Umfrage: WM 2022 in Katar

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Werdet ihr die Spiele der WM 2022 in Katar im TV ansehen?

Ja
18
14%
Nur die Spiele der deutschen NM
6
5%
Nein
52
41%
Nein, aber ich interessiere mich eh nicht für Fußball
42
33%
Vielleicht
10
8%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 128

Wolfgang
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Wolfgang »

imanzuel hat geschrieben: 24. Nov 2022, 10:13
Wolfgang hat geschrieben: 24. Nov 2022, 10:06 Nein.
Sind die Zahlen dann überhaupt noch relevant? Bei uns in der Arbeit haben das Spiel zumindest 3 teilweise im Stream gesehen, und der Chef dürfte das sein Gefluche nach komplett gesehen haben im Büro :ugly:
Ja, Streams sind weiterhin ein kleiner Anteil. Siehe das Beispiel oben beim ENG Spiel. Ein Anteil, der aber größer wird. Durch Live-Streams und bis zu 7 Tage zeitversetzte Streams kommen aktuell deutlich weniger als 5% der Gesamt-Zuschauer.

Warten wir mal die Zahlen in einer Woche incl. Streams ab. Gehe davon aus das das Spiel unter 10 Mio bleibt.
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Peter
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Peter »

Unser Kino hat das Spiel auf zwei Leinwänden gezeigt - der Betreiber meinte, er hätte jeden Besucher per Handschlag begrüßen können, so gering war der Zuspruch trotz des freien Eintritts :lol: Mal schauen, vielleicht gehen wir da am Sonntag hin, damit es nicht ganz so leer ist :mrgreen:
Carlos
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Carlos »

imanzuel hat geschrieben: 24. Nov 2022, 10:20 Naja, immerhin ist der Spott auf unserer Seite, leider zurecht :D

https://twitter.com/TrollFootball/statu ... BdMIFLF02A

https://twitter.com/nocontextfooty/stat ... 9RXKG_C1rw

https://twitter.com/Qatari/status/15954 ... 47hZqEt-Jw
SpoilerShow
Bild
ich liebe das Bild :ugly:

Was die Quote und Motivation anging. Bei uns im Team haben wir drüber gesprochen wie moralisch wohl nen Public Viewing innerhalb der Firma wäre. Irgendwie ist das ja auch ein Indikator. Letztendlich haben 1-2 mal in den Stream geschaut und man hat sich ein bisschen lustig gemacht über den Verlauf/Ausgang. Wenn ich das mit anderen EM/WMs in der Prä Fifa gibt an Diktaturen die Veranstaltungen (also vor Russia 2018) vergleiche war es nie ein Hindernis in der Arbeitszeit zu schauen. Im Gegenteil, idr ist das für die meisten Firmen (die in der Zeit vielleicht nicht gerade Bagger oder Busse steuern müssen ;) eigentlich nen schönes Team Event. Aber wie Rezo halt schon sagt, in dem Wissen dass da evtl tausende Menschen als Sklaven auf Baustellen sterben mussten in Arenen in denen jetzt auch die deutsche Mannschaft auftritt, das lässt einen nicht vor Euphorie zerbersten :D Die Leistung der deutschen Mannschaft war da eigentlich nur angemessen, besonders in der Abwehr und Chancenverwertung
meieiro
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von meieiro »

Ich will wirklich nciht die Nationalmannschaft verteidigen. Das war alles sehr peinlich.

Aber gabs von japanische Seite da Kritik gegenüber der WM? Weil wenn nicht, dann feiert man mit solchen Memes und Bilder die Mannschaft dafür, dass es ihnen egal ist was da abläuft und das finde ich schlimmer als das was die Deutschen veranstalten.
Die blöden Deutschen haben sich mit sowas unwichtigen wie Menschenrechten beschäftigt.
Wolfgang
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Wolfgang »

meieiro hat geschrieben: 24. Nov 2022, 12:34
Aber gabs von japanische Seite da Kritik gegenüber der WM?
Andere Kultur. Kannst du nicht vergleichen.
Die FIFA Funktionäre würden Kritik von Japanern gar nicht wahrnehmen. Wir reden hier von Executivkommitees, bei denen 22 von 24 Mitgliedern Kurruption nachgewiesen ist.

Die FIFA braucht keine Kritik von Japanern, die braucht die volle Dachlatte mitten ins Gesicht von uns. Sollte man sich mal ein Beispiel nehmen an den USA und deren Gefangnisstrafen für FIFA Council Members.

Aber bei uns sagt der Beckenbauer, das er sich nicht gut fühlt um zu seinem Prozess zu kommen, und dann ist das vollkommen cool, und es gibt keinen weiteren Prozess. Am nächsten Tag zum Bayern München Spiel einfliegen, ging dann schon wieder.
Mauswanderer
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Mauswanderer »

Wolfgang hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:07
meieiro hat geschrieben: 24. Nov 2022, 12:34
Aber gabs von japanische Seite da Kritik gegenüber der WM?
Andere Kultur. Kannst du nicht vergleichen.
Also dieses Argument sollte in der aktuellen Diskussion sehr vorsichtig gebraucht werden.

Ich finde, meieiro hat da durchaus einen guten Punkt.
Rigolax
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Rigolax »

Es gab beim Deutschlandfunk ein Interview, das m.E. nicht ganz uninteressant war: https://www.deutschlandfunk.de/reng-int ... n-100.html Im Wesentlichen ging es um die Wahrnehmung der WM in anderen Kulturen/Staaten, etwa in England, und es sei so, dass man es eher wirtschaftlich betrachtet statt moralisch/politisch aufgeladen ("Laut Reng habe der Fußball in Deutschland traditionell eine gesellschaftliche Bedeutung, was auch am deutschen Vereinsfußballsystem liege. Es gebe die weitverbreitete Auffassung, dass Vereine etwas für die Gesellschaft tun sollten [...]").

Es gibt ja durchaus diese imo "mental gymnastics", die man betreiben muss, um einerseits einen Energiedeal mit Katar zu rechtfertigen, aber die WM zu verdammen; kommen denn etwa bei der Erdöl/-gas-Förderung keine sklavenartigen Ausbeutungsmechanismen bzgl. Gastarbeiter zum Einsatz. Oder ist die Menschen-, genauer Frauen/LGBTQ-Rechtssituation nicht auch dennoch dieselbe. "Die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft hingegen sei kein Geschäft, sondern eine Auszeichnung" mag zwar stimmen, aber so ganz überzeugt mich das Argument dann doch nicht.
imanzuel
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von imanzuel »

Ich würde die Frage halt anders stellen. Nämlich ob die Geste der Nationalmannschaft irgendwas (positives) bezweckt hat. Und da würde ich stand jetzt klar nein sagen. International lacht man uns darüber aus (eher auch wegen der Leistung). Hier in Deutschland ist mein Eindruck war Geste eher zu wenig, nach dem ganzen Tamtam vorher.

Es ist doch klar, ich habe das ja auch schon vorher geschrieben: Es gibt nicht viele Länder die das ganze Katar-Zeugs so kritisch sehen wie Deutschland. Das wird auch von den meisten Nationalspieler auch nicht so gesehen. Manche Spieler haben sich ja auch schon klar vor der WM positioniert, das ist für die Fußball, kein Standard St. Pauli Spieltag. Ich denke auch das die "Kritik" von anderen Länder, Deutschlands politische Haltung zu dem Thema sei die einzig richtige durchaus berechtigt ist (auch wenn die natürlich völlig am Ziel vorbei geht, die WM hätte niemals nach Katar gehen dürfen, da gibts eigentlich nichts zu diskutieren). Da passt halt auch alles zusammen, eine irgendwie lächerliche Geste (keine Ahnung ob das stimmt, die wurde aber anscheinend nicht im TV gezeigt?), keine Leistung auf dem Platz zeigen, verlieren und vermutlich am Sonntag schon wieder rausfliegen. Fußball war vor dem Spiel auch nie wirklich das Thema, es ging nur um Politik, Politik, Politik. Keine blöde Einstellung, es wäre halt sinnvoller gewesen dann gar nicht anzutreten bzw. auf dem Platz boykottieren (nicht spielen, Gijon, usw.). So wurden wir halt zur Witznummer, und ich kann es andere Länder nicht übel nehmen das die uns dafür jetzt kritisieren. Aber das andere Länder das mit den Menschenrechte nicht so genau nehmen, gar nicht auf Japan bezogen, mei wenig verwunderlich, oder? WM ist halt nur einmal alle 4 Jahre...
Notiz für mich
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Wolfgang
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Wolfgang »

Mauswanderer hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:10
Wolfgang hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:07
meieiro hat geschrieben: 24. Nov 2022, 12:34
Aber gabs von japanische Seite da Kritik gegenüber der WM?
Andere Kultur. Kannst du nicht vergleichen.
Also dieses Argument sollte in der aktuellen Diskussion sehr vorsichtig gebraucht werden.

Ich finde, meieiro hat da durchaus einen guten Punkt.
Wie meinst du das?

Mein Punkt ist, das Japaner Kritik eher sehr subtil und zurückhaltend äußern.... und die FIFA ist so tief gesunken, da muss man radikaler rangehen.
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Felidae
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Felidae »

Rigolax hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:25 Es gibt ja durchaus diese imo "mental gymnastics", die man betreiben muss, um einerseits einen Energiedeal mit Katar zu rechtfertigen, aber die WM zu verdammen; kommen denn etwa bei der Erdöl/-gas-Förderung keine sklavenartigen Ausbeutungsmechanismen bzgl. Gastarbeiter zum Einsatz. Oder ist die Menschen-, genauer Frauen/LGBTQ-Rechtssituation nicht auch dennoch dieselbe. "Die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft hingegen sei kein Geschäft, sondern eine Auszeichnung" mag zwar stimmen, aber so ganz überzeugt mich das Argument dann doch nicht.
Nochmal. Bei dem Protest richtet es sich ja in der Regel nicht nur gegen Katar, sondern auch und vor allem gegen die FIFA. Die SELBST 2010 klipp und klar gesagt hat, dass Katar aus den verschiedensten Gründen nicht für eine Sommer-WM in Frage kommt. Und dann durch Korruption sich trotzdem für Katar entschieden hat. Und danach dann 12 Jahre lang alles ignoriert oder schöngeredet hat.

Das trifft so alles nicht auf einen Energiedeal mit Katar zu. Und dazu übersieht diese Gleichsetzung natürlich das wichtigste: Energie brauchen wir leider. Eine WM braucht letztlich kein Mensch.
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Rigolax »

Felidae hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:49 Nochmal. Bei dem Protest richtet es sich ja in der Regel nicht nur gegen Katar, sondern auch und vor allem gegen die FIFA. Die SELBST 2010 klipp und klar gesagt hat, dass Katar aus den verschiedensten Gründen nicht für eine Sommer-WM in Frage kommt. Und dann durch Korruption sich trotzdem für Katar entschieden hat. Und danach dann 12 Jahre lang alles ignoriert oder schöngeredet hat.
Im Endeffekt geht es doch um die Bedingungen vor Ort in Katar. Oder willst du mir ernsthaft sagen, es ginge vor allem darum, der FIFA einen Denkzettel zu verpassen, weil sie halt korrupt sind?
Felidae hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:49 Das trifft so alles nicht auf einen Energiedeal mit Katar zu. Und dazu übersieht diese Gleichsetzung natürlich das wichtigste: Energie brauchen wir leider. Eine WM braucht letztlich kein Mensch.
Na ja, brauch(t)en wir die katarische Energie, I don't know, I doubt it. Hat sich Deutschland nicht eh Energie rangerafft wie manche fiktive Drachen ihren Goldschatz, ohne Rücksicht auf alle anderen. -- Im Endeffekt brauchen wir Energie aber auch nicht unbedingt, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad, man könnte ja viel abdrehen, was an Luxus gelten mag und gar nicht so notwendig ist. Was ist denn das bare minimum? Klar, eine WM braucht letztlich auch kein Mensch. Was braucht denn der Mensch, so im Sinne der Maslow'schen Bedürfnispyramide: https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsch ... hierarchie
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Mauswanderer »

Wolfgang hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:49
Wie meinst du das?

Mein Punkt ist, das Japaner Kritik eher sehr subtil und zurückhaltend äußern.... und die FIFA ist so tief gesunken, da muss man radikaler rangehen.
Mit "kulturellen Befindlichkeiten" wird auch die Kritik an den Umständen in Katar oft abgebügelt.

Ich finde, wenn man den DFB oder die deutsche Elf dafür kritisiert, dass sie nicht deutlicher Flagge zeigen, dann kann man erst recht diejenigen kritisieren, die weniger/gar nichts tun und sich darüber lustig machen. Spätestens das "darüber lustig machen" macht IMHO jede "die konzentrieren sich halt auf den Sport"-Argumentation obsolet.
Rigolax hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:25
Es gibt ja durchaus diese imo "mental gymnastics", die man betreiben muss, um einerseits einen Energiedeal mit Katar zu rechtfertigen, aber die WM zu verdammen; kommen denn etwa bei der Erdöl/-gas-Förderung keine sklavenartigen Ausbeutungsmechanismen bzgl. Gastarbeiter zum Einsatz. Oder ist die Menschen-, genauer Frauen/LGBTQ-Rechtssituation nicht auch dennoch dieselbe. "Die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft hingegen sei kein Geschäft, sondern eine Auszeichnung" mag zwar stimmen, aber so ganz überzeugt mich das Argument dann doch nicht.
Man kann den Energie-Deal mit Katar durchaus mit Verweis auf die Menschenrechte kritisieren, so wie viele Handels- und insbesondere Rohstoffabkommen mit diversen Staaten auch. Nicht jeder wirtschaftliche Zwang rechtfertigt jedes Verhalten. Ob man in der Abwägung dann persönlich dazu kommt, das ganze gerechtfertigt zu finden, hängt von vielen Faktoren ab. Für mich ist die Sache bei einem Fußballturnier viel klarer; ein totaler Fußballeuphoriker, für den die WM alle vier Jahre das Highlight seiner Begeisterungsskala markiert, mag das anders sehen, da muss er sich dann aber zumindest eingestehen, dass genau das seine Wahrnehmung leitet. "Aber wir kaufen da doch auch Gas!" wäre in dem Fall kein valides Argument, finde ich.
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Rigolax »

Mauswanderer hat geschrieben: 24. Nov 2022, 15:10 "Aber wir kaufen da doch auch Gas!" wäre in dem Fall kein valides Argument, finde ich.
Ja, das wäre eher ein Whataboutism.

Ich habe letztens (bewusst) in einem anderen Kontext den Begriff "moral injury" gelesen, ich glaube das passt aber ganz gut: https://en.wikipedia.org/wiki/Moral_injury "A moral injury is an injury to an individual's moral conscience and values resulting from an act of perceived moral transgression on the part of themselves or others, which produces profound feelings of guilt or shame — and in some cases a profound sense of betrayal and anger toward colleagues, commanders, the organization, politics, or society at large — moral disorientation, and societal alienation." -- Eine solche "moral injury" gibt es weniger bei Energiedeals, aber mit Fußballveranstaltungen, obwohl in beiden Fällen die Konsequenzen gar nicht so verschieden sein mögen: Energiedeals unterstützen ein Regime finanziell, es baut seine Industrie aus, mehr Gastarbeiter unter miserablen Bedingungen kommen zu Schaden, und das Regime bzw. dessen Ordnung wird stabilisiert in seinen Menschenrechtsverstößen. Wo ist der substantielle Unterschied, die Konsequenzen sind halt sehr ähnlich.
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Felidae
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Felidae »

Rigolax hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:56
Felidae hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:49 Nochmal. Bei dem Protest richtet es sich ja in der Regel nicht nur gegen Katar, sondern auch und vor allem gegen die FIFA. Die SELBST 2010 klipp und klar gesagt hat, dass Katar aus den verschiedensten Gründen nicht für eine Sommer-WM in Frage kommt. Und dann durch Korruption sich trotzdem für Katar entschieden hat. Und danach dann 12 Jahre lang alles ignoriert oder schöngeredet hat.
Im Endeffekt geht es doch um die Bedingungen vor Ort in Katar. Oder willst du mir ernsthaft sagen, es ginge vor allem darum, der FIFA einen Denkzettel zu verpassen, weil sie halt korrupt sind?
Du schmeißt hier grade zwei verschiedene Dinge zusammen, die nicht zusammengehören - nämlich "Ursache" und "beabsichtigtes Ziel" (zumindest in meinem Fall, für den ich naturgemäß nur reden kann). Die Ursache ist natürlich "die Bedingungen in Katar" - die ja unter anderem auch aus FIFA-Sicht 2010 gegen Katar sprachen. Das Ziel ist aber nicht, mit meinem Boykott die Lage in Katar zu verbessern - zu glauben, dass das möglich ist, wäre himmelschreiend naiv. Das Ziel ist tatsächlich, das zukünftige Verhalten der FIFA zu beeinflussen: Die FIFA muss verstehen, dass dieses sportswashing inakzeptabel ist. Und sie somit in Zukunft entweder keine Vergaben an solche Staaten macht - oder dann eben TATSÄCHLICH das tut, was sie in den letzten Jahren immer nur behauptet hat: Nämlich in der Zeit der Vorbereitung dafür zu sorgen, dass in solchen Staaten tatsächlich relevante Verbesserungen der Lebensbedingungen stattfinden.

Rigolax hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:56
Felidae hat geschrieben: 24. Nov 2022, 13:49 Das trifft so alles nicht auf einen Energiedeal mit Katar zu. Und dazu übersieht diese Gleichsetzung natürlich das wichtigste: Energie brauchen wir leider. Eine WM braucht letztlich kein Mensch.
Na ja, brauch(t)en wir die katarische Energie, I don't know, I doubt it. Hat sich Deutschland nicht eh Energie rangerafft wie manche fiktive Drachen ihren Goldschatz, ohne Rücksicht auf alle anderen. -- Im Endeffekt brauchen wir Energie aber auch nicht unbedingt, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad, man könnte ja viel abdrehen, was an Luxus gelten mag und gar nicht so notwendig ist. Was ist denn das bare minimum? Klar, eine WM braucht letztlich auch kein Mensch. Was braucht denn der Mensch, so im Sinne der Maslow'schen Bedürfnispyramide: https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsch ... hierarchie
Ich bin ziemlich sicher, dass Habeck Katar nicht seine Aufwartung gemacht hätte, wenn es aus seiner Sicht/der Sicht der Bundesregierung nicht für Deutschland unbedingt notwendig gewesen wäre zum damaligen Wissensstand. Da spielt als Grund natürlich AUCH "politische Stabilität" mit rein - wenn man weiß, dass rechtsextreme Kräfte nur drauf gewartet haben, dass Deutschland im Winter der Saft ausgeht und sie dann Revolution machen können. Das ist nunmal die Realität - nicht irgendwelche theoretischen Elfenbeinturmdebatten, was der Mensch tatsächlich braucht.
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Rigolax »

Felidae hat geschrieben: 24. Nov 2022, 16:10 Du schmeißt hier grade zwei verschiedene Dinge zusammen, die nicht zusammengehören - nämlich "Ursache" und "beabsichtigtes Ziel" (zumindest in meinem Fall, für den ich naturgemäß nur reden kann). Die Ursache ist natürlich "die Bedingungen in Katar" - die ja unter anderem auch aus FIFA-Sicht 2010 gegen Katar sprachen. Das Ziel ist aber nicht, mit meinem Boykott die Lage in Katar zu verbessern - zu glauben, dass das möglich ist, wäre himmelschreiend naiv. Das Ziel ist tatsächlich, das zukünftige Verhalten der FIFA zu beeinflussen: Die FIFA muss verstehen, dass dieses sportswashing inakzeptabel ist. Und sie somit in Zukunft entweder keine Vergaben an solche Staaten macht - oder dann eben TATSÄCHLICH das tut, was sie in den letzten Jahren immer nur behauptet hat: Nämlich in der Zeit der Vorbereitung dafür zu sorgen, dass in solchen Staaten tatsächlich relevante Verbesserungen der Lebensbedingungen stattfinden.
Aber wieso war es dann diese regenbogenartige "One Love"-Binde und nicht eine verkappte "No Corruption"- bzw. "Fuck FIFA"-Binde?

Ich mein, mir ist ehrlich gesagt ziemlich egal wie korrupt die FIFA ist. Wenn eine Austragung in einem Land mit besserer Menschenrechtslage auf Basis von Korruption stattfindet, mir persönlich wäre es im Grunde egal. Das ist wie beim Doping im Sport: Sollen von mir aus alle sich zudopen, kann man eh nicht absolut verhindern. Klar, ist unfair gegenüber nicht korrupten (bzw. nicht dopenden) Staaten (bzw. Sportlern), aber mir persönlich ist es im Grunde egal.
Felidae hat geschrieben:Ich bin ziemlich sicher, dass Habeck Katar nicht seine Aufwartung gemacht hätte, wenn es aus seiner Sicht/der Sicht der Bundesregierung nicht für Deutschland unbedingt notwendig gewesen wäre zum damaligen Wissensstand. Da spielt als Grund natürlich AUCH "politische Stabilität" mit rein - wenn man weiß, dass rechtsextreme Kräfte nur drauf gewartet haben, dass Deutschland im Winter der Saft ausgeht und sie dann Revolution machen können. Das ist nunmal die Realität - nicht irgendwelche theoretischen Elfenbeinturmdebatten, was der Mensch tatsächlich braucht.
Da frag ich mich doch, wie schlecht aufgestellt ein politisches System sein muss, wenn es anscheinend so fragil war. Aber womöglich hast du Recht.
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Felidae
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Felidae »

Rigolax hat geschrieben: 24. Nov 2022, 16:18
Aber wieso war es dann diese regenbogenartige "One Love"-Binde und nicht eine verkappte "No Corruption"- bzw. "Fuck FIFA"-Binde?

Ich mein, mir ist ehrlich gesagt ziemlich egal wie korrupt die FIFA ist. Wenn eine Austragung in einem Land mit besserer Menschenrechtslage auf Basis von Korruption stattfindet, mir persönlich wäre es im Grunde egal. Das ist wie beim Doping im Sport: Sollen von mir aus alle sich zudopen, kann man eh nicht absolut verhindern. Klar, ist unfair gegenüber nicht korrupten (bzw. nicht dopenden) Staaten (bzw. Sportlern), aber mir persönlich ist es im Grunde egal.


[...]

Da frag ich mich doch, wie schlecht aufgestellt ein politisches System sein muss, wenn es anscheinend so fragil war. Aber womöglich hast du Recht.
Zum ersten: Die Binde war/ist mittlerweile ein absolut lächerlicher symbolischer Streit. (Nehme ich zumindest an - um das genau beurteilen zu können, müsste man aber auch wissen, was im Hintergrund zwischen FIFA und Katar abgelaufen ist. Ich hab zB keine Ahnung, ob Katar wirklich die One-Love-Binde nicht sehen will - oder ob das Verbot vorauseilender Gehorsam der FIFA war.)

Zum zweiten: Es war das System nach zweieinhalb Jahren Pandemie - in dem eine Maskenpflicht fast schon zur Stürmung des Reichstags geführt hätte.
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Mauswanderer »

Rigolax hat geschrieben: 24. Nov 2022, 16:08
Mauswanderer hat geschrieben: 24. Nov 2022, 15:10 "Aber wir kaufen da doch auch Gas!" wäre in dem Fall kein valides Argument, finde ich.
Ja, das wäre eher ein Whataboutism.

Ich habe letztens (bewusst) in einem anderen Kontext den Begriff "moral injury" gelesen, ich glaube das passt aber ganz gut: https://en.wikipedia.org/wiki/Moral_injury "A moral injury is an injury to an individual's moral conscience and values resulting from an act of perceived moral transgression on the part of themselves or others, which produces profound feelings of guilt or shame — and in some cases a profound sense of betrayal and anger toward colleagues, commanders, the organization, politics, or society at large — moral disorientation, and societal alienation." -- Eine solche "moral injury" gibt es weniger bei Energiedeals, aber mit Fußballveranstaltungen, obwohl in beiden Fällen die Konsequenzen gar nicht so verschieden sein mögen: Energiedeals unterstützen ein Regime finanziell, es baut seine Industrie aus, mehr Gastarbeiter unter miserablen Bedingungen kommen zu Schaden, und das Regime bzw. dessen Ordnung wird stabilisiert in seinen Menschenrechtsverstößen. Wo ist der substantielle Unterschied, die Konsequenzen sind halt sehr ähnlich.
Da spielt die Frage "Wie vermeidbar war es in dem Moment?" rein. Nimmt man als gegeben hin, dass Transaktionen mit und Anerkennung von (im Sinne der gesellschaftlichen oder zwischenstaatlichen Interaktion) aus unserer Wahrnehmung unmoralischen Entitäten nicht völlig vermeidbar sind, ergibt sich der substanzielle Unterschied aus dieser Abwägung.
Unter der Annahme, dass Energiedeal und WM vergleichbare negative Auswirkungen im Sinne unserer Wertvorstellungen haben:
Würde man dann konstatieren, dass der Energiedeal eher weniger vermeidbar ist und die Akzeptanz der Praktiken rund um die WM eher vermeidbar, dann ergibt sich daraus, dass auch die Kombination "Energiedeal machen, WM wegen der Umstände boykottieren" eher weniger vermeidbar ist, die Kombination "Energiedeal akzeptieren, WM-Umstände akzeptieren" aber eher vermeidbar.
Santiago Garcia
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Santiago Garcia »

Die Zahl hallte wie ein Donnerhall durch die Sozialen Medien: Keine zehn Millionen Zuschauer verfolgten am Dienstagmittag das Spiel zwischen Deutschland und Japan. Bei der vergangenen Weltmeisterschaft erreichte kein deutsches Spiel weniger als 25 Millionen Zuschauer. Der Vergleich hinkt etwas, da die Spiele 2018 nicht um 14 Uhr deutscher Zeit starteten. Auch werden die Menschen, die das Spiel über die ARD-Mediathek streamten, erst in einigen Tagen addiert. Da dürften noch einmal ein paar Millionen Menschen hinzukommen, die das Spiel heimlich auf der Arbeit geschaut haben. Dennoch lässt sich die Zahl kaum schönrechnen. Man muss konstatieren: Ein erheblicher Teil der deutschen Bevölkerung, die sonst sehnsüchtig auf deutsche WM-Spiele wartet, hat keine Lust auf dieses Turnier.

Wer nun hofft, dass das deutsche Konsumverhalten einen Eindruck hinterlassen wird auf die Fifa, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen. Denn es folgt eine bittere Wahrheit: Deutschland steht mit dem Boykott dieser Weltmeisterschaft ziemlich alleine da. Dafür muss man nicht einmal nach Südamerika, Fernasien oder Afrika blicken. Es reicht ein Quotenblick auf unsere westlichen Partnerstaaten.

- In Frankreich verfolgten das erste Spiel der Weltmeisterschaft rund 12,5 Millionen Menschen. Das waren knapp 100.000 weniger als beim französischen Auftakt 2018. Das Eröffnungsspiel der WM 2022 verfolgten fünf Millionen Menschen. Das waren eine Millionen mehr als das Eröffnungsspiel 2018.

- Im Vereinigten Königreich stellte die Partie England gegen Iran einen neuen Streaming-Rekord auf – nicht nur im Fußball, sondern aller Zeiten. Die absolute Zahl an Zusehenden, also Streaming plus TV, lag etwas unter dem Eröffnungsspiel 2018, das jedoch nicht wie das Iran-Spiel am frühen Nachmittag, sondern in der Prime Time stattfand. Wales‘ Eröffnungsspiel gegen die USA lockte im UK ebenfalls über zehn Millionen vor den Bildschirm.

- Auch in Japan gab es einen neuen Streaming-Rekord: Über zehn Millionen Menschen griffen auf die Partie Japan gegen Deutschland digital zu. Rund acht Prozent der japanischen Bevölkerung haben das Spiel verfolgt.

- In den USA zeigte sich Fox zufrieden mit den Quoten des Spiels gegen Wales. Große Erwartungen hat der Sender für das Spiel gegen England. Es läuft in Amerika nachmittags, am Black Friday befinden sich viele bei ihrer Familie, während des traditionellen Thanksgiving-Football-Spiels wird kräftig die Werbetrommel gerührt. Fox spekuliert darauf, den amerikanischen Einschaltrekord für ein Fußballspiel zu brechen.

Es ließen sich einige Länder finden, in denen die Quoten sanken. In den Niederlanden schauten beim ersten niederländischen Match rund 20% weniger zu als 2014. In Spanien schauten elf Millionen Menschen das Spiel gegen Costa Rica, 2018 waren es gegen Portugal noch 15 Millionen. (Dafür schalteten dort mehr Menschen das Eröffnungsspiel ein als 2018.) Solche kleineren Schwankungen machen aber am Ende nicht viel aus bei einer Weltmeisterschaft, von der sich die Fifa fünf Milliarden Zuschauer erhofft. Wenn die Zuschauerzahl unter der chinesischen Bevölkerung nur um einen Prozent wächst, sind sämtliche europäische Rückgänge ausgeglichen. Das unterstreicht noch einmal meinen Appell aus meinem Text vor der WM: Niemand darf sich von einem deutschen WM-Boykott Wunderdinge erhoffen. Die paar kritischen Länder Mitteleuropas können die Fifa nicht in einen Zustand boykottieren, den sie erstrebenswert erachten. Für Veränderungen im Fußball braucht es politische Lösungen, wobei hier die Fühler weit über die deutschen Grenzen hinausgestreckt werden müssen.
https://www.laptoptrainer.de/2022/11/25 ... brasilien/
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Peter
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von Peter »

Fans dürfen jetzt mit Regenbogenfarben ins Stadion
https://www.tagesschau.de/sport/sportsc ... n-101.html
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tanair
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Re: Umfrage: WM 2022 in Katar

Beitrag von tanair »

Peter hat geschrieben: 25. Nov 2022, 08:38 Fans dürfen jetzt mit Regenbogenfarben ins Stadion
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