Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

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Axel
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Axel »

tepete hat geschrieben: 22. Jun 2022, 21:19 Und wenn es nur so kurze Gespräche mit neuen Leuten in der Mittagspause sind?

Dann frage ich mich, wie viele verschiendene Andersartigkeiten es denn überhaupt gibt. Es gibt doch garantiert nicht so viele Verschiendenheiten wie es Menschen gibt. Denn ehrlich gesagt, bin nun 39, und wirklich ne völlig neue Art von menschen lerne ich schon lange nicht mehr kennen. Haltungen sind mal so oder so, aber die Kombinationen sind oft sehr ähnlich.
Dann nimm es hin, was ist: Ein klitzekleines Teil eines großen Puzzles namens Persönlichkeit. Nichts anderes siehst Du in der Mittagspause. Das ist doch keine Grundlage um einen Menschen auch nur irgendwie zu bewerten...?

Und doch, es gibt so viele Verschiedenheiten wie es Menschen gibt. Die erschließen sich aber nicht von 12:00 bis 12:30. ;)
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bluttrinker13
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von bluttrinker13 »

tepete hat geschrieben: 22. Jun 2022, 20:38 Was ich meine ist, muss ich wirklich in der Komplexität denken wie ihr das hier hinschreibt? Wenn ja, dann dürfte ich ja zu nichts mehr etwas sagen, weil mangelnde Bildung. Kann mich doch über Physik auf einem Grundschul- oder Abi-Niveau unterhalten, aber eben auch mit noch mehr Bildung und eniem Doktortitel. Es gibt doch Abstufungen. Das was ihr hier schreibt, ist teilweise harte Psychologie. Muss das so tief gehen, so komplex werden?
Sorry, falls mir persönlich da der innere Philosoph durchgegangen ist. :)

Mein Post bezog sich im Anfangsteil ja gerade darauf, dass es legitim ist, Komplexität zu reduzieren und mit "Schubladen/Typen" oder Kategorien zu arbeiten. Wir sind ja alle tendenziell eher überfordert von der Infomenge im Alltag.

Mir wären nur zwei Sachen wichtig: Erstens, dass man dabei versteht dass man mit Reduzierungen arbeitet und die Schublade eben nur die eigene kleine sparsame Theorie ist, aber nicht den Menschen an sich gut erfasst. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Zweitens, bin ich bei Schubladen-Denken was Menschen angeht auch generell getriggert, denn psychologisch ist es so, dass wenn du ein Urteil fällst über jemanden (und boi das machen wir gerne), dann beeinflusst dieses Urteil auch alle anderen Gedanken über den Menschen. Heißt im Umkehrschluss, du bist dann nicht mehr besonders offen oder "frei" im Denken über jemanden, zumindest weniger. Und das ist für ein gegenseitiges Verstehen eher schlecht. Deshalb ist es eigentlich ne gute Sache, sich darin zu trainieren, mit Urteilen vorsichtig zu sein, zu warten, oder wenigstens immer mal wieder zu revidieren.

:D
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Axel
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Axel »

bluttrinker13 hat geschrieben: 23. Jun 2022, 10:19 Zweitens, bin ich bei Schubladen-Denken was Menschen angeht auch generell getriggert, denn psychologisch ist es so, dass wenn du ein Urteil fällst über jemanden (und boi das machen wir gerne), dann beeinflusst dieses Urteil auch alle anderen Gedanken über den Menschen. Heißt im Umkehrschluss, du bist dann nicht mehr besonders offen oder "frei" im Denken über jemanden, zumindest weniger. Und das ist für ein gegenseitiges Verstehen eher schlecht. Deshalb ist es eigentlich ne gute Sache, sich darin zu trainieren, mit Urteilen vorsichtig zu sein, zu warten, oder wenigstens immer mal wieder zu revidieren.
Dies.

Das Problem ist: Man kommt halt aus der Schublade nicht wieder raus. Und alles was man tut wird vom anderen durch die entsprechend gefärbte Brille gesehen.

Beispiel: Wenn ich plump sagen würde "Ich finde Gendersprache zu kotzen." Dann kann das schnell passieren, dass man mich in irgendeine rechte AfD-Ecke positioniert. Und danach werden auch alle anderen Äußerungen durch diese Brille gesehen. Richtiger wäre es natürlich, wenn ich sagen würde "Ich finde Gendersprache zum kotzen, weil es zugezogene Menschen aus dem Ausland und Menschen mit funktionalem Analphabetismus ausschließt bzw. es ihnen enorm erschwert einen Text zu verstehen." Und schon wirkt die Aussage "Ich finde Gendersprache zum kotzen" ganz anders und überhaupt nicht mehr AfD-nah.

Jedoch: Wer drückt sich denn im Alltag immer so erklärend aus? In der Alltagssprache neigen wir nunmal zur Verkürzung. Das ist menschlich. Und auch das sollte man immer im Kopf behalten.
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Mauswanderer
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Mauswanderer »

Hat halt auch viel mit dem Tonfall zu tun. Wenn ich etwas "zum Kotzen" finde, dann suggeriert das eine ganz andere Ebene emotionaler Betroffenheit (und wirkt auf Befürworter des Betrachtungsgegenstands deutlich persönlich-aggressiver), als wenn ich etwas "problematisch" finde.

Es gibt natürlich auch Menschen, die diese Differenzierung in ihren Äußerungen gar nicht machen können oder wollen. Da tut der Rezipient dann natürlich gut daran, sein Gegenüber entsprechend einzuschätzen, wie es um dessen Ausdrucksfähigkeit wohl bestellt sein mag. Was wiederum auch vielen schwer fällt. Kommunikation ist schon kompliziert und da kommt man um ständige Fehleinschätzungen wohl gar nicht herum. Insofern ist es wichtig, sich selbst darin nicht zu überschätzen und (wie bluttrinker schon schrieb) stetig eigene Wahrnehmungen ggfs. zu revidieren.
Rigolax
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Rigolax »

Na ja, ich denke ja, die meisten, die gendern nicht mögen, lehnen das eher ab, weil gendern nicht cost-free ist (gendern ist mehr oder weniger gewöhnungsbedürftig, muss man sich antrainieren, insb. auch in gesprochener Sprache), subjektiv ästhetisch irritiert (wenn man gendern nicht gewöhnt ist bzw. darin keinen Sinn sonst sieht) und weil es subjektiv aufgezwungen wirkt bzw. man einen Druck zum Gendern verspürt (es wird angenommen, dass die, die mutwillig nicht gendern, als schlechte Menschen verurteilt werden, sozial ausgegrenzt werden).

Andere Argumente sind imho zumindest teils eher nachträgliche Rationalisierungen; ich will nicht sagen, dass Bedenken bzgl. Ausländer, die Deutsch als Fremdsprache lernen und nun gendern müssen, nur vorgeschoben sind, ich glaube aber, dass das in der Regel nicht die eigentliche Motivation ist. Das ist vermutlich auch ein Vorverurteilen in gewisser Weise, aber ich halte die Annahme für plausibel.

Also ich gender nicht, weil ich nicht vom Sinn überzeugt bin (ich kenne paar Studien oberflächlich), ich find's ästhetisch nicht ansprechend und anstrengend, und ich find's aufgezwungen (ich empfinde Reaktanz). Außerdem möchte ich gerne die Kontrollgruppe sein, die nicht gendert, um damit festzustellen, ob es vielleicht doch etwas Positives bewirkt (vielleicht bringt das ja vor allem was im Kontrast, wenn es noch nicht-gegenderte Sprache gibt; wenn alles gegendert wäre, gäbe es gar keinen Effekt mehr). Vielleicht bin ich aber eh nur ein unterkomplexer Contrarian und das ist nur Ausdruck von Pseudo-Anti-Establishment-Rebellentum; halte ich -- unironisch -- für denkbar.
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Andre Peschke
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Andre Peschke »

Rigolax hat geschrieben: 23. Jun 2022, 15:25Außerdem möchte ich gerne die Kontrollgruppe sein, die nicht gendert, um damit festzustellen, ob es vielleicht doch etwas Positives bewirkt [...] Vielleicht bin ich aber eh nur ein unterkomplexer Contrarian und das ist nur Ausdruck von Pseudo-Anti-Establishment-Rebellentum; halte ich -- unironisch -- für denkbar.
Das mit der Kontrollgruppe erscheint mir nicht sonderlich belastbar. :D Es gibt ja keine Untersuchung, die hier die nötigen Strukturen schaffen würde. Wenn wir alle zu 100% mitmachen würden, wäre vermutlich viel einfacher ein Effekt (oder die Abwesenheit desselben) feststellbar.

Andre
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Axel
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Axel »

Mauswanderer hat geschrieben: 23. Jun 2022, 11:55 Hat halt auch viel mit dem Tonfall zu tun. Wenn ich etwas "zum Kotzen" finde, dann suggeriert das eine ganz andere Ebene emotionaler Betroffenheit (und wirkt auf Befürworter des Betrachtungsgegenstands deutlich persönlich-aggressiver), als wenn ich etwas "problematisch" finde.
Aber mal ernsthaft: Wer spricht denn in der gesprochenen Alltagssprache mit Wörtern wie "problematisch"? Tepetes Beobachtungen kommen ja laut seinen Aussagen von der Firmenkantine. Da wird höchstwahrscheinlich auch eher blumige Alltagssprache gesprochen werden und nicht die Textsprache, die man sich antrainiert hat um in Internetforen gut verstanden zu werden.

Emotionale Betroffenheit ist ja auch nichts schlimmes. Muss vorliegen, damit ich mich über etwas überhaupt aufregen kann. Sonst wäre es mir nämlich schlicht egal. Nur: Ich kenne einige funktionelle Analphabeten, die teilweise die Sprache die von Konzernen, Medien, usw. schlicht nicht mehr verstehen können. Hier mal ein ganz wunderschönes Beispiel dafür: Reisendenlenker:innen. Wer denkt sich solche Wortkunstruktionen aus? Und die Kommunikation von Firmen und auch Medien ist mittlerweile voll von sowas. Da stehen dann Menschen davor, die sowieso schon Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, und steigen bei sowas komplett aus und fühlen sich übergangen.

Auch eine gute Freundin von mir aus Spanien, hat mir dasselbe letztens schön gespiegelt. Sie ist queer, feministische Aktivistin und war in ihrer Heimat sehr aktiv in der dortigen Szene. Sie lebt jetzt seit 6 Jahren hier in Deutschland und hat immer noch Probleme mit der Sprache. Eben weil deutsch extrem schwer zu erlernen ist, was wir hier halt auch gerne vergessen. Jedenfalls wird sie beispielsweise von der hiesigen Szene angefeindet, weil sie das normale generische Maskulinum benutzt. Also "Feministen" schreibt statt "Feminist:innen" usw. Da wird ihr dann vorgeworfen, dass sie ja in Wirklichkeit rechts wäre und all das halt. Sie ist da wirklich resigniert mittlerweile. Wenn sie über ihre Arbeit in Spanien erzählt, leuchten ihr die Augen, wie die Aktivisten dort unten für Themen wie Gleichberechtigung in der Medizin und all das streiten. Und hier wird sie angefeindet, weil sie diese Gendersprache weder verstehen noch durchdringen kann, da ihr schon normales deutsch sehr schwer fällt.

Also ja: Deswegen "kotzt" mich das alles auch an, weil ich diese Menschen in meinem Umfeld habe und mich selbst da sehr hilflos fühle. Weil ich denen ja auch nicht helfen kann außer zu sagen, dass ich das genauso blöd wie sie finde.
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Voigt
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Voigt »

mhm abhängig vom Umfeld, aber insgesamt würde ich schon sagen "ist etwas problematisch". Insbesondere wenn ich die Meinung des gegenübers nicht kenne, drücke ich mich immer erstmal möglichst diplomatisch aus. Man will ja auf keine Füße treten.
Rigolax
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Rigolax »

Andre Peschke hat geschrieben: 23. Jun 2022, 17:59
Rigolax hat geschrieben: 23. Jun 2022, 15:25Außerdem möchte ich gerne die Kontrollgruppe sein, die nicht gendert, um damit festzustellen, ob es vielleicht doch etwas Positives bewirkt [...] Vielleicht bin ich aber eh nur ein unterkomplexer Contrarian und das ist nur Ausdruck von Pseudo-Anti-Establishment-Rebellentum; halte ich -- unironisch -- für denkbar.
Das mit der Kontrollgruppe erscheint mir nicht sonderlich belastbar. :D Es gibt ja keine Untersuchung, die hier die nötigen Strukturen schaffen würde. Wenn wir alle zu 100% mitmachen würden, wäre vermutlich viel einfacher ein Effekt (oder die Abwesenheit desselben) feststellbar.
Aber selbst wenn alle gendern würden und man danach anhand von Kennzahlen feststellt, dass die Geschlechtergerechtigkeit gewachsen ist, dann ist ja nicht mit Sicherheit eine kausale Beziehung ableitbar, also dass es wegen des Genderns ist, es könnte doch nur zufällig korrelieren? Und wie war das mit dem Induktionsproblem? Also Zweifel an der Validität würde ich bereits jetzt schon gerne anmelden. ;)
Axel hat geschrieben: 23. Jun 2022, 18:14 Hier mal ein ganz wunderschönes Beispiel dafür: Reisendenlenker:innen. Wer denkt sich solche Wortkunstruktionen aus? Und die Kommunikation von Firmen und auch Medien ist mittlerweile voll von sowas. Da stehen dann Menschen davor, die sowieso schon Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, und steigen bei sowas komplett aus und fühlen sich übergangen.
Okay, also der "Reisendenlenker:innen" ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, ziemliche Betonsprache, aber grundsätzlich ja nicht neu, dass so Firmensprache total abgedreht ist und Deutsch allgemein war schon immer schlimm, wie ja schon Mark Twain beklagte: "The Awful German Language". Aber ich mein das jetzt nicht absolut apologetisch, ist ja schon ein valides Argument imho.
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MaxDetroit
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von MaxDetroit »

Ich hinterlasse hier mal eine kleine Polemik:
Also ich bin ja jemand den Verbote in der Hinsicht triggern, das es dann für mich dann extra reizvoll wird es gerade deshalb trotzdem zu machen. Also wenn mir jemand vorschreiben möchte wie ich zu schreiben oder zu reden habe, oder das ich bestimmte Wörter nicht benutzen darf, dann bin ich gerade dadurch extra getriggert diese Wörter benutzen zu wollen. Ganz frei nach dem bekannten Rage against the machine Song. Auch wenn ich sonst eher unpolitisch bin und mich das Thema nicht intressiert.

Ich denke es gibt sehr viele Leute da draussen, die so denken und einfach grundsätzlich gerne "Dagegen" sind, links wie rechts. Da kannste dann sagen was du willst, die werden immer die Gegenposition einnehmen. Wenn du dann mit denen anfängst du diskutieren kannst du nicht gewinnen, weil diese Leute nur wegen der Diskussion diskutieren, und ja, vielleicht sind wir alle manchmal do ein wenig so drauf.

Schublade? Sturrkopf.
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Vinter »

Also zum einen: Bist du tatsächlich der Meinung, es ist sinnvoll, verletzende Begriffe zu benutzen, nur aus dem Grund, weil man dir sagt, dass sie verletzend sind und du sie daher besser nicht benutzen solltest? Das hört man ja leider öfter, im Extremfall etwa in der Form "Eigentlich will ich nicht die AfD wählen, aber die 'Linken' (lies: Das demokratische Spektrum) bringen mich dazu, es doch zu tun". Das ist ein Luxus, den sich leider nicht jeder leisten kann, etwa die potentiellen Opfer einer enthemmten Gesellschaft.

Und zum anderen: Ausgerechnet Rage against the Machine und Killing in the Name für diese - wie du sie nennst - "unpolitische" Haltung vorzuschieben ist auch zweifelhaft. Was ist denn die Maschine? Worum geht es denn, wenn gesungen wird "Some of those that work forces are the same that burn crosses?"

Nachtrag: Schon der Begriff 'Verbot' ist da wahnsinnig fehl am Platz. Es gibt kein Verbot, irgendetwas zu sagen, von ganz wenigen strafrechtlichen Ausnahmen abgesehen. Die Bitte, sich rücksichtsvoll zu verhalten zu einem Verbot umzudefinieren, gegen dass man dann trotzig verstoßen müsse... Fragwürdig.
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Voigt
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Voigt »

Naja dagegen zu sein selbst seine Sprache zu gendern zu etwa pro US Republikaner und pro deren offiziellen und insbesondere inoffiziellen Positionen zu sein, ist schon noch ein großer Schritt, dass ich die nich so einfach gleichsetzen würde.
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MaxDetroit
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von MaxDetroit »

Ich meinte eigentlich nicht direkt mich damit. Ist aber auch misverständluch geschrieben, muss ich zugeben.
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Andre Peschke
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Andre Peschke »

Rigolax hat geschrieben: 23. Jun 2022, 19:25 Aber selbst wenn alle gendern würden und man danach anhand von Kennzahlen feststellt, dass die Geschlechtergerechtigkeit gewachsen ist, dann ist ja nicht mit Sicherheit eine kausale Beziehung ableitbar, also dass es wegen des Genderns ist, es könnte doch nur zufällig korrelieren? Und wie war das mit dem Induktionsproblem? Also Zweifel an der Validität würde ich bereits jetzt schon gerne anmelden. ;)
Auch das stimmt! :D

In meinem Kopf standen wir wenigstens bei „kein Effekt“ besser da, aber selbst das ist ja schwach. ^^

Andre
tepete
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von tepete »

@ Axel
Ja, das was du sagst ist auf jeden Fall schlüssig. Danke sehr.

@bluttrinker
Was du sagst macht Sinn. Ein erstes Urteil über die Person gefällt, und aus der Gewohnheit weil jenes Argument bekannt ist, stecke ich dann in Schubladen. Aber um das eben zu verhindern, frage ich immer nach 'warum denkst du denn gerade genau so und nicht anders'. Das fühlt sich dann nicht mehr so oberflächlich an. Und ich will wirklich wissen, wie Leute denken, deswegen auch dieser Thread.


@Axel
Deswegen finde ich ständiges Nachhaken ja immer so gut, auch wenn nicht viel Zeit ist. Denn es fühlt sich komisch an, ein Gespräch abbreechen zu müssen wenn noch etwas Ungesagtes auf der Seele liegt. Mag das gar nicht.
Und was die deutsche Sprache angeht; finde die eh viel zu kompliziert und unnötig auf unzugänglich getrimmt weil: Warum gibt es Verben die groß geschrieben werden? "Ich fahre Auto" oder " Das Fahren mit dem Auto fällt mir schwer". Warum wird im zweiten Beispiel 'Fahren' groß geschrieben? Ich weiß zwar warum aber warum ist das so? Alleine auf die Groß- und Kleinschreibung zu verzichten würde es viele so viel einfacher machen.

Rigolax hat geschrieben: 23. Jun 2022, 15:25 Na ja, ich denke ja, die meisten, die gendern nicht mögen, lehnen das eher ab, weil gendern nicht cost-free ist....
Ich fand gendern schon immer seltsam, lange bevor es so trendy wurde. Vor rund 30 Jahren schon, in der Grundschule, hörte sich das immer so komisch an wenn von Schülerinnen und Schülern gesprochen wurde. Das fühlt sich an wie ein Anhängsel was da nicht hin gehört. Im Polnischen ist das besser gelöst, da wird einfach der letzte Buchstabe geändert und es flutscht einfach. In meiner Blase findet sich keine weibliche Person, also 100%, durchs nicht-gendern diskriminiert, selbst die lesbische Beziehung in meiner Familie lehnt das ab. Ist sicher kein repräsentatives Beispiel, aber die sind alle sehr unpolitisch und stören sich da einfach nicht dran.'
Axel hat geschrieben: 23. Jun 2022, 18:14
... Also "Feministen" schreibt statt "Feminist:innen" usw. Da wird ihr dann vorgeworfen, dass sie ja in Wirklichkeit rechts wäre und all das halt. Sie ist da wirklich resigniert mittlerweile....
Was sind das denn bitte für Leute, die in sowas schon ne rechtsextreme Gesinnung sehen? Sind sind doch ganz klar (Schublade auf), auf der anderen extremen Seite zu verorten (und wieder zu).
Voigt hat geschrieben: 23. Jun 2022, 18:26 mhm abhängig vom Umfeld, aber insgesamt würde ich schon sagen ist etwas problematisch. Insbesondere wenn ich die Meinung des gegenübers nicht kenne, drücke ich mich immer erstmal möglichst diplomatisch aus. Man will ja auf keine Füße treten.
Aber wie lange willst du die person dann kennenlernen, bis du dir ein fundiertes Urteil bilden kannst. 5min? 2 Stunden oder paar Jahre? Aber aus der Situation heraus zu urteilen ist ja offensichtlich auch verkehrt. Najaaa...
MaxDetroit hat geschrieben: 23. Jun 2022, 19:59 Ich hinterlasse hier mal eine kleine Polemik:
Also ich bin ja jemand den Verbote in der Hinsicht triggern, das es dann für mich dann extra reizvoll wird es gerade deshalb trotzdem zu machen...
Oh Gott, ich bin das totale Gegenteil. Ich gendere manchmal extra vor Leuten, die gerne gendern und wissen dass ich nicht gerne gendere, um sie etwas zu ärgern :D, aber grundsätzlich ist es mir viel zu anstrengend meine Sprache extra den Gegebenheiten anzupassen. Mein Gott, wenn einer will dass ich was nicht so sondern so ausspreche, dann mache ich es einfach so wies mir einfacher fällt, ohne da jetzt extra ein Fass auf zu machen. Kurz: Trotzig zu sein ist nicht meins :D
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Voigt »

Ich sehe da kein Problem, das ergibt sich halt einfach im Gespräch, auf welcher weise das Gegenüber labern mag. So innert 5min ist das schon meist klar. Finde das ist halt normales soziales Miteinander, mit Fühler ausstrecken wie das Gegenüber Gespräche mag, doch recht normal?
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Smutje187
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Smutje187 »

Das Thema „verletzende Sprache“ verstehe ich nicht - es gibt einen Haufen Begriffe den wir heutzutage zurecht nicht mehr benutzen, wenn wir Frauen, Einwanderer, Homosexuelle etc. meinen - Rücksicht ist in einer Gesellschaft ganz normal, wir sind da heutzutage keine Ausnahmeerscheinung, auch wenn man das gerne von sich und seiner Zeitperiode denkt.
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von tepete »

Also ist das mit dem Schubladen denken ein automatismus, weil ich in 5min eben nicht alle Facetten der Person kenne.


Danke Leute, habe nicht bereut diesen Thread auf zu machen

Mfg
Jan
Mauswanderer
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Mauswanderer »

Axel hat geschrieben: 23. Jun 2022, 18:14
Mauswanderer hat geschrieben: 23. Jun 2022, 11:55 Hat halt auch viel mit dem Tonfall zu tun. Wenn ich etwas "zum Kotzen" finde, dann suggeriert das eine ganz andere Ebene emotionaler Betroffenheit (und wirkt auf Befürworter des Betrachtungsgegenstands deutlich persönlich-aggressiver), als wenn ich etwas "problematisch" finde.
Aber mal ernsthaft: Wer spricht denn in der gesprochenen Alltagssprache mit Wörtern wie "problematisch"? Tepetes Beobachtungen kommen ja laut seinen Aussagen von der Firmenkantine. Da wird höchstwahrscheinlich auch eher blumige Alltagssprache gesprochen werden und nicht die Textsprache, die man sich antrainiert hat um in Internetforen gut verstanden zu werden.
Verstehe nicht, was du meinst. Im engeren Bekannten- und Kollegenkreis drücken sich viele auch mal derber aus, aber gegenüber Fremden oder entfernteren Bekannten und Kollegen ist "problematisch" angemessen und "zum Kotzen" deplaziert.
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Terranigma
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Re: Leute lassen sich immer in eine Schublade stecken und es passt fast immer

Beitrag von Terranigma »

Kontext is King.


Welches Register man verwendet hängt von allerlei Gedönse ab. Ist's gesprochene Sprache oder schriftliche Sprache; die Beziehung zwischen Sender und Empfänger, die Hierarchie in der man sich bewegt, der Grad der Vertrautheit, etc. pp. Im Verlaufe eines typischen Tages dürften die meisten Menschen dutzende Male zwischen verschiedenen Registern springen. Nach dem Aufstehen spricht man mit den eigenen Kindern, auf der Arbeit mit'n guten Arbeitskollegen, danach mit dem Vorgesetzten, per Mail beantwortet man ne' geschäftliche Mail, nebenher schreibt man eine private WhatsApp, Zuhause dann mit'n Partner wiederum anders, ... so ist's wohl.
Sitting quietly and doing nothing,
Spring comes, and the grass
grows by itself.
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