Philosophie und Games

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garciiia
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Philosophie und Games

Beitrag von garciiia » 5. Mär 2019, 16:06

In der Beschreibung des Off Topic wird Philosophie ja bereits genannt, finde hier allerdings wenige Themen die sich als philosophisch bezeichnen lassen.

Interessiert ihr euch für Philosophie auch abseits des typischen Autoren-Zitierens? Meint ihr Philosophie in Games finden zu können?
Oder sind das völlig getrennte Welten und philosophische Storys in Games könnten genauso gut aus Filmen oder Büchern kommen?

Ich finde ja gerade Titel wie ICO, Shadow of the Colossus und Nier sehr philosophisch.
Da ich Philosophie studiere, würde mich sehr interessieren ob und wie ihr das Thema so seht in Bezug auf Gaming.

lolaldanee
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von lolaldanee » 5. Mär 2019, 16:43

Ich finde es super, wenn Spiele es wagen mal ein bisschen was in die Richtung zu machen. Aber ehrlich gesagt, außer Grandia 2, Planescape Torment und Mask of the Betrayer fallen mir recht wenige Beispiele ein, in denen die Spiele eine Aussage hatten, die ich wirklich philosophish irgendwie relevant empfunden habe

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bluttrinker13
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von bluttrinker13 » 5. Mär 2019, 17:16

Ich würde hier mal den Advocatus diaboli spielen und behaupten, aus meiner Sicht wird viel zu viel "Philosophie" in alles reininterpretiert. Vor allem Spiele.

Philosophische Erkenntnis baut mE (bin kein studierter Philosoph, aber interessiert an Wissenschaftstheorie und Philosophie des Geistes) auf Definitionen, Begriffsklärungen, dann starken Prämissen und schlusskräftiger, logischer Beweisführung auf. Die Paper und Bücher die ich aus der Philosophie liebe und respektiere machen das alle, bspw Spinoza in seiner "Ethik".

Dagegen ist ein Nachdenken oder Diskutieren über meinetwegen den Sinn des Lebens noch keine Philosophie. Das kann und macht jeder. Genauso wie eine Beobachtung von Geschehnissen im Alltag kein "Experiment" ist und damit auch keine Wissenschaft (das mal als Analogie wie ich das meine).

Bestes Beispiel Bioshock. Klar sind hier literarische Anleihen drin (Ayn Rand usw), aber eben "verwurstet" bzw. als interessante Vorlage für einen netten Weltenbau. Das in Rapture aber der shit downgeht wird weder logisch durchexerziert noch zwingend anhand der Prämissen von Andrew Ryan im Spiel belegt. Das Outcome (Rapture ist eine zerstörte Stadt in der der shit downging wegen Ideologie xy) stand offenkundig für die Prämissen pate, nicht umgekehrt. Bioshock wird oft als "philosophisches Spiel" gesehen, wovon ich niemals überzeugt war.

Frage daher an den Philosophen - woran (wenn man mir folgen möchte) machen wir ernsthafte Philosophie in Spielen fest (ich bin überzeugt, ein paar Beispiele gibt es, bspw I HAve No Mouth But I Must Scream...?) und wie trennen wir das von Pseudo-Philosophie?
:twisted: ;)

Jahnu
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von Jahnu » 5. Mär 2019, 18:43

bluttrinker13 hat geschrieben:
5. Mär 2019, 17:16
Dagegen ist ein Nachdenken oder Diskutieren über meinetwegen den Sinn des Lebens noch keine Philosophie. Das kann und macht jeder. Genauso wie eine Beobachtung von Geschehnissen im Alltag kein "Experiment" ist und damit auch keine Wissenschaft (das mal als Analogie wie ich das meine).
[...]
Frage daher an den Philosophen - woran (wenn man mir folgen möchte) machen wir ernsthafte Philosophie in Spielen fest (ich bin überzeugt, ein paar Beispiele gibt es, bspw I HAve No Mouth But I Must Scream...?) und wie trennen wir das von Pseudo-Philosophie?
Da würde ich mich als Philosophielehrer gerne einschalten und zwei verschiedene Positionen gegenüberstellen :)

Die Grundannahme der Philosophiedidaktik heute ist, dass Philosophieren eine elementare menschliche Kulturtechnik bezeichnet, die wir alle - beispielsweise betrunken nachts um Eins auf der Party - betreiben, die man aber auch gezielt zum Beispiel im schulischen Philosophieunterricht anstreben kann. Von dieser Warte aus wäre "Nachdenken oder Diskutieren über den Sinn des Lebens" auch eine Art von Philosophie und Spiele würden dies auch ständig betreiben, alleine schon durch implizite Annahmen, die sie beständig treffen, genau so wie Bücher und Filme auch.

Mir scheint Bluttrinkers Philosophieverständnis eher in die Richtung der Analytischen Philosophie zu gehen (passt auch gut zu Wissenschaftstheorie und Philosophie des Geistes), die sehr auf Begriffsklärung, Beweisführung und explizierte Argumentationen abhebt. Das finden wir wohl seltener in Spielen. Bemerkenswert finde ich, dass für dich, lieber Bluttrinker, dieses laberige bloße Herumphilosophieren weniger oder nicht philosophisch zu sein scheint als das strengere analytische Philosophieren. Die Analytische Philosophie entstand aber tatsächlich aus einem Akt der Selbstbeschränkung: "wir können über ganz vieles nichts Sinnvolles sagen, geben jede Metaphysik auf und wollen "nur noch" Begriffe und Konzepte klären." Was also philosophiegeschichtlich als "weniger" gemeint war, kann uns manchmal als "mehr" erscheinen.

Ich möchte fast meinen, dass wir uns hier nicht auf einen gemeinsamen Philosophiebegriff einigen können werden - es gibt einen ganzen Reclamband nur mit Textauszügen dazu, was für klassische Autoren Philosophie ist, und man liegt hier weit auseinander...

monieu
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von monieu » 5. Mär 2019, 19:07

Also Fragestellungen oder Probleme aufzuwerfen, die die Philosophie addressiert, ist glaube ich ziemlich einfach. Das trifft schon zu, wenn es um richtiges Handeln geht, wenn es eine reflektorische Ebene gibt, wo Fragen nach dem Sinn, nach Gerechtigkeit, nach Schuld gestellt werden, wenn die Möglichkeit zu erkennen verhandelt wird, was ist wahr, wie zugänglich ist Wahrheit, wie verändert sich das Wahre unter dem Wechsel der Perspektive. Und bei rein mechanischen Spielen, könnte man sich überlegen, ob das Erlernen von Systemen und ihre Manipulation, nicht eine Art praktische philosophische Übung darstellt. Die Frage wäre, genügt es nicht ein Angebot einer Frage- oder Problemstellung an den Spieler zu machen, um ein philosophisches Spiel zu sein. Denn was wäre die Alternative, Philosophie vordenken? (Viel Innovation wird man so oder so nicht finden, aber Innovation findet man heute auch nicht mehr in einer philosophischen Fakultät. Wäre jedenfalls meine Perspektive, dass es statt origineller Gedanken eher Modebewegungen gibt.)

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bluttrinker13
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von bluttrinker13 » 5. Mär 2019, 19:26

Jahnu hat geschrieben:
5. Mär 2019, 18:43
Mir scheint Bluttrinkers Philosophieverständnis eher in die Richtung der Analytischen Philosophie zu gehen (passt auch gut zu Wissenschaftstheorie und Philosophie des Geistes), die sehr auf Begriffsklärung, Beweisführung und explizierte Argumentationen abhebt. Das finden wir wohl seltener in Spielen. Bemerkenswert finde ich, dass für dich, lieber Bluttrinker, dieses laberige bloße Herumphilosophieren weniger oder nicht philosophisch zu sein scheint als das strengere analytische Philosophieren. Die Analytische Philosophie entstand aber tatsächlich aus einem Akt der Selbstbeschränkung: "wir können über ganz vieles nichts Sinnvolles sagen, geben jede Metaphysik auf und wollen "nur noch" Begriffe und Konzepte klären." Was also philosophiegeschichtlich als "weniger" gemeint war, kann uns manchmal als "mehr" erscheinen.
Guter Punkt, mit analytischer Philosophie kann ich mich ganz gut identifizieren glaube ich. :)

Im übrigen ist, wenn ich meine "dass das jeder kann" damit keine Abwertung der, nennen wir sie mal Alltagsphilosophie, gemeint. Im Gegenteil, dass ist ja auch ein Hobby von mir welches ich gerne betreibe. Unter anderem deshalb habe ich meine Position auch als advocatus diaboli eingeführt, denn auch nach deiner Gegenüberstellung stellt sich meines Erachtens immernoch die Frage:

Wenn alles quasi Philosophieren darstellt, dann sind auch ein Großteil der Spiele philosophisch.
Wenn alles quasi Philosophieren darstellt, dann gibt es auch keinen großen Unterschied zwischen einem Spinoza und einem klugen Köpfchen mit Redebedarf und zwei Bier intus, oder?
Put differently, warum sollte Bioshock ein Steamtag 'philosophisch' kriegen, wenn andere Spiele es viel eher verdient hätten? Und woran machen wir das fest, wo wir mit der lockeren Definition weiter oben sowohl ein Call of Duty Modern Warfare (mit seiner Sterbesequenz) als auch ein Dear Esther (mit seiner Phänomenologie) als philosophisch labeln könnten?

(Btw: Ich denke schon, denn dass der Erkenntnisprozess bei Spinoza und dem Kneipentyp signifikant unterschiedlich ist, sowohl was Tragweite, als auch Güte und Aufwand angeht.)

Und ich frage nun, macht das Sinn? Also wenn Philosophie eine solche Varianzbreite umfasst? Oder gäbe es hier noch wichtige Abstufungen zu tätigen?

drgonzo
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von drgonzo » 5. Mär 2019, 21:10

Einer der Unterschiede zwischen dem philosophierenden Kneipenbesucher und Spinoza ist, dass letzterer wusste, und anscheinend Wert darauf legte, sein Philosophieren zu strukturieren und aufzuschreiben. Viel wichtiger aber ist, wer von diskursbestimmenden Institutionen rezipiert wird; was wiederum nicht ausschließt, dass der Kneipenbesuch zu bahnbrechendem Erkenntnisgewinn führen kann. Ich denke nicht, dass "beides" so einfach zu trennen ist, und dass bestimmte Produktionsumstände eben nicht alleine aus Philosophie Philosophie machen. Das entsteht schließlich nicht aus seiner selbst heraus, sondern muss ebenfalls von Außen legitimiert werden.

Zum Thema: Ich denke, die Sterbesequenz aus Call of Duty Modern Warfare kann durchaus Anstoß interessanter Fragestellungen sein. Selbstredend in Bezug zu Spielen. Das sich daraus dann klassisch-philosphische Erkenntnis ergibt halte ich aber für einen überhöhten Anspruch und würde zudem der bisherigen philosophischen Entwicklung nicht gerecht werden.

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bluttrinker13
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von bluttrinker13 » 5. Mär 2019, 21:53

Da kann ich mich weitgehend anschließen, Struktur und Rezeption erachte ich ebenfalls als das A und O (zumindest eben für akademische oder weittragende Philosophie). Obwohl ich die Produktionsumstände schon auch zum Teil als abhängig von äußerer Legitimierung sehe (Stichwort Paper und Journale, Verleger/Editoren, Stichwort Kommissionen).

Aber ja, der Übergang zwischen Kneipenbesuch und Werk verfassen kann fließend sein. Nur muss eben auf den Kneipenbesuch die Struktur folgen, imo.

Ähnliches bei Spielen. Bioshock legt für mich in seiner Darstellung eines ultra-Liberalismus genausowenig Struktur und daher philosophische Legitimierung an den Tag, wie Modern Warfare 1.
Wobei ich damit nicht sagen will, dass beide keinerlei Anspruch besäßen. Im Gegenteil, ich will eher darauf hinaus das ich es fraglich finde, wie Bioshock wiederholt als "philosophisches Spiel" gehandelt wird (es trägt diese Deutung ja auch vor sich her), während die Betrachtung der menschenverachtenden modernen Kriegsmaschinerie im ersten Modern Warfare dafür kaum in Erwägung gezogen wird (zumindest in meiner Erfahrung). Daraus ergibt sich für mich der Kritikpunkt - Spiele und Spielemedien sind noch sehr in den Kinderschuhen, was Begrifflichkeiten und Verortungen und Spielarten von Philosophie im Medium angeht. Man attribuiert und urteilt hier nach oberflächlichen Maßstäben und Merkmalen, nicht aber nach System oder tiefgründigen Begründungen.

monieu
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von monieu » 5. Mär 2019, 23:30

Ich weiß nicht wie viele den Youtube-Kanal Filmanalyse von Wolfgang M. Schmitt kennen. Das ist eine Sammlung kurzer Kritiken zu aktuellen Blockbuster-Filmen, überwiegend das Hollywood-Kino. Hier werden sie so behandelt, wie man es vielleicht eher von einer Theaterkritik im Feuilleton erwartet. Wenn man mal einige der Kritiken hintereinander schaut, merkt man eine gewisse Wiederholung, weil Schmitt die Filme häufig aufgrund ihrer Kommerzialität und ihrer Verortung in einer westlichen konsumistisch-angepassten Kultur ideologisch kritisiert. Ich vermute auf Computerspiele angewandt wäre es ähnlich. Im Prinzip ein schönes Beispiel, dass man Unterhaltungsprodukte auf eine kritische Ebene ziehen kann, die die meisten Durchschnittszuschauer vermutlich eher nicht abholt.

Wie gesagt, es ist nicht so schwierig Frage- oder Problemstellungen der Philosophie in Spiele zu integrieren. Insofern wird man häufig Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung finden. Selbst wenn es nur, wie oft bei Schmitt, eine Argumentation von einem ausgemachten Defizit her ist, das dann als Aufhänger dient, um sich weitergehende Gedanken zu machen.

Als philosophisch gelten aber die Spiele, die ihre Frage- und Problemstellungen transparenter machen, also ihnen einen gewissen Raum geben, damit Spieler auf sie stoßen, anstatt dass sie über eine Metaebene extrahiert werden müssen. Oder auch, ganz profan, in denen der Autor durch name dropping sein Interesse an einer bestimmten philosophischen Ausrichtung offenbart.

--

@bluttrinker13: Könntest du denn mal skizzieren, wie Philosophie sich in ein Spiel integriert sein müsste, damit du es als philosophisches Spiel betrachtest?

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bluttrinker13
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von bluttrinker13 » 5. Mär 2019, 23:42

monieu hat geschrieben:
5. Mär 2019, 23:30

@bluttrinker13: Könntest du denn mal skizzieren, wie Philosophie sich in ein Spiel integriert sein müsste, damit du es als philosophisches Spiel betrachtest?
Gute Frage, ich habe keine Ahnung, da mir sowas bisher noch kaum untergekommen ist. Ich arbeite mich eher an Negativbeispielen ab, siehe Bioshock.

Das erwähnte I have no mouth but I must scream (auf Gog) scheint ein Kandidat zu sein, da es angeblich ethische Dilemmata zum zentralen Spielinhalt macht. Ich habe es aber selbst noch nicht gespielt und kann daher nur vermuten.
Edit: Vertan, ich meinte Gods Will Be Watching !
(https://www.gog.com/game/gods_will_be_watching)

Am ehesten würde wahrscheinlich Planescape Torment für mich da herankommen. Es hat eine zentrale Frage bzw. Prämisse (Was kann das Wesen eines Menschen ändern?) und exerziert diese konsequent durch, von Anfang des Spiels bis zum Ende, gibt teilweise Antworten darauf, überlässt aber viel Reflektion und "Antwort" auch dem Spieler selbst (durch seine Entscheidungen). :D

Je mehr ich darüber überlege, ja, das wäre für mich eine Art Standard.

Aber gut es ist sicherlich nicht das einzige und mein kritischer Eingangskommentar soll hier nicht dazu führen, dass das als Quasi-Referenz gehandelt wird. (Meine bottom line war das ich ein Gegner davon bin Dinge allzu leichtfertig "philosophisch" zu nennen)
Ich bin gespannt auf andere Vorschläge. ;)
Zuletzt geändert von bluttrinker13 am 7. Mär 2019, 17:00, insgesamt 2-mal geändert.

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Charlie
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von Charlie » 6. Mär 2019, 08:44

Ich möchte hier mal The Talos Principle in die Runde werfen. Einfach gesagt gehts darum, ab wann ein Mensch als Roboter gilt, wenn alle Teile durch mechanische ersetzt werden. Ich habs leider nicht durchgespielt und weiss nicht, inwiefern da noch weitere darauf eingegangen wird. Finde ich aber ne spannende Frage.

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garciiia
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von garciiia » 6. Mär 2019, 17:04

Die Frage ist ja auch ob die Story des Spiels dafür reicht.
Denn theoretisch könnte sie auch die Story eines Films oder Buchs sein, eines Comics, eines Songs oder einen Stücks.
Ich persönlich finde es gut wenn ich weiß dass sie Story nur als Spiel erzählt werden kann - oder zumindest durch das Medium etwas gewinnt.
Zum Beispiel Metal Gear Solid. Kann man als Film schauen; dort verpasst man aber die Momenten in denen man als steuernder Spieler einbezogen wird. Und genau da würde ich persönlich das Philosophische ansetzen.

Bioshock hat vll. eine Geschichte mit philosophischen Eckpunkten. Aber da man wenig einbezogen wird als Handelnder, würde ich da auch eher abblocken. Bioshock, so sehr ich es auch mag, führt dich auch nur auf Schienen durch eine Geisterbahn und ich fühle mich da als Person wenig eingebunden.

Analytische Philosophie ist ja so ein Sache für sich. Man muss die Bereiche auch nicht so stark trennen.. gut ist es wenn man immer Türen offen lässt. An meiner Uni hält man angeblich nicht so viel von dem analytischen und wir sind eher beim sprachlichen unterwegs. Aber wie gesagt: Da gibt's kein richtig oder falsch. Teil des Studiums ist ja die Formulierung der Frage: Was ist Philosophie?
Und bei uns wird behauptet dass man darauf keine Antwort findet auf die man sich einigen kann.

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sleepnt
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von sleepnt » 6. Mär 2019, 20:02

Aus meiner schulischen Zeit kenne ich Philosophie primär als analytische Problemlösung oder Suche nach einer Antwort - doch die Fragen, der einer Philosophie oder Theorie zu grunde liegt, fand und ich immer interessanter. Zumal mir Antworten irgendwie erzwungen vorkamen...

Daher finde ich Spiele, die Fragen aufwerfen, anstatt eine vorhandene Theorie medial zu bearbeiten, grundlegend besser.

Dabei finde ich oft einzelne, vielleicht auch gar nicht vom Entwickler so gewollte, Momente und Mechaniken durch aus interessant. So kann es zu einem Dilemma (gescripted oder nicht) kommen, wo die Antwort eine sehr persönliche ist - klassisches moralisches Dilemma in modernen Spielen etwa. Was einer philosophischen Auseinandersetzung tatsächlich im Weg steht, ist dann oft das Spiel selber. Moralsystem, XP-Belohnung und Reaaourcen-Zähler machen den Umgang mit dem Dilemma systematisch. Z.B. Böse = Kaltblütiger Killer und Dieb. Gerade in Rollenspielen, wo eine Entscheidungsfreiheit groß geschrieben wird, könnte man wunderbar Philosophien in Charakterentwicklung oder Dialogen mit einbinden. Aber durch die Gamification würde man automatisch schauen, was ist effektiv für meinen Charakter und nicht: Was ist richtig/falsch für meinen Charakter.

Habe z.B. in Morrowind einmal ein absolut rechtschaffenden/Paladin-like Charakter gespielt. Aber es spielte keine Rolle für die Welt, ob ich ein Dieb oder ein Paladin bin.

RDR 2 (mit all seinen Makeln) macht durch die sprichwörtliche Redemption, es im AAA-Bereich vergleichsweise am interessantesten.

Insanity
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von Insanity » 6. Mär 2019, 20:44

Die Frage ist doch: Lässt sich Philosophie irgendwie in Videogames spielmechanisch darstellen? Ich meine, ist sie umsetz- und vermittelbar in einer Form, wie es nur Videospiele können?

Ich erinnere mich an Brothers: A tale of two sons, das am Ende einen fantastischen Steuerungskniff hatte, um die Gefühlslage des Hauptcharakters zu explizieren. Für die, die das Spiel nicht kennen: Man steuert darin die zwei namensgebenden Brüder gleichzeitig durch eine nordische mythologische Märchenwelt; ein Analogstick pro Bruder, was zu Beginn ziemlich das Gehirn verknotet. Die Motivation der Geschwister ist, ein Heilmittel für den schwerkranken Vater zu finden. Kurz vor dem Ziel stirbt einer der beiden Jungs allerdings unter tragischen Umständen und der Überlebende der zwei muss nun alleine die Medizin nach Hause bringen. Auf den letzten Metern muss er hierfür ein Gewässer durchqueren - doch weil er als kleines Kind dabei zusehen musste, wie seine Mutter ertrank, hat er panische Angst vor Wasser. Weil es aber der einzige Weg ist und seines Bruders Opfer nicht umsonst gewesen sein soll, nimmt er allen Mut und alle Kraft zusammen und schafft es schließlich - und uns als Spieler wird dies auf grandiose Art und Weise vermittelt, indem wir nun mit BEIDEN Analogsticks zugleich den Jungen in Bewegung setzen. Eine Emotion wird uns so spielmechanisch verdeutlicht: Der Junge schöpft Kraft aus der Erinnerung an seinen verstorbenen Bruder. Eine unfassbar gute Szene, da dieser zweite Analogstick ja das ganze Spiel über für den anderen Bruder reserviert war.

Könnte man auf so ähnliche Art und Weise Philosophie als Teil der Erfahrung integrieren? Kann ein Spiel hier überhaupt mehr bieten als ein Film oder ein Buch?
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monieu
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von monieu » 6. Mär 2019, 23:12

Wie oben angedeutet. Die Logik ist zum Beispiel ein Teilgebiet der Philosophie. Logikrätsel einbauen. Fertig. ;)

Das Problem scheint mir darin zu liegen, dass Spielmechaniken meist darauf hinauslaufen, etwas in der Spielwelt zu verändern. Philosophie ist aber eher die Beschäftigung mit den Möglichkeiten. Also nicht ich denke und handle, sondern nur ich denke. Philosophieren durch den Spieler wäre im Spiel nicht repräsentiert. Man könnte den Denkprozess selbst irgendwie abbilden, aber dabei käme vermutlich wirklich ein Logikrätsel heraus. Oder eine explorative Mechanik wie eine philosophische Diskussion mit Dialogoptionen aber das würde ich eben als Form des "Vordenkens" beschreiben und dann wäre eine Erzählung, die zum Beispiel philosophische Ideen verhandelt, vermutlich sogar besser, weil Exploration begrenzter Optionen nicht viel mechanische Tiefe hat und trotzdem das "gaming" dieses Systems, die Gefahr birgt, die Interaktion mit den philosophischen Konzepten in den Hintergrund zu rücken.

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Heretic
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von Heretic » 7. Mär 2019, 11:50

Mir kommt da spontan "The Stanley Parable" in den Sinn. Das beschreibt so schön das fragile Verhältnis zwischen Spieler und Gamedesigner. Über die Autonomie des Spielers und die Allmacht des Designers wurde noch nie so schön humorig philosophiert. :D

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Re: Philosophie und Games

Beitrag von garciiia » 7. Mär 2019, 14:17

monieu hat geschrieben:
6. Mär 2019, 23:12
Philosophie ist aber eher die Beschäftigung mit den Möglichkeiten. Also nicht ich denke und handle, sondern nur ich denke.
Philosophie ist in erster Linie als Gespräch zu verstehen. Denken, mag man meinen, sei ein großer Teil davon. Aber natürlich handelt man in der Philosophie. Sei es mit dem verfassen von Texten oder dem führen eines Dialogs.
Jetzt sei natürlich die Frage in wie fern es Spaß macht den ganzen Tag mit NPC's zu philosophieren. Aber darum würde es mir auch gar nicht gehen.
Folgendes Beispiel finde ich da besser:
Insanity hat geschrieben:
6. Mär 2019, 20:44
Die Frage ist doch: Lässt sich Philosophie irgendwie in Videogames spielmechanisch darstellen? Ich meine, ist sie umsetz- und vermittelbar in einer Form, wie es nur Videospiele können?

Ich erinnere mich an Brothers: A tale of two sons, das am Ende einen fantastischen Steuerungskniff hatte, um die Gefühlslage des Hauptcharakters zu explizieren.
Ich finde dein Beispiel mit dem zweiten Analogstick super. Genau sowas meine ich und habe ich auch bei ICO und Shadow of the Colossus so wahrgenommen. Diesen Moment kann ein Film oder Buch so nicht übertragen.

Sowas muss man nicht jedem Spiel aufdrücken. Mir gefällt es aber dass es solche Titel gibt die das tun.
Ich meine dass viele Titel auch die Chance verpasst haben sowas mit einzubauen. Zum Beispiel das oft genannte Bioshock.

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Re: Philosophie und Games

Beitrag von LegendaryAndre » 7. Mär 2019, 16:09

Im ersten Moment erinnere ich mich kaum an Spiele die ich eindeutig mit Philosophie in Verbindung bringen würde. Ich bin auf dem Gebiet nicht all zu sehr bewandert, beschäftige mich aber von Zeit zu Zeit gerne mit diesem Thema (Spinoza beispielsweise ist mir ein Begriff). Der Thread interessiert mich und es würde mich daher auch brennend interessieren welche Spiele eigentlich die größte philosophische Aussagekraft haben (oder ob es eine solche überhaupt in Videospielen gibt).

Spontan fallen mir das bereits erwähnte The Stanley Parable (freier Wille / Determinismus) ein und ein Spiel von Bioware, das mir immer wieder in den Sinn kommt, nämlich das Action-RPG Jade Empire. In einer Spielwelt angesiedelt, die dem mittelalterlichen China nachempfunden ist, spielen Entscheidungen und ethische Fragen eine große Rolle (wie auch bei den anderen Bioware-Vertretern dieser Zeit) und es gibt zahlreiche fernöstliche Weisheiten die man im Laufe des Spiels auf Schriftrollen zu lesen bekommt. Ich kann aber nicht sagen, ob die wirklich so gut sind, wie ich sie in Erinnerung habe. Damals war ich doch um einiges jünger und habe Spiele noch anderes bewertet, als ich es heute tue. Jedenfalls hat mich einiges zum Nachdenken angeregt und es wurden - so habe ich es empfunden - doch einige tiefgründige Fragen über das Leben aufgeworfen, die ich als philosophisch einstufen würde. Manche Kritiker im Netz sprechen aber auch von "Glückskeks-Weisheiten", weshalb ich den Titel erneut spielen müsste, um das wirklich beurteilen zu können. Hoffe da kommt mal ein Remake, das ja vor einiger Zeit bereits im Gespräch war.

Könnte man im Allgemeinen Spiele die dazu aufrufen über das Leben nachzudenken als philosophisch bezeichnen? Falls ja, wären für mich auch noch Titel wie What Remains of Edith Finch oder Life is Strange gewissermaßen Werke mit philosophischem Hintergrund. Auch Adventures wie Jane Jensens Gray Matter haben mich dazu angehalten über das Leben nachzudenken.

Bei Bioshock wäre ich am ehesten dazu geneigt Bioshock Infinite (und nur diesem Teil) philosophische Anteile zuzusprechen, weil das Spiel zu philosophischen Diskussionen angeregt.

In dem mittelmäßigen Spiel Demonicon hat man am Ende eine eigene Religion gegründet (aus diversen Textbausteinen), was mich wiederum dazu angeregt hat über Religionen und den Sinn des Lebens nachzudenken. Aber ist das Spiel deshalb auch philosophisch? Ich denke eher nicht. Ich kenne mich da aber auch nicht gut genug aus, um eine Grenze ziehen zu können.

Ich wäre auf weitere Spiele-Beispiele (inkl. Erklärung) hier sehr gespannt! Was ist eigentlich mit Textadventures? Gab es da philosophische Titel? (das war nicht ganz meine Zeit, daher kenne ich mich da nicht besonders gut aus)

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Re: Philosophie und Games

Beitrag von Insanity » 7. Mär 2019, 16:57

LegendaryAndre hat geschrieben:
7. Mär 2019, 16:09
Ich wäre auf weitere Spiele-Beispiele (inkl. Erklärung) hier sehr gespannt! Was ist eigentlich mit Textadventures? Gab es da philosophische Titel? (das war nicht ganz meine Zeit, daher kenne ich mich da nicht besonders gut aus)
Was mir sofort einfällt, ist natürlich das Lieblingsspiel eines gewissen Podcasters, nämlich Journey, das je nach Auslegung die Reise durch ein Leben abstrakt nacherzählt, inklusive zufälliger (Multiplayer-)Begegnungen und Ins-Licht-treten am Ende. André könnte hierzu wahrscheinlich eine Doktorarbeit verfassen.

Das großartige Rätselspiel The Swapper könnte man imo noch nennen. Hier knobelt man sich in seitlichen 2D-Levels durch schmutzige Sci-Fi-Laborräume, indem man bis zu drei Kopien von sich erstellt, die man alle gleichzeitig steuert. Drückt der Spieler nach links, laufen ALLE Klone nach links und das Ziel ist meistens, sich auf diverse Schalter in den Räumen zu stellen, damit sich Türen öffnen. Und wenn es um Körpertausch und -klonen geht, stellt sich natürlich immer die Frage, was mit dem Geist und der Persönlichkeit passiert - siehe auch Soma. Bei The Swapper gibt es am Ende sogar noch ein wunderbares Dilemma, aber das möchte ich hier nicht spoilern, nur soviel: Selten habe ich mich in einem Videospiel so verdammt schuldig gefühlt - vor allem, wenn man dann seine zuvor begangenen Spielaktionen Revue passieren lässt.

Auch Ultima, die Lieblingsspielereihe eines anderen bekannten Podcasters, wirft mit seinem Tugendsystem immer mal wieder philosophische Fragen auf.

Ich merke aber gerade auch, dass ich möglicherweise die Begriffe „philosophisch“ und „nachdenklich“ zu sehr vermische. Nicht jedes Spiel, was auch mal ruhigere Töne anschlägt, ist vermutlich gleich philosophisch, aber als Laie fällt es mir schwer, eine klare Grenze zu ziehen. Und auch, zu erkennen, ob ein Spiel philosophisch ist oder einfach nur deppert. :lol: Es gibt soviele Titel, die wichtig tun, aber es womöglich gar nicht sind: Dieses merkwürdige Thomas was alone beispielsweise, bei dem man verschiedene Rechtecke durch rätselbehaftete Jump'n'Run-Level steuert. Alle zehn Stages werden tiefgründig klingende Zitate eingestreut, aber entweder, ich habe es nicht kapiert, oder das Spiel hat nicht wirklich etwas zu sagen, einen Sinn fand ich jedenfalls nicht dahinter. Bei Transistor genau das gleiche, anfangs eine spannende Story, später nur noch wirr und (für mich) prätentiös. Falls es aber jemand besser weiß, bin ich für Erleuchtung dankbar. :)
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monieu
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Re: Philosophie und Games

Beitrag von monieu » 7. Mär 2019, 18:13

garciiia hat geschrieben:
7. Mär 2019, 14:17
Philosophie ist in erster Linie als Gespräch zu verstehen. Denken, mag man meinen, sei ein großer Teil davon. Aber natürlich handelt man in der Philosophie. Sei es mit dem verfassen von Texten oder dem führen eines Dialogs.
Jetzt sei natürlich die Frage in wie fern es Spaß macht den ganzen Tag mit NPC's zu philosophieren.
Die Sprach- oder Textproduktion ist im Prinzip Denken. (Nur wenige Menschen können längere Zeit vor sich hindenken.)

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