COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

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Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

ZiggyStardust hat geschrieben:
10. Okt 2020, 16:23
Das dürfte aber die Ausnahme sein, dass Menschen inmitten einer Pandemie den Job kündigen. Aktuell hat nur jeder 200. Arbeitnehmer wegen Corona seinen Job verloren. Da stehen Länder wie die USA viel schlechter da.
Ja, weil wir diese Arbeitslosenquote mit Kurzarbeitergeld kaschieren. Im August waren mehr als 4,55 Millionen Menschen in Deutschland in Kurzarbeit - im August 2019 waren es 54.000. Das wir besser dastehen als andere Länder würde ich vorsichtig bezweifeln - unsere Bundesregierung hat aber aktuell beschlossen, dass Problem mit Geld zu bewerfen - realistisch stehen wir aber imho nicht besser da...
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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Rince81 hat geschrieben:
11. Okt 2020, 00:36
Das wir besser dastehen als andere Länder würde ich vorsichtig bezweifeln - unsere Bundesregierung hat aber aktuell beschlossen, dass Problem mit Geld zu bewerfen - realistisch stehen wir aber imho nicht besser da...
Nein, tun wir auch nicht. Da stimme ich Dir zu. Realistisch hätten wir jetzt ohne das Kurzarbeitergeld rund 8 Millionen Arbeitslose (das wäre eine Arbeitslosenquote von rund 20%, damit wären wir EU weit auf der Spitzenposition!). Die tatsächlichen Zahlen lagen im September bei 3,596 Millionen Personen und das Kurzarbeitergeld bei 4,24 Millionen Personen. Zum Vergleich: Im April lag die Kurzarbeiterzahl bei 5,96 Millionen Menschen. Die Quote schmilzt also nur langsam. Und je nachdem welche Einschränkungen nun noch kommen (Lauterbach hat ja beispielsweise schon nach der Absage von Weihnachtsmärkten gekräht, was besonders die sächsische und thüringische Binnenwirtschaft für viele Jahre sehr hart treffen würde!), wird die Quote auch wieder steigen. Naja, und spätestens wenn die Firmen nächstes Jahr Konkurs anmelden müssen, dann wird es „lustig“.

So kann man aber noch das Lügenmärchen verbreiten, dass wir „gut durch die Krise“ kommen. Aber ihr wisst, wem am Ende die Rechnung präsentiert wird und wo der Staat die vielen Milliarden wieder zurückholen wird. Definitiv nicht bei den Reichen, Konzernen und Eliten.
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Voigt
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Voigt »

Also Kurzarbeiterstellen kann man nun wirklich nich 1:1 in *eigentlich Arbeitslose* umrechnen.
Kurzarbeit wird ja in Firmen viel breiter eingesetzt, ist ja gerade das es aud vielen Schulteen getragen werden. Viele arbeiten/verdienen eine Zeit lang weniger in einem Betrieb, damit keine Stellen gekündigt werden müssen.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Voigt hat geschrieben:
11. Okt 2020, 01:31
Also Kurzarbeiterstellen kann man nun wirklich nich 1:1 in *eigentlich Arbeitslose* umrechnen.
Normalerweise natürlich nicht. In diesem Jahr aber schon, weil es ja Bereiche der Wirtschaft betrifft wie die Industrie, die sonst einfach die Menschen entlassen hätten. Weil die Firmen keine Aufträge mehr hatten und somit hätte man die Mitarbeiter nicht bezahlen können. Schau Dir beispielsweise mal den Maschinenbau an oder Zulieferfirmen für die Luftfahrt. Die haben immer noch hohe Kurzarbeiterzahlen. Das sind ja keine großen Konzerne, sondern mittelständische Betriebe mit 100 bis 200 Mitarbeiter. Manchmal mehr, machmal weniger. Aber der Punkt ist: Sowas kann kein Mittelstand länger als 2 Monate selbst finanzieren ohne oder mit nur wenigen Aufträgen.

Noch drastischer sieht es nach wie vor in der Gastronomie und Hotellerie aus. Derzeit kommen vermehrt Vorstellungen der Konjunkturumfragen der IHK. Je nach Region betragen die Kurzarbeitquoten mal 80% oder 90%. Selten weniger. Auch das sind rein mittelständische Unternehmen, die kein halbes Jahr Mitarbeiter durchtragen können. Es gab in vielen Regionen kaum Tourismus, die Zahl der innerstädtischen Urlaube sind im Vergleich zum Vorjahr im Sommer drastisch zurückgegangen. Fehlende Geschäftsreisen oder der Ausfall von kulturellen Veranstaltungen machen sich auch bemerkbar. Hier hätte es ohne Kurzarbeitergeld ebenfalls Massenentlassungen gegeben.

Hier beispielsweise mal die Zahlen der IHK in Lübbecke: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Krei ... -getroffen

Es betrifft eben Branchen, die nicht so einfach zur Normalität können. Und es betrifft vor allem den Mittelstand.
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XfrogX
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von XfrogX »

1:1 ist Quatsch, in meinem Umfeld haben fast alle Betriebe Kurzarbeit angemeldet was grob überschlagen rund 1500-2000 Menschen sind keiner hat aber auch nur 50% Kurzarbeit gemacht. Sondern eher etwas zwischen 15-35% und viele Firmen haben das dann sogar noch „ausgenutzt“

Und selbst mit 8 Millionen wären wir nicht bei 20% sondern bei 17% und damit nicht spitze, zumal ich nicht mal davon ausgehen würde das nur Deutschland bei diesen Zahlen es schön Rechnet.

Also mal bitte nicht immer so auf Dramaturgie spielen.

Und gerade wenn du deine Annahme glaubst: alle Firmen wären schon bankrott ohne Kurzarbeiter Geld, statt einfach das sie nur mit weniger personal weiter machen würden, dann spricht das ja völlig dafür das Deutschland super durch die Krise kommt, den die Pandemie ist ja da egal was Deutschland macht, und nun haben wir sogar die Jobs gerettet statt Arbeitslosen Geld zu bezahlen.

Woher also das wir sind nicht gut bisher durch die Krise gekommen? Hätte irgendwer mehr Geld ohne die Kurzarbeiter Lösung? Wäre irgendwer noch am Leben wenn wir garnichts gemacht hätten statt sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen womit wir die Pandemie im Zaum halten und Risikogruppen schützen?

Klar hätten wir das Jahr ohne Pandemie besser geschafft, aber das ist halt keine Option.

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Alienloeffel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Alienloeffel »

Warum ist der Ausfall von Weihnachtsmärkten insbesondere hart für Sachsen und Thüringen?
Man sieht doch gerade wie das Normalisieren und vermutlich auch der Herbst die Fälle nach oben treibt. Wenn diese Entwicklung anhält wäre es aggressive Ignoranz irgendwo Weihnachtsmärkte zu veranstalten.
Karl Lauterbach sagt viel unangenehmes, aber vieles davon ist eben auch angemessen.
Die Pandemie ist einfach nicht vorbei. Genervtes verlangen von Alltag beendet das auch nicht und man wird nicht ohne Schaden rauskommen. Das halte ich aber für besser als immernoch mit Schaden und deutlich mehr Toten aus der Pandemie zu kommen.

Voigt
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Voigt »

Vermute weil wir ja sonst nix haben wirtschaftlich in Thüringen und Sachsen, Weihnachtszeit mit Weihnachtsmarkt ist dann zumindest guter Binnenkonsum.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Alienloeffel hat geschrieben:
11. Okt 2020, 07:50
Warum ist der Ausfall von Weihnachtsmärkten insbesondere hart für Sachsen und Thüringen?
Man sieht doch gerade wie das Normalisieren und vermutlich auch der Herbst die Fälle nach oben treibt. Wenn diese Entwicklung anhält wäre es aggressive Ignoranz irgendwo Weihnachtsmärkte zu veranstalten.
Karl Lauterbach sagt viel unangenehmes, aber vieles davon ist eben auch angemessen.
Die Pandemie ist einfach nicht vorbei. Genervtes verlangen von Alltag beendet das auch nicht und man wird nicht ohne Schaden rauskommen. Das halte ich aber für besser als immernoch mit Schaden und deutlich mehr Toten aus der Pandemie zu kommen.
Weil wir hier in Sachsen kaum große Westfirmen haben. In Thüringen sieht es ganz ähnlich aus. Viele Händler und Schausteller erwirtschaften häufig die Hälfte ihres Jahresumsatzes auf Weihnachtsmärkten. Das sind dann eben häufig auch klassischen Familienbetriebe. Wenn die weggehen, kommen die nicht wieder. Und besonders für Sachsen gilt auch: Gerade in den Regionen Erzgebirge und Sächsische Schweiz haben wir immer noch eine vergleichsweise große Zahl traditioneller Kunsthandwerksbetriebe die Schwibbögen und anderen Weihnachtsschmuck herstellen. Für die sind die Weihnachtsmärkte besonders überlebenswichtig. Verschwinden die, verschwindet auch eines der prägendsten kulturellen Traditionen Sachsens. Man kann nicht hoch genug bewerten wie enorm wichtig Weihnachtsmärkte für die hiesige Binnenwirtschaft sind. Mag in ner westdeutschen Großstadt vielleicht anders sein, hier hängen teilweise ganze Regionen dran.

Außerdem darf man jetzt den Menschen nicht noch Weihnachten verbieten. Viele Menschen hatten jetzt ein so schweres Jahr voller Einschränkungen, nehmt denen nicht noch Weihnachten! Ich finde Weihnachten und Weihnachtsmärkte gehören so dermaßen zu unserer kulturellen DNA, das zu verbieten wäre für viele wohl grausam. Und ganz persönlich hoffe ich durch Corona endlich mal wieder einen schönen Weihnachtsmarkt OHNE Glühweinstände erleben zu dürfen. Die inflationäre Ausbreitung von Glühweinständen haben Weihnachtsmärkte in den letzten ca. 10 Jahren eher zu einem Massenbesäufnis werden lassen. Vielleicht könnte Corona dazu führen, dass es da auch mal eine Trendwende gibt.

Und noch was habe ich im Blick: Die Landtagswahl 2024. Traktiert man die Menschen jetzt mit immer neuen Verboten und würde die sächsische (sowie thüringische) Binnenwirtschaft großen Schaden nehmen, kann ich Dir eine Partei nennen, die langfristig davon profitieren wird: die AfD! Und ich habe keine Lust, dass die hier mit 30+ Prozent in die Regierung kommen! Das wäre schlicht grausam. In Thüringen gäbe es wohl ähnliche Folgen wie hier.

Infektionsschutz schön und gut, aber ich habe keine Lust, dass mein schönes Sachsen deswegen geopfert wird.
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Voigt
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Voigt »

Man kann auch Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt haben. Ist ja eh eigentlich enges besinnliches Familienfest.

Wegen Landtagswahl, vergess nicht das in Thüringen nächstes Jahr direkt Neuwahl ist, da dies ja ausgemacht wurde mit CDU für deren Nichtwahl von AfD/FDP als Minister.

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bluttrinker13
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von bluttrinker13 »

Voigt hat geschrieben:
11. Okt 2020, 13:31
Man kann auch Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt haben. Ist ja eh eigentlich enges besinnliches Familienfest.
Ach komm. As if. Die dunkle Jahreszeit ohne ein wenig Budenzauber, ich finde das kann man schon nachvollziehen, dass das für viele Menschen wichtig ist, und das ein kompletter Wegfall schmerzhaft wäre. Auch wirtschaftlich, die Schausteller sind ja eh schon am A...
Ich brauche es nicht, aber meine Frau, die freut sich darauf jedes Jahr wie ein Kind, und wenn die das nicht haben kann, fühle ich das mit. Es ist nicht so das dadurch nichts verlorengehen würde.

Und klar ist das mit Risiko behaftet. Selbiges ist aber auch relativ, da diese Veranstaltungen ja draußen stattfinden (die geschlossenen Buden müssten halt zubleiben, oder sich ein effektives Konzept überlegen). Das mit der Enge und mit dem Gesaufe muss natürlich kontrolliert werden, aber das ist möglich. Vor allem angesichts Dingen wie Fußballspielen, die ja aktuell regelmäßig stattfinden. (sic!)

Wenn es danach geht alles 1a umzusetzen was relativ einen Effekt hat, sollten wir bspw die Schulen wieder zumachen und auf digitale Lehre umstellen. Etliche preprints welche die Maßnahmeneffekte ausgewertet haben, haben die Schulen- und Unischließungen immer unter den Top 3. Dennoch sehe ich überall Präsenzlehre, sogar an meiner Hochschule (obwohl sich das mE in einem Monat spätestens wieder erledigt haben wird).

Will sagen, natürlich können wir nicht einfach "Alltag" machen. Aber gewisse Dinge die Freude machen oder kulturell tradiert sind und irgendwie nach Hedonismus riechen dann grundsätzlich immer eher als unwichtig zu suggerieren, finde ich zu kurz gegriffen. Oder anders gesagt, es wirkt eher wie eine dieser Maßnahmen, die viel bringen soll, weil sie halt so wirkt, aber ob dahinter wirklich ein Effekt steht, und ob es wirklich um Effekte geht, angesichts anderer Effekttreiber die offen ignoriert werden, ist fraglich.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Voigt hat geschrieben:
11. Okt 2020, 13:31
Man kann auch Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt haben. Ist ja eh eigentlich enges besinnliches Familienfest.
Nur haben heute viele Menschen keine Familie mehr. Oder liegen mit ihren Familien im Streit oder andere Dinge. Für diese Menschen sind der Weihnachtsmarkt, das Weihnachtskonzert oder das Krippenspiel die einzigen Möglichkeiten etwas festliche Atmosphäre zu genießen. Und eben auch unter Menschen zu sein. Besonders zu Weihnachten können Einsamkeit und Depressionen besonders schlimm sein. Selbst in Kriegszeiten oder in anderen Pandemien war sowas IMMER möglich und auch besonders wichtig!

Viel gefährlicher aus Sicht der Pandemiebekämpfung würde ich eher Silvester einstufen.
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lipt00n
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von lipt00n »

Wenn ich sehe, wie die Leute auf einer Party abgehen und wieviel Energie in manchen Kreisen darauf verwendet wird, allen Vorgaben zu widersprechen und sie zu missachten: Weihnachtsmärkte (und Fussballstadien bei 10% Auslastung) sind nie im Leben der Motor einer Pandemie.
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Varus
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Varus »

Axel hat geschrieben:
11. Okt 2020, 13:22
Und ganz persönlich hoffe ich durch Corona endlich mal wieder einen schönen Weihnachtsmarkt OHNE Glühweinstände erleben zu dürfen. Die inflationäre Ausbreitung von Glühweinständen haben Weihnachtsmärkte in den letzten ca. 10 Jahren eher zu einem Massenbesäufnis werden lassen. Vielleicht könnte Corona dazu führen, dass es da auch mal eine Trendwende gibt.
Das wäre mal etwas! Würde ich begrüßen, aber kann ich mir kaum vorstellen. Als wir unseren letzten Weihnachtsmarkt (Kleinstadt in Sachsen-Anhalt) organisiert haben waren viele Leute schon empört, dass wir an der vollsten Ecke des Marktes nicht noch einen 3. reinen Glühweinstand zugelassen haben. Glühwein ist meiner Wahrnehmung nach, mittlerweile einfach zum Bierersatz für öffentliche Veranstaltungen zwischen Oktober und Januar geworden.
Ohne diesen Besäufnisfaktor, sähe ich auch kein Problem darin, Weihnachtsmärkte abzuhalten. Die ersten öffentlichen Veranstaltungen liefen aus Perspektive der Pandemieeindämmung recht gut. Abstände wurden zumeist eingehalten, Hinweise des Sicherheitspersonals ernstgenommen und befolgt, die öffentlichen Desinfektionsspender wurden großzügig genutzt etc. Das positive Feedback der Leute, die "endlich mal wieder was was machen durften" war echt herzerwärmend.
Axel hat geschrieben:
11. Okt 2020, 13:22
Und noch was habe ich im Blick: Die Landtagswahl 2024. Traktiert man die Menschen jetzt mit immer neuen Verboten und würde die sächsische (sowie thüringische) Binnenwirtschaft großen Schaden nehmen, kann ich Dir eine Partei nennen, die langfristig davon profitieren wird: die AfD! Und ich habe keine Lust, dass die hier mit 30+ Prozent in die Regierung kommen! Das wäre schlicht grausam. In Thüringen gäbe es wohl ähnliche Folgen wie hier.
Ich glaube nicht, dass dann bei den Landtagswahlen in 4 Jahren noch viele Menschen daran ihre Wahlentscheidung aufhängen werden. Dafür vergisst "der Wähler" zu schnell. :ugly: Wir wählen schon nächstes Jahr den Landtag und Sachsen-Anhalt ist glaube ich nach wie vor das einzige Bundesland, das keine Bußgelder für Verstöße gegen die Eindämmungsverordnungen verhängt. "Nicht nötig das zu überprüfen, ist ja verboten." :roll: Was ich sagen wollte: Hier ist die Wahl wesentlich näher und einen spürbaren Stimmungsschub für die CDU lässt sich aus dieser laxen Einstellung derzeit nicht ablesen.
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Alienloeffel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Alienloeffel »

Axel hat geschrieben:
11. Okt 2020, 14:27
Voigt hat geschrieben:
11. Okt 2020, 13:31
Man kann auch Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt haben. Ist ja eh eigentlich enges besinnliches Familienfest.
Nur haben heute viele Menschen keine Familie mehr. Oder liegen mit ihren Familien im Streit oder andere Dinge. Für diese Menschen sind der Weihnachtsmarkt, das Weihnachtskonzert oder das Krippenspiel die einzigen Möglichkeiten etwas festliche Atmosphäre zu genießen. Und eben auch unter Menschen zu sein. Besonders zu Weihnachten können Einsamkeit und Depressionen besonders schlimm sein. Selbst in Kriegszeiten oder in anderen Pandemien war sowas IMMER möglich und auch besonders wichtig!

Viel gefährlicher aus Sicht der Pandemiebekämpfung würde ich eher Silvester einstufen.
In Kriegszeiten oder anderen Pandemien? Das bezweifle ich doch stark. Insbesondere während des zweiten Weltkriegs war das in den meisten Fällen nicht so.

Der Weihnachtsmarkt als quasi Familien Ersatz für festliche Atmosphäre? Da muss ich schon schmunzeln, ist ja nicht so das die deutsche Bevölkerung für ihre Nettigkeit zu Fremden bekannt ist.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Varus hat geschrieben:
11. Okt 2020, 15:36
Ich glaube nicht, dass dann bei den Landtagswahlen in 4 Jahren noch viele Menschen daran ihre Wahlentscheidung aufhängen werden. Dafür vergisst "der Wähler" zu schnell. :ugly: Wir wählen schon nächstes Jahr den Landtag und Sachsen-Anhalt ist glaube ich nach wie vor das einzige Bundesland, das keine Bußgelder für Verstöße gegen die Eindämmungsverordnungen verhängt. "Nicht nötig das zu überprüfen, ist ja verboten." :roll: Was ich sagen wollte: Hier ist die Wahl wesentlich näher und einen spürbaren Stimmungsschub für die CDU lässt sich aus dieser laxen Einstellung derzeit nicht ablesen.
Naja, Du darfst nicht vergessen, dass die AfD letztes Jahr hier 27,5% geholt hat. Die CDU „nur“ 32,1%. Dass die AfD hier nichts zu sagen hat liegt IMO an den Einsatz von Michael Kretschmer, der in den sauren Apfel gebissen hat und noch die Grünen mit in die Koalition geholt hat. Die hier in Sachsen wesentlich linker und diametraler zur CDU aufgestellt sind, wie man es vielleicht vom Bund her kennt. Und da musste sich Kretschmer auch in seiner Partei erstmal durchsetzen, gab nämlich nicht wenige in der sächsischen CDU die gerne mit der AfD koaliert hätten.

Das heißt: Politisch ist die Lage hier immer noch sehr, sehr fragil und gesellschaftlich sowieso. Warum sollte das in vier Jahren anders sein? Meine Angst ist: Sollte durch Corona hier noch einiges an Mittelstand wegbrechen und es sogar zu einer neuen Massenarbeitslosigkeit vergleichbar wie in den 90ern kommen, wäre der Weg frei für die AfD. Klar könnte sich die Partei bis dahin zerlegt haben. Aber darauf hoffen?
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Heretic »

Ich befürchte, dass in diesem Jahr keine großen Weihnachtsmärkte stattfinden werden. Vielleicht gibt's ein paar im kleineren Rahmen, das könnte ich mir vorstellen. Und alkoholfreier Glühwein sollte ja machbar sein. Naja, mir als Weihnachts-Ignorant ist's egal. Aber für Budenbetreiber, Schausteller und Co. wäre es immerhin ein kleiner Lichtblick. Zumal die meisten Volksfeste in diesem Jahr auch weggefallen sind oder nicht mehr stattfinden werden.

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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

XfrogX hat geschrieben:
10. Okt 2020, 16:46
Axel hat geschrieben:
10. Okt 2020, 14:10
Andreas Gassen, Bundeschef der Kassenärzte, wirft dem RKI Alarmismus vor, stellt den Grenzwert von 50 Fällen pro 100.00 Einwohner in Frage und kritisiert zudem die neuen Regeln wie Beherbergungsverbot recht drastisch: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/ ... n-100.html
Naja die Zahl von 50 heißt ja erstmal nur das man nun anfangen muss „etwas“ zu tun. Und das man lieber schnell und frühzeitig etwas tut als zu warten bis die Zahlen anfangen zu explodieren ist doch wohl sehr logisch.
Vor allem muss man dazu drei Sachen beachten.

1. Das ist die nicht die Meinung der Kassenärztlichen Vereinigung - das ist die Privatmeinung des Vorsitzenden.
2. Der ist kein Virologe sondern Orthopäde und Unfallchirurg. Ich denke, dass Drosten ein hervorragender Mediziner und Virologe ist - ich würde mir aber von ihm keinen Blinddarm entfernen lassen. Gleiches gilt umgekehrt, Gassen wird sicher ein guter Orthopäde sein, seine Expertise in der Virologie ist begrenzt.
3. Ansonsten gilt auch hier mailab:
https://www.youtube.com/watch?v=Nn2rJrKwENI
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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Ein Vorsitzender einer Vereinigung gibt in der Funktion des Vorsitzenden ein öffentliches Interview. Aber ist natürlich nur ne „Privatmeinung“... Wenn es eine genehme Meinung wäre, dann wäre es natürlich keine Privatmeinung. ;)
Hendrik Streeck, und er IST Virologe, hat ebenfalls ganz ähnliche Kritik angebracht, u.a. in den bereits verlinkten ARD Beitrag. Auch Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe aus Hamburg, hat die neuen Regeln wie Beherbergungsverbote u.a. in der Welt kritisiert. Er kritisiert übrigens auch schon seit Wochen und Monaten den medialen Alarmismus.

In einer Demokratie muss man eben auch aushalten, dass Menschen andere Meinungen haben und diese öffentlich sagen. Wieso sollte man nur auf wenige hören? Und wieso sollten sich nicht andere Mediziner zu Wort melden? Die Pandemie betrifft ja nicht nur die Virologie bzw. sollte man nicht alles der Virologie unterordnen.
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Axel hat geschrieben:
11. Okt 2020, 21:47
Ein Vorsitzender einer Vereinigung gibt in der Funktion des Vorsitzenden ein öffentliches Interview. Aber ist natürlich nur ne „Privatmeinung“... Wenn es eine genehme Meinung wäre, dann wäre es natürlich keine Privatmeinung. ;)
Bitte einmal schauen was das für eine Vereinigung ist und wer Mitglied sein muss. Vertragsärzte müssen Mitglied der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigung sein - das schränkt die Relevanz deutlich ein. Er ist weder Virologe noch dürfte die Aussage die Meinung der Mehrheit der Pflichtmitglieder widerspiegeln - dafür macht sich so ein Funktionärstitel natürlich super um eine Mindermeinung breit in den Medien und entsprechenden Kreisen zirkulieren zu lassen - daher Punkt 3. ;)
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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Rince81 hat geschrieben:
11. Okt 2020, 22:51
dafür macht sich so ein Funktionärstitel natürlich super um eine Mindermeinung breit in den Medien und entsprechenden Kreisen zirkulieren zu lassen - daher Punkt 3. ;)
Überzeugt Dich denn wenigstens Stefan Willich? Er ist Direktor am Institut für Epidemiologie an der Berliner Charité. Und auch er kritisiert den Grenzwert als nicht mehr brauchbar: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... an-willich

Und das Beherbergungsverbote schwachsinnig sind, darauf kommt man, wenn man nur zwei Sekunden nachdenkt:
Familiäre Besuche und Geschäftsreisen sind nämlich nach wie vor erlaubt. Nur: Hier begegnet man definitiv Menschen. Aber es ist natürlich gaaanz gefährlich und daher verboten in der Natur zu campen oder sich ne kleine Ferienhütte im dünn besiedelten Ländle zu mieten. Der Virus ist ja bekannt dafür zu sagen: „Guten Tag! Bist Du geschäftlich hier oder willst Du dich nur entspannen? Denn ich befalle nur Menschen, die allein sein und ihre Ruhe haben wollen. Denn das ist des Virus‘ Gesetz!“ (sich hier bitte Pumuckls Stimme vorstellen!)

Also wenn man so a Schmarrn schon verabschiedet als Politiker: Entweder richtig mit Verbote von Geschäftsreisen und Familienbesuche (die arme Sau muss man wohl aber erstmal finden, die das dem Volk vermitteln soll) oder gar nicht. Aber so ist das einfach nur kopfloses handeln des handelns Willen und man macht sich als Politiker unglaubwürdig.
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