Originalsprache als Hype

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timcbaoth
Beiträge: 6
Registriert: 11. Apr 2018, 19:01

Originalsprache als Hype

Beitrag von timcbaoth »

In der dritten Folge des literarischen Duetts kamen Jochen und Sebastian wieder auf ein Thema zu sprechen, das mir schon länger am Herzen liegt: Bücher in der Originalsprache zu lesen. Mir scheint, dass die überwältigende Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung heutzutage darauf besteht, alle Medien - sofern möglich - in Originalsprache zu konsumieren. Bei solchen Diskussionen kann ich mich oft nicht des Eindruckes erwehren, dass ein Gutteil der Forderung Bücher, Filme oder Spiele in der Originalsprache zu erleben, auf Snobismus beruht. Natürlich möchte ich niemandem auf die Füsse treten, sondern möchte hier einige Begründungen für meine brisante These aufzählen:

1) Ich selbst kann recht gut Englisch, Level C1-C2 habe ich etwa an der Uni mit der Bestnote abgeschlossen und bereits im Gymnasium mittels Cambridge-Advanced-Zertifikat bescheinigt bekommen. Trotzdem tue ich mir bei so manchem Film schwer, sämtliche Sprecher gut zu verstehen. Nicht nur, dass mir einzelne Wörter unbekannt sein können: Diverse Dialekte, Idiome und schleißige Aussprache stellen mich oftmals vor Probleme. Hinzu kommt, insbesondere bei alten Filmen, eine suboptimale Tonqualität. Somit gilt: Auch wenn Nuancen mit der Übersetzung verloren gehen, so gingen sie bisweilen auch im Verständnis der Fremdsprache unter.

2) Selbst wenn mir alle verwendeten Ausdrücke geläufig sind, und ich mir einen Reim darauf machen kann, so verschließen sich mir, als Nicht-Muttersprachler, die feingliedrigeren Konnotationen, die die Wahl eines bestimmten Ausdrucks mit sich bringt. Da Übersetzungen zumeist von Personen erstellt werden, die erstens ein weitaus größeres linguistisches Wissen haben als ich und zweitens einen tieferen Einblick in die Welt der Literatur, müsste man bei einem kompetenten Übersetzer davon ausgehen, dass er mehr von der Intention des Medienschaffenden erhalten kann, als ich in meiner mentalen Übersetzung.

3) Immer wieder erlebe ich, wie sich Leute darüber beschweren, dass in einer Übersetzung auch Eigennamen ins Deutsche tradiert wurden - A Song of Ice and Fire als Musterbeispiel. Die Qualität dieser Übersetzungen lässt sich meiner Meinung nach durchaus kritisieren, jedoch scheint mir das Lesen dieser Übersetzung wesentlich konsistenter und angenehmer, als es bei den alten Übersetzungen (bei diesen wurden Eigennamen im Original belassen) je möglich war. Wenn Menschen, die immer nur Deutsch sprechen, auf einmal in Städte mit englischen Namen agieren, dann erzeugt das eine nicht zu leugnende kognitive Dissonanz und stört mich beim Lesen. Es ergibt einfach keinen Sinn. :snooty:

4) Zugegeben, dieser Punkt ist höchst spekulativ, aber ich bin mir sicher, wenn man den meisten Verfechtern der Originalsprache ein Videospiel aus Deutschland, das primär auf Deutsch entwickelt wurde, vorsetzen würde, würden die meisten auf Englisch stellen und voller Inbrust behaupten, dass die vermeintliche Originalsprache das bessere Erlebnis wäre. Auch will ich gar nicht wissen, wie viele Deutsche sich etwa Romane von Haruki Murakami auf Englisch kaufen ohne zu merken, dass es sich dabei keineswegs um die Originalversion handelt.

Nun ist es allerdings so, dass ich selbst die meisten Spiele, Bücher, Filme und Serien auf Englisch konsumiere. Letztens habe ich mich richtiggehend geärgert, als ich mir den Director's Cut von Blade Runner auf Google Play gekauft habe und die Sprache fix auf Deutsch gestellt war. :whistle: Wie soll ich mit diesem Paradoxon umgehen? Ich denke, das Thema bietet sich für spannende und erkenntnisreiche Diskussionen geradezu an. Was ist eure Meinung dazu?

meisterlampe1989

Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von meisterlampe1989 »

timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 19:58
In der dritten Folge des literarischen Duetts kamen Jochen und Sebastian wieder auf ein Thema zu sprechen, das mir schon länger am Herzen liegt: Bücher in der Originalsprache zu lesen. Mir scheint, dass die überwältigende Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung heutzutage darauf besteht, alle Medien - sofern möglich - in Originalsprache zu konsumieren.
Das ist nicht korrekt. Deutschland hat die größte Synchronbranche der Welt. Und allen Unkenrufen zum Trotz auch die mit Abstand professionellste. Die meisten Länder Untertiteln nur und wenn sie sich an Synchronfassungen versuchen, sind diese meistens wirklich grottenschlecht. Oft hört man den Orginalton und darüber ist dann einfach die Synchro gesprochen.
Diese Tradition konnte nur entstehen, weil es auch eine Nachfrage gibt. Bis heute. Es gab mal eine Umfrage, die ich leider nicht mehr zitieren kann und ich weiß auch nicht mehr von wem die kam, aber ich meine mich an eine Zahl um die 90% zu erinnern, die in Deutschland Synchronfassungen zu schauen. Du musst nur ins Fernsehen schauen oder ins Kino. Da laufen ausschließlich lokalisierte Filme. Auch im Kino gibt es meistens nur in Multiplexkinos ingrößeren Städten OV- oder OmU-Angebote. Hier in meiner Stadt hat das Kino nur eine OV-Vorführung in der Woche. Oder um bei den Büchern zu bleiben: Gehe mal in ein Thalia. Wenn du etwas im Original lesen willst, musst du bestellen.
timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 19:58
Bei solchen Diskussionen kann ich mich oft nicht des Eindruckes erwehren, dass ein Gutteil der Forderung Bücher, Filme oder Spiele in der Originalsprache zu erleben, auf Snobismus beruht.
Ich möchte halt die Absicht des Künstlers möglichst unverfälscht genießen und wertschätzen. Und was ist da besser als das Original? Man muss es nicht jedem unter die Nase reiben mit dem typischen "Das Original ist aber besser", aber jemand der eine Übersetzung liest oder schaut oder spielt, der hat dort eben "nur" eine Interpretation vor sich. Ich finde es z.B. irgendwie komisch, wenn er aus einer deutschen Kinovorstellung kommt und die Schauspieler lobt. "Wow, Tom Hanks war wieder fantastisch". Dann sag ich als OV-Nazi (wie wir ja gerne genannt werden): Nein. Du hast nur seine Mimik gesehen über die ein anderer Schauspieler drüber gesprochen hast. Du kannst die schauspielerische Leistung gar nicht beurteilen.
Und manche Sachen lassen sich nicht übersetzen und gehen verloren. Und was viele unterschätzen ist, dass Synchros auch immer zu laut sind und Umgebungsgeräusche "dumpfer" klingen lassen. Das kennt man nicht, wenn man nur Synchros schaut, aber wenn du einmal eine OV gesehen hast, kannst du allein aus dem Grund nicht mehr zurück. Das stört so sehr die Atmosphäre.
Trotzdem: Wenn man einfach kein Englisch kann, dann ist es natürlich legitim auch Synchros zu schauen. Jeder so wie er möchte; Hauptsache er oder sie hat Spaß.

zu 1)
Ich finde daran gewöhnt man sich nach einer gewissen Zeit. Man lernt sehr schnell Idiome und Slang. Schulenglisch reicht auch einfach nicht aus, deswegen sind die "Ihr habt doch in der Schule Englisch gelernt" - Schreier auch Fehl am Platz. Ein Wortschatz schadet sicher nicht, aber in der Schule lernt man nicht das "moolah" ein Slangwort für Geld ist oder "I call Shotgun" heißt, dass man im Auto vorne fahren will. Und in der Schule redet man auch immer ganz klares Oxford-Englisch, was kein Vergleich ist, wie man wirklich miteinander redet. Das ist eine große Einstiegshürde, aber ich finde es lohnt sich sie zu überspringen.

zu 2)
Das ist halt der Preis den man für das Original zahlt. Wenn was weggenuschelt wird oder man ein Slangwort nicht kennt, dann muss man aus dem Zusammenhang schließen. Außerdem hat heute jeder mittlerweile einen Second Screen, z.B. ein Tablet oder ein Smartphone. Ich habe immer mein Handy auf dict.org neben mir liegen, wenn ich etwas schaue, wo sehr viel Slang vorkommt. Auf dem Kindle ist sogar ein Übersetzer eingebaut, man muss nur auf das Wort drücken.

zu 3)
Das ist Geschmacks- und Gewohnheitssache. Ich habe Game of Thrones zuerst auf Deutsch gesehen. Wenn ich "John Schnee" höre, muss ich innerlich weinen. Hier kann man übrigens auch sehen, dass die Phonetik oft unterschätzt wird. "John Snow" hört sich einfach cool an. "John Schnee" ist zwar korrekt übersetzt, hört sich aber irgendwie "kantig" an.

zu 4)
Ich erkundige mich immer nach der Originalsprache. Aber so Leute gibt es. Ich kenne welche, die sich auf Netflix die deutsche Serie "Dark" auf Englisch angeguckt haben. Das finde ich aber genauso albern wie du.
timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 19:58
Nun ist es allerdings so, dass ich selbst die meisten Spiele, Bücher, Filme und Serien auf Englisch konsumiere. Letztens habe ich mich richtiggehend geärgert, als ich mir den Director's Cut von Blade Runner auf Google Play gekauft habe und die Sprache fix auf Deutsch gestellt war. :whistle: Wie soll ich mit diesem Paradoxon umgehen? Ich denke, das Thema bietet sich für spannende und erkenntnisreiche Diskussionen geradezu an. Was ist eure Meinung dazu?
Ich habe mir neulich erst Sympathy for Mr. Vengeance auf Blu-Ray gekauft, weil die Leihversion auf Amazon Video keine koreanische Tonspur hatte. Dafür habe ich 6€ mehr ausgegeben und 3 Wochen gewartet. I hear you :mrgreen:

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Heretic
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Heretic »

Irgendwie vermute ich, dass viele der beinharten O-Ton-Verfechter nicht alles so hundertprozentig richtig verstehen und interpretieren, wie sie glauben. Insbesondere, wenn noch Slang, Dialekte und Redewendungen hinzukommen. Schonmal "Trainspotting" im Original gesehen und auf Anhieb alles verstanden? Glaub' ich nicht. ;) Und wenn zusätzlich noch über die unsäglich schlechten deutschen Synchros gemotzt wird, frag' ich mich, woher sie die überhaupt kennen...

Auf der anderen Seite verstehe ich die Leute, die ein Werk unverfälscht genießen möchten und die echten Stimmen der Schauspieler hören möchten. Filme gucke ich normalerweise synchronisiert und - bei Gefallen - nochmal im O-Ton. Bei Spielen siegt meist die Faulheit, dh. die deutsche Synchro. Es sei denn, sie ist wirklich zum Fürchten schlecht.

Gegen übersetzte Ortsnamen hab' ich nichts einzuwenden, Namen sollte man im Original belassen. Und sei es nur, um unnötiges Chaos zu vermeiden (Mithrandir, Gandalf... wie heißt der denn nun? :mrgreen: )

timcbaoth
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von timcbaoth »

Das ist nicht korrekt. Deutschland hat die größte Synchronbranche der Welt. Und allen Unkenrufen zum Trotz auch die mit Abstand professionellste.
Absolut, dieser Anschein wird bei mir wohl besonders dadurch erweckt, dass ich hauptsächlich mit jungen Erwachsenen, die alle sehr Internet-affin sind, zu tun habe.
Die meisten Länder Untertiteln nur und wenn sie sich an Synchronfassungen versuchen, sind diese meistens wirklich grottenschlecht. Oft hört man den Orginalton und darüber ist dann einfach die Synchro gesprochen.
Da habe ich tatsächlich letztens eine Serie in Bulgarien geschaut, in der alle Personen vom selben Sprecher synchronisiert wurden (egal ob Frau oder Mann). :lol:
Das ist eine große Einstiegshürde
Ich finde, diese Hürde bleibt auch weit nach dem Einstieg bestehen. Klar verstehe ich mittlerweile mehr als Anfangs. Aber selbst wenn ich 99% verstehe, könnte ich auf Deutsch vllt. 99,9% verstehen. Ein guter Übersetzer könnte dann unter Umständen 99,4% rüberbringen.
Das ist halt der Preis den man für das Original zahlt. Wenn was weggenuschelt wird oder man ein Slangwort nicht kennt, dann muss man aus dem Zusammenhang schließen. Außerdem hat heute jeder mittlerweile einen Second Screen, z.B. ein Tablet oder ein Smartphone. Ich habe immer mein Handy auf dict.org neben mir liegen, wenn ich etwas schaue, wo sehr viel Slang vorkommt. Auf dem Kindle ist sogar ein Übersetzer eingebaut, man muss nur auf das Wort drücken.
Wenn ich während des Medienkonsums erstmal eine Übersetzung nachschlagen muss, ist das aber höchst schädlich für die Immersion. Die Konnotationen kann ich ebenfalls nur schwer aus dem Wörterbuch erahnen.
Ich finde es z.B. irgendwie komisch, wenn er aus einer deutschen Kinovorstellung kommt und die Schauspieler lobt. "Wow, Tom Hanks war wieder fantastisch".
Vielleicht sollte ich Filme in meiner Argumentation ausklammern, denn du hast absolut recht damit, dass OV mit UT das Beste aus beiden Welten liefern kann. Denn das gesprochene Wort ist definitiv ein erheblicher Teil der schauspielerischen Leistung.

Insbesondere aber bei Literatur: Der für mich interessanteste Punkt ist der, dass einem Übersetzer im Regelfall mehr zuzutrauen sein müsste, als fast allen Medienkonsumenten. In einem literarisch komplexen Buch etwa, das viel mit Worten, Konnotationen und Lautmalerei spielt, müsste eine gute Übersetzung mMn fast immer bessere Resultate liefern als mein mentaler Überstezer. (Und ja, mir ist klar, dass in der Realität hier oft andere Restriktionen greifen, wie schlechte Bezahlung, Zeitmangel, etc.)

timcbaoth
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von timcbaoth »

Gegen übersetzte Ortsnamen hab' ich nichts einzuwenden, Namen sollte man im Original belassen. Und sei es nur, um unnötiges Chaos zu vermeiden (Mithrandir, Gandalf... wie heißt der denn nun? :mrgreen: )
Ich habe das Gefühl, dass sich hier heutzutage ein gewisses Dilemma für Übersetzer auftut. Dadurch, dass sich sehr viele internationale Nutzer insbesondere im Internet auf Englisch austauschen, kann ich mir gut vorstellen, dass man sich gar nicht mehr traut, (Orts-)Namen zu übersetzen.

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Heretic
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Heretic »

timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 21:07
Ich habe das Gefühl, dass sich hier heutzutage ein gewisses Dilemma für Übersetzer auftut. Dadurch, dass sich sehr viele internationale Nutzer insbesondere im Internet auf Englisch austauschen, kann ich mir gut vorstellen, dass man sich gar nicht mehr traut, (Orts-)Namen zu übersetzen.
Gut möglich. Ist natürlich auch blöd, wenn es z.B. im Film anders gehandhabt wird als im Roman. War das nicht bei "Game of Thrones" der Fall?

Btw: ich musste gerade an diese Filmszene denken:
https://www.youtube.com/watch?v=yfSnaY1Wp_U

:mrgreen:

lnhh
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von lnhh »

Ich hab laengere Zeit im Ausland gelebt und jegliche Filme / Serien auf Englisch konsumiert. Seit dem fallen mir die Unterschiede des Gehoerte und der Lippenbewegungen so dermassen auf, dass ich auf Englisch produzierte Filme schwerlich auf Deutsch geniessen kann.

Zweitens lassen sich viele Witze einfach schlecht uebersetzen. Oft bemerkt hab ich das bei South Park etc.
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Dicker
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Dicker »

Ich hab es mir auch angewöhnt, Filme und Serien auf Englisch zu schauen. Hauptsächlich aus zwei Gründen. 1) Wer sich einmal daran gewöhnt hat, will danach so schnell keinen Synchronisierten Film mehr sehen. 2) Es ist eine super Gelegenheit sein Englisch zu üben.

Bücher hingegen empfinde ich auf Englisch meist als zu anstrengend. Dazu greift der erste Grund von oben nicht.

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Desotho
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Desotho »

Erstmal muss das jeder für sich selbst ausmachen.
Ich entscheide es von Fall zu Fall. Vieles schaue ich O-Ton, es kommt aber auch vor dass ich mich für die deutsche Synchro entscheide.
Synchro ist halt einfacher zu konsumieren, Untertitel lesen ist halt doch nochmal was anderes.
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Feamorn
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Feamorn »

Bei mir im Freundes- und Bekanntenkreis dürfte ich der größte OV-Verfechter sein, und ich fühle mich ehrlich gesagt relativ einsam, insofern würde ich die Ausgangsthese massiv widersprechen. Ich gucke fast ausschließlich OV (also im Falle von englischsprachigen Filmen, mein Französisch ist zu sehr eingerostet und andere Sprachen spreche ich bisher leider nicht), aber wenn möglich mit englischen Untertiteln. Mir bricht auch kein Zacken aus der Krone zuzugeben, dass ich immer noch durchaus oft etwas nicht verstehe (deshalb die unterstützenden Untertitel). (Deutsche Untertitel unter der OV finde ich furchtbar, weil ich dann meist nicht mehr zuhöre sondern nur noch lese, das passiert irgendwie automatisch.)

Auch wenn ich einen Film nur in OV ohne Untertitel sehe bin ich hinterher meist auch dann noch zufrieden wenn ich Sachen nicht verstanden habe.
Für mich überwiegen die Vorteile des Originals (unterschiedliche Sprachfärbung durch Dialekte, die echte Stimme des Schauspielers, keine Sinnverluste durch die Übersetzung) meist die Probleme (ich habe nicht alles verstanden). Das ist nicht immer der Fall, es gibt auch (mittlerweile sehr seltene) Fälle, wo ich dann (sofern daheim) die Sprache noch wechsel. Und wenn ich mit jemandem gucke, der OV nicht möchte, wird natürlich Deutsch geschaut.

Übrigens ist es selbst hier in Bonn (und selbst in Köln) nicht trivial, einen Film im Kino in der OV (ohne UT, und in meinem Fall auch ohne 3D) sehen zu können. Das ist der Grund, warum ich vieles erst im Heimkino schaue. (Von der fehlenden Begleitung für OV abgesehen.) Die besten Freunde gucken zwar (mittlerweile) meist mit mir OV, aber ich glaube als default Einstellung ist das nur bei mir vorhanden.
Dicker hat geschrieben:
11. Apr 2018, 22:23
2) Es ist eine super Gelegenheit sein Englisch zu üben.
Das ist ein ganz wichtiger Faktor, ich bin der Überzeugung, dass ich mein Englisch in den letzten Jahren massiv verbessert, zumindest das Verständnis, das Sprechen kaum, ich stehe noch immer da und mir fallen die richtigen Worte nie ein, obwohl ich sie kenne. ;)
Bücher hingegen empfinde ich auf Englisch meist als zu anstrengend. Dazu greift der erste Grund von oben nicht.
Das ist interessant, mir fällt das Lesen in der Regel viel leichter als das Hören (weshalb es mir sogar bei englischen UT des öfteren passiert, dass ich doch eher lese als höre).
Desotho hat geschrieben:Erstmal muss das jeder für sich selbst ausmachen.
Ich entscheide es von Fall zu Fall. Vieles schaue ich O-Ton, es kommt aber auch vor dass ich mich für die deutsche Synchro entscheide.
Synchro ist halt einfacher zu konsumieren, Untertitel lesen ist halt doch nochmal was anderes.
Passiert bei mir meist, wenn ich abends so richtig müde und geschafft bin. Da erfordert die Muttersprache dann doch soooooo viel weniger Hirnleistung. :)

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DexterKane
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von DexterKane »

Ich bin in meinem Umfeld auch eher der einzige „OV-Nazi“.
Also zumindest mir passiert es häufig, dass ich in der Synchro-Fassung merke, dass da wieder um ein Idiom drum herum übersetzt wurde.
(Geht ja meistens auch gar nicht anders.) Das trifft dann aber trotzdem den Sinn nicht so 100%, und das stört meine Immersion tatsächlich deutlich mehr, als wenn ich mal ein, zwei Wörter nicht verstehe.
Bei Werken mit viel Dialekt/Slang („irisch“ ist für mich teilweise völlig unverständlich :) ) schalt ich dann halt Untertitel dazu.

Wenn ich die Originalsprache nicht spreche, nehm ich dann meistens die deutsche Version, ich hab bei Anime mal versucht OmU zu gucken, aber da seh ich keinen Mehrwert drin.
Da dann die englische, statt der deutschen zu nehmen, ist bei Büchern, Filmen und Serien tatsächlich häufig prätentiöser Unfug. Gerade bei Spielen kommt es allerdings immer noch vor, dass die englische Version bessere „production values“ hat.
Das muss man dann halt ausprobieren.
Relax, it's North-Korea. The nation state equivalent of the short-bus. - Sterling Archer

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toxic_garden
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von toxic_garden »

Erstmal so zur grundsätzlichen Motivation:
ich schaue Serien gerne auf Englisch, weil....

a) sie allermeistens früher erhältlich sind und die Synchronfassungen erst Monate später zur Verfügung stehen,
b) eine Übersetzung IMMER auch eine Interpretation ist und ich je nach Qualität der Übersetzung nicht mit diesen Interpretationen einhergehe,
c) viele Wortwitze einfach nur in der Original-Sprache funktionieren und
d) viele deutsche Synchronstimmen einfach wahnsinnig schlecht gewählt sind. ("Altered Carbon" zuletzt. Ganz scheußlich!)
timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 19:58
2) Selbst wenn mir alle verwendeten Ausdrücke geläufig sind, und ich mir einen Reim darauf machen kann, so verschließen sich mir, als Nicht-Muttersprachler, die feingliedrigeren Konnotationen, die die Wahl eines bestimmten Ausdrucks mit sich bringt. Da Übersetzungen zumeist von Personen erstellt werden, die erstens ein weitaus größeres linguistisches Wissen haben als ich und zweitens einen tieferen Einblick in die Welt der Literatur, müsste man bei einem kompetenten Übersetzer davon ausgehen, dass er mehr von der Intention des Medienschaffenden erhalten kann, als ich in meiner mentalen Übersetzung.
mag sein, dass ein größerer Wortschatz bei den Übersetzern herrscht, aber wie ist es denn mit der fachlichen Auseinandersetzung? Immerhin muss man ja auch immer den Kontext mit übersetzen. Mich schüttelt es zum Beispiel immer noch, wenn ich daran denke, wie bei Futurama der Richter-Roboter eingefroren ist und jemand aus dem Publikum sagte "probiert's mal mit Alternativkontrolllöschung". Dieses Wort hat mir keine Ruhe gelassen. "Alternativkontrolllöschung". Wie kommt man auf so nen Scheiß? Aber dann wurde es mir klar: "try Control-Alt-Delete". HEILIGER BIMBAM! Das ist einfach brutal beschissen übersetzt!! Und das bei einer Serie, die sicherlich nicht das geringste Budget hatte.
3) Immer wieder erlebe ich, wie sich Leute darüber beschweren, dass in einer Übersetzung auch Eigennamen ins Deutsche tradiert wurden - A Song of Ice and Fire als Musterbeispiel. Die Qualität dieser Übersetzungen lässt sich meiner Meinung nach durchaus kritisieren, jedoch scheint mir das Lesen dieser Übersetzung wesentlich konsistenter und angenehmer, als es bei den alten Übersetzungen (bei diesen wurden Eigennamen im Original belassen) je möglich war. Wenn Menschen, die immer nur Deutsch sprechen, auf einmal in Städte mit englischen Namen agieren, dann erzeugt das eine nicht zu leugnende kognitive Dissonanz und stört mich beim Lesen. Es ergibt einfach keinen Sinn. :snooty:
Gegenbeispiel, auch wieder Futurama: der Schach-Roboter "Deep Blue" kam in einer Folge vor. Das ist ein Eigenname. Ihn im Deutschen dann mit "Tiefblau" anzureden ist einfach abscheulich. Und wie ist es überhaupt mit Ausdrücken, die zwar keine Eigennamen sind, aber in der ursprünglichen Sprache Doppeldeutigkeiten haben? "Cold Turkey is not as funny as it seems". Übersetz das mal sinnvoll ins Deutsche.
4) Zugegeben, dieser Punkt ist höchst spekulativ, aber ich bin mir sicher, wenn man den meisten Verfechtern der Originalsprache ein Videospiel aus Deutschland, das primär auf Deutsch entwickelt wurde, vorsetzen würde, würden die meisten auf Englisch stellen und voller Inbrust behaupten, dass die vermeintliche Originalsprache das bessere Erlebnis wäre. Auch will ich gar nicht wissen, wie viele Deutsche sich etwa Romane von Haruki Murakami auf Englisch kaufen ohne zu merken, dass es sich dabei keineswegs um die Originalversion handelt.
gab es das nicht sogar bei Elex zuletzt? War da nicht die englische Übersetzung um Welten besser als das deutsche Original? Das dürfte sicher nicht die Regel sein, aber zumindest ein Beleg dafür, dass Übersetzungen grundsätzlich, wie oben erwähnt, immer auch die Qualität des Produkts in die eine oder andere Richtung ändern können.

Erschwerend kommt hinzu, dass gerne im deutschen auch mal eingegriffen wird, wenn bestimmte Grenzen des Humors überschritten werden. In den deutschen Fassungen von South Park, Family Guy etc. sind wahnsinnig viele Szenen einfach raus geschnitten, weil man sich wohl dachte, dass Witze über den Nationalsozialismus nicht gut ankommen würden. Es ist also inhaltlich eingegriffen worden, wo eigentlich nur übersetzt werden sollte. Diesen Eingriff will ich nach Möglichkeit vermeiden.

Und was die Dialekte und Nuscheleien angeht: bei "My name is Earl" gab es eine ganze Menge Hillbillie-Genuschel. Aber das gehörte dazu, denn auch das macht einen Teil des Charms aus. Ich habe die Serie zum einen Teil auf Deutsch und dann - weil die letzten Folgen einfach nicht mehr übersetzt wurden - auf Englisch gesehen. Die Charakterzeichnung ist eine KOMPLETT andere, wenn man den Dialekt in der Synchronfassung raus subtrahiert. Also habe ich mir diese fantastische Serie gleich noch mal komplett im O-Ton gegeben. :D
Mein Name ist Guybrush und ich verkaufe diese feinen Lederjacken.

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Varus
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Varus »

Feamorn hat geschrieben:...
Das kann ich fast zu 100% unterschreiben. In meinem Freundeskreis und Familie existiert nicht ein Mensch, der gerne englische Originalversionen sieht. Einige aus mangelndem Verständnis (Familie) andere aus fehlendem Interesse. Einzige Ausnahme sind zwei, drei Anime-Fans die dort die Original-Versionen sehen, einfach weil sie nicht auf eine Übersetzung warten wollen. Wenn ich mal eine englische OV sehen möchte schaue ich die also ausnahmslos alleine Zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung kann ich also keinen Snobismus feststellen. :)

Dass man im Internet hin und wieder über solche Leute stolpert kann gut sein, aber auch hier wieder zumindest nicht in meinen Gefilden. Viele gute Gründe warum man die OV-Version wählt wurden ja schon genannt. Wenn jemand damit "protzt" oder wirklich nur der OV-Version wegen den halben Film verpasst, würde ich das dann als Charakterschwäche attestieren. Die arme OV-Version kann ja nix dafür.

Englische OVs mag ich durchaus, weil ich Englisch vergleichsweise gut verstehe. Ich würde aber nie auf die Idee kommen japanische, französische oder andere Versionen zu sehen, wo mir jegliches Sprachverständnis fehlt. Habe einmal mit den besagten Anime-Freunden eine OV mit Untertiteln gesehen und wirklich gar nichts mehr von den Bildern mitbekommen. Ich konnte grob die Handlung nachvollziehen, aber das hätte genauso gut ein Buch sein können. Konsequenterweise lesen diese Freunde aber mittlerweile auch eher Mange, als das sie auf sowas wie eine Anime-Umsetzung warten würden :lol:
I'm Commander Shepard and this is my favorite singature on the Internet.

Voigt
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Voigt »

Bei Animes geht es sehr gut mit Untertiteln, da ja oft Standbilder zu sehen ist, wo sich höchstens mal bissel der Mund bewegt, oder ganz langsam die Kamera über ein statisches Bild bewegt.

Mit Übung kann man die Untertitel schnell lesen, und währendessen das auch aufnehmen. Oder es sind direkt Shonen Anime wo die Charaktere sich eh nur anschrein und keine tiefschürfende Dialoge haben und es mehr auf die Action, auf das Bild ankommt.

Selten mal gibt es sehr gute Animationen aber auch Dialoge gleichzeitig in der selben Szene in Anime, und ich muss sagen, da kann es schonmal passieren dass man eines davon etwas verpasst.

Den Gegensatz merke ich auch, wenn ich Englische Filme in OV anschaue, und dann Untertitel anhatte, die lenken dann doch schon eher ab, auch wenn es geht. Ich mag da ja jetzt Englische Untertitel, da kann man schnell nachlesen, wenn die Schauspieler rumnuscheln oder in einem schwierigen Akkzent sprechen.
Habe aber auch schonmal nen Finnischen Film mit Subs geschaut, und glaube auch mal einen Französischen. Ist schon ganz nett.
Bei Spielen habe ich beispielsweise AC2 in Italienisch gespielt, das fand ich richtig cool.

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Vinter
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Vinter »

"Jon Snow" ist und bleibt im deutschsprachigen Westeros unverständliches Kauderwelsch. Ein Fantasiename ohne Bedeutung, bei dem willkürlich Buchstaben aneinander gereiht wurden. Selbstverständlich heißt der Mann Jon Schnee und der klingt auch nicht dümmer als der Jon Snow aus dem englischsprachigen Parallel-Westeros.

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Feamorn
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Feamorn »

Voigt hat geschrieben:
12. Apr 2018, 13:22
Ich mag da ja jetzt Englische Untertitel, da kann man schnell nachlesen, wenn die Schauspieler rumnuscheln oder in einem schwierigen Akkzent sprechen.
Ich habe mal gedacht ich könnte die Erfahrung aus dem Englischen übertragen und vielleicht auch in meiner zweiten, deutlich schwächeren, Fremdsprache, Französisch, hören und lesen. Nun ja, zumindest bei Die fabelhafte Welt der Amélie (einer meiner absoluten Lieblingsfilme) sprechen die Darsteller im Original so schnell, dass die Untertitel eher so eine Art Zusammenfassung des Sinns waren als eine Wiedergabe der Dialoge... Das habe ich dann auch schnell wieder sein lassen. :lol:

meisterlampe1989

Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von meisterlampe1989 »

timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 21:03
Ich finde, diese Hürde bleibt auch weit nach dem Einstieg bestehen. Klar verstehe ich mittlerweile mehr als Anfangs. Aber selbst wenn ich 99% verstehe, könnte ich auf Deutsch vllt. 99,9% verstehen. Ein guter Übersetzer könnte dann unter Umständen 99,4% rüberbringen.
Ich verstehe dieses Ziel möglichst 100% zu verstehen irgendwie nicht so ganz. Kein Mensch kann sich 2 Stunden lang zu 100% auf etwas konzentrieren. Auch in einer deutschen Synchhrofassung wird keiner wirklich ALLES verstehen. Mir ist es das einfach wert vielleicht mal ein Wort nicht zu verstehen, weil es weggenuschelt wird oder in einem komischen Akzent gesprochen wird, wenn ich dafür eben das Originalwerk des Künstlers sehe oder lese.
Ich würde sagen, dass ich mit meinem Wortschatz mittlerweile 96-97% von allem verstehe. Das reicht. Das Sprachgefühl, dass du ansprichst lernt man ja auch mit. Und Ironie im Englischen unterscheidet sich z.B. bei der Betonung ja nicht grundsätzlich vom Deutschen.
timcbaoth hat geschrieben:
11. Apr 2018, 21:03
Wenn ich während des Medienkonsums erstmal eine Übersetzung nachschlagen muss, ist das aber höchst schädlich für die Immersion. Die Konnotationen kann ich ebenfalls nur schwer aus dem Wörterbuch erahnen.
Das wurde bei mir aber kontinuierlich weniger. Ich schlage heute bei einem Spielfilm, selbst wenn er echt Dialoglastig ist, vielleicht 3-4 Mal nach. Und der Film (oder die Serie) läuft dabei weiter. Multitasking ist das Zauberwort ;)

Und du lernst dabei so fantastisch Englisch. Ich habe was Englisch angeht wirklich eine sehr schlechte Schulbildung. Ich war nur an der Hauptschule und hatte da höchstens 3er, auf dem Zeugnis sogar eher eine 4. Aber heute rede ich auf Englisch jeden Abiturienten an die Wand.

Übrigens bin ich kein Freund von Untertiteln, das musst du falsch verstanden haben. Die lenken mich zu sehr vom Bild ab.
Zuletzt geändert von meisterlampe1989 am 12. Apr 2018, 14:41, insgesamt 1-mal geändert.

meisterlampe1989

Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von meisterlampe1989 »

Vinter hat geschrieben:
12. Apr 2018, 14:14
"Jon Snow" ist und bleibt im deutschsprachigen Westeros unverständliches Kauderwelsch. Ein Fantasiename ohne Bedeutung, bei dem willkürlich Buchstaben aneinander gereiht wurden. Selbstverständlich heißt der Mann Jon Schnee und der klingt auch nicht dümmer als der Jon Snow aus dem englischsprachigen Parallel-Westeros.
Warum dann trotzdem "Jon" als Vorname?

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DexterKane
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Registriert: 16. Dez 2016, 11:26

Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von DexterKane »

Außerdem ignorierst Du damit, dass "Snow" im Gegensatz zu "Schnee" ein regulärer Name ist, der auch im realen Leben existiert.
Genau wie Rivers, etc...

Oder warum heißt Winterfell immer noch Winterfell (da geht's schließlich nicht um Felle), aber aus dem Casterly Rock muss der Casterly Stein werden?

Sorry, wenn ich hier schnippisch werde, aber über dieses Eigennameneindeutschen könnte ich stundenlang monologisieren. (Um den Begriff "rant" zu vermeiden. Ist sozusagen ist "pet-peeve" von mir. (da hab ich dann auch keine adäquate Übersetzung zu... :D )
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Vinter
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Re: Originalsprache als Hype

Beitrag von Vinter »

https://de.wikipedia.org/wiki/Schnee_(B ... C3%A4rung) ;)

Den Nachnamen gibt es durchaus auch im deutschen.
Und Eigennamen werden nicht übersetzt? Erklär das mal Munich oder Cologne ;)

Natürlich übersetzt niemand Michael Schumacher mit Michael Shoemaker.

Aber hier geht es ja um eine in sich geschlossene Fiktion. Und in der deutschsprachigen Variante dieser Fiktion existiert nun mal kein Englisch. Woher soll das kommen? Warum sollte jemand Jon Snow heißen, wenn Snow keine Bedeutung hat, kein Wort ist, keine etymologische Herkunft besitzt? Mir rollen sich die Fußnägel hoch, wenn in einer ansonsten vollständig deutsprachigen Welt die Namen erkennbar schlicht englische Worte sind, die nicht übersetzt wurden.
Wenn ich eine etymologische Herkunft simuliere, indem ich eigene Namen schaffe, dann ist das weniger problematisch. Zumal ja auch durchaus die Wortherkunft unserer alltäglichen Vornamen nicht bekannt ist. Ohne nachzuschlagen weiß kaum jemand, was Sebastian, Thomas, Jochen oder Andre bedeutet - und es klingt trotzdem nicht eigenartig. Aber wenn der Protagonist erkennbar schlicht nicht übersetzt wurde, ich die englischen Wörter noch erkenne, lege ich das Buch weg oder lese es direkt auf englisch. Es gibt kaum etwas, was für mich die Tonalität mehr verfehlt, als Deutsch-Englisch-Mischmasch in einem Fantasyuniversum. Das hat für mich sofort B-Movie-Charme und ist ein absoluter Atmosphärenkiller.

Das Winterfell und Casterly Rock möglicherweise ebenfalls verunglückt sind, ist eine andere Diskussion, die den Jon Snow erstmal nicht betreffen. Winterfell mag schlecht/gar nicht übersetzt sein, klingt aber wenigstens im deutschsprachigen Kontext nicht völlig fremd. Was Casterlystein sein soll, weiß wohl in der Tat nur der Übersetzer. Ned Stark ist übrigens auch nicht übersetzt, aber da das Wort in beiden Sprachen existiert (wenn auch mit unterschiedlichen Bedeutungen), ist das i.O.

Ich weiß, man hat uns im Englischunterricht beigebracht, das Eigennamen nicht übersetzt werden. Und als Daumenregel für Schüler, die ansonsten New York mit Neu York übersetzen würden oder von Michael Shoemaker schreiben, mag das ganz hilfreich sein. Aber wie immer gilt: Zu jeder Regel gibt es Ausnahmen. Man muss sie nur erkennen.

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