vor allem aber, wollen wir alle leben!
Schon jetzt liegen mehr als drei Viertel der Branche am Boden. Und auch die Zuschauer fragen sich, wie es weitergehen kann, ob Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden. Großverdiener und Profiteure, wie der Ticketmonopolist Eventim halten mit Duldung des Gesetzgebers ihre Hand auf die Erlöse der bereits verkauften Karten. Die Künstler sind die Gelackmeierten.

Alarmstufe Kultur! Wenn nicht schon sehr bald eine Lösung gefunden wird Veranstaltungen wieder stattfinden zu lassen, ist Schluss mit lustig und auch mit ernst. Denn dann werden wir nach Corona bei Null anfangen müssen und können unsere Unterhaltung aus dümmlichen Konversationen in sozialen Netzwerken beziehen. Eine intellektuelle Auseinandersetzung über das, was uns bewegt oder eine Verarbeitung unserer Ängste und Sorgen der Gegenwart, aber auch die Antwort unserer Dichter und Denker auf die Fragen der Vergangenheit werden wir dann vergeblich suchen. Denn, dann sind wir nur noch ein Torso einer einst hochentwickelten Gesellschaft, die von der Hand in den Mund lebt und nicht vom Verstand in die Vernunft.
Die Kultur wird wieder auferstehen, die Dichter und Autoren werden nicht verschwunden sein, auch werden Musiker nach einer Erholung in 5 Jahren wieder zu ihrem Instrument in der Öffentlichkeit greifen und Bands gründen. Also entspannt bleiben, eine Kultur verschwindet nicht einfach so und gerade die Deutsche hat mit Sozialisten, Nazis, zwei verlorenen Weltkriegen, spanischer Grippe, Hungersnot uvm schon einiges überstanden.

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Heretic
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Heretic »

vicsbier hat geschrieben:
19. Jul 2020, 15:43
Die Kultur wird wieder auferstehen, die Dichter und Autoren werden nicht verschwunden sein, auch werden Musiker nach einer Erholung in 5 Jahren wieder zu ihrem Instrument in der Öffentlichkeit greifen und Bands gründen. Also entspannt bleiben, eine Kultur verschwindet nicht einfach so und gerade die Deutsche hat mit Sozialisten, Nazis, zwei verlorenen Weltkriegen, spanischer Grippe, Hungersnot uvm schon einiges überstanden.
Erzähl' das mal denjenigen, die jetzt und hier ihren Beruf nur eingeschränkt oder überhaupt nicht ausüben können und dementsprechend ein geringes oder gar kein Einkommen mehr haben.

vicsbier
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von vicsbier »

Heretic hat geschrieben:
19. Jul 2020, 17:41
vicsbier hat geschrieben:
19. Jul 2020, 15:43
Die Kultur wird wieder auferstehen, die Dichter und Autoren werden nicht verschwunden sein, auch werden Musiker nach einer Erholung in 5 Jahren wieder zu ihrem Instrument in der Öffentlichkeit greifen und Bands gründen. Also entspannt bleiben, eine Kultur verschwindet nicht einfach so und gerade die Deutsche hat mit Sozialisten, Nazis, zwei verlorenen Weltkriegen, spanischer Grippe, Hungersnot uvm schon einiges überstanden.
Erzähl' das mal denjenigen, die jetzt und hier ihren Beruf nur eingeschränkt oder überhaupt nicht ausüben können und dementsprechend ein geringes oder gar kein Einkommen mehr haben.
Es sind natürlich persönliche Schicksale damit verknüpft, aber von Emotionen sollte man sich nicht lenken lassen, damit kann man schlecht Argumentieren und der Utilitarismus lehrt uns die Schwierigkeit einer Bewertung. Ein Trost mag aber sein, dass niemand in diesem Land in die Existenzlosigkeit fällt.

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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

vicsbier hat geschrieben:
19. Jul 2020, 21:18
Es sind natürlich persönliche Schicksale damit verknüpft, aber von Emotionen sollte man sich nicht lenken lassen, damit kann man schlecht Argumentieren und der Utilitarismus lehrt uns die Schwierigkeit einer Bewertung. Ein Trost mag aber sein, dass niemand in diesem Land in die Existenzlosigkeit fällt.
Gesprochen wie ein wahrer Sozialdemokrat... /s

Für viele Freiberufliche Kreative und Künstler ist die aktuelle Situation existenzbedrohend. Für die freie Kulturszene, die abseits von staatlichen Subventionen existiert ist die Situation existenzbedrohend.
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur

vicsbier
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von vicsbier »

Rince81 hat geschrieben:
19. Jul 2020, 21:29
vicsbier hat geschrieben:
19. Jul 2020, 21:18
Es sind natürlich persönliche Schicksale damit verknüpft, aber von Emotionen sollte man sich nicht lenken lassen, damit kann man schlecht Argumentieren und der Utilitarismus lehrt uns die Schwierigkeit einer Bewertung. Ein Trost mag aber sein, dass niemand in diesem Land in die Existenzlosigkeit fällt.
Gesprochen wie ein wahrer Sozialdemokrat... /s

Für viele Freiberufliche Kreative und Künstler ist die aktuelle Situation existenzbedrohend. Für die freie Kulturszene, die abseits von staatlichen Subventionen existiert ist die Situation existenzbedrohend.
Nein, ist sie nicht. Es gab einmalige Hilfen und im schlimmsten Falle - es wurde schon von anderen genannt - Hartz IV. Sobald die Krise dann vorbei ist, können die Künstler wieder durchstarten, ihre Fähigkeiten werden ja nicht beeinflusst und die Menschen wollen nach der Krise auch wieder Kultur konsumieren.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

vicsbier hat geschrieben:
19. Jul 2020, 21:54
Es gab einmalige Hilfen und im schlimmsten Falle - es wurde schon von anderen genannt - Hartz IV.
Wow, was für eine Naivität. Warst Du schonmal im Hartz 4 System? Wahrscheinlich nicht. Sonst würdest Du sowas nicht schreiben. Bevor Du nämlich Anspruch auf Hartz 4 hast, heißt es Erspartes aufbrauchen und anschließend „Wertgegenstände“ verkaufen. Bei einem Musiker also Instrumente und anderes Equipment. Dann kannst Du hinterher vieles, aber eben nicht mehr „durchstarten“. Zudem reden wir hier ganz häufig von Familien, die ins Elend gestürzt werden. Oder denkst Du, dass Künstler und Selbstständige im Kulturbereich alleinstehende Nerds wären?

Das ist genau das, was Serdar mit Arroganz meint. Hast Du schonmal mit Angehörigen aus der Kulturbranche gesprochen? Wenn die einmal weg sind, kommen die nicht wieder. Nun mögen ja einige Sozialdemokraten ohne Kultur auskommen können. Oder denken, dass deren Konsum aus der Luft kommt. Aber viele andere wollen eben nicht in einem Land ohne Kultur leben. Wofür würde es sich denn dann noch zu leben lohnen ohne Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen?

Wie hat das Nietzsche mal formuliert? „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“
Der obige Beitrag stellt allein meine Meinung dar. Auch wenn ich es vielleicht nicht jedes einzelne Mal dazu schreibe, weil ich es vergesse: es ist dennoch nicht als Verallgemeinerung gemeint. Du sollst selbstverständlich eine andere Meinung haben. :)

vicsbier
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von vicsbier »

Axel hat geschrieben:
19. Jul 2020, 22:18
vicsbier hat geschrieben:
19. Jul 2020, 21:54
Es gab einmalige Hilfen und im schlimmsten Falle - es wurde schon von anderen genannt - Hartz IV.
Wow, was für eine Naivität. Warst Du schonmal im Hartz 4 System? Wahrscheinlich nicht. Sonst würdest Du sowas nicht schreiben. Bevor Du nämlich Anspruch auf Hartz 4 hast, heißt es Erspartes aufbrauchen und anschließend „Wertgegenstände“ verkaufen. Bei einem Musiker also Instrumente und anderes Equipment. Dann kannst Du hinterher vieles, aber eben nicht mehr „durchstarten“. Zudem reden wir hier ganz häufig von Familien, die ins Elend gestürzt werden. Oder denkst Du, dass Künstler und Selbstständige im Kulturbereich alleinstehende Nerds wären?

Das ist genau das, was Serdar mit Arroganz meint. Hast Du schonmal mit Angehörigen aus der Kulturbranche gesprochen? Wenn die einmal weg sind, kommen die nicht wieder. Nun mögen ja einige Sozialdemokraten ohne Kultur auskommen können. Oder denken, dass deren Konsum aus der Luft kommt. Aber viele andere wollen eben nicht in einem Land ohne Kultur leben. Wofür würde es sich denn dann noch zu leben lohnen ohne Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen?

Wie hat das Nietzsche mal formuliert? „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“
Ich kenne Leute die Hartz IV bekommen, ich setze mich sogar privat für Obdachlose ein. Man muss nicht gleich alles verkaufen, es gibt ein Schonvermögen und Arbeitswerkzeug muss man auch nicht abegeben. Also nicht übertreiben.
Die Leute die Kultur machen machen sie auch danach noch. Die sind nicht weg - wohin sollten die denn weg sein? Vielleicht nutzen diese sogar die Krise als Chance und vervollkommnen ihr Portfolio und arbeiten an neuen Ideen? Da würde ich nicht so schwarz sehen.

Was wäre den deine Lösung? Geld ohne Gegenleistung oder gegen einen Arbeitseinsatz als Dienst an der Gemeinschaft?

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