Respektvolles Miteinander und respektvolle Sprache - hier und anderswo

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DickHorner
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Respektvolles Miteinander und respektvolle Sprache - hier und anderswo

Beitrag von DickHorner » 20. Nov 2018, 09:50

Ihr Lieben,

ich habe gerade die jüngste Ausgabe von Essay und Diskurs gehört und mich dabei sofort an die ein oder andere Diskussion hier im Forum erinnert.
Deshalb habe ich auch einen separaten Thread gemacht, weil es eben nicht nur solche Themen wie Gender, Tschechei/Tschechien usw. betrifft
Im Sinne von "was darf man sagen, was nicht?" hat mir Folgendes besonders eingeleuchtet und trifft das, was ich denke und fühle, ganz besonders gut:
deshalb schlage ich [...] vor, dass man eben die goldene Regel anwendet, was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu, wenn man es mal in der sprichwörtlichen Form zitiert, und sagt, ja, was würdest du machen, wenn es einen Begriff gäbe, den du als diskriminierend empfindest, und andere Leute sagen, ja, aber ich meine den so nicht, ich möchte den bitte weiterhin verwenden dürfen. Und ich denke, ein Stück weit müssten die meisten von uns in der Lage sein zu verstehen, dass wir das nicht wollen würden, sondern dass wir in diesem umgekehrten Fall sehr wohl unsere eigene Intuition als Betroffene in den Vordergrund stellen würden. Und das Problem daran ist natürlich so ein bisschen, dass die Mehrheitsgesellschaft, so die gedachte Mehrheitsgesellschaft nur sehr selten in die Lage kommt, mit solchen Begriffen konfrontiert zu sein. Es gibt eben keine herabwürdigenden Begriffe für, ich sag mal, den stereotypen, weißen, heterosexuellen, kulturell christlich geprägten Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft. Den kann man sicher beleidigen auf der persönlichen Ebene, aber den kann man sicher nicht über diese Eigenschaften beleidigen. Und deshalb werden wir dann, wenn wir zu dieser Gruppe gehören, im Zweifelsfall gar nicht verstehen, wie das ist, wie herabwürdigend Begriffe wirklich sein können.
[...]
Das wird öfter mal vorgebracht als Gegenargument, da wird gesagt, man darf den Leuten nicht, die Leute müssen reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist oder was auch immer. Wenn ich jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, kann ich meine Ideen gar nicht mehr frei ausdrücken. Und dazu würde ich sagen, na ja, das könnte ich über jede andere Art von Verhalten auch sagen und da ist uns aber auch allen klar, dass wir uns in der S-Bahn anders benehmen müssen, als wir es zuhause auf dem Sofa vielleicht können. Und da, wo das Leute nicht machen und zum Beispiel laut Musik hören oder rauchen, was ja auch durchaus in der S-Bahn und U-Bahn vorkommt, da löst es große Empörung aus. Da könnte ich aber auch sagen, ja sollen die jungen Leute sich nicht frei entfalten dürfen? Also wenn denen nach Musikhören zumute ist, dann sollen die das doch machen. Das heißt, ich würde Sprache jetzt nicht ausnehmen und sagen, das ist jetzt die eine Art von Verhalten, bei der es keine Verpflichtung zur Reflexion gibt. Das Argument ist zum Teil zumindest, glaube ich, auch vorgeschoben, denn der Wortschatz entwickelt sich die ganze Zeit, wir reden heute nicht mehr vom Fernsprecher, wir reden im Prinzip noch nicht einmal mehr vom Handy, sondern das Wort ist jetzt Smartphone und wirklich nur die allerkonservativsten Menschen weigern sich, diese Art von sprachlicher Entwicklung mitzumachen. Nun wird das Telefon aber im Zweifelsfall nicht beleidigt sein, wenn ich es als Fernsprecher bezeichne, und deshalb frage ich mich, ob nicht genau die… Also der eine Unterschied, den ich sehe, zwischen Wörtern, wo der Sprachwandel kritiklos akzeptiert wird, und Wörtern, wo gesagt wird, ich muss aber unbedingt am Sprachgebrauch meiner Jugend festhalten, ist, dass die Leute immer dann am Sprachgebrauch ihrer Jugend festhalten wollen, wenn es um herabwürdigende Begriffe für bestimmte Menschengruppen geht. Und das ist, finde ich, doch auffällig und das sollte auch wieder als persönliche Anregung, gar nicht als allgemeine Vorschrift, jedes Mitglied der Sprachgemeinschaft sich selber mal überlegen und sagen, warum reagiere ich hier und sage, ich möchte aber das Wort weiter benutzen, was ich als Kind benutzt habe, und beim Telefon ist es mir egal und beim Walkman ist mir völlig egal, dass es nicht nur die Technologie nicht mehr gibt, sondern dass das Wort natürlich auch verschwunden ist. Woher kommt es, dass ich gerade da festhalten möchte an Begriffen, wo Menschen mich wirklich darum bitten, diese Begriffe nicht mehr zu verwenden. Ist es nicht doch irgendeine Art von Trotzreaktion viel eher als eine Art von Bestehen auf dem eigenen Sprachgebrauch?
Der ganze Beitrag ist sehr hörenswert (das Transkipt ist etwas mühsam) und eine tolle Anregung, das eigene Empfinden von Sprache zu überdenken.
Vielleicht hören ja manche von Euch rein, oder haben den Beitrag sowieso schon gehört, und teilen, wie es Euch damit ergangen ist :)

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