Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

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Klagsam
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Klagsam »

Also ich kann viele deiner Punkte ehrlich gesagt nur schwer nachvollziehen. Ich fange mal an:

-Ich habe ein Handy und finde es wunderbar. Mein Handy steht so gut wie immer auf lautlos, ausser wenn ich gerade einen WIRKLICH wichtigen Anruf erwarte. Wenn ich zu Hause bin liegt es irgendwo herum und wird nicht genutzt. Ich fühle mich nicht die Bohne abhängig von dem Ding, mir dient es als mobiler Taschencomputer, den ich für Internet (mal eben schnell was nachgucken - toll), Podcasts, kurze Terminabsprachen per sms oder whatapp und als Wecker benutze. Meine Freunde und Bekannten haben sich daran gewöhnt, dass sie von mir nicht direkt eine Antwort erhalten wenn sie mir schreiben und dass ich meistens nicht ans Telefon gehe, dafür aber zuverlässig zurück rufe.

- Ich liebe PayPal, Amazon und generell Einkaufen über das Internet. Zum einen bin ich eine faule Sau und kultiviere meine Faulheit, zum anderen haben die örtlichen Läden sowieso nur selten das was ich gerade suche und seitdem ich bis auf Lebensmittel so gut wie alles über das Internet einkaufe ist mein Leben bedeutend frustfreier geworden. Und bevor jetzt der Vorwurf kommt, dass ich damit prekäre Jobs unterstütze: Mag sein, aber McJobs hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ob die jetzt beim Supermarkt, beim Kaufhaus um die Ecke oder bei Amazon sind ist nun wirklich Wurst. Wer keine prekären Jobs will muss das grundsätzliche politische System ändern und DAS will ich hier jetzt nicht diskutieren.
Ich habe auch gerne Bargeld in der Tasche, aber ehrlich gesagt ist es mir relativ Wurst, ob ich jetzt bar oder elektronisch bezahle. Ich bin kein Großverdiener, sich an mir persönlich zu bereichern lohnt den Aufwand nicht und sollten die Banken und der Staat tatsächlich irgendwann einmal beschliessen, ihre Macht dahingehend auszunutzen haben wir ganz andere Probleme, als Bargeld im Schrank oder nicht.

- Ich bin seit einem guten Jahr nicht mehr bei Facebook. Mein Leben hat sich dadruch deutlich zum Positiven verändert, weil ich die ganzen Deppen nicht mehr ertragen muss, die irgendwelchen menschenfeindlichen, dummdreisten, histrionischen und selbstgerechten Scheiss posten und dann noch glauben, das müsse alle Welt gut finden.

- Musik interessiert mich nicht. Dazu kann ich nichts sagen.

- "Defizite" im Sozialverhalten vieler Menschen gab es schon immer. Ich glaube, dass sich nur die Art verändert. Früher hat man seine Kinder verprügelt. Das wird heute zum Glück weniger, dafür passieren andere schlimme Dinge. Ob und in wie fern die "Moderne Welt" dafür verantwortlich ist würde ich nicht zu beurteilen wagen. Wenn ich die "sozialen Defizite" (ich glaube du meinst unsoziales Verhalten) heute mit denen beispielsweise im Mittelalter oder 1940 vergleiche bin ich ehrlich gesagt ziemlich froh 2016 zu leben.

- Steile These, leider nicht belegbar. Ob wir tatsächlich eine Zunahme von "Burnout" (was es ja als Diagnose gar nicht gibt) und Depressionen haben ist ja gar nicht klar. Sicher ist, dass wir diese Krankheiten heute leichter erkennen und teilweise auch überdiagnostizieren. Ich glaube, dass auch viele Ärzte heute deutlich mehr auf dem Schirm haben, dass es ein psychotherapeutisches und psychiatrisches Versorgungssystem gibt. Insbesondere auch wenn für somatische Beschwerden keine Ursache gefunden werden kann werden die Leute dann viel öfter und direkter zum Therapeuten geschickt.

Abschliessend möchte ich mal noch anmerken, dass ein menschliches Gehirn dafür gemacht ist, sich in jungen Jahren sehr gut an die Umwelt anzupassen, während es mit zunehmendem Alter immer weniger "plastisch" wird. Das ist ja auch vollkommen logisch: Rein evolutionsbiologisch muss sich der Mensch ja an seine Umwelt anpassen und sollte aber andererseits nicht durch jede kleine Veränderung wieder völlig neue Regeln und Annahmen entwickeln. Aus diesem Grund war es schon immer so und wird es immer so bleiben, dass die Alten dem Fortschritt generell mit mehr Misstrauen begegnen als die Jungen.

BlackSun84
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von BlackSun84 »

Erst einmal ist die moderne Welt keine, die man auf heute fixieren kann. 1910 war damals auch moderne als noch 1880 oder 1500. Jede Tag ist der der aktuellen modernen Welt und was ich so daran toll empfinde: Sicherheit, Komfort. Trotz aller Probleme auf der Welt geht es uns in der Ersten Welt doch recht gut. Bis zur Generation meines Großvaters waren meine Vorfahren beiderseits meiner Eltern alles Kleinbauern und Arbeiter. Man schlug sich durch, aber Wohlstand war da eher kein Thema. Erst die Generation meiner Eltern kam durch bessere Bildung aus diesem Trott heraus und dadurch konnte auch ich weiter voranschreiten. Heute hocke ich tagsüber im Büro, bearbeite Akten und zu den größten Ärgernissen zählen 40 Minuten Arbeitsweg und eine Überfordung an zu vielen Hobbys mit zu wenig Zeit. Sicher, es ist viel im Argen, aber dagegen kann man ja durch Engagement vorgehen, egal ob man meint, man müsse Zuwanderern helfen, für Kinder finanziell armer Eltern den örtlichen Spielplatz herrichten oder im Stadtparlament dafür kämpfen, dass noch Liberalität in dem - hier in Kassel rot-grünen - Sumpf erblühen kann. So oder so sollten wir dankbar sein, in der modernen Welt zu leben, die uns den Luxus erlaubt, Kritik an dieser zu üben. Die Zeiten können auch wieder schlechter werden, allen voran sind Kriege oder Seuchen durchaus immer wieder möglich.

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Enlagom
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Enlagom »

Interessante, und wichtige Diskussion.
Daß wir heute in Frieden leben und sehr viele Freiheiten, gerade was Meinung und deren Ausdruck angeht, ist wirklich keine Selbstverständlichkeit.
Aber das ist, glaube ich, nicht ganz das Thema.
Eines hat sich sehr stark in den letzen Generationen geändert: Die Geschwindigkeit, mit der Dinge wie Social Media oder Technik im Allgemeinen fortschreiten.
Genau wie das Gehirn automatisch filtert, um nicht jede nutzlose Information im Langzeitgedächnis zu speichern, ist die heute schwierigste Aufgabe aktiv zu filtern.

Mal ein paar Punkte, die mein Leben lebenswerter machen, bzw. gemacht haben seit ich es so praktiziere:
- Ich bin nicht ständig erreichbar, weder privat noch für meine Arbeit
- Ich liebe es meine Zeit zu "verschwenden", und tue es auch. So wie heute, mit einem langgezogenem Frühstück, Lesen auf der Terrasse, später vielleicht ein Spaziergang mit Hund und Freundin. Vielleicht noch in meine Spielebibliothek schauen und was spielen. Das war es dann auch für den Samstag.
- Wenn ein weiterer Amoklauf in den USA passierte, oder eine weitere Mine in China eingestürzt ist und hundert Menschen das Leben gekostet hat ist das schlimm. Aber, so hart das klingt, nicht relevant für mich. Für mich relevant sind meine Familie, Freunde, mein Umfeld. Wenn ich meinen Nachbarn helfen kann tue ich das. Ich lese nur noch sehr gezielt Nachrichten, weil mich alles andere belastet
und es weder mir noch wem anderen nützt.
- Ich habe eine Handvoll Menschen mit denen ich meinen freie Zeit verbringe. Zwei Dutzend Freundschaften kann ich nicht pflegen. Facebook oder ähnliches? Nein danke.
- Ich versuche, soweit möglich, regional zu sein. Dazu gehört auch, daß ich keinen Konzern wie Amazon, der keinen Mehrwert (außer für seine Aktionäre) bietet unterstütze.
Das schaffe ich nur eingeschränkt, Spiele und Bücher kaufe ich auch online. Aber ich kaufe Lebensmittel regional. Ich geh in den örtlichen Buchhandel, weil ich den auch in 10 Jahren gerne noch hier hätte. Ein größerer Punkt hier ist: Ich habe meine Aktienfonds, die ich mir über Jahre erspart habe, aufgelöst und alles in die örtliche Bank gesteckt. Kaum Zinsen.
Aber zumindest weiß ich ungefähr was die mit meinem Geld machen. Und dazu gehören mit Sicherheit keine Derivatekäufe um Lebensmittelpreise in anderen Ländern künstlich zu pushen.

Eigentlich alles Kleinigkeiten, zumindest fühle ich mich dadurch nicht eingeschränkt. Im Gegenteil, seit ich aktiver darüber nachdenke und handle, gehts mir besser..

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Klagsam
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Klagsam »

Axel hat geschrieben:
Und was ist mit Beratung und dem persönlichen Kontakt? Ich liebe es beispielsweise Bücher bei der lokalen Handlung zu kaufen. Wenn es etwas nicht gibt, wird das bestellt und es ist am nächsten Tag ebenso da. Dazu habe ich noch nette Gespräche mit der Ladeninhaberin, man lernt die anderen Kunden kennen, usw. Das alles kann mir Amazon eben nicht bieten!
Zum einen lese ich kaum noch sondern bevorzuge Hörbücher und die kaufe ich bei Audible, zum anderen habe ich genug Freunde und Bekannte die mir auch mal ein Buch empfehlen können. Ansonsten habe ich durch meinen Beruf den ganzen Tag Kontakte, da bin ich froh in meiner Freizeit auch mal keine zu haben :)
Axel hat geschrieben:
Ob wir tatsächlich eine Zunahme von "Burnout" (was es ja als Diagnose gar nicht gibt) und Depressionen haben ist ja gar nicht klar.
http://www.welt.de/gesundheit/psycholog ... ch-zu.html
http://www.medical-tribune.de/home/news ... ssion.html
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/20 ... krankungen

Ach ganz praktisch kann ich Dir von befreundeten Psychologe bestätigen, dass die Zahl der Patienten in den letzten Jahren massiv zugenommen hat! Vielleicht liegt es auch daran, dass man heute offene mit dem Thema umgeht - kann gut sein. Aber gerade diese Leistungsdruck und diese ganze Informationsflut überall kann nicht gesund sein.
Die Artikel, die du zitierst sagen doch genau das was ich oben beschrieben habe? Es ist eben völlig unklar, wodurch die Zunahme an F-Diagnosen zustande kommt und es ist so, dass die Diagnosequalität teilweise erschreckend niedrig ist. Und wenn eben mittlerweile jede Trauerreaktion oder jede zeitweise Überlastung direkt mal mit einer F-Diagnose und dem Rat einen Psychotherapeuten aufzusuchen versehen wird nehmen die Patienten selbstverständlich zu. Wenn du weiterhin im Dorf nicht mehr ausgelacht wirst, nur weil du zum Psychotherapeuten gehst dann führt das ebenfalls zu einer Zunahme an Patienten. Und wenn sich dann mit der Zeit auch noch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass du in deinem Umfeld Menschen hast, die positive Erfahrungen mit Psychotherapeuten gemacht haben so erhöht das ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass du selbst irgendwann mal vorbei guckst.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Leistungsdruck pauschal so zugenommen hat. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren 72h-Wochen durchaus üblich. Und warum die Informationsflut ungesund sein soll ist mir auch nicht klar. Rein aus Sicht des menschlichen Gehirns ist Information erst einmal Information und die Menge an sich hat überhaupt nicht zugenommen, kann sie ja gar nicht. Was sich nur verändert hat ist die Wertigkeit der Informationen und die (erwarteten) Konsequenzen
Zuletzt geändert von Klagsam am 9. Jul 2016, 13:07, insgesamt 1-mal geändert.

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boller
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von boller »

Eine typische Generationen-Diskussion die ich aber auch nachvollziehen kann.

Soziale Medien vermeide ich auch da der Umfang an "Müll" einfach zu groß ist und mir meine Zeit dafür zu schade ist. Die grundsätzliche Möglichkeit Kontakt zu allen möglichen Menschen Wweltweit aufzunehmen, zu sehen was aus alten Bekannten geworden ist und um selten benutzte soziale Kontakte nicht komplett einschlafen zu lassen mag es einen Nutzen haben. Das ganze kann man aber auch anders erreichen.
Und die klassisch falsche Aussage das es ja "umsonst ist" und nur Mehrwert schaffe halte ich für fürchterlich. Das bezahlen mit Daten und der Informationsgewinn für Firmen/"Staat"/Sonstige von all den immer mehr wachsenden Datenquellen hat das Potential zu großartigen Horrorstorys ala 1984/Brave New World und Co. Auch wenn nun viele sagen sowas wird nicht passieren, was schon heute an Informationen zusammenkommen ist erschreckend und es wird nur noch mehr zunehmen. Und klar wird es nicht so "grau" wie 1984... es wird superbunt und nett und schön und der Ottonormalmensch merkt es gar nicht in was für ne schmucke Honigfalle man da gerät.
Solange die Politik nicht einen klaren und schnell zu vernünftigen Gesetzen gemachten Umgang mit den Daten pflegt und alle erfassten Daten dem "Kunden/Nutzer" klar kommuniziert werden ist das ganze ein riesen Problem zumindest für mich...

Handy, Ja, Smartphone NEin ..., werde auch immer wieder schräg angesehen weil ich kein Smartphone besitze aber ich brauche es einfach nicht und will es auch nicht wenn ich sehe wie viele damit umgehen. Die Dinger sind schlauer als all ihre Nutzer und machen die Nutzer zu bequem und zu bildschirmfokusiert im normalen Leben auch wenn das wenigstens Potential zur natürlichen Selektion hat. Filme auf 5 Zoll schauen halte ich für lächerlich, Internet surfen muss nicht sein wenn ich unterwegs bin in der Stadt und wenn man mir was mitteilen will kann man mich anrufen wenn es den sein muss. Für Notfälle ist es gut eines zu haben, für mehr brauch ich es aber auch nicht und daher reicht mir die simple prepaid Variante auch ...

Das mit dem Sozialverhalten treffe ich auch immer wieder an. Sowas wie laute Musik oder Telefonieren das der ganze Bus es hören kann erzeugt bei mir immer wieder Mordgedanken, vorallem wenn es dann Inhaltlich auch nocht total niveaulos ist und man die Person am liebsten aus dem Fenster werfen möchte... Eine weitere Sache ist das mittlerweile typische kurzfristige Umlegen von Terminen und Absprachen. Das für den einen als nette Möglichkeit Terminabsprachen paar Minuten zu verlegen weil man ja noch das ein oder andere erledigen will/kann finde ich schrecklich wenn es zur norm wird. Wenn man sagt man trifft sich mit 4 Leuten 20 Min vor Kinostart und dann 2 Leute nachfragen 5 min vor dem Zeitpunkt ob man nicht die spätvorstellung nehmen kann dann kommt mir immer wieder die Galle hoch ...

Auch ein schönes Thema sind GEburtstage, ohne Einträge in Facebook Kalender nicht mehr zu wissen wann wer Geburtstag hat, selbst bei nahen Freuden ist immer mehr in Mode gekommen. Und da sieht man wie sehr der direkte soziale Kontakt samt qualitativer Kommunikation der Gesellschaft als ganzes immer mehr abhanden kommt. Man kommuniziert heutzutage sehr viel mehr und mit viel größerere Reichweite als früher aber die inhaltliche Qualität und die Empfangsfähigkeiten/Filterung der Nutzer ist ins bodenlose abgestürzt.

Interressant finde ich diese Dinge auch vorallem hier im Bezug aufs Gaming. Die erfassten MEtadaten, der Verbund von Handydaten/Website Cookies/Suchbegriffen/Steamdaten/Werbepräferenzen ermöglicht eine immer genauere Aussage wer was wieviel und wiso spielt. Aber werden dadurch die Games besser? Oder wissen die Hersteller nun nur wo dran sie besser sparen können, wie bei 40 realen gegenüber 200 STD Spielzeit was am ende eh nur 10 % durchspielen. Und wie gut ist es vorhersagbar und einnplanbar für sie ob Nutzer ein Spiel kaufen werden und es dann zu Steamleichen verkommen lassen. Und bietet man dem einen Kunden DLC XYZ an und dem anderen nicht weil er auf Amazon 3 Bücher mit einem thematisch nahen Inhalt dazu gekauft hat. Da gibt es so viel was man aus den wachsenden Informationen machen kann, im guten wie im schlechten ...

Was globale Konzerne ala Amazon und Co angeht, ich versuche sie zu vermeiden was im Alltag aber immer schwerer wird. Früher konnte man auf Flohmärkten noch unmengen an Schnäppchen finden, heute ist das auch größtenteils ins Netz abgewandert, genauso B-Ware und co. Regionale Produkte sind was feines und ich fördere sie wo ich kann aber ab un zu greift man halt eher zum bequemen billigen Gemüse vom Discounter statt auf den Markt zu gehen oder so. GEnauso im Buchhandel oder anderen Konsumbereichen. Es ist alles ne Frage der persöhnlichen Wertschätzung und letztendlich der Einstellung und des Geldes.

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Klagsam
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Klagsam »

Enlagom hat geschrieben: Daß wir heute in Frieden leben und sehr viele Freiheiten, gerade was Meinung und deren Ausdruck angeht, ist wirklich keine Selbstverständlichkeit.
Aber das ist, glaube ich, nicht ganz das Thema.
Ich finde schon, dass das Teil des Themas ist. Den Fortschritt aufzuhalten, bzw. zurückzudrehen oder die "Informationsflut" zu reduzieren würde nämlich zwangsläufig mit zusätzlichen Regeln und Beschränkungen einhergehen. In sofern könnte man auch viele der von Axel angesprichenen Punkte als einen Preis für die Freiheit sehen. Dann käme es nämlich darauf an, welchen Preis wir wie lange bereit sind zu bezahlen, wie wichtig uns die Freiheit also ist.
Enlagom hat geschrieben: Genau wie das Gehirn automatisch filtert, um nicht jede nutzlose Information im Langzeitgedächnis zu speichern, ist die heute schwierigste Aufgabe aktiv zu filtern.
QFT - und das wird natürlich zunehmend schwieriger. Siehe dein Beispiel mit dem Amoklauf oder der Mine in China. Wären wir auf Facebook müßtest du dir mittlerweile sicherlich schon anhören was für ein schlimmer Mensch du bist, dass das für dich nicht relevant ist. Wenn es dir nicht gelingt, dich davon abzugrenzen wirst du dir in Zukunft vielleicht 2x überlegen, ob du doese Informationen wirklich ausfiltern willst. Ich überspitze gerade etwas, aber trotzdem :D

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Max
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Max »

Axel hat geschrieben:- Ich habe kein Handy.
Letztendlich sind aber die meisten Apps nur digitale Versionen von Hilfsmitteln, die die Menschen schon seit etlichen Jahren einsetzen (Sprich: Notizblock, Kalender, Uhr, Adressbuch, Atlas, etc.). Natürlich macht man sich ein Stück weit abhängig von diesen Hilfsmitteln, wenn man seine Termine in einen Kalender (ob schriftlich oder per App) einträgt, aber offen gestanden ist es mir das Wert. Der Zuwachs an Komfort und Produktivität ist für mich positiv.

Und das andere, was du beschreibst, ist schlicht ein Höflichkeitsproblem. Ich halte es auch wie Klagsam. Trotz aller Vorzüge, die ich in Smartphones usw. sehe, verweigere ich mich dem "Du musst jederzeit erreichbar sein". Aber ich sehe nicht, warum ich deswegen diese Technik gleich boykottieren müsste. Ich antworte dann einfach mal ein paar Stunden nicht, da müssen die anderen dann durch.
Axel hat geschrieben:- Apropos Geld: Ich liebe Bargeld!
Ich bin großer Fan des Internethandels und nutze auch PayPal. Persönliche Beratung benötige ich in den meisten Fällen nicht, eine kurze Recherche ist meist deutlich ergiebiger. Gegen die Abschaffung des Bargelds bin ich trotzdem, da gebe ich dir absolut recht. Aber ein System wie momentan, in welchem die elektronischen Zahlungsmöglichkeiten eine Ergänzung zum Bargeld darstellen, finde ich gut.
Axel hat geschrieben:- Meine Kritik zu soziale Medien.
Ich muss zugeben, dass ich Facebook wenig nutze. Hauptsächlich nutze ich Facebook nur, um Dinge für das Studium zu koordinieren. Wenn ein Seminar ausfällt, postet das gerne mal ein Kommilitone, der zufällig den Zettel an der Tür gesehen hat. Das ist ganz nett. Die Pest sind natürlich Facebook-Kommentare. Aber ich nutze mittlerweile ein Browser-Addon, welches automatisch auf allen Seiten die Kommentarsektionen ausblendet. Und damit lebt es sich ganz hervorragend.

Ich benutze dafür Twitter recht intensiv und habe dadurch Menschen in Entfernungen kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte. Und für sowas sind solche Netzwerke schon recht klasse. Wenn man diese Medien nicht nutzt, würde ich das aber nicht fortschrittsfeindlich nennen. Man kann dann halt schlicht nichts damit anfangen.

Spannend finde ich allerdings, dass an vielen Orten immer wieder eine Art Glaubenskrieg "Persönliches Gespräch vs. Nachricht" aufgemacht wird, als ob das stets eine "entweder...oder"-Frage wäre. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen, für mich ergänzt sich beides gut. Ja, ich telefoniere in der Tat deutlich seltener. Aber ist das wirklich ein Problem?
Axel hat geschrieben:- Und dann so kulturelle Dinge wie Musik. Ich finde moderne Popmusik meist absolut fürchterlich und scheusslich.
Mit Verlaub, aber das ist meines Erachtens eine Mischung aus Geschmack und Nostalgie. Schon vor dreißig Jahren haben dir Menschen gesagt, dass die Pop-Musik früher viel besser gewesen sei. Ich glaube, dass gerade Pop-Musik wirklich ganz eng mit den eigenen Jugendjahren verbunden ist. Ich merke das sogar schon an mir selbst. Ich bin erst 20 und habe jetzt schon Gedankengänge wie "Vor zehn Jahren waren die Charts viel interessanter".
Axel hat geschrieben:- Eine weitere Errungenschaft der modernen Welt: Burnout und Depression.
Das sehe ich offen gestanden wie Klagsam. Heutzutage ist der Gang zum Therapeuten schlicht mit deutlich weniger Furcht und deutlich weniger verquerer Vorurteilen belastet. Wenn die Zahl der Menschen, die bereit sind, zum Therapeuten zu gehen, steigt, dann steigen natürlich auch die erkannten Diagnosen. Klassische "Henne oder Ei"-Frage.

Woran ich aber tatsächlich sehr glaube, und das beschreibt ja auch Enlagom in Ansätzen, ist, dass die Berichterstattung durchaus negativen Einfluss auf die Weltsicht der Menschen hat. Der Journalismus berichtet über Probleme und je mehr Nachrichten die Menschen lesen/sehen/hören, desto mehr belastet sie das. Diesbezüglich gab es auch eine Studie, in welcher Menschen zu verschiedenen Themen befragt wurden. Dabei wurden sie gefragt, ob sich bestimmte Sachverhalte positiv oder negativ verändert hätten (beispielsweise Kindersterblichkeit). Ein sehr großer Anteil von Menschen hat dabei (entgegen aller eigentlich logischen Einflüsse wie medizinischer Fortschritt, Hygienefortschritt, usw.) geglaubt, die Kindersterblichkeit wäre in den letzten 30 Jahren sogar noch gestiegen. In Wahrheit ist sie natürlich deutlich gesunken. Die Studie zieht dabei Verbindungen zur Nachrichtenflut, die hauptsächlich negative Dinge in den Vordergrund stellt. Leider kann ich gerade den Link zu dem Artikel nicht finden, den reiche ich eventuell nach.

Mittlerweile gibt es auch Ansätze, wie man dem klassischen Journalismus eine dahingehend ausgleichende Ergänzung bieten kann (Stichwort: Konstruktiver Journalismus), aber das steckt alles noch in den Kinderschuhen.

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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Enlagom »

Max hat geschrieben:Mittlerweile gibt es auch Ansätze, wie man dem klassischen Journalismus eine dahingehend ausgleichende Ergänzung bieten kann (Stichwort: Konstruktiver Journalismus), aber das steckt alles noch in den Kinderschuhen.
Würd mich interessieren, ob du da welche kennst, die lesenswert sind? Ich kann das hier empfehlen:
https://www.perspective-daily.de/
http://www.tea-after-twelve.com/

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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Enlagom »

Klagsam hat geschrieben:Siehe dein Beispiel mit dem Amoklauf oder der Mine in China. Wären wir auf Facebook müßtest du dir mittlerweile sicherlich schon anhören was für ein schlimmer Mensch du bist, dass das für dich nicht relevant ist. Wenn es dir nicht gelingt, dich davon abzugrenzen wirst du dir in Zukunft vielleicht 2x überlegen, ob du doese Informationen wirklich ausfiltern willst. Ich überspitze gerade etwas, aber trotzdem :D
Nicht ganz sicher, worauf du hinaus willst?
Zum deinem Punkt, daß ein (wird nicht passieren) Rückschritt im globalen Informationsaustausch auch gefährlich wäre: Da stimme ich schon zu. Ein arabischer Frühling, als Beispiel, wäre ohne diese so nicht passiert. Ich glaub nur, wie angesprochen, daß die Entwicklung derart rasant war, daß viele (da nehme ich mich nicht aus) damit nur schwer umgehen können.

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Max
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Max »

Enlagom hat geschrieben:Würd mich interessieren, ob du da welche kennst, die lesenswert sind? Ich kann das hier empfehlen:
https://www.perspective-daily.de/
http://www.tea-after-twelve.com/
Ich bin auch Abonnent von Perspective Daily. Durchaus lesenswert. Meiner Meinung nach ist es noch ein bisschen zu früh, um zu beurteilen, ob die ihrem hohen Anspruch gerecht werden, aber die bisherigen Texte haben mir gut gefallen. Mit weiteren vergleichbaren Magazinen habe ich mich noch nicht beschäftigt.

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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Klagsam hat geschrieben:"Burnout" (was es ja als Diagnose gar nicht gibt)
Das ist so nicht ganz richtig. Es gibt ja die ICD-10 (International Classification of Diseases), und dort ist Burnout durchaus als Syndrom aufgeführt. Es ist zwar keine Diagnose, die dazu führen würde, dass du in ein Krankenhaus eingeliefert wirst, die Diagnose ist aber international anerkannt. Ich denke das die Zunahme an Diagnosen auch viel damit zu tun hat, wie sehr überhaupt ein Bewusstsein für solche Krankheiten gibt. Es ist sicherlich deutlich einfacher heutzutage für einen Mann wegen sowas zum Arzt zu gehen als noch vor 100 Jahren.
Axel hat geschrieben:Und was ist mit Beratung und dem persönlichen Kontakt? Ich liebe es beispielsweise Bücher bei der lokalen Handlung zu kaufen. Wenn es etwas nicht gibt, wird das bestellt und es ist am nächsten Tag ebenso da. Dazu habe ich noch nette Gespräche mit der Ladeninhaberin, man lernt die anderen Kunden kennen, usw. Das alles kann mir Amazon eben nicht bieten!
Die persönliche Beratung ist mir in den meisten Fällen ehrlich gesagt ziemlich egal, weil ich sie nicht brauche. Wenn ich jetzt etwa Kabel oder einen Bohraufsatz kaufen will, reichen meistens dafür die Rezensionen. Die Zeitersparnis etwas online zu bestellen ist bei mir fast immer im Stundenbereich. Ich wohne und arbeite am Stadtrand, wo die meisten Läden bereits um 18 Uhr schließen (und wo ich auch zu 99% gar nicht das bekomme, was ich benötige). Um etwas zu kaufen müsste ich also mind. 1 Stunde Fahrzeit investieren, und dann habe ich noch nicht mal den Laden gefunden, wo ich das Teil auch kriege.

Um auf dein Beispiel mit den Büchern einzugehen: Das kann ich sehr gut verstehen. Ich kaufe Bücher mal online, mal im Buchhandel. Rein aus praktischen Gründen kaufe ich mittlerweile auch viel als Ebook. Wenn ich einfach nur stöbern will, dann liebe ich es auch in den Buchhandel zu gehen, Bücher anzulesen und das was mich interessiert, direkt mitzunehmen. Ich bin selber auch als DJ tätig und fand es auch deutlich angenehmer 1x die Woche nach der Arbeit in den Plattenladen zu gehen als online irgendwelche Listen durchzuscrollen und nur 2 Minuten Samples anhören zu können. Wenn ich aber bereits weiß was ich kaufen möchte, dann bestelle ich es meistens doch online.

Weiteres Beispiel: Ich habe mir dieses Jahr eine Karaffe gekauft. Da ich mich online schwer getan habe, einzuschätzen, welche Karaffe wirklich brauchbar ist, bin ich dafür in den Laden gefahren und habe mir die Modelle angeschaut. Ich stand mit meiner Frau sichtlich fragend vor dem Regal, dennoch ist nicht ein einziger Verkäufer auf die Idee gekommen uns anzusprechen, ob er uns weiterhelfen könne. Ich habe es in dem Fall schlicht und ergreifend nicht eingesehen 15€ mehr zu bezahlen als es online kostet. Bei einer vernünftigen Beratung hätte ich da gerne mehr bezahlt, aber so nicht.

Letztes Beispiel: Ich gehe regelmäßig joggen und würde mir neue Schuhe niemals online kaufen, es sei denn ich bestelle das gleiche Modell nochmal (weil ausgelatscht, etc.). Die Beratung und die Laufbandanalyse, die ich bekomme, wird Online-Einkauf niemals ersetzen können.

Kurzum: Ich entscheide sehr stark wie sehr ich Beratung tatsächlich brauche, auch weil in den Laden fahren ein großes Zeitinvestment ist.
Axel hat geschrieben:- Apropos Geld: Ich liebe Bargeld! Ich finde derzeit wenig beängstigender als eine Gesellschaft ohne Bargeld. Wir wären sowas von abhängig von Banken und Staat, wir wären noch gläserner und es gäbe überhaupt keine Freiheit mehr. PayPal habe ich nur äußerst widerwillig, weil ich das für Bandcamp brauche. Das Geld was ich durch Spenden darauf bekomme, das wandert sofort aufs Bankkonto und dann wird es abgehoben und daheim in den Schrank geschlossen. Das mag vielleicht extrem klingen, aber ich trau der ganzen Technik hier wirklich nicht - denn hier sehe ich die Gefahr für Betrüger viel krasser als die Gefahr draußen überfallen zu werden. Dahingehend bin ich also wirklich technikfeindlich, aber ist es auch fortschittsfeindlich, wenn man auf sowas Wert legt?
Bargeldloses Bezahlen muss ja nicht immer auch gleich personalisiert sein. In Hong Kong gibt es z.B. die Octopus Card. Das funktioniert ähnlich wie bei uns die Geldkarte (nur kontaktlos, also ohne diesen Chip). Die Karte kannste du völlig anonym an einem Automaten ziehen und auffüllen. Und du kannst fast überall damit in der Stadt bezahlen. Ich kann verstehen, warum dir Bargeld lieber ist (Prinzip: Nur was ich besitze hat auch einen Wert), nur dummerweise bestimmt bei Geld nicht der physische Besitz den tatsächlichen Gegenwert.
Axel hat geschrieben:- Ich habe kein Handy. Mehr noch, ich verabscheue die Tatsache, dass Menschen heute von den Dingern abhängig sind und scheinbar nichts mehr bewerkstelligen können, ohne auf irgendeine App angewiesen zu sein. Ich habe ein Tablet, ja. Aber: Das ist NUR und wirklich NUR zur Unterhaltung. Spiele, Musik, Podcasts oder wenn ich unterwegs mal nen Film oder ne Serie gucken will - dafür ist so ein Tablet wirklich hübsch. Aber ich würde mit so einem Gerät nie persönliche Daten managen wollen oder sogar damit bezahlen. Ist das wirklich fortschrittsfeindlich, wenn ich erwarte, dass Menschen nicht auf ihre Handys gucken sollen, wenn sie sich mit mir unterhalten? Oder poche ich da eher nur auf Höflichkeit? Denn das ist es für mich, wenn man Handys in Beisein von anderen Menschen nutzt: unhöflich.
Handys/Smartphones sind, finde ich, ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen sehe ich wie du die negativen Aspekte (Stichwort: Smombie), die sie mit sich bringen. Auf der anderen Seite schätze ich aber auch ihre Vorteile. Ich nutze es relativ häufig um mich mit meinen Freunden zu koordinieren, da eine WhatsApp Gruppe der kleinste gemeinsame Nenner ist. Auch mag ich es das vorher gekaufte Kinoticket oder Flugticket direkt aufs Smartphone laden zu können und es nicht ausdrucken zu müssen (Papier gespart). Ansonsten nutze ich es auch viel zum Podcasthören sowie zum Lauftracking über Runtastic (dabei interessiert mich hauptsächlich mein eigener Fortschritt).
Man nutzt ein Medium halt auch immer anders je nachdem wie man damit aufgewachsen ist. Ich erinnere mich ja sehr stark daran, dass unserer Elterngeneration auch nicht verstanden hat, was wir da die ganze Zeit am PC machen und hat darin nur das größte Übel gesehen (Zitat: "Geh doch mal raus, spielen!" etc.)
Axel hat geschrieben:- Meine Kritik zu soziale Medien. Ja, ich habe Facebook. Aber auch nur, weil ich das für meine Projekte nutze. Weil man damit gut Werbung machen kann und ich kann sehr einfach mit Musikern Kontakt aufnehmen oder halten wenn man gerade bei einem Projekt was gemeinsam macht. Dafür ist das echt nützlich. Ich würde ins Fratzenbuch aber nie persönliche Dinge ausbreiten. Warum muss man das? Und braucht man denn mehrere Plattformen, reicht denn nicht eines? Wozu braucht es Twitter, Instagram, Snapchat und den ganzen Kram? Bin ich technikfeindlich, weil ich es eher mag mit Menschen persönlich zu kommunizieren? Ich ein echtes Gespräch jederzeit einem chat vorziehen würde?
Ähnlich wie Smartphones ist Facebook für mich nur eine Erweiterung des persönlichen Gesprächs. Ja, 80% auf facebook ist irrelevanter Müll, das hängt aber auch sehr stark damit zusammen wie man es für sich selber konfiguriert (welche Seiten hab ich im Feed, etc.). Mein Hauptanwendungsfall ist da mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die nicht (oder nicht mehr) in meiner Stadt wohnen. Und wenn ich in deren Stadt fahre, dann schreibe ich sie über Facebook oder WhatsApp an, um sich zu treffen und das funktioniert meistens hervorragend.
Axel hat geschrieben:- Und dann so kulturelle Dinge wie Musik
Musik ist halt sehr stark subjektiv geprägt und darüber ist es immer etwas mühselig zu streiten. Ich persönlich glaube auch, dass die starke Digitalisierung der Musik nicht gut getan hat, letztlich werden aber Leute in den 80ern sicherlich das gleiche über die Einführung der CD gesagt haben.

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tobias
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von tobias »

Axel hat geschrieben:Phänomene wie "Ghosting"
Ach das gab es schon immer.

Ein Beispiel wäre etwa das durch die Inquisition und erste Züge der Staatenbildung in der Frühen Neuzeit etwa zum Teil herausgekommen war wie viele unglückliche Ehepartner einfach verschwunden waren und dann einige Kilometer weiter eine neue Existenz aufgebaut hatten. Auch am Ende von Kriegen wurde immer wieder Unregelmäßigkeiten bezüglich der Identität einiger Gefallener und Rückkehrer festgestellt.

Klar begünstigen fluidere soziale Strukturen einfach mal eben zu verschwinden. Das Internet dagegen erschwert die Sache dagegen.

Zudem sollte man nicht vergessen das einige 'Ghoster' aus ihrer Sicht vielleicht einen guten Grund dafür haben, etwa weil sie sich bedrängt fühlen oder sogar Angst haben.
Axel hat geschrieben:Dann gibt es noch diese ganzen Defizite im Sozialverhalten bei Menschen.
Und trotzdem sind die Erwartungen an das soziale Verhalten von Menschen so hoch wie noch nie bei gleichzeitigem historischen Tiefstand von Gewaltverbrechen.
Axel hat geschrieben:Was hat uns die moderne Welt gebracht, dass man sie irgendwie gut finden sollte?
Was verstehst du eigentlich unter 'moderne Welt'? Mir scheint es das du hier mit einem etwas diffusen Begriff arbeitest und letztlich relativ beliebig und kontextlos Elemente der aktuellen Lebensrealität herausgreifst und kritisierst.

Ubique
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Ubique »

Bezüglich Technologie möchte ich Douglas Adams aus einem Buch The Salmon of Doubt zitieren:
"I've come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:
1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.
2. Anything that's invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.
3. Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.”

Du bist nur viel zu Früh bei Punkt drei angekommen, passiert.

Bezüglich Musik möchte ich folgenden Satz zitieren "Über Musik zu sprechen ist wie zu Architektur zu tanzen." Dieser Satz wurde schon sehr oft zitiert und wird im original Menschen wie Frank Zappa nachgesagt, wer es als erster gesagt hat wird man wohl nicht mehr herausfinden können. Und das beschreibt die Crux deiner Aussage. Popmusik ist nicht schlechter geworden, sie war schon immer schlimm ;). Dein Beispiele sind für meine Ohren gleichberechtigt unerträglich.

Bezüglich geistiger Erkrankungen erlaube ich mir kein Urteil, davon Verstehe ich viel zu wenig.

Deinen Monty Python Link verstehe entweder ich, oder du selbst nicht. Er passt nicht zu deinen Aussagen, oder ist den Beitrag doch nur ein Trollversuch?

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Vinter
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Vinter »

Ehrlich gesagt glaube ich, liegst du da nur dem ältesten Vorurteil der Welt auf.
Sokrates hat geschrieben:Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Alles ändert sich. Aber die Welt ist davon noch nie untergegangen. Sorgen machen musst du dir erst, wenn es plötzlich anfängt, sich nicht mehr zu ändern. Denn erst Stillstand bedeutet Tod.

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derFuchsi
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von derFuchsi »

Also am Alter kanns nicht unbedingt liegen, ich bin über 40 und probiere gerne neue Technik aus und entscheide dann ob ich das brauche oder nicht und nicht vorher.

Ich finde die Sicht auf Smartphones ziemlich einseitig.
Smartphones machen unsozial. Jeder guckt nur noch auf den Kasten anstatt sich zu unterhalten.

Außerdem sind wir alle abhängig von den Dingern und können nichts mehr ohne tun. Könnte es daran liegen dass Smartphones mittlerweile Sachen ersetzen können wozu man früher tonnenweise Utensilien mitschleppen müsste?
Natürlich benutzt man das Gerät dann auch häufiger.
(Schade ich finde das passende Gif nicht mehr auf dem man einen vollen Schreibtisch von früher sieht der sich langsam leert und die Werkzeuge immer kompakter werden (Computer) bis zum Schluss nur noch ein Smartphone auf dem Tisch liegt.)

Bargeld... bei Beträgen über 10 € zahle ich nur noch mit Karte. Ich sehe keinen Sinn darin eine Geldbörse voller Scheine mit mir rumzuschleppen. Nichtsdestotrotz fände ich eine Abschaffung des Bargeldes wie es derzeit anscheinend angestrebt wird fatal. Dann ist man dem Finanzmarkt hilflos ausgeliefert und das eigene Ersparte quasi in Geiselhaft. Negativzinsen aufs Ersparte? Pech gehabt, der Sparstrumpf wurde abgeschafft da kein Bargeld mehr.

Online-Shopping.
Ich kaufe gerne online und gerne bei Amazon. Beratung hole ich mir vorher selbst im Internet vor der Bestellung.
Es mag da diverse bekannte negative Auswirkungen geben wie Ausbeutung der Mitarbeiter, sterben lokaler Läden etc. aber das ist alles viel zu abstrakt und unsicher.
Der Mensch versteht abstrakte Probleme nicht die ihn nicht unmittelbar betreffen. Das trifft auch auf ziemlich jedes größere Problem zu wie Klimawandel oder so.
Paul Panzer hat das mal sehr banal aber treffend formuliert. Wenn du das Altöl in die Kanalisation kippst spürst du ja erstmal keine Auswirkungen, außer dass du das Öl los bist. Wenn du dir dagegen mit dem Hammer auf den Daumen haust dann spürst du sehr wohl eine Wirkung und sagst dir 'also das mache ich nicht nochmal'.

Musik.
*seufz* hier ertappe ich mich immer öfter dass ich so klinge wie meine Mutter früher "Was ist das denn für ein Gejammer, das ist doch keine Musik". Mittlerweile habe ich den Radiosender gewechselt (Von HR3 auf HR1, Jochen wird das kennen) weil ich sogar die 5-10 Minuten Charts-Musik die ich mal vor den Nachrichten oder so höre nicht mehr ertrage. Und von David Guetta bekomme ich Pickel! Ich bin echt froh dass die EM vorbei ist und ich das hochgepitchte Gequieke des WM-Songs nicht mehr hören muss *gnaaa*.
Wie uns Jürgen damals beim ersten Big Brother sagte "Da krisch Plack!"

Burn-Out.
Heute gibt man Krankheiten die es früher auch schon gab einen Namen. Burnout gab es sicher früher auch schon. Damals hat man sich halt durchgebissen bis man aus den Latschen gekippt ist.
ADHS und solche Sachen woran Kinder heute leiden gab es früher auch. Damals wurden daraus halt die Klassendeppen oder die kamen in die Don-Bosco-Schule. Heute gibt es Therapien und Medikamente etc. und plötzlich ist alles ganz furchtbar.
Mag sein dass die Fälle wirklich mehr geworden sind aber früher hatte man halt einfach auch keinen Namen dafür also gab es das nicht.
Zuletzt geändert von derFuchsi am 12. Jul 2016, 16:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

derFuchsi hat geschrieben:(Schade ich finde das passende Gif nicht mehr auf dem man einen vollen Schreibtisch von früher sieht der sich langsam leert und die Werkzeuge immer kompakter werden (Computer) bis zum Schluss nur noch ein Smartphone auf dem Tisch liegt.)
Ich nehme mal an du meinst das hier: http://imgur.com/zBANAHm
Online-Shopping.
(...)
Es mag da diverse bekannte negative Auswirkungen geben wie Ausbeutung der Mitarbeiter
Wobei mir hier auch immer die Beweisführung fehlt, dass das ohne Online-Shopping nicht auch bereits so ist. Die generelle Ausbeutung (nicht zwingend der Mitarbeiter) fängt ja schon damit an, dass sich Leute ihre T-Shirts für 5€ bei Kik kaufen.

JayTheKay
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von JayTheKay »

Wie einige vor mir schon geschrieben haben ist es wohl normal, dass man ab einem gewissen Alter alles was "neu" ist eher skeptisch betrachtet. Wenn man sich das bewusst macht, kann man vielleicht dagegen steuern und auch die Vorteile von neuen Technologien etc finden.

Ich finde es ja immer wieder seltsam, wie die gleichen Leute meiner Generation, die sich früher über ihre Elterngeneration beschwert haben, weil diese gegen "diese ganzen Ballerspiele" eingestellt waren, jetzt ihrerseits über "die Jugend von heute" jammern.

Natürlich kann man immernoch gut ohne Smartphone, Facebook und Online Shopping auskommen, aber dann muss man sich eben den Vorwurf gefallen lassen, dass man etwas altmodisch ist.
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Brutos08
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Brutos08 »

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben: Handys/Smartphones sind, finde ich, ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen sehe ich wie du die negativen Aspekte (Stichwort: Smombie), die sie mit sich bringen. Auf der anderen Seite schätze ich aber auch ihre Vorteile.
Ich sehe das ähnlich und denke das verhält sich auch in anderen Bereichen des "modernen" Lebens so. Was aber selbst mir als 21 Jahre alten Studenten auf den Zwirn geht sind tatsächlich die Menschen die sich von Technik und Eigenheiten unserer Generation "entsozialisieren" lassen - ähnlich zu folgendem:
boller hat geschrieben: Eine weitere Sache ist das mittlerweile typische kurzfristige Umlegen von Terminen und Absprachen. Das für den einen als nette Möglichkeit Terminabsprachen paar Minuten zu verlegen weil man ja noch das ein oder andere erledigen will/kann finde ich schrecklich wenn es zur norm wird. Wenn man sagt man trifft sich mit 4 Leuten 20 Min vor Kinostart und dann 2 Leute nachfragen 5 min vor dem Zeitpunkt ob man nicht die spätvorstellung nehmen kann dann kommt mir immer wieder die Galle hoch ...
Ich bemerke immer häufiger, dass andere Leute nicht nur nicht kommunizieren sondern auch jegliche Absprachen vergessen bzw. generell sehr unzuverlässig sind, wenn man ihnen nicht alle paar Stunden auf den Nerv geht. Ferner noch fällt mir zunehmend auf, dass selbst wenn Leute Kontakt zu mir "suchen" sie nur den einfachsten Weg wählen: eine kurze Nachricht per WhatsApp. Eine E-Mail oder ein Anruf übers Festnetz wären im meinem Fall wesentlich effektiver, insbesondere da ich sowieso schon bei Freunden und Bekannten den Ruf weg habe, häufig im Flugmodus zu sein. Man darf sich quasi mangelhafte Kommunikation vorwerfen lassen, obwohl das Problem an ganz anderer Stelle entsteht.

Vielleicht kenne ich einfach nur die falschen Leute, aber von meinem persönlichen Eindruck her ist es seit dem Beginn der Ära des Smartphones deutlich unpersönlicher in der Kommunikation geworden - ob ich dabei mit einem alten Freund chatte oder telefoniere ist grundsätzlich egal. Das Problem liegt vielmehr beim Austausch mit Leuten, die man noch nicht so gut kennt. Ich hab nicht unbedingt Lust mich durch ellenlange Chroniken auf Facebook und Co. zu graben, nur um zu erfahren, dass jemand die gleiche Band oder das gleiche Spiel gut findet - was für mich enorm paradox ist, denn: Sollte diese sozialen Netzwerke den Kontakt nicht eigentlich fördern anstatt ihn zu ersetzen?

Nun aber zu den anderen angesprochenen Dingen:

Bargeld ist und bleibt für mich essentiell, um mir nach Lust und Laune sowie Bedarf etwas kaufe, auch wenn ich die meisten meiner Einkäufe längst auf den Onlinehandel verlagert habe, schlichtweg weil für mich die Vorteile von Garantie, Rückgaberecht, bequemen Versand u.Ä. überwiegen.

Zum Thema Musik: Für mich ist und bleibt Musik eine Mischung aus dem besten und schlechtesten Dingen, die man so hören kann. Jedem gefällt etwas anderes, und wie es nunmal bei Musik häufig der Fall ist: Wenn etwas Erfolg hat, wird es nach und nach mMn massentauglicher (mainstream) und schließlich hört man dann aktuell in jedem 2. Lied den "Kannibalen-Stampf-Rhythmus" gepaart mir elektronischen Klängen. Da muss ich bei vielen Liedern auch sagen: find ich blöd - und das obwohl ich Electro-Music in seinen verschiedenen Facetten mag und selbst etwas in dem Bereich mit diversen Tools experimentiert habe.

Was Burnout und Depression betrifft: ich halte das für keine moderne Errungenschaft sondern vielmehr für das Resultat von Wohlstand bzw. einem gewissen Status, ohne diesen müssten alle arbeiten (auch Kinder) und hätten weder die Zeit noch die Wahl (wer sich noch an den Geschichtsunterricht erinnert: Pauperismus und Industrialisierung waren 2 Schlagbegriffe)

Auch wenn einiges, was ich geschrieben habe negativ klingt so denke ich doch auch, dass wir froh sein können hier und jetzt zu leben (auch wenn Zukunftsvisionen a la Star Trek durchaus verlockend sind :D ).
"Hirseküchlein!" - Wat

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Brutos08 hat geschrieben:
Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben: Handys/Smartphones sind, finde ich, ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen sehe ich wie du die negativen Aspekte (Stichwort: Smombie), die sie mit sich bringen. Auf der anderen Seite schätze ich aber auch ihre Vorteile.
Ich sehe das ähnlich und denke das verhält sich auch in anderen Bereichen des "modernen" Lebens so. Was aber selbst mir als 21 Jahre alten Studenten auf den Zwirn geht sind tatsächlich die Menschen die sich von Technik und Eigenheiten unserer Generation "entsozialisieren" lassen - ähnlich zu folgendem:
boller hat geschrieben: Eine weitere Sache ist das mittlerweile typische kurzfristige Umlegen von Terminen und Absprachen. Das für den einen als nette Möglichkeit Terminabsprachen paar Minuten zu verlegen weil man ja noch das ein oder andere erledigen will/kann finde ich schrecklich wenn es zur norm wird. Wenn man sagt man trifft sich mit 4 Leuten 20 Min vor Kinostart und dann 2 Leute nachfragen 5 min vor dem Zeitpunkt ob man nicht die spätvorstellung nehmen kann dann kommt mir immer wieder die Galle hoch ...
Ich bemerke immer häufiger, dass andere Leute nicht nur nicht kommunizieren sondern auch jegliche Absprachen vergessen bzw. generell sehr unzuverlässig sind, wenn man ihnen nicht alle paar Stunden auf den Nerv geht. Ferner noch fällt mir zunehmend auf, dass selbst wenn Leute Kontakt zu mir "suchen" sie nur den einfachsten Weg wählen: eine kurze Nachricht per WhatsApp. Eine E-Mail oder ein Anruf übers Festnetz wären im meinem Fall wesentlich effektiver, insbesondere da ich sowieso schon bei Freunden und Bekannten den Ruf weg habe, häufig im Flugmodus zu sein. Man darf sich quasi mangelhafte Kommunikation vorwerfen lassen, obwohl das Problem an ganz anderer Stelle entsteht.

Vielleicht kenne ich einfach nur die falschen Leute, aber von meinem persönlichen Eindruck her ist es seit dem Beginn der Ära des Smartphones deutlich unpersönlicher in der Kommunikation geworden - ob ich dabei mit einem alten Freund chatte oder telefoniere ist grundsätzlich egal. Das Problem liegt vielmehr beim Austausch mit Leuten, die man noch nicht so gut kennt. Ich hab nicht unbedingt Lust mich durch ellenlange Chroniken auf Facebook und Co. zu graben, nur um zu erfahren, dass jemand die gleiche Band oder das gleiche Spiel gut findet - was für mich enorm paradox ist, denn: Sollte diese sozialen Netzwerke den Kontakt nicht eigentlich fördern anstatt ihn zu ersetzen?
Ich fand es zu meiner Schulzeit (=in den 90ern) interessanterweise deutlich einfacher mit jemandem Kontakt aufzunehmen. Meine Theorie ist, dass es daran liegt, dass die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme begrenzt waren. Ich hatte die Möglichkeit jemanden anzurufen oder dort vorbeizugehen und an der Tür zu klingeln. Derjenige war entweder da oder nicht. Heutzutage muss ich, übertrieben dargestellt, denjenigen über WhatsApp, Threema, Signal, SMS, Email, Skype und Facebook anschreiben und hoffen, dass er es in einem der drölfzig Messenger liest UND auch noch antwortet (was scheinbar mittlerweile komplett entkoppelte Vorgänge sind).

Dazu gesellt sich, dass die Leute scheinbar mittlerweile nicht mehr in der Lage sind bei etwas zuzusagen. Ganz schlimm ist es, wenn man Facebook-Events anlegt, wo gefühlt 70% der Leute auf "Vielleicht" klicken und 20% gar nicht erst reagieren. Frei nach dem Motto: Ich weiß noch nicht, ob mir nicht noch irgendwas anderes, interessanteres über den Weg läuft. Wenn man das ganze über E-Mail regelt ist es auch nicht besser, es fällt nur nicht so stark auf. Da hat man regelrecht gar keine große Lust mehr, überhaupt noch was zu veranstalten.

Es ist aber nicht nur negativ: Bei einer Gruppe an Freunden hat sich das bei uns dahingehend entwickelt, dass wir eine WhatsApp Gruppe haben, über die wir gemeinsame Aktivitäten koordinieren, das funktioniert auch wunderbar.

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Vinter
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Re: Was ist an der modernen Welt eigentlich so toll?

Beitrag von Vinter »

Brutos08 hat geschrieben: Ferner noch fällt mir zunehmend auf, dass selbst wenn Leute Kontakt zu mir "suchen" sie nur den einfachsten Weg wählen: eine kurze Nachricht per WhatsApp. Eine E-Mail oder ein Anruf übers Festnetz wären im meinem Fall wesentlich effektiver, insbesondere da ich sowieso schon bei Freunden und Bekannten den Ruf weg habe, häufig im Flugmodus zu sein. Man darf sich quasi mangelhafte Kommunikation vorwerfen lassen, obwohl das Problem an ganz anderer Stelle entsteht.
Den Ball muss ich allerdings zurückspielen: Ich denke, mit der Wahrnehmung bist du die Ausnahme. Ich glaube, tendenziell ist es eher so, dass die Leute telefonieren lästig finden und froh sind, dass es auch andere, weniger invasive Methoden der Kommunikation gibt - wie eben eine WhatsApp-Nachricht, die nicht wegläuft, wenn man mal 3 Minuten nicht aufs Handy schaut. Deren "Bearbeitung" auch wesentlich kürzer ist als das gegenseitige antelefonieren.

Und dass du dich mittels Flugmodus aus dieser Kommunikationsform ausklinkst, ist natürlich dein gutes Recht - aber hier bist auch wieder du derjenige, der bewusst entgegen des Zeitgeists handelt. Und gerade E-Mail ist eine derart tote Kommunikationsform.... allein der Spam ist hinreichend, um die E-Mail zu Grabe zu tragen. Das, im Vergleich zu WhatsApp, heillos komplizierte Verfahren der Client-Einrichtung ist jedoch der wahre Todesstoß, sowie die mangelnde Dynamik (Gruppen, Echtzeit, Bilder, Audio usw...)
Ich will jetzt auch gar nicht deine Gründe in Frage stellen etc. dass wäre eine völlig andere Ebene, über die sich auch endlos diskutieren ließe, deswegen ganz kurz: Es ist deine Entscheidung und dein gutes Recht. Trotzdem, und das ist imho genauso Fakt, ist dein Verhalten am Standard betrachtet eher selbstisolierend. Telefon und Email gelten nicht mehr zwangsläufig als "Normalität" - es schreibt ja auch niemand mehr Faxe oder Telegramme ;) Wie gesagt, alles kein Vorwurf, reine Feststellung.

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