Fremden- und Ausländerhass

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Dostoyesque
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Dostoyesque »

Interessant wäre eine Betrachtung von großen Flüchtlingsströmen und die Auswirkungen von MIgration in der Vergangenheit, weltweit. Bin weder Historiker noch Politologe, jedoch ist es nichts neues, dass Migration dieser Größenordnung Gefahren birgt. Man nehme die USA im 19. und frühen 20. Jahrhundert deren Wirtschaft vor allem in der Ostküste (iirc imho) massiv profitiert hat von den Unmengen an Italienern, die als Arbeiter in die USA migrierten. Hier handelte es sich auch um mehrere Millionen Menschen, die innerhalb kürzester Zeit migriert sind. Insgesamt ist die Italo-amerikanische Geschichte aber durchaus als Erfolg zu bezeichnen:

By the second-generation approximately 70% of the men had blue collar jobs, and the proportion was down to approximately 50% in the third generation, according to surveys in 1963.[60] By 1990, according to the U.S. census, more than 65% of Italian Americans were employed as managerial, professional, or white-collar workers. In 1999, the median annual income of Italian-American families was $61,300, while the median annual income of all American families was $50,000.

Die erste Generation bestand auch nicht aus Akademikern, das waren zum Großteil arme Bauern aus dem Süden Italiens, die aufgrund der Überpopulation und von Klimaänderungen in die USA migriert sind. "Wirtschaftsflüchtlinge", if you will. :roll: Natürlich hatte auch die italoamerikanische Geschichte große Probleme, allen voran das organisierte Verbrechen und der Anti-Italianism, aber insgesamt vermissen viele Ostküstler mittlerweile den italienischen Einfluss und die italienische Arbeitsmoral, die die Ostküste so lang geprägt haben. Manche Dinge halten sich aber auch bis heute, wie z.B. italienische Bürgermeister größerer amerikanischer Städte und die berühmte New Yorker Pizza ;)

Mir ist bewusst, dass der Vergleich nicht perfekt funktioniert, aber wenn man sich genug reinfuchst (was ich noch nicht getan habe, schreibe diesen Post momentan im Bus), kann man durchaus anhand historischer Beispieledemonstrieren, wie ein Land insgesamt von Migration profitiert, obwohl es auch in den besten Fällen zu großen Problemen kam (wie z.B. das organisierte Verbrechen v.S.v. Italoamerikanern im frühen 20. Jahrhundert). Wir haben jetzt aber durchaus auch die Möglichkeit, von der Vergangenheit zu lernen und uns früh um Ursachenbekämpfung und Vermeidung von Diskriminierung und Verallgemeinerungen zu bemühen. Historisch gesehen hat diese Einstellung nämlich imho die Dinge eher verschlimmert als verbessert, siehe das Verhältnis von vielen Amerikanern zum Italoamerikanern in den schlimmsten Phasen des Anti-Italianism. Die kulturellen Chancen sind auch nicht von der Hand zu weisen. Kann sich jemand die USA wirklich ohne Scorsese, diMaggio, DeNro, Pacino, Sinatra, Adducci, Frank Zappa, Weird Al Yankovic usw. usf. überhaupt vorstellen?

Wie gesagt - sehr oberflächlich betrachtet, hab leider nicht die Zeit, mich damit tiefer zu beschäftigen. Ich würde aber wahnsinnig gern ein Buch von einem kompetenten Historiker lesen, der sich tiefgehend mit den verschiedensten Flüchtlingsströmen der Vergangenheit beschäftigt hat, idealerweise mit Verweis auf die aktuelle Problematik. Falls jemand hier eine Empfehlung hat - bitte posten!
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Malvitus
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Malvitus »

Mir persönlich geht es so, dass ich das Gefühl habe, dass (gerade durch die sozialen Medien) viele Leute sich in Diskussionen einklinken, obwohl sie nichtmal wissen wie man richtig diskutiert und argumentiert. Mir fällt das gerade jetzt besonders auf, da ich eine Vorlesung zum Thema Ethik für Informatiker höre, und wir dort zum ersten Mal philosophisch diskutieren müssen, was zwar nicht grundverschieden von der mathematischen Beweis Diskussion ist, aber doch irgendwie anders.

Es fängt ja schon häufig damit an, dass die Leute nicht den Unterschied zwischen "für alle X gilt" und "Es existiert ein X für das gilt". Die Leute verallgemeinern dann ihre Aussage zb. zu "Alle Ausländer sind arbeitslos" und wissen einfach nicht, dass die Aussage unglaublich einfach durch ein Gegenbeispiel auszuschalten ist. Wenn man dass dann macht ist man kleinlich, verbohrt und besserwisserisch. Dabei ist das genau die Aufgabe der Gegenseite. Die eine Seite stellt eine Argumentation auf und die andere Seite klopft diese Diskussion ab und aktzeptiert sie entweder oder stellt eine Gegenargumentation auf, warum das Argument nicht stimmt. Dann wird getauscht.

Bei Diskussionen geht ja gar nicht ums gewinnen, sondern darum etwas zu lernen, einen Konsens zu finden. Und ich glaube einfach dass es vielen Leuten leider nicht darum geht etwas zu lernen, sondern in einer Diskussion zu gewinnen (um sein Ego zu befriedigen oder was auch immer). Deswegen greift man dann zu Diffamierungen, wenn man die Argumente der Gegenseite nicht mehr entkräften kann oder man aktzeptiert die Argumente der Gegenseite einfach nicht, damit man selbst nicht verliert. Gerade bei den eher Rechts gerichteten Leuten fällt das auf. Deswegen ist dieser ganze Lügenpresse Mist ja erst enstanden. Es kann nicht sein was nicht sein darf. Es kann nicht sein, dass der Großteil der Flüchtlinge friedliche Menschen sind, weil es nicht sein darf. Also bezichtigt man die Gegenseite einfach der Lüge, obwohl die Faktenlage klar ist. Das gleiche lässt sich beim Klimawandel beobachten (ebenfalls ein AFD Kernthema). Der Klimawandel darf nicht sein, weil man sonst ja etwas ändern müsste an der Lebensweise. Also lehnt man die Fakten einfach ab und tut sie als Lüge ab, bzw. greift sich nur die Fakten raus, die man für seine Position beanspruchen kann.

Canardo
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Canardo »

Dostoyesque hat geschrieben:. Falls jemand hier eine Empfehlung hat - bitte posten!
Kein Buch , dafür wieder ein Podcast ;)
http://soziopod.de/2016/05/soziopod-044 ... migration/

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Naitomea
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Naitomea »

An dieser Stelle mal ein großes Danke an Leute wie Nachfischer, Vinter und Heretic, die hier die Relativierungsversuche und Manipulationsstrategien von AfD und Ähnlichem entlarven und sich einfach für ein friedliches, humanistisches Leben einsetzen.
Canardo hat geschrieben:Hab grad versucht den Podcast zum Einschlafen zu hören (dumme Idee, jetzt bin ich wach und wütend ;) )und wollt ihn da zum Thema sehr passend grad mal weiterempfehlen:
http://www.wrint.de/2016/07/22/wr572-de ... e-verband/
Kann ich auch sehr empfehlen, es geht um den Alldeutschen Verband, der vor Hitler rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut in der Gesellschaft etabliert hat. Die Parallelen zu dem, was AfD, CSU und Pegida gerade betreiben, sind nicht zu übersehen.
Das (inzwischen nicht mehr sehr) erstaunliche daran ist...ich habe das Unterstützern von entsprechenden Bewegungen erläutert und sie haben eingesehen, dass das kosequent gedacht zu Krieg führen wird, aber das ist genau das, was sie wollen. Es gibt tatsächlich einen Haufen Leute, die sich einbilden, dass ein Leben im Krieg, bei dem sie für ihr Land endlich wieder für Ordnung sorgen, ein lebenswerteres als das jetzige ist.

lolaldanee
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von lolaldanee »

Naitomea hat geschrieben:An dieser Stelle mal ein großes Danke an Leute wie Nachfischer, Vinter und Heretic, die hier die Relativierungsversuche und Manipulationsstrategien von AfD und Ähnlichem entlarven und sich einfach für ein friedliches, humanistisches Leben einsetzen.
Dem schließe ich mich vollkommen an

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derFuchsi
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von derFuchsi »

Nochmal zu Sahra Wagenknecht
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 05788.html
"Früher glaubten Linke an den Diskurs, sie glaubten daran, dass es möglich ist, durch die Kraft des besseren Argumentes das Vernünftige und Gebotene durchzusetzen. Wer sich dem Diskurs dadurch verweigert, dass er beliebige Positionen ohne weitere Prüfung als rassistisch, als "Hass" oder "rechte Hetze" abtut, wer andere aus der Diskussion ausschließt, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wer sich scheut, Dinge anzusprechen, weil es "Beifall von der falschen Seite" geben könnte, muss sehr wenig Vertrauen in die eigene Überzeugungskraft haben. Wie will man Rassismus bekämpfen, wenn man nur mit denjenigen spricht, die die eigene Position ohnehin teilen? Wie will man Rassismus bekämpfen, wenn man die Begriffe, die man dazu braucht, durch Inflationierung so aufweicht, dass sie nichts mehr bedeuten?"
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Vinter
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Vinter »

Aus deinem Artikel, Fuchsi:
Wer sich weigert, einen wie auch immer gearteten Zusammenhang zwischen Flüchtlingspolitik und Terrorgefahr erkennen zu wollen, wer schon die Frage, welche Rolle die Herkunft der Täter für die Taten der Kölner Silvesternacht gespielt hat, für Rassismus hält, hat die Grenze zur Realitätsverweigerung überschritten.
Finde ich schwierig. Denn man benötigt ja Informationen, um Konsequenzen aus ihnen zu ziehen. Aber welche Konsequenzen will man aus der Herkunft eines Menschens ziehen, die nicht darin enden, dass es rassistisch wird? Das ist ein sehr kollektivistischer Ansatz und ich persönlich halte Kollektivismus als Ursächlich für Rassismus.

Selbst wenn sich rausstellt, dass Mitglieder einer beliebigen Volksgruppe statistisch bereinigt (also z.B. von Parametern wie Bildung, Armut, Traumatisierung) immer noch eine signifikant höhere Tendenz zu bestimmten Verbrechen haben: Welche Lehre will man daraus ziehen? Wie will man anders darauf reagieren, als einen Generalverdacht auszustellen? Es fällt mir schwer, da ein entsprechendes Szenario zu entwerfen, wo so eine Information nicht rassistisch benutzt wird. Schau dir z.B. das Problem des Racial Profilings an, wo die vielzitierte "kriminalistische Erfahrung" dazu führt, dass dunkelhäutige Menschen "zufällig" um ein erhebliches Maße öfters kontrolliert werden, an Flughäfen, Bahnhöfen und in Zügen.

Gleichzeitig - und da hat er Recht - gibt es in linken Kreisen natürlich eine Tendenz, sich gegenseitig zu bekämpfen, weil jeder immer der moralisch überlegene sein möchte. Dazu gibt es einen extrem anschaulichen Artikel, der diese inner-ideologischen Grabenkämpfe mal analysiert: The Toxoplasma of Rage. Und da kommt dann auch zur Sprache, warum dort teilweise so irrwitzige Dinge von sich gegeben werden. Mein Lieblingsbeispiel, aus dem Text:
Certain answers to moral dilemmas can also send signals. For example, a Catholic man who opposes the use of condoms demonstrates to others (and to himself!) how faithful and pious a Catholic he is, thus gaining social credibility. Like the diamond example, this signaling is more effective if it centers upon something otherwise useless. If the Catholic had merely chosen not to murder, then even though this is in accord with Catholic doctrine, it would make a poor signal because he might be doing it for other good reasons besides being Catholic – just as he might buy eyeglasses for reasons beside being rich. It is precisely because opposing condoms is such a horrendous decision that it makes such a good signal.
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Dostoyesque
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Dostoyesque »

Canardo hat geschrieben:
Dostoyesque hat geschrieben:. Falls jemand hier eine Empfehlung hat - bitte posten!
Kein Buch , dafür wieder ein Podcast ;)
http://soziopod.de/2016/05/soziopod-044 ... migration/
Hat zwar nicht meine Fragen beantwortet, aber nichtsdestotrotz ein sehr schöner Podcast. Ist jetzt auch abonniert, danke für die Empfehlung!
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derFuchsi
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von derFuchsi »

Vinter hat geschrieben:Aus deinem Artikel, Fuchsi:
Wer sich weigert, einen wie auch immer gearteten Zusammenhang zwischen Flüchtlingspolitik und Terrorgefahr erkennen zu wollen, wer schon die Frage, welche Rolle die Herkunft der Täter für die Taten der Kölner Silvesternacht gespielt hat, für Rassismus hält, hat die Grenze zur Realitätsverweigerung überschritten.
Finde ich schwierig. Denn man benötigt ja Informationen, um Konsequenzen aus ihnen zu ziehen. Aber welche Konsequenzen will man aus der Herkunft eines Menschens ziehen, die nicht darin enden, dass es rassistisch wird? Das ist ein sehr kollektivistischer Ansatz und ich persönlich halte Kollektivismus als Ursächlich für Rassismus.
Wenn man nicht mal anregen darf mal einen genaueren Blick auf mögliche Zusammenhänge zu werfen ohne ins rechte Lager gestellt zu werden weil schon die Frage rassistisch ist dann läuft doch was falsch.

Es geht doch um Ursachenforschung und nicht um Schuldzuweisung. Wenn in den Anschlägen in letzter Zeit immer Flüchtlinge zumindest beteiligt waren dann sollte man vielleicht einfach mal genauer hinschauen.

"Der Terror und die Flüchtlinge, das sind zwei verschiedene Sachen", erklärte jüngst Gerhart Baum. Das stimmt. Aber offensichtlich gibt es Berührungspunkte. Wer darauf hinweist, behauptet damit nicht, jeder Flüchtling sei ein potenzieller Terrorist. "
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Vinter
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Vinter »

Aber welche Konsequenzen kannst du daraus ziehen, die nicht auf einen Generalverdacht hinauslaufen?
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Nachtfischer
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Nachtfischer »

Vinter hat geschrieben:Aber welche Konsequenzen kannst du daraus ziehen, die nicht auf einen Generalverdacht hinauslaufen?
Naja, eine unmittelbare Konsequenz wäre doch: Überprüft Flüchtlinge ordentlich! Oder? Zählt das schon als "Generalverdacht"?

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Vinter
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Vinter »

Wenn wir von 2 (Würzburg, Ansbach) Tätern auf über eine Millionen Flüchtlinge schließen, dann empfinde ich das durchaus so, ja. Mit dem Argument wird es z.B. schwierig dagegen zu argumentieren, nicht ständig sämtliche Männer darauf zu kontrollieren, dass sie keine Sexualverbrecher sind. Bei 40 Millionen Männern würden dafür 80 Täter genügen, würde man die Koinzidemzrate von 2 Tätern unter 1 Millionen Menschen heranziehen.
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derFuchsi
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von derFuchsi »

Ich fand den Artikel sehr interessant und es passt ja auch irgendwie hier rein.

http://www.welt.de/vermischtes/article1 ... on-an.html
Ist Blackburn ein Blick in die Zukunft unserer Gesellschaft?
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Dogarr
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Dogarr »

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:Folgende Beobachtung/folgendes Dilemma: Ich hatte heute (etwas unfreiwillig) eine etwas ausufernde Diskussion auf Twitter zu den Ereignissen der letzten Woche (wen das interessiert, hier gehts los), wo ich auf (im Nachhinein ermüdend) versucht haben, gegen den braunen Mob zu argumentieren. Im Laufe der Diskussion ist bei mir auch folgende Erkenntnis entstanden: Wie argumentiert und diskutiert man gegen Flüchtlingshetzer in Anbetracht der letzten Woche?



Rein objektiv betrachtet, ist genau das eingetreten, was AfD & co seit einer Weile behaupten. Ich stelle fest, dass ich mich gerade wahnsinnig schwer damit tue, gegen Flüchtlingshetzer zu argumentieren. Gleichzeitig beobachte ich eine gewisse Ratlosigkeit und Ermüdung bei Leuten, die gegen den Fremdenhass antreten von Gunnar Lott). Geht euch das ähnlich? Was sind eure Gedanken und Beobachtungen dazu?
Jeder Mensch ist das Produkt seiner Erfahrungen.

Du schreibst von Flüchtlingen. Reden wir von Menschen die dem Bombenhagel entkommen sind ? Selbigen für den wir deutsche (parlamentarische Demokratie) nicht unwesentlich beigetragen haben ?

Möchtest du Mütter und deren Kinder in Schutz nehmen ? oder Junge Männer, die auf ins gelobte Land sind, um für bis zu 15k Euro (max was ich mal besessen hab waren 5k) „Schlepperkosten“ihr Leben riskieren, um die Familie nachzuholen ?

Ich gebe dir einen Tipp:

Schutzsuchende vor Krieg und Mord

Armutspflichtlunge, die es nicht mehr ertragen (zu recht) in ihren Ländern

Wirtschaftsflüchtlinge, deren alleiniges Ziel es ist um jeden Preis besser dazustehen?

Terroristen ?

Du beschwerst dich das dir vermeintliche Argumente ausgehen ?

Ich habe nur ein Problem mit imaginären freunden, sicherlich nicht mit andersdenkenden Menschen. Ich toleriere jeden Mensch (kommt aus dem griechischen: „ertragen“) , solange er nicht einfordert auf Grund seines „Glaubens“ mir die Welt erklären zu müssen.

Und da sehe ich das Problem.

Wenn ich vor dem Tod fliehe, werde ich niemals ,. aber auch niemals irgendwelche imaginären Freunde um Rat bitten. Ich passe mich an, um mein eigenes Leben (Max nur 1) zu schützen.

Problem, und so wird ein Schuh draus : „ich bin das Produkt meiner , in diesem Fall, westlichen Erfahrungen“.

Mir ist noch nicht meine Familie um die Ohren geflogen, ich musste nicht mit ansehen wie Menschen sterben obwohl (kollateral Damage) sie nix gemacht haben, ich durfte ein Stück weit Bildung genießen.

mfg

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Naitomea
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Naitomea »

derFuchsi hat geschrieben:Nochmal zu Sahra Wagenknecht
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 05788.html
...wer andere aus der Diskussion ausschließt, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wer sich scheut, Dinge anzusprechen, weil es "Beifall von der falschen Seite" geben könnte, muss sehr wenig Vertrauen in die eigene Überzeugungskraft haben.
Das Problem ist ja nicht das Ansprechen von Dingen, das hat ihre eigene Partei schon lange vor den großen öffentlichen Diskussionen getan, und zum Beispiel gefordert, sich frühzeitig auf vorhersehbare Situationen einzustellen, um Probleme zu verringern. Wie das ignoriert wurde, sieht man ja daran, wie schlecht das BAMF sogar jetzt noch aufgestellt ist. Oder wie wenig wir den Attacken auf Asylunterkünften entgegenzuwirken haben. Oder dass CSU von Geflüchteten fordert, Integrationskruse zu belegen, die an vielen Orten noch gar nicht existieren. Oder dass die Verfügbarkeit von Psychotherapien in Deutschland miserabel ist.

Das Problem ist, dass sie sich der rechtspopulistischen Rhetorik der AfD bedient, indem sie zum Beispiel völlig unangemessene Gast-Metaphern verwendet und impliziert, dass man gewisse Dinge nicht anspechen darf. Dabei gibt es diese Diskussionen zuhauf. Ich weiss nicht, wieviel Diskursfläche den Merkelkritikern noch gegeben werden muss, damit die nicht mehr rumheulen, dass sie ihre Meinung nicht mehr sagen dürfen. Ich kann mich vor solcherlei Medienpräsenz eigentlich kaum noch retten, sei es in den Infotainment-Talkshows oder mittlerweile selbst in der FAZ.
Man kann Merkel ja für Vieles kritisieren, was ja auch gemacht wird und wurde und gerade von der Linken, aber dass sie sich zumindest verbal (die tatsächliche politische Umsetzung der CDU geht in eine andere Richtung) für den Erhalt von Grundrechten und generell Menschlichkeit einsetzt, gehört sicherlich nicht dazu.

Der Spieler
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Der Spieler »

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:Folgende Beobachtung/folgendes Dilemma: Ich hatte heute (etwas unfreiwillig) eine etwas ausufernde Diskussion auf Twitter zu den Ereignissen der letzten Woche (wen das interessiert, hier gehts los), wo ich auf (im Nachhinein ermüdend) versucht haben, gegen den braunen Mob zu argumentieren. Im Laufe der Diskussion ist bei mir auch folgende Erkenntnis entstanden: Wie argumentiert und diskutiert man gegen Flüchtlingshetzer in Anbetracht der letzten Woche?

Hierzu vielleicht nochmal paar Fakten, damit klarer wird, worauf ich hinaus will:
  • Der Angreifer in Würzburg ist 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und war offenbar IS-Sympathisant (siehe hier)
  • Der Attentäter aus Reutlingen ist ein syrischer Asylbewerber (siehe hier)
  • Der Attentäter von Ansbach war ein syrischer Flüchtling, der an sich gar nicht mehr hätte hier sein dürfen. Auch hier geht man radikal-islamistischen Hintergründen aus (siehe hier)
Rein objektiv betrachtet, ist genau das eingetreten, was AfD & co seit einer Weile behaupten. Ich stelle fest, dass ich mich gerade wahnsinnig schwer damit tue, gegen Flüchtlingshetzer zu argumentieren. Gleichzeitig beobachte ich eine gewisse Ratlosigkeit und Ermüdung bei Leuten, die gegen den Fremdenhass antreten (siehe dazu dieses Posting von Gunnar Lott). Geht euch das ähnlich? Was sind eure Gedanken und Beobachtungen dazu?
Ich denke, man argumentiert ja nicht gegen Personen, sondern gegen bestimmte Thesen. Gegen welche These willst Du denn konkret argumentieren?

Ich habe mir den verlinkten Twitter-Thread angesehen und auf die Schnelle zwar eine Beleidigung und ein paar Spitzen gesehen, aber keine Aussagen, die einen "braunen Mob" oder "Flüchtlingshetzer" vermuten lassen anhand der dort getätigten Aussagen? :?:

P.S.: Wobei ich ja finde, dass man nur mit vernünftigen Leuten diskutieren sollte, denn eine Diskussion mit unvernünftigen Leuten führt zu nichts Gutem und zu aller erst zu einem Nervenschaden. Und im Internet ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass sich an einer Diskussion, zumal einer politischen, mindestens ein enervierender Spinner beteiligt. Deshalb: Mit Spinnern meiner Meinung nach erst gar nicht diskutieren.

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derFuchsi
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von derFuchsi »

goschi hat geschrieben: Länger: Es gab und gibt schon immer Ansammlung Gleicher an bestimmten Orten, so gibt es zB strengkatholische Ortschaften in grundsätzlich protestantischen Regionen oder jüdische Viertel oder allgemein nationalitätsgeprägte Viertel oder Dörfer in Immigrationsgegenden, oder, oder, oder.
Und je mehr "wir wollen euch hier nicht haben" Rhetorik aufgefahren wird, desto mehr wird die Diversifikation unserer Wohnräume abnehmen und umso mehr werden sich die Ausgegrenzten auch zum eigenen Schutz sammeln und konzentrieren (nein, auswandern werden sie nicht, denn meist sind sie hier längst heimisch).
Das hat nicht zwingend was mit Schutz zu tun denke ich. Man gesellt sich halt gerne zu Seinesgleichen.

Ich fand einfach den Artikel interessant weil mir bisher nicht so bewusst war dass Integration nicht gleich Integration ist.

Die Menschen dort sind offensichtlich hervorragend integriert - zumindest wirtschaftlich. Man fällt in keiner Weise unangenehm auf, keine übermäßig hohe Kriminalität, keine übermäßig hohen Arbeitslosenzahlen etc. alles bestens. Einige sind sogar erfolgreiche Geschäftsleute und ziemlich wohlhabend.
Eigentlich alles vorbildlich, so würde man sich das doch wünschen oder?

Das einzige "Problem" ist, gesellschaftlich lebt man auf einem völlig anderen Stern. Kontakt mit "Einheimischen" gibt es nur wo es sein muss z.B. am Arbeitsplatz.

Und das ist auch was man hierzulande oft sieht. In dem Beispiel waren es wohl eher Inder und Afghanen, hier sind das eher meist die Türken.
Die Kollegen/-Innen sind eigentlich ganz normale Mitarbeiter die nicht unangenehmer auffallen als andere auch. Bis auf die Tatsache dass sie privat in einer eigenen Welt leben, auch die welche perfekt deutsch sprechen. Leben in ihrem türkischen Stadtviertel, gehen Einkaufen im türkischen Laden, schauen türkisches Satellitenfernsehen, gehen in türkische Discos und auf türkische Beach-Partys, sprechen türkisch mit ihren Kindern die natürlich türkische Freunde haben und auf eine Schule im Viertel gehen wo naturgemäß zum großen Teil Türken in der Klasse sind. Die Facebook-Timeline ist auch komplett in türkischer Sprache. In den Urlaub geht es natürlich auch jedes Jahr - in die Türkei.
Geheiratet wird dann naturgemäß auch gerne türkisch. Sei es aus Überzeugung (Weil die Bräute aus Anatolien noch nicht so 'verdorben sind' (Spiegel)), aus religiösen Gründen (Man heiratet keinen 'Ungläubigen') oder einfach weil man so keine anderen Menschen kennenlernt.

Alles gut solange man wirtschaftlich integriert ist?
Ich weiß nicht...

http://www.derwesten.de/waz-info/wenn-s ... 03992.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21608701.html
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Der Spieler
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Der Spieler »

oder hier:

http://www.nytimes.com/2014/12/08/world ... .html?_r=0

Zeigt sowohl bewundernswerte Integration (eines Sikh), als auch die (vorsichtig ausgedrückt) "Reibungspunkte", die in Stadtteilen bzw. genauer: Schulen in Stadtteilen im Vereinigten Königreich mit einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung entstehen können.

Jochen

Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Jochen »

Zur Integration von Migranten: Ich habe mich vor einigen Jahren im Rahmen einer sprachwissenschaftlichen Arbeit recht intensiv damit auseinandergesetzt. Da gibt's viele spannende (und nicht ideologisch vorbelastete) Studien, die ziemlich einhellig zu dem Ergebnis kommen, dass Sprache zwar tatsächlich der Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration ist, dieser Prozess aber nahezu immer drei oder vier Generation benötigt.

Die erste Generation erhält zu großen Teilen ihre Herkunftssprache und damit quasi zwangsläufig einen erheblichen Teil ihrer kulturellen Identität, die zweite und dritte Generation wechselt dann in die Bilingualität und erst ab der vierten Generation beobachtet man, dass die ursprüngliche Herkunftssprache verschwindet, die Kinder also in der Regel nur noch die Sprache des Einwanderungslandes beherrschen.

Wenn man diesen Prozess seinen natürlichen Lauf nehmen lässt und nicht restriktiv eingreift, erledigen sich viele Integrationsprobleme im Laufe der Zeit von alleine. Ein (gut gemeintes) staatliches bzw. gesellschaftliches Eingreifen in Spracherwerb und Sprachentwicklung führt oft zu genau den entgegengesetzen Folgen, nämlich Isolation und Parallelgesellschaften.

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Dostoyesque
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Re: Fremden- und Ausländerhass

Beitrag von Dostoyesque »

@Jochen: Nicht dass ich dirs nicht glaube, aber kannst du auf die etwaigen Studien verweisen? Ist ein viel zu interessanter Punkt, muss den Juckreiz kratzen und da nachlesen!
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