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Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 5. Okt 2016, 00:20
von Stammbräu
Malvitus hat geschrieben: Der Empfänger kann unmöglich wissen was der Sender kommunizieren will.
Bingo! Deswegen die Eigenverantwortung des Empfängers.
Genau da ist ja der Haken an der Sache.
Die Schlussfolgerungen beruhen auf der grundsätzlichen Annahme, dass bei einem "bösen" Wort gesichert sei, in welchem Kontext es verwendet wird.
Dies ist eben nicht der Fall.

Das Konzept der "schlimmen" Worte ist für Kleinkinder. Denen ist es schlichtweg noch nicht möglich, Intentionen und Kontext zu interpretieren.

Let my nigga explain...
https://youtu.be/9Fb7vT7FylI" onclick="window.open(this.href);return false;

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 5. Okt 2016, 10:10
von IpsilonZ
Stammbräu hat geschrieben:
Malvitus hat geschrieben: Der Empfänger kann unmöglich wissen was der Sender kommunizieren will.
Bingo! Deswegen die Eigenverantwortung des Empfängers.
Genau da ist ja der Haken an der Sache.
Die Schlussfolgerungen beruhen auf der grundsätzlichen Annahme, dass bei einem "bösen" Wort gesichert sei, in welchem Kontext es verwendet wird.
Dies ist eben nicht der Fall.

Das Konzept der "schlimmen" Worte ist für Kleinkinder. Denen ist es schlichtweg noch nicht möglich, Intentionen und Kontext zu interpretieren.

Let my nigga explain...
https://youtu.be/9Fb7vT7FylI" onclick="window.open(this.href);return false;
Worauf willst du hinaus? Dass man den Neger ruhig wieder Neger nennen soll? Weil es ja schließlich nur ein böses Wort ist?
Natürlich hat der Empfänger eine Eigenverantwortung. Aber er hat doch nicht als einziger eine Verantwortung. Das heißt doch nicht, dass wegen der Eigenverantwortung des Empfängers, der Sender jetzt jeden Scheiß, völlig unabhängig von Historie und Bedeutung des Wortes für einen großen Teil der Menschen alles sagen kann (außer wenn er natürlich sein Gegenüber beleidigen will und bereit ist die Konsequenzen dafür zu tragen).

Wenn eine fremde Person mich eine eine weiße Kartoffel nennt (oder einen Nazi?), dann ist es doch nicht meine Aufgabe erstmal zu ergründen, ob er das jetzt evtl. scherzhaft meinte und mich eigntlich ja gar nicht beleidigen wollte.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 5. Okt 2016, 10:46
von derFuchsi
IpsilonZ hat geschrieben: Aber eine Demonstration hat ja im normalen Fall einen Zweck oder ein Ziel. Wenn ich Leuten, die ein Zweck oder Ziel haben Erfolg wünsche (und nichts anderes tue ich, wenn ich ihnen einen erfolgreichen Tag wünsche), dann schwingt da deutlich eine Wertung mit.
Sehe ich nicht unbedingt so. Jemand hat etwas vor und ich wünsche ihm viel Erfolg, ich muss nicht wissen worum es geht und muss noch nicht mal mit ihm einer Meinung sein. Es ist eine höfliche Floskel jemandem bei seinem Vorhaben gutes Gelingen zu wünschen, egal worum es geht. Das gerade bei jemandem NICHT zu machen weil einem die Ziele vielleicht nicht passen könnte auch genauso gut als Wertung verstanden werden.

Ich finde es jedenfalls bedauerlich dass man sich für eine Höflichkeit noch entschuldigen muss, egal an wen sie gerichtet ist, das war mein Punkt. Aber gut ich bin ja nicht das Maß aller Dinge. Die Allgemeinheit scheint das wohl anders zu sehen.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 9. Okt 2016, 22:10
von Dr. Zoidberg [np]
Ich habe heute Nachmittag den Thread ab Seite 4 nachgelesen und bin gerade noch am grübeln, ob das eine gute Idee war oder nicht. Einerseits kann man oft echt nur den Kopfschütteln, aber andererseits war er quasi ein Fallbeispiel für meine Ursprungsfrage.

Ich fand die Aggressivität mit der die Diskussion stellenweise geführt wurde sehr bedenklich und wünsche mir, ich hätte früher wieder in den Thread geschaut.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 9. Okt 2016, 22:22
von Dr. Zoidberg [np]
Axel hat geschrieben:Übrigens erwarte ich von demokratischen Kräften keine Höflichkeiten gegenüber Naziarschlöchern, sondern die volle Härte des Gesetzes. Die Polizei hätte die Aufgabe unsere Demokratie zu verteidigen und nicht noch "höflich" denen gegenüber zu sein, die unsere Demokratie abschaffen und ein viertes Reich errichten wollen.
Doch, gerade das erwarte ich. Ich kann von Arschlöchern nicht erwarten, sich nicht wie Arschlöcher zu benehmen, wenn ich mich ihnen gegenüber wie ein Arschloch verhalte.

Eine gute Demokratie muss für mich in der Lage sein extremistischem Gedankengut, egal ob links oder rechts, mit humanen Mitteln entgegnen zu können. Meinungsfreiheit heißt auch, dass ich Meinungen zulassen und akzeptieren muss, die ich für bedenklich, gefährlich oder falsch halte.

Die Polizei muss eine neutrale Instanz sein, sonst bist du sofort im Polizeistaat. Das heißt, dass Polizisten allen Menschen mit dem selben Respekt müssen. Siehe hierzu Artikel 1-19 im GG.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 9. Okt 2016, 23:32
von Naitomea
Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:
Axel hat geschrieben:Übrigens erwarte ich von demokratischen Kräften keine Höflichkeiten gegenüber Naziarschlöchern, sondern die volle Härte des Gesetzes. Die Polizei hätte die Aufgabe unsere Demokratie zu verteidigen und nicht noch "höflich" denen gegenüber zu sein, die unsere Demokratie abschaffen und ein viertes Reich errichten wollen.
Doch, gerade das erwarte ich. Ich kann von Arschlöchern nicht erwarten, sich nicht wie Arschlöcher zu benehmen, wenn ich mich ihnen gegenüber wie ein Arschloch verhalte.
Du hast noch nicht mit Nazis zu tun gehabt, oder? Meinst du, die hören plötzlich auf, Nazis zu sein, weil du nett zu denen bist?
Ich kann da Axel nur zustimmen. Pegida und AfD haben es in den letzten Jahren durch ihre Rhetorik und stumpfes Wiederholen von Lügen geschafft, dass viele Leute sich in erster Linie Gedanken darüber machen, wie sie sich äußern müssen, damit sie auch jaaaaaa niemanden in die Rechte Ecke stellen, während Pegida und Afd ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Konsequenzen rumpoltern. An diese Stimmung hängen sich die Nazis gemütlich ran und es ist schlimmer, wenn man sie Pack nennt, als wenn sie Flüchtlingsheime anzünden.
Man muss die AfD wie Trolle und Nazis wie Terroristen behandeln, alles Andere ist falsche Toleranz und gefährdet letzendlich eine freihetliche Gesellschaft, wenn man denen, die diese Gesellschaft zerstören wollen, nichts entgegen setzt. Da kann man ruhig mal aus der Geschichte lernen und zum Beispiel die Parallelen zum alldeutschen Verband erkennen.

Den Spruch 'Das muss eine Demokratie aushalten können...' habe ich in letzter Zeit viel zu häufig gehört, ohne dass er begründet wurde. Nein, man muss Ausländerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt nicht aushalten können.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 00:08
von TrueKraut
Naitomea hat geschrieben: Du hast noch nicht mit Nazis zu tun gehabt, oder? Meinst du, die hören plötzlich auf, Nazis zu sein, weil du nett zu denen bist?
Ich kann da Axel nur zustimmen. Pegida und AfD haben es in den letzten Jahren durch ihre Rhetorik und stumpfes Wiederholen von Lügen geschafft, dass viele Leute sich in erster Linie Gedanken darüber machen, wie sie sich äußern müssen, damit sie auch jaaaaaa niemanden in die Rechte Ecke stellen, während Pegida und Afd ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Konsequenzen rumpoltern. An diese Stimmung hängen sich die Nazis gemütlich ran und es ist schlimmer, wenn man sie Pack nennt, als wenn sie Flüchtlingsheime anzünden.
Man muss die AfD wie Trolle und Nazis wie Terroristen behandeln, alles Andere ist falsche Toleranz und gefährdet letzendlich eine freihetliche Gesellschaft, wenn man denen, die diese Gesellschaft zerstören wollen, nichts entgegen setzt. Da kann man ruhig mal aus der Geschichte lernen und zum Beispiel die Parallelen zum alldeutschen Verband erkennen.

Den Spruch 'Das muss eine Demokratie aushalten können...' habe ich in letzter Zeit viel zu häufig gehört, ohne dass er begründet wurde. Nein, man muss Ausländerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt nicht aushalten können.

Großer Gott meinst du das ernst? Wenn ich jedes "Nazi" und "Rechte" in dem Text durch irgendwelche fremdenfeindlichen Titel ersetze kommt doch da genau so ein Retorten Afd - Wähler Beitrag raus wie er im Lehrbuch steht. Nur eben auf "Links" gedreht.
So wie die Afd Boys Angst vor den Flüchtlingen haben, hast du Angst vor dem "bösen weißen Mann". Fang mal an deinen Verstand zu benutzen, oder willst du am Ende die ganzen "Afd-Trolls und Nazi Terroristen" ins Todeslager schicken ? :naughty:

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 00:24
von TrueKraut
Tragische Einzelfälle sind wirklich die besten Argumente. Außerdem hat niemand gesagt das keine "Nazigewalt" existiert. Was meinst du mit welchen Storys dir jemand kommt dessen Kumpel von Ausländern verprügelt wurde. Wenns dir jetzt nicht langsam dämmert dann sind für mich die Mittel der Kommunikation echt ausgereizt^^

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 01:17
von Vinter
TrueKraut hat geschrieben:Großer Gott meinst du das ernst? Wenn ich jedes "Nazi" und "Rechte" in dem Text durch irgendwelche fremdenfeindlichen Titel ersetze kommt doch da genau so ein Retorten Afd - Wähler Beitrag raus wie er im Lehrbuch steht. Nur eben auf "Links" gedreht.
So wie die Afd Boys Angst vor den Flüchtlingen haben, hast du Angst vor dem "bösen weißen Mann". Fang mal an deinen Verstand zu benutzen, oder willst du am Ende die ganzen "Afd-Trolls und Nazi Terroristen" ins Todeslager schicken ? :naughty:
Das ist natürlich völliger Humbug.
Religion und Hautfarbe sucht man sich idR nicht aus, ob man jedoch rechten Hasspredigern zujubelt hingegen schon. Da endet dieser "Vergleich" also schon. Und zu diesem blödsinnigen "Rassismus gegen Weiße", der da zwischen den Zeilen mitschwingt, sag ich am besten gar nichts.... es fängt ja schon damit an, dass mir schwindelig wird, wenn ich mir ansehe, wie du Widerspruch zum AfD-Narrativ mal eben als Anhaltspunkt dafür siehst, dass man "Angst vor Weißen" hätte, ergo "richtige" Weiße und Deutsche in deinem Weltbild gefälligst auch AfDler sind. Aber auch das hab ich leider schon öfters gelesen: Wer gegen die AfD ist, wäre "anti-deutsch".....

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 01:18
von HerrZwoelf
Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:Ich habe heute Nachmittag den Thread ab Seite 4 nachgelesen und bin gerade noch am grübeln, ob das eine gute Idee war oder nicht. Einerseits kann man oft echt nur den Kopfschütteln, aber andererseits war er quasi ein Fallbeispiel für meine Ursprungsfrage.

Ich fand die Aggressivität mit der die Diskussion stellenweise geführt wurde sehr bedenklich und wünsche mir, ich hätte früher wieder in den Thread geschaut.
Nach den letzten Posts hier kann man denke ich sagen: In der Tat. Obwohl es weniger eskaliert als in anderen Foren (von Kommentarbereichen ganz zu schweigen).

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 01:21
von qwrtzp
Wieso gibt es diesen Thread eigentlich noch in dieser unmoderiert Form? Jedes mal wenn ich hier rein gucke sehe ich aggressive Auseinandersetzungen auf dem Level eines Youtube-Kommentars, bei denen einige der beteiligten Parteien in fürchterliche Polemik und Hass verfallen, dass es mir graust. Dem besten Spiele-Forum der Welt steht das echt nicht gut.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 08:43
von Canardo
qwrtzp hat geschrieben:Wieso gibt es diesen Thread eigentlich noch in dieser unmoderiert Form? Jedes mal wenn ich hier rein gucke sehe ich aggressive Auseinandersetzungen auf dem Level eines Youtube-Kommentars, bei denen einige der beteiligten Parteien in fürchterliche Polemik und Hass verfallen, dass es mir graust. Dem besten Spiele-Forum der Welt steht das echt nicht gut.
Naja auch wenn ich den Tonfall manchmal für bedenklich halte und es nicht unbedingt eine der fruchtbarsten Diskussionen ist, zumindest in Teilen versuchen hier auf jeden Fall noch Leute miteinander zu reden. Und das wird zur Zeit echt wichtig. Ich habe das Gefühl das sich zur Zeit beide "Randseiten" des politischen Spektrums immer mehr in ihrer Echokammer einigeln. Und das kann auf Dauer sehr ungesund sein.
Sicher ein kleines Spieleforum wird an diesem gesamtgesellschaftlichen Problem nichts ändern aber den kleinsten Kreis in dem sich Leute bemühen statt Beleidigungen wenigstens ihre unterschiedlichen Positionen an den Kopf zu werfen empfinde ich zur Zeit als ungemein wichtig.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 09:04
von Dr. Zoidberg [np]
Axel hat geschrieben:Was ist denn zum Kopfschütteln, wenn man als mehrfaches direktes und indirektes Opfer von Nazigewalt darlegt, dass einem diese ganze Entwicklung der letzten Jahre einfach nur Angst macht? Mir scheint wirklich, dass ihr noch nie mit Nazis zu tun hattet. Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Zumindest Eure Großeltern müssen Euch doch mal erzählt haben wie das damals in Nazideutschland so war...
Nehmen wir an, du bist direktes oder indirektes Opfer von Würzburg und Nizza. Muss deswegen der Islam verboten werden? Oder mal anders formuliert:
Was ist denn zum Kopfschütteln, wenn man als mehrfaches direktes und indirektes Opfer von islamistischer Gewalt darlegt, dass einem diese ganze Entwicklung der letzten Jahre einfach nur Angst macht? Mir scheint wirklich, dass ihr noch nie mit Moslems zu tun hattet. Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Zumindest Eure Großeltern müssen Euch doch mal erzählt haben wie das damals in Afghanistan so war...
Ich verstehe deine Angst, vor allem in Hinblick auf deine Hintergrundgeschichte. Tu mir und dir aber bitte den Gefallen und rutsch nicht in die selbe Rhetorik ab, die du bei AfD & co anprangerst. Das kannst du besser und das brauchst du nicht.
Naitomea hat geschrieben:Du hast noch nicht mit Nazis zu tun gehabt, oder?
Doch hatte ich, und zwar mehrfach. Glücklicherweise ist es nie zu einer Schlägerei oder dergleichen gekommen, einmal war es aber recht nahe dran.
Meinst du, die hören plötzlich auf, Nazis zu sein, weil du nett zu denen bist?
Nein. Aber wenn ich denen in die Fresse hau, dann hauen sie zurück. Ich muss ihnen bestimmt entgegentreten - und auch dabei kann man höflich sein.
Den Spruch 'Das muss eine Demokratie aushalten können...' habe ich in letzter Zeit viel zu häufig gehört, ohne dass er begründet wurde. Nein, man muss Ausländerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt nicht aushalten können.
Nein. Eine Demokratie muss Extremismus nicht "aushalten", sie muss ihm mit vernünftigen Mitteln begegnen. Und radikale Mittel ("alle wegsperren!") sind nicht vernünftig, sondern führen zur weitere Radikalisierung der Gegenseite.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 09:10
von Dr. Zoidberg [np]
Axel hat geschrieben:Wer so eine Partei wählt, muss ja vorher mal deren Programm gelesen haben und damit d'accord gehen.
Ja, müsste man. Ich sage bewusst müsste, weil das die wenigsten Leute tun. Das hat aber nicht mit AfD-Wählern per se zu tun, denn Wähler anderer Parteien lesen sich deren Programme auch nicht durch.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 10:11
von derFuchsi
Axel hat geschrieben: ... Als die damals meinen besten Freund krankenhausreif prügelten: Fallen gelassen wegen fehlender Beweise. Als meine damalige Freundin sogar an Folgen eines Naziübergriffs starb: Vor Gericht "konnte man keine rassistischen Absichten erkennen" und das Schwein bekam lediglich ein Jahr. Mittlerweile muss ich mir hier jeden Tag auf der Straße übelsten Rassismus anhören von "normalen" Leuten. Sei es im Supermarkt, sei es in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Was ich hier heraushöre ist mal wieder dass jeder in seinem eigenen kleinen Kosmos aufwächst und sozialisiert wird und somit durch seine eigenen Erfahrungen geprägt wird. So wenig ich das "Alles dumme Nazis" Gebashe leiden kann verstehe ich jetzt zumindest warum jemand so voller Hass stecken kann.

Aber wie schon erwähnt gibt es auch die Beispiele der anderen Seite. Ich erspare mir jetzt Zeitungsartikel rauszusuchen von Opfern von Gewalt von Ausländern oder Deutschen mit Migrationshintergrund wie man so schön sagt. Oder von ganzen Stadtvierteln die mittlerweile in der Hand libanesischer oder anderer ausländischer Clans sind die anscheinend bereits ihre eigenen Gesetze haben.

Am Ende fangen wir wieder an Opferzahlen zu vergleichen und wer wohl mehr Schuld hat.

Auch wenn das nicht so krass ist wie Axels Erfahrungen aber dreimal dürft ihr raten in welche Richtung jemand denkt der sich als Jugendlicher/ junger Erwachsener mitten in Deutschland von Türkischen Nazis mit Türkei Fahne auf der Jacke als scheiß Deutscher beschimpfen lassen muss. Und sich regelmäßig anhören musste wie scheiße alles hier in Deutschland ist dessen Sozial- und Bildungssysteme gerade benutzt während man so schön meckert. Als vor ein paar Jahren immer wieder mal diverse Artikel in dieser Art publiziert wurden war mir das dort beschriebene jedenfalls beileibe nicht neu.
Oder die klassischen Geschichten früher in der schule "Willst du was von mir? Isch hole meine Brüder dann kriegst du aufs Maul". Das einzige Gegenmittel außer klein beizugeben war bei uns wenn es wirklich zum Äußersten kam Connections zum örtlichen Motorradclub (als es den noch gab, mittlerweile gibt es die ja nicht mehr dank den Hells Angels). Woanders ist das sicher eine Verbindung zur rechten Szene (Von einer solchen organisierten Szene ist/war mir nichts bekannt bei uns in der Gegend). Denn wer bekommt im Ernstfall schon 20 Brüder zusammen...
Wenn man so sozialisiert wird denkt man jedenfalls anders als jemand der unter rechter Gewalt leidet.

Mittlerweile sehe ich das Alles etwas differenzierter. Die Altersweisheit setzt mit den ersten grauen Haaren wohl langsam ein ;). Arschlöcher gibt es hier wie da. die Normalen fallen halt nicht auf. Es fallen ja immer nur die unangenehmen Zeitgenossen auf.
Aber Im Grunde gibt es für beide Probleme aber eine Lösung: Aufklärung, Bildung, Dialog. Nicht Verachtung, Hass und Gewalt. Das ändert nichts und macht alles nur schlimmer. Genausowenig wie alle Ausländer und Flüchtlinge nur faul und dumm sind und uns nur auf der Tasche liegen und nicht arbeiten wollen sind alles nur dumme Nazis mit Rechtschreibproblemen die sich Sorgen um die Zukunft Deutschlands machen in der Flüchtlingsdebatte. Aber es gibt sie hier wie dort und daran kann man sich wunderbar reiben in den Diskussionen.
Einfach mal miteinander reden statt sich zu beschimpfen. Da kommen u.U. erstaunliche Dinge dabei heraus.

Aber immerhin wird hier noch diskutiert. Ernsthafte Ausfälle oder Beschimpfungen gibt es hier noch nicht. Hier wird mit harten Bandagen diskutiert aber ich glaube moderieren muss man noch nicht wenn man das mit z.B. Facebookdiskussionen vergleicht.

Zum Schluss noch ein Verweis auf einen passenden Artikel

Nazis wie Untermenschen behandeln? Eher so mittelklug.
„Viele Menschen schreiben im Netz gegen die platten Parolen von Flüchtlingsgegnern an. Das ist gut. Leider schießen sie dabei immer häufiger übers Ziel hinaus. Voller Leidenschaft wirft man selbst mit kaum geistreicheren Parolen um sich, pöbelt rum, beleidigt Mitmenschen. Das kann verheerende Folgen haben. Denn wenn wir alle zu Flüchtlingsdebatten-Mario-Barths werden (“Nazis! Kennze, kennze! Glatzen und Rechtschreibfehler! Brahaha!”), dann hatten wir vielleicht kurz Spaß, aber langfristig erheblich mehr Schaden angerichtet, als geholfen.“

„Nachdem sie irgendwelchen Flüchtlingsgegnern reingedrückt haben, was für schlechte, ungebildete Menschen diese doch sind, fühlen sie sich wie Sieger. Langfristig treiben sie aber einen Keil in unsere Gesellschaft und mehr wütende Menschen vor die Flüchtlingsheime.“
Naitomea hat geschrieben: Meinst du, die hören plötzlich auf, Nazis zu sein, weil du nett zu denen bist?
Meinst du, die hören plötzlich auf Nazis zu sein, weil du sie beschimpfst?

Vermutlich funktioniert das genausowenig wie du ein Rechter wirst wenn man dich als Zecke beschimpft.

Das ist vermutlich ähnlich wie bei der Kindererziehung, es ist wohl oft weniger der Dialog und die Diskussionen sondern das was man vorlebt woran sich die Kleinen orientieren.
Gerade gestern im Fernsehen aufgeschnappt wo sich in einer Stadt im Osten mit einer aktiven rechten fremdenfeindlichen Szene ein paar wagemutige Menschen zusammenschließen und was mit Flüchtlingen machen (War irgendwas handwerkliches).
Das könnte was bewirken. Beschimpfungen und Verbote bewirken nichts (gutes).

Und noch was interessantes dazu:
Wie ich auszog, die AfD zu verstehen

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 13:04
von TrueKraut
Vinter hat geschrieben: Das ist natürlich völliger Humbug.
Religion und Hautfarbe sucht man sich idR nicht aus, ob man jedoch rechten Hasspredigern zujubelt hingegen schon. Da endet dieser "Vergleich" also schon. Und zu diesem blödsinnigen "Rassismus gegen Weiße", der da zwischen den Zeilen mitschwingt, sag ich am besten gar nichts.... es fängt ja schon damit an, dass mir schwindelig wird, wenn ich mir ansehe, wie du Widerspruch zum AfD-Narrativ mal eben als Anhaltspunkt dafür siehst, dass man "Angst vor Weißen" hätte, ergo "richtige" Weiße und Deutsche in deinem Weltbild gefälligst auch AfDler sind. Aber auch das hab ich leider schon öfters gelesen: Wer gegen die AfD ist, wäre "anti-deutsch".....
Also erstmal danke für die Unterstellungen, da ist jemand gut im interpretieren. In meinem Post hatte ich ja doch nichts von Hautfarbe und Religion geschrieben also gehe ich mal davon aus das du diesen Unterschied - aufgrund meiner Anspielung am Ende des Beitrags - jetzt als Rechtfertigung herbeikonstruiert hast. JA ich weiß, herbeikonstruiert deshalb weil er ja schon in der Hinsicht ein faktisch falscher Unterschied ist, da man sich als mündiger Mensch in der heutigen Zeit durchaus seine Religion aussuchen kann, zumindest in der Hinsicht als das es jedem ab einem gewissen Alter möglich ist selbst über Religion an sich zu reflektieren. Außerdem Unterstelle ich kein "anti-deutsch"irgendwas sondern mich schockiert der Mangel an Reflexion der eigenen Argumente und Aussagen. Sonst würden diese Überinterpretationen ja nicht zustande kommen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, das sollten sich einige Musterdemokraten hier nochmal nachschlagen.

Peace

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 13:59
von Heretic
Man soll nicht alle Leute über einen Kamm scheren - das ist richtig. Wenn ich z. B. einen Syrer vor mir habe, weiß ich im Grunde erstmal gar nichts. Ich kann vermuten, dass er höchstwahrscheinlich Moslem ist. Muss aber nicht so sein. Ich weiß nicht, ob er ein Flüchtling oder deutscher Staatsbürger ist. Genausowenig weiß ich, wie wichtig ihm seine Religion ist und wie er sie auslebt. Ich weiß nichts über seine politische Gesinnung. All das kann ich nur im Gespräch herausfinden.

Habe ich einen Menschen mit rechter Gesinnung vor mir (egal welcher Nationalität), ist sofort eine gewisse Distanz vorhanden. Und diese Distanz wird in gleichem Maße größer, je brauner diese Gesinnung ausfällt. Das macht es bereits schwierig, eine gemeinsame Basis für einen vernünftigen Argumentenaustausch zu finden, da es sich eben nicht um ein banales Thema á la „Ich bin Star Wars - Du bist Star Trek“ handelt. Trotzdem kann ich auch in diesem Fall nur im Gespräch erfahren, aus welchen Gründen mein Gegenüber so tickt. Meine Lust auf dieses Gespräch ist aber automatisch weniger stark ausgeprägt, wenn sich mein potentieller Gesprächspartner dem weit rechten bis rechtsradikalen Spektrum zuordnet.

Schere ich damit alle Leute mit rechter Gesinnung über einen Kamm? Nee, ich denke nicht. Man muss immer die Nuancen abchecken. Eine gewisse Grundskepsis wird aber immer da sein, weil mein Weltbild eben ein anderes ist.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 10. Okt 2016, 22:36
von Vinter
Um mal mit guten, tagesaktuellen Nachrichten zu kommen: Chemnitz
Welt.de hat geschrieben: „Bitte überall teilen“, dahinter drei Ausrufezeichen. Es war eine drängende Botschaft, die in den sozialen Netzwerken auf Arabisch kursierte und sich an alle in Deutschland lebenden Syrer richtete: „Wer diesen Mann gesehen hat, bitte sofort bei der Polizei melden.“
[...]
Nicht nur die deutschen Behörden suchten den Flüchtigen, auch die in Deutschland lebenden Syrer. In den sozialen Netzwerken kursierten mehrere Fahndungsaufrufe – mit Foto und Täterbeschreibung und der Durchwahl der Polizei Leipzig, bei man sich doch bitte umgehend melden solle, sobald man den Verdächtigen gesichtet habe. Die syrische Gemeinschaft in Deutschland ist sehr gut vernetzt und diskutiert rege eigentlich alles, was sich in ihrer neuen Heimat zuträgt.
https://www.welt.de/politik/deutschland ... agten.html" onclick="window.open(this.href);return false;

Was du also Leuten entgegenen kannst, Zoidberg, die sagen, dass ja genau das eingetreten ist, was die AfD immer "vorhergesagt" hat, ist diese Story: Wie Syrer sich in Deutschland am Schutz ihrer neuen Heimat engagieren. Und wie sie nicht nur gezielt nach einem Terrorverdächtigen suchen und ihre Gemeinschaft in Kenntnis setzen, sondern auch, wie sie ihn am Ende tatsächlich erwischen und der Polizei übergeben. Viel deutlicher kann man sich vom Terrorismus und Extremismus kaum distanzieren.

Ich lach mir echt ins Fäustchen. Natürlich ist auch das lediglich ein Einzelfall ohne Beweiskraft, aber eine schöne Nachricht mit Symbolkraft.
Und den Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen: Man stelle sich vor, in AfD-Netzwerken würde der Brandstifter eines Flüchtlingsheimes gesucht. Na, bei der Vorstellung auch so laut gelacht wie ich?

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 11. Okt 2016, 08:39
von Dogarr
Vinter hat geschrieben:Ich lach mir echt ins Fäustchen. Natürlich ist auch das lediglich ein Einzelfall ohne Beweiskraft, aber eine schöne Nachricht mit Symbolkraft.
Und den Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen: Man stelle sich vor, in AfD-Netzwerken würde der Brandstifter eines Flüchtlingsheimes gesucht. Na, bei der Vorstellung auch so laut gelacht wie ich?
Du argumentierst genauso wie man es von Afd Anhängern erwarten würde.

"insert random Aufschreinews", tausche "AfD-Netzwerke" gegen Antifa aus und "brennende Flüchtlingheime" gegen was auch immer die News hergegeben haben mag und wir sind auf Shortnews-Nivau.

Re: Fremden- und Ausländerhass

Verfasst: 11. Okt 2016, 09:03
von Dogarr
Wiki:
"Whataboutism (aus dem Englischen: „What about?“ = „Was ist mit“ und dem Suffix -ism = „ismus“ zusammengesetzt) ist ein politischer Begriff aus der Zeit des Kalten Krieges, der eine Propagandataktik kennzeichnen soll, die seinerzeit der Sowjetunion bei ihrem Umgang mit Kritik der westlichen Welt vorgehalten wurde. Der Begriff wurde im angelsächsischen Raum verwendet und kann als propagandistische Gegentaktik gewertet werden."
... Es stellt einen Fall von tu quoque dar, wobei es das Ziel ist, die Position des Gegners zu diskreditieren, ohne seine anfänglichen Argumente direkt zu widerlegen."

Kannte ich noch garnicht. Danke dir "goschi". Dann kann ich das ja 1:1 auf "Und das war billigster Whataboutismus ;)" zurückgeben.