Krieg in der Ukraine

Wenn es nicht um Spiele und / oder den Podcast geht, dann stehen die Chancen gut, dass dein Thema hier richtig ist.
WARNUNG: Gerade bei Politik & Co. geht's gerne hoch her. Auch hier gelten die Benimmregeln. Behandelt andere Foren-User immer mit Respekt, selbst wenn ihr deren Meinung nicht respektieren könnt!
Forumsregeln
Datenschutzerklärung: https://www.gamespodcast.de/datenschutzerklaerung/
Impressum: https://www.gamespodcast.de/impressum/

Forenregeln und zukünftige Weltverfassung
ART 1: Behandle andere Nutzer mit Respekt.
ART 2: Do NOT piss off the Podcasters

Lies bitte weitere Hinweise hier: viewtopic.php?f=4&t=2789
Benutzeravatar
Smutje187
Beiträge: 1908
Registriert: 8. Mär 2021, 14:44
Wohnort: Edinburgh

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Smutje187 »

Oder angesichts der wachsenden öffentlichen Kritik traut man sich mehr

„The Russian singer Alla Pugacheva has spoken out against the war in Ukraine and the “death of our boys for illusory goals”.

The remarks are the first time that the pop star, an icon in Russia, has publicly criticised the conflict.

Her husband, Maxim Galkin, joined journalists, human rights activists and Kremlin opponents in being labelled a “foreign agent” last week for opposing the war. […] Pugacheva, 73, who has sold more than 250m records, became hugely popular during the Soviet era and has remained so over a career spanning more than 55 years.“

https://www.theguardian.com/world/2022/ ... in-ukraine
Mauswanderer
Beiträge: 954
Registriert: 10. Jan 2022, 18:36

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Mauswanderer »

Schwer zu sagen, was das letztlich bedeutet. Der Kreml hat ja schon die Systemopposition über die militärischen Niederlagen klagen lassen, und mangels Anzeichen einer Besserung der Lage muss jetzt natürlich eine "Ursache" her. Da ist es eigentlich sogar am unspektakulärsten, das bekannte Narrativ vom bösen, mächtigen, gefährlichen Westen zu bemühen, denn dann "konnte ja keiner von uns was dafür".

Letztlich kann man damit auch alles begründen, vom atomaren Erstschlag bis zur bedingungslosen Kapitulation. Oder halt, dass man im Recht gewesen wäre, einem Angriff der NATO zuvor zu kommen, man wäre halt bloß zu spät dran gewesen, die NATO sei schon zu weit in ihren Kriegsvorbereitungen fortgeschritten, jetzt müsse man aber erst recht dranbleiben.

Insofern würde ich da vor allem rauslesen, dass man nicht akut vorhat, einen Geheimdienstchef, Minister oder Militär als "den Verantwortlichen" zu präsentieren, der an allem Schuld sei. Aber auch da würde ich mich nicht festlegen, dafür ist die Quellenlage zu unsicher und erratisch. Die Frau aus dem Video ist ja letztlich ein Vorleseroboter, der keine kohärente Meinung vertritt, sondern den Spin des Tages vorträgt, ohne Rücksicht oder Bezug auf ihre früheren Aussagen.
Floki
Beiträge: 1152
Registriert: 25. Dez 2019, 15:41

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Floki »

Mauswanderer hat geschrieben: 20. Sep 2022, 10:48 Die Frau aus dem Video ist ja letztlich ein Vorleseroboter, der keine kohärente Meinung vertritt, sondern den Spin des Tages vorträgt, ohne Rücksicht oder Bezug auf ihre früheren Aussagen.
Agree. Aber genau deswegen ist es ja so interessant. Die vorgegebene Staatsmeinung wird hier ja unverblümt präsentiert.
Voigt
Beiträge: 4060
Registriert: 14. Jun 2016, 14:43
Wohnort: Jena

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Voigt »

Wegen Nuklearwaffen. Die Nutzung von strategischen Nuklearwaffen auf Städte halte ich weiterhin für vollkommen ausgeschlossen, den Einsatz von kleineren taktischen Nuklearwaffen um Fronten zu durchbrechen, würde ich für Russland nie auschließen.
Glaube USA hatte damals bei Schweinebuchtinvasion auch drüber nachgedacht.

Könnte mir vorstellen dass deswegen auch Kämpfe bei AKWs weitergeführt werden. Eventuell hofft Russland auf einen AKW Unfall, das Ukraine die Schuld zu geben und dann selbst dadurch taktische Nuklearwaffen nutzen kann.
Benutzeravatar
Nephtis
Beiträge: 144
Registriert: 10. Jan 2018, 15:46

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Nephtis »

Ich bin mir immer noch extrem unsicher bzgl. der Nuklearwaffen. Würde das nicht eine krasse Linie überschreiten auch z.B. gegenüber China und co. ? Wenn da eine Nuklearwaffe in der Ukraine hoch geht eskaliert es doch komplett. Das weiß auch Russland. Bringt dann gar keinem mehr was.

Außer Putin ist halt echt komplett Geisteskrank und denkt "Nach mir die Sintflut". So nach dem Motto "Wenn ich es nicht haben kann das zerstöre ich eben die halbe Welt".

Am Ende kann man nur hoffen das auch die Nuklearwaffen in einem so schlechten Zustand sind wie der Rest der russischen Armee. Dann sind die vielleicht erst gar nicht betriebsbereit.
Santiago Garcia
Master of Fantasy
Beiträge: 510
Registriert: 13. Feb 2016, 15:56

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Santiago Garcia »

Floki hat geschrieben: 20. Sep 2022, 10:11 Es kursieren mehrere Videos online bei Twitter, dass scheinbar sich das Narrativ der Rundfunkvorgaben in RU geändert hat:
https://twitter.com/wartranslated/statu ... 1216580609
Naja, so neu ist die Linie nicht.

"Wir wollten eigentlich nur eine kleine, saubere, militärische Spezialoperation, aber der fiese Westen hat uns in einen ausgewachsenen Krieg reingezogen und das ist natürlich viel schwieriger."

Nach der ukrainischen Gegeoffensive haben sie auch bei jeder Gelegenheit die paar ausländischen Freiwilligen gezeigt, die in der Ukraine kämpfen. Nach dem Motto, seht her, der Westen ist bereits mit uns im Krieg.

Dmitris Einschätzung lese ich eher tongue-in-cheek.
Floki
Beiträge: 1152
Registriert: 25. Dez 2019, 15:41

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Floki »

Santiago Garcia hat geschrieben: 20. Sep 2022, 16:12
Floki hat geschrieben: 20. Sep 2022, 10:11 Es kursieren mehrere Videos online bei Twitter, dass scheinbar sich das Narrativ der Rundfunkvorgaben in RU geändert hat:
https://twitter.com/wartranslated/statu ... 1216580609
Naja, so neu ist die Linie nicht.

"Wir wollten eigentlich nur eine kleine, saubere, militärische Spezialoperation, aber der fiese Westen hat uns in einen ausgewachsenen Krieg reingezogen und das ist natürlich viel schwieriger."

Nach der ukrainischen Gegeoffensive haben sie auch bei jeder Gelegenheit die paar ausländischen Freiwilligen gezeigt, die in der Ukraine kämpfen. Nach dem Motto, seht her, der Westen ist bereits mit uns im Krieg.

Dmitris Einschätzung lese ich eher tongue-in-cheek.
Ich nehme diese Linie erst seit ein paar Tagen/Wochen wahr. Wirklich erst seit der Gegenoffensive. Vorher war in so einem Ton kein Wort zu hören. Ich bin gespannt, was das heißt. Vor kurzer Zeit war jeder, der auch nur ansatzweise unterstreicht, dass die Ukraine Erfolge erzielt ein Hochverräter und wurde vom Host gemaßregelt.
Benutzeravatar
Crenshaw
Beiträge: 560
Registriert: 28. Aug 2016, 10:07

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Crenshaw »

Voigt hat geschrieben: 20. Sep 2022, 11:15 Wegen Nuklearwaffen. Die Nutzung von strategischen Nuklearwaffen auf Städte halte ich weiterhin für vollkommen ausgeschlossen, den Einsatz von kleineren taktischen Nuklearwaffen um Fronten zu durchbrechen, würde ich für Russland nie auschließen.
Glaube USA hatte damals bei Schweinebuchtinvasion auch drüber nachgedacht.

Könnte mir vorstellen dass deswegen auch Kämpfe bei AKWs weitergeführt werden. Eventuell hofft Russland auf einen AKW Unfall, das Ukraine die Schuld zu geben und dann selbst dadurch taktische Nuklearwaffen nutzen kann.
Nuklearwaffen denke ich auch nicht, dafür viel zu Russlandnah, allerdings gibts genügend andere Bomben in den Arsenalen, die Frage ist dann aber auch wie die Lufthoheit aussieht

das was ich bei dem AKW nicht verstehe, beide Seiten wissen um die potentielle Gefahr, beide Seiten behaupten nichts zu machen und trotzdem gibt es dauernd Kämpfe (kenne jetzt aber den aktuellen Stand nicht), wer lügt denn dann von den beiden mehr?


das ganze Gejammere kann aber auch den Boden für die Mobilmachung vorbereiten, ist einfacher, wenn man nicht der "Schuldige" ist
Benutzeravatar
HerrReineke
Archduke of Banhammer
Beiträge: 1871
Registriert: 6. Apr 2018, 12:03

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von HerrReineke »

Putin hat die Teilmobilisierung angeordnet: https://www.tagesschau.de/eilmeldung/ei ... -6723.html

Ebenfalls neu sind ein paar Gesetzesänderung die es die Tage gab, wonach einerseits die Strafen für Soldaten bei Fahnenflucht, Befehlsverweigerung etc erhöht werden (wohl unter der Bedingung, dass das im Falle einer Mobilmachung oder im Kampfeinsatz geschieht), andererseits ausländischen Soldaten in der russischen Armee die Einbürgerung in Russland erleichtert wird.
Quis leget haec?
Mauswanderer
Beiträge: 954
Registriert: 10. Jan 2022, 18:36

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Mauswanderer »

Tja, da ist sie nun, die Mobilmachung. Vorerst nur Reservisten und Leute "mit Militärerfahrung".

Mein Hot Take dazu: In den großen Städten wird man allerhöchstens mit dem ganz groben Kamm durchgehen, wer sich da nicht quasi freiwillig meldet, hat nicht viel zu befürchten.

Edit: Zu langsam.

Edit2: Die Ansprache endete übrigens mal wieder mit einer Drohung bezüglich nuklearer Katastrophe, "der Wind kann auch nach Westen drehen", etc. Es wird wirklich Zeit, dass der Typ zur Hölle fährt.
Benutzeravatar
Nephtis
Beiträge: 144
Registriert: 10. Jan 2018, 15:46

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Nephtis »

Was bedeutet das jetzt genau?
Leute die mal (kurz) bei der Armee waren werden mit schlechter Ausrüstung in die Ukraine in den Tod geschickt? Hört sich nach purer Angst an. Vielleicht tut sich jetzt mal langsam was IN RUSSLAND und die Leute werden wach.
Benutzeravatar
Smutje187
Beiträge: 1908
Registriert: 8. Mär 2021, 14:44
Wohnort: Edinburgh

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Smutje187 »

Mauswanderer hat geschrieben: 21. Sep 2022, 08:30 Tja, da ist sie nun, die Mobilmachung. Vorerst nur Reservisten und Leute "mit Militärerfahrung".
Es wurde ja auch schon in Gefängnissen rekrutiert - vor paar Tagen kam da ein Video von jemandem der verdächtig nach dem Chef des Wagner-Vereins aussah raus, wie er versucht hat, Insassen davon zu überzeugen, für ein halbes Jahr Dienst die „Komme aus dem Gefängnis frei“-Karte abzustauben.

„Zweitgrößte Armee der Welt“, haha - China schaut sich das gerade bestimmt ganz genau an…
lolaldanee
Beiträge: 1734
Registriert: 2. Jun 2016, 14:05

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von lolaldanee »

Das ist das Problem mit den Diktatoren, sie dürfen nicht verlieren, denn ihr ganzes System baut darauf auf, dass sie nicht verlieren.
Putin hat also beschlossen den Menschenfleischwolf um jeden Preis am Leben erhalten zu müssen. Ich glaube sie bekommen das logistisch gar nicht geregelt, wenn es vorher bei den "regulären" Streitkräften schon nicht geklappt hat.
Bleibt einfach nur zu hoffen dass es möglichst wenige Russen und noch weniger Ukrainer in den Abgrund zieht....
Carlos
Beiträge: 190
Registriert: 30. Okt 2021, 13:25

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Carlos »

Smutje187 hat geschrieben: 21. Sep 2022, 08:45
Mauswanderer hat geschrieben: 21. Sep 2022, 08:30 Tja, da ist sie nun, die Mobilmachung. Vorerst nur Reservisten und Leute "mit Militärerfahrung".
Es wurde ja auch schon in Gefängnissen rekrutiert - vor paar Tagen kam da ein Video von jemandem der verdächtig nach dem Chef des Wagner-Vereins aussah raus, wie er versucht hat, Insassen davon zu überzeugen, für ein halbes Jahr Dienst die „Komme aus dem Gefängnis frei“-Karte abzustauben.

„Zweitgrößte Armee der Welt“, haha - China schaut sich das gerade bestimmt ganz genau an…
Ich denke das ist der Anfang vom Ende. Auch wenn das Wort Kanonenfutter letztens mal wieder kritisch gesehen wurde, im Prinzip sind die Verstärkungen aus der Reserve nichts anderes.

Man muss jetzt genau schauen wie die russische Gesellschaft sich in den nächsten Wochen und Monaten reagiert. Keine vernünftige Familie kann wollen dass jetzt ihre Brüder, Väter, Söhne mit Mördern und Vergewaltigern der Wagner Truppe zusammen schlecht ausgerüstet und mangelhaft versorgt in diesen Krieg geschickt werden. Und es ist was anderes wenn ungebildete Leute aus dem hintersten Tuva mit Geld in die Ukraine gelockt werden als die "Mitte der Gesellschaft".

Im Worst Case hat Russland dann in Jahrzehnten gewalttätige Konflikten innerhalb der eigenen Grenzen durch Warlords und zerstörte Seelen aus diesem Krieg (siehe auch Irak und der Aufstieg des IS), im besten Fall bringt es das Fass zum Überlaufen und wird Putin irgendwann als Schwäche ausgelegt.

Faktisch sieht glaube ich aktuell kein Militärexperte dadurch eine Wende, sondern eher das was es ist: Ein Verzweiflungsmanöver. Die Atomdrohung ist immer noch genau so haltlos wie zu Beginn des Krieges. Was will Moskau denn machen: Schnellreferenden und dann behaupten die Ukrainer würden die "neue russische Grenze" überschreiten wenn sie Cherson zurück erobern? Und dann weg nuken? Ich glaube kaum.
GoodLord
Beiträge: 945
Registriert: 11. Jan 2021, 17:10

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von GoodLord »

Carlos hat geschrieben: 21. Sep 2022, 20:27 Was will Moskau denn machen: Schnellreferenden und dann behaupten die Ukrainer würden die "neue russische Grenze" überschreiten wenn sie Cherson zurück erobern? Und dann weg nuken? Ich glaube kaum.
Mal ganz provokant gefragt: Warum nicht?
Die ersten beiden Punkte sind ja gerade in Vorbereitung. Die Frage, obs wirklich zum Einsatz von taktischen Nuklearwaffen kommt wie angedroht scheint mir alles andere als absurd.
Mauswanderer
Beiträge: 954
Registriert: 10. Jan 2022, 18:36

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Mauswanderer »

GoodLord hat geschrieben: 21. Sep 2022, 22:56
Carlos hat geschrieben: 21. Sep 2022, 20:27 Was will Moskau denn machen: Schnellreferenden und dann behaupten die Ukrainer würden die "neue russische Grenze" überschreiten wenn sie Cherson zurück erobern? Und dann weg nuken? Ich glaube kaum.
Mal ganz provokant gefragt: Warum nicht?
Die ersten beiden Punkte sind ja gerade in Vorbereitung. Die Frage, obs wirklich zum Einsatz von taktischen Nuklearwaffen kommt wie angedroht scheint mir alles andere als absurd.
Das kommt wohl auf die Definition von "absurd" an. Ausschließen kann man es nicht, falls du das meinst. Die Dinger sind ja da, man hat auf russischer Seite damit öffentlich schon viel gedroht und darüber fantasiert, und jetzt ist man ziemlich an die Wand gedrängt. Insofern wäre meine Einschätzung "sehr unwahrscheinlich, aber möglich".

Warum sehr unwahrscheinlich? Weil die Konsequenzen für Russland IMHO vergleichbar wären mit dem Einsatz einer strategischen Nuklearwaffe gegen Kyiv. Wir sind ja nicht mehr in den 1960ern, heutzutage sind Nuklearwaffen (vielleicht mit Ausnahme von so Exoten wie Unterwasserwaffen oder Langstreckenflugabwehr) grundsätzlich höchstpolitisch. Auch wenn "kleine" Kernwaffen bei rein militärischen Überlegungen weiter eine Rolle spielen mögen, militärpolitisch wird da nach meiner Wahrnehmung nicht mehr der gleiche Unterschied wie vor Jahrzehnten gemacht. Die chinesische Bevölkerung bspw. würde einen Einsatz russischer Gefechtsfeldnuklearwaffen genauso abfeiern wie die Vernichtung einer ukrainischen Großstadt, die chinesische Regierung hingegen hat vor beidem gleich viel Angst (und merkt angesichts des Ukraine-Konflikts allgemein gerade, wie schwer es sein kann, einen einmal freigelassenen rassistisch-nationalistischen Geist wieder in die Flasche zu bekommen). Allein wegen dieser fragilen Partnerschaft wäre es für Russland politisch "absurd", den Einsatz in Betracht zu ziehen. Und auch hierzulande wird man im Fall der Fälle nur die Unterscheidung machen, ob wir Fallout abbekämen oder nicht, der Einsatz jeglicher Nuklearwaffen über Land würde wohl die gleichen Reaktionen hervorrufen, ungeachtet der tatsächlichen Opferzahlen.

Anders sieht es natürlich aus, wenn Russland direkt eine andere Atommacht angreifen würde, da würden dann die Entscheider in ihrer Reaktion vielleicht differenzieren. Aber das ist ja, Gott sei Dank, noch unwahrscheinlicher als der Einsatz solcher Waffen in der Ukraine.
GoodLord
Beiträge: 945
Registriert: 11. Jan 2021, 17:10

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von GoodLord »

Ich bin mir halt ehrlich gesagt nicht sicher, wie viel schlimmer die politische Lage für Russland noch werden würde. Würden China oder Indien wirklich Sanktionen verhängen? Und was ich natürlich erst recht nicht weiß ist, wie Putin die Lage einschätzt. Von daher tute ich mich halt schwer da so labels, wie "wahrscheinlich"/ "unwahrscheinlich" zu vergeben.

Das ist jetzt aber alles primär Unsicherheit wegen Unwissenheit meinerseits. Keine Unsicherheit aus Wissen über die Lage.
Mauswanderer
Beiträge: 954
Registriert: 10. Jan 2022, 18:36

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Mauswanderer »

Ich denke schon, dass dann auch von diesen Ländern erhebliche Sanktionen in Betracht gezogen würden. Die würde man vielleicht nicht so offensiv als "Strafe" kommunizieren, aber sie ließen sich natürlich nicht verbergen. Meine Annahme beruht darauf, dass sowohl Indien als auch ganz besonders China in den letzten zehn Jahren recht empfindlich auf nukleare Eskalationspotentiale reagiert haben. Mit Nordkorea hat man ja auch mindestens einen völlig unberechenbaren Nuklearstaat in der Region, der sich durch einen "schadlosen" russischen Einsatz ermutigt fühlen könnte, z. B. mal wieder eine südkoreanische Insel zu beschießen, bloß diesmal nichtkonventionell. Dazu kommt noch, dass Taiwan dann damit rechnen müsste, dass China seine Nukleardoktrin anpasst und ggfs. auch im Rahmen einer Offensive taktische Atomwaffen einsetzen würde, was wiederum Taiwan veranlassen könnte, zur Bombe zu streben; sicher auch nicht in Chinas Sinne.

Ich sehe bei dem Thema tatsächlich noch so etwas wie eine relativ breit anerkannte psychologische Brandmauer, und wenn die durch Russland völlig unnötig zum Wackeln gebracht wird, dann wird gerade auch die derzeitige chinesische Regierung alles daran setzen, sie wieder zu stabilisieren.
GoodLord
Beiträge: 945
Registriert: 11. Jan 2021, 17:10

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von GoodLord »

Mauswanderer hat geschrieben: 22. Sep 2022, 11:19 Ich denke schon, dass dann auch von diesen Ländern erhebliche Sanktionen in Betracht gezogen würden. Die würde man vielleicht nicht so offensiv als "Strafe" kommunizieren, aber sie ließen sich natürlich nicht verbergen. Meine Annahme beruht darauf, dass sowohl Indien als auch ganz besonders China in den letzten zehn Jahren recht empfindlich auf nukleare Eskalationspotentiale reagiert haben.
Kannst du da ein paar Beispiele/Stichpunkt nennen, nach denen man googeln kann? Hab die Außenpolitik von China und Indien nur sehr, sehr bruchstückhaft verfolgt. Aber gerade bei Nordkorea scheint China doch nicht besonders versucht zu haben sie vom Ausbau ihres Atomwaffenarsenaks abzuhalten.
Mauswanderer
Beiträge: 954
Registriert: 10. Jan 2022, 18:36

Re: Krieg in der Ukraine

Beitrag von Mauswanderer »

GoodLord hat geschrieben: 22. Sep 2022, 12:07
Mauswanderer hat geschrieben: 22. Sep 2022, 11:19 Ich denke schon, dass dann auch von diesen Ländern erhebliche Sanktionen in Betracht gezogen würden. Die würde man vielleicht nicht so offensiv als "Strafe" kommunizieren, aber sie ließen sich natürlich nicht verbergen. Meine Annahme beruht darauf, dass sowohl Indien als auch ganz besonders China in den letzten zehn Jahren recht empfindlich auf nukleare Eskalationspotentiale reagiert haben.
Kannst du da ein paar Beispiele/Stichpunkt nennen, nach denen man googeln kann? Hab die Außenpolitik von China und Indien nur sehr, sehr bruchstückhaft verfolgt. Aber gerade bei Nordkorea scheint China doch nicht besonders versucht zu haben sie vom Ausbau ihres Atomwaffenarsenaks abzuhalten.
Grundsätzlich zu Chinas Nuklearpolitik kann ich diesen Artikel empfehlen:
https://carnegieendowment.org/2022/07/1 ... -pub-87396

In der Nordkorea-Frage ist China nicht gerade durch öffentliche Konsistenz aufgefallen. Mal hat man Atomtests verurteilt, dann aber wieder Sanktionsverschärfungen abgelehnt. Der große Vorteil, den sich China durch ein nukleares Nordkorea erhofft, wird wohl eine mögliche Reduktion von US-Kräften in der Region, insbesondere auf der koreanischen Halbinsel, sein. Derzeit haben wir ja leider einen noch schlechteren Einblick nach Nordkorea als vor zehn Jahren. Die Chinesen scheinen jetzt gerade der Meinung zu sein, die Lage dort im Griff zu haben, aber vor allem geht es Xi scheinbar um Stabilität in der Region (zu seinen Bedingungen, versteht sich). Da kann die reine Abschreckungswirkung nordkoreanischer Atomwaffen zu beitragen, aber jede Provokation läuft dem natürlich zuwider. Nun ist Nordkorea aber auch keine Marionette Pekings, insofern bleibt es spannend, wie China zukünftig mit dem Thema umgeht.
Ist aber letztlich nur meine Interpretation, da gibt es bestimmt auch viele abweichende Ansichten zu.


Bei Indien finde ich auffällig, wie kurzlebig mittlerweile Auseinandersetzungen mit Pakistan sind. Bei den Grenzgefechten 2020 sind glaube ich "nur" (ist ja schlimm genug) ein oder zwei Dutzend umgekommen, bevor man ich zu umfassendem Waffenstillstand und neuen Gesprächsformaten geeinigt hat. Da nehme ich an, dass die Sorge um eine nukleare Eskalation eine große Rolle spielt, da Pakistan einen Erstschlag explizit nicht ausschließt und eben vor allem auf Gefechtsfeldwaffen setzt.
Antworten