Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Andreas29 hat geschrieben: 16. Jun 2021, 21:17 Das deutsche Kettensägenmassaker
Ein herrlich schräges Filmchen. Sehr geil auch die wunderbare Irm Hermann als Grenzbeamtin, die auch immer für schräge Sachen, gerne auch mit Schlingensief, zu haben war. Ich kenne von Schlingensief ansonsten nur noch "Menu Total" (mit einem jungen Helge Schneider), "100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker" und "Egomania - Insel ohne Hoffnung" (mit Udo Kier und Tilda Swinton). Dagegen ist das deutsche Kettensägenmassaker schon fast leicht konsumierbar. :mrgreen:
Rince81
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Rince81 »

Andreas29 hat geschrieben: 14. Jun 2021, 17:15 Beasts of the Southern Wild
2012; Regisseur: Benh Zeitlin; Darsteller_Innen: Quvenzhané Wallis, Dwight Henry, Levy Easterly; Genre: Drama

[...]


Die Chroniken vom Erdsee
2006; Regisseur: Gorō Miyazaki; Sprecher_Innen: Junichi Okada, Aoi Teshima, Bunta Sugawara; Genre: Fantasy
Eine wirklich coole Filmkombination. Beasts of the Southern Wild habe ich damals im Kino gesehen und war extrem beeindruckt von dem Film.

Ich bin überrascht, dass Erdsee bei Dir so "gut" wegkommt, gerade da du andere sehr starke Ghiblis auch eher im durchschnittlichen Bereich siehst. Das ist kein schlechter Film aber im Ghibli Kosmos fällt die Qualität leider stark ab, auch wenn ich ihn von der Story und Thematik sehr mochte.
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Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Rince81 hat geschrieben: 17. Jun 2021, 09:42 Ich bin überrascht, dass Erdsee bei Dir so "gut" wegkommt, gerade da du andere sehr starke Ghiblis auch eher im durchschnittlichen Bereich siehst. Das ist kein schlechter Film aber im Ghibli Kosmos fällt die Qualität leider stark ab, auch wenn ich ihn von der Story und Thematik sehr mochte.
Ich habe ja eine Rangliste veröffentlicht und da ist er von 23 Filmen Platz 21. Ich sehe das also genauso wie Du.

Das Bashing, das der Film erfahren hat und die Schmähpreise halte ich aber aus genannten Gründen für maßlos übertrieben.
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Offret (Das Opfer)
1986; Regisseur: Andrei Tarkovsky; Darsteller_Innen: Erland Josephson, Susan Fleetwood, Allan Edwall; Genre: Drama

Alexander besitzt ein Anwesen in der wunderschönen Landschaft von Schweden. Dort lebt der ehemalige Schauspieler mit seinem kleinen Sohn und seiner Frau Adelaide zusammen. Zwischen ihm und ihr läuft aber nichts mehr. Alexander hat Geburtstag und zu einer kleinen Feier kommt der innere Kreis der Familie. Zu dieser gehören auch noch die erwachsene Tochter Marta und der Arzt Viktor, der mit Adelaide liiert ist. Während der eher gediegenen Feierlichkeiten fliegen plötzlich Düsenjets über das Haus und im Fernsehen wird der Ausbruch des 3. Weltkriegs verkündet. Sie müssen zusammen mit einer Haushälterin ausharren.

Der sechste Film von Andrei Tarkovsky, den ich mir anschaue und wieder einmal ein ganz besonderes Erlebnis.
"Offret" - oder auf deutsch "Das Opfer" - war eine schwedische Produktion und sein letzter Film. Wenige Monate nach der Uraufführung in Cannes am 9. Mai des Jahres 1986 starb einer der größten und einflussreichsten Regisseure aller Zeiten. Der Kalte Krieg war noch nicht vorbei und es gab immer noch die Angst, dass er heiß werden könnte. Tarkovsky hat seine typischen Motive des Glaubens und der Religion auf dieses Thema angewandt. So versucht er einen Ansatz zu ergründen, wie man den Konflikt vereiteln kann und trägt dies in Form eines filmischen Manifests vor.
Ich hatte wie immer meine Probleme mit seinen Thesen, die er die Schauspieler_Innen aufsagen lässt. Diesen Deal muss man bei ihm einfach eingehen: Nicht sie bzw. die Charaktere sprechen zu einem, sondern vor allem der Regisseur und Drehbuchautor - also Tarkovsky selbst. Man bekommt eine regelrechte Predigt. So vergehen keine zwanzig Minuten, bis der erste technik- und wissenschaftsfeindliche Monolog präsentiert wird. Wie immer ist es dann alles ganz schlimm und dekadent und furchtbar, dass der Mensch sich den wahren Glauben an Gott angeblich durch den Fortschritt kaputt gemacht hat. Das ist das redundante in all seinen Werken und etwas, dass er immer und immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt. So ist es auch in "Offret" ein ständig wiederkehrendes Thema. Ebenso ist natürlich alles durchsetzt von religiösen Zitaten, Symbolen, Motiven und Metaphern. Als jemand, der mit Religion nichts zu tun hat, maße ich mir auch nicht an alles davon erkannt zu haben und die tiefere Bedeutung dahinter zu erfassen. Das, was man in der Schule im Religionsunterricht so mitgenommen hat, erkennt man natürlich. So gibt es klare Verweise auf Abraham und Isaak, den Garten Eden und Maria Magdalena. Was man aber umgehend versteht ist, dass Gott wieder einmal der große Erlöser sein soll. Wenn der Mensch doch nur wieder zu ihm fände, wäre alles geritzt. Das ist selbst, soweit ich das beurteilen kann, aus Sicht moderner christlicher Lehre unfassbar naiv. Es mag harsch klingen, aber dort habe ich eben ganz subjektiv eine vollkommen andere Weltanschauung. Für andere, die ähnlich oder genauso fromm wie Tarkovsky selbst sind, mag das dann eine Offenbarung sein... für mich nicht.
Trotzdem erzählt "Offret" eine spannende und interessante Geschichte, die mich von vorne bis hinten gefesselt hat. Natürlich ist das minimalistisch, verkopft und künsterisch. Aber eben genau in dem Maße für mich interessant, dass ich mich gerne darauf eingelassen habe. Und am Ende kommt dann doch der kleine Kniff, der ein etwas fortschrittlicheres Religionsbild aufzeigt.
Interessant sind seine Gedanken dazu, was Schauspiel ist und wie ein Schauspieler sich definiert. Dazu hat er sehr kluges zu sagen und reichert das auch immer mal wieder mit Brüchen der vierten Wand an. Manchmal starren einen die Darsteller direkt an und verdeutlichen, dass es sich hier um einen Metakommentar handelt. Dann transzendieren die Charaktere ihre Existenz und machen mir deutlich nur gespielt zu werden. Da ist dann die Genialität, die diesen Regisseur auch heute noch so relevant macht.
Ganz besonders - und meiner Meinung nach so gut wie in keinem seiner anderen Filme (!) - zeigt sich Tarkovskys Genialität in "Offret" an der enormen Kreativität der Bilder und Inszenierung. Für Cineasten, die gerne und besonders auf die Kameraarbeit achten, ist das ein wahrer Genuss. Dreißig Jahre bevor man Tarantino dafür gelobt hat in "Hateful 8" Innenräume groß und erhaben wirken zu lassen, wird das hier bahnbrechend vorweggenommen. Es werden immer wieder Einstellungen in geschlossenen Räumen gefunden, die Leere, Einsamkeit, Verlorenheit und Weite verdeutlichen. Was noch dadurch unterstützt wird, dass selten alle Schauspieler_Innen in einem Raum sind. Es wirkt alles riesig und dadurch in der Situation unheimlich und beängstigend, weil man sich in dieser Situation eher in einem engen Bunker wohl fühlen würde.
Dann wird in irrsinnig langen Einstellungen gefilmt mit Tracking Shots (Plansequenzen), Panning Shots (Kameraschwenks) und Spielereien mit Perspektiven und Übergängen. Währenddessen bewegen sich die Mimen außerhalb des Kamerasichtfeldes immer wieder erneut in andere Positionen und führen Dialoge fort, die an ganz anderen Stellen im Raum begonnen haben. Das ist unglaublich dynamisch und flüssig, wenn man dafür seine Augen offen hat. Es kommt auch vor, dass sich die Figuren manchmal in Linien hinstellen oder symmetrisch verteilen oder während eines Gesprächs plötzlich jemand zwischen Leuten durchläuft, die sich gerade unterhalten. Das sind großartige Bildkompositionen. Tarkovsky hat tolle Einfälle: Die Kamera schwenkt in einem Dialog zum Gegenschuss, wo ein Spiegel steht und man dort den Charakter wiedersieht, von dem weggeschwenkt wurde. An anderer Stelle ist eine Figur unentschlossen und geht immer wieder vor und zurück ins Licht und in die vollständige Schwärze des Bildes. Ich will nicht alles verraten. Man muss hier aber deutlich warnen, dass es SEHR langsam vorangeht. Es wird sich viel Zeit gelassen um die Gestaltungskraft der Bilder genießen zu können. Wer kein oder kaum Interesse daran hat, wird sich vermutlich zu Tode langweilen.
Loben muss man auch das Ensemble, das hier wirklich toll spielt und den Wahnsinn mitgemacht hat.
Hauptdarsteller Erland Josephson hatte bereits mehrmals mit einer anderen Legende zusammen gearbeitet: Ingmar Bergmann. Seine Streifen stehen für mich auch irgendwann an und ich freue mich Josephson dann wiederzusehen.
Abschließend lässt sich sagen, dass "Offret" inhaltlich wie immer bei Tarkovsky für mich problematisch war, aber visuell ein unumstößliches Meisterwerk ist. Aufgrund seiner inszenatorischen Wucht setzt es sich hinter Solaris und Stalker für mich auf den dritten Platz seiner Filme.

4 von 5 Sternen.
https://letterboxd.com/film/the-sacrifice/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ODJb2-PLu7Y
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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Ein Zombie hing am Glockenseil

In regelmäßigen Abständen wandert Lucio Fulcis berühmt-berüchtigter Zombieheuler wieder in meinen Player. Weil er ein Vertreter der alten Garde ist und mit neumodischem Infizierten- oder "The Walking Dead"-Gedöns nichts zu tun hat. Weil er sich nicht lange mit Erklärungen oder gar einer plausiblen Geschichte aufhält. Weil er atmosphärisch allererste Sahne ist, obwohl die schauspielerischen Leistungen zum Teil grenzwertig und einige Tricks, abseits der nach wie vor herrlich ekligen Goreszenen, arg angestaubt sind. Weil der sonore Soundtrack wie die Faust aufs Auge zur morbiden Stimmung passt. Und nicht zuletzt, weil die deutsche Synchro ein gewaltiges Comedypotential in sich trägt ("Es sind Leichenwürmer!"). Hier wird man nicht mit Zombiemassen zugeschüttet, sondern kennt die wenigen, munter herumteleportierenden Untoten noch beim Namen. Ok, vielleicht nicht alle, aber die meisten. Und Father Thomas' Blick ist noch genauso tödlich wie vor vierzig Jahren. Ist das Trash? Aber sicher doch. Aber Trash mit Herz. "City of the Living Dead" (der Glockenseil-Titel ist mal wieder eine deutsche Erfindung) mutet wie ein auf Film gebannter "Gespenster-Geschichten"-Comic an. Und diese Heftchen habe ich damals echt geliebt. :mrgreen:
Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

The Faculty
1998; Regisseur: Robert Rodriguez; Darsteller_Innen: Elijah Wood, Josh Hartnett, Jordana Brewster; Horror

Im beschaulichen Ohio benehmen sich an einer High School die Lehrer außerordentlich eigenartig. Nachdem sie sich ins Lehrerzimmer geschlichen haben, werden der Schüler Casey und die Schülerin Delilah Zeugen eines Zwischenfalls. Danach sind sie sich sicher: Aliens übernehmen die Schule und haben Besitz von den Lehrern ergriffen. Sie versuchen einige Mitschüler zu überzeugen und dagegen vorzugehen, weil ihnen sonst niemand glaubt.

Man sieht schon an der Zusammenfassung, dass die Story nicht besonders viel her gibt. Dennoch handelt es sich hier um einen kleinen feinen High-School-Horror aus den 90er Jahren. Regie geführt hat hier kein Geringerer als Robert Rodriguez, der mit "From Dusk till Dawn" , "Sin City" und der "Mariachi-Trilogie" Kult erschaffen hat. Auch die Besetzung ist ziemlich interessant, denn sie besteht fast ausschließlich aus Leuten, die zwar bekannt sind, es aber nie so ganz nach oben geschafft haben. So sehen wir einen Elijah Wood, Josh Hartnett, Robert Patrick und eine Clea DuVall, Jordana Brewster, Salma Hayek und Famke Janssen. Ebenso den später als Comedian und Host der "Daily Show" bekannten Jon Stewart und den heutigen Superstar Usher, der hier mal austeste, ob es neben dem Singen auch zu einer Schauspielkarriere langt.
Eine Hauptfigur sucht man vergebenes, denn hier geht es um ein reines Ensemble. Das ist nach den typischen Klischees der meisten Filme gestrickt, die an einer US-amerikanischen High School spielen. Es gibt den Jock (den Sportler), die Streberin, den gemobbten Nerd, die Goth-Braut, die Neue, den Slacker (Versager). Nachdem "Scream" 1996 in die Kinos kam, haben gerade Horrorstreifen aber begriffen, dass sie diese Tropes brechen und selbstironisch damit umgehen müssen, wenn sie noch damat davonkommen wollen. So ist sich hier jede Figur ihrer Rolle bewusst und sagt das auch zwischendurch mal selber, wie z.B. dass der Quarterback halt mit der heißesten Cheerleaderin gehen muss. Wenn man sich zu sehr seiner selbst bewusst ist, aber sich dennoch dieser Mechaniken bedient, hat man meiner Meinung nach wenig gewonnen. Man macht es ja trotzdem und sagt letztlich nur, dass man halt nicht anders kann und hier auf Altbewährtes setzen muss. Klar entwickeln sich die Charaktere auch in "The Faculty" irgendwie in einem begrenzten Rahmen weiter und zeigen, dass sie unter der Oberfläche doch etwas komplexer sind, aber das passiert nur in einem sehr kleinen und vorhersehbaren Rahmen. Trotzdem ist der Cast sehr unterhaltsam, was an der Spielfreude der B-Stars, wie ich sie mal anerkennend nenne, liegt.
Man will aber auch natürlich gar kein Charakterdrama sein und hiermit kommen wir zur größten Stärke: Der flott erzählte Plot. Es werden keine Umschweife gemacht und es geht gleich von der ersten Sekunde an los: Keine große Einführung der handelnden Figuren, kein Foreshadowing und keine ellenlangen Erklärungen bzw. Exposition, was hinter alledem steckt. Einfach nur ein 100 Minuten langes, kurzweiliges Schauermärchen. Besonders gruselig ist das nie und auch was die Brutalität angeht, wird hier nie so richtig durchgezogen. Dafür aber ist die Hatz ganz spannend, flüssig inszeniert und hat keine Durchhänger.
Ganz witzig finde ich den Subtext, dass zunächst ausgerechnet Lehrer befallen sind und für die Weiterverbreitung sorgen. Als Schüler kommen einem Lehrer sowieso immer komisch, suspekt, einschüchternd vor und in manchen Fällen vielleicht sogar beängstigend. Das ist ein netter Kniff.
Auch hier wird so einiges an selbstironischen Referenzen bemüht, denn auch was hier letztendlich passiert ist alles andere als neu. "Body Snatchers" wird gleich selbst mehrfach von den Schülern erwähnt, aber auch "Das Ding aus einer anderen Welt", "Star Trek 2" oder "They Live" von Carpenter haben ähnliche Motive der Alieninvasion, bei der die Körper der Menschen von außen nicht erkennbar infiltriert werden. Und natürlich spielt "The Faculty" dann auch mit der klassischen Frage "Wer ist einer von denen?".
Bei der Darstellung der fremden Spezies setzt man zumeist auf CGI. Jetzt mögen manche zusammenzucken, da der Film aus dem Jahre 1998 ist und gerade die Versuche der Computeranimation aus dieser Zeit heute besonders altbacken wirken. Aber man muss da wirklich Chapeau sagen, denn das sieht auch heute noch ganz ordentlich aus. Am Ende gibt es dann aber doch noch ein sehr schön handgemachtes Viech, das zweifellos beweist, dass man besser noch mehr auf praktische Effekte gesetzt hätte.
Ein nicht wirklich tiefgründiger, aber dafür umso spaßiger kleiner Horrortripp.

3 von 5 Sternen.
https://letterboxd.com/film/the-faculty/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=praQkvivkUE
Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Tangerine
2015; Regisseur: Sean Baker; Darsteller_Innnen: Kitana Kiki Rodriguez, Mya Taylor, Mickey O'Hagen; Dramödie

Heiligabend in Los Angeles: Sin-Dee Rella und Alexandra sind zwei transsexuelle Prostituierte. Erstere ist gerade aus dem Knast gekommen und bei einem Gespräch zwischen den beiden kommt mehr oder weniger zufällig heraus, dass ihr Freund Chester sie mit einer anderen Frau betrogen hat. Wutentbrannt macht sie sich auf den Weg über den Straßenstrich und sucht nach der Affäre ihres Angebeteten, um ihr ordentlich die Leviten zu lesen. Immer wieder trennen und kreuzen sich die Wege der beiden besten Freundinnen. Alexandra trifft auf ihren Stammkunden: Einen armenischen Taxifahrer, der Frau und Kind zu Hause sitzen hat und dessen Mutter gerade zu Besuch ist.

"Tangerine" wird dem sogenannten "Mumblecore"-Genre zugeordnet, in dem die Geschichte vorwiegend über naturalistische, schnelle, hektische und chaotische Dialoge erzählt wird, in denen viel Slang und auch durcheinander gesprochen wird. Deswegen muss man da eine erste Warnung herausgeben: Dieser Film ist anstrengend. Insbesondere im O-Ton braucht man viel Konzentration, um dem folgen zu können und man sollte Englischkenntnisse haben, die über Schulenglisch hinausgehen. In einer Synchro geht meiner Meinung nach allerdings wirklich zu viel verloren, weswegen man wenigstens OmU probieren sollte. Nicht nur wegen des ganzen Geplappers, sondern auch wegen der Hauptfiguren, die jedes transsexuelle – ich paraphrasiere – "Tuntenklischee" von Auftreten bis Sprachduktus erfüllen, ist das ganze eine ziemliche Herausforderung. Die sind nämlich laut, ordinär und aggressiv. Erst nach und nach pellt sich die Schale ab und man schaut hinter die Fassade dieses harten Flasters, wo doch ganz viel Herz verborgen liegt.
Das ist die größte Stärke des US-amerikanischen Regisseurs Sean Baker, der später auch in dem White-Trash-Drama "The Florida Project" – dringende Empfehlung – zeigen konnte, das mehr hinter oft verachteten Millieus steckt, als wir uns in unserer privilegierten und weit entfernten Sicht so vorstellen können.
Zu der extrem hohen Authentizität tragen die Laiendarsteller bei, die direkt vor Ort von der Straße oder von Social Media weggecastet wurden. Diese schauspielern weniger, als einfach einen Tag in ihrem leben nachzustellen. Dabei werden Themen wie Treue, Verlangen und tiefe, ehrliche Freundschaft herausgearbeitet. Vor allem ist das aber auch ein Sittengemälde eines Straßenstrichs, das hier gezeigt wird. Insbesondere durch den Taxifahrer und seine illustren Fahrgäste erfahren wir punktuell eingestreut immer mal wieder, welches skurrile Klientel sich da so rumtreibt. Das ist meistens brüllend komisch, wie es "Tangerine" generell ist. Gerade Sin-Dee Rella bringt ein paar herrliche Sprüche. Trotzden schafft man es am Ende sehr ehrlich Emotionen zu erzeugen und man wundert sich über sich selbst, dass man mit diesen anfangs so unbequemen Figuren mitfühlt.
Das kann aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass hier eigentlich ziemlich wenig erzählt wird. Was hier plottechnisch passiert, passt auf einen Bierdeckel – mögen die einzelnen Szenen auch noch so gut sein. Eine richtige erzählerische Tiefe erreicht man so nie.
Gedreht wurde "Tangerine" als eine der ersten professionellen Produktionen komplett mit dem IPhone 5. Lediglich eine App wurde für Kameraeinstellungen verwendet und die Farbkorrektur mit einem Schnittprogramm durchgeführt. Das erhöht die Authentizität weiter, weil man durchaus erkennen kann, dass das mit einer Smartphone-Kamera gefilmt wurde und es sich somit sehr beobachtend anfühlt. Dennoch entstehen vor allem durch die knalligen und gesättigten Farben und Schüsse in das Gegenlicht der Sonne viele wunderschöne Bilder. Atmosphärisch wirkt dieser Strich dadurch etwas dissonant fast wie ein magisch entrückter Ort – fast wie aus einem Märchen. Alles in allem hat der Film lediglich 100000 Dollar gekostet, was eine mehr als beeindruckende Leistung ist.
Sperrig erzählt und mit wenig Story werden wir dennoch sehr lohnend in eine Parallelwelt entführt, in der wir zwar stilisiert, aber trotzdem höchst authentische Einblicke erhaschen können; mit viel Witz, Gefühl und einem klar an der rechten Stelle erkennbaren Herzen.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/tangerine/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ALSwWTb88ZU
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bluttrinker13
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von bluttrinker13 »

Hachja, The Faculty. Das war noch real HighSchool-Horror der echt nice war, stilbildend sogar. :D Absolut guckbar.
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Feamorn
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Feamorn »

bluttrinker13 hat geschrieben: 19. Jun 2021, 22:42 Hachja, The Faculty. Das war noch real HighSchool-Horror der echt nice war, stilbildend sogar. :D Absolut guckbar.
Ich mag den sehr, sicher kein Kandidat für Innovationspreise, aber die Body Snatchers Verlagerung in die High School und die "Entfremdung" im Kontext von "Teenage Angst" fand und finde einfach sehr fein. :)
Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Under sandet (Unter dem Sand)
2015; Regisseur: Martin Zandvliet; Darsteller: Roland Møller, Mikkel Boe Følsgaard, Joel Basman; Genre: Drama

Dänemark, 1945: Der 2. Weltkrieg ist vorbei. An der Westküste des Landes liegen ca. 2 Millionen Minen, weil Hitler dort die Landung der Alliierten vermutete. Die sollen wieder weg. Entgegen der Genfer Konvention, die ab 1929 Zwangsarbeit für Kriegsgefangene verbot, werden Wehrmachtsangehörige von den Dänen und mit Zustimmung der Briten gezwungen die Minen zu Räumen. Dem Feldwebel Carl Rasmussen, der wie jeder Däne zu diesem Zeitpunkt ein Deutschenhasser ist, wird eine Gruppe besonders junger Soldaten zugeteilt. Nach und nach beginnt er zu hinterfragen, ob es richtig ist, sie zu so einer lebensgefährlichen Aufgabe zu zwingen.

Darf man in einem Film Wehrmachtssoldaten als Opfer darstellen? Es bedarf zumindest einigen Mut, sich an so ein Thema heranzutrauen. Als im Jahr 2013 der TV-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" erschien, gab es weltweit Debatten, weil er deutsche Soldaten nicht nur als Täter, sondern eben auch als Opfer des Krieges darstellte. Von Geschichtsrevisionismus bis Verharmlosung des Holocausts war jeder Vorwurf dabei. In Polen wurde sogar versucht rechtlich dagegen vorzugehen, weil auch Antisemitismus im polnischen Widerstand eine Rolle spielt. Zwei Jahre später erschien dann "Unter dem Sand" und zeigt, wie man Wehrmachtssoldaten menschenunwürdig behandelt. Und das ist eigentlich ebenso heikel, gerade weil das Werk die durchaus legitimen Gründe zu dieser Zeit Deutsche zu hassen fast komplett ausblendet. Klar weiß jeder, der mal eine Schule betreten hat, was damals passiert ist, aber im Film selber wird die Motivation der Hauptfigur Carl Rasmussen und anderer dänischer Soldaten so einen unbändigen Hass zu haben nie thematisiert. Auch hier gab es natürlich Diskussionen, aber der große Knall blieb aus. Man gewann zahlreiche Preise und wurde sogar für den Auslandsoscar nominiert. Die Vermutung liegt nahe, dass das wahrscheinlich der Fall ist, weil das ZDF zwar mitproduziert hat, aber die Produktion unter dänischer Flagge lief. Wäre es eine rein deutsche Produktion, wären sicherlich heftigere Debatten ausgebrochen. Es mag zwar ärgerlich sein, aber es ist eben auch verständlich, dass bei diesem Thema ein gewisser doppelter Standard gilt, wenn deutsche Filmemacher sich daran versuchen. Die Emotionen sind auch 76 Jahre nach Kriegende immer noch nicht weg.
Ein weiterer Grund, warum es zu weniger Debatten kam ist auch gleichzeitig mein größter Kritikpunkt: Die Tatsache, dass man sich hier auf sehr junge Soldaten konzentriert. Man macht es dem Zuschauer viel zu leicht sich auf ihre Seite zu schlagen, weil man die Untaten des 2. Weltkriegs und auch diese Minen nicht mit diesen kurz vor Kriegsende eingezogenen jungen Burschen verbindet. Sie sind in dieser Hinsicht unschuldig. Höchstens Naivität kann man ihnen vorwerfen und man weiß ja auch, dass man gegen Kriegsende auch einfach gezwungen wurde (z.B. der Volkssturm) die Uniform anzuziehen und für sein "Vaterland" zu kämpfen. Hier möchte ich in letzter Konsequenz sogar eine gewisse Feigheit vorwerfen. Denn man stellt sich somit auch nicht im entferntesten Sinne die Frage, ob das teilweise sadistische Verhalten der dänischen Soldaten inklusive des zunächst empathiefreien handelnden Rasmussen gerechtfertigt ist. Es entspricht den historischen Tatsachen, dass auch sehr junge Soldaten dort zum Einsatz kamen, aber hier geht man den Weg des geringsten Widerstandes.
Viel interessanter, besser und mutiger - aber wahrscheinlich auch wesentlich kontroverser - wäre es gewesen, hätte "Unter dem Sand" ausgewiesene Täter gezeigt und mir dann trotzdem vermittelt, dass das Verhalten der Dänen zwischen Rachsucht und Hass falsch ist.
Dennoch ist das ein guter Film. Allen voran Roland Møller als Rasmussen trägt das Ensemble mit einer grandiosen und vielschichtigen Leistung. Er wandelt sich von purem Hass zu einem mitfühlenden Menschen, bleibt aber bis zum Schluss zerrissen und ambivalent. Die darstellerische Fähigkeit der Jugendlichen schwankt leider etwas. Man merkt das diejenigen, die etwas mehr leisten können, auch die profilierteren Rollen bekommen haben. Die anderen wirken hier und da etwas steif, was aber auch an dem ein oder anderen ungelenken Dialog liegt. Das Drehbuch besteht fast komplett aus Dialogen auf deutsch, wurde aber von einem Dänen – Martin Zandvliet, auch Regisseur - geschrieben. Vielleicht hat hier das Sprachgefühl etwas gefehlt.
Besonders die Szenen, in denen es dann um die Entschärfung der Minen geht, sorgen mit einiger Zuverlässigkeit für wirklich schweißnasse Hände und den ein oder anderen Jumpscare. In seinen besten Momenten kann "Unter dem Sand" an Kathryn Bigelows Oscarhit von 2009 "The Hurt Locker" erinnern, in dem es um Bombenentschärfer im Irakkrieg geht. Das ist natürlich nicht so aufwendig und ganz so gekonnt inszeniert, aber die Spannung und vor allen Dingen Anspannung entsteht trotzdem.
Gedreht wurde übrigens tatsächlich an einem der Strände, die damals geräumt werden mussten. Das trägt zu der nüchternen und authentischen Inszenierung bei.
Natürlich kommt es zu sehr dramatischen und berührenden Szenen, die einen ganz einfach nicht kalt lassen können und bei denen man mitleidet. Das ist schon alles ziemlich hart und niederschmetternd und hat somit die angemessene Temperatur für so ein Thema. Ganz am Ende will man aber auch hier nicht so ganz durchziehen.
"Unter dem Sand" ist sehenswert. Allein schon aus dem Grund, dass das ein ziemlich kleines und unbekanntes Kapitel der Nachwehen des 2. Weltkriegs ist - fehlerfrei ist das jedoch nicht.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/land-of-mine/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=4Kao3t0NBMU
Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

The Sisters Brothers
2018; Regisseur: Jacques Audiard; Darsteller: John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal; Genre: Western

Oregon, 1851: Die beiden Brüder Charlie und Eli Sister werden vom sogenannten "Commodore" damit beauftragt sich mit dem ebenfalls für ihn arbeitenden John Morris zu treffen. Der ist einem Mann auf den Fersen, der eine Flüssigkeit entwickelt hat, die Gold in Flussbetten sichtbar machen kann. Die beiden vor Gewalt nicht zurückschreckenden Brüder sollen die Formel aus dem Chemiker herausfoltern. Allerdings verläuft alles ziemlich anders als geplant.

Der Western gilt als totes Genre, das kaum noch bedient wird. Meistens wenn heute nochmal die Cowboystiefel ausgepackt werden, handelt es sich um Dekonstruktionen oder Komödien, die nichts mehr mit den ursprünglichen Filmen zu tun haben. "The Sisters Brothers" hat natürlich auch seinen ganz eigenen und modernen Kniff, der ihn als kontemporäres Werk erkennbar macht, hat aber einen erfreulich unzynischen und ernst gemeinten Ansatz.
Sofort ins Auge sticht natürlich die tolle Besetzung: John C. Reilly, Joaquin Pheoenix, Jake Gyllenhaal und der in diesem Jahr für "Sound of Metal" für den Oscar nominierte Riz Ahmed. Man kann kritisieren, dass es sich hier um einen reinen Männerfilm handelt und Frauen wirklich nur Staffage sind. Andererseits kann man vielleicht auch loben, dass man sich traut hier den Vorbildern treu zu bleiben, die ja auch nie besonders große und starke Frauenfiguren hatten. "Spiel mir das Lied von Tot" sei hier ausgenommen und es gibt sicher auch andere rar gesäte Beispiele, die mir jetzt nicht einfallen. Jedenfalls machen die genannten Herrschaften ihre Aufgabe erwartbar sehr gut. Herausheben muss man allerdings C. Reilly, den man wahrscheinlich am besten aus Blödelkomödien wie "Stiefbrüder" kennt und der hier mit den sonstigen Charakterdarstellern mehr als mithalten kann. Er wird sogar ein bisschen zum Highlight, weil er zwar auch nicht gerade zimperlich ist, aber man ihm deutlich seine Verletzlichkeit anmerkt. Und anstatt seines Bruders Charlie (Pheonix), der säuft und hurt, ist Eli sehr viel zurückhaltender. Man fragt sich immer wieder mal, warum so einer wie er zum Revolverhelden und Kopfgeldjäger wurde. Und darauf bekommt man natürlich Antworten, die ich nicht verrate, aber es hat natürlich mit seiner Familie zu tun. Charlie und Eli sind trotz ihrer Taten ziemlich liebevoll zueinander stehende Brüder, was sie zu faszinierenden Antihelden macht - neben der Tatsache, dass Phoenix und C. Reilly eine echt tolle Chemie haben und man ihnen abkauft Verwandt zu sein. Es wird sich immer wieder mal für persönliche Momente Zeit gelassen, in denen ihre Beziehung zueinander beleuchtet wird.
Spaß macht auch Gyllenhaal als John Morris, der seine Aufgabe und dann auch seine Existenz immer mehr zu hinterfragen beginnt und zu dem Chemiker Hermann Kermit Warm (Ahmed) eine sehr fühlbare Bindung aufbaut. Auch Warm ist eine interessante Figur, weil er zwar auch dem Goldrausch verfallen ist, aber nicht nur egoistische Pläne hat. Die beiden werden im Mittelteil meiner Meinung nach aber leider etwas zu lange ausgeblendet. Das fühlt sich irgendwie nie ganz sauber an, weil sie zwar sehr viel Raum bekommen, aber nie genug um als Zuschauer eindeutig feststellen zu können, ob sie eine eigenständige Geschichte erleben, die sich eben mit den Sisters Brothers kreuzt oder ob sie eine Nebenhandlung bzw. ein Plot Point sind, um die Katharsis der Sisters Brothers einzuleiten. So oder so: Bei ihnen fühlt es sich irgendwie so an, als hätte man einen Teil der Charakterentwicklung übersprungen.
Neben den Charakteren, die einem gerade im letzten Drittel ungeahnt zu berühren wissen, ist aber die größte Stärke von "The Sisters Brothers" die absolute Unvorhersehbarkeit der Story. Das erkauft man sich allerdings mit einigen sehr antiklimaktischen Momenten, die einem sauer aufstoßen könnten. Es werden immer wieder mal bewusst Erwartungen unterlaufen und Haken geschlagen, die einen ziemlich niederschmettern können. Das ist der kontemporäre Teil des Werkes, denn sowas hätte man sich in den 50ern und 60ern nie getraut. Der Streifen hat natürlich klassische Vorbilder, wirkt aber deswegen nie wie eine Ableitung oder Hommage, sondern wirklich als eigenständiger moderner Western. Modern ist auch, wie man mit Gewalt umgeht. Das ist jetzt kein Gemetzel, aber es geht stellenweise auch ganz schön zur Sache. Allerdings hat mir gefallen, dass das nie zu sehr exploitativ passiert und man in einem Rahmen bleibt, bei dem man nicht durch unnötigen Splatter aus einer ansonsten interessanten Handlung gerissen wird. Splatter hat seine Berechtigung, aber ich tue mich immer schwer, wenn man das außerhalb von Horrorfilmen veranstaltet.
Antiklimaktisch ist dann auch das Pacing insgesamt. Es geht mit einer relativ rasanten Schnitzeljagd los und wird dann im Verlauf immer ruhiger. Das kann einen auch irritieren, aber ich finde, dass diese Tempoverlagerung der Entwicklung der Charaktere und dem Verlauf der Story entspricht. Dennoch merkt man dieses auf die Bremse treten deutlich und die Spannung lässt unweigerlich nach.
Am Ende macht man dann doch wieder einige ziemlich schnelle Sprünge, die mir nicht gefallen haben, weil es diesen stetigen Fluss von schnell nach langsam bricht, was wenigstens eine Stringenz hat. Dennoch ist der Abschluss und was dort mit den Sisters Brothers passiert sehr rund. Auch hier geht es ins Spoiler-Territorium, aber es ist einfach erwähnenswert, dass man meiner Meinung nach den fast perfekten und fairen Abschluss für die beiden findet.
Auch die gestochen scharfen Landschaftsaufnahmen sind wirklich sehenswert und die Musik ist eine schön eigenwillige Mischung aus modernen Ansätzen und klassischen Westernmotiven.
Toller Cast, sehr eigenwillig und nicht fehlerfrei, aber so können sie aussehen: Moderne eigenständige Western. Mit ein bisschen mehr Schliff hätte man hier etwas ganz Großes erreichen können.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/the-sisters-brothers/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=AaCGqfn_qzs

Ghibli der Woche:

Arrietty - Die wundersame Welt der Borger
2010; Regisseur: Hiromasa Yonebayashi; Sprecher_Innen: Mirai Shida, Ryunosuke Kamiki, Tomokazu Miura; Genre: Anime

Arrietty ist eine sogenannte "Borgerin"; das sind wenige Zentimeter große menschenartige Wesen. Sie leben mit Menschen zusammen und "borgen" sich von diesen alles, was sie zum leben brauchen – wer merkt es schon, wenn z.B. etwas Salz fehlt. Arrietty lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter zusammen unter einem Anwesen und kommt jetzt in ein Alter, in dem sie zum ersten mal "borgen" will. Bei ihrem Ausflug kommt es allerdings zu einem Zwischenfall und sie wird von dem kranken Shō gesehen. Der lebt in dem abgelegen Haus, weil er Ruhe braucht, denn es steht eine schwere Operation an. "Borgern" ist es nicht erlaubt mit Menschen Kontakt aufzunehmen, aber es entsteht eine Bindung zwischen den beiden.

Immerhin das Drehbuch stammt vom Altmeister Hayao Miyazaki höchstpersönlich und so habe ich mir einiges versprochen. Die Erwartungshaltung wurde unterlaufen, aber dennoch ist das ein sehr ordentlicher Film. Die größte Schwäche ist die Handlung, die weder eine große Dynamik entwickeln kann noch eine erwähnenswerte Fallhöhe aufbaut. Wenn man es auf den Punkt bringen will: Hier passiert eigentlich nicht besonders viel. Diese Unaufgeregtheit weiß man allerdings irgendwann auch zu schätzen und es kann ja auch einmal erfrischend sein, wenn eine kleine Geschichte erzählt wird und es mal keine epische Heldenreise gibt oder man die Welt retten muss. Obwohl es natürlich in einem kleinen Rahmen besonders am Ende einige dramatische und auch traurige Momente gibt, ist Arriety ein sehr entspannendes Werk. Natürlich gibt es einen Plot, einen "Bösewicht" und Emotionen, aber das bleibt alles in einem sehr gemäßigten Rahmen.
Die Stärke liegt bei den Charakteren und besonders die namensgebende und taffe Arrietty wächst einen umgehend ans Herz. Auch die Eltern sind ziemlich süß. Mit Shō konnte ich nicht sonderlich connecten, obwohl er ein hartes – zumindest angedeutetes - Schicksal hat. Aber auch er wird einem durch die Dynamik in der Beziehung zu Arrietty näher gebracht. Und darum geht es in dem Film ja auch: Um Freundschaft. Dass man alles überstehen kann oder es einen zumindest besser geht, wenn man jemanden hat, dem man nicht egal ist.
Natürlich ist das auch eine gleich doppelte Coming-of-Age Geschichte und somit wird auch hier neben der Natur ein zweites Grundmotiv fast aller Werke von Miyazaki verwendet.
Stellenweise hat das alles auch einen ziemlich guten Witz und der Soundtrack gehört für mich zu einem der besten und eingängigsten des ganzen Ghibliverse.
Mehr kann man auch eigentlich gar nicht schreiben. Sympathisch und unterhaltsam, aber nicht der ganz große Wurf.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/the-secret- ... -arrietty/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=QfkrMq2G71g
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Smutje187
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Smutje187 »

A Girl Walks Home Alone at Night

Nicht ganz sicher, ob ich mit der Horror-/Vampirfilmbeschreibung des Internet mitgehe, dafür wirkt das Thema dann zu sehr als Metapher. Irgendwie weird, interessante Bilder und Filme aus dem Iran (und in persisch) kamen mir bis jetzt auch nicht unter. MUBI buddelt immer außergewöhnliches Zeug aus…
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Ironic Maiden
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Ironic Maiden »

Smutje187 hat geschrieben: 24. Jun 2021, 21:50 A Girl Walks Home Alone at Night

Nicht ganz sicher, ob ich mit der Horror-/Vampirfilmbeschreibung des Internet mitgehe, dafür wirkt das Thema dann zu sehr als Metapher. Irgendwie weird, interessante Bilder und Filme aus dem Iran (und in persisch) kamen mir bis jetzt auch nicht unter. MUBI buddelt immer außergewöhnliches Zeug aus…
Ich freue mich immer so, wenn wieder jemand diesen großartigen Film endeckt hat. So schön. :)
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Andre Peschke
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andre Peschke »

Andreas29 hat geschrieben: 21. Jun 2021, 18:28 Toller Cast, sehr eigenwillig und nicht fehlerfrei, aber so können sie aussehen: Moderne eigenständige Western. Mit ein bisschen mehr Schliff hätte man hier etwas ganz Großes erreichen können.
Das Buch ist hervorragend. Lies das Buch!

Der Film ist leider im Vergleich sehr "meh".

Andre
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Dicker
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Dicker »

Juno (Rewatch)
Ich brauchte mal was fürs Herz und dieser Inbegriff eines Indie-Films ist dafür genau richtig. Er trifft genau den richtigen Ton, hat schöne Charakter und sogar einen kleinen Twist am Ende.
SpoilerShow
Dass der coole, in einer Rockband Gitarre spielende und alte Horrorfilme liebende Adoptivvater in Spe am Ende seine Frau verlässt, weil er noch nicht bereit für ein Baby ist oder selbst mit seinem Leben nicht klar kommt, weil er nicht weiß was er will, fand ich einen schönen Contrapunkt. Denn das Kernmotiv des Film ist damit "Verantwortung übernehmen". Juno übernimmt sie, indem sie sich für eine Adoption entscheidet und die Adoptivmutter über nimmt sie selbstverständlich auch. Dass das alles eben nicht so selbstverständlich ist, sieht man mit dem Ende des Films sehr schön.
8/10

It's kind of a funny story
Nachdem der 15-jährige Craig wiederholt Suizidgedanken hat, weist er sich versehentlich selbst für 5 Tage in die Psychatrie ein, da er eigentlich nur Tabletten haben wollte. Dort muss er sich mit sich selbst aber auch mit den anderen Patienten auseinandersetzen.
Der Film behandelt das Thema psychische Leiden erstaunlich sensibel und schafft einen schönen Spagat zwischen Tragik und Komödie. Dabei bietet der den Charaktern keine Erlösung, sondern zeigt nur Wege zur Besserung auf. So wie im echten Leben eben auch. Da ist niemand nach 5 Tagen von seinen Suizidgedanken geheilt. Er macht das handwerklich routiniert, aber eben auch recht vorhersehbar. Trotzdem, er lässt sich gut wegschauen und auch wenn er dem Thema keine großen weiteren Facetten abringt, so muss man ihn doch für die vergleichsweise realistische Darstellung loben.
7/10
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bluttrinker13
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von bluttrinker13 »

Life (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5442430/

Keine Ahnung warum der damals an mir vorbei ging. Famose Genrekost!
Also wenn man wie ich alles schaut, was nur irgendwie nach SciFiHorror klingt, so ist der sehr sehr ordentlich gemacht und inszeniert, hat tolle kleine eigene Ideen hier und da, hohe Schlagzahl mit viel Spannung, ein knackiges Ende (!), super Cast und sehr gute Effekte. Alleine wie viele Szenen in der Schwerelosigkeit spielen, ist beachtlich. Frag mich wie die das gemacht haben. :D

Also klar, es wird Alien hoch und runter zitiert und das Genre nicht neu erfunden, aber es wird so gut gemacht, dass sich Prometheus mal dagegen weiter schön in der Ecke schämen kann (wo es auch schon vorher war und hingehörte).
Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Andre Peschke hat geschrieben: 25. Jun 2021, 23:23 Das Buch ist hervorragend. Lies das Buch!
Habe ich mal vorgemerkt.
bluttrinker13 hat geschrieben: 27. Jun 2021, 12:31 ein knackiges Ende (!)
SpoilerShow
Es gibt viele Comicfans, die "Life" für eine Origin des Bösewichts Venom aus dem Spider-Man-Universum halten.

Das wird von den Machern heftig dementiert, aber ich find's lustig :mrgreen:
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bluttrinker13
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von bluttrinker13 »

Ach lol, danke für die Info, Andreas. :D
Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

So. Es musste eine Entscheidung her. Ich gucke mittlerweile so viele Filme, dass ich in der Ausführlichkeit, in der ich zuletzt die Reviews geschrieben habe nicht mehr hinterherkomme. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder aufhören oder kürzere Rezensionen. Ich habe mich für letzteres entschieden. Wie immer gilt, dass man ja bei Bedarf näher darauf eingehen kann.

25 km/h
2018; Regisseur: Markus Goller; Darsteller_Innen: Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Sandra Hüller; Genre: Roadmovie

Georg und Christian sind zwei ungleiche Brüder. Ersterer ist immer in seiner schwäbischen Heimat geblieben, letzterer ist erfolgreicher Businessman und hat die Welt gesehen. Erst die Beerdigung des Vaters bringt die beiden wieder zusammen. Nach einer durchzechten Nacht und einem Tischtennisspiel, treten sie spontan eine Mofa-Reise zur Ostsee an, die sie schon als Jugendliche geplant haben.

Und schon meint man die Rezeptur einer typisch deutschen Produktion zu erkennen, die mit Schmalz und Humor unter der Gürtellinie über alle Schwächen beim Schauspiel, im Drehbuch und in der handwerklichen Umsetzung hinwegzutäuschen versucht. Spätestens als man zu Anfang auch schwäbische Mundart hört, meint man in einem ZDF-Lokalkrimi á la "Notruf Hafenkante" zu sein. Weit gefehlt. 25km/h mutiert zu einem der besten deutschen Beiträge der letzen Jahre. Neben den großartigen Hauptdarstellern Lars Eidinger und Bjarne Mädel, die eine authentische Chemie entwickeln, ist jede kleine Nebenrolle mit großen Namen besetzt, wie beispielsweise Franka Potente oder Alexandra Maria Lara. Dieses Ensemble verwirklicht einen Film, der nie platt und trotzdem witzig ist, tiefe und ehrliche Gefühle weckt, aber dabei nie zu sehr auf die Tränendrüse drückt.
Die Figurenkonstellation ist dabei natürlich nie neu und man folgt einer Struktur, die es schon in so vielen Roadmovies gab und wo die Stationen qualitativ immer wieder schwanken.
Kein besonders innovativer Streifen, aber eben auch grundsympathisch und damit doch herausstechend aus so viel Malen-nach-Zahlen Einheitsbrei, der sonst so aus unserem schönen Land kommt.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/25-km-h/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=VMod_ez5DBY

Deep Impact
1998; Regisseurin: Mimi Leder; Darsteller_Innen: Robert Duvall, Téa Leoni, Elijah Wood; Genre: Katastrophenfilm

Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu und droht alles auf ihrer Oberfläche zu zerstören. Während der Präsident versucht unter höchster Geheimhaltung eine Rettungsmission zu organisieren, kommt ihm eine Journalistin auf die Schliche und ein Schüler, der den Himmelskörper entdeckt hat und für tot gehalten wurde, wird in seiner Kleinstadt berühmt. Sie alle und ihre Liebsten müssen mit dem womöglich baldigen Ende der Zivilisation zurechtkommen.

"Deep Impact" ist ein sogenannter "Stiefzwilling" von "Armageddon". Das sind - zumindest im deutschen Filmsprech - thematisch sehr eng beieinander liegende Filme, die gleichzeitig oder in kurzer Abfolge erscheinen. Neben dem Bombast, den Larger-Than-Life-Charakteren und dem Pathos von "Armageddon" gilt "Deep Impact" eher als die intellektuellere Variante, die sich mehr auf die Charaktere bezieht... und das stimmt auch. Der Streifen lässt sich auf wissenschaftlicher Ebene zwar genauso in alle Einzelteile zerlegen wie der laute und pöbelnde Verwandte, aber hier wirkt alles etwas zurückgefahren. Allerdings funktioniert das Charakterdrama auch nur stellenweise. Am schwächsten ist Elijah Woods Charakter als Schüler, der kaum Raum bekommt, aber bei mir in einem dramatischen Ende und einer Lovestory Emotionen wecken soll, die einfach nicht entstehen können. Morgan Freeman sieht man immer gerne - besonders als Präsident. Dennoch geht man weder bei ihm noch bei Téa Leonie als Journalistin wirklich in die Tiefe, was es bedeutet zu wissen, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur selbst bald stirbt, sondern auch jeder/jede den/die man kennt. Als Charaktere funktionierten zumindest bei mir ausgerechnet zwei Altstars: Robert Duvall als herziger Raumfahrt-Haudegen und Maximilian Schell als Vater der Journalistin, der mit seinen tiefen und traurigen Augen mehr Emotionen weckt, als der gesamte andere Cast.
Ich mochte noch das antiklimaktische Moment, dass man manchmal entscheidende Momente nicht zeigt und es dann verkündet bekommt, wie die Bevölkerung im Film selbst. Auf die Tricks kommt es zwar nicht so an, aber die sind für das Jahr und das damals noch nicht ganz ausgereifte CGI ordentlich. Gelangweilt habe ich mich jetzt auch nie, aber ebenso wenig wurde ich aus dem Stuhl gerissen.
"Deep Impact" ist kein großer Wurf, aber nicht schlecht. Ob man ihn jetzt für besser oder schlechter als "Armageddon" befindet, ist eine reine Geschmacksache.

3 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/deep-impact/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9cqDWRIv7Mg

Ghibli der Woche

Der Mohnblumenberg
2011; Regisseur: Gorō Miyazaki; Sprecher_Innen: Masami Nagasawa, Junichi Okada, Keiko Takeshita; Genre: Anime

In den 60er Jahren soll in Yokohama aufgrund von Modernisierungsmaßnahmen für die Olympischen Spiele das Clubhaus einer Schule abgerissen werden. Dagegen protestiert aber eine Gruppe von Schülern. Rädelsführer ist der Draufgänger Shun. Das Mädchen Umi stößt zu dieser Gruppe hinzu, nicht zuletzt, weil sie Gefallen an dem Rebell findet. Beide müssen jedoch erkennen, dass sie schicksalhaft verbunden sind.

Ich habe jetzt schon so viele Ghiblis besprochen, dass ich meine Kritiken für redundant halte. Denn das ist wieder einer dieser Vertreter, die einen weder aus den Latschen hauen und dennoch nie wirklich schlecht oder gar langweilig sind. Ein durchschnittlicher Ghibli ist immer noch ein guter Film. Ich kann mich wie immer nur wiederholen: Tolle Zeichnungen, tolle Musik, flott inszeniert und eine Menge Witz und Charme. Ich mochte beide Hauptcharaktere und in einer Sequenz denkt man für einen kurzen Moment, dass "Der Mohnblumenberg" in eine sehr provokante und mutige Richtung geht, was man aber so schnell wie möglich wieder fallen lässt. Die Kontroverse wollte man sich wahrscheinlich sparen... einerseits schade, aber andererseits hätte man mit diesem Thema wirklich angeeckt. Und selbst wenn die Ghiblis oft mutiger sind als Disney, sind sie dann auch nicht so mutig.
Das, was das Werk abheben könnte, verpufft leider. Wie man in meinem schon veröffentlichten Ranking einsehen kann, reiht sich der Film mit dem wirklich schönen englischen Titel "Up on Poppy Hill" eher im Mittelfeld ein.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/from-up-on-poppy-hill/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=dJhOgKofRBw

So. Ich habe noch ein paar lange Kritiken auf Halde und sehr viele Streifen, die ich gesehen habe, aber noch keine Review geschrieben habe. Mit der Verkürzung werde ich hoffentlich wieder Konstanz hineinbringen.
Andreas29
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Registriert: 22. Mai 2019, 12:14

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Paprika
2006; Regisseur: Satoshi Kon; Sprecher_Innen: Megumi Hayashibara, Toru Emori, Katsunosuke Hori; Genre: Anime

Paprika ist eine Frau, die in einer Firma arbeitet, die eine "Traummaschine" entwickelt hat. Sie dringt in die Träume von Patienten ein um dort deren Komplexe zu erkunden. So kann eine Psychotherapie gezielter angesetzt werden. Die Maschine wird jedoch entwendet, zweckentfremdet und dann beginnt die Wirklichkeit mit der Welt der Träume zu verschwimmen.

Eine "Traummaschine" mit der man in Träume eindringen kann... kommt einem bekannt vor, oder? Ja. Nolan hat sich hier für "Inception" deutlich bei Satoshi Kon bedient. Das ist mein Erstkontakt mit einem der wohl bekanntesten und gefeiertesten Anime-Auteure überhaupt. Wie bespricht man diesen Film? "Paprika" ist ein absoluter Bilderrausch und – wie man so schön heutzutage sagt – ein ziemlicher Mindfuck. Man braucht eine hohe Konzentration um dem folgen zu können, aber dann wird man auch mit einem ziemlich cleveren und psychologischen Thriller belohnt, wenn man sich einmal an die bunte und...ja, aufdringliche Oberfläche gewöhnt hat. Eine richtige Bindung konnte ich leider zu keinem der Charaktere aufbauen; zu skurril, schrill, laut und überdreht ist hier alles. Die Figuren erfüllen eher den Zweck die Psychologie hinter alledem als Archetypen zu verdeutlichen. Das macht aber auch nichts, denn man wird mit so viel audiovisueller Kreativität zugeballert, dass man ein tiefes interpersonelles Drama nicht vermisst.
Viel mehr kann man nicht sagen: Ansehen und verzaubern, verwirren, verstören lassen.

4 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/paprika-2006/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=yn7U1KIGeuQ
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