Noch eine Ergänzung, weil ihr euch in der Folge fragt, wieso gerade Ende 2002/Anfang 2003 so ein sweet spot war, dss Splinter Cell so erfolgreich werden konnte. Dafür gibt es ein paar Gründe:
Zunächst mal die schon öfters erwähnte Tom Clancy Lizenz. Das Spiel in diese Franchise zu packen war ein genialer Schachzug. Denn bei Tom Clancy spielten Spezialeinheiten schon immer eine wichtige Rolle und die haben immer aus dem Schatten heraus operiert, nie tumbe Baller-Action. Zur Verwechslung mit Lee Child's Jack Reacher usw. wurde ja schon genug gesagt.
Von Tom Clancy erschienen außerdem vier Jahre zuvor der Roman und das Videospiel Rainbow Six, bei dem sich alles um die namensgebene Special Forces Geheimorganisation dreht. Und dabei reden wir von dem gnadenlosen ersten Teil mit Taktik-Karte, Instant- und Permadeath usw., nicht einem Action Shooter wie Siege. Aber das Spiel hatte trotzdem eine riesige Fangemeinde, die seit dem zweiten Teil 1999 auf eine Fortsetzung wartete. Diese Fans waren sicherlich alle durch Lizenz, Vorberichterstattung und Trailer getriggert.
Zudem hat Clancy das Genre des High-Tech-Thrillers quasi erfunden. Bei ihm dreht sich alles immer um weltumspannende Krisen, Verschwörungen und Konflikte, gepaart mit neuester Militär-Technik. Also genau das Setting von Splinter Cell. Clancy wurde damit zu einem der meistgelesenen amerikanischen Autoren der (damaligen) Gegenwart und auch die Kinofilme schlugen allesamt ein. 2002 erschien mit "The Sum of All Fears" sogar ein weiterer Clancy-Kinofilm. Kein besonders guter, aber trotzdem ein erfolgreicher. Dort findet ein Anschlag auf dem Boden der USA statt und am Ende räumen u.a. die Special Forces Guys den Dreck auf.
Und da wäre dann die Überleitung zur Gegenwart des November 2002: Das war gerade einmal ein Jahr nach 9/11. Anti-Terror-Kampf war das Ding der Stunde. Amerikanische Helden, die Anschläge unterbinden und mit der (im Podcast angesprochenen) Überlegenheit des Apex Predators die Terroristen vernichten - genau das wollte die vorwiegen männliche Zielgruppe von Videospielen in dem Moment haben.
Aber nicht nur in Videospielen, auch in Film und Fernsehen. 2002 war das Jahr, in dem Jason Bourne den Sprung vom Buch ins Kino schaffte und das Action Genre revolutionierte. Und Splinter Cell erschien nur wenige Tage nach dem Start der zweiten Staffel von 24 - dem größten TV-Ereignis der damaligen Zeit. Und seien wir mal ehrlich: Sam Fisher ist doch im Prinzip ein Jack Bauer mit Nachtsichtgerät
Es war also tatsächlich meiner Meinung nach das richtige Spiel zur richtigen Zeit. Eine Kombination aus guten Entscheidungen (Stichwort Tom-Clancy-Lizenz, Militär-Setting, usw.) und Zufällen (9/11, 24, usw.).