Der allgemeine Film-Thread

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Dennis Villeneuve zum Thema Warner / HBO Max: https://variety.com/2020/film/news/dune ... 1234851270
There is absolutely no love for cinema, nor for the audience here. It is all about the survival of a telecom mammoth, one that is currently bearing an astronomical debt of more than $150 billion. Therefore, even though “Dune” is about cinema and audiences, AT&T is about its own survival on Wall Street. With HBO Max’s launch a failure thus far, AT&T decided to sacrifice Warner Bros.’ entire 2021 slate in a desperate attempt to grab the audience’s attention.

Warner Bros.’ sudden reversal from being a legacy home for filmmakers to the new era of complete disregard draws a clear line for me. Filmmaking is a collaboration, reliant on the mutual trust of team work and Warner Bros. has declared they are no longer on the same team.

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Am Anfang dieses Threads ging es ja um die Gadot-Kleopatra-Kontroverse.

Sie hat sich jetzt zum ersten Mal dazu geäußert und sagt, dass zuerst nach einer makedonischen Schauspielerin gesucht wurde, aber keine zu finden war bzw. keine passte:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... 63826.html

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Der Thread ist ja leider eingeschlafen, also hier mal etwas Nachschub:

Golden Globe Nominierungen:

https://www.goldenglobes.com/articles/2 ... -announced

Mit Helena Zengel ist eine zwölfjährige deutsche Schauspielerin nominiert.

Oscar-Shortlist für neun Kategorien:

https://www.oscars.org/news/93rd-oscars ... -announced


Und dann gab es noch Skandale:

Joss Whedon steht unter Feuer:

https://deadline.com/2021/02/sarah-mich ... 234691481/

Und Gina Carano wurde von Disney wegen umstrittener Tweets gefeuert und wird weder weiterhin in "Mandalorian" mitspielen noch - besonders bitter aber halt auch verdient - keine eigene Serie bekommen, wie es wohl geplant war.

https://www.spiegel.de/kultur/tv/the-ma ... 8b72f891f7

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Feamorn
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Feamorn »

Mir fällt auf, dass ich noch nicht einen der 2020er Filme gesehen habe, und auch noch keine Serie... Oo

Naja, mal sehen, wann sich das ändert, hat keine echte Prio (ausser Promising Young Woman, den würde ich sehr gerne alsbald sehen).

Das mit Whedon finde ich insofern besonders bitter, da er ja, gerade in seinen Serien, immer ziemlich progressive Sachen vertreten hat. Dass ausgerechnet er, der leitende Beteiligte hinter (insbesondere) Buffy nun offenbar selbst dermaßen toxisch und missbräuchlich gehandelt hat ist echt übel. Ich bin nun nicht überrascht, ist ja nicht das erste, was man in die Richtung hört. Traurig und scheiße.

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LegendaryAndre
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von LegendaryAndre »

Feamorn hat geschrieben:
11. Feb 2021, 13:43
Das mit Whedon finde ich insofern besonders bitter, da er ja, gerade in seinen Serien, immer ziemlich progressive Sachen vertreten hat. Dass ausgerechnet er, der leitende Beteiligte hinter (insbesondere) Buffy nun offenbar selbst dermaßen toxisch und missbräuchlich gehandelt hat ist echt übel. Ich bin nun nicht überrascht, ist ja nicht das erste, was man in die Richtung hört. Traurig und scheiße.
Wenn Whedon wirklich so ein Arsch war - und einige Berichte im Netz, darunter auch die seiner damaligen Frau, deuten darauf hin - wundert es mich dass er gerade bei vielen Folgen von Buffy die er selbst geschrieben so viel Feingefühl für zwischenmenschliche Beziehungen aufgebracht hat. Gut, das eine wird das andere nicht ausschließen. Er kann sich in diese Welt versetzen, tolle Figuren erschaffen und viel Gefühl diese aufbringen, ohne dass er in echt zwangsläufig nett sein muss. Auch der Perfektionismus in der Arbeit lässt Menschen manchmal ziemlich hartherzig werden. Häufig merken sie es selbst nicht mal. Bin gespannt wie Whedon darauf reagiert und ob er sich ein Fehlverhalten eingesteht.

Wenn die Atmosphäre am Set bei Buffy und Angel so giftig war, wundert es mich auch dass alle so lange durchgehalten haben. Wahrscheinlich hat man vieles ausgeblendet, denn wer will schon freiwillig eine Erfolgsserie verlassen. Die Schauspieler haben ja wirklich gute Arbeit geleistet, die dann noch bemerkenswerter ist, wenn man die Umstände bedenkt. Sieben Staffeln von damals entsprechen nach heutigem Standard von der Länge her in etwa 14 Staffeln. Das ist schon enorm!

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

LegendaryAndre hat geschrieben:
11. Feb 2021, 14:22
Wenn die Atmosphäre am Set bei Buffy und Angel so giftig war, wundert es mich auch dass alle so lange durchgehalten haben.!
Das fragt man sich doch ständig. Mir fällt da immer die Geschichte um Emilia Clarke bei Game of Thrones ein. Die hat nachdem die Serie abgedreht war berichtet, dass sie immer wieder mit den Machern in Konflikt geraten ist, weil sie irgendwann ihre Brüste nicht mehr zeigen wollte.

Ich bin keine Frau und kann das nicht einschätzen, aber ich kann mir zumindest vorstellen, dass das unheimlich unangenehme Gespräche sein müssen. Der gesunde Menschenverstand fragt "Warum bist Du nicht einfach ausgestiegen?". Aber ich glaube da unterschätzt man eben das Business und die Angst der Schauspieler als "bockig" zu gelten und dann keine Angebote mehr zu bekommen.

Das ist ja auch ein Grund für Weinstein und #MeToo: Man steht in einer Abhängigkeit.

Deswegen lässt man eben einen Joss Whedon über sich ergehen, weil man Angst hat, dass man sonst keinen Job mehr bekommt.

Sanity Assassin
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Sanity Assassin »

LegendaryAndre hat geschrieben:
11. Feb 2021, 14:22
Wenn die Atmosphäre am Set bei Buffy und Angel so giftig war, wundert es mich auch dass alle so lange durchgehalten haben.!
Buffy lief ja von 1997-2003, damals war die ganze Situation eine ganz andere. Es hat schon Gründe, dass so viele Geschichten erst in den letzten paar Jahren ans Licht kommen, weil sich eben das gesellschaftliche Klima zunehmend wandelt. 2003 hätten diese öffentlichen Anschuldigungen vermutlich höchstens das Karriereende der betreffenden Schauspielerinnen bedeutet.

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LegendaryAndre
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von LegendaryAndre »

Andreas29 hat geschrieben:
11. Feb 2021, 15:19
Das ist ja auch ein Grund für Weinstein und #MeToo: Man steht in einer Abhängigkeit.

Deswegen lässt man eben einen Joss Whedon über sich ergehen, weil man Angst hat, dass man sonst keinen Job mehr bekommt.
Sanity Assassin hat geschrieben:
11. Feb 2021, 15:39
Buffy lief ja von 1997-2003, damals war die ganze Situation eine ganz andere. Es hat schon Gründe, dass so viele Geschichten erst in den letzten paar Jahren ans Licht kommen, weil sich eben das gesellschaftliche Klima zunehmend wandelt. 2003 hätten diese öffentlichen Anschuldigungen vermutlich höchstens das Karriereende der betreffenden Schauspielerinnen bedeutet.
Ja, das verstehe ich! Es gab eine Zeit in der ich selbst wirklich übles Mobbing am Arbeitsplatz erlebt habe. Umgekehrt hätte ich die Frage daher auch an mich richten können: warum habe ich nichts gesagt bzw. niemandem davon erzählt? Da gab es einige Gründe und ich habe Jahre gebraucht um die damalige Situation zu verstehen. Ich wollte keine Schwäche zeigen, habe mich für die Situation geschämt und die Schuld auch bei mir selbst gesucht. Darüber hinaus wollte ich die Arbeitsstelle trotzdem nicht verlieren. Eine intensive Gesprächstherapie hat mir geholfen, die Situation zu verarbeiten, aber manchmal wache ich heute noch mitten in der Nacht aufgrund eines Albtraums aus dieser Zeit auf. Heute kann mir das zwar nicht mehr passieren (Mobbing), aber Narben sind dennoch zurückgeblieben. Und warum sollte das nicht auch attraktiven Schauspielern passieren können? Meine Sichtweise war vorhin etwas eingeengt.

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Songbird - produziert von Michael Bay - erscheint heute auf Amazon Prime. Einer der wohl umstrittensten Filme der letzten Jahre, der Corona in einen effekthascherischen Katastrophenfilm verwurstet.

Wird als pietätloser Cashgrab von Kritikern abgestraft und unterliegt einem Review-Bombing der Filmcommunity.

https://www.amazon.de/Songbird-K-J-Apa/ ... deo&sr=1-1

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Mal was zum Schmunzeln, zufällig auf Youtube entdeckt:

https://www.youtube.com/watch?v=544rDc3o-0s

Anfangs ein bisschen naiv und reißerisch, aber dann am Ende überraschend progressiv mit einem Appell Medienkompetenz in der Schule zu stärken, Eltern aufzuklären und einem Experten, der feststellt, dass Gewaltfilme nie monokausal zu Gewalt im echten Leben führen.

Highlights: Die Jungs und Mädels zu Anfang im Jugendzentrum, die über "Muttertag" reden und die Herrschaften, denen sie am Elternabend in der Schule "Ein Zombie hing am Glockenseil" zeigen ("Also ich kann heute nicht schlafen, ohne Bier geht da nix" :-D ).

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Heretic
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Heretic »

Andreas29 hat geschrieben:
15. Feb 2021, 10:51
Mal was zum Schmunzeln, zufällig auf Youtube entdeckt:

https://www.youtube.com/watch?v=544rDc3o-0s

Anfangs ein bisschen naiv und reißerisch, aber dann am Ende überraschend progressiv mit einem Appell Medienkompetenz in der Schule zu stärken, Eltern aufzuklären und einem Experten, der feststellt, dass Gewaltfilme nie monokausal zu Gewalt im echten Leben führen.

Highlights: Die Jungs und Mädels zu Anfang im Jugendzentrum, die über "Muttertag" reden und die Herrschaften, denen sie am Elternabend in der Schule "Ein Zombie hing am Glockenseil" zeigen ("Also ich kann heute nicht schlafen, ohne Bier geht da nix" :-D ).
Absoluter Klassiker, was haben wir gelacht damals. :lol:

Aber schon heftig, wie sich die Zeiten seitdem gewandelt haben. Die Unsitte, sinnfrei an Filmen ohne Jugendfreigabe herumzuschnippeln ist zwar noch nicht ganz verschwunden, aber zum Glück nicht mehr an der Tagesordnung und nicht mehr so ausgeprägt.

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Es gibt mal wieder einen Shitstorm in der Filmwelt... was wäre sie auch heutzutage ohne einen.

Die berühmte Musikerin Sia hat einen Film namens "Music" gemacht. Dabei geht es - oder eben nicht, wie die Kritiker behaupten - um eine autistische junge Frau. Bereits beim Trailer gab es erste Beschwerden darüber, dass die Schauspielerin des Mädchens gar keine Autistin sei. Ebenso wurde die klischeehafte Darstellung kritisiert.

Nach einer Golden Globe Nominierung und nachdem der Film jetzt bei den Streaminganbietern erschienen ist, ist die Sache gründlich explodiert. Angestoßen von Verbänden, die autistische Menschen repräsentieren. Es wird kritisiert, dass die Autistin nur ein Plot Device zur Charakterentwicklung eines anderen Charakters ist und besonders eine Szene, in der die Autistin bei einem Anfall festgehalten wird - was wohl das Schlimmste ist, was man in der Situation machen kann - steht unter Feuer.

Zunächst hat Sia an dem Projekt festgehalten, sich entschuldigt und wollte vor dem Film einen Disclaimer einfügen. Nach neuesten Entwicklungen hat sie sich aber für den Film entschuldigt und sich selbst aufgrund massivster Anfeindung von Twitter gelöscht. Die Szene mit dem Festhalten wird entfernt.

Und jetzt geht die ganze Sache natürlich erst richtig ab, weil, natürlich wieder "Cancel Culture!" durch die sozialen Medien schallt.

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Dicker
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Dicker »

Warum müssen solche Sache heutzutage immer so dermaßen eskalieren? Ich kann da echt nur den Kopf schütteln. Vor allem weil mir zig Filme einfallen, in denen der Autist von einem Nicht-Autisten gespielt wird. Umgekehrt aber keiner. Das kann man meinetwegen kritisieren, aber warum es den Film jetzt gerade trifft, erschließt sich mir nicht. Wird halt mal wieder die nächste Sau durchs Dorf getrieben.

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bluttrinker13
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von bluttrinker13 »

Hm, sehe aber warum man bei soetwas den Vorwurf Cancel Culture bringen kann (mal abgesehen davon dass der Begriff wahrscheinlich nen host an beschissenen Konnotationen hat, aber ich kenne mich da auch nicht aus). Es werden Standards angelegt, in einer aggressiven Form, bei denen sich Künstler in ihrem Ausdruck kritisiert und so quasi in aufgezwungene, rigidere Bahnen gelenkt werden (sollen).

Gleichzeitig, warum sind die Leute so abhängig von Twitter, oder den Meinungen anderer auf Twitter? Kann man das nicht einfach ignorieren, oder geht es heutzutage marketingtechnisch nicht ohne? Ich nutze den Kram ja null, von daher ist mir das immer fremd. Aber das der Film selbst wirklich editiert wird, spricht schon Bände und ist eher radikal in meiner Wahrnehmung. Ich meine es wurde da ja nicht gegen Gott und die Menschenwürde gehetzt.

I don't get it. Die US/Westliche-Kunstindustrie erledigt sich bald selbst. Lol.
+1 Dicker

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Jon Zen
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Jon Zen »

Letztlich werden immer weniger Personen der Öffentlichkeit sich trauen, ihre Meinung zu äußern, da sie jedes Mal von einem Internetmob auf die Goldwaage gelegt wird. In eine Richtung wird sich die Waage immer senken.
Gleiches gilt für Filme & Spiele: Alles, was auch nur entfernt provozieren könnte, wird gestrichen.

Es ist nun mal leichter die Mistgabel in die Hand zu nehmen und mit vielen anderen zu rufen "Tötet den König!", als gut zu regieren.

Auf der anderen Seite hat es auch gute Seiten: Man kann/darf als prominente Person nicht mehr jeden Scheiß abziehen und man muss sich z.B. als Filmproduzent mit den Themen auseinander setzen, die man verfilmen lässt.
Das Mittel, um dies zu erreichen, der "Online Mob", finde ich nicht angemessen.

Rince81
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Rince81 »

Dicker hat geschrieben:
17. Feb 2021, 22:34
Warum müssen solche Sache heutzutage immer so dermaßen eskalieren? Ich kann da echt nur den Kopf schütteln. Vor allem weil mir zig Filme einfallen, in denen der Autist von einem Nicht-Autisten gespielt wird. Umgekehrt aber keiner. Das kann man meinetwegen kritisieren, aber warum es den Film jetzt gerade trifft, erschließt sich mir nicht. Wird halt mal wieder die nächste Sau durchs Dorf getrieben.
Eigentlich ist da nichts eskaliert. Sie verträgt größtenteils offenbar berechtigte Kritik nicht und hat ihren Twitter Account deaktiviert, sozusagen als öffentlicher MicDrop. Was das mit Cancel Culture zu tun haben soll verstehe ich nicht...

Es geht offensichtlich nicht primär darum, wer für die Rolle (nicht) gecastet würde, sondern darum, wie Autismus in ihrem Film dargestellt wird und die Kritik ist deutlich und offenbar berechtigt.
https://autisticadvocacy.org/2021/02/di ... dangerous/
“MUSIC’s restraint scenes will undoubtedly cause harm to autistic people. Because many autistic people have experienced restraint, some will be traumatized by watching the film. The movie also irresponsibly suggests that people experiencing meltdowns should be restrained, which could not be further from the truth,” Tauna Szymanski, Executive Director of CommunicationFIRST, said of MUSIC, which received two Golden Globe Award nominations today. “By not removing the restraint scenes or even providing a warning, those behind the movie are promoting a traumatizing and potentially deadly form of restraint that is illegal in over 30 US states. We provided several concrete recommendations aimed at protecting people who may be imperiled by this film. We are saddened that the MUSIC team does not appear willing to take even the most basic precautions to mitigate the likely harm and deep trauma the movie may cause many nonspeaking and autistic people.”
https://www.smh.com.au/culture/movies/a ... 56tfl.html
https://www.nytimes.com/2021/02/11/movi ... klash.html
Many detractors say problems with the film are, as Hancock put it, “baked into its very DNA” because Music isn’t really at the center of “Music.” Instead, they say, it’s Zu who is given a complex narrative of growth and depth; Music merely serves as a catalyst to help Zu on her journey to become a better person. It’s “the idea that we’re not characters or people in our own right,” Hancock added, “but we exist in order to inspire the nondisabled people in our lives and, by extension, the audience.”
TLDR

Sie macht einen Film mit einer autistischen Protagonistin, die aber eigentlich nur ein Plot Device für einen anderen Charakter ist und castet dafür eine nicht autistische Schauspielerin. Die Darstellung wirkt nun auf viele wie eine Karikatur und das war, Trommelwirbel, selbst der jugendlichen Darstellerin klar, die von Sia überredet werden musste die Rolle so zu spielen. Ach ja, der Film zeigt auch Gewalt gegen seine autistische Protagonistin als Form der Therapie und Hilfe. Völlig überraschend sind Autisten nun über den Film nicht sehr begeistert und äußern Kritik...
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Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Rince81 hat geschrieben:
18. Feb 2021, 01:24
Was das mit Cancel Culture zu tun haben soll verstehe ich nicht...
Also "Cancel Culture" ist ein schwieriger Begriff, weil er ein politischer Kampfbegriff ist, der gerne aus der rechten bzw. "Anti-SJW"/Troll/Edgelord-Ecke im Internet kommt. Auch ich hab den wahrscheinlich in der Vergangenheit für zu vieles und zu oft benutzt und mir etwas unreflektiert angeeignet. Dahinter wird ja eine Art linksgrüne Verschwörung vermutet, die organisiert eine geistig-moralische Umerziehung durch Zensur erzwingen will.

Das ist natürlich reinstes Geschwurbel der untersten Sorte, mit dem ich nichts zu tun haben will.

Allerdings ist durchaus zu bemerken, dass es oft nicht mehr bei Kritik bleibt, die natürlich immer legitim ist, sondern auch immer öfter die Forderung damit verbunden wird etwas, das nach der eigenen Auffassung nicht genehm ist, zu "löschen" und in Zukunft zu unterlassen. Das baut natürlich Druck auf und in der heutigen Welt, wo für viele Unternehmen "Brand Safety" das wichtigste ist, wird auch immer häufiger reagiert.
Ich finde, dass das der Kunstfreiheit nicht gut tut und keine begrüßenswerte Entwicklung ist.

Und im Fall von "MUSIC" wird diese Grenze eben auch überschritten, nämlich hier:
Rince81 hat geschrieben:
18. Feb 2021, 01:24
https://autisticadvocacy.org/2021/02/di ... dangerous/
By not removing the restraint scenes or even providing a warning, those behind the movie are promoting a traumatizing and potentially deadly form of restraint that is illegal in over 30 US states.
Weder der Hinweis darauf, dass es in der realen Welt illegal ist (dann dürfte ich im Film auch niemanden mehr umbringen), noch die folgende Unterstellung, dass es zu realen Toden führen würde - in einem Ton, der das als erwiesen ansieht - reichen für so eine Forderung und damit einen Eingriff in die Integrität des Kunstwerks aus.

Ich habe den Film nicht gesehen, wie es wahrscheinlich - wie immer bei solchen Debatten -, die wenigsten getan haben. Ich weiß es nicht, aber wenn dieses falsche Verhalten im Film als richtig und positiv dargestellt wird, ist das natürlich grob fahrlässig und gehört schärfstens kritisiert und natürlich auch mit einem entsprechenden Disclaimer versehen.

Aber Zensur bzw. die Forderung danach - und ich weiß, dass das theoretisch der falsche Begriff ist, weil "Zensur" nach Definition vom Staat aus geht, aber ich gebrauche das im umgangssprachlichen Sinne - ist immer falsch.

Und bei Sia persönlich kann man die nächste Facette dieses Themenkomplexes erkennen. Denn sie ist natürlich nicht aus Trotz von Twitter geflohen, sondern weil sie massivst angefeindet wurde. Sie muss Angst haben, dass ihre Musikkarriere ebenfalls damit in Verbindung gebracht wird.
Sie hat sich zunächst klar falsch verhalten. Dann aber hat sie es eingesehen, sich entschuldigt, wird einen Disclaimer einfügen und sogar die heiklen Szenen entfernen. Aber das reicht nicht, es ging weiter bei ihr auf Twitter. Wenn jemand unangenehm ist, muss er komplett zerstört werden.

Dass Einsicht und Entschuldigung immer öfter nicht mehr zu Absolution führen, baut weiter Druck auf die Künstler auf. Es darf kein Fehltritt mehr passieren.
Rince81 hat geschrieben:
18. Feb 2021, 01:24
Sie macht einen Film mit einer autistischen Protagonistin, die aber eigentlich nur ein Plot Device für einen anderen Charakter ist und castet dafür eine nicht autistische Schauspielerin. Die Darstellung wirkt nun auf viele wie eine Karikatur und das war, Trommelwirbel, selbst der jugendlichen Darstellerin klar, die von Sia überredet werden musste die Rolle so zu spielen. Ach ja, der Film zeigt auch Gewalt gegen seine autistische Protagonistin als Form der Therapie und Hilfe. Völlig überraschend sind Autisten nun über den Film nicht sehr begeistert und äußern Kritik...
Was richtig und legitim ist.

Wobei auch die Forderungen, dass ein Autist nur von einem Autisten gespielt werden darf mir auch Bauchschmerzen bereitet.Weil bei Schauspiel geht es um Wandlung. Das ist auch so ein Thema, dass auch immer öfter in Bezug auf Transmenschen und Homosexuelle bezogen wird.

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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Rince81 »

Andreas29 hat geschrieben:
18. Feb 2021, 06:48
Dass Einsicht und Entschuldigung immer öfter nicht mehr zu Absolution führen, baut weiter Druck auf die Künstler auf. Es darf kein Fehltritt mehr passieren.
Ja, Kindern bringt man bei, dass alles wieder gut ist wenn sie sich entschuldigen - das sind aber auch Kinder. Die Annahme einer Entschuldigung unter Erwachsenen und eine entsprechende Absolution ist aber alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das hat imho entscheidend damit zu tun, für seine Aussagen und Handlungen auch Konsequenzen tragen zu müssen. Es gibt den schönen Satz, dass es mit einer Entschuldigung eben nicht getan ist. Warum sollte bei Künstlern andere Spielregeln gelten?
Weder der Hinweis darauf, dass es in der realen Welt illegal ist (dann dürfte ich im Film auch niemanden mehr umbringen), noch die folgende Unterstellung, dass es zu realen Toden führen würde - in einem Ton, der das als erwiesen ansieht - reichen für so eine Forderung und damit einen Eingriff in die Integrität des Kunstwerks aus.
Der Argumentation kann ich beim besten Willen nicht folgen. Nicht jede Entscheidung eines Filmemachers folgt einem tiefen künstlerischen Verständnis. Der Lackmustest ist doch, was will uns der Künstler damit sagen? Ein Tod im Film dient im Regelfall als Plot Device, als Strafe oder zur Charakterisierung eines Protagonisten und hat daher im Normalfall einen tieferen Sinn.
Was Sia machen möchte ist Autisten zu proträtieren, die "special abilities" haben wie sie selbst sagt - ich habe mir nach deinem Post ein Interview angesehen. Ihr Ziel ist eine positive Darstellung und nun kommen Autisten, die anscheinend nicht gefragt worden sind um die Ecke und stellen fest, dass sie SO nicht porträtiert werden wollen und diese Art der Darstellung ihrer Ansicht nach sogar (lebens)gefährlich ist. Das ist übrigens keine Unterstellung, dazu gibt es Untersuchungen. Dass solche Fixierungen während eines Anfalls zu Verletzungen und Todesfällen führen ist Fakt.
https://www.disabilityrightsca.org/syst ... 701801.pdf

https://nationalautismassociation.org/r ... ety-facts/
It’s estimated that over the last five years, more than 20 students, many with disabilities, have died due to seclusion and restraints being used in schools.[...]
Source: United States Government Accountability Office, Selected Cases of Death and Abuse at Public and Private Schools and Treatment Center (2009)
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Heretic
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Heretic »

Mich würde zuerst einmal interessieren, in welchem Kontext die umstrittene Szene steht. Wird das Fesseln wirklich als hilfreiches therapeutisches Mittel dargestellt, oder soll eher die Überforderung der betreuenden Person gezeigt werden? Ersteres wäre natürlich kritikwürdig. Ich wäre aber trotzdem dagegen, die Szene zu entfernen, da es sich um ein fiktives Werk und keine Dokumentation oder gar einen Lehrfilm handelt. Ein Musical sollte nunmal nicht als Anleitung für Handlungen in der realen Welt hergenommen werden. Wer das tut, der handelt unverantwortlicher als die Filmemacher, die in erster Linie ein Unterhaltungsprodukt abliefern wollen. Wenn sie zusätzlich auf bestehende Missstände hinweisen - umso besser. Ich unterstelle da erstmal keine schlechten Absichten, selbst wenn mir die Umsetzung nicht passen sollte.

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bluttrinker13
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von bluttrinker13 »

Du hast das mal wieder wirklich schön erklärt und ausgeführt, Rince.

Ich bezweifle nur, dass es überhaupt einen "shitstorm" gäbe, wenn jemand mit der Kritik so sachlich umgegangen wäre. Ich bezweifle auch, dass neben dem legitimen Interesse, seine Minderheiten-Klientel zu schützen, nicht noch ganz andere Interessen am Werk sind. Schnöde Machpolitik zum Beispiel, und Einflussnahme.

Und grundsätzlich habe ich immer ein Problem mit der imo schwachen, weil gefühlt einfach kategorienfehlerhaften, Prämisse, dass Hollywood-Produktionen (oder westliche Filmproduktionen allgemein) irgendetwas realitätsgetreu und wahrheitsgemäß, vielleicht auch sogar humanismusförderlich, darstellen können oder gar sollen. Ich finde den Anspruch haben und hatten sie nienicht und können sie auch gar nicht haben, das ist eine "Traumfabrik" die auf Realitätsverzerrung (aka -flucht) und Lügen aufgebaut ist. Sie sind meines Erachtens einfach die falschen Ansprechpartner für eine wirklich normative Diskussion, denn da gibt es keine Grundlage. Ich habe noch nicht eine psychische Störung in einer US-Produktion einigermaßen realistisch oder glaubwürdig oder auch nur humanistisch-respektvoll behandelt gesehen (Indie-Ausnahmen mag es geben). Ob nun Shutter Island, oder Mr. Robot, alles bullshit, aber eben unterhaltsam.

Jetzt kann man sagen: das ist scheisse, natürlich. Aber zu erwarten, dass dann die Filmindustrie hier umschwenken wird, ist gleichbedeutend mit einer Neuerfindung der Filmindustrie bzw der sprichwörtlichen bellenden Katze.

Das nur zur Erläuterung warum ich da immer eher ablehnend und kopfschüttelnd reagiere. Aber ich gucke auch kaum noch Filme.

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