Anpfiff: Der Fußball-Thread

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Tengri Lethos
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Tengri Lethos »

Andreas29 hat geschrieben: 27. Mai 2021, 11:05
Dann geh ich da als Spieler halt nicht hin, wenn ich selber merke, dass ich den Interviewer eh nur als Punching Ball nutzen werde und die Fragen, die gestellt werden, schon von vorneherein klar sind. Die "Wie fühlen sie sich?"-Frage ist doch mittlerweile so Standard nach solchen Spielen, dass ich mit der rechnen muss. Und wenn ich darauf kein Bock habe, dann gehe ich halt nicht zum Interview. So bleibt für mich immer der Eindruck, dass Spieler gezielt in diese Interviews gehen um Frust abzubauen.

Was soll man als Reporter denn in dieser Situation sonst fragen? Eine taktische Analyse verlangen?

Mir ist das ehrlich gesagt zu billig alles abzufeiern, was mal etwas aus der Reihe tanzt, nur weil ein Spieler mal etwas rumpöbelt. .
Sorry, aber da bin ich anderer Meinung. Die Journalisten verhalten sich da wie Gaffer bei einem Autounfall. Hauptsache etwas an Sensation rausquetschen.
Erstens steht es den Spielern nicht immer frei, ob sie Interviews geben wollen (soweit ich weiß), zweitens kann man ja auch Verantwortung übernehmen und sich stellvertretend für das Team hinstellen. Dann aber als Interviewer gönnerhaft zu sagen „komm, lass mal ruhig alles raus...sind ja nur wir beide, Zehntausende Zuschauer und ist gut für die Quote“ nervt mich seit Jahren an. Ich merke schon selber, wie es einem Menschen nach so einem Spiel geht ohne dass man solche wirklich dummen Suggestivfragen stellen will, bei denen man als Spieler eh befürchten muss, dass die Antwort gegen Dich verwendet wird. Sagt Hector „ich fühle mich gerade total leer“ kommt als nächstes die Schlagzeile „Hector glaubt auch nicht mehr dran...wie soll das noch was werden?“
Menschen in emotionalen Situationen zu befragen ist ein schwieriges Thema, aber bei so vielen wirklich dummen Fragen, die ich fast jedes Wochenende von den Reportern höre kann ich es auch verstehen, wenn man nach einer so langen Saison auch mal nicht mehr den Tanzbären geben will, der auf Knopfdruck die Emotionen zeigt, die der Sender sehen will und auch mal direkt sagt, was man denkt.
Von daher meiner Meinung nach: Hart an der Kante von Hector aber nicht drüber. Wenn er gesagt hätte „dumme Menschen stellen dumme Fragen“ würde ich das auch anders sehen, aber so...
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Jon Zen
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Jon Zen »

Tengri Lethos hat geschrieben: 27. Mai 2021, 21:09
Andreas29 hat geschrieben: 27. Mai 2021, 11:05
Dann geh ich da als Spieler halt nicht hin, wenn ich selber merke, dass ich den Interviewer eh nur als Punching Ball nutzen werde und die Fragen, die gestellt werden, schon von vorneherein klar sind. Die "Wie fühlen sie sich?"-Frage ist doch mittlerweile so Standard nach solchen Spielen, dass ich mit der rechnen muss. Und wenn ich darauf kein Bock habe, dann gehe ich halt nicht zum Interview. So bleibt für mich immer der Eindruck, dass Spieler gezielt in diese Interviews gehen um Frust abzubauen.

Was soll man als Reporter denn in dieser Situation sonst fragen? Eine taktische Analyse verlangen?

Mir ist das ehrlich gesagt zu billig alles abzufeiern, was mal etwas aus der Reihe tanzt, nur weil ein Spieler mal etwas rumpöbelt. .
Sorry, aber da bin ich anderer Meinung. Die Journalisten verhalten sich da wie Gaffer bei einem Autounfall. Hauptsache etwas an Sensation rausquetschen.
Bin auch deiner Meinung @Tengri Lethos.
Dass die Interviews kurz nach einem Spiel einen solch hohen Stellenwert in der Fernsehübertragung besitzen, kann ich nicht nachvollziehen. Taktisch bekommt man in diesem Moment wenig von ihnen heraus, das Gesagte füttert meist nur das Phrasenschwein.
Mich macht es jedes Mal sauer, wenn die Reporter den Spieler fragen, ob sie denken, dass xy ein Foul war oder nicht. Das kann der Spieler nachvollziehbar mein seiner eingeschränkten Sicht, oft unvollständigem Regelverständnis und in der hochemotionalen Situation nach einem Spiel am schlechtesten objektiv beurteilen.
Gleiches gilt für Trainer & Sportdirektoren/Manager. Purer Boulevardjournalismus.

Der Rasenfunk hat sich bereits viel mit diesem journalistischem Stil beschäftigt und hält größt möglichen Abstand davon. Finde ich gut. Auch gut ist, dass Sky mit Alex Feuerherdt von Colinas Erben einen Schiedsrichterexperten engagiert hat, der auch erklären kann.
Der Fußballjournalismus wird in den Massenmedien besser, aber sehr langsam.

Btw. kann ich neben den schon erwähnten Podcasts, "The Athletic" (hervorragende App für Abonennten; Fokus internationaler & englischer Fußball, aber auch sehr gute Artikel über die Bundesliga von Raphael Honigstein + NFL/NBA/MLB/NHL) und den Youtube Kanal von Constantin Eckner (von Spielverlagerung.de) empfehlen.
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oilrumsick
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von oilrumsick »

Andreas29 hat geschrieben: 27. Mai 2021, 11:05 Was soll man als Reporter denn in dieser Situation sonst fragen? Eine taktische Analyse verlangen?
Hier liegt aus meiner Sicht das größte Problem an der ganzen Sache, denn die korrekte Antwort wäre für mich: Gar nichts. Dadurch ergäbe sich der Schluss, dass man diese "Journalisten" ja gar nicht benötigen würde, welchem ich zustimmen könnte. Abgesehen von boulevardeskem Müll ist noch nie etwas brauchbares aus diesen Interviews hervorgegangen, also sollte man sie einfach abschaffen.

Die taktische Analyse kommt von den Experten im Studio, nicht vo dem abgekämpften Spieler direkt nach dem Spiel. Dieser bespricht es mit seinem Team und dem Trainer ggfs. am nächsten Tag oder bei der nächsten Trainingseinheit. Alles andere dient nur der Sensationsgeilheit.

Und ja, genau wie BILD-Reporter und andere moralisch fragwürdige Gestalten sollten sich hier auch die Sportreporter mal hinterfragen, ob sie nicht lieber einer ehrlichen, produktiven Arbeit nachgehen wollen.
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lipt00n
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von lipt00n »

Naja, es gibt da schon deutliche Unterschiede.

Wenn ich einen Ecki Heuser am Spielfeldrand seine Fragen stellen hören, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das ist furchtbare Sensationsgeilheit und unendlich dumme Fragen, die natürlich auch unbedingt eine "dämliche" Reaktion provozieren wollen. Das konnte man über die ganze Saison mal wieder wunderbar mit ansehen.
Was da nach dem Spiel bei bspw. DAZN abgefragt wird (meine Referenz ist die letzte EL Saison der Eintracht) kann man auch als Journalismus bewerten und das hat oft auch einen Mehrwert bzw. habe ich da das Gefühl, die Information ist die tatsächliche Intention hinter der Frage, nicht das pure Bloßstellen wie bei dem o.g. Kollegen.
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Jon Zen
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Jon Zen »

lipt00n hat geschrieben: 29. Mai 2021, 08:47 Naja, es gibt da schon deutliche Unterschiede.

Wenn ich einen Ecki Heuser am Spielfeldrand seine Fragen stellen hören, stellen sich mir die Nackenhaare auf.
Der ist wirklich der Schlimmste!
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Xyxyx
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Xyxyx »

Da die Europameisterschaft bevorsteht - was mir in Zeiten von Corona immer noch komisch vorkommt - möchte ich dennoch darauf verweisen, dass es von Spielverlagerung.de wieder ein digitales Sonderheft als PDF gibt. 272 Seiten mit taktischen Analysen und besserwisserischen Begriffen für 6,95 €. Erneut hab ich nix mit den Leuten zu tun und verdiene nix daran, aber angesichts der auch hier im Thread angesprochenen sehr problematischen Situation des Sportjournalismus finde ich solche Projekte sehr unterstützenswert, weil es sich halt sehr abseits von dem furchtbaren Doppelpass-Sprech bewegt.

Falls jemand also Interesse hat: https://spielverlagerung.de/2021/06/03/ ... chau-2021/
meieiro
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von meieiro »

Ich kenn jetzt Spielverlagerung nicht so, aber alles was nicht zu den großen deutschen Portalen gehört, ist unterstützenswert.

Ich kann mich noch an den Tod von Robert Enke erinnern und dass danach alle gesagt haben, wir müssen aufpassen, wie wir mit unseren Sportstars umgehen. Davon ist heute nix mehr übrig.
Der Sportjournalismus bewegt sich meiner Ansicht nach auf dem Niveau der Yellow Press.
Wenn ich einfach jetzt auf die beiden großen Portale Sport1 und Spox schaue, dann werden auf beiden Portalen die Gewinner und Verlierer unter den Nationalspielern gezeigt, bevor auch nur ein Spiel der EM gespielt wurde.
Überschrift bei Sport1: '3 Bayern-Stars unter den Verlierern'. Man fokusiert sich nur auf das Negative. Im Artikel gibts dann auch Gewinner
Bei Spox ist es etwas besser: Gewinner und Verlierer: Bayern Stars drohen viele Bank-Minuten. Aber auch hier liegt der Focus wieder auf den Verlierern.

Ich habe die letzten Jahre gerne auf Spox gelesen, weil die meiner Ansicht nach einen sehr guten NFL-Bereich haben, aber mittlerweile hat da jeder Artikel mindestens ein Video eingebunden, dass automatisch startet und meist gar nichts mit dem Artikel zu tun hat.
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Filusi
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Filusi »

Zumindest der Rasenfunk hatte sich nochmal intensiv dem Thema angenommen:

Podcast: Tribünengespräch vom 12.12.2017
Depression im Fußball
https://rasenfunk.de/tribuenengespraech/15
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Jon Zen
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Jon Zen »

Xyxyx hat geschrieben: 9. Jun 2021, 03:13 Falls jemand also Interesse hat: https://spielverlagerung.de/2021/06/03/ ... chau-2021/
Danke, auf das darauf aufmerksam machen. Werde ich mir wieder holen. Das WM Heft war schon super.
Natürlich hätte ich davon gerne eine Print Version, die ich mir dann einfach neben den Fernseher legen könnte. Kann sogar sein, dass ich mir sie bei der WM ausgedruckt habe - wie ein Uni-Skript. :lol:
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Andreas29
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Heute Abend Schauerwetter in München. Es wäre ein Bild für die Götter, wenn sich über dem Stadion ein Regenbogen bilden würde :mrgreen:
meieiro
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von meieiro »

Andreas29 hat geschrieben: 23. Jun 2021, 11:49 Heute Abend Schauerwetter in München. Es wäre ein Bild für die Götter, wenn sich über dem Stadion ein Regenbogen bilden würde :mrgreen:
Ich habe für mich aus vielen Gründen beschlossen diese EM nicht zu schauen, aber dafür würde ich einschalten
Andreas29
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Die UEFA hat übrigens den Vogel abgeschossen:
https://www.spiegel.de/sport/fussball/f ... 352c9e6e14

Dafür gibt es gerade auf Twitter Prügel.

Desweiteren hat Orban seine Reise nach München abgesagt. Viele deutsche Clubs werden heute Abend ihre Stadien in Regenbogenfarben tauchen; darauf wollen ungarische Clubs ihre Stadien mit Nationalfarben anleuchten. Die Polizei München hat Angst, dass es vor der Allianz Arena zu Scharmützeln kommt.

Der Bürgermeister von München will derweil jedes kleinste Stück der Stadt in öffentlicher Hand mit Regenbogen bestrahlen.

Sogar Söder als CSU(!)-Ministerpräsident regt sich darüber auf, dass das Stadion heute Abend nicht in den gewünschten Farben leuchtet.

That escalated quickly...

Aber es zeigt sich wie weit wir als Gesellschaft mittlerweile gekommen sind, wenn das Sportliche bei einem entscheidenden EM-Gruppenspiel so in den Hintergrund gerät.
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Jon Zen
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Jon Zen »

Der Modus, dass 16 von 24 Mannschaften weiterkommen, also 4/6 Gruppendritte, hat mir überraschend gut aus der Rechen-Nerd Perspektive gefallen. So gab es viele Fälle, wie Mannschaften noch weiterkommen oder rausfliegen konnten, die Situation hat sich z.T. minütlich geändert. Viele Spiele wurden gerade durch dieses System spannend.
Noch besser wäre das System gewesen, hätten die besten 6 Gruppenersten gegen die Gruppendritten gespielt und die zwei schlechtesten Gruppenzweiten gegen die schlechtesten Gruppenersten, um das Losglück etwas abzuschwächen (was bei dieser EM ein extrem großer Faktor ist).

Fußball-Puristen werden jetzt sagen: "Geh mir weg mit diesem neumodigem Scheiß!"
Naja, die Welt dreht sich weiter. :P In der Theorie wäre das Schweizer-System, bei dem jedes Spiel wichtig ist, besser (wird z.B. bei den Counter-Strike Turnieren verwendet). Der Nachteil ist, dass das System noch komplizierter zu verstehen ist.
Daher ist das 16/24er Gruppensystem eine guter Kompromiss zwischen Verständlichkeit und Spannung.
Zuletzt geändert von Jon Zen am 25. Jun 2021, 21:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Jon Zen
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Jon Zen »

Heute wurde die Auswärtstorregel in der Championsleague gekippt. Stattdessen wird nun bei Gleichstand immer mit Verlängerung und ggf. Elfmeterschießen gespielt.
Die Uefa brauchte echt dringend positive Presse. :lol:
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Felidae
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Felidae »

Jon Zen hat geschrieben: 24. Jun 2021, 00:23 Der Modus, dass 16 von 24 Mannschaften weiterkommen, also 4/6 Gruppendritte, hat mir überraschend gut aus der Rechen-Nerd Perspektive gefallen. So gab es viele Fälle, wie Mannschaften noch weiterkommen oder rausfliegen konnten, hat sich z.T. minütlich geändert. Viele Spiele wurden gerade durch diese System spannend.
Angesichts dessen, was für Defensivgemauere in der Vorrunde die Folge sowohl 2016 als auch 2021 war, entschiedener Widerspruch. Portugal wurde aufgrund dieser Schwachsinnsregel 2016 absolut unverdient Europameister - mit drei Unentschieden in der Vorrunde. Das erste halbwegs brauchbare Spiel hat Portugal im Finale abgeliefert (bezeichnenderweise ab dem Moment, in dem die Mannschaft nicht mehr von Ronaldo behindert wurde).

Portugal ist nur das prominenteste Beispiel - das Wissen, dass drei Unentschieden reichen können, hat einige Mannschaften sehr defensiv werden lassen, an denen sich dann die Mannschaften, die wirklich spielen wollten, die Zähne ausgebissen haben. Auf dem Papier mag das mathematisch ja ungemein reizvoll sein - wenn aber 90 Minuten lang absolute Defensivfanatiker jegliches attraktive Spiel verhindern, geht dieser mathematische Reiz ein bisschen am eigentlichen Ziel einer Fußball-EM vorbei.
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DexterKane
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von DexterKane »

Volle Zustimmung!
Generell hielt ich die Idee eines Achtelfinales für reizvoll, aber von der derzeitigen Umsetzung halte ich gar nichts.
Eine Lösung wäre vielleicht 2 weitere Gruppen antreten zu lassen und dann nur die ersten beiden Plätze weiterkommen zu lassen.
Andererseits würde darunter die allgemeine Qualität noch weiter leiden. Ich hab mir fast alle Gruppenspiele angesehen und die Unterschiede in der individuellen Qualität sind teilweise beachtlich.

Zum alten System mit nur 16 Mannschaften will ich aber auch nicht zurück.
Schwierig...
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Peter »

Ich bin dagegen voll bei Jon Zen. Ursprünglich hielt ich den Modus auch für eine schlechte Idee, inzwischen aber für eine gute.

Ich verfolge die EMs seit 1988 und diese hier gehört für mich was spielerische Qualität und die Spannung der Partien betrifft definitiv zum oberen Drittel. Der Toreschnitt ist bisher höher als bei fast allen anderen Turnieren, es gab in 24 Vorrundenpartien lediglich zwei 0:0 (zum Vergleich z.B. 1992 mit dreimal 0:0 in gerade mal 10 Partien). Gerade der letzte Spieltag war erheblich spannender als früher, mit teils minütlich völlig auf den Kopf gestellten Konstellationen.
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Felidae »

DexterKane hat geschrieben: 25. Jun 2021, 13:15 Volle Zustimmung!
Generell hielt ich die Idee eines Achtelfinales für reizvoll, aber von der derzeitigen Umsetzung halte ich gar nichts.
Eine Lösung wäre vielleicht 2 weitere Gruppen antreten zu lassen und dann nur die ersten beiden Plätze weiterkommen zu lassen.
Andererseits würde darunter die allgemeine Qualität noch weiter leiden. Ich hab mir fast alle Gruppenspiele angesehen und die Unterschiede in der individuellen Qualität sind teilweise beachtlich.

Zum alten System mit nur 16 Mannschaften will ich aber auch nicht zurück.
Schwierig...
Ich versteh ja durchaus, dass auch die "kleineren" Länder teilnehmen wollen. Aber da es mittlerweile keine schlechten Mannschaften in dem Sinn mehr gibt, nur noch spielerisch schwache, kann es ja auch nicht Sinn der Sache sein, ein System zu haben, das systematisch jene bevorzugt, die jegliches Spiel konsequent verhindern und jene benachteiligt, die auf tatsächliches Spielen setzen. Man hat in der Vorrunde deutlich gesehen, wie schwer es selbst den Favoriten fällt, sich gegen elf Mann im 16er durchzusetzen. Und da red ich grad nur vom Toreschießen - noch überhaupt nicht davon, ob es auch noch schön anzusehen ist.

Wenn eine EM stattfindet und ich nach der Vorrunde ausgerechnet von ITALIEN begeistert bin, sagt das eine ganze Menge. :)
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Felidae »

Peter hat geschrieben: 25. Jun 2021, 13:28 Ich bin dagegen voll bei Jon Zen. Ursprünglich hielt ich den Modus auch für eine schlechte Idee, inzwischen aber für eine gute.

Ich verfolge die EMs seit 1988 und diese hier gehört für mich was spielerische Qualität und die Spannung der Partien betrifft definitiv zum oberen Drittel. Der Toreschnitt ist bisher höher als bei fast allen anderen Turnieren, es gab in 24 Vorrundenpartien lediglich zwei 0:0 (zum Vergleich z.B. 1992 mit dreimal 0:0 in gerade mal 10 Partien). Gerade der letzte Spieltag war erheblich spannender als früher, mit teils minütlich völlig auf den Kopf gestellten Konstellationen.
Aber ein 0 : 0 ist halt nicht wie das andere. Ich hab schon wunderschön anzusehende 0 : 0 gesehen, die in jeder Hinsicht um Klassen besser waren als so manches mühsam abgetrotzte 1 : 0 in der 84. Minute, weil die Verteidiger einmal dann doch unkonzentriert waren. Wenn es dem beinharten Fan nur drum geht, dass seine Mannschaft weiterkommt, egal wie - okay, legitime Sichtweise. Aber wenns um Schauwerte geht, ist das derzeitige System absolut nicht von Vorteil. Ganz gleich, wie der Torschnitt dabei aussieht.

Den jetzigen Torschnitt dürften im übrigen vor allem Ukraine - Niederlande und Portugal - Deutschland (und zweimal Italien) positiv pushen. Der Rest war jetzt auch nicht soooo spektakulär...
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Peter
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Re: Anpfiff: Der Fußball-Thread

Beitrag von Peter »

Felidae hat geschrieben: 25. Jun 2021, 13:40 Aber wenns um Schauwerte geht, ist das derzeitige System absolut nicht von Vorteil.
Das sehe ich halt anders. Im Vergleich zu früher haben die Partien im Schnitt einen höheren Schauwert geboten. Wenn man dagegen das alte Italien mit seinem Catenaccio toll fand, oder ein Griechenland, das sich vom ersten bis zum letzten Spiel zum Titel gemauert hat, oder den berüchtigten deutschen Rumpelfußball der 0er, dann kann man das natürlich anders sehen. Ich will den Fußball der 90er und 00er jedenfalls nicht mehr zurück, genausowenig wie die damaligen Turniersysteme, die oftmals zu langweiligen Konstellationen geführt haben, bei denen sich die Mannschaften den Ball hin und herschieben, weil ihnen ein Unentschieden reicht, um die beiden Plätze fürs Weiterkommen zu belegen.
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