COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

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Wudan
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Wudan »

Rince81 hat geschrieben:
27. Okt 2020, 21:47
Was zum Geier macht der Ganser auf den Dresdner Jazztagen??? Was kommt nächstes Jahr - ein Holocaustleugner?
Na komm, den Ganser auf eine Stufe mit Holocaustleugnern zu stellen ist dann doch ein wenig zu weit gegriffen.

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Wudan hat geschrieben:
27. Okt 2020, 22:07
Rince81 hat geschrieben:
27. Okt 2020, 21:47
Was zum Geier macht der Ganser auf den Dresdner Jazztagen??? Was kommt nächstes Jahr - ein Holocaustleugner?
Na komm, den Ganser auf eine Stufe mit Holocaustleugnern zu stellen ist dann doch ein wenig zu weit gegriffen.
Tu ich nicht und möchte ich nicht getan haben aber wenn die Jazztage sich so sehr gegen Cancel Culture und für sachliche Diskussionen einsetzen wollen sind die Steigerungsmöglichkeiten begrenzt wenn man es schon geschafft hat Ganser irgendwie thematisch mit Jazz zu verbinden... Das wird aber Offtopic...
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Blaight
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Blaight »


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Terranigma
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Terranigma »

Erste Schulwoche ist rum. Zwischenstand: ca. 30 SuS in Quarantäne, ein Lehrer ist infiziert und mit schweren Symptomen bereits Zuhause und zwei weitere Kollegen sind aufgrund von Infektionen im Haushalt ebenfalls in Quarantäne. Aufgrund der Überlastung der Gesundheitsämter läuft über die derzeit aber kaum etwas, d.h. selbst bei infizierten Schüler/innen werden umliegende Mitschüler/innen nicht in eine verbindliche Quarantäne geschickt, da es dafür offenbar keine Anweisung gibt. Oder das Amt nicht dazu kommt, den Fall zu bearbeiten. Fragt man sich natürlich, wofür man die Sitzordnung jede Stunde protokolliert und archiviert, damit gerade in solchen Fällen auch weitere Mitschüler/innen in eine Quarantäne geschickt werden können. Vermutung: Präsenzunterricht als Maßgabe. Würde man die eigentlichen Vorgaben wortgetreu umsetzen, dann wären mittlerweile deutlich mehr Schüler/innen bereits wieder Zuhause.

Läuft, nicht.
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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Terranigma hat geschrieben:
30. Okt 2020, 15:00
Vermutung: Präsenzunterricht als Maßgabe. Würde man die eigentlichen Vorgaben wortgetreu umsetzen, dann wären mittlerweile deutlich mehr Schüler/innen bereits wieder Zuhause.

Läuft, nicht.
Ich hatte es im 10-Dollar-Goodie ja schon gesagt: Meine Prognose ist, dass sie die Schulen nicht offen halten können. Es gibt zwar bisher die Beobachtung, dass die Schulen scheinbar keine Infektionstreiber sind, aber eigentlich sprechen die wenigen Studien die es gibt dagegen. Dazuaddiert, dass die Großzahl der Infektionen gar nicht nachverfolgbar ist, würde ich davon ausgehen, dass die Schulen eben doch Verteilerzentren sind und der Lockdown-Light (u.a.) daher nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Kommt auch noch eine andere Situation im ÖPNV dazu (die Zeit, in der jeder Bus und jede Ubahn mit gekippten Fenstern fahren konnte, ist rum bei gleichzeitigem Anstieg des Passagiervolumens).

Die Hoffnung ist ja, so wie ich das verstanden habe, dass sie durch 4 Wochen statt 2 mit diesem Maßnahmenkatalog durchkommen. Zu hoffen ist es und natürlich bin ich unterm Strich zu ahnungslos um solide Prognose abzugeben. Aber aus den genannten Gründen wäre ich positiv überrascht, wenn's reicht.

Andre

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Terranigma
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Terranigma »

Andre Peschke hat geschrieben:
30. Okt 2020, 15:17
Ich hatte es im 10-Dollar-Goodie ja schon gesagt: Meine Prognose ist, dass sie die Schulen nicht offen halten können. Es gibt zwar bisher die Beobachtung, dass die Schulen scheinbar keine Infektionstreiber sind, aber eigentlich sprechen die wenigen Studien die es gibt dagegen.
Allenvoran erschließt sich mir die Argumentation nicht. Es wird mit Verweis auf die Situation vom Frühling/Sommer angeführt, dass die Schulen in dieser Zeit nicht der Treiber der Pandemie waren. Das ist korrekt. Allerdings: zu dieser Zeit gab es insgesamt keinen rechten "Treiber", weil die Pandemie auf sehr, sehr niedrigen Niveau köchelte aber - abseits von einzelnen größeren Ausbrüchen - sich nicht stark ausbreitete. Die Menschen trafen sich, haben gefeiert, usw. und dennoch stiegen die Zahlen nicht erheblich an und, sondern verblieb durchgehend auf niedrigem Niveau. Anhand dieser Situation und Datenlage nun das Urteil für die Zukunft abzuleiten, Schulen seien insgesamt keine Treiber zu einer Zeit, indem die Fallzahlen um den Faktor 10 erhöht sich, das finde ich sehr abenteuerlich.

Ich gebe aber auch zu: Ich bin auch sehr überrascht, wie schnell das alles kam. In den Monaten von März bis September war COVID19 im Hinblick auf bekannte Infektionen weiterhin weit weg. Es gab an unserer Schule keinen mir bekannten Fall. Innerhalb von fünf Tagen sind es nun über 30, und auch einer im Kollegium. Das trifft mich schon, dass die Einschläge auf einmal derart nah sind und plötzlich derart viele Menschen betroffen sind, die ich auch mit Namen kenne.
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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Terranigma hat geschrieben:
30. Okt 2020, 15:29
Ich gebe aber auch zu: Ich bin auch sehr überrascht, wie schnell das alles kam. In den Monaten von März bis September war COVID19 im Hinblick auf bekannte Infektionen weiterhin weit weg. Es gab an unserer Schule keinen mir bekannten Fall. Innerhalb von fünf Tagen sind es nun über 30, und auch einer im Kollegium. Das trifft mich schon, dass die Einschläge auf einmal derart nah sind und plötzlich derart viele Menschen betroffen sind, die ich auch mit Namen kenne.
Ja, 100% agree. Ich glaube, es kam wirklich pünktlich eine Woche nach den ersten Schlechtwettertagen. Aber ich habe erst damit gerechnet, wenn es wirklich lang anhaltend kalt wird. War auch überrascht, wie das durchgeschlagen hat.

Andre

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Ironic Maiden
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Ironic Maiden »

An meiner Schule werden ja nur noch die unmittelbaren Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, wenn es einen bestätigten Fall gibt, und der Rest der Klasse muss weiter in den regulären Unterricht kommen. Heute habe ich wieder gemerkt, wie gut das in der Praxis funktioniert: Ich hatte Vertretung in einer Klasse, die ich nicht kenne, und nach etwa einer halben Stunde habe ich gemerkt, dass die Kinder nicht wie auf dem offiziellen Sitzplan saßen, sondern sich in der Stunde davor, bei einem anderen Lehrer, der sie nicht kannt und es deswegen nicht gemerkt hat, umgesetzt hatten. Ich hab ihnen natürlich eine Standpauke gehalten und in Zukunft werde ich in jeder Klasse, die ich sonst nicht habe, kontrollieren (soweit das geht, manche Kinder schalten ja auch schnell genug um einen falschen Namen zu sagen), aber es zeigt, dass das ganze Prinzip nicht klappt. Ich hätte natürlich von alleine darauf kommen können, nochmal zu überprüfen, wer wo sitzt. Das ärgert mich im Nachhinein auch. Aber es macht auch deutlich, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass Kinder und Jugendlich sich von allein an diese Regeln halten, und ständige Überwachung ist nicht möglich. Darum fände ich es auch so wichtig, im Zweifel schnell zu handeln und lieber mehr Schüler*innen in Verdachtsfällen nach Hause zu schicken, aber das wird ja nicht gewünscht...

Im Nachbarkreis werden die Schüler*innen jetzt wieder im wochenweisen Wechsel unterrichtet, obwohl bei denen die Fallzahlen niedriger sind. Bei uns darf ab nächster Woche lediglich kein klassenübergreifender Unterricht mehr stattfinden. Außer Religion, das bleibt klassenübergreifend aber sauber nach Konfession getrennt... :roll:

Ich verstehe schon, dass die Schulen offen bleiben sollen, aber ich sehe momentan bei Schulleitungen und Ämtern die übliche Haltung, die sie auch sonst häufig zeigen, nämlich "also bei uns gibt es keine Probleme und wenn, dann sind das Einzelfälle, und am besten reden wir gar nicht darüber." Diese Taktik funktioniert vielleicht bei Mobbing oder Drogenproblemen an der Schule, aber nicht, wenn es um ein ansteckendes Virus geht...

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DickHorner
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von DickHorner »

Terranigma hat geschrieben:
30. Okt 2020, 15:00
Fragt man sich natürlich, wofür man die Sitzordnung jede Stunde protokolliert und archiviert
Gibt doch ne feste Sitzordnung (oder nicht?), setz die doch einfach durch und spar Dir die Arbeit...

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Terranigma
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Terranigma »

DickHorner hat geschrieben:
30. Okt 2020, 21:28
Gibt doch ne feste Sitzordnung (oder nicht?), setz die doch einfach durch und spar Dir die Arbeit...
Wird ja mittlerweile auch getan, bis vor den Herbstferien musste für jede Stunde derselbe Papierwisch eingereicht werden. Weil wegen darum. Sprach sich nunmehr auch rum, dass das ziemlich ... doof war. :D
Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit. Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten, in dem des Experten wenige.
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Voigt
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Voigt »

Feste vorgeschriebene Sitzordnung gab es bei uns seit der 5ten Klasse nichmehr, da hat man sich selber pro Raum Lieblingsplatz gesucht. Aber in Corona Zeiten kann man das denke schon einschränken und feste Sitzordnung bezüglich Nachbarn haben, egal welcher Raum.

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mart.n
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von mart.n »

Die Sache mit den Schulen ist halt etwas gelagert und ich bin froh, dass die Politik es diesmal verstanden hat. Als Eltern zweier kleinerer Kinder (5 und 8), wo beide Eltern arbeiten, gibt es keine Alternative zu offenen Schulen und Kitas. Es gibt ja keinen 4 wöchigen Sonderurlaub, nur weil man sein Kind betreuen muss. Oma/Opa fällt auch aus. Was soll man denn da machen? Kündigen?

Für Büroarbeiter gibt es ja oft die Möglichkeit des HO. Aber selbst das funktioniert nicht, wenn man mal voraussetzt, dass man wirklich im HO arbeitet. Denn gerade Grundschulkinder kriegen schon einen enormen Batzen Aufgaben mit nach Hause, die sie aber nicht selbstständig abarbeiten. Das kann man nicht von einer 8jäbrigen erwarten. Wenn man selber aber Vollzeit arbeitet, dann kann man nicht noch mehrere Stunden am Tag das Kind homeschoolen.

Es funktioniert einfach nicht. Grundschulen und Kitas müssen offen bleiben. Über weiterführende Schulen könnte man reden, da ist denke ich das selbstständige Arbeiten besser möglich.

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Leonard Zelig
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Leonard Zelig »

Frankreich lässt ja auch die Schulen offen, obwohl die aktuell ca. doppelt so viele Neuinfektionen wie Deutschland haben. Ich wäre dafür gewesen die Berufsschulen und weiterführende Schulen zu schließen. Man hätte ja feste Zweiergruppen bilden können, damit die Jugendlichen ohne schnelles Internet dann einfach einen Mitschüler besuchen, der für Online-Unterricht technisch gerüstet ist. Schade, dass man die Lehrer nicht im Sommer fortgebildet hat zum Thema.
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Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

mart.n hat geschrieben:
1. Nov 2020, 07:36
Die Sache mit den Schulen ist halt etwas gelagert und ich bin froh, dass die Politik es diesmal verstanden hat. Als Eltern zweier kleinerer Kinder (5 und 8), wo beide Eltern arbeiten, gibt es keine Alternative zu offenen Schulen und Kitas. Es gibt ja keinen 4 wöchigen Sonderurlaub, nur weil man sein Kind betreuen muss. Oma/Opa fällt auch aus. Was soll man denn da machen? Kündigen?
Die Medien berichten heute, dass in Deutschland gerade 165 Schulen wegen Infektionen komplett geschlossen sind - die meisten in Bayern. Wie viele Klassenzüge und Schüler sich gerade in Quarantäne befinden dürfte vermutlich gerade niemand genau wissen. Das hat daher imho weniger etwas mit verstehen zu tun, man kann die Schulen aktuell noch offenhalten bzw. hofft es auch weiterhin zu können. Ob man das in drei Wochen auch noch kann werden wir sehen. Das man das in den Schulen aber mit sturen Business as usual versucht lässt mich daran zweifeln. Hier müsste man längst reagieren, Klassenteilungen, ältere Jahrgänge zumindest teilweise ins Homeschooling schicken, etc., etc.

Der aktuelle "Lockdown-light" trifft nämlich mit dem Zweck die allgemeine Kontaktzahlen der Bevölkerung runterzudrücken primär die Freizeitbranche - selbst wenn die selbst, wie Kinos und Theater, teils alles andere als Infektionsherde oder -treiber sind. Wenn das nicht klappt weil man sich nun z.B. verstärkt privat trifft wird im Dezember zu schauen sein was dann notwendig ist. Bis dahin zitiere ich mich mal selbst:
Rince81 hat geschrieben:
15. Okt 2020, 19:19
Die ganzen Ge- und Verbote aus der Politik sind ja nur nötig, weil Otto Bundesbürger anscheinend nicht in der Lage ist, sich auch nur ein Jota einzuschränken wenn ihm nicht explizit die entsprechenden Aktivitäten verboten werden...
Leider scheint sich das zu bewahrheiten.
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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Rince81 hat geschrieben:
1. Nov 2020, 11:00
Rince81 hat geschrieben:
15. Okt 2020, 19:19
Die ganzen Ge- und Verbote aus der Politik sind ja nur nötig, weil Otto Bundesbürger anscheinend nicht in der Lage ist, sich auch nur ein Jota einzuschränken wenn ihm nicht explizit die entsprechenden Aktivitäten verboten werden...
Leider scheint sich das zu bewahrheiten.
Es ist bei allem Frust auch zu fragen, ob das auch ein Problem der Vorgehensweise ist. Wenn man den Leuten zuletzt immer wieder untererklärte Maßnahmen vorsetzt, denken sie vermutlich weniger mit und fangen eher an, das Gesetz auf den Buchstaben genau anzuwenden - und zu exploiten. Siehe: "Neue Maßnahmen gelten ab Montag, also jetzt nochmal schnell richtig auf den Putz hauen".

Ich sag nicht, dass man es nicht besser wissen könnte und sollte, aber das kennt man ja sogar als Vorgesetzter von Teams: Wenn man einfach nur Vorgaben macht, ohne zu vermitteln und ohne auf den Einzelnen einzugehen, dann macht das Team irgendwann eben nur genau Dienst nach Vorschrift.

Andre

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Andre Peschke hat geschrieben:
1. Nov 2020, 12:31
Es ist bei allem Frust auch zu fragen, ob das auch ein Problem der Vorgehensweise ist. Wenn man den Leuten zuletzt immer wieder untererklärte Maßnahmen vorsetzt, denken sie vermutlich weniger mit und fangen eher an, das Gesetz auf den Buchstaben genau anzuwenden - und zu exploiten. Siehe: "Neue Maßnahmen gelten ab Montag, also jetzt nochmal schnell richtig auf den Putz hauen".
Nur wie will man auf 80 Millionen Bundesbürger einzeln zugehen und ihnen diese Massnahmen verkaufen - außer mit den hinlänglich bekannten Tatsachen? Weltweite Pandemie, Virus gerade für Ältere und Risikogruppen gefährlich und bei exponentiellem Anstieg droht eine Überlastung des Gesundheitssystems. Das wird nun seit spätestens März gebetsmühlenmäßig wiederholt und gilt nach wie vor. Hauptproblem scheint mir zu sein, dass man selbst in der Politik den Warnungen eines Drosten oder Lauterbach in den letzten Monaten nicht mehr so recht geglaubt hat, frei nach dem Motto was wissen ein Virologe und ein Epidemiologie schon, läuft doch alles wunderbar...
Dann sind unsere Medien auch alles andere als hilfreich, mir will nicht in den Kopf warum man meint einem Sucharit Bhakdi regelmäßig eine Plattform bieten zu müssen und das als zumindest gleichwertig zu dem zu behandeln was echte Experten zu sagen haben...
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Ironic Maiden
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Ironic Maiden »

Leonard Zelig hat geschrieben:
1. Nov 2020, 09:24
Frankreich lässt ja auch die Schulen offen, obwohl die aktuell ca. doppelt so viele Neuinfektionen wie Deutschland haben. Ich wäre dafür gewesen die Berufsschulen und weiterführende Schulen zu schließen. Man hätte ja feste Zweiergruppen bilden können, damit die Jugendlichen ohne schnelles Internet dann einfach einen Mitschüler besuchen, der für Online-Unterricht technisch gerüstet ist. Schade, dass man die Lehrer nicht im Sommer fortgebildet hat zum Thema.
Als Lehrerin nehme ich meine Kolleg*innen ja meistens in Schutz, aber dieses Argument mit den fehlenden Fortbildungen zum Online-Unterricht ist meiner Meinung nach oft vorgeschoben und ein Synonym für "da habe ich keine Lust drauf". Es ist nicht besonders schwer, Unterricht in Form einer Videokonferenz oder ähnlichen zu machen. Natürlich nicht von Anfang an brilliant und man reizt nicht unbedingt alle Möglichkeiten aus, manches klappt wahrscheinlich auch nicht wie geplant uw. Aber zumindest eine grundlegende Lernbetreuung und-begleitung der Schüler*innen kann man auch mit Minimalerfahrung leisten, und selbst das bekommen viele Kolleg*innen nicht hin. Ich bin auch kein technikaffiner Mensch, meine Erfahrung mit Videokonferenzen bestand vor meiner ersten Online-Stunde aus ein paar Pen&Paper-Sitzungen über Skype und einer kurzen, vielleicht 10minütigen Einführung in das Programm, die ein anderer Lehrer online angeboten hat. Und trotzdem funktioniert es irgendwie. Klar wäre es besser, wenn dann auch noch entsprechende Fortbildungen dazu kommen, aber ich sehe bei vielen Kolleg*innen die Haltung, dass sie garnichts machen, bevor es nicht eine mehrstündige Veranstaltung dazu gab. Und das bei Leuten, die jeden Tag von ihren Schüler*innen verlangen, sich neuen Stoff anzueignen.
Andre Peschke hat geschrieben:
1. Nov 2020, 12:31

Es ist bei allem Frust auch zu fragen, ob das auch ein Problem der Vorgehensweise ist. Wenn man den Leuten zuletzt immer wieder untererklärte Maßnahmen vorsetzt, denken sie vermutlich weniger mit und fangen eher an, das Gesetz auf den Buchstaben genau anzuwenden - und zu exploiten. Siehe: "Neue Maßnahmen gelten ab Montag, also jetzt nochmal schnell richtig auf den Putz hauen".

Ich sag nicht, dass man es nicht besser wissen könnte und sollte, aber das kennt man ja sogar als Vorgesetzter von Teams: Wenn man einfach nur Vorgaben macht, ohne zu vermitteln und ohne auf den Einzelnen einzugehen, dann macht das Team irgendwann eben nur genau Dienst nach Vorschrift.

Andre
Ich denke, dass ein Problem dabei auch ist, dass momentan ein grundlegender Mechanismus unseres Gesellschaftssystems ausgesetzt ist. Im Grunde gilt ja der Deal: Mach einen Job, den du vielleicht nicht toll findest und der dich nicht erfüllt, aber im Gegenzug für den Verkauf deiner Arbeitskraft und Lebenszeit kannst du dir dann in deiner Freizeit schöne Sachen als Ausgleich kaufen, z.B. einen schönen Urlaub, ein Essen im Restaurant, eine Nacht in einem Club usw. Durch die Beschränkungen fallen nun viele dieser Sachen weg, und die Belastungen bei der Arbeit steigen. Ich finde es nicht verwunderlich, dass viele Leute diesen Zustand nur schwer ertragen. Selbst wenn man bewusst weiß, welchen Sinn die Maßnahmen haben, ist es trotzdem unangenehm.

Dober
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Dober »

Rince81 hat geschrieben:
1. Nov 2020, 11:00
Die Medien berichten heute, dass in Deutschland gerade 165 Schulen wegen Infektionen komplett geschlossen sind - die meisten in Bayern.
Das ist zumindest für Bayern keine große Verwunderung. Die haben nämlich gerade Herbstferien. :ugly:

Rince81
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Rince81 »

Dober hat geschrieben:
1. Nov 2020, 14:34
Rince81 hat geschrieben:
1. Nov 2020, 11:00
Die Medien berichten heute, dass in Deutschland gerade 165 Schulen wegen Infektionen komplett geschlossen sind - die meisten in Bayern.
Das ist zumindest für Bayern keine große Verwunderung. Die haben nämlich gerade Herbstferien. :ugly:
:lol: Das dürfte dann aber die vergangene Schulwoche betroffen haben, da waren noch keine...
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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Ironic Maiden hat geschrieben:
1. Nov 2020, 13:51
Ich denke, dass ein Problem dabei auch ist, dass momentan ein grundlegender Mechanismus unseres Gesellschaftssystems ausgesetzt ist. Im Grunde gilt ja der Deal: Mach einen Job, den du vielleicht nicht toll findest und der dich nicht erfüllt, aber im Gegenzug für den Verkauf deiner Arbeitskraft und Lebenszeit kannst du dir dann in deiner Freizeit schöne Sachen als Ausgleich kaufen, z.B. einen schönen Urlaub, ein Essen im Restaurant, eine Nacht in einem Club usw. Durch die Beschränkungen fallen nun viele dieser Sachen weg, und die Belastungen bei der Arbeit steigen. Ich finde es nicht verwunderlich, dass viele Leute diesen Zustand nur schwer ertragen. Selbst wenn man bewusst weiß, welchen Sinn die Maßnahmen haben, ist es trotzdem unangenehm.
Interessanter, kluger Gedanke. Ich weiß nicht, wie weit verbreitet das noch ist - ich hab das ein Leben lang abgelehnt, 1/3 meiner fitten Jahre mit einem Job zu vergeuden, der mich nicht erfüllt. Aber das ist natürlich auch Privileg, das geschafft zu haben.

Andre

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