COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

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Trugschluss
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Trugschluss »

tsch hat geschrieben:
15. Mär 2020, 13:26
Trugschluss hat geschrieben:
15. Mär 2020, 13:18
...Darum ist es letztendlich vollkommen egal, ob bei den Patienten Adenoviren, RSV, Noroviren, Influenza oder Coronaviren festgestellt werden. Nur das eines davon auf eine Stufe mit Krim-Kongo-Fieber, Westnil, Ebola und co gestellt wird. Den Fehler darf man selbst finden
https://www.mdr.de/brisant/corona-gripp ... h-100.html

Wird immer Ärzte geben, die sich gerade jetzt berufen fühlen, ihre überlegene Weisheit mit der Menschheit zu teilen, aber die Mehrheit von Experten ist sich einige, dass Corona gefährlicher ist als die Grippe. Der verlinkte Artikel nennt da einige sehr konkrete und nachvollziehbare Punkte.
Oh, ich will klarstellen: Ich teile diese Meinung nicht! Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es auch noch gegenteilige Meinungen gibt und ich ihr häufig über dem Weg laufe/mitlese, sogar von einer eigentlichen Fachkraft.

Coti86
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Coti86 »

tsch hat geschrieben:
15. Mär 2020, 13:18
Abzuwarten ist natürlich, ob Österreich deswegen wirtschaftlich härter getroffen wird, weil ja aktuell fast alle Geschäfte schließen mussten.
Ich glaube, dass auch in Deutschland demnächst alle Geschäfte schließen müssen. Und sollten die Maßnahmen eine spürbare Wirkung entfalten, dann wird es insgesamt Länder die später reagieren wirtschaftlich stärker treffen.
Trugschluss hat geschrieben:
15. Mär 2020, 13:18
...
Danke! Er kritisert also nicht die Quarantänemaßnahmen, sondern die Eingriffe ins Gesundheitssystem? Soweit ich das verstanden habe, gäbe es in 1 Monat wesentlich mehr Tote wenn es jetzt eben keine Einschnitte im Versorgungsablauf geben würde. Genau das hat ja Italien gezeigt. Covid-19 hat nämlich, wenn man den Zahlen glauben schenken darf, schon ein paar besondere Eigenschaften:

- der lange Infektionsverlauf von bis zu 2 Wochen.
- die relativ hohe Sterblichkeitsrate bei Personen >60
- dass viele Fälle völlig asymptomatisch verlaufen
- die relativ hohe Anzahl an Fällen, die in einem Krankenhaus versorgt werden müssen

Und das alles trifft jetzt auf eine Bevölkerung wo keine Herdenimmunität vorhanden ist. Diese Kombination macht es eben offenbar zu einem Albtraum für jedes Gesundheitssystem. Und wenn man deswegen nicht früh beginnt seine Ressourcen zu rationieren dann hat man später ein größeres Problem.

Trugschluss
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Trugschluss »

Coti86 hat geschrieben:
15. Mär 2020, 13:48
Danke! Er kritisert also nicht die Quarantänemaßnahmen, sondern die Eingriffe ins Gesundheitssystem?
Doch, auch, aber das habe ich nicht geteilt, weil die Frage anders von dir war. :D
Die meisten Viren verhalten sich exponentiell, bis sie ihr steady-state erreicht oder sich selbst ausgerottet haben. Gegen Adenoviren z.B. gibt es so gut wie gar keine Immunisierung, damit kann man sich im Wochenabstand immer wieder infizieren Die können auch richtig krank machen und die Patienten intensivpflichtig werden lassen.

Wenn man sich das italienische Gesundheitssystem anschaut, wären die auch bei einer heftigen Influenza-Welle am Arsch gewesen, gerade in der Skizeit. Das ist weder überraschend, noch war das unvorhergesehen. Es hat nur keinen interessiert. Es hätte auch dieses Jahr keinen interessiert und in den großen Todesstatistiken werden die Monate Januar-März des Jahres 2020 nicht besonders hervorstechen, auch der April nicht. Zumindest nicht durch Corona.
Behandeln wie jede andere Infektionskrankheit, bei der man den Erreger testen kann. Wenn jemand so krank ist, dass er stationäre ärztliche Hilfe braucht, wird er selbstverständlich aufgenommen und bei Erregernachweis kohortenisoloert und Besucher und Pflegepersonal beachten die Isolations- und Hygienerichtlinien.
Wer zwar krank ist, aber nicht stationär aufgenommen werden muss, bekommt halt wie bisher von seinem Hausarzt Rezepte und seine Krankschreibung und kuriert sich zu Hause aus. Stell dir vor, das hat vorher schon so funktioniert und tut es auch weiterhin. Vermutlich müsste man das Meldegesetz um den neustes Corona-Stamm ausweiten aber das ist nichts weltbewegendes.
Weil es einfach nur eine "Grippe" ist

Erstens: ich lache herzlich über deine Vorstellung, dass sich Grippe-Infizierte nach einem bis wenige Tage denken, lass mal niemanden mehr anstecken. Ich versteh nicht, warum du die Ausbreitung und Gefahr jeder Saison so auf die leichte Schulter nimmst.
Zu jeder Zeit schleppen sich Millionen an kranken Menschen durch die Gesellschaft und verbreiten munter ihre Keime. Jederzeit.

Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Corona bereits jetzt business as usual verläuft, die Infizierten sind nur nicht getestet. Nur lass dich nicht mit einem positiven Test erwischen, dann erfolgt der soziale Exitus.
Wer es früher für eine super Idee gehalten hat, seine kranken Verwandten und Freunde täglich im Krankenhaus zu besuchen, am besten noch mit den Kindern, Geschwistern oder Nichten, für den könnte es natürlich jetzt zu Umstellungen kommen. Erzieht aber vielleicht auch zu rationalerem Denken.

Ändern kann ich es eh nicht mehr, ich muss vielleicht langsam anfangen es mit Humor zu nehmen. Sonst geht man noch kaputt.
Ich soll die Menschen also plötzlich dafür loben, dass sie nicht wie minderbemittelte Neanderthaler mit ihren Krankheiten durch die Gegend rennen und vielleicht auch auf die Idee kommen, sich mal die Hände zu waschen?
Die Vergangenheit gibt mir im Moment dahingehend recht, dass sich genau nichts in den Köpfen der Menschen ändern wird. Diese Hygiene-Effekte hat man bei jeder medial bekannten Seuche, das war z.B. bei Ebola ganz genauso und das gab es in Deutschland noch nicht einmal nennenswert.

Woher stammt denn noch immer dieses bisher absolut unbelegte Märchen, Covid-19 wäre ansteckender als andere Erkrankungen? Positiv-getestete Patienten sind in Akutsituationen kein valider Parameter
Welche Maßnahmen zeigen denn Wirkung? Aktuell verbieten viele Nationen ihren Einwohnern einfach Dinge. Wenn wir das als dauerhaften Zustand behalten wollen, gerne. Ob es Wirkung zeigt... gerade eben hat man mir noch erzählt, dass die Zahlen weiterhin exponentiell wachsen. Wäre ja irgendwie keine Wirkung.

Ich möchte ja etwas unternehmen. Es einfach als das behandeln, was es ist. Jetzt darf ich aber für min. 6 Monate dem Pandemieplan hinterherarbeiten.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Ich finde ehrlich gesagt die Ausgangssperren, die in Italien oder jetzt auch in Spanien und Österreich verhängt wurden als zu hart! In England will man sogar durchsetzen, dass ältere Menschen für mehrere Monate in häuslicher Quarantäne bleiben.

DAMIT macht man die Menschen wirklich krank - nämlich auf psychischer Ebene. Sämtliche Virologen sagen, dass das Virus im Freien keine Gefahr darstellt, da es sehr schnell auf den Boden landet und nicht wie eine Wolke durch die Gegend fliegt. Also welchen Sinn haben Ausgangssperren? Besonders jetzt wo das Wetter schön wird, man raus gehen kann um zu spazieren und Sonne zu tanken. Das tut den Menschen auch gut! Es ist ja auch nicht so, dass man von zig Leuten umgeben ist bzw. man diesen nicht aus den Weg gehen kann.

Also Ausgangssperren halte ich einfach für unzumutbar und vollkommen übertrieben.
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
(Serdar Somuncu)

Coti86
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Coti86 »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 14:17
Ich finde ehrlich gesagt die Ausgangssperren, die in Italien oder jetzt auch in Spanien und Österreich verhängt wurden als zu hart! In England will man sogar durchsetzen, dass ältere Menschen für mehrere Monate in häuslicher Quarantäne bleiben.

DAMIT macht man die Menschen wirklich krank - nämlich auf psychischer Ebene. Sämtliche Virologen sagen, dass das Virus im Freien keine Gefahr darstellt, da es sehr schnell auf den Boden landet und nicht wie eine Wolke durch die Gegend fliegt. Also welchen Sinn haben Ausgangssperren? Besonders jetzt wo das Wetter schön wird, man raus gehen kann um zu spazieren und Sonne zu tanken. Das tut den Menschen auch gut! Es ist ja auch nicht so, dass man von zig Leuten umgeben ist bzw. man diesen nicht aus den Weg gehen kann.

Also Ausgangssperren halte ich einfach für unzumutbar und vollkommen übertrieben.
Also soweit ich das für Österreich verstanden habe, ist ein Spaziergang im Freien nach wie vor erlaubt, solange man sich alleine oder mit einer Person mit der man zusammenlebt bewegt.

TheGameOli
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von TheGameOli »

Coti86 hat geschrieben:
15. Mär 2020, 14:20
Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 14:17
Ich finde ehrlich gesagt die Ausgangssperren, die in Italien oder jetzt auch in Spanien und Österreich verhängt wurden als zu hart! In England will man sogar durchsetzen, dass ältere Menschen für mehrere Monate in häuslicher Quarantäne bleiben.

DAMIT macht man die Menschen wirklich krank - nämlich auf psychischer Ebene. Sämtliche Virologen sagen, dass das Virus im Freien keine Gefahr darstellt, da es sehr schnell auf den Boden landet und nicht wie eine Wolke durch die Gegend fliegt. Also welchen Sinn haben Ausgangssperren? Besonders jetzt wo das Wetter schön wird, man raus gehen kann um zu spazieren und Sonne zu tanken. Das tut den Menschen auch gut! Es ist ja auch nicht so, dass man von zig Leuten umgeben ist bzw. man diesen nicht aus den Weg gehen kann.

Also Ausgangssperren halte ich einfach für unzumutbar und vollkommen übertrieben.
Also soweit ich das für Österreich verstanden habe, ist ein Spaziergang im Freien nach wie vor erlaubt, solange man sich alleine oder mit einer Person mit der man zusammenlebt bewegt.
Also eben wurde im Radio berichtet das die Österreicher es wohl untersagen sich in eine Gruppe >5 aufzuhalten. Jetzt weiß ich nicht ob dies auch für Großfamilien gilt. Wie Axel schon sagte, es ist wohl "gefährlicher" wenn alle drin hocken und nicht mal raus gehen dürfen/sollen.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Coti86 hat geschrieben:
15. Mär 2020, 14:20
Also soweit ich das für Österreich verstanden habe, ist ein Spaziergang im Freien nach wie vor erlaubt, solange man sich alleine oder mit einer Person mit der man zusammenlebt bewegt.
Auch das ist übertrieben! Jetzt mal ganz ehrlich: Wieso soll ich engste Freunde nicht mehr sehen dürfen? Was macht das mit den Kindern? Wir Menschen brauchen soziale Kontakte. Wenn die das über mehrere Monate durchsetzen, werden am Ende die Leute alle zumindest mal an ner schweren Depression leiden. Und die, die jetzt schon drunter leiden... Bei uns wird es nicht besser. Aber so weit denkt mal wieder niemand. Wir hier im Freundeskreis wissen: Daran werden wir uns definitiv NICHT halten, sollte es in Deutschland so extrem kommen. Dann ist halt der Treffpunkt eben nicht mehr an der Haltestelle, sondern direkt im Wald. Zum Glück haben wir hier im Erzgebirge sehr ausufernd große Waldgebiete. Das kann niemand kontrollieren.

Schon zwei Familien können sich nach den österreichischen Regeln nicht mehr treffen. Das wird so einen Impact auf das langfristige Wirtschafts- und Gesundheitssystem haben... Denn Menschen mit heftigen Depressionen sind eben nicht mehr arbeitsfähig. Auch auf die Familien selbst wird das eine so heftige Belastung sein, dass das viele nicht durchhalten werden. Irgendwann dreht man nämlich schlicht durch, wenn man immer mit den gleichen Leuten auf engem Raum ist. Auch wenn es die eigene Familie ist.
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Trugschluss
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Trugschluss »

Für ein paar Monate ist das zu verkraften.

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Andre Peschke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Trugschluss hat geschrieben:
15. Mär 2020, 13:18
Zitat Kinderarzt:
Zuerst einmal ist Covid-19 keine besondere Erkrankung, keine ihrer Eigenschaften, Symptome oder Auswirkungen ist in irgendeiner Weise besonders oder einzigartig. Aber lassen wir das mal außen vor.
Das mag von der Symptomatik her zutreffen, erscheint mir aber sehr verkürzt. Mal rein mit dem argumentiert, was Experten dazu sagen:

Weil das Virus frisch aus dem Tierreich übergesprungen ist, ist es an seinen neuen Wirtsorganismus Mensch noch nicht gut angepasst. Viren haben normalerweise auch kein Interesse, den Wirt zu töten - das behindert ja die Übertragung. Im Moment ist es aber noch so "fremd", dass bei einem kleinen Teil von Menschen die Immunreaktion völlig übersteuert. Das sind die Fälle, bei denen die Lunge übermäßig zuschleimt, bis hin zum Ersticken. Das gefährdet daher auch zT junge und gesunde Menschen, wenn auch zu einem sehr kleinen Grad.

Aus dem gleichen Grund ("das ist neu"), hat niemand Resistenzen was das Virus angeht.

Beides sind kategorische Unterschiede im Vergleich zur Grippe, die besser angepasst ist und trotz saisonal unterschiedlicher Varianten nicht die gleiche Verbreitungsgeeschwindigkeit an den Tag legen kann.

Die äußeren Indizien widersprechen der Einschätzung auch: Selbst die USA unter Trump, die ja extrem unwillig war dem Virus die gleiche Priorität einzuräumen, steuert nun mit gleichen Maßnahmen gegen. Dann haben wir die Anschauungsbeispiele in Italien und China.

Zumindest basierend auf allem was ich von Experten höre und was zu beobachten ist, kann die Prämisse "das ist nicht so weit außerhalb der Norm" in der Form nicht stimmen.

Die anderen beschriebenen Effekte sehr wohl... aber welche Einschränkungen würden stattfinden, wenn Corona-Intensivpatienten in der erwarteten Zahl das System fluten?

Das klingt so, als würde man aus mit Sicherheit vorhandenen Mängeln im derzeitigen Krisenmanagement ableiten, dass gar kein Krisenmanagement die bessere Alternative wäre. Und sofern die vorliegenden Einschätzungen zum Virus nicht an irgendeiner Stelle kategorisch falsch sind, erscheint das eine gewagte These zu sein.

Andre

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HerrReineke
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von HerrReineke »

Trugschluss hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:05
Für ein paar Monate ist das zu verkraften.
Für die meisten Menschen: Bestimmt. Für Menschen, die bereits jetzt z.B. an klinischen Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten leiden, für die soziale Kontakte im Zusammenhang mit bereits dieser bestehenden Krankheit wichtig sind, könnte ich mir schon vorstellen, dass das deutlich anders aussieht.

Ich vermute ohnehin, dass man in einem Jahr sowohl höhere Geburten- als auch Scheidungsraten sehen wird: Paare verbringen so plötzlich zwei Wochen zuhause - fühlen sich evtl. zumindest verpflichtet auch nicht groß rauszugehen - und auch so Dinge wie der Arbeitsalltag fällt dabei für manch eine_n noch Weg. Das wird sicherlich auch eine interessante Entwicklung.
Quis leget haec?

Coti86
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Coti86 »

Hier ein Artikel der Washington Post der in verschiedenen Animationen gut illustriert in welchem Ausmaß Quarantänemaßnahmen die Ausbreitung des Virus verlangsamen:

https://www.washingtonpost.com/graphics ... e=facebook

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Trugschluss hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:05
Für ein paar Monate ist das zu verkraften.
Sämtliche Untersuchungen von Gefängnisinsassen sagen da leider das komplette Gegenteil. Und ja, damit kann man eine Ausgangssperre durchaus vergleichen. Außerdem ist es notwendig für die Gesundheit an die frische Luft zu gehen. Mindestens zwei Stunden täglich. Depressionen und Psychosen können schnell entstehen. Deren Behandlung dagegen kann Jahre dauern.

Es zeigt leider nur, dass die Menschen - und vor allem Teile der Politik - nach wie vor nicht sensibilisiert für psychische Erkrankungen sind. Schon in den letzten Jahren hat unsere Gesellschaft ein Problem mit Einsamkeit. Immer mehr Ministerien auf Länderebene nehmen das Thema auf. Das schlimmste was passieren kann ist jetzt noch von den Leuten zu fordern: Einfach zu hause bleiben, keine sozialen Kontakte mehr. Nur, und so deutlich muss man es auch sagen, weil man das Gesundheitssystem über Jahrzehnte privatisierte und kaputt gemacht hat.

Und der Witz ist: Diese Ausgangssperren sind wissenschaftlich nicht notwendig. Nicht mal Ansatzweise.
Zuletzt geändert von Axel am 15. Mär 2020, 15:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 14:36
Wir hier im Freundeskreis wissen: Daran werden wir uns definitiv NICHT halten, sollte es in Deutschland so extrem kommen.
Bitte gern über Sinn und Unsinn von Maßnahmen sprechen. Was ich lieber nicht sehen möchte, sind derartige direkte öffentliche Verweigerungen der Kooperation mit den jeweils angeordneten Maßnahmen. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn es irgendwann einen Grund zur Annahme gibt, dass die Regierung hier unverantwortlich über das Ziel hinaus schießt, mag sich das ändern. Für den Moment möchte ich hier nichts haben, was die Bereitschaft zur Kooperation so direkt unterwandert.

Andre

Merbatur
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Merbatur »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:20
Und der Witz ist: Diese Ausgangssperren sind wissenschaftlich nicht notwendig. Nicht mal Ansatzweise.
Wie immer bei solchen Aussagen: Kannst du es mit einer geeigneten Quelle belegen?

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Merbatur hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:24
Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:20
Und der Witz ist: Diese Ausgangssperren sind wissenschaftlich nicht notwendig. Nicht mal Ansatzweise.
Wie immer bei solchen Aussagen: Kannst du es mit einer geeigneten Quelle belegen?
Letzter Podcast von Christian Drosten. Er hat selbst ja noch aufgerufen: Geht raus mit euren Freunden. Das Virus ist im Freien weit weniger gefährlich als in geschlossenen Räumen.

Auf der anderen Seite hat man nun seit Tagen das Narrativ, jeglichen sozialen Kontakt einzustellen. Wir brauchen aber soziale Kontakte! Sonst gehen wir ein! Soziale Kontakte sind notwendig, wenn man an diversen psychischen Krankheiten leidet!
Zuletzt geändert von Axel am 15. Mär 2020, 15:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:20
Und der Witz ist: Diese Ausgangssperren sind wissenschaftlich nicht notwendig. Nicht mal Ansatzweise.
Da würde ich den Vorbehalt offenhalten, um welche Wissenschaft es geht. Ich stimme dir zu: Nach allem, was ich gehört habe, sollten Spaziergänge im Freien weiterhin ok sein, weil dabei ohnehin fast immer ein Sicherheitsabstand eingehalten wird. Was in Österreich ja auch weiter erlaubt ist.

Was aber sein kann ist, dass die Beweggründe ganz andere sind. Wenn man zB feststellt, dass zu viele Menschen sich weiter unvernünftig verhalten, sich weiter in größeren Gruppen treffen etc - dann kann es evtl. ein notwendiger Schritt sein. Wie drastisch die Maßnahmen ausfallen müssen, hängt außerdem damit zusammen, wie viel Puffer das medizinische System hat. Ist es jetzt schon kurz vor Maximalbelastung, wird man evtl. eben die Notbremse ziehen müssen. Das gleiche gilt für Zuwachsraten etc. Kurz: Vielleicht sind die Maßnahmen epidemiologisch nicht angezeigt, aber soziologisch oder logistisch?

Die ganze Situation ist halt erstaunlich komplex.

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Coti86
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Coti86 »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:20
Trugschluss hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:05
Für ein paar Monate ist das zu verkraften.
Sämtliche Untersuchungen von Gefängnisinsassen sagen da leider das komplette Gegenteil. Und ja, damit kann man eine Ausgangssperre durchaus vergleichen. Außerdem ist es notwendig für die Gesundheit an die frische Luft zu gehen. Mindestens zwei Stunden täglich. Depressionen und Psychosen können schnell entstehen. Deren Behandlung dagegen kann Jahre dauern.
Ich denke wir müssen hier aufpassen exakte Begrifflichkeiten zu verwenden, damit verschiedene Maßnahmen nicht über den selben Kamm geschert werden: ich habe bereits gesagt, dass in Österreich Spaziergänge nach wie vor erlaubt sind, auch mit mehreren Personen, wenn diese im selben Haushalt leben. Würde ja auch gar keinen Sinn machen, diese dann draußen zu isolieren. Trotzdem musste ich hier bereits 2x lesen, dass es zu weit geht wenn Leute das Haus nur mehr im Notfall verlassen dürfen. Das Wort "Ausgangssperre" alleine sagt also zu wenig aus, um daraus eine Diskussion zu starten. Ich denke es wäre sinnvoller konkrete Maßnahmen zu benennen, die man für überzogen hält.

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Axel
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Axel »

Coti86 hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:31
wenn diese im selben Haushalt leben
Und genau das ist doch so dermaßen weit weg von der heutigen Lebensrealität vieler Menschen. Das war vielleicht vor 50 Jahren noch normal. Heute wohnen doch die allermeisten in Single-Haushalten.

Auch meine langjährige Freundin wohnt nicht mit mir in einer Wohnung, sondern ein Stadtteil entfernt. 10 Minuten Fußweg. Auch meine Betreuerin wohnt natürlich nicht im selben Haushalt wie ich. Das wären aber schonmal zwei Personen, auf die ich unbedingt angewiesen bin. Ich bin drauf angewiesen, dass ich regelmäßigen sozialen Kontakt habe. Das ich eine bestimmte Routine in der Woche habe. Sonst wird mein Gesundheitszustand schnell kritisch. Und da bin ich lange nicht alleine, so geht das sehr vielen Menschen die eine chronische psychische Behinderung haben.
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
(Serdar Somuncu)

Merbatur
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Merbatur »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:29
Merbatur hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:24
Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:20
Und der Witz ist: Diese Ausgangssperren sind wissenschaftlich nicht notwendig. Nicht mal Ansatzweise.
Wie immer bei solchen Aussagen: Kannst du es mit einer geeigneten Quelle belegen?
Letzter Podcast von Christian Drosten. Er hat selbst ja noch aufgerufen: Geht raus mit euren Freunden. Das Virus ist im Freien weit weniger gefährlich als in geschlossenen Räumen.

Jup, aber er berichtet aus der aktuellen Situation in Deutschland. Er sagt aber nicht, dass eine häusliche Isolation nichts bringt. Das ist ein gravierender Unterschied! Darauf musst du achten, sonst gibst du (und auch die Medien) seine Aussagen verfälscht wieder! Nicht umsonst hat er sich darüber in einen der Podcasts darüber aufgeregt.

Sonst siehe das, was Andre geschrieben hat.

Coti86
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Re: COVID-19 - Anatomie einer Pandemie

Beitrag von Coti86 »

Axel hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:44
Coti86 hat geschrieben:
15. Mär 2020, 15:31
wenn diese im selben Haushalt leben
Und genau das ist doch so dermaßen weit weg von der heutigen Lebensrealität vieler Menschen. Das war vielleicht vor 50 Jahren noch normal. Heute wohnen doch die allermeisten in Single-Haushalten.

Auch meine langjährige Freundin wohnt nicht mit mir in einer Wohnung, sondern ein Stadtteil entfernt. 10 Minuten Fußweg. Auch meine Betreuerin wohnt natürlich nicht im selben Haushalt wie ich. Das wären aber schonmal zwei Personen, auf die ich unbedingt angewiesen bin. Ich bin drauf angewiesen, dass ich regelmäßigen sozialen Kontakt habe. Das ich eine bestimmte Routine in der Woche habe. Sonst wird mein Gesundheitszustand schnell kritisch. Und da bin ich lange nicht alleine, so geht das sehr vielen Menschen die eine chronische psychische Behinderung haben.
Ja, ich gebe dir natürlich Recht, dass das eine sehr drastische Maßnahme ist. Ich muss halt momentan auch etwas darauf vertrauen, dass sich die Regierung von Experten beraten lässt, die solche Maßnahmen gegebenfalls mit Modellen immer in ein Kosten/Nutzen Verhältnis setzen. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Regierung momentan eher gewillt ist Gefahr zu laufen übers Ziel hinauszuschießen, als sich hinterher vorwerfen lassen zu müssen, zu wenig getan zu haben. Ist halt auch für alle Neuland und deswegen bin ich da auch etwas nachsichtiger als ich vl sonst wäre, wenn die Bürgerrechte derart massiv eingeschränkt werden. Die perfekten Maßnahmen wird es ohnehin nicht geben, immer wirst du wo eine Gruppe haben die von einer Maßnahme besonders betroffen ist und eine andere die durch das Ausbleiben der Maßnahme ebenfalls schaden erleidet. Ich würde aber daraus jetzt nicht zwangsläufig ableiten, dass es der Regierung an Verständnis für eine Gruppe fehlt.

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