Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

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Dr. Zoidberg [np]
Cronjob of Justice
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Andreas29 hat geschrieben:
30. Apr 2021, 16:41
Låt den rätte komma in (So finster die Nacht)
2008; Regisseur: Tomas Alfredson; SchauspielerInnen: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar; Genre: Mysterydrama
Den habe ich tatsächlich seinerzeit im Kino gesehen :D Der Saal war allerdings so klein, dass mein damaliger Chef, der mit dabei war und der sich zu der Zeit bereits ein HD-Heimkino mit Leinwand aufgebaut hatte nur meinte: "Das ist ja kleiner als mein Wohnzimmer!" :lol:

Toller Film, bei dem ich tatsächlich eher Angst vor der US-Version habe

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Antichrist (Rewatch)
2009; Regisseur: Lars von Trier; SchauspielerInnen: Charlotte Gainsbourg, Willem Dafoe; Genre: Drama

Während ein Pärchen leidenschaftlichen Sex hat, klettert ihr Kind aus dem Bett und macht sich auf dem Weg zu einem offen stehenden Fenster. Es kommt wie es kommen muss und der Junge fällt in den Tod. Auf der Beerdigung bricht die Mutter zusammen und muss ins Krankenhaus. Sie kommt mit der Trauer durch den Verlust ihres Kindes überhaupt nicht zurecht - auch nach Wochen. Der Mann, der selber Psychotherapeut ist, ist mit der Behandlung der Frau unzufrieden und beschließt sie selbst zu therapieren. Für eine Konfrontationstherapie gehen sie in ihre Waldhütte, wo die Mutter den letzten Sommer mit ihrem Sohn verbracht hat.

Mal wieder ein mieser Film von Lars von Trier. Nicht mies aus qualitativer Sicht, sondern aus emotionaler und menschlicher. Ich kann hier vieles von dem wiederholen, was ich bereits vor ein paar Wochen zu "Dancer in the Dark" geschrieben habe: Er ist einfach ein Pessimist und konzentriert sich in seiner Arbeit stets auf die schlechten und schattigen Seiten des Lebens. Hier also nun Verlust und Trauer.
"Antichrist" war ein ziemlicher Skandalfilm als er 2009 der Fachpresse vorgestellt wurde. Denn er schreckt nicht vor sehr expliziter Nacktheit und sehr unangenehmer Gewalt zurück. In Cannes haben mal wieder einige Journalisten den Saal verlassen, was von Trier sicherlich erneut eher als Ritterschlag empfunden hat. Ich weiß nicht, ob ich mittlerweile einfach zu abgehärtet bin, aber ich muss sagen, dass ich das in einen Rahmen empfunden habe, der gut ertragbar war. Für den Durchschnittszuschauer mag das jedoch schon eine gewisse Zumutung sein. Und so gab es im Jahr seines Erscheinens immer wieder Berichte, dass Zuschauer aus dem Kino gerannt wären. Meine Frage ist da wie immer, ob man sich auch als normaler Kinozuschauer nicht wenigstens etwas über den Film – z.B. einen Trailer – und das bisherige Werk des Regisseurs informieren kann.
Wen man als erstes Loben muss, wenn es um "Antichrist" geht, sind Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe. Der Schmerz, die Verzweiflung und die Wut der Frau und der Versuch des Ehemanns wieder Lebensfreude bei ihr zu wecken und zu helfen, ist alles auf den Punkt gespielt. Willem Dafoe war und ist immer einer meiner Lieblingsschauspieler gewesen und das, was er hier mit seiner weiblichen Drehpartnerin abliefert, ist echt klasse. Und das muss es auch sein, denn es wird sich nur auf sie konzentriert. Wie in Lars von Triers späteren Werk "Nymphomaniac" haben hier übrigens Bodydouble die sehr expliziten Aufnahmen gespielt. Besonders Charlotte Gainsbourg ist an einigen stellen aber trotzdem sehr mutig.
Abseits der Schockszenen ist das sehr ruhig und spröde und besteht quasi nur aus Dialogen. Man muss sich da nichts vormachen und auch nichts anderes erwarten: Der Streifen spielt zu 80% in und um einer Hütte im Wald und dort reden zwei Menschen miteinander oder laufen bedeutungsschwanger umher. Dafür muss man offen sein.
Allerdings wird das immer ganz punktuell angereichert mit sehr symbolischen, metaphorischen und manchmal surrealen Motiven und das erzeugt eine ziemlich aufgeladene und unangenehme Atmosphäre, die verbildlichen soll, dass wir hier eine Liebe und Beziehung sehen, die durch eine Tragödie zutiefst erschüttert wird.
Wie der Titel schon verrät, gibt es hier allerlei religiöse Bezüge. Auch hier muss ich wieder den Disclaimer machen, dass ich absolut nicht bibelfest bin und ich bei solchen Filmen immer Angst habe einige Aussagen in dieser Richtung zu verpassen. Aber man kann vieles trotzdem aus dem Kontext erschließen, auch wenn man nicht sonntags brav in die Kirche geht.
WAS "Antichrist" nun letztlich Aussagen will ist schwer zu beschreiben. Man würde zuviel vorwegnehmen, denn das kann einen durchaus überraschen, wenn man vorher nicht weiß in welche Richtung es geht.
Was man allgemein sagen kann ist, dass es um die Conditio humana geht... oder besser gesagt um die der Frau an sich. Dass das mit Lars von Trier ein männlicher Regisseur macht, wurde ihm teilweise übel genommen. Einige KritikerInnen halten das für frauenfeindlich. Und ich verstehe auch, warum man darauf kommen kann. Persönlich finde ich aber, dass man dem Werk ein bisschen auf den Leim geht, da es einen zur Überinterpretation anregt. Ich glaube gar nicht, dass hier so allgemeine Aussagen getroffen werden sollen, sondern es vor allem darum geht, wie der Mensch in Extremsituationen handelt: Um Rationalität vs. Irrationalität in diesem Moment, um Aggression, Sex und Gewalt als Ventil und Selbstbestrafung.
Es ist irgendwie schwer echte Kritikpunkte zu finden. Der Film ist – wenn man auf diese Art steht – ziemlich gut. Das, was er machen und erreichen will, tut er. Nur mich konnte er irgendwie emotional nicht ganz erreichen. Ich habe keine Kinder und vielleicht liegt es daran. Väter und Mütter habe ich schon sagen hören, dass sie "Antichrist" nicht ertragen können. Außerdem bin ich der Meinung, dass es bessere Werke über Trauer und Verlust gibt, beispielsweise "Manchester by the Sea", "A Single Man", "Three Billboars outside Ebbing Missouri" oder auch "Midsommar". Klar, "Antichrist" ist böser, sperriger, schonungsloser und konsequenter; die anderen Vertreter sind für meine Begriffe allerdings pointierter. Und ich reagiere halt nicht so stark auf die Schockszenen, was für viele Fans von Lars von Trier auch ein Qualitätsmerkmal ist - hier für mich eben nicht.
Also wer sich mal etwas runterziehen will, das sehr kompetent geschauspielert dargeboten bekommen möchte und kein Problem mit nackter Haut, Gewalt und Leid hat, der darf gerne zuschlagen.

3,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/antichrist/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ftsx69_jrwk
Zuletzt geändert von Andreas29 am 5. Mai 2021, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Ich rekapituliere mal meine inzwischen 11 Jahre alten ( :shock: ) Ansichten zum Film aus einem anderen Forum:

"Antichrist" ist ein bedrückend derbes Kammerspiel, in das sich verdammt viel hineininterpretieren lässt. Verlustangst, Unterdrückung, Geschlechterrollen, das Wesen der Natur bis hin zum Hexenwahn - all das kann man in den düsteren, aber zu jeder Zeit visuell beeindruckenden Bildern entdecken. Dieser Film ist ein verdammt harter Brocken, selbst für von Triers Verhältnisse. [...] Ein Film, der auf Nachvollziehbarkeit scheißt ('tschuldigung :D). Es geht vielmehr ums große Ganze: Machtspielchen zwischen Mann und Frau, die Grausamkeit der Natur, die Abwesenheit von Gott in derselben - man kann so vieles in diesen Film hineininterpretieren, dass es eine wahre Freude ist. Chaos reigns!

Mein Hauptkritikpunkt wäre, dass es von Trier mit der Symbolik teilweise auf die Spitze treibt. Aber sie passt irgendwie zu diesem auf Film gebannten Tritt in die Kauleiste. "Antichrist" hätte wohl auch ohne die Gewaltspitzen funktioniert, aber ich finde es gut, dass von Trier seine Zuschauer nicht schont und die volle Härte auffährt, die seiner Meinung nach notwendig ist. Ich denke jedenfalls nicht, dass er es aus purer Lust an der Provokation tut.

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Moebius
2013; Regisseur: Kim Ki-duk; DarstellerInnen: Cho Jae-hyun, Lee Na-ra, Kim Jae-hong; Genre: Drama

Ein Mann betrügt seine Frau mit der Verkäuferin eines kleinen Kiosks, was diese jedoch leider mitbekommt. In ihrer Wut will sie ihrem Mann das Gemächt abschneiden, dem es aber gelingt das abzuwenden. Dann geht sie eben zum gemeinsamen Sohn und schneidet diesem den Penis ab, kaut auf diesen ein bisschen rum und nimmt danach Reißaus. Vater und Sohn müssen alleine mit den Folgen leben...

Und ja meine Damen und Herren: Das passiert in den ersten 10 Minuten und ist bei weitem nicht das Verrückteste, was in diesem Film passiert. Aber zunächst einmal generell: Nachdem ich die essentiellen Werke von Park Chan-wook und Bong Joon-ho gesehen habe, war ich gespannt darauf, was es denn sonst noch so alles aus Südkorea gibt. Hier im Forum wurde dann ja der im Dezember letzten Jahres an Corona verstorbene Kim Ki-duk genannt und ich habe gleich mal seine Werke recherchiert. Drei sind auf der Streamingseite "Mubi" zu finden – nein, ich bekomme wirklich kein Geld dafür – verfügbar und so habe ich gleich mal zugeschlagen und mit "Moebius" begonnen. Und damit gleich mal ein Werk ausgesucht, das wahnsinnig schwer zu rezensieren ist, denn alles was es ausmacht ist die Überraschung wie abgefahren und weit man es im Verlauf so treibt. Man kann schwammig sagen, dass das ein Werk der Grenzüberschreitung ist. Es ist sehr provokant und ich kann mir gut vorstellen, dass das einer dieser 50/50-Filme ist: Entweder du liebst ihn oder hältst ihn für totalen Müll. Die Spreu wird sich alleine schon vom Weizen trennen, weil hier kein einziges Wort gesagt wird. Die Schauspieler bleiben komplett stumm. Das ist durchaus interessant, denn manchmal hat man das Gefühl, dass jetzt etwas gesagt werden muss, aber es kommt einfach nichts. Andere Male hat man das Gefühl, dass um die Dialoge herumgeschnitten wird. "Moebius" meistert dabei, dass man trotzdem alles versteht. Das hat man vor allem den ausdrucksstarken Schauspielern zu verdanken. Natürlich ist der ein oder andere Gesichtsausdruck oder die ein oder andere Geste mal etwas sehr deutlich wie in einem Theaterstück, aber diesen Kompromiss muss man wohl eingehen. Hinter die Intention des Ganzen bin ich nicht ganz gestiegen. Vielleicht ist es nur ein Gimmick um möglichst künstlerisch zu wirken; vielleicht spiegelt es die Sprachlosigkeit der Zuseher ob der gezeigten Ereignisse wieder; vielleicht die der Protagonisten selbst; vielleicht will es aufzeigen, dass diese dysfunktionale Familie und Menschen allgemein zu wenig über ihre Probleme reden. Oder aber auch, dass man über die Dinge, die im Streifen (besonders im sexuellen Bereich) passieren eben nicht spricht - nicht mal in der Familie.
Diese Frage, ob man wirklich einen tieferen Sinn erkennen soll oder hier einfach nur mal jemand richtig freidrehen wollte, stellt man sich auch bei der Handlung. Wie ich bereits erwähnt habe, will ich hier nichts verraten. Wenn dann nur, dass es auch im weiteren gesamten Film um den Phallus geht. Natürlich kann man da etwas interpretieren, wenn man will: Es geht um Treue, Eifersucht, Familie, Rache, Schuld, Verantwortung - aber auch um Lust und Befriedigung. Und eben die heikle Vermischung davon. Wenn man ganz tief bohrt, kann man sogar Identitätsfragen verhandelt sehen. Aber das eben unter einer Oberfläche, die man auch genauso als absoluter Quatsch ohne große Hintergedanken sehen kann, der selbstzweckhaft und zur reinen Provokation möglichst krass ist.
Man muss dabei auch mehrfach seine Suspension of Disbelief bemühen, weil manche Dinge für so ein eher ernstes Drama dann doch so absurd und unrealistisch sind. Es entsteht irgendwie eine eigenartige Dissonanz. Zum einen geht es hier um richtig harte Themen und die Story ist ganz von oben betrachtet wirklich harter Tobak. Aber die Inszenierung ist teilweise so absurd, dass es schwer fällt das ernst zu nehmen. Irgendwie hat das so ein ganz unangenehmes Gefühl, das ich durchaus zu schätzen weiß, weil es mutig ist sowas dem Publikum zuzutrauen.
Und da muss ich auch gleich meine These vom 50/50-Film für mich selbst jedenfalls wieder einkassieren. Ich weiß "Moebius" durchaus einfach dafür zu schätzen, was man sich hier so alles traut. Solche Streifen haben immer einen Stein bei mir im Brett. Ob da so viel dahinter steckt, finde ich weniger zwingend und wenn es das tut, ist das für mich nicht klar genug herausgearbeitet. So liege ich bei der Bewertung irgendwo in der Mitte.
Wer Fan des abseitigen Kinos und der Grenzüberschreitung ist, sollte zuschlagen. Alle anderen müssen Vorsicht walten lassen.

Das war er also: Mein erster Kontakt mit Kim Ki-duk. Nach allem was ich so lese, ist "Moebius" ziemlich repräsentativ und dieser Regisseur drehte, wie man ja leider mittlerweile sagen muss, ziemlich gerne mal ab.

3 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/moebius-2013/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Sdv3qjz2i7s

Das ist übrigens quasi schon eine entschärfte Version, denn um in Südkorea eine Freigabe zu erhalten gab es einen echten Kampf und man musste mehrfach zur Prüfung eingereicht werden.
Achtung Spoiler: https://variety.com/2013/film/asia/kim- ... 200595255/
Die komplett ungeschnittene Fassung wurde nur einmal bei den Filmfestspielen in Venedig aufgeführt.
Das habe ich übrigens nur nachrecherchiert, weil man meines Erachtens nach Schnitte erkennt. Da hatte ich Uncut-Verfechter natürlich Angst eine geschnittene Version gesehen zu haben. Aber wie sich herausstellt, war das die längste verfügbare Fassung. Einen Directors Cut hätte Kim Ki-duk aber wenigstens für den amerikanischen oder europäischen Markt herausbringen können... wenn man es sich schon geben will, dann richtig :-D

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Possessor

Tasya Vos arbeitet als Auftragskillerin für eine Firma, die eine einzigartige Technik entwickelt hat. Diese ermöglichst es Tasya, Geist und Körper einer fremden Person zu übernehmen, um perfekt getarnt ihre Aufträge durchzuführen. Dabei muss nicht nur die Zielperson sterben - auch das menschliche Werkzeug wird nach getaner Arbeit mit einem Schuss in den Mund entsorgt. Kaum verwunderlich, dass dieser Job auch bei Tasya Spuren hinterlässt. Trotz zunehmender psychischer Instabilität übernimmt sie den nächsten Auftrag. Doch der läuft gewaltig aus dem Ruder...

Regisseur Brandon Cronenberg wandelt auf den Spuren seines Vaters. "Possessor" ist ein fieser Bastard aus "eXistenZ" und Nolans "Inception", der auch als "Black Mirror"-Langfolge durchgehen könnte. Das eher gemächliche Erzähltempo wird mit abgefahrenen Bildkompositionen angereichert und von einigen derben Gewaltspitzen durchbrochen, die nichts für zarte Gemüter sind. Insgesamt ist "Possessor" aber mehr Arthouse-Psychothriller als Horror oder gar Splatter. Ebensowenig sollte man ein Action-Feuerwerk erwarten, auch wenn der Filmeinstieg dies suggerieren könnte.

Sowohl Andrea Riseborough (Tasya) als auch Christopher Abbot (Colin) liefern beeindruckende Vorstellungen ab, und das Sean Bean eine der Zielpersonen spielen muss, dürfte niemanden überraschen. Auch der restliche Cast überzeugt. Richtig in die Tiefe geht man bei der Charakterzeichnung allerdings nicht, Sympathieträger oder eine Bezugsperson sucht man vergeblich. Mich hat das allerdings nicht gestört, die Inszenierung hat mich durchgehend bei Laune gehalten. Ich mag allerdings ruhige Filme und falle nicht bei jedem kleinen Durchhänger gleich ins Koma. ;)

"Possessor" ist ein erstklassiger SF-Psychothriller, der aufgrund seiner sterilen Optik und seiner abgefahrenen Thematik eine eher nischige Zielgruppe bedient und für einen leichten Popcorn-Filmabend denkbar ungeeignet ist. Fans von David Cronenberg dürfen hingegen jubilieren, denn Brandon schafft es durchaus, an das Werk seines Vaters anzuknüpfen. Ich bin echt gespannt, was in Zukunft noch von ihm kommen wird.

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Heretic hat geschrieben:
6. Mai 2021, 11:46
Possessor
Habe ich auch im Angebot. Meine Zusammenfassung lasse ich mal weg, die hast Du ja schon geschrieben. Manche meiner Punkte doppeln sich mit Deinen, aber da musst Du mir einfach glauben, dass ich die Kritik schon vor ein paar Tagen geschrieben habe und nicht bei Dir abschreibe :mrgreen:

Possessor
2020; Brandon Cronenberg; DarstellerInnen: Andrea Riseborough, Christopher Abbott, Sean Bean; Genre: Horror

Wie der Vater so der Sohn? Brandon Cronenberg ist der Filius von David Cronenberg, der mit "Scanners", "Videodrome" oder "The Fly" eine Ikone des Bodyhorrors ist. Nach drei Kurzfilmen und dem durchwachsen aufgenommen "Antiviral" vor acht Jahren ist "Possessor" jetzt der zweite Versuch endlich in die Fußstapfen des berühmten Vaters zu treten. Und das gelingt ihm hier meiner Meinung nach sehr eindrücklich. Zunächst einmal wäre da der durchgehend handgemachte, ultrabrutale Splatter. Es ist so unglaublich erfrischend mal wieder sowas zu sehen. Puppen und Masken, die zerfetzt werden; Schläuche aus denen das Blut spritzt und für einen besonders coolen Effekt, der die Verschmelzung der Individuen darstellen soll, hat man glaube ich Wachs benutzt. Und man hält sich hier kein bisschen zurück und es ist was das angeht einer der härtesten Filme der letzten Jahre. Die Uncut-Fassung habe ich mir aus dem Ausland importiert, weil die kommende deutsche Veröffentlichung nur die Kinofassung enthält. Die musste etwas beschnitten werden, um eine NC-17 in den USA zu verhindern. Ob sich das lohnt muss jeder selber wissen, weil es sich nicht mal um eine Minute handelt, in der es alternative, detailliertere und längere Einstellungen des Gemetzels gibt und zwei Szenen mit expliziter Nacktheit. Man sollte allerdings auch kein 104 Minuten langes Gore-Festival erwarten. Es gibt Gewaltspitzen und die sind wirklich sehr krass, aber die sind eingebettet in einen höchst psychologischen Horror. Tanyas Selbsterhaltungstrieb wird nämlich immer und immer stärker und sich aus ihren Gastkörpern zu verabschieden immer schwerer. Es scheint auch so, als nähme sie immer etwas von diesen Menschen mit in ihre eigene Person. Sie ist eigentlich gar nicht mehr Tanya, sondern ein Amalgam aus diesen ganzen Menschen, von denen sie Besitz ergriffen hat. Bereits zu Anfang des Streifens wirkt sie entrückt, abwesend, unsicher und einfach verwirrt, wer sie denn jetzt überhaupt ist. Das ist toll gespielt von Andrea Riseborough, die jedoch aufgrund der Rolle eine begrenzte Screentime hat. Neben ihr gibt aber Christopher Abbot auch eine sehr gute Leistung als ihr Avatar ab. Und Cronenberg schafft es, dass ihre Performances verschmilzen, genau wie es die Charaktere tun. Das ist wirklich eine großartige Idee, die mit audiovisuellen Tricks wie übereinander gelegten Stimmen oder surrealen optischen Spielereien verwirklicht wird. Erwähnenswert wäre da noch Sean Bean, den man hier für eine kleine Rolle gewinnen konnte.
Generell ist das ein sehr audiovisuelles Werk, weil man auch ständig die Welt und die Figuren in ein sattes rotes oder blaues Licht taucht, dass zur Stimmung der jeweiligen Situation beiträgt und ein treibender Synthi-Soundtrack dröhnt, der ebenfalls wie aus früheren Zeiten entnommen wirkt. Das ist Old School und so soll es auch sein: Eine Hommage an seinen Vater und dann an das Horrorkino der späten 70er bis zum Ende der 80er Jahre an sich.
Lobenswert ist auch die Zukunftsvision, die hier dargestellt wird. Die wirkt nämlich wirklich wie unsere Welt, aber eben nur etwas weitergedacht. Das ist ein sehr zurückhaltendes und minimalistisches World Buildung, dass sich sehr realistisch und geerdet anfühlt und einen somit noch mehr beunruhigt. Denn es erscheint durchaus möglich mal in so einer Zukunft zu leben. Es wird auch nicht übererklärt. Gerade was die Maschine angeht, mit der Tanya ihre Aufträge erfüllt, wird eigentlich fast alles im Dunkeln gelassen. Man hört zwar immer mal wieder ein paar Fachtermini, die man auch halbwegs versteht, aber wie das genau funktioniert, ist nicht greifbar. Und das ist gut so, weil es so auch nicht entzaubert wird oder eine zu simple Erklärung bekommt.
Auch die Charaktere lernt man in wenigen pointierten Sätzen und Szenen kennen und somit kann "Possessor" sehr auf die Atmosphäre setzen, die durch die schon genannte audiovisuelle Pracht, die handgemachte Brutalität und die ständig im Raum schwebenden Fragen zu Identität, Bewusstsein, Unterbewusstsein, Trieb und Instinkt, entstehen. Trotz seiner wirklich überaus saftigen Splattereinlagen, ist das nämlich ein ziemlich intelligentes Werk, das einen auf psychischer Ebene mindestens genauso verstört, wie auf der audiovisuellen. Alles ist aus einem Guss: Die wirklich unangenehmen psychischen Aspekte werden mit den passenden unangenehmen Bildern und Klängen vermischt.
Das wird dann auch noch in einen nie stockenden und immer vorantreibenden Plot erzählt, der in der letzten halben Stunde zu einem Rausch wird, in dem wir die kognitive Dissonanz der Handelnden fast wirklich spüren können.
Einer der besten Horrorfilme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Klar ist "Possessor" von vielen anderen Größen des Genres inspiriert, aber das wirkt so frisch und gekonnt inszeniert, dass Brandon Cronenberg ein Regisseur ist, den man als Fan solcher Filme im Auge behalten muss. Und wenn er so weiter macht, kann er die Fußspuren seines Vaters ausfüllen. Bravo!

4,5 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/possessor/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=D0Gh9nOIV3w

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Andreas29 hat geschrieben:
6. Mai 2021, 21:17
Habe ich auch im Angebot. Meine Zusammenfassung lasse ich mal weg, die hast Du ja schon geschrieben. Manche meiner Punkte doppeln sich mit Deinen, aber da musst Du mir einfach glauben, dass ich die Kritik schon vor ein paar Tagen geschrieben habe und nicht bei Dir abschreibe :mrgreen:
Deine Kritik ist aber doch eine ganze Ecke detaillierter als meine. :D

Freut mich, dass dir der Film genauso gut gefallen hat wie mir. Ich fand ja "Antiviral" schon nicht schlecht, aber "Possessor" ist nochmal auf einem höheren Level angesiedelt. Hoffentlich bleibt Cronenberg Junior seiner Linie treu.

Btw: Diese Possessor-Maschine wäre doch mal was für Agent 47. Der Hitman könnte eine kleine Frischzellenkur doch mal gebrauchen. :mrgreen:

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bluttrinker13
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von bluttrinker13 »

Fan von Cronenberg (senior) hier.

Vielen Dank für eure Einschätzungen! Dann wird der doch noch geschaut, klingt sehr interessant.

PrinzEisenerz
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von PrinzEisenerz »

bluttrinker13 hat geschrieben:
6. Mai 2021, 23:22
Fan von Cronenberg (senior) hier.

Vielen Dank für eure Einschätzungen! Dann wird der doch noch geschaut, klingt sehr interessant.
Würde mich auch als Cronenberg Fan bezeichnen und habe Possessor mit hohen Erwartungen geschaut.
Mir hat der allerdings überhaupt nicht gefallen, fand ihn insgesamt langweilig :(

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Pelikanblut
2019; Regisseurin: Katrin Gebbe; DarstellerInnen: Nina Hoss, Yana Marinova, Murathan Muslu; Genre: Mysterydrama

Wiebke bildet auf ihrem Hof Pferde für die Polizei aus. Sie ist alleinerziehende Mutter eines adoptierten Mädchens namens Nicolina und möchte noch ein Kind adoptieren. Da das in Deutschland nur für Paare erlaubt ist, muss sie dafür ins Ausland fahren. Wieder mit der kleinen Raya in Deutschland angekommen stellt sie jedoch fest, dass das Kind sehr schwer erziehbar ist und ihr und ihrem Umfeld das Leben zur Hölle macht. Ein Arzt diagnostiziert einen Hirnschaden und schlägt eine Einrichtung vor. Wiebke ist jedoch fest entschlossen das mit Raya hinzubekommen. Immer extremere und unheimlichere Zwischenfälle passieren.

Dieser Film hat zwei Probleme: Das eine heißt "Systemsprenger" und das andere heißt "Der Babadook". Denn im Vorfeld wurde "Pelikanblut" immer und immer wieder von der Fachpresse mit diesen beiden Werken verglichen. Das weckt Erwartungshaltungen, die nur schwer zu erfüllen sind. Die Vergleiche sind allerdings leider durchaus berechtigt: In "Systemsprenger" geht es um die Schwierigkeit oder auch Unmöglichkeit ein verhaltensauffälliges Kind unter Kontrolle zu bekommen; "Der Babadook" handelt von einer sehr überforderten Mutter und erzählt das mit Horrormotiven. "Pelikanblut" mixt dieses wiederum. Die "Originale" sind jedoch jeweils in ihrem Schwerpunkt sehr viel stärker. Das Kind ist nicht so toll gespielt, wie es Helena Zengel getan hat und wenn es um den Horror geht, wird nie so ganz durchgezogen; es handelt sich eher um Mystery. Dabei kann die Regisseurin Katrin Gebbe durchaus Atmosphäre erzeugen, indem sie mit Lichtstimmungen und einer unangenehmen Klangkulisse spielt. Aber irgendwie setzt man sich hier gekonnt genau zwischen die Stühle. Wenn man ein herzzerreißendes Mutter-Kind-Drama sehen will, werden einen die Ausflüge ins Genre eher irritieren. Erwartet man einen anspruchsvollen Horrorfilm, werden einen die Versuche in das Genre abzutauchen eher langweilen und unbefriedigt zurücklassen.
Aktivposten und Attraktion des Streifens ist Nina Hoss, die hier wirklich überragend eine engagierte, mutige, aber auch verletzliche und verzweifelte Mutter spielt. Alleine aufgrund ihrer Leistung ist das alles durchaus sehenswert. Auch wenn Murathan Muslu in einer Nebenrolle durchaus gefallen kann, spielt Frau Hoss alles gegen die Wand und überstrahlt den Rest. Die Kinder wiederum spielen sehr hölzern und ich denke man hat sich keinen Gefallen getan auch noch zwei zu casten, deren Muttersprache ganz offensichtlich nicht Deutsch ist. Klar passt das zur Story. Raya hat aber nicht die Präsenz, damit ich diese ständig schwelende Frage stelle, ob etwas Übernatürliches hinter ihrem Verhalten steckt. Die beiden sind noch jung - klar. Aber das kann nicht als Ausrede zählen, nachdem man mittlerweile wirklich viele herausragende Kinderdarsteller gesehen hat.
Auch das ständige Foreshadowing, der platte Symbolismus – das fängt schon beim Titel und was dahinter steckt an - , die offensichtliche und platte Metapher mit dem Pferd "Top Gun", das ebenfalls schwer erziehbar ist und abgekaute Klischees vermiesen einem das alles wirklich richtig gut zu finden. Apropos Klischee: Natürlich ist es der osteuropäische Mitarbeiter, der sofort an den übernatürlichen Part glaubt und etwa Talismane auf dem Hof verteilt - die Ausländer sind da halt etwas zurückgeblieben (ich paraphrasiere).
Die durchaus stolzen 121 Minuten kann Gebbe allerdings trotz des eher langsamen Erzähltempos ganz gut füllen und langweilig oder redundant wird es so gut wie nie. Das Pacing ist also relativ gut geraten, sodass man immer dran bleibt, es aber trotzdem ein einziger Tease ist - wenigstens mit einem kleinen Payoff am Ende. Das kam dann nämlich doch wenigstens etwas überraschend. Dass dann das die Lösung sein wird, hätte ich nicht mehr geglaubt - verrate ich aber natürlich auch nicht. Wiebke wirkt allerdings sehr modern und rational und der Bruch, den sie in dieser Hinsicht vollzieht, verläuft etwas sehr schnell. Dann wird aber wenigstens auch mal durchgezogen und das gefiel mir ziemlich gut.
Und was man "Pelikanblut" nicht nehmen kann ist, dass er wirklich hochwertig produziert ist und sich das – Obacht – "für einen deutschen Film" sehr sehen lassen kann. Dieses "Für einen deutschen Film" halte ich allerdings für äußerst problematisch. Auch, dass Gebbe sich "traut" in ihrem Werk Horrorelemente einzubauen und die Frage stellt, ob vielleicht etwas Übernatürliches hinter Rayas Verhalten steckt, wurde in der Presse immer wieder mit "Schön, dass das auch mal aus Deutschland kommt" quittiert. Das ist immer wieder zu beobachten, wenn deutsche Beiträge sich mal an Genre trauen. Ich glaube, dass das der deutschen Filmlandschaft* und der Entwicklung, dass auch mal was anderes aus unserem Land kommt als Familienkomödien, Sozialdramen, Holocaust/2.Weltkrieg und DDR nicht besonders gut tut. Denn das gibt das Signal, dass man nur kopieren muss und das dann schon reicht "für einen deutschen Film". "Stereo" mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel oder "Die dunkle Seite des Mondes" – ebenfalls mit Bleibtreu - beispielsweise wurden als Thriller in der deutschen Fachpresse gelobt. Ich sehe allenfalls Remixes bekannterer internationaler Filme. Die beiden deutschen Vertreter sind maximal mittelmäßig, weil man alles schon irgendwoher kennt. Das gilt für Form und Inhalt. Dass man sich als deutscher Filmjournalist etwas (bewusst oder unterbewusst) zurückhalten möchte, damit man Filmemacher nicht verschreckt, weil man hofft so schließt die deutsche Fiction zu anderen Ländern - wie etwa Frankreich, Japan, Korea, Schweden etc. - auf, ist verständlich. Meines Erachtens aber nicht sinnvoll. Aber genug des Exkurses.
Pelikanblut ist handwerklich prima gemacht und man hat eine starke Hauptdarstellerin, aber man hat als Genre-Fan vieles auch leider schon woanders besser gesehen. Solide Kost.

3 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/pelican-blood-2019/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=AcrrO4ofVLM

*Böhmermann hat dazu vor kurzem ein Segment in seiner Show gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=ie8vV-p1OL4
Zuletzt geändert von Andreas29 am 8. Mai 2021, 07:06, insgesamt 3-mal geändert.

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Sorry. Ich habe zu früh auf "Absenden" gedrückt und war noch nicht richtig fertig. Besonders im letzten Abschnitt war ein großer Bock drin. Habe ich jetzt alles korrigiert.

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bluttrinker13
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von bluttrinker13 »

Habe heute Abend "Trumbo" geschaut, mit Bryan Cranston in der Hauptrolle.

Hat mir sehr gut gefallen, vor allem Cranston. Aber bei Gott der Typ kann auch was, und ich habe gerade erst einen Breaking Bad rewatch hinter mir. :dance:

Schön war auch die vielen coolen Nebendarsteller, das gute Casting historischer Figuren (Kirk Douglas, WTF :O, also Christian Berkel? Nice!), die subtilen Wechsel bei "historischen" Ausschnitten zwischen neu gedreht und original.

Was ich einzig kritisieren würde, ist die Handlung, welche ironischerweise wieder völlig entrückt von der Realität einen eigenen, typischen, und recht unoriginellen, dramatischen Bogen schlägt: ging nicht um Kommunismus, Subversivität, politische Strömungen, oder wenn dann nur ganz am Anfang oder am Rande, als Staffage. Ging um Gerechtigkeit und one (ultra-competent) guy against all odds. Mal wieder. Aber naja, schön war´s trotzdem. :clap:

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Voyagers

*Vorsicht, leichte Spoiler*

"Herr der Fliegen" im Weltall auf Teenie-Soap-Niveau. Wenn das Fortbestehen der Menschheit von einer Ladung gefühlsgehemmter Teenager abhängt, die mit nur einer einzigen (!) erwachsenen Aufsichtsperson ausgestattet (wie hat es Colin Farrell nur in diesen Film verschlagen?) auf eine 86 Jahre dauernde Reise zu einer neuen Welt geschickt werden, dann wäre es für uns vielleicht an der Zeit, einfach auszusterben. Denn auch diese superschlauen Retortenbabies haben nach dem Absetzen der gefühlshemmenden Droge nichts besseres zu tun, als sich nach gängigem Gut-Böse-Schema gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Vorher wird natürlich erst Party gemacht - wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen nunmal die Mäuse auf dem Tisch. Plötzlich entdeckt man auch das andere Geschlecht und tatscht unbeholfen ein wenig dran herum. Und vielleicht hätte den Kids mal jemand beibringen sollen, dass man vor dem Beischlaf besser die Klamotten auszieht. Sex á la Mass Effect ist nicht die Normalität! :mrgreen:

Die Leistungen der Darsteller würde ich maximal als solide einstufen. Colin Farrell läuft im Standby-Modus, die als Bezugspersonen dienenden Lily-Rose Depp und Tye Sheridan können ihren Klischeecharakteren nicht viel Kontur verleihen. Immerhin ist Fionn Whitehead als nicht minder klischeehafter Bösewicht manchmal ganz unterhaltsam. Die Kulisse beschränkt sich hauptsächlich auf das steril anmutende Raumschiff und ist dementsprechend langweilig.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand den Film ziemlich grottig. Hätte ich vorher gewusst, dass Regisseur Neil Burger auch "Divergent - Die Bestimmung" verbrochen hat, hätte ich einen weiten Bogen um "Voyagers" gemacht. Auch als seichte Berieselung nur bedingt geeignet.
Zuletzt geändert von Heretic am 8. Mai 2021, 19:49, insgesamt 2-mal geändert.

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Heretic hat geschrieben:
8. Mai 2021, 11:23
Voyagers
(...)
Auch als seichte Berieselung nur bedingt geeignet.
Um den habe ich gleich einen großen Bogen gemacht, weil meine Kritiker-Bubble auf Letterboxd dem einstimmig 1,5 von 5 Sternen gibt :mrgreen:
Meine Frage wäre, wie Colin Farrell da hinein geraten ist. Der müsste doch mittlerweile erfahren genug sein, um zu wissen, wann ein Drehbuch Murks ist...


Psycho Goreman
2020; Regisseur: Steven Konstanski; Darsteller: Nita-Josee Hanna, Owen Myre, Matthew Ninaber; Genre: Sci-Fi-Comedy

Mimi und ihr Bruder Luke spielen im Garten und wecken aus Versehen einen interplanetaren Krieger und Weltenzerstörer auf. Glücklicherweise hat der eine kleine Apparatur dabei, mit der Mimi ihn kontrollieren kann. Leider bekommen aber auch diejenigen, die den Psycho Goreman (PG) – wie die Kinder ihr neues Spielzeug taufen – einst auf die Erde verbannt haben mit, dass er erwacht ist und schicken eine Templerin, um ihn zur Strecke zu bringen.

Die 90er haben angerufen und wollen ihren Film zurück. Darunter lässt sich eigentlich alles summieren, was dieses – ja, leider – Machwerk ausmacht. Ein Streifen, der quasi wie auf mich zugeschnitten ist als jemand, der in diesem Jahrzehnt aufwuchs und Fernsehserien wie "Power Rangers" oder die Realverfilmungen der "Teeange Mutant Ninja Turtles" gesehen hat. Selten habe ich einen Film so zweigeteilt aufgenommen. Auf der einen wären da die charmanten, kreativen und wunderbar detailliert gestalteten Gummianzüge, die ein wohlig-warmes Gefühl der Nostalgie entfachen und einen in frühere Zeiten zurückversetzen. Als die Welt noch in Ordnung war und man samstagmorgens frei von Verpflichtungen wie der Schule vor der Flimmerkiste saß. Und auch die Stop-Motion-Technik und die richtig billig wirkenden rudimentären Computereffekte tragen absolut zur Gewissheit bei, dass hier jemand eine Hommage eben an jene Zeiten verfilmt hat und weiß, was er macht. Der kleine feine Unterschied zu den Power Rangers ist aber, dass es hier teilweise auch schön handgemacht natürlich splattert - handgemacht natürlich. Es werden Köpfe zum Platzen gebracht, Gliedmaßen entfernt und Körper geschmolzen. Das ist dann auch schon der beste Gag des Films, denn der Psycho Goreman wird auch "PG" genannt. Das ist eine Altersfreigabe in den USA, die etwa irgendwo zwischen unserem "freigegeben ab 6" und "freigegeben ab 12" liegt. Und der Witz ist eben, dass der Film selbst ganz und gar nicht für Kinder ist. In den USA gibt es auch die Regel, dass bei dieser Freigabe nur einmal "Fuck" vorkommen darf. Auch das wird referenziert, indem Mimi an einer Stelle dem Psycho Goreman erklärt, was es alles für verharmlosende Formen des F-Worts gibt und es wird auch ganz entsprechend der Vorgabe, die man eigentlich schon mit der Gewalt reist, nur einmal im Film "Fuck" gesagt. Und da ich das für den besten Witz halte, wird man schon erkennen, dass ich nicht besonders viel zu lachen hatte.
Dass man lacht, ist beabsichtigt und somit kommen wir zu der Hälfte, die mich überhaupt nicht überzeugen konnte. Beweisen die Macher bei den Designs und dem Handwerk echte Klasse, patzen sie bei allem anderen auf das Kläglichste. "Psycho Goreman" nimmt sich keine drei Sekunden selber ernst. Das kann man gerne machen, aber dann muss man wenigstens witzig sein. 90% dieses Humors verlassen sich allerdings darauf, dass ich die freche, arrogante und dominante Mimi witzig finden soll - was ich einfach nicht tue. Ich sehe da nur ein maßlos overactendes Kind und den Regisseur hinter der Kamera, der sie anpeitscht und dabei schreit "sei cool, sei badass". Ganz, ganz furchtbar. Der Witz, dass ein kleines Kind so bestimmend ist, ist erstens nicht neu und nach genau drei Minuten redundant. Also mehr als ein Schmunzeln hier und da war nie drin und dafür konnte lediglich der PG selber sorgen, denn wenigstens der hat etwas Timing, was die Jokes angeht. Ihr Bruder ist eine richtige Blassbacke und auch die Eltern können kein Stück schauspielern, was aber auch an den Charakteren liegt, die sie spielen müssen. Der Vater ist ein Pantoffelheld und Faulenzer, die Mutter eine Schreckschraube. Kurz ausgedrückt: Mir sind die Menschen einfach vollkommen egal. Und das ist schon der Unterschied zu vielen dieser Kinderabenteuer der 80er und 90er, denn die haben es hinbekommen, dass man sich auch um die Familien sorgt. Man kann hier anbringen, dass das ja gar nicht so gewollt ist und einfach nur auf oberflächlichen Spaß gesetzt wird, aber dafür wird dann am Ende doch etwas zu viel versucht die Familienbotschaft reinzuquetschen. Da hätte man dann einfach voll durchziehen oder wenigstens irgendwann mal eine glaubwürdige Charakterentwicklung starten müssen.
Die Story... nunja, ich wusste ja schon von vorneherein, dass da nichts Großes zu erwarten ist. Ich hätte mich aber gerne überraschen lassen, denn das wäre doch auch mal etwas Neues gewesen, dass so ein Werk eine annähernd vernünftige Geschichte zu erzählen hat. Man kann ja auch hommagieren und sich trotzdem etwas den Gegebenheiten der Zeit anpassen.
Was noch gefallen kann ist allerdings das World Building, denn ich hatte danach wirklich Lust weiteres aus diesem Universum zu sehen. Es gibt immer mal wieder - leider sehr kurze - Rückblicke auf das Leben des PG. Man sieht verschiedene Rassen und ebenfalls toll designte Bauten auf fremden Planeten. Und man sieht immer mal wieder eine Art "Rat", der das Geschehen auf der Erde verfolgt und in dem diese verschiedenen Rassen sitzen. Das war für mich das Highlight des Films, denn da ist ein Alien besser designt als das andere. Und da gibt es dann auch gute Gags.
Das macht "Psycho Goreman" allerdings noch schlechter, denn die Erde scheint der langweiligste Ort in dieser Welt zu sein und die Geschichte die der PG dort erlebt ziemlich insignifikant.
Abschließend ärgere ich mich einfach über das große Potenzial, dass meiner Meinung nach für einen wenig zündenden Humor geopfert wurde.

2,5 von 5 Sterne
https://letterboxd.com/film/psycho-goreman/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=L4tizc0IAVQ

Vielleicht hier der Disclaimer, dass meine Meinung gegenüber dem allgemeinen Tenor ziemlich negativ ist. Im Großen und Ganzen kam "Psycho Goreman" außerordentlich gut an.
Zuletzt geändert von Andreas29 am 9. Mai 2021, 06:55, insgesamt 2-mal geändert.

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Andreas29 hat geschrieben:
8. Mai 2021, 19:06
Meine Frage wäre, wie Colin Farrell da hinein geraten ist. Der müsste doch mittlerweile erfahren genug sein, um zu wissen, wann ein Drehbuch murks ist...
Amazon zahlt bestimmt gut. Der hat bestimmt mehr Kohle eingesteckt als der gesamte restliche Cast zusammen. Und für 'ne anständige Kulisse hat's dann nicht mehr gereicht. :mrgreen:

Rince81
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Rince81 »

Heretic hat geschrieben:
8. Mai 2021, 11:23
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand den Film ziemlich grottig. Hätte ich vorher gewusst, dass Regisseur Neil Burger auch "Divergent - Die Bestimmung" verbrochen hat, hätte ich einen weiten Bogen um "Voyagers" gemacht. Auch als seichte Berieselung nur bedingt geeignet.
Habe den Donnerstag gesehen, dachte das wäre eine neue Serie und wollte zumindest mal die erste Folge sehen, irgendwann hab ich gemerkt, dass es eine sehr lange Folge war. Lange Rede, kurzer Sinn, jo, das ist völliger Murks.
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tsch
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von tsch »

Habe jetzt auch mal Nomadland geschaut und wurde nicht komplett umgehauen, aber es ist irgendwie auch bewusst kein Film, der einen umhauen will. Ich mag, wie subtil verschiedene Themen angesprochen werden und wie emotional der Film ist, obwohl kaum Emotionen offensiv kommuniziert werden. Es ist zwischendrin genug Platz für den Zuschauer, um die Bedeutung verschiedener Elemente zu interpretieren und mitzufühlen.

Habe die letzten Jahre jetzt immer die 1-2 größten Gewinner der Oscars geschaut und man kann ja über die Zusammensetzung dieses Komitees sagen was man will, aber waren immer total schöne Filme, die ich wahrscheinlich anders nicht mitbekommen hätte. Sind vor allem auch Filme, die eine tolle Bandbreite von verschiedenen Ideen und Menschen zeigen, ohne dass es politisch motiviert o.ä. wirkt. Es sind einfach gute Filme.

Andreas29
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 »

Relatos salvajes (Wild Tales – Jeder dreht mal durch!)
2014; Regisseur: Damián Szifron; DarstellerInnen: Ricardo Darín, Leonardo Sbaraglia, Érica Rivas; Genre: Episoden-Dramödie

In einem Flugzeug kommen zwei Passagiere ins Gespräch und erfahren, dass der Pilot mit ihnen und allen anderen Passagieren noch eine Rechung offen hat. Eine Kellnerin merkt, dass der Kredithai, der ihren Vater in den Selbstmord trieb, abends in ihr Rerstaurant kommt. Ein Autofahrer bekommt in der Pampa einen Platten und neben ihm hält ausgerechnet das Auto, dessen Fahrer er kurz zuvor bei einem Überholmanöver übel beleidigt hat. Ein Ingenieur wird abgeschleppt und kommt deswegen zu spät zum Geburtstag seiner Tochter, was der letzte Tropfen ist, der das Fass seiner zerbröckelnden Ehe zum überlaufen bringt; der Sohn eines reichen Mannes fährt eine schwangere Frau tot, was der Vater nun zu vertuschen versucht. Eine Frau erfährt auf ihrer Hochzeitsfeier, dass ihr Mann eine Affäre hat.

Sechs Episoden, die man unter der Überschrift "That escelated quickly" zusammenfassen kann. Der argentinische Episodenfilm war für die Goldene Palme und den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert, hat den spanischen Goya für den besten lateinamerikanischen Film gewonnen und besonders in Südamerika zahlreiche weitere Preise. Also war meine Erwartungshaltung ziemlich hoch, als ich ihn jetzt endlich mal nachgeholt habe. Im Großen und Ganzen konnte "Wild Tales" seine Vorschusslorbeeren rechtfertigen, denn es ist wirklich eine manchmal lustige, manchmal bittere Verhaltensstudie des Menschen. Die Episoden sind nicht miteinander verzahnt; also es handelt sich hier wirklich um sechs kleine Geschichten. Es gibt keine übergeordnete Handlung oder Charaktere, die in allen oder mehreren Episoden mitspielen. Es gibt jedoch ein Motiv, dass alle miteinander verbindet: Rache. Sehr präzise, hochwertig gefilmt und immer temporeich wird hier gezeigt, wie aus harmlosen Alltagssituationen binnen Sekunden Extremsituationen werden. Das alles ist sehr fein beobachtet und diese Fälle wirken alle so als könnten sie passieren oder wären schon mal irgendwann und irgendwo so passiert. Ob es nun Frustration über ein verkorkstes Leben, Hass durch eine tiefe Kränkung, Wut wegen eines verletzten Egos, Entnervtheit durch das Gefühl verarscht zu werden, Habgier und Geiz oder Eifersucht ist: Alles wirkt nachvollziehbar, menschlich und deswegen böse. "Wild Tales" ist aber keinesfalls bösartig, denn das ist so flott und schmissig inszeniert und hat einen sehr schwarzen und eigenen Humor, sodass man die Schwere begreift, aber eben nicht verzagt. Es gibt auch ein paar wirklich schöne Momente und Herz. Meistens dann, wenn man es gar nicht erwartet, was sie noch schöner macht.
Jede Episode hat wirklich ihre eigene kleine Drei-Akt-Struktur und sie rufen das höchste Kompliment hervor, das man einem Episodenfilm machen kann: Bei jeder einzelnen stellt man fest, dass das auch ein ganzer Film hätte sein können. Keine fällt gegenüber einer anderen ab. Dabei sind die Charaktere so pointiert gezeichnet, dass man sie in der geringen Zeit trotzdem versteht und deren Verhalten nachvollziehen kann.
Das Ensemble der Schauspieler muss man ebenfalls loben. Herausheben kann man keinen, aber alle machen ihren Job ganz hervorragend und tragen neben dem Drehbuch dazu bei, dass man ihre Figuren in der jeweils begrenzten Zeit wirklich greifen kann.
Am Ende fehlte mir aber dann doch ein bisschen, dass das nicht alles irgendwie auch geschichtlich zusammenhängt und ein ganz großer Bogen gespannt wird. Das hätte den Streifen wirklich zu einem Meisterwerk gemacht, weil das noch stringenter und homogener wäre. So ist es eine Kurzfilmsammlung mit einem thematischen roten Faden. Und irgendwann schnallt man, was das Thema ist und kann sich dann ungefähr ausmalen, wie die Episoden verlaufen werden, weil man irgendwann auch merkt, auf welche Pointe man höchstwahrscheinlich hinaus will. Den Verlauf von zwei Episoden konnte ich relativ schnell komplett vorhersagen - inklusive Ende.
Aber das soll nicht schmälern, dass das großartige Unterhaltung mit Köpfchen aus Argentinien ist.

4 von 5 Sternen
https://letterboxd.com/film/wild-tales/
https://www.youtube.com/watch?v=QUnXv6R2HI8

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Heretic
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic »

Ab in die Ewigkeit

Virginia ist das neueste Mitglied der "Top Ten", einer Clique von Collegestudenten aus gut situierten Elternhäusern. Da Geld keine Rolle spielt, lässt man es in der Freizeit ordentlich krachen - sei es in der örtlichen Kneipe, bei Sportveranstaltungen oder gar bei dämlichen Mutproben. Das ab und an mal ein Mitglied der Top Ten verschwindet, bremst die Vergnügungssucht der Jungs und Mädels nur marginal...

"Ab in die Ewigkeit" ist ein klassischer Slasher aus den Achtzigern, mit Anleihen aus dem Giallo-Genre. Man bekommt das altbekannte Whodunit-Spiel, kreative Morde und schwarze Lederhandschuhe geboten. Und, genreuntypisch, gibt es sogar so etwas wie eine Story, auch wenn die nicht sehr originell ausfällt. So leidet Virginia unter den Spätfolgen eines Autounfalls, bei dem ihre Mutter ums Leben kam. Nach einer Gehirn-OP wird sie von Backflashes aus der Vergangenheit heimgesucht und erlangt langsam ihre Erinnerungen an den Unfall zurück. Laut ihres Psychiaters ist das notwendig, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Die anderen Charaktere bleiben weitgehend blass, aber das ist verschmerzbar. Wir wissen schließlich alle, wofür sie im Endeffekt herhalten müssen.

Melissa Sue Anderson (bekannt als Mary Ingalls aus "Unsere kleine Farm :D) ist schauspielerisch keine Offenbarung, aber als Unschuld vom Lande (im Vergleich zu den anderen Charakteren, versteht sich) auch kein Totalausfall. Zumindest im O-Ton, denn die deutsche Synchro ist Achtziger-typisch ziemlich grausam. Ansonsten gibt sich noch Western-Ikone Glenn Ford als Dr. Faraday die Ehre. Die restlichen Darsteller... naja, siehe oben. Kanonenfutter.

Trotz offensichtlicher Schwächen und einer viel zu langen Laufzeit von 106 Minuten hatte ich meinen Spaß mit dem Film. Dafür haben einige für das Enstehungsjahr 1981 recht blutige Szenen und eine Ladung unfreiwilliger Komik gesorgt. Aber auch die Tatsache, dass man nie sicher ist, wer denn nun der Mörder ist. Zudem habe ich den finalen Twist nicht kommen sehen. Was womöglich damit zusammenhängen könnte, dass er doch arg over the top ist. Das hätte ein gewisser M. Night Shyamalan kaum besser hinkriegen können. :mrgreen:

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Dicker
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Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Dicker »

Ich hab mich mal an 2 "Geheimtipps" bei Netflix und Co gewagt.

Guns Akimbo
Der Trailer versprach bescheuerte over the top Action wie in Crank und ja, das hat man mehr oder weniger auch bekommen. Die Prämisse ist herrlich schräg. Weil er im Internet gegen ein Real Life Spiel rantet, in dem 2 Menschen bis zum Tod gegeneinander kämpfen und dabei auf Schritt und tritt von Drohnen begleitet werden, die das Geschehen für ein Millionenpublikum filmen, bekommt unser Hauptdarsteller (Daniel Radcliff, der wohl nur noch so verrückte Rollen annimmt) 2 Pistolen an deine Hände geschraubt. Also Schraube durch die Hand, um genau zu sein. Er hat jetzt also 2 Pistolen als Hände. Klingt unpraktisch? Ist es auch und der Film macht einige Gags aus dieser Situation. Der Rest war wie erwartet total abgedrehte Action, die einen gut unterhalten hat, ohne jeweils wirklich so gut zu sein, dass man sich nachhaltig daran erinnert. Ist am Ende dann doch alles irgendwie Standardkost. Kann man sich geben, wenn man sowas mag, muss man aber nicht. 6/10

Good Time
Wurde bei Cinema Strikes Back empfohlen, u.a. mit so Aussagen, dass das Ende einen der besten Twists aller Zeiten hat und es davor ohne Pause zur Sache geht. Leider habe ich nicht bis zum Ende durchgehalten. Hab nach ca. 40 min abgebrochen, weil der Film zwar gut gemacht ist (also handwerklich, Schauspieler etc.), aber ich keine der Figuren mochte und mit ihnen mitfühlen konnte, noch die Story für mich interessant war. Der Hauptcharakter agiert aus seiner Sicht selbstlos und ist dabei so selbstzentriert und arrogant, dass es weh tut. Dazu trifft er noch alle naselang dumme Entscheidungen. Und das wirkt zum Teil ein wenig wie Stückwerk und hat mich, wie gesagt, gar nicht abgeholt. Ich saß nur da und dachte mir nur: "wtf, was schaust du da?"
Und wenn ich eines gelernt habe, solche Filme werden nicht mehr besser. Ich habe oft genug durchgehalten und am Ende blieb der selbe Eindruck, nur dass ich eine weitere Stunde "gelitten" habe. aber so ist das mit Gehimtipps. Sie wären nicht geheim, wenn sie allen gefallen würden.

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