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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Bücher!

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Lese gerade "Heart of Darkness" und... naja. Die ersten 2 Kapitel sind sterbenslangweilig. Das dritte wird durch die Dialoge wenigstens milde interessant, ist aber bisher auch eher so meh. Das Buch zieht sich für seine Kürze schon ziemlich. Bin noch nicht ganz durch (ist aber nicht mehr lang) und frage mich gerade, wie man überhaupt auf die Idee kommen konnte aus der Schlaftablette einen Film zu machen :D

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Bücher!

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:Lese gerade "Heart of Darkness" und... naja. Die ersten 2 Kapitel sind sterbenslangweilig. Das dritte wird durch die Dialoge wenigstens milde interessant, ist aber bisher auch eher so meh. Das Buch zieht sich für seine Kürze schon ziemlich. Bin noch nicht ganz durch (ist aber nicht mehr lang) und frage mich gerade, wie man überhaupt auf die Idee kommen konnte aus der Schlaftablette einen Film zu machen :D
Die Woche auch fertig gelesen und auch heute nochmal Apocalypse Now (nicht Redux) geguckt. Apocalypse Now hält sich schon deutlich stärker an das Buch als Spec Ops: The Line. Trotzdem habe ich sowohl mit Buch als auch Film irgendwie meine Probleme. Ich finde den Film z.B. grandios bis zu dem Moment, wenn sie bei Kurtz ankommen. Ab dann finde ich es langweilig und es hat mit dem Film davor eigentlich gar nichts mehr zu tun. Ich habe außerdem das Problem, dass weder Buch noch Film es geschafft haben zu vermitteln, warum Kurtz so eine Faszination auf den Hauptcharakter ausstrahlt. Da finde ich ehrlich gesagt Walkers Motivation in Spec Ops deutlich besser nachvollziehbar. Immerhin ist die Reise zu Kurtz in Apocalypse Now durchaus gut und spannend gestaltet, während man im Buch lesen darf, wie Marlow 2 Monate lang das Schiff repariert, etc. pp. Im Übrigen fand ich die Performance von Dennis Hopper ganz furchtbar.

Geht das nur mir so? Hab ich irgendwas nicht verstanden?

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Naitomea
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Re: Bücher!

Beitrag von Naitomea »

Gerade zuende gelesen: Charles Stross - The Rhesus Chart (Laundry Files Book 5).

Der 5. Teil von einer Reihe um den Geheimagenten Bob Howard, der für die Laundry arbeitet, welche Großbritannien vor okkulten und überdimensionalen Gefahren schützt, ohne dass die Zivilbevölkerung es erfährt. Also eine Mischung aus James Bond, Akte X und Lovecraft mit humoristischem Anschlag plus einer gehörigen Portion Nerdtum. Gabs aber schon, als Nerds noch nicht popkultureller Mainstream und noch cool waren, also mit dem Herz am richtigen Fleck.

Im 5. Teil wird das Thema 'Vampire' behandelt und ordentlich dekonstruiert. Das erste Buch der Serie, das mir richtig gut gefallen hat. Bei den anderen fiel die eigenliche Story dem Humor zu sehr zum Opfer, wenngleich es auch da schon sehr liebenswerte Figuren gab. Doch diesmal wirkt das Ganze sehr rund und das Ende mündet in der sogenannten Red Wedding der Laundry Files.

Womit wir auch zum 2. Buch kommen: Fevre Dream von George R. R. Martin.
Hier geht es auch um Vampire, aber eher klassisch und im 19. Jahrhundert. Schön atmosphärisch geschrieben und mit einem interessanten Vampirkonzept, kann ich eine klare Empfehlung rausgeben, auch wenn mir das Ende zu kurz kam.

Orakel
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Re: Bücher!

Beitrag von Orakel »

Um mal wieder etwas phantastischere Themen hier einzuwerfen:

Aktuell besteht meine Hauptlektüre aus "Kraken" von China Mieville.
Sehr netter Roman mit für den Autor typischen Mindfuck. (Kann Mieville gerade wegen seiner unglaublich kuriosen Ideen immer nur weiterempfehlen.)

Es geht um den Angestellten eines Museums für biologische Präparate, aus dem ein in formaldehyd eingelegter Kraken gestolen worden ist. Was zuerst wie ein gewalltiges,s eltsames Rätsel aussieht entpuppt sich danach schnell als die große Verschwörung zahlreicher Weltuntergangs-Kulte, die alle der Ansicht sind, dass der Kraken irgendwas Auslösen würde.

Eruarn
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Re: Bücher!

Beitrag von Eruarn »

Meine neueste Entdeckung, die ich aus einer spontanen Eingebung heraus bei einer Bus-Fahrt in Richtung Oberfranken in Frankfurt in der Bahnhofs-Buchhandlung erstanden habe:

Isaac Asimovs Foundation-Trilogie

Ich war eigentlich von der ersten Seite an hin und weg. Ich habe - entgegen meiner Jugend - in den letzten Jahren eher wenig gelesen oder war sehr wählerisch was die Titel anging. Auch bei Asimov hatte ich Bedenken, ob er nicht einen "verstaubten" Stil pflegt, da er ja immerhin den 1950ern schrieb, wenn ich mich nicht vertue. Sci-Fi bin ich insgesamt nicht abgeneigt (Star Wars, Star Trek, Stargate etc. waren wichtige Kindheits-Bestandteile), aber Science Fiction Literatur war irgendwie nie meins.
Anders bei Asimov: Er schreibt (zumin. in der Übersetzung) in einem unglaublich frischen Stil, benutzt wahnsinnig intensive Metaphern und auch der gesamte Story-Verlauf ist atemberaubend spannend und lehrreich gleichermaßen! Und er beherrscht einige doch sehr gelungene Plot-Twists.

Asimov kannte ich vor allem über die 3 berühmten Roboter-Gesetze. Die werde ich mir als Nächstes zur Brust nehmen. Bis dahin bleibt nur die Foundation-Trilogie als dicke Empfehlung.

Mir fällt auf, dass ich bislang nichts zur Story geschrieben habe... besteht daran ein Interesse?

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Bücher!

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Eruarn hat geschrieben:Mir fällt auf, dass ich bislang nichts zur Story geschrieben habe... besteht daran ein Interesse?
Zumindest schematisch würde es mich interessieren, damit ich weiß, ob ich dem doch mal ne Chance geben soll :mrgreen: Hab mal was von Asimov angelesen (weiß gar nicht mehr was das war) und bin damit nicht recht warm geworden. Die Foundation-Trilogie ist ja ein SF-Klassiker, von daher würde mich tatsächlich eben interessieren, ob ichs nochmal versuchen sollte^^

Eruarn
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Re: Bücher!

Beitrag von Eruarn »

Also die Foundation-Trilogie spielt weit in der Zukunft, in den letzten Zügen eines galaxis-weiten Imperiums, welches aufgrund seiner Größe, seiner Dekadenz und seiner Behäbigkeit bald kollabieren wird. Eine Gruppe von Psychohistorikern (Wissenschaftler, die mit mathematischen Berechnungen das Verhalten ganzer Völker und damit den Geschichtsverlauf vorhersagen können) sieht diesen Niedergang voraus und gründet die "Foundation", eine Art Arche, die sich am Rande der Galaxis auf einem kleinen Planeten ansiedelt, um das technische Wissen und die Zivilisation zu bewahren und um zur Keimzelle eines neuen, zivilisierten Imperiums zu werden.
Es kommt eben so: Das Imperium und damit die Kommunikation quer durch die Galaxie brechen zusammen und die Wissenschaftler-Kolonie muss sich mit Mitteln der Technik, der Religion und des Handels gegen aggressive, militärische Nachbarreiche durchsetzen. Dabei wird eine Reihe von fähigen und gerissenen Vertretern der Foundation vorgestellt, die mehrere Krisen bewältigen müssen.
Das Ganze wird episodisch über einen längeren Zeitraum erzählt, so dass man Entwicklungen in der Gesellschaft erkennen kann. So sind die Wissenschaftler der Foundation - um ein Beispiel zu nennen - nach wie vor im Besitz von Atomtechnik, wohingegen andere Planeten auf eine Technik-Stufe zurückgefallen sind, die auf fossilen Brennstoffen fußt. Nun setzt die Foundation ihr Wissen und ihre Technik so ein, dass der Einsatz von Atom-Technik religiöse Züge annimmt und Atom-Techniker den Status von Priestern erhalten. Das ist die einzige Chance, die Bevölkerung anderer Welten zu kontrollieren und sich gegen Aggressionen zu behaupten. Technik, Religion und Gesellschaft werden miteinander verwoben.

Und das ist mE nach die große Stärke der Trilogie:
Es ist kein abgedrehtes Sci-Fi, sondern sagt ungemein viel über unsere heutige Welt aus! Entwicklungen und auch die tollen Plot-Twists werden begründet (man muss bis zu einem gewissen Grad also mitdenken) und folgen logischen Mustern. Gerade Sci-Fi nutzt ja oft eher fadenscheinige Begründungen a la "Da wurde halt irgendetwas erfunden, damit das so klappt..." Und Asimovs Geschichte der Galaxie ist eben durchweg logisch, spannend und lehrreich.

Sorry für den langen Post, ich will nicht allzu viel über die Handlung selbst verraten. Sie ist recht komplex, ohne allerdings kompliziert zu werden. Kernelement des Plots ist eben auch der Konflikt der Menschen, in ihrer Zeit leben und auf Probleme reagieren zu müssen, obwohl sie wissen, dass sie Teil eines bereits vorhergesagten Geschichtsverlaufes sind.

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Bücher!

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Cool, danke dafür! Das klingt in der Tat interessant. Wie sind denn die Bücher vom Schreibstil her? Das eine von Asimov, was ich mal angelesen, hat mich ja wie gesagt, eher abgeturnt

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Sebastian Solidwork
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Re: Bücher!

Beitrag von Sebastian Solidwork »

Die Foundation-Triologie ist eine meiner Favoriten, ich habe sie schon mehrmals gelesen. Gleiches gilt auch für die Roboter-Geschichten.

Asimov geht kaum auf technische Details ein, die heutzutage unglaubwürdig klingen könnten. Er beschreibt Technik mehr in ihren Auswirkungen auf die Menschen als in ihrer tatsächlichen Funktionalität.
Zum einen hinterlässt bei mir den angenehmen Eindruck einer gewissen Zeitlosigkeit. Ich habe schon Bücher aus der selben Periode gelesen und störe mich an gigantische Lochkartencomputer die Raumschiffe steuern und ähnliches.
Zum anderen ist das auch mein Interesse. Mich interessiert nicht wie gut der Autor sich der technische Details in der Zukunft vorstellt. Ich möchte wissen was er glaubt was Menschen damit machen. Wie sich technische Veränderungen auf die Gesellschaft auswirken.

Allgemein beschreibt er eher wovon der Zustand des Zusammenlebens von Menschen abhängig ist und wie er sich, auch mit Technik, beeinflussen lässt.
Das ist privat wie beruflich eines meiner größtes Interessen.

Dann kann ich auch gleich noch ein Empfehlung dazu Aussprechen:
Die letzte Generation von Arthur C. Clarke.

In unserer aktuellen Atomenergie-Epoche kommen auf einmal ausserirdische Raumschiffe auf die Erde und unterbinden mit ungewöhnlichen, indirekten Mitteln alle weiteren Kriegshandlungen. Streit und Mord gibt es noch aber Menschen werden im großen Maßstab zu einem friedlichen Zusammenleben gezwungen.
Dadurch findet ein Wandel in der Gesellschaft statt der in der Anfangszeit einige Konflikte birgt und ein paar Jahrhunderte dauert. Vom aufgezwungen Frieden wird die Menschheit auf Dauer von sich aus friedlich(er) und schafft es soziale Misstände zu beheben. Die einzige Ausnahme bei der technologischen Weiterentwicklung bleibt die Raumfahrt, diese verwehren die Ausserirdischen.
In der ersten Zeit zeigen die Ausserirdischen sich nicht mal physisch, sondern bleiben in ihren Raumschiffen. Und auch als sie sich zu erkennen geben, bleiben ihr Absichten im Unklaren.
Diese Überlegenheit der Ausserirdischen trägt am Ende unerwartete Früchte für die Menschheit.

Wie oben beschrieben, zieht sich die Geschichte über mehrere Generation und man begleitet spezielle Charaktäre aus der jeweiligen.
Hier bin ich mir ob der Einteilung nicht mehr ganz sicher: Anfangs ist es pro Generation immer nur ein Charakter, ab ungefähr der Hälfte sind es mehrere (2?). Hierbei wird aber nur wenige mal zwischen beiden gewechselt, es befindet sich nicht alle paar Seiten ein Cliffhanger. Auch liegen zwischen den Wechseln längere Zeiträume, so das nie direkt an eine vorherige Situation angeknüpft wird.

Es gibt keine besonderen Helden die eine dunkle Bedrohung abwenden wollen. Eher normale Menschen in etwas besonderen Positionen. Am Anfang der Generalsekretär der UNO, der zuerst die einzige Kontaktperson der Ausserirdischen ist. Mit seinen "normalen" Problemen einer weltweiten Organisation. Später ein Neugieriger der zu einem Abenteuer aufbricht. Und ab der Hälfte ein relativ normales Ehepaar ...
Die gerade zum Ende (in der Zeitlinie des Romans) hin immer mehr existentiellen Sorgen im Leben der Charaktäre sind es, die ich anfangs interessierten fand und die später mein Mitleid und Sorgen um sie weckte.

Wo Asimov meiner Meinung nach immer zeitlos ist, gibt es hier kurze, ertragbare, Momente wo man merkt, dass diese Buch schon etwas älter ist. Sie sind erkennbar aber sehr dünn gestreut.
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grandsam3
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Re: Bücher!

Beitrag von grandsam3 »

die Foundation-Trilogie habe ich auch mal angefangen, hat mir aber im Unterschied zu den Roboter-Geschichten nicht zugesagt.
Gerade lese ich das Buch Flußfahrt, dass die Vorlage zum Film Deliverance ist.
Den Streifen habe ich nie gesehen, aber der Roman ist ziemlich groß.
Es geht um vier Männer, die einen Trip ins Wilde wagen und der sich in einen Albtraum verwandelt. Wirklich empfehlenswert.

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Ines
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Re: Bücher!

Beitrag von Ines »

Hier mal was französiches:
Aktuell lese ich "Armance" von Stendhal. Es handelt sich dabei um eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der französischen Restauration. Der einzelgängerische, grüblerische, misanthrope und stolz-impulsive junge adlige Octave liebt seine Kusine Armance. Er ist durch das Entschädigungsgesetz zu Geld gekommen und wird dadurch zu einem begehrten Schwiegersohn in den Parisr Salons, durch die er sich voller Ekel bewegt. Armance ist ein mittelloses Mädchen mit russischen Wurzeln (Stendhal benutzt dies, um ihre besondere seelische Tiefe darzustellen), die nach dem Verlsut ihrer näheren Verwandtschaft von einer Verwandten in Paris aufgenommen wird ud dort lebt. Sie liebt Octave ebenfalls, distanziert sich jedoch, weil sie nicht als Mitgiftjägerin gelten möchte. Octave gesteht sich seine Liebe zu ihr nicht ein. Es ist eine sehr fein beobachtete Darstellung von Charakter und Gesellschaft. Verhüllt bleibt der unaussprechliche Mangel Octaves, den er mit Impulsdurchbrüchen und stolzer Distanziertheit verschleiert.Sicherlich lese ich auch noch irgendwann "Le Rouge et le Noir" und "La Chartreuse de Parme".

Zunächst kommt aber der zweite Teil einer Buchreihe, deren ersten (und dritten) Teil ich bereits mit großer Neugier gelesen habe. Vorsicht, es handelt sich hier um einen Kern dessen, was man als "Frauenliteratur" bezeichnet. Es geht um die "Angelique"-Reihe von Anne Golon. Diese Bücher habe ich als Kind oft in den Regalen der Mütter meiner Freundinnen gesehen und als ich vor Kurzem einen davon in einem dieser Bücherschränke sah konnte ich nicht widerstehen. Es ist eine Art Abenteuergeschichte rund um die junge, aus verarmtem Adel stammende Angelique, und spielt zur Zeit Ludwig XIV. Die Romane sind ab den späten 50er Jahren erschienen und bilden sehr schön die Moral dieser Zeit ab. Mich interessiert natürlich immer besonders das Frauenbild. In ihrer Zeit waren das Bestseller, die sich vor Allem auch wegen ihrer relativ freizügigen aus heutiger Sicht natürlich recht schüchtern amutenden) Darstellung von Sexualität großer Beliebtheit erfeuten. Besonders interessant fand ich dabei zum Beispiel, dass Vergewaltigungen nicht als solche dargestellt werden, oder ohne Konsequenzen (für das Opfer, immerhin weit vor der Aufnahme der posttraumatischen Belastungsstörung in die Diagnosesysteme, natürlich auch für den Täter) bleiben und auch der Frau keine eigenständige Sexualität zuerkannt wird (ach, ewig könnte ich mich darüber auslassen!). Ich bin gespannt, ob sich das im Laufe der Jahrzehnte, in denen die Bücher erschienen sind, entwickelt (nicht, dass heutzutage Vergewaltigungen immer als solche benannt werden würden...). Die Verfilmungen stellen das übrigens ziemlich anders dar, aber im Roman kann man ja so einiges schreiben, was im Film nicht zeigbar ist. Insgesamt trotzdem ganz vergnügliche Kost für zwischendurch.
"Se faire objet, se faire passive, c'est tout autre chose q'être un objet passif" (S. de Beauvoir)

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derFuchsi
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Re: Bücher!

Beitrag von derFuchsi »

Mehr zum Scherz habe ich Die Verwandlung von Kafka gelesen. Das Werk wurde mir von einer Person nahegelegt die es als "größten Scheiß den ich jemals (in der Schule) lesen musste" bezeichnete (Womit man in der Oberstufe die jungen Erwachsenen eben so quält oder zumindest damals gequält hat). Da es das als Amazon Prime Kunde für lau gab habe ich mir also mal auf dem Kindle einen Kafka genehmigt.

Ein gewisser Gregor Samsa wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass er sich in einen riesigen Käfer oder so verwandelt hat was natürlich einige "Irritationen" mit der Familie, dem Arbeitgeber und einigen anderen Personen hervorruft. Gregor bleibt deshalb immer alleine in seinem Zimmer und wird eher widerwillig von seiner Familie versorgt. Am Ende geht er schließlich ein und stirbt.

Ich sag mal wenn man gezwungen ist dazu eine Interpretation abzuliefern mag das noch eine ganz andere Wirkung haben. Als hessischer Realschüler wurde ich damals (zum Glück?) von solchen Werken weitestgehend verschont (Wir sind ja berühmt für unser überragendes Bildungsniveau, gerade im Vergleich mit den Bayerischen Nachbarn ;) ).

Ich wüsste jetzt ehrlich gesagt auch nicht was ich da hineininterpretieren sollte. :teasing-smokingcrack:
Als Fantasyroman liest es sich nicht ganz so absurd ;), wenn auch irgendwie ziemlich sinnlos.

Kann mir jemand was dazu sagen? Ich stehe relativ ratlos da.
Habe im Anschluss kurz die Interpretationen bei Wikipedia überflogen, was bei mir aber auch nur großes Schulterzucken hervorrief.
Sehr schön fand ich den hier:
"Reiner Stach argumentierte 2004, Die Verwandlung bedürfe keiner stützenden Kommentare, sie wirke und überzeuge ganz aus sich selbst, scheine in sich geschlossen, ja vollkommen. In den Kanon der Weltliteratur wäre sie zweifellos auch dann aufgenommen worden, wenn wir über den Autor überhaupt nichts wüssten."
Ja sicher :lol:
Dazu fiel mir spontan das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ein nach dem Motto "Ich habe keine Ahnung was der Autor aussagen wollte, würde es aber nie zugeben und behaupte mal es spricht für sich selbst um nicht dumm dazustehen."
Zuletzt geändert von derFuchsi am 28. Dez 2016, 10:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Nachtfischer
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Re: Bücher!

Beitrag von Nachtfischer »

Ich halte Die Verwandlung ehrlich gesagt noch mit für das Spannendste, was ich damals im Deutschunterricht erlebt habe. Allein die ganze sprachliche Absurdität hat es mir durchaus angetan. In Sachen Interpretation fand ich die "Sinnlosigkeit eines Lebens für die (unliebsame) Arbeit" immer ganz gut nachvollziehbar. Auf die Schnelle rausgesucht zum Beispiel hier:
Gregor Samsa 'erwacht' eines Tages und erblickt die Wirklichkeit – seinen völlig sinnenthobenen beruflichen Alltag, das Fehlen menschlicher Wärme, die Armut seines Gefühlslebens und nicht zuletzt auch die Entfremdung vom eigenen Körper und dessen Bedürfnissen.

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derFuchsi
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Re: Bücher!

Beitrag von derFuchsi »

:think:
Interessant, danke. Hat was.
Nur weiter so, hier lernt man noch was.
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bluttrinker13
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Re: Bücher!

Beitrag von bluttrinker13 »

Lustig das hier gerade Die Verwandlung thematisiert wurde. :D

Habe mir das auch gleich als erstes genehmigt auf meinem brandneuen Weihnachtskindle, genauso wie einige weitere kostenlose Klassiker (Jules Verne!). Bin aber noch nicht durch.

Auch an der Foundation Trilogie bin ich noch dran, mache aber gerade Pause. Seine Vision ist genial, die Charaktere die er einführt sind wiederum sehr schwach, aber darum geht es wahrscheinlich auch nicht. Muss ich mich noch mal aufraffen..!

Falls es hier Fans trashiger Military Sci-Fi gibt, ich lese gerne Warhammer 40K. Da gibt es sehr viel Mist, aber auch einige Perlen (Dan Abnett!).
Wer mal wieder auf sowas Lust hat, es ist eine neue Reihe draußen, mit wechselnden Autoren: The Beast Arises.
Sehr viel besser als diese Horus Heresy Reihe (die ich persönlich nicht mehr verfolge), und mE neben Gaunt's Ghosts einer der spannendsten Story-Arcs seit langem.
Gibt es bisher aber nur auf Englisch, bspw als e-book in der Black Library.
;)

lolaldanee
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Re: Bücher!

Beitrag von lolaldanee »

Musste als einer der angesprochenen bayrischen Nachbarn das damals tatsächlich in der Realschule lesen. Und ja, es als "größten Scheiß den ich jemals (in der Schule) lesen musste" zu bezeichnen, kommt der Wahrheit schon recht nahe ;)
Aber ich habe auch eine eher grundsätzliche Abneigung gegen Dinge die man erst interpretieren soll, bevor sie auch nur irgendeine Art von Sinn geben...
Das hat mich auch im Philosophiestudium immer ganz schön genervt, wenn man z.B. in die Werke der alten Griechen teilweise weiß Gott was hineininterpretiert hat. Wenn jemand ein Buch über Physik geschrieben hat, dann hat er das halt eher NICHT als Gleichnis auf die Gesellschaftsform gemeint, sondern er hat ein Buch über Physik geschrieben, herrgottnochmal *aufreg*

Ich finde die ganzen Klassiker die man in der Schule so bespricht sind fast alle gnadenlos überschätzt, und nur deshalb für so wichtig gehalten, weil sie halt schon alt sind, das wurde dann einfach irgendwann zum Selbstläufer.

P.S. ich finde Asimovs Charaktere toll :oops: Ist sowieso einer der besten Autoren aller Zeiten!

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Re: Bücher!

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Es ist durchaus erstaunlich, wie einem so manche Bücher in der Schule kaputtinterpretiert und -analysiert werden. Mein Favorit war ja immer die Analyse der Stilmittel, als würde ein Autor immer dasitzen und sich überlegen: "Hmm... welches Stilmittel verwende ich denn hier jetzt am besten?"

Es bleibt ansonsten mein größter Misserfolg, dass ich unsere Englisch-LK-Lehrerin nicht davon überzeugen konnte "Hitch Hiker's Guide to the Galaxy" als Lektüre zu behandeln :lol: Immerhin hat sie mir dann vorgeschlagen, es als Referat zu nehmen ^^

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derFuchsi
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Re: Bücher!

Beitrag von derFuchsi »

lolaldanee hat geschrieben:Musste als einer der angesprochenen bayrischen Nachbarn das damals tatsächlich in der Realschule lesen.
Sag ich doch :lol:

Aber wenn man nicht gerne heruminterpretiert, warum um alles in der Welt studiert man dann Philosophie?
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Ricer
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Re: Bücher!

Beitrag von Ricer »

"Interpretationen sind, gerade an Schulen, der manchmal recht fanatische Kampf gegen den Zufall."

Hier der Link zu einer dreiteiligen Serie, in der eine Schriftstellerin und zwei Schriftsteller jeweils eine Unterrichtsstunde in der Sekundarstufe hospitieren, in denen ihr Buch interpretiert wird. Die Schülerinnen und Schüler wissen nicht, dass es sich um die Schriftsteller handelt. http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte ... /43737/1/1" onclick="window.open(this.href);return false;

Ich habe das Gefühl, dass es schwieriger zu vermitteln ist, dass auch Schriftsteller ein (Kunst)Handwerk beherrschen. Ähnlich wie ein Regisseur, eine Musikerin oder ein Spieleentwickler schafft ein Autor/Dichter ebenfalls Welten und Figuren und formt diese Welt mit stilistischen/sprachlichen und formalen Mitteln, um die Sache lebendig werden zu lassen und bestimmte Wirkungen beim Lesen zu provozieren.

Serien wie Sopranos, The Wire oder Breaking Bad beziehen sich zum Beispiel in ihrer Erzählweise stark auf die Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. Und bei vielen neuen Serien entspinnen sich nach der Ausstrahlung im Internet dutzende Threads in denen analysiert und interpretiert wird.

lolaldanee
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Re: Bücher!

Beitrag von lolaldanee »

derFuchsi hat geschrieben:
lolaldanee hat geschrieben:Musste als einer der angesprochenen bayrischen Nachbarn das damals tatsächlich in der Realschule lesen.
Sag ich doch :lol:

Aber wenn man nicht gerne heruminterpretiert, warum um alles in der Welt studiert man dann Philosophie?
War nur als Nebenfach, und es gibt ja auch Philosophen die es schaffen einfach das hinzuschreiben was sie wirklich meinen :lol:
Aber die schlichte Wahrheit ist: Ich steh einfach enorm auf alles was mit Antike zu tun hat :shhh:
Habe da quasi auch nur Vorlesungen und Seminare besucht die irgendwas mit Praktischer Philosophie zu tun hatten :whistle:

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