COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

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lolaldanee
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von lolaldanee »

Die Ausganssperren sind doch auch schon wieder totaler Bullshit oder? Anstatt endlich eine Homeoffice Pflicht für alle bei denen es irgend möglich ist einzuführen, wird weiter das wenige noch draußen mögliche private Leben der Menschen beschnitten, dort wo die Ansteckungsgefahr am kleinsten ist, ausgerechnet :? .

Verpflichtende Tests scheinen sinnvoll, das zumindest sollte was bringen. Was selbst ich, als komplett vom Thema Ahnungloser, mir seit ungefähr letzten August denken kann, nachdem ich ein, zwei Artikel zu dem Thema gelesen habe. Etwas das man von einem Berufsvolksverräter natürlich nicht erwarten kann. Die Schlussfolgerung
"Hauptproblem der Krankheit ist, dass man sie erst spät erkennt, wenn man schon viele angesteckt hat" -> "Viele Tests um früh alle Kranken zu finden"
ist aber auch ZU abwegig

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

lolaldanee hat geschrieben:
13. Apr 2021, 13:22
Etwas das man von einem Berufsvolksverräter natürlich nicht erwarten kann.
Ich wäre mit dem Begriff extrem vorsichtig, der ist von den Rechten und Nazis derart vorbelastet, dass man den nicht verwenden sollte.
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DickHorner
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von DickHorner »

Wüsste auch nicht, wie man den verwenden kann, wenn man diese Gesinnung nicht teilt...

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Ich bin diplomatischer. Stimmt, man sollte den Begriff nicht benutzen, fertig.

Frau Schwesig kündigt gerade auf einer Pressekonferenz für Mecklenburg-Vorpommern eine Option auf den Kauf von Sputnik V ab Juni an, sofern die EMA den Impfstoff zulässt. Rechnen die wirklich ernsthaft damit, dass die EMA in den kommenden Wochen den Sputnik zulässt oder ist das Verzweiflung?

Kleiner Funfakt zu den Ausgangssperren. Wir haben hier in MV Landkreise, die doppelt so groß sind wie das gesamte Saarland - dabei aber extrem dünn besiedelt. Ein größerer lokaler Ausbruch, sagen wir in einem Schlachthof, reicht um die Inzidenz deutlich hoch schießen zu lassen und die Beschränkungen gelten dann für den gesamten Kreis - selbst wenn man über 100km davon weg wohnt...
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Textsortenlinguistik
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Textsortenlinguistik »

Schulen ab 200. Ok.

Die Feuerwehr wird erst gerufen, wenn der Brand 50% des Hauses erfasst hat. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass er von selbst wieder ausgeht. MfG Die Feuerwehr
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Boris
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Boris »

Rince81 hat geschrieben:
13. Apr 2021, 15:08
Rechnen die wirklich ernsthaft damit, dass die EMA in den kommenden Wochen den Sputnik zulässt oder ist das Verzweiflung?
Klammern an allen verfuegbaren Strohhalmen oder Handlungsfaehigkeit in wenigstens einem Bereich der niemanden wehtut zeigen wollen. Und wenn er nicht zugelassen wird, dann ist die EMA “Schuld”.
Generell sollen sie meinerwegen versuchen alle zugelassenen Impfstoffe zu kaufen. Ich nehme auch Sputnik wenn die EMA ihn zulaesst. Lieber waere mir aber wenn wir eine Politik machen wuerden die nicht so hart am Limit faehrt, dass wir verzweifelt Impfstoff aus Russland kaufen muessen waehrend die moeglicherweise gleichzeitig wieder den Krieg in der Ostukraine aufflammen lassen.

Aber diese Impfstoff-Alleingaenge der Bundeslaender sind doch absurd. Was kommt als naechstes? Boris Palmer und gibt nen Vertrag von Tuebingen mit Sinopharm ueber die Lieferung von Impfstoffen bekannt oder was?

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Und der Weil schießt mal wieder den Vogel ab
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... a7502.html
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hält die Corona-Notbremse der Bundesregierung grundsätzlich für richtig. Für manche Länder sei sie sinnvoll, für Niedersachsen jedoch nicht notwendig." Andererseits ist sie auch nicht schädlich", sagte der SPD-Landeschef am Dienstag in der Landespressekonferenz in Hannover.
Hat der sie noch alle? Wir reden über eine massive Einschränkung von elementaren Grundrechten. Da möchte ich, dass mir die zuständigen Politiker und damit dafür Verantwortlichen nachvollziehbar erklären, dass dies erforderlich und verhältnismäßig ist und es auch keine milderen Maßnahmen gibt um das Ziel zu erreichen. Der Typ ist Volljurist und stellt sich hin und kommentiert die Notbremse mit Ausgangssperren für die Bürger mit dem Satz: "Andererseits ist sie auch nicht schädlich". Ich fasse es nicht.
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Inkognito
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Inkognito »

Rince81 hat geschrieben:
13. Apr 2021, 15:08
Frau Schwesig kündigt gerade auf einer Pressekonferenz für Mecklenburg-Vorpommern eine Option auf den Kauf von Sputnik V ab Juni an, sofern die EMA den Impfstoff zulässt. Rechnen die wirklich ernsthaft damit, dass die EMA in den kommenden Wochen den Sputnik zulässt oder ist das Verzweiflung?
10 Millionen Euro für einen Impfstoff, der dann nicht mehr gebraucht wird ...und der auch keine Zulassung der EMA bekommen wird.

So kann man das Geld natürlich auch zum Fenster rauswerfen.

Da will man offensichtlich nachdem man 12 Monate lang geschlafen hat, jetzt Aktivität vortäuschen.
Unfassbar!!!

Am lustigsten ist natürlich:
Wenn MW 1m Impfdosen braucht...warum nehmen sie die dann nicht von den 5 Millionen die in Deutschland auf Halde liegen?!?!? :doh: :drool:

Edit:
Und warum bezahlt man 10 Euro pro Impfung für etwas was auf dem Weltmarkt 2,50 Euro kostet???
Ist die Differenz für die Beratungs- und Anwaltkosten??? :o

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Auch schön, Frau Schwesig sieht nach eigenen Worten "jetzt Handlungsbedarf" in MV und man könne nicht auf das Bundesgesetz warten. Also wird man Freitag und Sonnabend über weitere Schutzmaßnahmen beraten.
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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

J&J Impfstoff ist nun auch erstmal passé: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unter ... 47ccec35c8

Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. :D

Positiv immerhin: Zwei Lancet-Studien sagen, die B117-Variante sei, anders als teilweise angenommen, nicht tödlicher, nur eben infektiöser. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... er-124936/

Und aus der No-Covid-Ecke gibt es erneut einen ganz lesenswerten Vorschlag, wie man sich dort einen klaren Plan vorstellt. Darin sind auch am Rande ein paar interessante Infos enthalten, zB zur Digitalisierung der Gesundheitsämter bzw. den Hemmnissen bei der dortigen Softwareumstellung: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... g-mutanten

Das die weiterhin nur die Rufer im Wald bleiben werden, dürfte bei der derzeitigen politischen Lage klar sein. Deren Vorschläge sind aber IMO auch so immer lesenswert, weil sie immer zumindest einen groben 360°-Blick versuchen und man dadurch oft einen besseren Überblick über die vielfältigen, nötigen Erwägungen bekommt, als in vielen anderen Beiträgen.

Andre

Voigt
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Voigt »

Ich warte ja insbesondere auf die Novavax Impfung, vom technischen was ich so las scheint die gut zu sein, und wenn in Indien entwickelt dann hoffentlich auch sehr günstig.
Mal schaun wann die durch Trial3 durch sind.

biaaas
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von biaaas »

Novavax ist doch eine amerikanische Firma und auch der Impfstoff ist in den USA entwickelt.
Die Studien wurden teilweise in Indien gemacht und es gibt einen Vertrag den Impfstoff auch in Indien zu produzieren.

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Andre Peschke hat geschrieben:
13. Apr 2021, 16:47
Das die weiterhin nur die Rufer im Wald bleiben werden, dürfte bei der derzeitigen politischen Lage klar sein. Deren Vorschläge sind aber IMO auch so immer lesenswert, weil sie immer zumindest einen groben 360°-Blick versuchen und man dadurch oft einen besseren Überblick über die vielfältigen, nötigen Erwägungen bekommt, als in vielen anderen Beiträgen.
Ist ein Plan - das ist wesentlich mehr, als unsere Regierenden gerade hinbekommen.
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Santiago Garcia
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Santiago Garcia »

Ich fürchte ja, diese Bundesnotbremse ist nur ein viel zu kleiner Schritt. Meinetwegen auch ein Schritt in die richtige Richtung, aber auf jeden Fall zu klein. Inhaltlich ist ja nicht viel Neues drin, bis auf Ausgangssperren und Testangebotspflicht. Immerhin wird damit irgendwelchen "findigen" Bürgermeistern und Ministerpräsidenten ein Riegel vorgeschoben.

Dass Arbeitgeber verpflichtet werden sollen, Tests anzubieten, ist erstmal positiv. Auch dass die Arbeitgeber die Test selber bezahlen sollen, ist zu begrüßen. Wer dazu nicht bereit ist, dem ist die Gesundheit seiner Mitarbeiter offensichtlich nicht viel wert. Und die Einlassungen von diversen Arbeitgeber- und Industrieverbänden zu dem Thema schwanken irgendwo zwischen dummdreist und erbärmlich. Aber gerade mal 1 Test pro Woche, in Ausnahmefällen auch mal 2, davon erhoffe ich mir nicht viel, gerade bei der geringen Sensitivität von Antigentests.

Was nächtliche Ausgangssperren angeht, bin ich erstmal skeptisch, was die Effektivität angeht. Aber da lasse ich mich auch vom Gegenteil überzeugen. Das Gegenargument, draußen kann man sich kaum anstecken, ist zwar erstmal richtig, überzeugt mich aber trotzdem nicht. Wenn das Ziel sein soll, private Treffen in Innenräumen zu unterbinden, dann hab ich noch keinen besseren Vorschlag gehört, wie das kontrolliert werden soll außer indem man die Hin- und Rückwege abschneidet. Dass das Ordnungsamt nachts seine Runden dreht und in jeder Wohnung nachschaut, kann sich ja keiner ernsthaft wünschen.

Aber dass bei dieser Maßnahme wieder *ausschließlich* auf den privaten Bereich abgezielt wird, wenn ~80% der Mobilität am Tag stattfindet, also auf dem Weg zur und von der Arbeit, das ist schwer zu ertragen. Was soll ich denn daraus schließen? "Wenn du schon zum Infektionsgeschehen beiträgst, dann sollst du auch was erwirtschaften?" Na schönen Dank auch.

Am schlimmsten wird's aber, wenn man sich die Frage nach der Zielsetzung stellt. Angenommen, die Notbremse wirkt wie erhofft und greift kurz nach dem die Inzidenz die 100 übersteigt. Dann fällt sie für ein paar Tage unter die 100, es wird wieder gelockert und die Zahlen steigen wieder. Dieses Modellprojekt hat in München schon so gut funktioniert, das machen wir jetzt bundesweit. Irgendwann pendeln sich die meisten Landkreise um die 100 ein und wir haben 83.000 Neuinfektionen pro Woche. Und das wäre wie gesagt der *best case*. Im schlimmsten Fall löst sie nur einmal aus und kann erst sehr viel später wieder losgelassen werden.

Inkognito
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Registriert: 1. Aug 2020, 14:03

Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Inkognito »

Andre Peschke hat geschrieben:
13. Apr 2021, 16:47

Und aus der No-Covid-Ecke gibt es erneut einen ganz lesenswerten Vorschlag, wie man sich dort einen klaren Plan vorstellt. Darin sind auch am Rande ein paar interessante Infos enthalten, zB zur Digitalisierung der Gesundheitsämter bzw. den Hemmnissen bei der dortigen Softwareumstellung: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... g-mutanten

Das die weiterhin nur die Rufer im Wald bleiben werden, dürfte bei der derzeitigen politischen Lage klar sein.
"Oder will man Leben und Gesundheit schützen, weitere Lockdowns vermeiden, die Gesellschaft und die gesamte Wirtschaft weniger schädigen? ­Dann kann es nur ein Ziel geben: eine dauerhafte Niedriginzidenz. Ein Blick in die Niedriginzidenz-Länder Australien, Vietnam, Thailand, China, Südkorea, Japan, Finnland, Norwegen und Island macht schnell deutlich, welcher Kurs der bessere ist."

Das wird denselben Impact haben wie die x Paper, y Studien, z Zeitungsartikel, abc Beratungen von Politikern die sowohl von der No Covid als auch der Zero Covid Ecke kommen.
-> Also gar keinen.

oilrumsick
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von oilrumsick »

"Oder will man Leben und Gesundheit schützen, weitere Lockdowns vermeiden, die Gesellschaft und die gesamte Wirtschaft weniger schädigen? ­Dann kann es nur ein Ziel geben: eine dauerhafte Niedriginzidenz. Ein Blick in die Niedriginzidenz-Länder Australien, Vietnam, Thailand, China, Südkorea, Japan, Finnland, Norwegen und Island macht schnell deutlich, welcher Kurs der bessere ist."

Irgendwie überzeugt mich das nicht. Es ist ja nicht nur Deutschland, dass es nicht hinbekommt diese Zero-Covid-Strategie zu verfolgen, sondern noch viele anderen Länder - sollten da überall nur wahlweise unfähige Idioten oder zynische Arschlöcher an der Macht sein? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Es scheint mir eher, als ob die Umsetzung für viele Länder doch nicht so einfach ist, wie suggeriert wird. Und wie haben es die aufgezählten Länder denn geschafft? Da steckt ja auch keine einheitliche Strategie dahinter, die man übernehmen könnte. Fast alle Länder in der Liste hatten niemals auch nur annähernd so hohe Zahlen wie wir jetzt, sondern haben das Ganze früh und/oder bei niedrigen Inzidenzzahlen in den Griff bekommen - das ist gut, hilft aber dem rest der Welt nicht als Vorbild.
Und fast alle Länder auf der Liste sind entweder Inseln (Südkorea ist eine Halbinsel, aber durch die Situation mit dem Nachbarn im Norden ist es quasi eine Insel) oder Diktaturen (oder beides) oder liegen am Rand der Zivilisation (Norwegen, Finnland - wobei ich deren Nennung nicht ganz verstehe, da die Inzidenzwerte dort ähnlich zu unseren sind).

Ich sehe da halt nichts zum Abschauen für die meisten Industrieländer, ausser der Tatsache, dass es besser ist, geringe Infektionszahlen zu haben. Die Herausforderung ist ja aber dorthin zu kommen. Testen ist ja gut und schön, aber wer soll die Auswertung und Nachverfolgung übernehmen? Wer soll die Quarantänen durchsetzen und Ausgangssperren kontrollieren? Wer soll die vorgeschlagene psychologische Betreuung der Betroffenen bzw. die Unterbringung übernehmen? Und wer soll die Tests überhaupt durchführen bzw. nachkontrollieren, wer noch getestet werden muss? Das ist bei niedrigen Zahlen vielleicht machbar, aber in der aktuellen Situation sehe ich das nicht.

Und wie gesagt: Es ist ja nicht nur Deutschland, sondern fast alle Länder mit unterschiedlichsten Regierungen, Regierungsformen und Gesellschaften, die an diesem Hindernis scheitern. Ich fürchte es läuft darauf hinaus, auf die Impfung zu setzen und die Opfer in Kauf zu nehmen. Was bei der aktuellen zeitschiene den abstrusen Effekt haben könnte, dass es der bestehenden Regierung pünktlich zur Bundestagswahl einen ordentlichen Schub verleiht, da man im Monat davor eine schöne "Wir haben Covid besiegt"-Show abziehen kann (siehe UK).

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DickHorner
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von DickHorner »

oilrumsick hat geschrieben:
13. Apr 2021, 22:38
Ich sehe da halt nichts zum Abschauen für die meisten Industrieländer, ausser der Tatsache, dass es besser ist, geringe Infektionszahlen zu haben. Die Herausforderung ist ja aber dorthin zu kommen. Testen ist ja gut und schön, aber wer soll die Auswertung und Nachverfolgung übernehmen? Wer soll die Quarantänen durchsetzen und Ausgangssperren kontrollieren? Wer soll die vorgeschlagene psychologische Betreuung der Betroffenen bzw. die Unterbringung übernehmen? Und wer soll die Tests überhaupt durchführen bzw. nachkontrollieren, wer noch getestet werden muss? Das ist bei niedrigen Zahlen vielleicht machbar, aber in der aktuellen Situation sehe ich das nicht.

Und wie gesagt: Es ist ja nicht nur Deutschland, sondern fast alle Länder mit unterschiedlichsten Regierungen, Regierungsformen und Gesellschaften, die an diesem Hindernis scheitern. Ich fürchte es läuft darauf hinaus, auf die Impfung zu setzen und die Opfer in Kauf zu nehmen. Was bei der aktuellen zeitschiene den abstrusen Effekt haben könnte, dass es der bestehenden Regierung pünktlich zur Bundestagswahl einen ordentlichen Schub verleiht, da man im Monat davor eine schöne "Wir haben Covid besiegt"-Show abziehen kann (siehe UK).
Naja, Südkorea ist schon ein archetypisches Industrieland, das seinen Reichtum auf dem Rücken seiner Schwerindustrie begründet.
Interessanterweise war vor einem Jahr dort von Lockdown keine Rede, es gab keine Kontaktbeschränkungen, und auf einmal sind die Infektionszahlen explodiert. Nur, die Koreaner sind halt gewohnt mit unglaublicher Selbstdisziplin mit Riesenlöffeln einen Berg Scheiße zu fressen und haben das Ruder rumgerissen.
Das wäre mit unserer Mentalität undenkbar, und deshalb bleibt mir nichts, als Deiner Prognose zuzustimmen.

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Alienloeffel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Alienloeffel »

Es geht doch erstmal da los, dass man sowas hierzulande nie versucht hat. Da fehlte und fehlt der Wille den augenscheinlich schmerzhaften weg zu nehmen in der naiven Hoffnung es ginge ja vlt doch ohne und dann mögen einen die leute bei der wahl. Macht halt nur alles schlimmer anstatt besser und der Impuls scheint einfach nicht so selten zu sein.
Das Insel argument halte ich für nicht stabil. Verschiedene Länder hatten und haben verschiedene Situationen. Eigentlich doch ein Indiz mehr, dass viele Wege nach Rom führen. Man müsste aber auch mal auf die Wissenschaft hören. Andererseits sagen die immer so böse Sachen. Fies.

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Leonard Zelig
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Leonard Zelig »

Ein sehr wichtiger Punkt auf den Premierminister Boris Johnson im BBC-Interview verweist: Nicht das Impfprogramm ist für die rückläufigen Corona-Zahlen verantwortlich, sondern der harte Lockdown.
https://twitter.com/VassiliGolod/status ... 8990157825

Boris Johnson klingt vernünftiger als die meisten deutschen Politiker. :(
In der neuen Folge des Podcasts "Coronavirus-Update" weist der Virologe Christian Drosten darauf hin, dass Antigen-Schnelltests die ersten Tage einer Infektion wohl noch weniger zuverlässig erkennen können als gedacht. Deshalb bieten sie nur eine trügerische Sicherheit - etwa bei Einlasskontrollen im Theater.
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Dro ... te178.html
Die Lage auf den Intensivstationen ist angespannt. Das hört man nicht zum ersten Mal in dieser seit einem Jahr andauernden Pandemie. Und doch ist es diesmal anders und deutlich dramatischer als in den zwei Wellen zuvor.

Ein Blick auf die Intensivstation 4b der Universitätsklinik Köln. Die Covid-Patienten und -Patientinnen, die dort liegen, sind zwischen 30 und 60. Also deutlich jünger als in Welle eins und zwei. 90 Prozent von ihnen sind mit der britischen Mutation infiziert. Die sorgt möglicherweise dafür, dass der Verlauf aggressiver ist.
https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/ ... en100.html

Der sogenannte "Bundeslockdown" tritt frühestens Ende nächster Woche in Kraft. Viel zu spät. Und er wird noch nicht mal ausreichend sein.
Wegen der Lage auf den Intensivstationen erwartet der Virologe Christian Drosten, dass zusätzlich zur geplanten bundesweiten Corona-Notbremse weitere Maßnahmen nötig sein werden. "Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss", sagte der Corona-Experte von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info. Dies müsse sicherlich in "allernächster Zeit" geschehen. "Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann", sagte Drosten mit Blick auf die Entscheidung.
https://web.de/magazine/news/coronaviru ... ht%20aus.0
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

Konsolengaming in den 2010er-Jahren - Eine Dekade in Zahlen und Worten

Inkognito
Beiträge: 477
Registriert: 1. Aug 2020, 14:03

Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Inkognito »

Wer hats gesagt?
"Wir machen da erstmal gar nichts, das könnte die Menschen sonst verunsichern."
Hochrangiger sowjetischer Regierungsbeamter unmittelbar nach dem Unglück in Chernobyl.
UND
Peter Altmaier im 13. Monat der Pandemie

17.02.2021
ZEIT: Aber hätte man sich in der Regierung nicht im Sommer auf eine zweite Welle vorbereiten müssen?
Peter Altmaier:
Flexibilität und ein Stück weit Fahren auf Sicht ist in solchen Krisen auch vonnöten. Wenn der Wirtschaftsminister im Sommer begonnen hätte, öffentlich für einen erneuten Lockdown zu planen, dann hätte das zu großer zusätzlicher Verunsicherung geführt. Die Einschätzung war damals: Das wird nicht noch einmal nötig sein.

Mehr braucht man über die Herangehensweise der Regierung leider gar nicht wissen.

Hätten alle so reagiert, wie die 9 aufgezählten Länder oben, wäre man innerhalb kurzer Zeit bei Zero Covid.

Von den möglichen Wegen nach Rom haben wir den der Impfungen auch verschlafen. Mit Ansage.
Während in den USA die Baseballstadien voll sind, in UK die Pubs und in Isreal die Clubs, stehen wir vor neuen Höchstständen an Infektionen.

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