Pokémon TCGP (ios/Android; ios Fotos sind ein Graus für ein Forum

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Ich habe einen Blick in die neu veröffentlichte Pokémon Sammelkartenapp geworfen. Pokémonkarten waren bei uns in der Grundschule damals der heiße Scheiß und ich habe immer noch einige nette Ex-Karten von damals, die ich nicht verschenkt habe.
Am magischsten waren natürlich die ersten Booster Packs.
Viele dieser Artworks verwendet nun Pokémon TCGP, kombiniert diese mit "Ex"-Artworks und welche, die über die gesamte Karte gehen.


Die App ist ein Mix aus Spiel und Sammeln. Es ist sogar eine Tausch-Funktion angekündigt.
Man kann jeden Tag ein paar Packs öffnen und die Karten seiner Sammlung hinzufügen. Das geht einerseits über Zeit (alle 12 Stunden), anderseits mittels einer Währung, die man durch erfolgreiche Missionen/Achievements erhält. So konnte ich an 2 Tage locker 20+ Packs öffnen. Darüber hinaus gibt es ein 10€ teures monatliches Abo, wodurch man zusätzliche Missionen und Kartenpacks erhalten kann.
Im Vergleich zu Yu-Gi-Oh Master Duel und zu Hearthstone sind die Karten liebevoller gestaltet und der Öffnungsprozess ist 2024 angemessen. Der passendere Vergleich ist Fifa Ultimate Team.
Während ich bei Yu-Gi-Oh Master Duel stundenlang über die Hässlichkeit und Unbequemlichkeit des Spiels mich echauffieren könnte (obwohl es in der Realität die mMn besten Artworks und Glitzereffekte hat), ist Pokémon TCGP convenient wie damals die Simpsons App oder später Heartstone.
Alles wirkt perfekt gepolisht und optimiert.
Es erinnert aber auch an die Simpsons App (oder mit Abstrichen an Pokémon Go), weil man zuerst kein Spiel findet.
Nach ein paar Missionen á la sammle 50 Karten, öffnet sich der Spielmodus. Den Machern ist offenbar klar, dass man Pokémon-Karten hauptsächlich sammelt und nicht spielt. Aber durch das Tutorial lernt man die Regeln innerhalb von 5 Minuten und ist ready to play gegen die KI oder auch Menschen (letzteres habe ich noch nicht ausprobiert). Darüber hinaus spendiert das Spiel sogenannte Leih-Decks, mit denen man 10 Partien spielen kann, ohne die Karten in der Sammlung zu haben (wieder eine Parallele zu Ultimate Team). Bekommt man besondere Karten, schaltet man ein auf diese ausgerichtetes Leihdeck frei.
Ohne dispektiertlich sein zu wollen, spielt sich Pokémon in den ersten Kämpfen wie ein Spiel für Kinder. Als Spieler des hochkomplexen Yu-Gi-Ohs (das es in den letzten 10 Jahren geworden ist), war ich verblüfft. Allerdings könnte ich mir vorstellen, ein paar Partien im Zug, beim Warten oder beim Podcasthören nebenbei regelmäßig zu spielen.
Zurück zur zentralen Spielmechanik: Dem Kartenöffnen. Die Wahrscheinlichkeiten für die Seltenheitsstufen werden vorbildhaft mit Klick offengelegt. Allerdings sind die seltensten Karten und Packs an Gatcha-Games und nicht an Trading Card Games angelegt: 1:2000 für ein super seltenes Pack. 1:500 um eine der 3 seltensten Karten zu bekommen, bzw. 1:1500, um eine spezifische davon zu bekommen.
Die Coverkarten haben eine Wahrscheinlichkeit von 1:90 Packs gezogen zu werden. Hier fängt der humane Bereich an. Es gibt aktuell 3 Packs: Eines mit Pikachu, eines mit Mewtwo und eines - natürlich - mit Glurak.
Die Mewtwo-Cover Karte konnte ich schon öffnen und hier lässt sich das Spiel nicht lumpen. Es gibt ein eigenes kleines Video extra für diese Karte.


Pokémon TCGP versucht die Community in diese Spielmechaniken hineinzuverweben. So kann man über Zeit bis zu 5 Punkte einer Währung bereit haben, mit denen man sich eine zufällige Karte eines geöffneten Packs eines anderen Spielers oder Spielerin nehmen kann. Der Clue: Man sieht vorher, um welche Karten es geht. Wurden aber seltenere Karten gezogen, steigen auch die Kosten dafür die 1:5 Chance auf die seltene zu nehmen.
Hinterher kann man sich bei dieser Person "bedanken" und sie bekommt vom Spiel eine Einheit einer Währung.
Natürlich habe ich die beste Karte bei meinen ersten 2 Versuchen bekommen.
Das und (die "Zufälle" bei meinen ersten Packöffnungen) wie durchdesignt das Spiel ist, lassen zumindest Zweifel hier, ob es wirklich immer so zufällig ist, wie das Spiel schreibt. Zumindest bei den ersten Versuchen könnte man die Motivation der Spieler durch "Glück" erhöhen. Ebenfalls wundere ich mich, dass es keinen "Pitty-Counter" zu geben scheint (um Pech auszugleichen, verwendet z.B. bei Hearthstone).
Die Pokémon umfassen alle aus der 1. Generation, ein paar aus den späteren Generationen, sowie einige aus der zuletzt erschienen. Letztere kenne ich nicht.
Von wegen durchdesignt: Das Spiel ordert einen in den Anfangsminuten durch die verschiedenen Shops: Für Events, für den anfangs kostenlosen Premium Zugang, etc., dabei möchte es aber nichts verkaufen. Es gibt keine Einblendungen wie "dieses unglaubliche Angebot gilt noch 5:12 Minuten". Man wird einfach daran gewöhnt in den Shop zu schauen und sich mit den unüberblickbar vielen Währungen manchmal etwas kostenlos abzuholen. Weil über diese hauptsächlich die Karten-Progression läuft, kann Nintendo/GameFreak den Hahn schnell abstellen. Jetzt erscheint der Fokus darauf zu liegen, die Spielerzahlen zu erhöhen.
Fazit: Ich hatte nichts erwartet und wurde positiv überrascht, wie detailverliebt und gepolisht Pokémon TCGP ist. Zwischendurch eine Runde Pokémonkarten spielen und sammeln, macht Spaß.
Aktuell gibt es noch keine nervigen Bezahlschranken und Angebote.
Zu guter letzt muss ich noch eines meiner Lieblingspokémon aus dem Anime nennen, weil das Artwork hier so gut getroffen ist: