Wenn Gamer alt werden

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philoponus
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Wenn Gamer alt werden

Beitrag von philoponus » 4. Jan 2019, 07:47

Bin auf einen für mich sehr spannenden Artikel bei Ars Technica gestolpert gestern.

Tales of an aging gamer: Why don’t I pick up a controller as often as I used to?

https://arstechnica.com/gaming/2019/01/ ... i-used-to/

Theo Karasavvas berichtet einerseits von seinen persönlichen Erfahrungen als alternder Gamer. Andererseits gibt er einen Überblick, was es wissenschaftlich über das Thema so gibt. Ein Beispiel ist, dass das Interesse an kompetitiven Spielen jenseits des 30. Lebensjahres abnimmt.

Finde mich da auch persönlich wieder, weil es anscheinend nicht ungewöhnlich ist, dass man sich später im Leben gerne mit Strategiespielen beschäftigt:
Strategy, on the other hand, is a gaming genre that spans generations, according to the data. QF has found motivation for strategy changes the least with aging. If you’re like me, this makes it a little clearer why your once-favorite survival horror, racing, first-person shooter, fighting and massively multiplayer online games have been replaced by real-time strategy games, online puzzles, and brain teasers. So while younger players feel more strongly about other motivations, strategy comes to the forefront as other preferences fade over time. The result is that a lot of older gamers are excited by “careful decision-making and planning” (QF’s survey wording) in a game as opposed to facing real-life consequences when they fail in analogue real-world scenarios.
Bin ich der Einzige, der sich in dem Artikel teilweise wiederfindet?

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Desotho
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Desotho » 4. Jan 2019, 08:05

Also ich habe früher eher Strategiespiele gespielt. Für ein Civilization habe ich heute nicht mehr die Geduld. Sowas wie Fire Emblem geht aber noch.
An kompetitiven Spielen hatte ich nie Spaß. Das hat sich auch bisher nicht geändert.
Ich würde auch sagen, dass ich eher mehr spiele als ich es als Jugendlicher getan habe, das hängt aber eher an den Spielen. Früher hatte man halt seine Handvoll Evergreens und einen Berg an echt miesen Spielen. Heute gibt es jede Menge tolle Spiele.
Ich hatte auch um 2000 eine MMO Phase wo sich spielen bei mir darauf beschränkte. Der initiale Reiz hat da mit den Jahren einfach nachgelassen, die Freunde haben nicht mehr soviel Zeit. Nach mit Wow und was danach kam fast nur noch Müll im Vergleich zu vorher ... ^^

Was ich bei vielen Leuten beobachte ist einfach der Faktor Familie / Kinder. Damit tritt das Spielen alleine zeitlich in den Hintergrund.

Ich glaube der "Alterungsprozess" ist auch individuell. Und einige verlieren auch einfach komplett die Lust.
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philoponus
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von philoponus » 4. Jan 2019, 08:56

Stimmt schon: Ich habe auch immer schon gerne dieses Genre gespielt. Zum PC Gaming gebracht hat mich Civilization damals.

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DickHorner
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von DickHorner » 4. Jan 2019, 09:56

Kann ich bei mir nicht so feststellen, früher habe ich mehr Strategiespiele gespielt. Liegt sicher auch daran, dass ich zur Hochzeit der RTS Teenager war. Ok, das X-COM reboot und X-COM 2 habe ich schon ziemlich gesuchtet, aber da hört's schon auf.
Für Spiele, die viel Zeit benötigen, habe ich einfach keinen Raum mehr. Rollenspiele, Spiele mit epischen Erzählungen... no way Jose.
Was ich spiele, sind Spiele, deren grundlegendes Spielprinzip ich schon kenne, deren Funktionsweise ich aus meiner Erfahrung extrapolieren kann und mit denen ich mal schnell ne halbe Stunde Spaß haben kann. Open World Spielplätze sind das zurzeit meistens.
Vielleicht bin ich aber auch noch nicht die Altersgruppe, die in dem Artikel beschrieben wird.

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NobodyJPH
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von NobodyJPH » 4. Jan 2019, 09:58

Desotho hat geschrieben:
4. Jan 2019, 08:05
Was ich bei vielen Leuten beobachte ist einfach der Faktor Familie / Kinder. Damit tritt das Spielen alleine zeitlich in den Hintergrund.
Diesen Faktor möchte ich nochmal deutlich unterstreichen. Meine Tochter ist jetzt drei Monate alt und da ich selbstverständlich meinen Teil der Erziehung*, der Pflege und des Haushalts übernehme, bleibt einfach viel weniger Zeit am Computer. Mein Interesse ist bisher kein bisschen weniger geworden, stattdessen freue ich mich schon riesig auf die nächsten Session.

Auch eine Verschiebung der Genre aufgrund zunehmenden Alters konnte ich nicht feststellen. Das kann aber schlicht daran liegen, dass ich schon immer viele Strategiespiele ausprobiert habe und daran, dass ich einfach noch relativ jung bin. Eher noch ist der Podcast dafür verantwortlich, dass mein Portfolio inzwischen breiter aufgestellt ist und sich die Genres daher verändert haben.

* Vielleicht sollte ich Erziehung lieber streichen, angesichts des Blödsinns, den ich mit ihr immer veranstalte. Aber die Hebamme hat nunmal gesagt, dass man sein Kind möglichst oft auf den Arm nehmen soll. :D

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philoponus
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von philoponus » 4. Jan 2019, 10:23

P.S. Ich habe mit meiner Frage jetzt nicht nur das Strategie-Thema gemeint, sondern auch die anderen im Artikel genannten Themen, etwa dass der Wettbewerb und das Messen mit anderen (Multiplayer, Score Hunting) immer uninteressanter wird, je älter man wird.

piko
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von piko » 4. Jan 2019, 14:50

Ich bin 33 und spiele gerne StarCraft II im kompetitiven Modus (1v1 Ladder). Man muss dazu aber sagen, dass ich seit vielen Jahren RTS-Games spiele und es nicht mehr wirklich anstrengend finde, obwohl ich mit ca. 250 APM dahinrattere. Mit den jungen Hüpfern kann ich natürlich nicht mithalten, es reicht aber für einen Platz in der Masterliga. Kein anderes Spiel gibt mir diesen Kick, es bleibt einfach ein unschlagbares Gefühl, wenn man nach einem harten Match einen gleichwertigen Gegner bezwungen hat.

Grand Strategy und Rundenstrategie mag ich durchaus auch, am liebsten sind mir da Titel, die RPG-Elemente besitzen wie z.B. Crusader Kings II.

Was mit zunehmendem Alter deutlich weniger zieht, sind Games wie Far Cry, Assasssin's Creed oder GTA. Meistens langweilen die mich schon nach kurzer Zeit. Habe nun auch aufgehört, mir Open-World-Sammelspiele zu kaufen, egal wie euphorisch die Reviews ausfallen. Wenn schon Open World, dann bitte mit guter Story, Paradebeispiel hierfür ist The Witcher 3.

MOBAs, Battle Royale und klassische Shooter haben mich auch nie wirklich gereizt, mit Overwatch hatte ich 1,5 Jahre viel Spaß, bis der Burnout kam. Ganz früher habe ich kompetitiv UT99 gespielt, aber für sowas fehlt mir mittlerweile jede Motivation.

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schneeland
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von schneeland » 4. Jan 2019, 17:42

philoponus hat geschrieben:
4. Jan 2019, 07:47
Bin auf einen für mich sehr spannenden Artikel bei Ars Technica gestolpert gestern.

...

Bin ich der Einzige, der sich in dem Artikel teilweise wiederfindet?
Danke für den Link!

Ich finde mich da durchaus wieder. Zum Einen habe ich den Eindruck, nicht mehr unbedingt die primäre Zielgruppe für Spiele zu sein, zum Anderen ist mir meine Zeit mittlerweile oft zu schaden für's Spielen (ist eine persönliche Wertung, keine generelle). Dass sich meine Präferenzen in Richtung Strategiespiele verschieben, kann ich allerdings nicht bestätigen - die mochte ich schon immer, nur ist das Interesse hier weniger stark abgefallen als bspw. bei Shootern. Was ich aber definitiv bestätigen kann: der kompetetive/herausforderungsorientierte Aspekt reizt mich mittlerweile quasi 0 (war jetzt noch nie der wichtigste Motivator für mich beim Spielen, aber in meiner Jugend durchaus gegeben). Das erstreckt sich nicht nur auf Multiplayer-Titel, sondern auch auf so Sachen wie Dark Souls - mir fehlt da schlichtweg die Muße um noch dutzende bis hunderte Stunden in einen Titel zu versenken. Generell merke ich immer mehr, dass der PC für mich heute hauptsächlich das Arbeits- und Informationsgerät ist, für das ich ihn in meiner Jugend immer ausgegeben habe.
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mart.n
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von mart.n » 4. Jan 2019, 18:47

Ich sehe das etwas anders. Z.B.
“Now it’s you who has to worry about rent and bills, not your dad.” Deep inside I knew he was right. The more responsibilities, problems, and stress in life, the more we lose our appetite for things that used to entertain us, gaming included.
Das stimmt nicht. Ich spiele, um genau diesen Kram aus meinem Gehirn zu verbannen. Es ist mein persönliches Elixir des Glücks, um eben für ein paar Minuten mal nicht über Probleme im echten Leben nachzudenken.

Was allerdings der Fall ist: ich komme mit modernen AAA Spielen nicht mehr klar. Mich stört massivst die Zugänglichkeit. Das klingt irgendwie total bescheuert, ist aber so. ;) Die Spiele, zu denen ich mich mein Leben lang am meisten hingezogen gefühlt hab, waren immer die komplexen. Die, wo man erst richtig gut wurde, wenn man 100h gespielt und 8 Wochen in Foren verbracht hat. Niemals die, die jeder sofort nach 10 Sekunden verstanden und gemeistert hat. Z.B. die Souls Reihe, die ich mit Demons Souls begonnen habe. Damals war der Hype noch nicht so groß und man musste so unglaublich viele, undokumentierte Features (wie Black/White Tendendy) verstehen, um die 100% zu schaffen. Das ist mir im Gedächtnis geblieben. Nicht ein beliebiges Assassins Creed, Uncharted oder Batman. Mittlerweile scheint es aber so zu sein, dass fast nur noch solche Spiele rauskommen und gefeiert werden. Mein Arbeitskollege hat Bloodborne nach 2h frustriert verkauft. God of War hat er durchgespielt. Man kann sich vielleicht vorstellen, welches Spiel mir mehr zugesagt hat.

Strategie und RPG hat mich schon immer fasziniert, das kam nicht erst mit dem Alter. Fing schon bei Kaiser und Master of Magic (C64) an. Ich weiß daher nicht, ob das eine Alterserscheinung. Ein Sniper Elite, World of Tanks oder Dusk spiele ich auch immer noch gerne. Was altersbedingt ein Problem ist, sind Sachen wie Dota2. 45 Minuten am Stück und sonst Bann gehen seit Kids nicht mehr. Wurde mit Baby 2x gebannt da das Balg es unverschämterweise mit dem Schreien nicht abwarten konnte, bis das Spiel zu Ende war. Da hab ich beschlossen, dass diese Art Spiel einfach nicht mehr geht.

Ansonsten bleibt die Faszination aber auch mit 42 immer noch ungebrochen.

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Axel
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Axel » 4. Jan 2019, 20:50

Ich spiele das, was ich schon als Kind gespielt habe: Platformer, Puzzle, Arcade. Ab und an mal noch ein hübsches Adventure und RPG zwischendurch. Derzeit suchte ich die neue Gothic 2 Total Conversation Legend of Asshun. Gibt mir viel mehr als der neue Kram.

Aber allgemein mag ich es einfach, wenn Spiele ein klar definierten Anfang und Ende haben. Und für mich müssen sich Spiele nostalgisch anfühlen. Sonst ist's uninteressant für mich.
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v3to
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von v3to » 6. Jan 2019, 00:22

In meinem Familien- und engerem Freundeskreis spielt eigentlich kaum jemand in meinem Alter überhaupt noch am PC oder Konsole. Mir fallen in dem Umfeld überhaupt nur zwei Leute ein. Es gab einen Ruck, als die meisten passionierten Gamer so zwischen 30 und 35 Jahre alt waren. Da war Studium oder Ausbildung vorbei, Berufsleben und Familie suchten ihren Raum und tatsächlich hatte damals schon der größte Teil meiner Freunde KOMPLETT aufgehört, Videogames zu spielen. Das gilt selbst für Casual-Games.

Ich bin jetzt 46 Jahre alt und anderen Gamer in meinem Alter, auch hier aus der Region, habe ich die letzten Jahre über Foren, Facebook oder die Demoszene kennengelernt. Ich bin neben aktuellen Spielen auch retro-gaming-affin, bzw ein Trupp von uns trifft sich auch hin und wieder zu einem Retro-Stammtisch, wo wir einen Beamer aufbauen und an alten Konsolen oder Arcade-Boards zocken. Dort gleichen sich die Geschichten. Bis auf das Rahmenprogramm, was den Umgang des sozialen Umfelds mit dem Hobby angeht. Meine Familie ist das inzwischen gewohnt, dass ich spiele und mich auch tiefergehend mit der Materie auseinandersetze. Aber es gibt immer wieder Leute, wo der Lebenspartner eigenmächtig Hardware entsorgt oder der neue Arbeitgeber darauf besteht, dass man sich von dem nerdigen Kinderkram lossagt. Hier hat jemand aus solchen Gründen seinen gutlaufenden Youtube-Channel gelöscht, wo er hauptsächlich klassische Konsolen zerlegt und deren Technik erklärte.

Was mich angeht, spiele ich nach wie vor gerne ein Sortiment an Genres: bevorzugt RPG, Action Adventures, Aufbauspiele, Survival-Games, Arcade, Adventures, Rundenstrategie, Hack-n-Slay-Action, Metroidvanias und investiere auch recht viel Zeit in das Hobby.

Allerdings geht mancher Trend an mir vorbei, genauer gesagt sogar der größte Teil des aktuellen Marktes. Mit FPS wurde ich eigentlich nie so richtig warm, weil ich in der Perspektive Orientierungsprobleme habe. Online-Multiplayer ist so gar nicht meins, da es mich mental nervt, mit anonymen Pseudsonymen durch Welten zu ziehen (Ausnahme ist Journey). Eigentlich fällt so das gesamte Live-Service-Angebot an Games aus meinem Beuteschema. Aktuell fällt mir bei EA oder Activision kein einziges Spiel ein, was mich ansatzweise interessiert.
Meine Reaktionsfähigkeit hat nachgelassen, wobei ich heute immer noch gerne 2D-Shmups und andere Arcade-Games zocke. Die heute populären Indie-Games, welche sich spielen, als hätte man bei Retrogames die Geschwindigkeit hochgedreht - das ist mir ehrlich gesagt zuviel. Noch mehr, wenn meine 3D-Orientierung auf anspruchsvolle, timingbasierte Kampfsysteme trifft, was kaum Spielraum für Fehler lässt. Mit souls-artig designten Games komme ich schlichtweg nicht zurecht. Naja, der Markt ist riesig und bislang gab es immer interessantes Futter.

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Axel
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Axel » 6. Jan 2019, 00:55

v3to hat geschrieben:
6. Jan 2019, 00:22
Aber es gibt immer wieder Leute, wo der Lebenspartner eigenmächtig Hardware entsorgt oder der neue Arbeitgeber darauf besteht, dass man sich von dem nerdigen Kinderkram lossagt. Hier hat jemand aus solchen Gründen seinen gutlaufenden Youtube-Channel gelöscht, wo er hauptsächlich klassische Konsolen zerlegt und deren Technik erklärte.
Moment mal! Was haben denn irgendwelche Arbeitgeber zu bestimmen, was die Leute in ihrer Freizeit machen? Ist das mittlerweile so schlimm geworden, dass sich Arbeitgeber in das Privatleben der Menschen einmischen? Das ist doch absurd! Warum wehrt man sich nicht dagegen?

Und wenn man nen Lebenspartner hat, der eigenmächtig Hardware entsorgt... So jemanden hätte ich aber schon lange vor die Tür gesetzt. Geht ja mal überhaupt nicht, sowas!
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schneeland
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von schneeland » 6. Jan 2019, 00:59

v3to hat geschrieben:
6. Jan 2019, 00:22
In meinem Familien- und engerem Freundeskreis spielt eigentlich kaum jemand in meinem Alter überhaupt noch am PC oder Konsole. Mir fallen in dem Umfeld überhaupt nur zwei Leute ein. Es gab einen Ruck, als die meisten passionierten Gamer so zwischen 30 und 35 Jahre alt waren. Da war Studium oder Ausbildung vorbei, Berufsleben und Familie suchten ihren Raum und tatsächlich hatte damals schon der größte Teil meiner Freunde KOMPLETT aufgehört, Videogames zu spielen. Das gilt selbst für Casual-Games.
Mal aus Neugier: hat das in Deinem Umfeld sofort nach Studium und Ausbildung eingesetzt? Ich frage deshalb, weil das in meinem Nahbereich (und auch bei mir) zeitverzögert aufgetreten ist - meist auch mit Anfang bis Mitte 30, aber nicht abrupt, sondern als langsames Versanden über ein paar Jahre.
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v3to
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von v3to » 6. Jan 2019, 01:00

Axel hat geschrieben:
6. Jan 2019, 00:55
Moment mal! Was haben denn irgendwelche Arbeitgeber zu bestimmen, was die Leute in ihrer Freizeit machen? Ist das mittlerweile so schlimm geworden, dass sich Arbeitgeber in das Privatleben der Menschen einmischen? Das ist doch absurd! Warum wehrt man sich nicht dagegen?
Entweder man will den neuen Job oder nicht. Das hat ja auch was mit Vertrauensverhältnis mit dem potentiellen Arbeitgeber zu tun. Gerade was Jobs angeht, gibt es ja durchaus mal familiäre oder andere finanzielle Zwänge. Aber ich sehe das sonst auch so, dass das eigentlich vollkommen absurd ist.
schneeland hat geschrieben:
6. Jan 2019, 00:59
v3to hat geschrieben:
6. Jan 2019, 00:22
In meinem Familien- und engerem Freundeskreis spielt eigentlich kaum jemand in meinem Alter überhaupt noch am PC oder Konsole. Mir fallen in dem Umfeld überhaupt nur zwei Leute ein. Es gab einen Ruck, als die meisten passionierten Gamer so zwischen 30 und 35 Jahre alt waren. Da war Studium oder Ausbildung vorbei, Berufsleben und Familie suchten ihren Raum und tatsächlich hatte damals schon der größte Teil meiner Freunde KOMPLETT aufgehört, Videogames zu spielen. Das gilt selbst für Casual-Games.
Mal aus Neugier: hat das in Deinem Umfeld sofort nach Studium und Ausbildung eingesetzt? Ich frage deshalb, weil das in meinem Nahbereich (und auch bei mir) zeitverzögert aufgetreten ist - meist auch mit Anfang bis Mitte 30, aber nicht abrupt, sondern als langsames Versanden über ein paar Jahre.
Ja, so ziemlich. Zumindest nach sehr überschaubarer Zeit. Bzw das fing so ungefähr um 2000 an. Ich war selbst schon 5 Jahre aus der Ausbildung raus. Die ersten Freunde von mir fingen dann an mit Heirat, Eigenheim und Familienplanung und ab dem Moment waren Games auf einmal kein Thema mehr.

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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Axel » 6. Jan 2019, 01:46

Wenn Du schreibst Eigenheim... Vielleicht liegt das einfach an einer gewissen sozialen Schicht? Wo halt der Glaube da ist, dass man ja nun "erwachsen" sei und sich dann jeglichen Spaß verbietet oder so. Gibt ja so Kreise, wo das durchaus verbreitet ist, dass man von jetzt auf gleich das eigene innerliche Kind wegschließt.
(Und sich dann wundert, warum man den Nachwuchs nicht mehr versteht)

Das sind halt diese gesellschaftlichen Konventionen in bestimmten Kreisen. Würde das aber nicht mit dem biologischen Älterwerden verwechseln.
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von schneeland » 6. Jan 2019, 01:53

v3to hat geschrieben:
6. Jan 2019, 01:00
Ja, so ziemlich. Zumindest nach sehr überschaubarer Zeit. Bzw das fing so ungefähr um 2000 an. Ich war selbst schon 5 Jahre aus der Ausbildung raus. Die ersten Freunde von mir fingen dann an mit Heirat, Eigenheim und Familienplanung und ab dem Moment waren Games auf einmal kein Thema mehr.
Heirat, Eigenheim und Familienplanung sind natürlich nochmal ein größerer Bruch. In meinem Umfeld war der Effekt nicht so stark - verheiratet sind nur wenige und Immobilien können sich bei den aktuellen Preisen selbst die meisten Doppelverdienerpärchen nicht leisten (lustigerweise ist der Einzige, der sowohl verheiratet ist als auch ein Haus hat in Sachen Spiele noch ziemlich aktiv), aber irgendwie scheint Mitte 30 trotzdem so eine Altersgrenze zu sein, wo die meisten sich langsam aus dem Spielekosmos verabschieden oder das Ganze zumindest stark runterfahren. Danke auf jeden Fall für die Rückmeldung!
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von v3to » 6. Jan 2019, 02:54

Axel hat geschrieben:
6. Jan 2019, 01:46
Das sind halt diese gesellschaftlichen Konventionen in bestimmten Kreisen. Würde das aber nicht mit dem biologischen Älterwerden verwechseln.
Das kann man vermutlich sowieso nicht. Vom Status her war mein Freundeskreis damals aber ziemlich gemischt. Das ging von Arbeiter bis Lehrer. Es war aber dennoch auffällig, dass es bei Einigen schon mit dem ersten Job losging. Das mit dem Eigenheim würde ich jetzt auch zu hochhängen, das hatte sich ja nicht jeder meiner Freunde ein Haus gekauft. Das waren dennoch schon die üblichen Dinge, die man mit Ernst des Lebens gleichsetzen würde.
schneeland hat geschrieben:
6. Jan 2019, 01:53
Heirat, Eigenheim und Familienplanung sind natürlich nochmal ein größerer Bruch. In meinem Umfeld war der Effekt nicht so stark - verheiratet sind nur wenige und Immobilien können sich bei den aktuellen Preisen selbst die meisten Doppelverdienerpärchen nicht leisten (lustigerweise ist der Einzige, der sowohl verheiratet ist als auch ein Haus hat in Sachen Spiele noch ziemlich aktiv), aber irgendwie scheint Mitte 30 trotzdem so eine Altersgrenze zu sein, wo die meisten sich langsam aus dem Spielekosmos verabschieden oder das Ganze zumindest stark runterfahren. Danke auf jeden Fall für die Rückmeldung!
Rückblickend liegt das aus meiner Sicht weniger am Alter, sondern der neuen Lebenssituation, sich Verantwortlichkeiten zu schaffen zusammen mit dem Schwund an Freizeit und auch, wie viel Freiraum einem in der Partnerschaft bleibt oder man für sich selbst zulässt.
Zuletzt geändert von v3to am 6. Jan 2019, 03:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Axel » 6. Jan 2019, 03:25

v3to hat geschrieben:
6. Jan 2019, 02:54
Und rückblickend liegt das aus meiner Sicht weniger am Alter, sondern der neuen Lebenssituation, sich Verantwortlichkeiten zu schaffen zusammen mit dem Schwund an Freizeit und auch, wie viel Freiraum einem in der Partnerschaft bleibt oder man für sich selbst zulässt.
Und dann wundern sich die Leute, wenn sie in eine handfeste Burnout-Erkrankung reinschlittern. Das sind so die ersten Vorzeichen: Sich selbst keinen Freiraum mehr zugestehn, sich mit "Verantwortlichkeiten" zukleistern, sich kurzgesagt keinen Spaß und keine Entspannung mehr gönnen. Und auch wenn das jetzt krass klingt, nehmen diese Leute dann den Menschen mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen die Plätze bei den Therapeuten weg. Mir haben das schon häufiger Leute aus dem medizinischen Berufszweig im Vertrauen gesagt, dass mittlerweile die meisten Psychotherapie Plätze an Menschen mit Burnout gehen. Und immer dieselben Gründe: Alte Hobbies werden aufgegeben, man lässt sich keine Freiräume mehr, falsche Prioritätensetzung und ein falsches Bild vom "Erwachsensein".

Dabei sind ja gerade so Hobbies wie Games, Musik (oder kurz: Was einem so Spaß macht, ist für jeden unterschiedlich) und dergleichen die besten Mittel solche Krankheiten garnicht erst entstehen zu lassen.

Wie kommt das, dass Menschen sagen, dass es nun Zeit wäre sich jeden Spaß zu verbieten? Arbeit allein kann es nicht sein. Früher in den 80ern und 90ern haben die Leute auch 8 Stunden gearbeitet und sind nebenbei noch allerlei Hobbies nachgegangen. Wieso ist das heute nicht mehr so? Was hat sich geändert?
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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Filusi » 6. Jan 2019, 10:08

Ich glaube dass man da eher reinschlidert.
Bei mir nicht passiert, spiele und schaue immer noch viel als Ausgleich. Meistens sogar eher zu viel. ^^

Ich könnte mir aber vorstellen, dass man am Anfang feststellt, dass man in der Karriere oder auch beim Hausbau, im Aufbauen von Nachbarschaftsfreundschaften oder der eigenen Famillie die gleichen anfänglichen "Glücks"- und Erfolgsmomente erlebt wie beim Gaming/Hobby bzw. sogar viel bessere und emotionaler, "reallife" halt.
(Was ja auch persee nicht schlecht ist, nur sollte man mMn hinter sich nicht alle Stricke abreissen.)

Vor allem, wenn man sich richtig reinhängt.
Nur ist das Reallife eben nicht so einfach und nach und nach kommen Probleme auf und die immer höher gesteckten Ziele werden dann nicht mehr so leicht oder gar nicht erreicht.

Wenn man dann keinen Rückfallplan hat oder die umgebenden Personen doch nicht so gut zu einem passen bzw. man wenig Rückhalt findet und man sich schlecht damit arrangieren kann oder weiteren Änderungen nicht aufgeschlossen ist (wird im Alter schwieriger, wobei das ja individuell ist), dann ...

Vernünftige Hobbys sind da immer ein Ufer, auch weil man sich so auch im Sozialem oftmals andere Kontakte offen hält.

Es sollte halt immer ein Hobby bleiben und nicht zum Altag werden, was bei eher jungen Menschen heutzutage problematisch sein kann.
Hab im Heimatforum jetzt so einen Fall, wobei sich sein ausuffernder Hobbykonsum (Spiele, Inet, Serien) eher als Auswirkung denn als Ursache rausstellt.
Aber zumindest hat er den ersten Schritt der Erkenntnis und Hilfsuche getan und spricht nun sogar schon offen mit Beteiligten darüber.

Schwer wird es für ihn aber denoch, weil er anscheinend einen Grossteil seiner derzeitigen Bekanntschaften nur noch im Netz hat.
Zuletzt geändert von Filusi am 6. Jan 2019, 15:53, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wenn Gamer alt werden

Beitrag von Filusi » 6. Jan 2019, 12:02

Oh, da ich gerade das Gefühl habe, dass ich den Thread zerstört habe, will ich kurz auf meine eventuell geänderten Gewohnheiten eingehen.

Ich bin 40, habe ne Famillie, mit 3 Töchtern (die älteste hat dieses Jahr ihr Studium begonnen und die Jüngste ist mit 4 Jahren gerade in einem sehr schönem aber auch aktiven Alter) und seit jeher ne geregelte Arbeit, wo ich aber derzeit ca. 1/2 der Zeit über die Woche in Hotels unterwegs bin.

Meine Spielgewohnheiten haben sich thematisch nicht großartig geändert.

Nur der Umgang mit ihnen. Während ich früher (Schule/Studium) eventuell mehr Zeit in einzelne Titel gesteckt habe, teils auch dort "rumgetrödelt" habe, mache ich selbiges heute weniger bzw. wirklich nur noch in ausgewählten Titeln, wie:
- Overwatch, hier ist es aber auch der Kick des Kompetativen und das bestimmte Mechaniken des kunterbunten, schnellen Teamplays und dieses "ach eine Partie noch", "da kann ich es ausgleichen bzw. da wird's besser laufen", bei mir stark anschlagen
- The Witcher 3
- derzeit RDR 2
- oder vor einigen Jahren Planetside 2, meine erste Clanerfahrung und extrem stark team- und strukturbasierte Spielerfahrung
- oder vor noch mher Jahren World of Conflict, mein erstes Internetgame im Team mit fremden Personen
- oder über mittlerweile fast 2 Jahrzehnte (ok, sind eigentlich nur 14,5 Jahre) die Total War Games, insbesondere die intensiven Hotseaterfahrungen mit Medieval 2 und Rome 2, die sich aber auch extrem aus den nebenher gesponnnenen bzw. begleitenden Diskussionen im Forum (Diplomatie per PN, AAR, Roleplay oder generell die Organisation der vielen, vielen Runden (es gab da regelrecht Komitees und Regeln etc. pp, was einen da aber auch iwie ausbrante))

Bei den meisten anderen Titeln spiele ich mittlerweile bewusster und lasse Dinge schnell aus, wenn ich sie verstanden habe und merke, dass sie stark strukturiert und nur Füllmaterial sind (Sammelaufgaben ohne spielmechanisch hochwertige Belohnungen, uninspirierte, generische oder schlecht inszenierte Nebenaufgaben) und konzentriere mich mittlerweile besser auf die Aspekte, die mir wirklich Spaß machen.

Ich habe fadurch oftmals konzentrierte Erfahrungen, allerdings bleiben die Spiele dann meisten auch nicht nachhaltig in Erinnerung.
Denn wenn ich mich an Spiele über mehr als 5 Jahre zurück erinnere, sind es irgendwie die Ausschweifungen, welche in Erinnerung bleiben ...

Weiterhin habe ich es in den letzten 3 - 5 Jahren geschafft (oder wurde ich durch die Masse an Spielen dazu gezwungen ...), nicht mehr sofort den Hype folgen zu müssen, um mitreden zu können.
Ich spiele sehr oft gute Spiele erst Monate wenn nicht Jahre später.

Auch mein Spielemedienkonsum hat sich geändert, das Gamestarabo habe ich jetzt nun fast schon 5 Jahre nicht mehr. Das GS Plus Abo werde ich wahrscheinlich wohl auch kündigen, da es eh fast nur für die DL Funktion der Videos und das spätere in Inetfreiem Zonen schauen genutzt wurde.

Und iwie erscheinen eh immer weniger grosse gut inszenierte "Story, Charakter" Spiele, da sie gut gemacht extrem teuer sind und von denen erfahre ich auch so, zudem Videos oftmals zu viel spoilern (ist nur auf mich bezogen) und ich mit RDR 2 gemerkt habe, wie toll doch naives spielen ist.

Zudem lese ich durch den Videokonsum kaum noch Bücher und vermisse das zunehmend.
Die aber bereits downgeloadeten Videos erzeugen aber einen gewissen Druck, was viele hier bestimmt auch von den Pile of Shame Stapeln kennen. ^^

Naja lange Rede kurzer Sinn, ich spiele immer noch relativ alles meist bewusster, aber wenn mich ein Spiel packt kommen immer noch die gleichen teils ungesunden Spieltriebe durch ...
... wie früher und wenn auch manchmal nicht über Jahre, Monate wie bei den obigen Beispielen, dann teils auch im Kleinen, über kurze intensive Wochen hinweg, wie letztes Jahr Factorio oder dieses Jahr Madden UT.

Und eben jene extreme Erfahrungen nunja dieses kindliche nicht aufhören wollen sind dann doch die besten, dem realife aber nicht unbedingt zuträglichsten. ^^
Zuletzt geändert von Filusi am 6. Jan 2019, 15:57, insgesamt 1-mal geändert.

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