Ich unterstütze euch seit Folge 7 und mag euch und den Podcast sehr gerne. Ich bin einer der Menschen, die nicht viel im Forum schreiben, da ich das Meiste, was ihr macht eh super finde und daher einfach still genieße. Jetzt habe ich nach vielen Jahren des Hörens einmal ein bisschen Kritik, möchte aber bevor ich dazu komme die Gelegenheit nutzen um mich bei euch für die vielen sehr guten Podcasts, den sehr guten Journalismus und euren Einsatz zu bedanken (bei jedem einzelnen von euch: Andre, OG Jochen, Sebastian, Dom und JR Jochen).
Auch insbesondere weil ich euch so schätze nehme ich mir etwas mehr Zeit für folgende Kritik. Ich möchte versuchen diese möglichst wertschätzend (euch nur die Beste Motivation unterstellend, keine Namensnennungen bei Negativem, nicht emotional werdend etc.) und konstruktiv (möglichst sachliche Beschreibung des Problems; danach vor allem Vorschläge/Fokus wie es besser werden könnte, Hervorheben auch von positiven Dingen – siehe oben) und strukturiert zu üben. Ich möchte das öffentlich im Forum tun, um zu ergründen ob ich der einzige Mensch bin der das Problem so wahrnimmt (Dann ist ja alles gut – dann höre ich eben in Zukunft etwas mehr andere Podcasts) oder ob es ein generelles Problem ist.
Dennoch möchte ich das Problem (aus meiner Sicht) eher direkt ansprechen, da ich eine ähnliche Kritik schon einmal vor 1-2 Jahren im Forum geäußert habe (damals eher schwammig), leider das Problem (aus meiner Sicht) aber weiterhin besteht.
Bitte bedenkt, dass ich auch nur ein Mensch bin und ich alles nur aus meiner subjektiven Sicht schildern kann. Ich habe wirklich gute Absichten und möchte niemanden kränken. Aus Erfahrung weiß ich, dass geschriebenes Wort oft anders ankommt als intendiert, weil im Gegensatz zu einem Gespräch Gestik, Mimik usw. fehlen. Daher: Ich meine es gut, ich möchte nur ein Problem mit den Podcasts ansprechen, ich habe euch trotzdem alle lieb und ich schätze euch und eure Arbeit wirklich sehr!
1. Das Grundproblem aus subjektiver Wahrnehmung: In manchen Podcasts (nicht in allen) finde ich mich als Hörer nach 20-30 Minuten Laufzeit völlig verloren wieder und breche dann den Podcast (oft nach einem 2. Versuch ihn zu hören) ab, weil sich eine unangenehme Hörerfahrung eingestellt hat.
Die Hörerfahrung ist dann insofern unangenehm, als dass mir als Hörer nach 20-30 Minuten des Hörens nicht klar ist, wie das Spiel um das es geht eigentlich aussieht und worum es jetzt im Podcast eigentlich so wirklich geht.
Meistens tritt das bei Podcasts auf in denen es um ein konkretes eher nischiges Spiel geht, wo weniger das Spiel sondern die Story/das Drumherum Thema des Podcasts sind.
Bei Podcasts zu Spielen oder Themen in denen ich Vorwissen habe (weil Spiel gespielt, allgemeines Vorwissen zum Thema) tritt das Problem kaum auf.
2. Versuch das Problem zu objektivieren:
Wenn ich das Problem objektiv beschreiben sollte würde ich sagen, dass es ein „handwerkliches“ Problem mit manchem Podcasts gibt. Der Inhalt ist gut, das Thema interessant, der Journalismus dahinter top aber die Art und Weise wie es (in manchen – nicht in allen) Podcasts präsentiert wird wirkt beim Hören etwas unstrukturiert/chaotisch.
Ich möchte ein konkretes rezentes Beispiel geben: Im MindsEye Podcast (Release 13. Juli) geht es zunächst
• um den Producer/Entwickler und diverse Nebentangenten zu seiner Vita,
• dann wird erwähnt, dass es sich ein narratives Spiel mit Auto/Shooter-Mechanik handle,
• Das Studio Build a Rocket Boy,
• das Spiel Everywhere,
• das Konzept von Roblox und wie es in Mindseye eingesetzt wird
• den zugehörigen Editor,
• den Metaverse Hype
• usw. usw.
Als Hörer (der das Spiel nicht gespielt hat) weiß man aber viele Minuten im Podcast einfach nicht, um welches Spiel es sich jetzt handelt: Wie sieht das Spiel denn aus? Aus welcher Perspektive wird das Spiel gespielt (Ego, Top-Down, Iso usw.)? Welchen Charakter/Avatar steuert man? Ist es 2D? Ist es 3D? Hat es Pixelgrafik? Wie sieht das Spiel mechanisch aus? Steuere ich als Spieler Dinge direkt oder indirekt?
Wie sieht eine Minute MindsEye spielen aus? Was macht man als Spieler?
Dadurch verliert man beim Hören die Orientierung. Es wird im Podcast dann schon über Metathemen ausgeholt, obwohl der Gegenstand des Podcasts, das Spiel, noch gar nicht definiert ist.
Es wirkt dann in etwa so, als ob man eine Powerpointpräsentation mit einer komplexen Detailgraphik mit dutzenden Kurven und Graphen auf Folie 1 beginnen würde, aber die gesamte Einleitung/Einführung in das Thema weglässt.
Außerdem gibt es teilweise erschwerende Umstände (Themensprünge, Spielereferenzen, Sprachduktus, Hörgewohnheiten/Marktumfeld - siehe unten) die auch etwas zum Problem beitragen.
3. Die Ursachen des Problems:
Ich sehe folgende Ursachen
• Es fehlt in manchen Podcasts eine kurze Einführung. 1-3 Minuten in denen kurz erklärt wird, worum es eigentlich im Podcast geht. (z.B.: Wie sieht das Spiel aus, das besprochen wird? Siehe die diversen Fragen aus Punkt 2). Oder soll es gar nicht um das Spiel gehen sondern nur um übergeordnete Themen gehen?
• Es wird manchmal sehr schnell zwischen einzelnen Themen hin- und hergesprungen. Dadurch wird es schwierig dem Podcast zu folgen.
• Oft werden diverse andere Spiele referenziert anstatt einen Sachverhalt konkret zu beschreiben. Je mehr Referenzen in kurzer Zeit hintereinander fallen desto schwerer ist es dem Podcast zu folgen.
Beispiel MindsEye Podcast: Es wird oft auf Roblox verwiesen. Ich habe Roblox nicht gespielt, weiß aber darüber Bescheid. Wenn jetzt gesagt wird etwas sei „wie in Roblox“ muss mein Gehirn erst einmal alles Wissen zu Roblox, das ich habe, zusammensuchen und in meinem Kopf rendern während im Podcast aber schon flott weitergesprochen wird, weil den Sprechern das referenzierte Spiel völlig geläufig ist.
Das ist grundsätzlich OK, nur je mehr Referenzen in kurzer Zeit hintereinander gemacht werden desto schwerer ist dem Podcast zu folgen.
• der Sprachduktus ist teilweise so ausgestaltet, dass man schwer folgen kann:
Die Sprechgeschwindigkeit ist teilweise sehr hoch. Auch gibt es manchmal kaum (Sprech-)Pausen bzw. Betonungen wesentlicher Wörter/Diskussionspunkte.
• Meine Hörgewohnheiten haben sich verändert, da sich das Marktumfeld für Podcasts geändert hat: Immer mehr große Tageszeitungen, Öffentlich-rechtliche, Podcasts von (Privat-)unternehmern erscheinen in immer höherer Qualität. Teilweise werden diese von professionellen Radiosprechern, Menschen aus dem Fernsehen oder sehr talentierten Sprechern sehr strukturiert eingesprochen. Dadurch ist insgesamt das Niveau von Podcasts was die reine Präsentation (also nicht Inhalt sondern alles andere) betrifft über die letzten 10 Jahren enorm gestiegen. Dadurch nimmt man als Hörer jetzt jede Abweichung von dieser neuen sehr hohen Qualität stärker wahr.
Es ist in etwa so wie wenn man einen neuen 4k-Bildschirm kauft – wenn man danach zurück auf den 1080p Monitor blickt wirkt dieser plötzlich völlig verpixelt usw. Es fallen einem Dinge auf, die einem früher gar nicht aufgefallen wären usw.
4. Lösungsvorschläge:
Ich bin kein Journalist, Radiomacher oder Podcaster – Ich kann nur versuchen anhand meines Hausverstandes Vorschläge zu machen, wie man die von mir wahrgenommenen Problemursachen angehen könnte:
• Kurze Einführung am Anfang der Podcasts. Einfach ein bisschen mehr Einführung in das Thema bzw. das Spiel das besprochen werden soll (siehe oben). Stellt euch vor ihr würdet in 1-3 Minuten vom zu besprechenden Spiel mit euren Worten ein kleines Bild für die Hörer malen. Eine Bleistiftskizze ist auch gut – aber irgendwie muss der Mensch der es anhört sich ja aus euren Worten wieder Bilder im Kopf zusammenbauen können.
• Themensprünge wenn möglich etwas reduzieren
• Nicht zu viele Spielereferenzen hintereinander, evtl. doch einmal einen konkreten Sachverhalt beschreiben anstatt eine Referenz (das ist wie in Spiel XY) zu machen
• Habt ihr schon einmal überlegt eine Art Schulung/Fortbildung im Bereich von Sprechtechnik zu machen? Ich kenne mich hier nicht aus, aber als Jochen vor einiger Zeit eine professionelle Synchronsprecherin als Gast hatte, hat man gemerkt, was eigentlich alles im Bereich Sprechen und Sprache möglich ist.
Ich will damit nicht sagen, dass ihr jetzt wie Radiosprecher auftreten sollt (das lernt man sicher auch nicht schnell). Ihr seid ja cool wie ihr seid und eure Stimmen sind auch gut anzuhören usw. Aber vielleicht ließe sich da einfach mit wenig Aufwand viel erreichen bzw. ein paar „handwerkliche“ Dinge verbessern.
Also die Menschen die für Geld Dinge einsprechen lernen das ja irgendwo und machen es bestimmt aus guten Gründen so wie sie es tun.
Ich möchte das noch etwas besser veranschaulichen: Ihr kommt ja alle aus dem Print/Online Bereich, wo man Journalismus aufgeschrieben hat. Schreiben kann man ja auch nicht einfach so sondern man lernt das (Uni, klassische Journalismusausbildung, interne Kritik, Erfahrung) usw.
Das ist ja einfach Handwerk, wenn ich es richtig verstanden habe. Ist das mit dem erstellen/sprechen von Podcasts nicht auch so?
Und: Es ist völlig OK wenn Podcasts einfach Gespräche sind; Auch Spontanität und Abschweifen sind cool und es muss nicht alles durchstrukturiert sein – aber das „wie“ ist hier glaube ich entscheidend.
• Wie wäre es wenn ihr einmal einen Podcast wie z.B. den MindsEye Podcast nochmal anhört und schaut ob euch etwas beim Hören auffällt. Und stellt euch vor ihr würdet z.B. während des Hörens autofahren, Wäsche aufhängen, im Fitnesscenter trainieren, kochen o.Ä.
• Ich möchte ein paar Positivbeispiele geben:
Die 10-Jahre-Klüger Folgen sind sehr gut zu hören und handwerklich sehr gut gemacht. Man kann dem Gesprochenen immer sehr gut folgen.
JR Jochen ist eigentlich immer bestens zu verstehen, weil er langsam, klar und strukturiert spricht.
Jochen der Ältere ist sehr sehr gut im strukturierten beschreiben komplexer Sachverhalte. Er kann über die komplexesten Dinge sprechen und sich dennoch so klar und strukturiert ausdrücken, dass man selbst bei 20% Aufmerksamkeit noch alles versteht.
Jeder von euch macht etliche Dinge sehr gut, ich kann jetzt nur nicht alles hier erwähnen.
Die frei verfügbaren Stay-Forever Podcasts sind meistens sehr gut gemacht und von sehr guter Präsentation. Mich interessiert der Inhalt viel weniger als eure Podcasts (euer Journalismus ist ja wirklich geil!) aber die Präsentation ist teilweise so gut, dass ich die Stay Forever Podcasts trotzdem höre.
Positivbeispiele für gutes Sprechen sind z.B. Christian Schmidt (der ist scheinbar einfach ein Naturtalent) oder aber auch etliche Sprecher des NDR (insbesondere Christoph Heinzle).
5. Zusammenfassung:
Zu guter Letzt möchte ich mich für euren tollen Journalismus, euren Einsatz, eure Kreativität, eure starken Meinungen, steilen Thesen, eure Diskussionsfreudigkeit und die vielen ganz tollen Podcasts, die ihr macht, bedanken.
Eure Podcasts haben mich an alle möglichen Orte (auf alle Kontinente unseres Planeten – Antarktis ausgenommen), an die schönsten Orte der Welt, auf die Intensivstation und in allen Lebenslagen (gut und schlecht) begleitet und sind für mich deswegen etwas ganz Besonderes!
Ich unterstütze euch seit Folge 7 und werde es auch weiterhin tun, egal ob ihr auf mein Feedback näher eingeht oder nicht. Um einen positiven Anreiz zu setzen möchte ich aber auf das 10€ Tier wechseln, sollte mein Feedback bei euch ankommen (Anm.: Alleine diesen Post zu lesen kostet Zeit = Geld). Ich möchte jeden, der ähnliches Feedback hat motivieren das auch zu machen, damit wir gemeinsam einen positiven Anreiz setzen, damit die Podcasts in Zukunft noch besser werden.
Ich hoffe meine Wertschätzung ist bei euch angekommen. Ich hoffe ich bin mit meiner Kritik/Feedback niemandem zu nahe getreten und wenn ja tut es mir ehrlich leid. Auch ich bin nur ein Mensch mit Fehlern, Emotionen und einem anstrengenden Beruf.
Außerdem würde mich sehr interessieren ob andere Hörer ähnliches Feedback haben wie ich oder eben nicht. Vielleicht ist es auch ein Empfängerproblem und kein Senderproblem? Vielleicht habe ich wichtige Aspekte nicht erwähnt?
LG!