Der allgemeine Film-Thread

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Andreas29
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Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Da es einen Thread speziell zu Filmen gibt, fehlt mir irgendwie einer, wo man über allgemeine Themen reden kann.

Also ich starte mal: Gal Gadot wurde zu Kleopatra gecastet und es gibt gerade den erwarteten Shitstorm, weil sie nicht der "richtigen" Ethnie entstammt.

https://www.radiohamburg.de/aktuelles/k ... 57975.html

Ebenso: Nachdem DC angekündigt hat gerne einen Batman-Film zu machen, in dem alle bisherigen Darsteller in einem Multiversum mitspielen - also Ben Affleck, Christian Bale und Michael Keaton - hat Marvel nachegzogen und möchte das mit Spiderman ebenso machen - also zu Tom Holland noch Andrew Garfield und Toby Maguire in den nächsten Film packen.

https://hypebeast.com/2020/10/tobey-mag ... lains-info

Was ist davon zu halten? Und wird man irgendwann auch mal die DC- und Marveluniversen filmisch mischen?

Hinzu kommt noch, dass es dem Kino derzeit durch Corona sehr schlecht geht und viele Blockbuster immer und immer weiter verschoben werden und es den Betreibern der Kinos dadurch noch schwerer fällt die Läden am laufen zu halten.

Also es geht einiges ab. Discuss!

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LegendaryAndre
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von LegendaryAndre »

Andreas29 hat geschrieben:
14. Okt 2020, 08:58
Da es einen Thread speziell zu Filmen gibt, fehlt mir irgendwie einer, wo man über allgemeine Themen reden kann.

...

Also es geht einiges ab. Discuss!
Gute Idee mit dem allgemeinen Film-Thread!

Ich kann die Kritik an Gal Gadot als Kleopatra verstehen, halte sie aber für unangebracht, weil das mit entsprechender "Kosmetik" sicher kein Problem sein sollte.

Über die Rückkehr von Tobey Maguire als Spiderman würde ich mich freuen, aber auf den Auftritt aller Schauspieler in einem Film könnte ich verzichten. Solche Crossover waren mir auch in den Comics schon zu viel. Sie sind vielleicht cool, aber meistens nicht gut.

Etwas anderes ist der geplante Auftritt von Michael Keaton im neuen Batman-Film neben Robert Pattinson als jüngerer Batman. Gut erzählt könnte das vielleicht funktionieren.

Ich hoffe nicht dass sie jetzt daraus den Film mit allen Batmans machen. Aber wenn schon alle Batmans in einem Film auftauchen, dann bitte auch Adam West in digitaler Form! Das wäre wenigstens herrlich trashig. ;)

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XfrogX
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von XfrogX »

Ob man das macht weil der Spiderman Animationsfilm so gut angekommen ist?
Also genau das als zentrales Element nehmen will, oder wird man sie einfach mal kurz zeigen und gut ist? Den das erste ist echt schwierig gut umzusetzen und glaube noch schwieriger ins mcu einzubauen.
Aber das zweite ist einfach billig.

Ich bin gespannt.

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bluttrinker13
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von bluttrinker13 »

@Gal Gadot: Wieder mal ein shitstorm der keiner ist, und nur zeigt wie ungebildet und parteiisch die Hater sind. Rolleyes! :roll:
(vlg. Ptolemäer, https://de.wikipedia.org/wiki/Ptolem%C3%A4er, zu deren Haus auch jene Kleopatra gehörte)

@Coronakrise: Ich leide ja heftigst darunter, dass sie Dune verschoben haben. Und auch noch so weit, Herbst 2021! :cry:
Irgendwie fürchte ich, dass es bis dahin keine ausreichende "Auswertungsinfrastruktur", sprich Kinos, geben könnte, um diesem sicherlich teuren Film seine Refinanzierung und den zweiten Teil zu ermöglichen.
Mag irrational sein...

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

LegendaryAndre hat geschrieben:
14. Okt 2020, 10:18
Ich kann die Kritik an Gal Gadot als Kleopatra verstehen, halte sie aber für unangebracht, weil das mit entsprechender "Kosmetik" sicher kein Problem sein sollte.
Nun die Sache mit Gal Gadot hat mehrere Ebenen. Zum einen wäre da die Kritik am typischen Hollywood-Whitewashing, das gerade bei Kleopatra auf die Spitze getrieben wurde bisher. Und egal wie man es dreht und wendet, weiß war Kleopatra sicherlich nicht. Von mediterranen Teint bis zur Dunkelhäutigkeit darf allerdings leider gerade jeder etwas behaupten, weil sich selbst Ägyptologen nicht sicher sind. Deswegen spaltet sich das auch in drei Lager: Eines möchte eine arabische Schauspielerin, die anderen eine griechische und wieder andere eine schwarze.

Es geht hier also mittlerweile deutlich ins Absurde.

Dann hat das noch eine politische Dimension, weswegen man im Twitter-Shitstorm auch sehr gerne mal den Palästinakonflikt liest. Gal Gadot gilt für viele als "Zionistin" und ja... auch antisemitische Kritiker mischen sich darunter. Gal Gadot hat in Israel den Wehrdienst abgeleistet während es mit Gaza Konflikte gab. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass sie an Kampfeinsätzen gegen Palästinenser beteiligt war. Andere Nachrichten lauten, sie sei zu der Zeit "nur" Combat Instructor gewesen. Fakt ist, dass sie sich öffentlich immer klar auf der Seite Israels positioniert und zu den umstrittensten Praktiken, z.B dem Siedlungsbau schweigt.

Viele Menschen sehen es als ultimative Provokation gegen Araber und den Islam (warum auch immer) an, dass sie als Israelitin eine ägyptische Ikone spielt.

Und dazu kommt nochmal, dass Israel und Ägypten selbst auch keine rosige Vergangenheit haben... Stichwort Suezkrieg.

Also von gut gemeinter aber etwas undurchsichtiger Identitätspolitik bis zur hochbrisanten Weltpolitik ist da alles dabei. Ein interessantes Anschauungsbeispiel.

Ich glaube übrigens nicht, dass Gal Gadot das durchhält. Sie wird NICHT Kleopatra spielen.

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LegendaryAndre
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von LegendaryAndre »

Andreas29 hat geschrieben:
15. Okt 2020, 11:30
Nun die Sache mit Gal Gadot hat mehrere Ebenen. Zum einen wäre da die Kritik am typischen Hollywood-Whitewashing, das gerade bei Kleopatra auf die Spitze getrieben wurde bisher. Und egal wie man es dreht und wendet, weiß war Kleopatra sicherlich nicht. Von mediterranen Teint bis zur Dunkelhäutigkeit darf allerdings leider gerade jeder etwas behaupten, weil sich selbst Ägyptologen nicht sicher sind. Deswegen spaltet sich das auch in drei Lager: Eines möchte eine arabische Schauspielerin, die anderen eine griechische und wieder andere eine schwarze.

Es geht hier also mittlerweile deutlich ins Absurde.

....

Ich glaube übrigens nicht, dass Gal Gadot das durchhält. Sie wird NICHT Kleopatra spielen.
Danke für die interessante Erläuterung! Ich hoffe dass sich die Lage beruhigt und sie dennoch Kleopatra spielt. Sie ist eine gute Schauspielerin, die ich lieber in dieser Rolle sehen würde als eine Unbekannte mit weniger Talent.

Eigentlich sollte es egal sein, welcher Ethnie jemand angehört, solange die Darstellung glaubwürdig und es optisch richtig darstellbar ist. Es wird schwierig wenn ein Weißer eine historische Figur darstellen soll, die dunkelhäutig ist, aber ich denke Gal Gadot als Kleopatra könnte man so schminken, dass man es nicht / kaum sieht.

Die Diskussion der Leute darüber ist aus meiner Sicht unreif, denn Gal Gadot ist als Isrealitin nicht für das verantwortlich was Angehörige ihres Volkes in der Vergangenheit getan haben. Sie ist eine Schauspielerin, die dazu in der Lage ist Kleopatra zu spielen und die man auch optisch glaubwürdig darstellen kann (natürlich nicht dunkelhäutig, aber das ist ja eine andere Diskussion mit historischem Bezug). Das allein sollte eigentlich genügen.

meieiro
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von meieiro »

LegendaryAndre hat geschrieben:
15. Okt 2020, 13:48
Danke für die interessante Erläuterung! Ich hoffe dass sich die Lage beruhigt und sie dennoch Kleopatra spielt. Sie ist eine gute Schauspielerin, die ich lieber in dieser Rolle sehen würde als eine Unbekannte mit weniger Talent.

Eigentlich sollte es egal sein, welcher Ethnie jemand angehört, solange die Darstellung glaubwürdig und es optisch richtig darstellbar ist. Es wird schwierig wenn ein Weißer eine historische Figur darstellen soll, die dunkelhäutig ist, aber ich denke Gal Gadot als Kleopatra könnte man so schminken, dass man es nicht / kaum sieht.
Das Problem ist aber, wenn solche Rollen auch von hellhäutigen Schauspielerinnen gespielt werden, was bleibt dann noch für ägyptisch, arabisch oder sonstige Schauspielerinnen. Ich kann ja gar nicht wissen, ob die weniger Talent haben, wenn ich sie gar nicht besetze.

In dem vorliegenden Fall ist das meiner Meinung nach etwas schwieriger, weil die Abstammung von Kleopatra anscheinend ja nicht hundert prozentig verbrieft ist.

Es halt nicht das erste Mal das das passiert. Ich erinnere nur an Gods of Egypt, wo ein Däne und ein Schotte als Ägypter gecastet wurden.

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Heretic
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Heretic »

meieiro hat geschrieben:
16. Okt 2020, 11:28
Das Problem ist aber, wenn solche Rollen auch von hellhäutigen Schauspielerinnen gespielt werden, was bleibt dann noch für ägyptisch, arabisch oder sonstige Schauspielerinnen. Ich kann ja gar nicht wissen, ob die weniger Talent haben, wenn ich sie gar nicht besetze.
Ich vermute mal, dass man unbedingt einen bekannten Namen will, um die Leute ins Kino (oder aktuell eher zu den Streamingdiensten :ugly: ) zu locken. Gal Gadot hat inzwischen einen ordentlichen Bekanntheitsgrad. Aber Schauspieler aus Ägypten? Da fällt mir spontan nur Omar Sharif ein... :think:

Ich finde es schon richtig, dass man Rollen auch die Ethnie betreffend passend besetzt. Man sollte dabei aber nicht päpstlicher als der Papst sein. Eine Charlize Theron als Kleopatra fände ich unpassend, obwohl man sie optisch bestimmt hinbekäme und sie die Rolle garantiert spielen könnte. Eine Gal Gadot passt da viel besser. Da finde ich es nicht so wichtig, dass sie nicht aus Ägypten stammt.

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bluttrinker13
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von bluttrinker13 »

Mal anders gefragt, hätten wir denn ein Problem damit, wenn Bismarck von meinetwegen Gerard Depardieu gespielt werden würde?

Also ich nicht. Obwohl ich Bismarck für eine zentrale und interessante Figur deutscher Geschichte halte.

Ich finde in diese "historischen" Filme werden Normen hineininterpretiert, die in dem Medium kaum Anwendung finden. Hollywood ist weiterhin ein (wahrscheinlich ziemlich inzestuöses) Business wo man gewisse selling points als Schauspieler mitbringen muss, und Beziehungen, um dort Fuß zu fassen. Omar Sharif und Rami Malek, jetzt mal als Bsp für ägyptischstämmige berühmte Schauspieler, haben das geschafft, aber eben nicht zufällig auch weil sie gleich in Los Angeles (bspw Malek) geboren wurden / gelebt haben / sich ins Business hineingewurschtelt haben. Mit Gal Gadot sicherlich ähnlich. Sie wird die richtigen Beziehungen haben, das Aussehen passt auch einigermaßen (nicht alle "Südländer" sind dunkelhäutig, vgl. Afghanistan, vgl. Bramanenkaste in Indien), das Talent hat sie. Das gerade die Ägypter das als politischen Affront empfinden, durch ihre langjährige Feindschaft mit Israel, ist nachvollziehbar. Aber warum sollte dieser Affront denn für ein Hollywoodstudio, so wie es funktioniert, und den Rest der Welt, der solche Filme gern guckt, relevant sein? Hollywood (Bzw. Filmstudios) ist ja nur wahrlich nicht als spreader von Gleichberechtigung und Diversität bekannt, oder als ehrenamtliche Repräsentationsinstanz ethnischer Vielfalt. Das ist ein Sündenpfuhl wo es um Geld und schönen Schein geht! (vgl. Mulan)

Lauert hier nicht eher eine Stellvertreterdiskussion bzw. ein moralistischer Fehlschluss?

Edit: Im übrigen kann man sich auch mal kritisch mit der Frage beschäftigen, inwieweit man es eigentlich rechtfertigen kann, dass einem eine gewisse historische Figur, vor allem eine des Altertums, national oder ethnisch "gehört", fast wie eine trademark, wo man sich, wenn man sie künstlerisch verarbeiten will, erst die "Rechte sichern" muss.

Edit 2: @Dicker, genau, sehe ich auch so. Der heutige Ägypter ist in erster Linie Moslem (Kopten als Minderheit jetzt mal außen vor gelassen), dieses Selbst-Verständnis und die Hingabe zu dieser Religion füllt (erfahrungsgemäß) den Alltag aus. Das hat wenig mit dem Alltag und dem Selbstverständnis der alter Ägypter, geschweige denn der Ptolemäer zu tun, allein schon weil die eben lange vor dem Propheten lebten.
Zuletzt geändert von bluttrinker13 am 16. Okt 2020, 13:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Dicker
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Dicker »

Vor allem hat das Ägypten von vor 2000 Jahren nichts mehr mit dem Ägypten heute zu tun, bis auf die geographische Lage. Was eine sinnlose Debatte, ich kann da echt nur den Kopf schütteln über unsere heutige Empörungsgesellschaft.

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LegendaryAndre
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von LegendaryAndre »

meieiro hat geschrieben:
16. Okt 2020, 11:28
Das Problem ist aber, wenn solche Rollen auch von hellhäutigen Schauspielerinnen gespielt werden, was bleibt dann noch für ägyptisch, arabisch oder sonstige Schauspielerinnen. Ich kann ja gar nicht wissen, ob die weniger Talent haben, wenn ich sie gar nicht besetze.
Im Idealfall wäre das Casting fair und eine talentierte Person würde wegen ihres Talents passend zur Ethnie engagiert werden. Ich sehe es im Grunde genommen so wie Heretic:
Heretic hat geschrieben:
16. Okt 2020, 11:53
Ich finde es schon richtig, dass man Rollen auch die Ethnie betreffend passend besetzt. Man sollte dabei aber nicht päpstlicher als der Papst sein. Eine Charlize Theron als Kleopatra fände ich unpassend, obwohl man sie optisch bestimmt hinbekäme und sie die Rolle garantiert spielen könnte. Eine Gal Gadot passt da viel besser. Da finde ich es nicht so wichtig, dass sie nicht aus Ägypten stammt.
Dabei würde mich eigentlich interessieren wie die Filmindustrie in Ägypten, Arabien oder anderen Ländern eigentlich so aussieht. Davon habe zumindest ich kaum etwas mitbekommen.
meieiro hat geschrieben:
16. Okt 2020, 11:28
In dem vorliegenden Fall ist das meiner Meinung nach etwas schwieriger, weil die Abstammung von Kleopatra anscheinend ja nicht hundert prozentig verbrieft ist.
Ja, das stimmt.

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XfrogX
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von XfrogX »

Oftmals kommt aber am Ende bei sowas ja doch kein Werk raus wo es die vermeintlich unschlagbare Schauspielkunst nun wirklich den Unterschied macht.

Und dann ist mir mittlerweile echt lieber man hat Personen aus der realistischen Ethnie, als den großen Star.

Wenn man ehrlich wäre müsste man wohl sagen, es liegt vorallem am Werbeeffekt warum diese Entscheidungen getroffen werden und nur sehr gering am Handwerk.

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Jon Zen
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Jon Zen »

Andreas29 hat geschrieben:
15. Okt 2020, 11:30
Viele Menschen sehen es als ultimative Provokation gegen Araber und den Islam (warum auch immer) an, dass sie als Israelitin eine ägyptische Ikone spielt.
Die Welt wäre ein ganzes Stück besser, wäre das nicht mehr der Fall...

Die Bildung von nationalen Ikonen hat für zahlreiches Leid gesorgt (vgl. "Herrmann der Cherusker" für Deutschland, oder "Vercingetorix" für Frankreich). Der Nationalismus, der durch nationale Ikonen gestärkt wurde, war eine der Ursachen für die beiden Weltkriege und die Schoah.

Ägyptische Experten für Kleopatra können gerne ihr Wissen für ein besseres Verständnis der Person und damaligen Kultur in die Diskussion einfließen lassen. Aber die Beachtung von populistischen Aggressoren sollte man für die historische Betrachtung (und die Besetzung für einen Film) ignorieren, am besten von geeigneten Stellen zurückweisen (z.B. von ägyptischen Historikern). Leider ist das heutige Ägypten keine Demokratie und nutzt den Nationalismus, um seine autoritäre Regierung am Leben erhalten.

Wahrscheinlich liest man es aus meinem Text schon heraus, aber ich sehe "historische" Filme zu Helden & Ikonen immer ein wenig kritisch, weil sie meistens zur Verzerrung der Tatsachen beitragen, oder eine starke Interpretation der Personen darstellen, die Menschen für wahr halten.

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XfrogX
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von XfrogX »

Ich glaube zwischen wir hätten gerne das „jemand“ mit dem passenden Hintergrund eine Rolle spielt, was oftmals sogar eine Forderung ist die nicht nur aus dem Land kommt und das formen von nationalen Idolen ist doch noch ein geoßer Unterschiede.

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bluttrinker13
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von bluttrinker13 »

XfrogX hat geschrieben:
20. Okt 2020, 12:16
Ich glaube zwischen wir hätten gerne das „jemand“ mit dem passenden Hintergrund eine Rolle spielt, was oftmals sogar eine Forderung ist die nicht nur aus dem Land kommt und das formen von nationalen Idolen ist doch noch ein geoßer Unterschiede.
Ich weiß was du meinst, finde das aber eher weniger. Denn, der "passende Hintergrund" ist ja schon nicht faktenbasiert, sondern projeziert ja bereits lauter (auch politische) Einstellungen über das, was passend ist oder sein soll.

Bsp Kleopatra aus dem Geschlecht der Ptolemäer. Arabische Herkunft passt hier faktisch genausowenig, wie muslimischen Glaubens. Auch dunkelhäutig muss nicht zwingend sein (siehe die Diskussionen oben).
Wer sagt denn, dass die Ptolemäer sich später nicht irgendwie auch mit Mitgliedern dort in derselben Region nunmal ansässiger jüdischer Gemeinden sexuell eingelassen und Nachkommen gezeugt haben, und Gal Gadot genetisch zu einem gewissen Anteil Nachfahrin des Ptolemäer-Geschlechts ist? Unplausibel, aber unmöglich keineswegs.

Überhaupt wäre das lustigerweise ja das faktenbasierteste historische Casting überhaupt, wer es spielen will, muss einen Genanteil der historischen Figur haben. Bei Dschingis wäre das sogar recht einfach. Lol, nicht ganz ernst gemeint, hope you catch my drift. ;)

Ich finde, hier sollte man sich weiterhin auf die Kunstfreiheit zurückziehen. Passend ist, wen die Macher (und die Geldgeber, mind you) als passend einschätzen für das anvisierte Produkt.

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DexterKane
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von DexterKane »

Der Ansatz ist sicherlich ehrbahr, geht aber leider völlig an der Realität vorbei.
So denkt Hollywood nicht.

Kleopatra ist ein Monumentalschinken, sprich 150-200 Mio. Budget und nchmal mindestens das gleiche an Marketing.
Um auch nur Mittelfristig profitabel zu sein, muss so ein Film 800+ Mio. Boxoffice bringen, heißt man muss massiv "butts in seats" bringen.

Und wie die Metriken bestätigen, eine solche Menge holst Du entweder über das Franchise (der neue MCU Film, fällt hier weg) oder Starpower.
Es ist nun mal immer noch so, dass der neue Hanks, DiCaprio, Cruise Film automatisch Aufmerksamkeit generiert und potentiell besser abschneidet.

Und Gadot ist nun mal Wonder Woman. Egal was man von den Filmen hällt, nenn mir eine ägyptische Schauspielerin in dem Alter, die auch nur ansatzweise ihren Bekanntheitsgrad hat. Der Casting Director, der bei einem solchen Mammutprojekt jemand unbekannten besetzt ist entweder sofort seinen Job los (weil er unnötige Risiken eingeht), oder aber spätestens, wenn der Film underperformt.

Floppt der Film mit Gadot kann er sagen: "Hey, nach Metriken hab ich alles richtig gemacht. Ärgerlich, aber passiert." Und der Studioboss wird nicht viel sagen können, weil der CD "recht" hat. Besetzt er irgendeinen "Niemand" ist er nicht nur seinen Job los, sondern bekommt auch nie wieder einen und zwar aus Sicht der Anteilseigner durchaus zurecht, sein Job ist schließlich dafür zu sorgen, dass der Film möglichst erfolgreich ist.

Etwas anderes vom Mainstreamkino zu erwarten halte ich für, gelinde gesagt, naiv.
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bluttrinker13
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von bluttrinker13 »

DexterKane hat geschrieben:
20. Okt 2020, 13:27
Der Ansatz ist sicherlich ehrbahr, geht aber leider völlig an der Realität vorbei.
So denkt Hollywood nicht.
...

Etwas anderes vom Mainstreamkino zu erwarten halte ich für, gelinde gesagt, naiv.
Nicht sicher, ob ich damit gemeint war, aber da stimmen wir komplett überein, dafür hatte ich oben auch schon argumentiert.
:D

Edit: Ok, thx für die Klärung. Und, wie ich finde, sehr schön veranschaulicht, dass mit dem Casting alleine. :clap:
Zuletzt geändert von bluttrinker13 am 20. Okt 2020, 14:22, insgesamt 1-mal geändert.

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DexterKane
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von DexterKane »

bluttrinker13 hat geschrieben:
20. Okt 2020, 13:59
DexterKane hat geschrieben:
20. Okt 2020, 13:27
Der Ansatz ist sicherlich ehrbahr, geht aber leider völlig an der Realität vorbei.
So denkt Hollywood nicht.
...

Etwas anderes vom Mainstreamkino zu erwarten halte ich für, gelinde gesagt, naiv.
Nicht sicher, ob ich damit gemeint war, aber da stimmen wir komplett überein, dafür hatte ich oben auch schon argumentiert.
:D
Nein, ich bezog mich auf die gesamte Argumentation. Dass Du eine ähnliche Meinung hast, hatte ich schon mitgekriegt. :)
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Taro
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Taro »

DexterKane hat geschrieben:
20. Okt 2020, 13:27
Der Ansatz ist sicherlich ehrbahr, geht aber leider völlig an der Realität vorbei.
So denkt Hollywood nicht.


...
Zum Glück habe ich den Thread noch weitergelesen, bevor ich selbst was zu Thema geschrieben habe.^^

Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, bei einem Hollywood-Blockbuster jemand unbekannten für die Hauptrolle zu casten wäre nichts anderes als wirtschaftlicher Selbstmord, Stichwort "John Carter".

EDIT:

Das Einzige mit dem sich so etwas bewerkstelligen ließe wäre vielleicht virales Marketing, aber das hat erstens keine Erfolgsgarantie und wäre zweitens für einen Film wie Kleopatra IMO eher ungeeignet.

Andreas29
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Re: Der allgemeine Film-Thread

Beitrag von Andreas29 »

Ich glaube es wird sich jeder ziemlich schnell einig, was die Motive bei solchen Besetzungen in Hollywood ist... Geld natürlich. Ist doch eine Binsenweisheit.

Nur wird hinterfragt, ob das nicht bereits Teil eines Systems ist, dass so Rassismus und Sexismus produziert hat und produziert.

Ist es kein Rassismus, wenn die Antwort auf die Frage, welche Besetzung die meisten Zuschauer und das meiste Geld anzieht in 90% der Fälle ein weißer Mann ist? Und auch heute noch sehr viel öfter ein Mann als eine Frau?

Hollywood ist ein System, in dem über Jahrzehnte weiße Männer die Stars waren und wenn man ehrlich ist auch trotz aller Bemühungen auch heute sind. Und das hat sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachweislich aus rassistischen Motiven so entwickelt.

Die "Geldfrage" sollte man meiner Meinung nach nicht als Naturgesetz hinnehmen.

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