Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Wenn es nicht um Spiele und / oder den Podcast geht, dann stehen die Chancen gut, dass dein Thema hier richtig ist.
WARNUNG: Gerade bei Politik & Co. geht's gerne hoch her. Auch hier gelten die Benimmregeln. Behandelt andere Foren-User immer mit respekt, selbst wenn ihr deren Meinung nicht respektieren könnt!
Forumsregeln
Datenschutzerklärung: https://www.gamespodcast.de/datenschutzerklaerung/
Impressum: https://www.gamespodcast.de/impressum/

Forenregeln und zukünftige Weltverfassung
ART 1: Behandle andere Nutzer mit Respekt.
ART 2: Do NOT piss off the Podcasters

Lies bitte weitere Hinweise hier: viewtopic.php?f=4&t=2789
Andreas29
Beiträge: 220
Registriert: 22. Mai 2019, 12:14

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 » 12. Okt 2019, 09:06

tsch hat geschrieben:
12. Okt 2019, 00:12
Funktionierte für mich also eher als Fanservice, aber als eigenständiger Film dann doch eher meh.
So unterschiedlich kann man einen Film empfinden. Ich fand ihn richtig gut.

Er lebt natürlich von der Serie und den Erinnerungen, die man damit verbindet. Hätte der Film so eine emotionale Wucht, wenn er für sich allein stehen würde? Sicher nicht. Aber er lässt sich nun einmal nicht ohne sie denken.

Vince Gilligan hat nach wie vor das Fingerspitzengefühl Szenen vollkommen überraschend aufzulösen und damit die Spannung durchgehend hoch zu halten. Kameraeinstellungen und Übergänge zwischen Zeiten sind immer frisch und abwechslungsreich.
Es gibt Wiedersehen mit alten Bekannten, die immer Sinn machen und nicht wie billiger Fanservice wirken.
Warum Aaron Paul nie eine große Filmkarriere starten konnte, bleibt nach dieser phänomenalen Leistung weiterhin ein großes Rätsel.
Der Plot selbst mag sehr einfach sein: Jesse braucht Geld um unterzutauchen. Aber hier kommt es mehr auf das Wie an.

Einer der besseren Thriller der letzten Jahre.

4 von 5 Sternen.

Benutzeravatar
tsch
Beiträge: 351
Registriert: 23. Jul 2016, 15:10

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von tsch » 12. Okt 2019, 11:15

Bei der Inszenierung würde ich dir auf jeden Fall recht geben. Die mag ich bei den Machern auch immer sehr gerne.

Beim Rest dagegen nicht:

- Wüsste nicht, wo die Story auch nur ansatzweise überraschend ist - mehr straightforward geht schon fast gar nicht mehr. Deswegen auch die "Kritik", dass es sich wie Fanservice anfühlt, weil hier etwas auserzählt wird, das nicht hätte auserzählt werden müssen.

- Wiedersehen mit alten Bekannten machen Sinn? Gerade das fühlte sich für mich nach dem aller billigsten Fanservice überhaupt an. Die Szenen wurden künstlich in die eigentliche Geschichte reingeschrieben - was ja auch anders gar nicht gegangen wäre.

Ich wurde unterhalten. Aber ich wurde unterhalten, weil ich das Breaking Bad-Universum super gerne mag. Sowas wie Better Call Saul funktioniert auch eigenständig - dieser Film nicht.

Aber ja, so gehen dann Meinungen wohl auseinander :P
Zuletzt geändert von tsch am 12. Okt 2019, 11:24, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Varus
Beiträge: 572
Registriert: 18. Aug 2016, 15:20
Wohnort: Sachsen-Anhalt

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Varus » 12. Okt 2019, 11:24

Auch am zuletzt Donnerstag im Kino Joker gesehen und nach dem ich zwei Nächte nochmal drüber geschlafen habe kann ich sagen: Jop, gefiel mir richtig gut. Joaquin Phoenix spielt Arthur Fleck, einen ziemlich gebeutelten Mann, der mit allerlei Schwierigkeiten in seinem Leben zu kämpfen hat. Er verdient sein Geld als Clown, den man für die Eröffnung eines Shops oder Kinder-Kliniken buchen kann. Das bereitet ihm aber alles andere als Freude, da er ständig von einer brutalen Gesellschaft zu Boden getreten wird. Zuhause kümmert er sich um seine kranke Mutter in einer recht schäbigen Wohnung. Noch dazu hat er eine psychische Störung, durch die er unkontrollierte Lachanfälle bekommt, völlig egal ob er fröhlich, traurig oder nervös ist. Im Film geht es um sein Leben und wie er langsam in einen Abgrund abzurutschen droht.

Womit wir auch gleich beim Höhepunkt des Films werden. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine so eindrückliche Charakter-Darstellung im Kino gesehen habe. Phoenix spielt einfach so überzeugend, dass ich ganz schnell in diesen Film abtauchen konnte. Ich habe ihm seine Schwierigkeiten mit der Gesellschaft und seinen Schmerz vollends abgekauft und wollte immer wissen, wie es mit ihm weitergeht. Am beeindruckendsten fand ich aber die Lachanfälle. Die sahen wirklich schmerzhaft aus und ich habe höchsten Respekt davor, wie jemand es schafft, etwas freudiges und schönes, bei dem Endorphine ausgeschüttet werden, derart schlimm und schmerzhaft darzustellen. Besonders der Blick in seinen Augen!
Auch wenn ich nach dem Film eher gemischtes Fazit im Kino gehört habe (Mein Highlight war ein Dreizehnjähriger: „Da ist so wenig passiert!“ und sein Vater „Und er hat immer so blöd gelacht.“ :ugly: ) hat dieses schmerzhafte Lachen für Spannung im Saal gesorgt. Beim ersten Mal haben noch die meisten mitgelacht, aber spätestens beim zweiten Mal war klar, dass das alles andere als witzig ist.

Ich bin jetzt nicht das, was ich als Cineast bezeichnen würde, aber hier fielen mir doch noch einige andere Dinge auf, die mir sonst oft entgehen. Die Kamera ist oft sehr nah dran am Joker, was zum Fokus auf seine Gefühls- und Gedankenwelt sehr gut gepasst hat. Dazu ein Score der auch textlich oft wunderbar zu den Szenen passte. Auch sieht man dem Film sein 55$ Mio. Budget im tollen Szenenbild Gothams und der Ausstattung insgesamt an. Da es keine nennenswerten teuren Effekte oder Gadgets gibt, steckt das hier eben im Szenenbild.

Für mich eine klare Empfehlung. Auch die deutsche Synchronisation war für mein dafürhalten sehr, sehr gelungen. (Gerade das Lachen!)
I´m Commander Shepard and this is my favorite singature on the Internet

Andreas29
Beiträge: 220
Registriert: 22. Mai 2019, 12:14

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 » 12. Okt 2019, 13:58

tsch hat geschrieben:
12. Okt 2019, 11:15
- Wiedersehen mit alten Bekannten machen Sinn? Gerade das fühlte sich für mich nach dem aller billigsten Fanservice überhaupt an. Die Szenen wurden künstlich in die eigentliche Geschichte reingeschrieben - was ja auch anders gar nicht gegangen wäre.
Jesse braucht in der Situation, in der er sich befindet vor allem eins: Menschen, denen er vertrauen kann und die ihn nicht ans Messer liefern. Natürlich flüchtet er erst einmal zu Freunden und wenn das Auto verschwinden soll oder er einen Experten dafür braucht selber zu verschwinden, geht er natürlich zu Leuten die er kennt. Inhärent hat das absolut Sinn für mich gemacht.

Der Film setzt genau am Ende der Serie wieder an. Für uns sind das "alte Bekannte", aber für Jesse geht es direkt weiter. Vielleicht kann man dem Film hier vorwerfen zu spät zu kommen.

Fanservice ist für mich eine unnötige Randnotiz, die nur dazu da ist, dass sich der Macher und der Zuschauer wissend zunicken können. Arnold Schwarzenegger, der in jedem Film "I´ll be back" sagen muss. Jeder Star Wars Film muss heute eine Cantina-Szene haben oder wenn in einem neuen Star Trek ein Alien im Hintergrund steht, das in Folge 2x12 im Jahr 1967 auch schon mal vorkam.

Hätte es den Film gebraucht? Nö. Die meisten hätten wohl mit dem offenen Ende leben können. Aber wenn du heute diesen Film machst, kann er nur so aussehen.
tsch hat geschrieben:
12. Okt 2019, 11:15
- Wüsste nicht, wo die Story auch nur ansatzweise überraschend ist - mehr straightforward geht schon fast gar nicht mehr. Deswegen auch die "Kritik", dass es sich wie Fanservice anfühlt, weil hier etwas auserzählt wird, das nicht hätte auserzählt werden müssen.
Ich habe ja selbst geschrieben, dass die Story bzw. der Plot nicht sonderlich komplex ist. Es geht bei Vince Gilligan aber gar nicht darum. Es geht darum, wie er Szenen auflöst und das immer unvorhersehbar ist. Das macht seine Inszenierungen für mich so spannend. Die Serie Breaking Bad hatte auch keine komplexe Handlung, war aber trotzdem immer spannend, weil man nicht wusste, was als nächstes passiert. Ich erinnere nur mal an die Pool-Szene beim Kartell. Du kommst in eine Szene, hast zig Möglichkeiten im Kopf, die als nächstes passieren könnten, aber Gilligan findet fast immer die eine Lösung, die noch überraschender und besser ist.

Benutzeravatar
tsch
Beiträge: 351
Registriert: 23. Jul 2016, 15:10

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von tsch » 12. Okt 2019, 14:15

Andreas29 hat geschrieben:
12. Okt 2019, 13:58
Jesse braucht in der Situation, in der er sich befindet vor allem eins: Menschen, denen er vertrauen kann und die ihn nicht ans Messer liefern. Natürlich flüchtet er erst einmal zu Freunden und wenn das Auto verschwinden soll oder er einen Experten dafür braucht selber zu verschwinden, geht er natürlich zu Leuten die er kennt. Inhärent hat das absolut Sinn für mich gemacht.
Da hätte ich vielleicht besser differenzieren sollen beim Schreiben: Wenn es nur die Freunde gewesen wären, dann würde ich dir auch da zustimmen. Das macht Sinn und ist subtil in die Geschichte eingespannt. Irgendwie kann man hier Spoiler markieren, aber weil ich gerade nicht weiß wie das geht, belasse ich es mal bei "Personen, die Leute wiedersehen wollen" und die oft nur 1 Minute gezeigt wurden, damit sie auch mal drin waren - 3 fallen mir da jetzt spontan ein, ohne noch mal zu gucken. Und diese 3 waren nach meinem Verständnis künstlich reingeschrieben und hatten keinen Platz in der eigentlichen Geschichte. Das wirkte völlig deplatziert und einfach nur wie Fanservice.
Andreas29 hat geschrieben:
12. Okt 2019, 13:58
Hätte es den Film gebraucht? Nö. Die meisten hätten wohl mit dem offenen Ende leben können. Aber wenn du heute diesen Film machst, kann er nur so aussehen.
Das stimmt. Wenn man Jesse's Geschichte erzählen will, dann kann er nur so aussehen. Mein Argument wäre aber, dass ich diesen Teil der Geschichte nicht gebraucht hätte, weil auch gar nicht genug offen war, was man irgendwie noch erzählen könnte. Das ist so (vielleicht nicht ganz extrem), als würde man den Killer in einem Drama offen lassen und dann macht man noch ein Film dazu, wo man zeigt: Der war's und so hat er sich dann aus dem Staub gemacht, als eh schon alles vorbei war.
Andreas29 hat geschrieben:
12. Okt 2019, 13:58
Ich habe ja selbst geschrieben, dass die Story bzw. der Plot nicht sonderlich komplex ist. Es geht bei Vince Gilligan aber gar nicht darum. Es geht darum, wie er Szenen auflöst und das immer unvorhersehbar ist. Das macht seine Inszenierungen für mich so spannend. Die Serie Breaking Bad hatte auch keine komplexe Handlung, war aber trotzdem immer spannend, weil man nicht wusste, was als nächstes passiert. Ich erinnere nur mal an die Pool-Szene beim Kartell. Du kommst in eine Szene, hast zig Möglichkeiten im Kopf, die als nächstes passieren könnten, aber Gilligan findet fast immer die eine Lösung, die noch überraschender und besser ist.
Bei Breaking Bad würde ich dir zustimmen, aber dieser Film war so - das Wort passt einfach zu gut: Straightforward. Da war überhaupt nichts überraschend...

Benutzeravatar
Dr. Zoidberg [np]
Cronjob of Justice
Beiträge: 2764
Registriert: 7. Jul 2016, 23:28
Kontaktdaten:

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] » 12. Okt 2019, 22:33

tsch hat geschrieben:
11. Okt 2019, 11:51
Apocalypse Now (Final Cut) zum ersten Mal gesehen, um diese Bildungslücke auch zu schließen :ugly: . Fand ich insgesamt echt ganz gut, obwohl ich jetzt nicht finden würde, dass es einer der besten Filme aller Zeiten ist. Vielleicht bin ich dafür aber auch einfach zu spät dran.

Ist auf jeden Fall eine Leistung, wenn ich mich 3 Stunden gut unterhalten fühle und es keine langatmigen Momente gibt. Kenne den Unterschied zum Original nicht, also weiß ich nicht, ob das auch stark am Final Cut liegt, aber war überrascht wie hübsch der Film ist und auch wie stilvoll Farben eingesetzt wurden.
Ich finde den Film ja ziemlich überbewertet. Hab die Redux-Version damals im Kino gesehen und naja: Das Ende macht alles kaputt.

Vor etwa 2 Jahren dann nochmal probiert und finde das Ende immer noch beschissen und Marlon Brandos Schauspielleistung eine Katastrophe.

Hab mal das hier zu geschrieben:
Dr. Zoidberg
12.08.2016 23:29 Uhr / Wertung: 6
Ich hab die Redux Version damals im Kino gesehen und fand ihn eher mäßig. Gut, ich war zu der Zeit gerade mal 17, vermutlich war das ein Problem des Alters. Neulich habe ich Spec Ops: The Line gespielt, dass sich ja, ebenso wie Apocalypse Now an "Heart of Darkness" orientiert. Ich habe nach wie vor so meine Probleme mit Apocalypse Now, die habe ich aber auch mit dem (meiner Meinung nach) furchtbaren Buch.

Zuerst einmal: Ich finde Apocalypse Now grandios - bis zu dem Moment, wenn sie in Kurtz' Lager kommen. Ab da baut der Film für mich rapide ab. Warum? Für mich hat der Film ab dann mit alldem was vorher passiert ist überhaupt nichts mehr zu tun. Das liegt daran, dass der Film bis dahin größtenteils als Kriegsfilm inszeniert wird und ab dann auf einmal in Richtung (Psycho-)Thriller geht. Außerdem haben es weder Buch noch Film bei mir in irgendeiner Weise geschafft nahezubringen, warum denn bitte Kurtz auf den Kapitän so eine Faszination auswirkt. Kurtz ist mir ehrlich gesagt völlig egal und damit funktioniert die Spannung für mich an der Stelle nicht und die letzten 30-40 Minuten sind nur noch Ödnis. Das ist etwas, was Spec Ops: The Line z.B. für mich deutlich besser hinbekommen hat.

Dafür ist die Reise dahin wie schon gesagt grandios - etwas, was man vom Buch nicht behaupten kann, da man dort etwa 2 Monate mit dem Kapitän bei der Schiffsreparatur verbringt. Die Inszenierung birgt genügend unvorhergesehene Momente, die Wagner-Szene sucht ihresgleichen und der Krieg wird mit der nötigen Härte dargestellt, dass es einfach nur abstoßend wirkt.

Vielleicht kann mir jemand von euch diese Faszination an Kurtz näherbringen? Ich verstehe sie nämlich tatsächlich nicht. So unterteilt sich für mich der Film letztlich in 2 Teile. Einen, den ich grandios finde und einen, den ich beim nächsten Anschauen vermutlich nicht mehr anschauen werde.

Benutzeravatar
tsch
Beiträge: 351
Registriert: 23. Jul 2016, 15:10

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von tsch » 12. Okt 2019, 23:34

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:
12. Okt 2019, 22:33
Ich finde den Film ja ziemlich überbewertet. Hab die Redux-Version damals im Kino gesehen und naja: Das Ende macht alles kaputt.
Da würde ich dir komplett zustimmen, nur mit dem Unterschied, dass das Ende für mich den restlichen Film nicht kaputt macht. Alles ab diesem letzten Lager fand ich ziemlich schlecht und das ist auch der eigentliche Punkt, wo ich dann behaupten würde, dass es den Sprung zum Meisterwerk verpasst.

Vielleicht sehe ich den Teil sogar noch etwas extremer als du, weil sich der für mich so fremdartig angefühlt hat, dass ich ihn schon eher separat sehe und ausklammere, wenn ich jetzt so nachträglich wieder drüber nachdenke.

Mir im Gedächtnis geblieben ist eigentlich nur - und das ist jetzt wirklich nur so lange her bei mir: Ok, am Ende kommt dann noch irgendein Quatsch mit 'nem Kult :ugly: . Wüsste schon gar nicht mehr, worum es da jetzt genau ging. Die Schauplätze davor habe ich dagegen noch sehr präsent im Kopf.

Andreas29
Beiträge: 220
Registriert: 22. Mai 2019, 12:14

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 » 13. Okt 2019, 10:56

Grand Budapest Hotel

Zeit für einen Hot Take :smiley:

Das ist hemmungsloser Style over Substance. Der Bildkompositions-, Schnitt- und Kameraeinstellungsporno ist zwar faszinierend und als jemand, der sich über reine Unterhaltung mit Filmen beschäftigt absolut sehenswert… ja ich würde sogar sagen: Muss man mal gesehen haben.

Aber die Story? Meh. Charaktere? Klar, skurril. Wie immer bei Anderson. Aber hier fühlt es sich tatsächlich so an, als wären die Charaktere schräg um des Schrägsein willens.
Und im Minutentakt mit Superstars vollgebombt zu werden, ist kein qualitativer Wert an sich. Auch, wenn es Lieblinge wie Bill Murray oder Jeff Goldblum sind.

Unterhaltsam ist das trotzdem irgendwie. Dafür sind Anderson-Filme dann doch zu eigen. Aber diese Stellung als ultimativer Kritikerliebling mit vielen hohen bis Höchstwertungen… hat er meiner Meinung nach nicht verdient.

3,5 von 5 Sternen.

Climax

Ja. Auch hier: Style over Substance. Die Tanz-Plansequenz am Anfang ist der Hammer und die Kamera allgemein - wenn auch ganz am Ende etwas übertrieben diffus - und das Zusammenspiel dieser mit der Musik ist der Wahnsinn. Ein Audiovisueller Orgasmus der besonderen Art.

Das Problem: Noé versucht die letzte Viertelstunde von “Requiem vor A Dream” auf eine Stunde auszuweiten… allerdings mit Charakteren, die mir vollkommen egal sind. Das scheint er zu wissen und baut als billigen emotionalen Effekt ein Kind ein.

Laut seinen eigenen Aussagen wollte er zeigen “wie schlimm Drogen sind”. Nur unterläuft er diesen Anspruch selbst, denn in der Handlung des Films ist der kollektive Trip dieser Menschen unfreiwillig herbeigeführt. Wenn der Film ein Thema hat, dann sind es schlechte Freunde.
Ich habe persönlich keine Drogenerfahrung… zumindest mit härteren Drogen. Trotzdem möchte ich in Zweifel stellen, dass Menschen wegen LSD zu gewalttätigen Vollpsychopathen werden. Der Film ist so drüber in der Darstellung von Drogenmissbrauch, dass er sich von der Realität abhebt und der pädagogische Ansatz vollkommen zerstört wird.

Trotzdem bleibt es eine “Seherfahrung”.

3 von 5 Sternen

Goodfellas


Scrollt weiter hoch und schaut, was ich zu Casino geschrieben habe. Das sagt auch alles zu Goodfellas.

Darf ich auch mal den nächsten Hot Take abliefern? Ich finde Joe Pesci überschätzt… oh je, hat er das wirklich geschrieben? Ja, hat er. Joe Pesci kann EINE Rolle perfekt, aber auch eben nur diese. Und Scorsese setzt mir das in beiden Filmen zu inflationär ein. In GoodFellas gibt es gleich drei- oder viermal den Aufbau: “Joe Pesci sitzt in einer Bar oder einem Restaurant, redet und unterhält fast den ganzen Laden und explodiert dann aus dem Nichts und massakriert jemanden”. Das hat für mich vollkommen seine Wirkung verloren.

Ich hoffe in “The Irishmen” denkt sich Scorsese mal was Neues aus.

4 von 5 Sternen.

Benutzeravatar
LegendaryAndre
Beiträge: 301
Registriert: 19. Feb 2017, 09:06
Wohnort: Graz

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von LegendaryAndre » 13. Okt 2019, 20:52

El Camino

Ich habe mir vorher noch die genialen letzten Folgen der fünften Staffel von Breaking Bad angesehen und mir einzelne Episodenbeschreibungen der anderen Folgen durchgelesen um einigermaßen gut vorbereitet den Film zu starten. Direkt nach dem Staffelfinale ging es gleich mit El Camino weiter. Meine Meinung dazu (mit weichen Spoilern):

Einige Szenen funktionieren hervorragend, andere sind klar als Fan-Service erkennbar, aber nicht unbedingt unpassend. Nur wenige Szenen sind etwas unstimmig. Insgesamt fehlt es dem Film im Vergleich mit der Serie etwas an Tiefe, aber das liegt auch daran dass es inhaltlich in erster Linie um das Einzelschicksal eines Charakters geht. Einige Rückblenden sind leider auch ein bisschen zu langatmig geraten. Der Film ist eher eine Draufgabe, kann für sich alleine nicht bestehen und erhebt auch nicht den Anspruch darauf (wäre auch seltsam das zu verlangen). Insgesamt fügt er sich wunderbar in das bisherige Gesamtwerk ein und ist gut erzählt, allerdings könnte er einen Tick ausgefeilter sein. Für Fans Pflicht! Alle anderen kommen aufgrund von Verständnisproblemen ohnehin nicht umher, sich vorher die Serie(n) anzusehen.

Wirklich störend war für mich nur Jesse Plemons, der doch mehr Rolle in den Rückblenden bekommen hat. Damit das glaubwürdiger ist, hätte er abnehmen müssen. Bei den anderen Schauspielern fällt es nicht so stark auf, dass sie älter geworden sind, wie bei ihm.

Mit diesem Film wird Breaking Bad wirklich zu Ende erzählt und eine Fortsetzung kann ich mir eigentlich nur noch mit neuen Schauspielern vorstellen. Noch weiter in der Zukunft ist Saul Goodman's Geschichte bereits in Better Call Saul angelegt und vielleicht erzählen sie seine Geschichte in der noch laufenden Serie oder ebenfalls in einem einzelnen Film zu Ende.

Morval
Beiträge: 3
Registriert: 13. Okt 2019, 21:07

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Morval » 13. Okt 2019, 22:33

Long time lurker, first time writer :-)

Joker

Todd Phillips, der bisher hauptsächlich für die Hangover-Trilogie bekannt war, verfilmt nun also die Origin-Story des Jokers. Der Film lässt mich zwiegespalten zurück. Zum einen ist Joaquin Phoenix absolut brilliant in seiner Rolle als Joker und gilt meiner Meinung nach zurecht als aussichtsreicher Kandidat für den Oscar als bester Hauptdarsteller. Auch wenn ich nicht alle Darstellungen des Jokers in Film und Fernsehen selbst gesehen habe (vor allem fehlen mir viele Zeichentrickadaptationen), so schafft es Phoenix für mich, dem Charakter neue Facetten abzugewinnen und auch diesen Joker nach Nicholson und Ledger wieder zu einer sehr ikonischen Darstellung werden zu lassen. Allein das Lachen des Jokers vermittelt den Wahnsinn und die Qualen von Arthur Fleck perfekt, und ist dabei für den Zuschauer faszinierend und verstörend zugleich. Außerdem finde ich insbesondere Phoenix' physische Darstellung auf vielen Ebenen exzellent. Nicht nur ist der Körper abmagert und von Blessuren überzogen, sondern seine Manierismen zeigen einen zutiefst gestörten Charakter: So zerfährt die Mimik gelegentlich dezent, aber merkbar, und das Rennen sieht immer so aus, als hätte der Joker große Clownschuhe an. Diese live-action Darstellung des Joker ist für mich am Nächsten an dem Joker, so wie ich mir diesen in Comics und nicht-Realverfilmungen immer vorgestellt habe! Lobend hervorheben möchte ich außerdem die Filmmusik: Sie unterstreicht das Gezeigte meines Erachtens sehr gut und unterstützt die düstere Atmosphäre auch auf akustischer Ebene.
Und damit komme ich zu der Kehrseite des Films: Ich finde, Phillips schafft es nicht, in diesem Film zu differenzieren und die Taten des Jokers einzuordnen. Gerade durch die ausführliche Darstellung in der ersten Hälfte des Films, in dem Arthur Fleck Zurückweisung, Erniedrigung und Gewalt entgegenschlägt, konnte ich doch Empathie für diesen Charakter, der von der Gesellschaft ausgegrenzt wird, empfinden. Für mich hat es der Film dann in der zweiten Hälfte nicht geschafft, die späteren Gewalttaten des Jokers ausreichend zu verurteilen oder zumindest darzustellen, dass trotz aller vorherigen Schicksalsschläge Gewalt keine Lösung ist. Durch die Empathie, die ich in der ersten Filmhälfte aufgebaut habe und die fehlende Einordnung der Gewalt am Ende entwickelte sich der Joker für mich nicht zu einem Bösewicht, sondern blieb weiterhin (Anti-)Held.
SpoilerShow
Ich hatte gar das Gefühl, dass der Joker am Ende heroisiert wird: Er bricht aus seinem Korsett aus, darf erstmalig in seinem Leben selbstbestimmt agieren, bekommt Anerkennung und wird sogar als Anführer eines (gewalttätigen) Aufstands gefeiert.
Insbesondere durch die Nähe einiger dargestellter Thematiken zum aktuellen Zeitgeschehen empfinde ich den Status des Jokers als problematisch!

Andreas29
Beiträge: 220
Registriert: 22. Mai 2019, 12:14

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Andreas29 » 14. Okt 2019, 04:08

Eine Frau verschwindet

Das nächste Frühwerk von Hitchcock. Und es ist wie mit den meisten seiner Frühwerke: Erstaunlich unterhaltsam, progressiv (hier gibt es ei klar erkennbares schwules Pärchen, 1938!) und frisch inszeniert für so einen alten Film, aber die Genialität der späteren Jahre ist noch nicht da.

Der Film ist eine Variation von “Mord im Orientexpress”. Nur dieses Mal wird keiner ermordet, sondern es verschwindet eine Frau und eine andere Frau muss sie suchen, aber keiner im Zug will sich an die verschwundene Frau erinnern.

Hier gibt es am Anfang übrigens eine Kamerafahrt durch ein Dorf aus Miniaturen, sogar mit einem relativ gut aussehenden beweglichen Auto… 3 Jahre VOR Citizen Kane.
Den Witz im Film, der fast schon an Screwball erinnert, muss auch noch hervorgehoben werden, weil er seiner Zeit ebenfalls voraus war.

3,5 von 5 Sternen

Geh und sieh

Puh. Also ich wurde ja vorgewarnt, aber der hat mich ganz schön geplättet.
“Geh und sieh” (der englische Titel ist kurioserweise “Come and see”) ist ein Antikriegsfilm aus der Sowjetunion aus dem Jahr 1985.
Er handelt von den von den deutschen besetzten Gebieten der Sowjetunion, die auf dem heutigen Gebiet von Weißrussland liegen. er thematisiert vor allem die Partisanenkämpfer. Das gGanze erzählt anhand eines Jugendlichen, der bei einer Leiche eines Deutschen Soldaten eine Waffe findet und sich damit für die Partisanen “qualifiziert”. In dem Film geht es weniger um Gefechte als viel mehr um die unfassbaren Leiden der Zivilbevölkerung, die der Willkür der SS und dem Hunger ausgesetzt sind.

Und ja, es gibt die Diskussion, ob es den Antikriegsfilm überhaupt gibt… nun ich habe ihn gefunden. Wer danach Lust auf Krieg hat, an dessen Verstand und Menschlichkeit muss arg gezweifelt werden.

Ein Film, der einen an der Menschheit verzweifeln lässt und einem unablässig in den Magen tritt, bis man vor dem Bildschirm selbst ein Haufen elend ist.
Ganz Groß und mutig auch, wie er die Partisanen nicht zu Helden stilisiert, obwohl er noch zu Sowjet-Zeiten gedreht wurde.

Ein ganz großer Film, den leider viel zu wenig Menschen kennen. Den sollte man aber auch wirklich nur schauen, wenn man OK damit ist, dass mindestens der Tag, wenn nicht sogar der Folgetag im Arsch ist…
Und man muss Abstriche bei der Bild- und Tonqualität machen. Die einzige deutsche OmU-DVD hat ein verkleinertes Bild und es wackeln z.B. die Untertitel. Manches ist verschwommen.

Mir bleibt nichts anderes übrig als 5 von 5 Sternen zu geben.

Benutzeravatar
LegendaryAndre
Beiträge: 301
Registriert: 19. Feb 2017, 09:06
Wohnort: Graz

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von LegendaryAndre » 15. Okt 2019, 16:50

Joker

Da andere den Film bereits sehr gut beschrieben haben, fasse ich mich kurz:

Wie zu erwarten spielt Joaquin Phoenix den Joker absolut brilliant und hätte sich dafür auch einen Oscar verdient! Dabei ist auch die Interpretation von Batmans Erzfeind hochinteressant und irgendwie näher an den Comics als bisherige Filme. In der ersten Filmhälfte erscheint alles realistisch und nachvollziehbar. Ich persönlich empfinde den Film nicht unbedingt als so vorhersehbar wie er von vielen beschrieben wird. Es gibt durchaus Überraschungen die funktionieren. Die Erzählung selbst ist aber geradlinig.

Alles in allem wird die Geschichte eines Mannes mit schwerer psychischer Erkrankung erzählt und wenn man das alles auf sich wirken lässt, wird einem klar dass der Joker kaum eine Chance auf ein normales Leben haben konnte. Man hat Mitleid und empfindet zugleich auch Abscheu für seine Taten - gewaltverherrlichend ist hier nichts, außer vielleicht für jene Berufskritiker die dem Film bereits vorher einen Stempel aufdrücken möchten um wichtig ihre Meinung herauszuposaunen. Wer den Film aber versteht, begreift dass hier eine geniale Charakterstudie eines psychisch schwer kranken Menschen gezeigt wird, der aufgrund äußerer Einflüsse (Kindheit, Prägungen durch die Gesellschaft) langsam aber sicher zum Psychopathen wird. Eigentlich sollte man eher darüber nachdenken, ob man zu seinen Mitmenschen nicht etwas netter sein kann und wo es bereits Parallelen zwischen Film und dem echten Leben gibt (und die gibt es in unserer zum Teil verkorksten Gesellschaft durchaus). Dahingehend hat mich der Film aufgewühlt und schließlich nachdenklich gestimmt. Mich regt er dazu an Dinge besser zu machen. Ich persönlich kann dem Film auch etwas abgewinnen, weil ich ebenfalls kein all zu leichtes Leben hatte, obwohl es natürlich vom Schweregrad her nicht mit dem eines Jokers vergleichbar ist.

Warum ich mit den meisten Kritikern konform gehe, dass der Film insgesamt dennoch kein Meisterwerk ist, hat folgende Gründe. Erstens sind manche Erzählstränge (vor allem gegen Ende hin) nicht sauber genug ausgearbeitet, um als weitgehend authentisch wahrgenommen zu werden (minimaler Störfaktor), zweitens kommt das Ende zu abrupt. Der Wandel zum Joker funktioniert zwar, hätte aber einen noch besseren Dialog verdient und das was auf auf den Straßen passiert ist für mich nicht glaubwürdig genug dargestellt. Ich denke ein geniales Ende hätte diesem ansonsten brillianten Film die Krone aufgesetzt. So bleibt er nur ein sehr guter Film mit einem meisterhaften Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. Nach Heath Ledger's Darbietung hätte ich nicht gedacht, dass da jemand ran kommt. Ledger's Joker agiert aber in dem vergleichsweise besseren Film und hätte in der gezeigten Form in einem Einzelfilm ohne Batman und der inszenatorischen Wucht mit teuren Spezialeffekten nicht die gleiche Wirkung gehabt.

So viel zu dem Thema dass ich mich kurz fasse. Ich kann mich wohl nicht kurz fassen. ;)

Benutzeravatar
Feamorn
Beiträge: 725
Registriert: 20. Mai 2017, 23:12
Wohnort: Bergisch Gladbach

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Feamorn » 16. Okt 2019, 12:35

The Host (2006)
Gekauft und angefangen zu gucken als "koreanischer Monsterhorror".
Ich muss zugeben, dass ich etwas gebraucht habe, um zu erkennen, was der Film da genau macht. Das ist am Ende gar kein Horrorfilm sondern eine große Kritik der Beziehung Südkoreas und der USA. Zunächst haben mich der schon sehr "tollpatschige" Hauptcharakter und die teils sehr humorige Darbietung etwas ge- und verstört, aber ich muss sagen, so am Ende, im Gesamtkontext, war das ein erfrischender Film, der mir echt viel Spaß bereitet hat. Die Computereffekte halten einer heutigen Bewertung leider nicht wirklich stand, aber zum Glück geht es eben auch nicht darum, gruselig zu sein, weshalb sie ihren Job weiterhin erledigen und nicht allzusehr stören.
Also, empfehlenswerter Genrefilm, sofern man eben kein Gore- oder Gruselfest erwartet!
4/5


No Mercy (2019)
Ich vermute mal, die große Masse der koreanischen Rache-Filme ist auf Old Boy und Park Chan-wooks sonstiges Schaffen zurück zu führen?
Leider merkt man den Nachahmern an, dass dazu mehr als das Grundgerüst gehört. Audiovisuell ist das eine ziemlich lahme Nummer, und so gut mir Hauptdarstellerin Lee Si-young prinzipiell gefallen hat, das Drehbuch war viel zu schwach, um hier wirklich etwas reißen zu können. Es hilft nichts, einfach einen noch extremer misogynen Charakter an den anderen zu Reihen, um die Gewalt gegen sie irgendwie zu rechtfertigen.
Ab in's Nachsitzen!
2/5


Cloverfield (2008)
Nachdem ich neulich ja endlich Cloverfield Paradox gesehen habe und ein großer Fan von 10 Cloverfield Lane bin (für mich einer der stärksten Filme der letzten zwei Jahrzehnte), wollte ich dann doch noch einmal den ursprünglichen Film nachholen. Ich muss zugeben, dass er mir heute doch eine Ecke besser gefällt, als damals. Unter den Found-Footage-Filmen schon einer der besseren und vom Timing her insgesamt ziemlich gelungen. Absolut kurzweilig, allerdings schafft auch er es nicht, so richtig gut zu begründen, warum der Charakter die ganze Zeit mit der Kamera drauf hält. (Das haben Blair Witch Project und REC (für mich das Musterkind im Genre) immer noch besser gemacht.)
3,5/5


War for the Planet of the Apes (2017)
Wie oft hat man es mal, dass der dritte Teil einer Trilogie tatsächlich das Sahnehäubchen ist?
Mir haben nun alle drei Teile sehr gut gefallen, aber War dürfte am Ende vermutlich der rundeste Film sein, vielleicht gerade weil er fast ausschließlich zwischen den Affen (und einem stummen Mädchen) spiel. Was die animierten Charaktere hier an Emotionen rüber bringen ist schon großes Kino!
Bonuspunkte für die unerwartete Auflösung des Hauptkonflikts, dazu leider ein Punkt Abzug für den Comicrelief, ich mochte den Charakter zwar, aber das wirkte dennoch teilweise etwas bemüht und unnötig, das Ende war auch fast etwas zu schmalzig, ging aber noch in Ordnung. Eine tolle Filmreihe, die konstant besser wurde (gibt trotzdem die gleiche Wertung, wie für die beiden Vorgänger).
4/5


Nymphomaniac: Vol. I & II (2013)
Puuuuuuh....
Was mache ich denn hiermit?
Zunächst, eigentlich fand ich den Film (ich nennen es einen, da die Trennung ja nur durch Verkaufspolitik zustande kam) ziemlich gut. Die ganzen "bekannten" Kritik- und Skandalpunkte fand ich ehrlich gesagt nebensächlich, und auch nicht so tragisch.
Meine Probleme mit dem Film kommen aus einer anderen Ecke. An ein paar Stellen wird recht deutlich, dass Joe plötzlich die Worte des Regisseurs selbst von sich gibt, in der er den Skandal um sich selbst thematisiert (u.A. die Rassismusvorwürfe), und da wird es, mir persönlich, dann ehrlich gesagt zuviel. Zwar gibt es im Film auch eine Gegenrede, aber die wird später ziemlich stark entwertet. Jetzt sitze ich zwischen den Stühlen, ein ansich ziemlich guter Film, der von seinem Macher als Vehikel für Aussagen missbraucht wird, die mir so gar nicht schmecken wollen. Doof.
Keine Wertung, ich kann, bzw. mag nicht.


The Villainess (2017)
Noch ein koreanischer Rachefilm. Diesmal ist die Story etwas besser, und die Action-Choreographie sogar ganz schön toll, leider macht die Kamera in den Actionszenen für mich das fast alles kaputt. Diese GoPro-Optik ist für mich die Pest! Am Anfang hoffte ich noch, dass es an der initialen First-Person-Sequenz liegt, aber nachdem es (mit einem ziemlich coolen Effekt) dann in die Verfolgerkamera wechselt, hat der Kameramann leider immer noch versucht, mich zum Erbrechen zu bringen (kein Witz, mir wurde zu Beginn echt flau), das ist im Film leider immer wieder passiert (auch wenn ich mich nach und nach etwas dran gewöhnt habe).
Dazu kommt, dass das das Schauspielerisch teilweise arg hölzern wirkte (kann aber auch teilweise an der Synchro gelegen habe, da bin ich mir, gerade bei asiatischen Filmen, nie so ganz sicher). Wie gesagt, die Choreographie und Inszenierung selbst war großartig, ebenso gab es phantastisches Setdesign, der Film ist einfach SCHÖN, die Kameraführung kann ich aber in meinem Geschmack nur als bösartig bezeichnen. Buh!
2,5/5


Raw (2016)
Ein franko-belgischer Film über das Erwachsenwerden einer sechzenjährigen Musterschülerin. Verpackt in, ähm, ja... Kannibalen sind es nicht, Monster auch nicht so richtig, eine Mischung daraus. Justine ist Vegetarierin und hat in ihrem Leben noch nie Fleisch gegessen und wird in der Einführungswoche der Veterinärmedizinischen Uni von den älteren Kommilitonen mehr oder minder "gezwungen" rohe Innereien zu essen (das ist jetzt arg verkürzt dargestellt). Danach beginnt sie plötzlich Veränderungen an sich wahrzunehmen.
Die Story ansich ist nicht neu, die Präsentation hat mir aber dermaßen gut gefallen, dass sich der Film ziemlich schnell in mein Herz gespielt hat. Ich habe relativ schnell die deutsche Synchro sausen lassen (sorry, aber wenn mir in den ersten drei Sätzen eine Formulierung begegnet, die ganz offensichtlich falsch ist, habe ich schon keine Lust mehr). Leider ist mein Französisch extrem eingerostet und die Deutschen Untertitel waren nun auch nicht sonderlich prall. (Auch dort massig Sachen, die ich noch als ungenau oder gar falsch identifizieren konnte, bedauerlich!)
Das ist wohlgemerkt kein Horrorfilm! (Allerdings gibt es, insbesondere gegen Ende, ein paar Szenen, bei denen ich mich doch gefragt habe, warum das nur eine FSK-16 gab.) Erwartet lieber eine Coming-Of-Age-Geschichte mit etwas derberem Twist.
Genau mein Bier, toll! :)
4,5/5

Benutzeravatar
Dicker
Beiträge: 620
Registriert: 20. Mai 2017, 20:29

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Dicker » 20. Okt 2019, 22:58

Shining
Man merkt diesem Klassiker natürlich sein Alter an, aber verdammt, er funktioniert heute immer noch. Die Spannung im letzten Drittel ist wirklich klasse und das verrückte Gesicht von Jack Nickelson tut sein übriges. Zu Beginn des Films finde ich spielen er und seine Frau noch etwas hölzern, was auch an den Dialogen liegen mag. Aber sobald die Action dann losgeht ist die Performance von allen Schauspielern wirklich top.
SpoilerShow
Der Film ist in Teilen leider etwas untererklärt und warum Jack dann austickt wird nie wirklich erklärt, bzw. was mit dem Hotel los ist. Viele Dinge werden nur angerissen, was einen etwas unbefriedigt zurück lässt (wie funktioniert das bitte, als Jack z.B. aus dem Vorratsraum rausgelassen wird. Und warum der Junge jetzt unbedingt das Shining haben musste, ist eigentlich auch egal. Es kommt einem oft nur wie ein Plot Device vor, um einige gruslige Szenen zeigen zu können. So hat man einige Horror Elemente, der Film fokusiert sich dann aber komplett auf Jacks Wahnsinn.
Trotz allem, der Film funktioniert und hat seinen Status zurecht.

John Wick Chapter 2
Mehr John Wick geht immer, dachte ich. Der Anfang war imo etwas lahm. Klar, viel Action aber iregndwie belanglos. Interessant wurde es erst in Rom. Die Szene in den Katakomben fand ich sehr stark. Da ist mir auch positiv aufgefallen, mit wie wenig Schnitten der Film arbeitet. Moderens Action Kino versteckt die Inkompetenz seiner Schauspieler Action-Szenen vernünftig drehen zu können immer hinter vielen schnellen Schnitten. Hier zum Glück nicht.
Am Ende wurde es mir aber etwas zu viel. 2h sind zu lang, besser wären 1,5h gewesen, denn irgendwann hat man sich an der Action sattgesehen. Wer Teil 1 mocht, wird auch den hier mögen, auch wenn ich Teil 1 in sich deutlich stimmiger und stringenter fand.

Rince81
Beiträge: 1742
Registriert: 21. Dez 2015, 04:30

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Rince81 » 21. Okt 2019, 09:51

Feamorn hat geschrieben:
16. Okt 2019, 12:35
The Host (2006)
Gekauft und angefangen zu gucken als "koreanischer Monsterhorror".
[...]
Also, empfehlenswerter Genrefilm, sofern man eben kein Gore- oder Gruselfest erwartet!
4/5
Anmerkung dazu, der neues Film des Regissurs Bong Joon Ho ist Parasite und gerade am Donnerstag in den Kinos gestartet und ich habe bislang nur extrem positive Kritiken gehört und die Goldene Palme in Cannes gibt es auch nicht umsonst.
https://www.youtube.com/watch?v=isOGD_7hNIY
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur

Benutzeravatar
Heretic
Beiträge: 1981
Registriert: 20. Mai 2016, 13:30

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic » 21. Okt 2019, 12:13

Feamorn hat geschrieben:
16. Okt 2019, 12:35
An ein paar Stellen wird recht deutlich, dass Joe plötzlich die Worte des Regisseurs selbst von sich gibt, in der er den Skandal um sich selbst thematisiert (u.A. die Rassismusvorwürfe), und da wird es, mir persönlich, dann ehrlich gesagt zuviel. Zwar gibt es im Film auch eine Gegenrede, aber die wird später ziemlich stark entwertet.
Echt? Mir ist nichts dergleichen aufgefallen. Ist aber schon eine ganze Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Welche Szenen meinst du denn?

Benutzeravatar
Feamorn
Beiträge: 725
Registriert: 20. Mai 2017, 23:12
Wohnort: Bergisch Gladbach

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Feamorn » 21. Okt 2019, 13:16

Heretic hat geschrieben:
21. Okt 2019, 12:13
Feamorn hat geschrieben:
16. Okt 2019, 12:35
An ein paar Stellen wird recht deutlich, dass Joe plötzlich die Worte des Regisseurs selbst von sich gibt, in der er den Skandal um sich selbst thematisiert (u.A. die Rassismusvorwürfe), und da wird es, mir persönlich, dann ehrlich gesagt zuviel. Zwar gibt es im Film auch eine Gegenrede, aber die wird später ziemlich stark entwertet.
Echt? Mir ist nichts dergleichen aufgefallen. Ist aber schon eine ganze Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Welche Szenen meinst du denn?
Insbesondere, als Seligman ihr an einer Stelle rein krätscht, dass man dunkelhäutige Menschen nicht so bezeichnen sollte (es kann sogar sein, dass das Wort selbst gar nicht fiel), und sie selbst erklärt dann, warum sie es eben doch sagen darf usw. usf. Das fand ich recht deutlich eine Anspielung auf die Rassismusvorwürfe gegen Lars von Trier selbst damals, zumal es im Film ziemlich aus dem Nichts kommt. Ich fand das zu dem Zeitpunkt noch nicht so tragisch, da er ja mit Seligman eben auch die Gegenteilige Ansicht zu Wort kommen lässt.
Tatsächlich kann man die Szene insgesamt auch noch kritischer sehen, habe mich noch was damit beschäftigt und auch eine Besprechung des Films gesehen, da ihre beiden potentiellen Sexpartner da schon recht "unerwachsen" dargestellt werden, was eben in solcher nur bei den beiden passiert, bei keinem der weißen Männer.
Ohne den sonstigen Kontext würde ich da auch eher drüber hinwegsehen, aber so bleibt für mich eben schon unterschwellig eine gewisse Problematik der Darstellung.
SpoilerShow
Problematisch ist das für mich im Gesamtkontext am Ende insbesondere dadurch, dass Seligman, für mich, am Ende plötzlich total aus der Rolle fällt, als er sie ja dann doch sexuell rabiat angeht, obwohl er ja vorher auch noch explizit gesagt hat, er sei asexuell, ganz abgesehen davon, dass das irgendwie überhaupt nicht zu der bisherigen Charakterzeichnung passte, und sie ihn dann in Notwehr, vermeintlich, erschießt. Das hatte für mich in seiner Gesamtwirkung dann doch einen ziemlichen Geschmack.
Wie gesagt, ich fand den Film als solchen schon über weite Strecken gut, aber ich bin in meinem Filmkonsum mittlerweile eben (leider?) doch soweit, dass ich solche Subtexte dann doch manchmal bemerke und mir dann schon Gedanken mache, ob ich das so uneingeschränkt gut finden kann, wie ohne dieses Bewusstsein.
Man sollte diesen Film meiner Meinung nach jedenfalls mit mehr als einem Korn Salz genießen. Was echt Schade ist, weil ich insbesondere das Spiel und die Dialoge zwischen Gainsbourg und Skarsgård echt ziemlich großartig fand.

Am Ende dürfte bis jetzt Melancholia mein liebster von Trier Film sein. (Habe ja nur die Depression-Trilogie gesehen, bislang).

Benutzeravatar
Heretic
Beiträge: 1981
Registriert: 20. Mai 2016, 13:30

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic » 21. Okt 2019, 14:21

Ich fand die Nazi-Vorwürfe gegenüber von Trier und den Ausschluss vom Filmfestival in Cannes damals für reichlich überzogen. Ich habe das besagte Interview gesehen und seine Aussagen zu keinem Zeitpunkt für bare Münze genommen. Der Mann hat einen speziellen Sinn für Humor und er provoziert gerne. Seinen "Ok, ich bin ein Nazi"-Ausruf kann man unmöglich als ernst gemeinte Aussage einordnen, wenn man den Verlauf des Gespräches kennt. Nun ja, in dieser Sache haben sich weder die Festival-Leitung noch die Journaille oder von Trier selbst mit Ruhm bekleckert.

Ich habe in der genannten Szene keinerlei rassistische Tendenzen ausmachen können, auch wenn von Trier vielleicht augenzwinkernd ein paar Klischees auspackt. An den genauen Verlauf oder den Wortlaut kann ich mich aber nicht mehr erinnern - der Film war mit seinen fünfeinhalb Stunden dann doch etwas ausufernd. Es gibt aber eine Theorie, dass Joe und Seligmann beide Alter Egos von Triers darstellen. Kann mir durchaus vorstellen, dass da was dran ist.

In das Ende würde ich nicht allzuviel hineininterpretieren. Vielleicht soll es den Sieg des Triebes über die Vernunft symbolisieren. Vielleicht brauchte von Trier aber auch nur noch einen finalen Schocker. Man hat ja einen Ruf zu verlieren... ;)

Benutzeravatar
Axel
Beiträge: 1344
Registriert: 1. Jul 2018, 20:43

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Axel » 21. Okt 2019, 21:34

Merkt es Euch: Wann immer der gemeine „Tatort“-Zuschauer (und ausgerechnet Til Schweiger) shitstormt, wird es gut! Auch gestern wieder beim neuen Murot „Angriff auf Wache 08“. Ulrich Tukur wieder mal mit einer fantastischen Leistung. Und das ganze versammelte Feuilleton verkennt, was der Tatort aussagen will! :ugly:

Diesmal geht es um eine stillgelegte Polizeiwache, die nur noch als Museum dient. Murot hat eigentlich Urlaub und will einen alten Kameraden besuchen, der dort mehr schlecht als recht Schüler unterhalten muss. Währenddessen findet ein nicht näher charakterisierter Mann und seine Tochter eine Leiche einer mordenden Gang. Der Vater wird erschossen, das Mädel rettet sich mit der Gang im Schlepptau zur besagten alten Polizeiwache. Und auch gleichzeitig bleibt ein Gefangenentransport in der Nähe der Wache stecken. Diese kommen ebenfalls zur Wache. Murot, ein Kind, der alte Kommissar der sein Herz an eine RAF Terroristin in den 80ern verlor, ein Massenmörder und eine Assistentin müssen sich nun in diesem Museum vor einem Zusammenschluss verschiedener Gangs erwehren. Während natürlich kein Internet da ist, die Handys zerstört sind und allgemein gibt es keine moderne Technologie.

Dieser Film ist ein bitterböser Kommentar auf Technologiegläubigkeit, der voreiligen, ideologischen Kategorisierung in Gut und Böse sowie auf das Sicherheitsgefühl der heutigen Gesellschaft. Passend unterlegt von nervigen Fun-Radio. Einen Täter an sich gibt es nicht und auch die Gang wird am Ende nicht besiegt, soviel kann man schonmal sagen.

Großes Kino!
A little bit of the BUBBLAAYY!
~ Chris Jericho Mark #1 ~

Benutzeravatar
Heretic
Beiträge: 1981
Registriert: 20. Mai 2016, 13:30

Re: Welche Filme habt ihr zuletzt geschaut?

Beitrag von Heretic » 22. Okt 2019, 12:21

Einige Charaktere und deren Handlungen in "Angriff auf Wache 08" fand ich zwar arg unglaubwürdig und übertrieben, aber größtmöglicher Realismus war nun wirklich nicht das Ziel der Macher. Ihnen gebührt vielmehr Respekt dafür, eine Hommage an John Carpenters "Assault - Anschlag bei Nacht" abgeliefert zu haben, womit ich unter dem Tatort-Banner nie gerechnet hätte. Leider wird aber die Intensität des Originals nie erreicht, stattdessen hat man mehr Humor eingebaut. Mein Ding war's nicht unbedingt, aber definitiv unterhaltsamer als ein 08/15-Tatort von der Stange. Oder ein Schweiger-Tatort.

Antworten