COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

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biaaas
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von biaaas »

Außerdem sollte man dir nicht die Spätfolgen einer Infektion vergessen.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Andre Peschke hat geschrieben:
7. Okt 2020, 12:35
Mit zunehmender Verbreitung steigt ja das Risiko, dass die Krankheit bei einer Risikogruppe zB in einem Altersheim ankommt.
Da gibt es ganz andere Probleme: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... en114.html

Kann ich auch mit Anekdoten aus meinem Umfeld unterfüttern: Meine Haushaltshilfe arbeitet ja in der Altenpflege. Und da ist es seit Wochen so, dass viel weniger Angehörige kommen, vor allem kommen jungen Angehörigen nicht mehr. Die Bewohner sind zunehmend allein und sind teilweise auch nicht mehr in der Lage zu verstehen, warum ihre Kinder sie nicht mehr besuchen. Die Mitarbeiter haben da mal bei den Angehörigen nachgefragt und es ist fast immer Angst. Also Angst sie zu infizieren. Und man denkt, man schützt die Alten. Aber das tut man nicht, denn Einsamkeit tötet ja ebenfalls.

Ein anderes Phänomen, was mir meine neue „Sachbearbeiterin“ (weiß jetzt den genauen Ausdruck nicht) vom Gesundheitsamt (sozialpsychiatrischer Dienst) erzählt hat: Viele Leute gehen nicht mehr zu ihren Hausärzten oder in die Kliniken wenn etwas ist. Also sie lassen beispielsweise notwendige Untersuchungen aus und sowas. Das ist auch so ein gesellschaftlicher Schaden, der zumindest viel zu wenig in den Medien thematisiert wird.

Das sind so zwei Dinge, die ich schon länger befürchtet habe und jetzt eingetreten sind. Deswegen finde ich auch dieses tägliche Starren auf irgendwelche Infektionszahlen falsch. Weil es die Panik am laufen hält. Ich meine: Anfangs ging es mal darum, dass die Kliniken nicht überlastet sind. Als das nicht geschah ging es um die Stabilhaltung des R-Werts. Dieser ist seit Monaten auf konstantem Niveau. Irgendwann hat man angefangen auf die Infektionszahlen zu starren und daran alles zu koppeln. Jetzt erlässt man Sperrstunden, man diskutiert darüber, dass man Menschen aus anderen Bundesländern nicht mehr übernachten lässt, man stellt Weihnachtsmärkte in Frage oder erlässt wieder harte Kontaktbeschränkungen.


Und da felt mir derzeit einfach nur noch jegliche Erklärung auf welcher Grundlage das alles noch geschieht und wie lange das noch gehen soll? Wo ist die Exit-Strategie bzw. der Übertritt zu einem Leben mit dem Virus? Die gesellschaftlichen Schäden werden jetzt sichtbar. Nicht nur die enormen Anstiege von Depressionen oder das die Menschen nicht mehr zu den Ärzten gehen. Sondern auch fehlendes Vertrauen in Politik und staatliche Stellen. Auch der Umgang der Menschen untereinander hat sich sehr verändert, ist kälter geworden. Und welche Langzeitfolgen das alles auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat, werden wir in ein paar Jahren erst sehen. Von den wirtschaftlichen Schäden garnicht zu sprechen. Mein halber Freundeskreis, halt die Leute aus der Kulturbranche, entweder die kochen nur noch vor Wut oder sie sind resigniert geworden. Da sind sogar in den letzten Monaten Ehen und Familien auseinander gebrochen. Bei Leuten, wo man das nie erwartet hätte. Klar, weil die unverschuldet ihre ganzen Lebensleistungen verloren haben.

Da kann man schon mal nach der Grundlage fragen, die all diese Folgen auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und persönlicher Ebene rechtfertigen. Selbst die Virologen sind sich ja mittlerweile uneinig. Die einen sagen das, die anderen wieder was anderes. Die einen denken, dass es nächstes Jahr ein Impfstoff gibt, die anderen denken, dass das noch Jahre so weitergehen wird, und und und. Da blickt doch nun echt niemand mehr durch!
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:
7. Okt 2020, 13:30
Andre Peschke hat geschrieben:
7. Okt 2020, 12:35
Mit zunehmender Verbreitung steigt ja das Risiko, dass die Krankheit bei einer Risikogruppe zB in einem Altersheim ankommt.
Da gibt es ganz andere Probleme: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... en114.html
Du hast gefragt "Ist das nicht gut", mit den vielen Infektionen bei zugleich niedriger Hospitalisierung. Darauf habe ich geantwortet. Ich sehe den Zusammenhang zu diesem Schwenk Richtung Depressionszunahme daher nicht.
Axel hat geschrieben:
7. Okt 2020, 13:30
Deswegen finde ich auch dieses tägliche Starren auf irgendwelche Infektionszahlen falsch. Weil es die Panik am laufen hält.
Wer macht das hier denn, es gibt ja nichtmal mehr tägliche Beiträge im Thread. "Dank" Trump gibt es nichtmal mehr tägliche Presseberichte über die hiesigen Infektionszahlen. Ich sehe nirgends Anzeichen für Panik und vielmehr Anzeichen für einen deutlich gelasseneren Umgang, zumindest in meiner Realitäts-Bubble.

Andre

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Leonard Zelig
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Leonard Zelig »

Axel hat geschrieben:
7. Okt 2020, 13:30
Von den wirtschaftlichen Schäden garnicht zu sprechen. Mein halber Freundeskreis, halt die Leute aus der Kulturbranche, entweder die kochen nur noch vor Wut oder sie sind resigniert geworden. Da sind sogar in den letzten Monaten Ehen und Familien auseinander gebrochen. Bei Leuten, wo man das nie erwartet hätte. Klar, weil die unverschuldet ihre ganzen Lebensleistungen verloren haben.
Die Belastungen sind sicher je nach Branche unterschiedlich, aber allgemein scheinen die Deutschen recht gut durch die Krise zu kommen.
Die Angst vor Jobverlust: gering. Der Blick in die Zukunft: recht optimistisch. Die Stimmung der Deutschen ist fast wieder so gut wie vor der Coronakrise.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 7936da18de

Auch gab es nicht mehr Suizide wegen Corona:
Vor einem halben Jahr veränderte die Corona-Pandemie das Leben in Deutschland innerhalb weniger Tage grundsätzlich. Das bereitete auch psychisch stabilen Persönlichkeiten Stress – und führte schnell zu Spekulationen, die unsichere und von vielen als bedrohlich empfundene Situation werde zu mehr Suiziden führen. Doch Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe mit Sitz in Leipzig, kennt keine Statistik von Polizei oder Pathologie, die einen Hinweis auf erhöhte Suizidzahlen gäbe.
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaf ... 45558.html
Axel hat geschrieben:
7. Okt 2020, 11:32
Die Neuinfektionen sagen nichts über die Gefährlichkeit aus. Da hatte sogar die ARD vorgestern mal überraschend differenziert berichtet. https://www.youtube.com/watch?v=P32pM0RuxLo

Wenn nun jeden Tag tausende Neuinfizierungen gemeldet werden, die Kliniken aber dennoch fast leer bleiben und kaum jemand stirbt, dann ist das doch gut?
Die Infektionssterblichkeit liegt bei 0,8%. Zwar wird das Virus durch mehr Neuinfizierungen nicht gefährlicher, aber es gibt dann mehr Betroffene. Zum Vergleich, die letzte Grippewelle in den USA hatte eine Infektionssterblichkeit von 0,05%.
https://www.rnd.de/gesundheit/corona-vs ... ISISY.html

Es hängt sehr stark vom Alter ab, ob man hospitalisiert werden muss oder nicht. Aber die Konsequenz kann ja nicht sein, dass sich die Alten zu Hause einsperren und vereinsamen und die Jungen alle Party machen. Es gibt Menschen, die haben seit über zehn Jahren keinen Urlaub mehr gemacht und da regen sich Leute auf, dass sie in den Herbstferien nicht ins Ausland fahren sollen.
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XfrogX
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von XfrogX »

Bei dem Thema selbst Tötung muss mal sehen, es gibt Leute denen es besser geht mit weniger Gesellschaft und Leuten wo das es schwieriger macht. Das scheint sich zumindest bei mir in der Region, was ich so von meinen Ärzten Polizisten aus dem Freundeskreis und aus der Selbsthilfegruppe höre, auszugleichen.

Und glaube das trifft auch auf vieles andere zu, klar wer selbstständig war gerade in den Bereichen Kultur oder Unterhaltung ... wird nun plötzlich große Sorgen haben nach einem langen Boom, während viele arbeiter die im letzten Boom dauernd Überstunden hatten, die einen guten Tariflohn hatten... die sind nun überwiegend garnicht so traurig das sie nun mehr Zeit für Familie haben und mal weniger Stress auf der Arbeit wegen Kurzarbeit.

Es ist halt wie immer es gibt zwei Seiten, so muss man ja auch sehen das andere krankheiten deutlich zurückhaltender sind, weil die corona regeln auch deren Verbreitung bremsen.

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Leonard Zelig hat geschrieben:
7. Okt 2020, 19:24
Die Belastungen sind sicher je nach Branche unterschiedlich, aber allgemein scheinen die Deutschen recht gut durch die Krise zu kommen.
Das täuscht. Durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und durch Auffangmassnahmen wie Soforthilfen und Kurzarbeitergeld ist es dem Staat bisher gelungen die sichtbarsten Probleme wirksam zu überdecken - was ihn viele Milliarden kostet. Viele Branchen, sein es Schausteller, die Filmwirtschaft, Event- und Veranstaltungsbranche, Musiker, etc., etc. stehen trotzdem nach wie vor vor dem wirtschaftlichen Nichts. Viele Kinobetreiber haben sich z.B. an den Start des neuen Bond im November geklammert - der kommt nun April 2021... In den Branchen werden in den nächsten Monaten viele für immer schließen...

Ich habe langfristig geplant meinen Job Ende August gekündigt in der festen Aussicht was anderes zu finden - der Jobmarkt ist zumindest in meinem Bereich - der nicht Corona relevant ist - leergefegt. Dumm gelaufen gerade... :|
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Feamorn
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Feamorn »

Rince81 hat geschrieben:
7. Okt 2020, 22:27

Ich habe langfristig geplant meinen Job Ende August gekündigt in der festen Aussicht was anderes zu finden - der Jobmarkt ist zumindest in meinem Bereich - der nicht Corona relevant ist - leergefegt. Dumm gelaufen gerade... :|
Puh... Ich drücke dir die Daumen, dass sich für dich doch noch was Gutes auftut!

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Rince81 hat geschrieben:
7. Okt 2020, 22:27
Leonard Zelig hat geschrieben:
7. Okt 2020, 19:24
Die Belastungen sind sicher je nach Branche unterschiedlich, aber allgemein scheinen die Deutschen recht gut durch die Krise zu kommen.
Das täuscht. Durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und durch Auffangmassnahmen wie Soforthilfen und Kurzarbeitergeld ist es dem Staat bisher gelungen die sichtbarsten Probleme wirksam zu überdecken - was ihn viele Milliarden kostet. Viele Branchen, sein es Schausteller, die Filmwirtschaft, Event- und Veranstaltungsbranche, Musiker, etc., etc. stehen trotzdem nach wie vor vor dem wirtschaftlichen Nichts. Viele Kinobetreiber haben sich z.B. an den Start des neuen Bond im November geklammert - der kommt nun April 2021... In den Branchen werden in den nächsten Monaten viele für immer schließen...
So sieht es leider aus! Da wird gerade sehr viel übertüncht. Und nicht immer finden die Leute auf den „normalen“ Arbeitsmarkt einen Job. In der Tat kenne ich keine so diverse und auch integrierende Branche wie die Veranstaltungsbranche. Eine gute Freundin von mir hat beispielsweise eine Veranstaltungsfirma gemeinsam mit vier anderen Leuten in den letzten Jahren mit viel Schweiß, Tränen und Freude aufgebaut. Das ist ein ganz toller Haufen an Menschen, die auf den normalen Arbeitsmarkt chancenlos sind. Die eine sitzt im Rollstuhl, die nächste ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, besagte Freundin braucht schlicht immer ein wenig länger um Aufgaben zu erledigen - wird aber in der Firma wie selbstverständlich akzeptiert. Und der Chef hat halt auch nie irgendwas anderes als Veranstaltungsbranche gemacht. Alle eint eine tiefe Passion für das was sie tun! Die sind alle jetzt noch in Kurzarbeit, halten ihr Geld bitterlich bis zu dem Zeitpunkt zusammen wo man wieder loslegen darf und bis dahin gilt es irgendwie über die Runden zu kommen, denn Miete und andere Fixkosten laufen ja alle weiter!

Kinos sind auch ne Sache! Wir haben hier in Chemnitz beispielsweise das Clubkino Siegmar. Als Kino selbst gibt es das schon seit DDR Zeiten, mit dem heutigen Konzept seit der Wendezeit. Die machen eher wenig Blockbuster-Programm, sondern bringen viele Dokumentationen, Arthouse, Klassiker, Filme von Filmfestspielen, gerne auch mal Kurzfilme und und und. Vor allem machen die Vormittags immer wieder auch Programm für Kitagruppen und Schulklassen! Auch denen geht es eher schlecht, weil die Leute ausbleiben. Was nicht mal an den fehlenden Blockbustern liegt, das haben die sonst so aktuell auch nicht im Programm, wenn dann nur zeitverzögert. Ein weiterer Vorteil von dem Kino ist nämlich auch der Preis: 5€ normal / 3€ ermäßigt (Kinder, Studenten, Arbeitslose, etc). Die Leute kommen schlicht und ergreifend nicht mehr so wie vor Corona. Wenn die schließen, verliert Chemnitz nicht nur eines von nur noch drei Kinos in der Stadt, sondern auch einen wichtigen kulturellen Eckpfeiler!

Ich bin auf Facebook auch mit Musiker, Schauspieler oder Messebauer verbunden. Und da haben in den letzten Wochen etliche geschrieben, dass sie teilweise Auftragsausfälle bis ins Jahr 2022 (!) hinein haben. Wenn wir also davon ausgehen, dass sich die Lage erst in drei Jahren normalisiert, dann kann sich jeder denken und ausrechnen, dass sehr viele Firmen in der Kulturbranche nicht überleben werden. Und hier sprechen wir von der drittgrößten Branche in Deutschland mit weit über 100 verschiedenen Berufsbildern und mehreren Millionen Arbeitnehmern. Wenn diese Branche stirbt, wird es mehrere Jahrzehnte brauchen, bis man den Vor-Corona-Zustand wieder erreicht hat.

Und das wird einen Dominoeffekt auslösen. Die Branche, die von Kultur, Festivals, Messen und Tagungen direkt abhängig ist, ist die Beherbergungsbranche. Also Hotellerie und Gastronomie! Wenn über mehrere Jahre Kultur oder Messen nicht mehr in der gewohnten Weise stattfinden, dann wird das diese Branche direkt zu spüren bekommen. Machen Gastronomie und Hotels zu, wird eine Stadt oder Region unattraktiver, was dann wiederum den Tourismus ganz allgemein treffen wird. Und so kann man immer weiter gehen. Verschiedene Branchen innerhalb einer Wirtschaft sind voneinander abhängig. Plus: Wenn viele Millionen Menschen arbeitslos werden, werden die allermeisten keine neuen Jobs finden. Der Arbeitsmarkt ist, wie Rince ganz richtig feststellt, zu. Das heißt viele Menschen rutschen in Hartz IV, müssen ihr Geld zusammenhalten, etc. was dann wiederum ganz direkt die Binnenwirtschaft drückt und das spüren dann restlos alle.

Ich bin da einfach extrem pessimistisch und das dicke Ende wird in den nächsten 1-2 Jahren kommen.
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Alienloeffel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Alienloeffel »

Axel hat geschrieben:
8. Okt 2020, 01:41
Wenn diese Branche stirbt, wird es mehrere Jahrzehnte brauchen, bis man den Vor-Corona-Zustand wieder erreicht hat.
Das glaube ich nicht. Warum sollte das auch so sein? Angenommen es gibt in absehbarer Zeit einen Impfstoff oder wirksame Behandlung wird es Kulturveranstaltungen wieder geben, weil die Leute das ja durchaus möchten.
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2020, 01:41
Und das wird einen Dominoeffekt auslösen. Die Branche, die von Kultur, Festivals, Messen und Tagungen direkt abhängig ist, ist die Beherbergungsbranche. Also Hotellerie und Gastronomie! Wenn über mehrere Jahre Kultur oder Messen nicht mehr in der gewohnten Weise stattfinden, dann wird das diese Branche direkt zu spüren bekommen. Machen Gastronomie und Hotels zu, wird eine Stadt oder Region unattraktiver, was dann wiederum den Tourismus ganz allgemein treffen wird. Und so kann man immer weiter gehen. Verschiedene Branchen innerhalb einer Wirtschaft sind voneinander abhängig. Plus: Wenn viele Millionen Menschen arbeitslos werden, werden die allermeisten keine neuen Jobs finden. Der Arbeitsmarkt ist, wie Rince ganz richtig feststellt, zu. Das heißt viele Menschen rutschen in Hartz IV, müssen ihr Geld zusammenhalten, etc. was dann wiederum ganz direkt die Binnenwirtschaft drückt und das spüren dann restlos alle.

Ich bin da einfach extrem pessimistisch und das dicke Ende wird in den nächsten 1-2 Jahren kommen.
Wieso sollte das so sein? Die Gastronomie ist nicht völlig geschlossen und auch Hotels leben ja nicht nur von Tourismus, sondern auch Dienstreisen etc. Klar geht es auch denen schlecht, aber du übertreibst da einfach, das Abendland wird nicht untergehen.

BTW, der Kommentar "Da hatte sogar die ARD vorgestern mal überraschend differenziert berichtet" war echt nötig, diese Propaganda Klitsche! :roll:

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Blaight
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Blaight »

Ich bin in den letzten Jahren zu der Überzeugung gelangt, dass Wirtschaft derart komplex ist, dass Vorraussagen, egal aus welcher Ecke sie stammen, nur mit Glück zutreffen. Ist jetzt das E-Auto so disruptiv, wie das iPhone? Ich weiß es nicht. Zieht die Corona-Krise eine wirklich erdballumspannende Wirtschaftskrise nach sich oder nicht? kA.

Mir ist gänzlich unbegreiflich, wie sich bzgl dieser Zukunftsszenarien Leute sicher sein können.

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XfrogX
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von XfrogX »

Wird es für einzelne zur persönlichen Tragödie? Mit Sicherheit. Wird es deswegen über Jahrzehnte Branchen zerstören? Solange es Impfungen irgendwann gibt nicht.
Den wenn morgen alles geschlossen wird, wird nach dem die Maße geimpft ist viele Leute geben die genau in diese nun leeren Bereiche springen, weil es nun wenig Konkurrenz gibt und das Wachstum erstmal von nahe 0 riesig ist.

Was also gut sein kann, wenn wir diese Unternehmen fallen lassen, wo sich ja Deutschland wirklich drum bemüht es nicht zu tun, wird es danach halt neue Unternehmen entstehen. Diese werden um schnell zu wachsen auch wieder gutes Personal brauchen. Wird es Jahre dauern? Sicherlich, wird es Sachen verändern? Garantiert.

Und ja natürlich ist das für den einzelnen der jetzt einen Schuldenberg aufbaut, der jetzt Probleme hat scheisse. Und es wird die Leute geben die da nicht wieder raus kommen.

Nur wird, immer in der Annahme wir können mit dem Virus bald umgehen, es nichts grundsätzlich verändern. Leute werden immer noch Ablenkungen suchen, werden weiter Urlaub/Erholung brauchen. Und sollten wir wider allen aktuellen Ergebnissen den Kampf gegen das Virus verlieren, werden diese Bereiche sowieso sterben.

Wirklich das einzig was man lernen sollte, ist wir brauchen mehr Absicherungen, ja unser System leistet sicher mehr als die meisten anderen Systeme, aber es könnte auch noch besser sein, gerade die Lösung das wer hartz4 bekommt alle Reserven verbrauchen muss hilft dem Staat wenig kostet aber den Individuen sehr viel und macht es nach der Überwinden viel schwieriger wieder gut einzusteigen.

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Ines
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Ines »

Bezüglich der Leute, die ihre (psychischen) Erkrankungen derzeit nicht behandeln lassen (können), mache ich mir auch Sorgen. Ich habe es auch durchaus so wahrgenommen, dass viele erstmal, so im März/April eher entlastet waren, es ihnen später aber deutlich schlechter ging und Tageskliniken etc. geschlossen waren und die noch immer mit den Wartelisten, die sich in dieser Zeit aufgebaut haben, kämpfen. COVID-19 ist eben eine gefährliche und hoch ansteckende Krankheit, die dazu führt, dass Leute ins Krankenhaus müssen, beatmet werden und sterben. Man braucht viele Ressourcen, um sich zu schützen (man muss es sich leisten können, wenig raus zu gehen) und damit gleichzeitig auch andere zu schützen. Die, die diese Ressourcen haben, sind häufig auch die, die durch eine Infektion wahrscheinlich geringere Kosten haben, weil sie jünger und gesünder sind und deshalb vielleicht nicht mit dem Bus fahren müssen, sondern das Fahrrad benutzen können oder nicht so oft zum Arzt müssen. Für mich geht es deshalb um Solidarität. Ich verzichte auf vieles, um meinen Teil dazu beizutragen, dass wir uns weiterhin Ausnahmen leisten können. In der Hoffnung, dass die Fallzahlen nicht so weit steigen, dass das Seniorenfrühstück nicht mehr stattfinden kann.
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bluttrinker13
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von bluttrinker13 »

Rince81 hat geschrieben:
7. Okt 2020, 22:27
Ich habe langfristig geplant meinen Job Ende August gekündigt in der festen Aussicht was anderes zu finden - der Jobmarkt ist zumindest in meinem Bereich - der nicht Corona relevant ist - leergefegt. Dumm gelaufen gerade... :|
Aktuell ist mWn in nicht wenigen Landkreisen und Behörden die Möglichkeit gegeben, in den öffentlichen Dienst reinzurutschen, erst mal über befristete Stellen in der Corona-Administration, Infiziertennachverfolgung, etc. Aber Vitamin B kann später durchaus noch weitertragen, vor allem wenn DPs unbesetzt sind. Ich würde da auf jeden Fall mal gucken, falls du das nicht schon machst, und die Leute von deinem analytischen Talent überzeugen. ;)

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Leonard Zelig
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Leonard Zelig »

bluttrinker13 hat geschrieben:
8. Okt 2020, 18:52
Rince81 hat geschrieben:
7. Okt 2020, 22:27
Ich habe langfristig geplant meinen Job Ende August gekündigt in der festen Aussicht was anderes zu finden - der Jobmarkt ist zumindest in meinem Bereich - der nicht Corona relevant ist - leergefegt. Dumm gelaufen gerade... :|
Aktuell ist mWn in nicht wenigen Landkreisen und Behörden die Möglichkeit gegeben, in den öffentlichen Dienst reinzurutschen, erst mal über befristete Stellen in der Corona-Administration, Infiziertennachverfolgung, etc. Aber Vitamin B kann später durchaus noch weitertragen, vor allem wenn DPs unbesetzt sind. Ich würde da auf jeden Fall mal gucken, falls du das nicht schon machst, und die Leute von deinem analytischen Talent überzeugen. ;)
Sowas hat mir die Arbeitsagentur angeboten. Allerdings nur befristet bis Dezember und man telefoniert den ganzen Tag. Das liegt mir überhaupt nicht. Außerdem meinten die, dass ich mit meinem Studium total überqualifiziert für den Job wäre. Hab schon mal letztes Jahr im ÖD gearbeitet, aber nur als Sachbearbeiter über Zeitarbeit. Aktuell denke ich über ein duales Studium als Beamtenanwärter an. Da verdient man selbst im Studium 1500€ Brutto und kann im Studentenwohnheim wohnen.
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lolaldanee
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von lolaldanee »

Rince81 hat geschrieben:
7. Okt 2020, 22:27
Ich habe langfristig geplant meinen Job Ende August gekündigt in der festen Aussicht was anderes zu finden - der Jobmarkt ist zumindest in meinem Bereich - der nicht Corona relevant ist - leergefegt. Dumm gelaufen gerade... :|
Willkommen im Club. Bei mir war es ein Umzug Anfang des Jahres, weshalb ich ausgerechnet ab Mai meinen alten Job nicht weitermachen konnte. Jetzt bin ich als Softwareentwickler in der besten Position in der man überhaupt sein kann, und das auch noch am IT-Standort München jetzt. Und TROTZDEM war es sau schwierig etwas neues zu finden. Habe grade endlich diese Woche aber dann doch endlich mal was gefunden. Trotzdem, ein halbes Jahr suchen war schon eher heftig und vor allem sehr ungewöhnlich in meinem Beruf.

Wünsch dir alles Gute!

Voigt
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Voigt »

Ihr habt zumindest Berufserfahrungen vorzuweisen ubd damit geht es noch so. Ich bin mit meinem Ingenieursstudium (Werkstoffwissenschaft) fertig und suche schon lange DACH-weit was ohne Erfolg.

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Torgau
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Torgau »

Leonard Zelig hat geschrieben:
8. Okt 2020, 20:13
Aktuell denke ich über ein duales Studium als Beamtenanwärter an. Da verdient man selbst im Studium 1500€ Brutto...
.. die man allerdings zurückzahlen muss, falls man das Studium abbricht oder nach erfolgreicher Verbeamtung nicht mindestens 5 Jahre beim Dienstherrn bleibt.
Ohne dir etwas ein-oder ausreden zu wollen, ist das ein sehr spezieller Berufsweg und ich würde an deiner Stelle versuchen mich möglichst umfassend zu informieren, ob er dir auch langfristig liegt!

Axel hat geschrieben:
7. Okt 2020, 13:30
Und da felt mir derzeit einfach nur noch jegliche Erklärung auf welcher Grundlage das alles noch geschieht und wie lange das noch gehen soll? Wo ist die Exit-Strategie bzw. der Übertritt zu einem Leben mit dem Virus?

Die Exit-Strategie ist, baldmöglichst eine kritische Bevölkerungsmasse zu impfen - wie vielen anderen modernen Seuchen auch.

Ansonsten habe ich mich mit deinem Beitrag recht schwer getan, weil er wirkt als könnte man das Virus durch Nichtbeachtung ausmerzen. Dass Menschen nun seltener zum Arzt gehen, beispielsweise, ist keine Folge der Corona-Maßnahmen, sondern Folge von Corona selbst.

Das ist ein wenig als würde man Polizeistreifen abschaffen wollen, weil sich Menschen sonst nachts nicht mehr in den Park trauen.. :think:

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Torgau hat geschrieben:
8. Okt 2020, 21:10
Die Exit-Strategie ist, baldmöglichst eine kritische Bevölkerungsmasse zu impfen - wie vielen anderen modernen Seuchen auch.
Und wenn es keinen allgemein verträglichen Impfstoff geben wird? Die Möglichkeit sollte man ja zumindest mal nicht so beiseite wischen. Solange kein Impfstoff Studien der Phase 3 genommen hat, ist es einfach unverantwortlich genau darauf zu spekulieren. Hier mal ein guter Artikel der Österreichischen Ärztezeitung zu Entwicklung von Impfstoffen allgemein: https://www.aerztezeitung.at/fileadmin/ ... stoffe.pdf
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Torgau
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Torgau »

Axel hat geschrieben:
8. Okt 2020, 21:23
Und wenn es keinen allgemein verträglichen Impfstoff geben wird?

Geht denn derzeit ein ausreichender Anteil von spezialisierten Virologen und Impfforschern davon aus, dass es keinen allgemein verträglichen Impfstoff geben wird? Das wäre mir nicht bekannt.
Ich lese mir selbstverständlich sehr gern das von dir gelieferte Dokument durch, aber ich glaube nicht, dass eine "Wir sind alle Virologe"-Einstellung sehr zielführend ist.

Du hast nach einer Strategie gefragt - das ist die Strategie (= wahrscheinlichkeitsbasierte Planung). Nicht mehr, nicht weniger.

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Axel hat geschrieben:
8. Okt 2020, 21:23
Und wenn es keinen allgemein verträglichen Impfstoff geben wird?
Dann wird es für die Veranstaltungs- und große Teile der Kulturbranche keine realistische Zukunft mehr geben. Herdenimmunität geht nicht - anscheinend ist man a) nach einer Infektion nicht sicher dauerhaft immun und b) mit den Folgen kommen wir gesellschaftlich nicht klar - also so weiter machen wie bisher und das kann sich der Staat auf Dauer nicht leisten... Allerdings sprechen die bisherigen Testergebnisse wohl dafür, dass wir irgendwann 2021 einen Impfstoff haben werden.
XfrogX hat geschrieben:
8. Okt 2020, 10:48
Was also gut sein kann, wenn wir diese Unternehmen fallen lassen, wo sich ja Deutschland wirklich drum bemüht es nicht zu tun, wird es danach halt neue Unternehmen entstehen. Diese werden um schnell zu wachsen auch wieder gutes Personal brauchen. Wird es Jahre dauern? Sicherlich, wird es Sachen verändern? Garantiert.
Die gesamte Kultur- und Veranstaltungsbranche hängt aneinander. Nicht nur die Kinobetreiber sind bedroht, sondern auch die Filmverleiher und technischen Dienstleister. Nicht nur die Konzertorte sind bedroht, auch die Künstler, Booker, Techniker, etc, etc. Die funktionieren nicht einzeln sondern nur in Kooperation miteinander. Das sind Netzwerke und Partnerschaften die über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte entstanden sind. Das wieder aufzubauen wird schwer wenn nicht unmöglich - gerade im alternativen und freien Bereich.
Ein Restaurant zu eröffnen ist "leicht". Ein Kulturzentrum oder Veranstaltungsort zu etablieren jahrelange Arbeit und ohne Netzwerk fast unmöglich...
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