Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

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johnnyD
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von johnnyD » 9. Okt 2019, 20:48

bluttrinker13 hat geschrieben:
9. Okt 2019, 18:25
Soulaire hat geschrieben:
9. Okt 2019, 18:09

die Wahlmöglichkeit sich den Vorstellungen Chinas zu unterworfen oder es nicht zu tun und dafür aber wirtschaftliche Einbußen als Unternehmen hinzunehmen. Aus rein ökonomischer Sicht entscheidet man sich natürlich dann fast immer für Ersteres.
Wie man am Beispiel der NBA sehen kann, die anders entschieden hat, ist das nicht sicher. Und immernoch die (freie) Entscheidung des Unternehmens. Und nicht strikt determiniert, denn sich China's Willen zu "unterwerfen" oder nicht ist eine komplexe Entscheidung, die, wenn Unterwerfung als Ausgang, auch Kosten in andere Richtung haben kann (bspw höhere Abhängigkeit, Reputationsverlust auf anderen Märkten etc). Weshalb sich auch die NBA entschieden hat, da nicht vollständig zu kuschen. Insofern ist das schon offen.

Mir ging es hauptsächlich darum, dass du andeutetest, den Unternehmen diese Entscheidungsmöglichkeit zu nehmen. Edit: Zumindest las sich das für mich so. Und damit letztlich Unfreiheit zu propagieren, also genau das, was ich (wir) an China ja so ablehnen. Das ist widersprüchlich und geht mE in die falsche Richtung.
Hat die NBA nicht wieder gekuscht und zurück gerudert mit so halbseidenen Beschwichtigungen? :think:
"Wenn man den Sumpf trocken legen will, darf man nicht die Frösche fragen!"

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bluttrinker13
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von bluttrinker13 » 9. Okt 2019, 20:58

johnnyD hat geschrieben:
9. Okt 2019, 20:48
Hat die NBA nicht wieder gekuscht und zurück gerudert mit so halbseidenen Beschwichtigungen? :think:
Wäre mir neu. Kann aber sein. Ich beziehe mich auf nen FAZ Artikel von vor zwei Tagen. ;)
Eventuell schon wieder outdated? Gleich mal nachschauen, thx.

Edit: Das eigentliche Argument bleibt dadurch aber unberührt. Nur die Varianzbreite im Umgang mit China's Beeinflussungsversuchen wäre (leider) kleiner.


Rigolax
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Rigolax » 12. Okt 2019, 02:30

Grad frisch reingekommen: Blizzards offizielles Statement, von J. Allen Brack persönlich: https://news.blizzard.com/en-us/blizzar ... tournament

blitzchung darf sein Preisgeld behalten und die Sperre wird von einem Jahr auf 6 Monate reduziert. Die beiden Caster werden auch nur noch ein halbes Jahr gesperrt statt unbestimmt lange.

Dann noch: "The specific views expressed by blitzchung were NOT a factor in the decision we made. I want to be clear: our relationships in China had no influence on our decision."

:ugly:

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Vinter
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Vinter » 12. Okt 2019, 03:52

Every Voice Matters, and we strongly encourage everyone in our community to share their viewpoints in the many places available to express themselves. However, the official broadcast needs to be about the tournament and to be a place where all are welcome. In support of that, we want to keep the official channels focused on the game.
Es ist die alte Laier der Autokratie: Täter zu Opfern machen. Die arme chinesische Regierung und ihre Gefolgschaft, die sich durch das aggressive Zuschaustellen von Widerspruch nicht willkommen fühlt.

Und was mir bis vorhin gar nicht klar war, aber nur nochmals unterstreicht, worum es hier geht: Auch die Moderatoren wurden dafür abgestraft und vom Turnier entfernt. Und dazu kann man nur sagen: Viel chinesischer wird es nicht mehr. Nicht nur der Dissidenten wird abgestraft, sondern auch diejenigen, die mit ihm assoziiert sind, um ein Exempel zu statuieren. Genau das treibt China mit ihrem Sesame Score voran: Du musst dich nicht nur richtig verhalten, du darfst auch keinen Kontakt haben mit Leuten, die sich falsch verhalten.

Jedes Abweichlertum muss augenblicklich aus der kollektiven Erinnerung getilgt werden. Zu behaupten, das hätte nichts mit China zu tun, ist angesichts der gefeuerten Moderatoren lachhaft: Du sollst Angst davor haben, jemand in deinem Umfeld verhält sich nicht konform. Blizzard beteiligt sich hier an der ultimativen Dystopie.

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Jon Zen
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Jon Zen » 12. Okt 2019, 07:00

Was ich erschreckend finde an diesem Vorfall, ist dass wir wieder sehen, dass wenn ein Land eine Zensur vollzieht und gleichzeitig autokratisch regiert und wirtschaftlich sehr bedeutend ist, dass dies in eine Teilzensur für die restliche, "freie" Welt mündet.

Herobin
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Herobin » 12. Okt 2019, 10:41

Ich denke, jedem hier ist klar, dass die Aussage, es hätte nichts mit China zu tun, absoluter Bullshit ist...
Das sieht man ja alleine schon an den verschiedenen Statements, die Blizzard in China und hier abgegeben hat.
Wäre es eine unverfänglichere politische Aussage gewesen bzw. eine, die sich auf westliche Staaten bezogen hätte, wäre die Reaktion seitens Blizzard lange nicht so hart ausgefallen...
Aber was sollen sie jetzt auch anderes machen? Sie können nach dem Shitstorm ja schlecht zugeben, dass sie Angst um ihren Wirtschaftsstandort China hatten.

imanzuel
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von imanzuel » 12. Okt 2019, 10:48

Also das ist jetzt meine persönliche Meinung, aber dieses Statement, etwas schlechteres hätte man nicht veröffentlichen können. Das einzige Positive (wenn überhaupt...) ist der Punkt dass der Pro Gamer sein Preisgeld bekommt. Ansonsten ist das völlig unterirdisches Geschwaffel. "Keine Politik in unsere Spiele / Streams" - zählt dann wohl nur, wenn Blizzard kein Geld darin sieht. Deren Aktionen für LGBT zählen mit dieser Einstellung gar nichts mehr.

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Gonas
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Gonas » 12. Okt 2019, 10:50

Ich muss sagen, ich finde die Veränderung der Strafe eigentlich ganz in Ordnung. Ihrer Meinung nach hat er gegen die Regeln verstoßen und seien wir ehrlich, es war eine bewusst platzierte, provokante Äußerung des Spielers. Das etwas darauf hin passieren würde war ihm wohl klar. Hätte man hier nicht reagiert hätte das für ähnliche Fälle mit vielleicht ganz anderen Ideologien sorgen können.

Will das nicht rechtfertigen, vor allem weil diese Panikreaktion sicher aus Angst den chinesischen Markt zu verlieren getätigt wurde, trotzdem rettet das doch Auszahlen des Preisgeldes und die Abschwächung der anderen Strafen zumindest was noch zu retten ist (nicht viel). Wobei ich nur das meine was tatsächlich passiert, nciht wie es formuliert ist.
Bin gespannt ob das reicht um einige Moderatoren wieder zurückzuholen. Vermutlich nicht.

Vinter hat geschrieben:
12. Okt 2019, 03:52
Every Voice Matters, and we strongly encourage everyone in our community to share their viewpoints in the many places available to express themselves. However, the official broadcast needs to be about the tournament and to be a place where all are welcome. In support of that, we want to keep the official channels focused on the game.
Und was mir bis vorhin gar nicht klar war, aber nur nochmals unterstreicht, worum es hier geht: Auch die Moderatoren wurden dafür abgestraft und vom Turnier entfernt. Und dazu kann man nur sagen: Viel chinesischer wird es nicht mehr. Nicht nur der Dissidenten wird abgestraft, sondern auch diejenigen, die mit ihm assoziiert sind, um ein Exempel zu statuieren. Genau das treibt China mit ihrem Sesamite Score voran: Du musst dich nicht nur richtig verhalten, du darfst auch keinen Kontakt haben mit Leuten, die sich falsch verhalten.

Jedes Abweichlertum muss augenblicklich aus der kollektiven Erinnerung getilgt werden. Zu behaupten, das hätte nichts mit China zu tun, ist angesichts der gefeuerten Moderatoren lachhaft: Du sollst Angst davor haben, jemand in deinem Umfeld verhält sich nicht konform. Blizzard beteiligt sich hier an der ultimativen Dystopie.
Also das wird aber wohl auch etwas falsch dargestellt. Ich habe mehrfach gehört die Moderatoren hätten kurz vorher etwas wie "Sage die 6 Wörter" gesagt, waren also wohl zumindest teilweise eingeweiht was kommen wird. Da ihnen sicher klar war, dass Blizzard solche Aussagen während einer Übertragung so nicht wünscht kann ich verstehen, dass auch dies Konsequenzen hat. Zumindest wenn diese Aussage so stimmen sollte.

Jon Zen hat geschrieben:
12. Okt 2019, 07:00
Was ich erschreckend finde an diesem Vorfall, ist dass wir wieder sehen, dass wenn ein Land eine Zensur vollzieht und gleichzeitig autokratisch regiert und wirtschaftlich sehr bedeutend ist, dass dies in eine Teilzensur für die restliche, "freie" Welt mündet.
Ist halt leider die logische Konsequenz von Globalisierung und Kapitalismus. :(

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jesobuild
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von jesobuild » 12. Okt 2019, 14:03

Es scheint so, als wäre der Artikel nicht von J. Allen Brack geschrieben worden, sondern von einem chinesischen Muttersprachler: https://twitter.com/SGBluebell/status/1 ... 8147052544

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Vinter
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Vinter » 12. Okt 2019, 18:29

Kleiner Exkurs: Weil die NBA derzeit einen ähnlichen Shitstorm an der Backe hat, erklärt die New York Times in diesem Podcast mal die Geschichte der NBA in China und den aktuellen Shitstorm. Vieles davon lässt sich 1:1 auf Blizzard übertragen.

Why China Went to War With the N.B.A.

11.10.19 by The Daily

Web player: http://podplayer.net/?id=83656366
Episode: https://dts.podtrac.com/redirect.mp3/rs ... 560728.mp3

A seven-word tweet in support of Hong Kong’s antigovernment protests by Daryl Morey, general manager of the Houston Rockets, triggered a furor in both China and the United States. The ensuing controversy revealed the unspoken rules of doing business with Beijing. Guest: Jim Yardley, the Europe editor of The New York Times and author of “Brave Dragons: A Chinese Basketball Team, an American Coach, and Two Cultures Clashing.” For more information on today’s episode, visit nytimes.com/thedaily. Background coverage: An exhibition game between the Los Angeles Lakers and the Brooklyn Nets in Shanghai this week was nearly canceled because of China’s dispute with the league. At the game, even longtime fans said they would choose patriotism over the N.B.A. President Trump declined to criticize China’s handling of the controversy, instead opting to publicly condemn two basketball coaches who have spoken out against him in the past.

Voigt
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Voigt » 12. Okt 2019, 18:46

Glaube bisher wurde es nicht gepostet, daher hier mal der Mitschnitt aus dem Stream:
https://youtu.be/WkhHDzgTcnU

Halt zwar alles in Manderin, aber an Reaktionen schon ablesbar, dass dies von den Shoutcastern nicht groß ernst genommen wurde, wohl anscheinend davor ihn aufgefordert haben die Worte zu sagen, und der Interviewte von Anfang an diese Hong Kong Maske aufhatte, und damit klar war was kommt.
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Jon Zen
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Jon Zen » 12. Okt 2019, 20:53

Gonas hat geschrieben:
12. Okt 2019, 10:50
Jon Zen hat geschrieben:
12. Okt 2019, 07:00
Was ich erschreckend finde an diesem Vorfall, ist dass wir wieder sehen, dass wenn ein Land eine Zensur vollzieht und gleichzeitig autokratisch regiert und wirtschaftlich sehr bedeutend ist, dass dies in eine Teilzensur für die restliche, "freie" Welt mündet.
Ist halt leider die logische Konsequenz von Globalisierung und Kapitalismus. :(
Es ist keine Konsequenz des Kapitalismus, weil es auch in anderen Marktformen zum gleichen Resultat kommt. Nur entscheiden bei anderen Systemen andere Entscheidungsorgane über die möglichen Äußerungen.

Es ist auch keine zwingende Konsequenz der Globalisierung, sondern eine mögliche. Unsere Globalisierung unterliegt vielen Regeln ("Handelsabkommen") und unseren Gesetzen. Diese anzupassen, wurde versäumt.

Eben in jenem Fall sehe ich das Versagen nicht in unserem System, sondern dass man die Gefahr der Eigenzenzur nicht mittels Gesetzen aktiv verhindert hat (indem man z.B. verbietet gegen Menschen, Unternehmen oder Organisationen Sanktionen aufzulegen, die für eine Demokratiebewegung in einem autoritär geführten Staat sich einsetzen).
Allerdings hätte ein solches Gesetz historisch viele Feinde: Die westlichen Mächte stärkten nicht umsonst viele autokratische System in Lateinamerika und Afrika, um zu verhindern, dass sie in den Kommunismus abdriften, bzw. in eine Anarchie, weil die Regierung zu schwach durch Minderheitsregierungen, Putchs oder Bürgerkriege wird. Das dies passiert, erleben wir in vielen afrikanischen Ländern (Zentralafrika, Somalia, Eritrea, etc.) oder auch in Syrien.

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Gonas
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Gonas » 12. Okt 2019, 21:05

Jon Zen hat geschrieben:
12. Okt 2019, 20:53
Gonas hat geschrieben:
12. Okt 2019, 10:50
Jon Zen hat geschrieben:
12. Okt 2019, 07:00
Was ich erschreckend finde an diesem Vorfall, ist dass wir wieder sehen, dass wenn ein Land eine Zensur vollzieht und gleichzeitig autokratisch regiert und wirtschaftlich sehr bedeutend ist, dass dies in eine Teilzensur für die restliche, "freie" Welt mündet.
Ist halt leider die logische Konsequenz von Globalisierung und Kapitalismus. :(
Es ist keine Konsequenz des Kapitalismus, weil es auch in anderen Marktformen zum gleichen Resultat kommt. Nur entscheiden bei anderen Systemen andere Entscheidungsorgane über die möglichen Äußerungen.

Es ist auch keine zwingende Konsequenz der Globalisierung, sondern eine mögliche. Unsere Globalisierung unterliegt vielen Regeln ("Handelsabkommen") und unseren Gesetzen. Diese anzupassen, wurde versäumt.

Eben in jenem Fall sehe ich das Versagen nicht in unserem System, sondern dass man die Gefahr der Eigenzenzur nicht mittels Gesetzen aktiv verhindert hat (indem man z.B. verbietet gegen Menschen, Unternehmen oder Organisationen Sanktionen aufzulegen, die für eine Demokratiebewegung in einem autoritär geführten Staat sich einsetzen).
Allerdings hätte ein solches Gesetz historisch viele Feinde: Die westlichen Mächte stärkten nicht umsonst viele autokratische System in Lateinamerika und Afrika, um zu verhindern, dass sie in den Kommunismus abdriften, bzw. in eine Anarchie, weil die Regierung zu schwach durch Minderheitsregierungen, Putchs oder Bürgerkriege wird. Das dies passiert, erleben wir in vielen afrikanischen Ländern (Zentralafrika, Somalia, Eritrea, etc.) oder auch in Syrien.
Ok, kurz gesagt, es ist komplizierter. :D
Das war mir auch klar. Aber stimmt natürlich, es muss nicht unbedingt zu diesem Punkt kommen.

Tom
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Tom » 13. Okt 2019, 06:25

Zwei Dinge erscheinen mir bedenkenswert:

1. Nach meinem Verständnis gibt es keine chinesische Niederlassung von Blizzard oder Activision/Blizzard, sondern Blizzard hat NetEase, einem chinesischen Unternehmen die Lizenz erteilt, ihre Spiele in China zu vermarkten und zu vertreiben (Quelle). Ich würde daher auch stark vermuten, dass die ursprünglich ausgesprochenen Sanktionen von Netease zu verantworten sind, und nun nach Intervention von Blizzard HQ abgeschwächt wurden.

2. Wer das Verhalten als Kuschen vor der chinesischen Regierung interpretiert, liegt damit sicher nicht komplett daneben, übersieht aber, dass die Bevölkerung in China nach einem jahrzehntelangen kometenhaften ökonomischen Aufstieg sehr zufrieden mit der eigenen Regierung ist (Quelle), sich eine größere Rolle von China und chinesischen Werten und Regeln in der Welt wünscht, und nicht unbedingt nach westlicher Demokratie strebt. Äußerungen wie die von Blitzchung werden höchstwahrscheinlich wirklich von vielen Chinesen als beleidigend und inakzeptabel angesehen.

Diskussionfähig finde ich auch, wann von Firmen oder auch Regierungsvertretern erwartet werden sollte, dass sie zur Wahrung von westlichen Werten große Kollateralschäden hinnehmen, nur um ein bedeutungsloses Zeichen zu setzen. Inwieweit darf China erwarten, dass sich ausländische Unternehmen an chinesische Gesetze und Wertvorstellungen halten, und wann ist für eine Westler das Maß des erträglichen Überschritten?

Stuttgarter
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von Stuttgarter » 13. Okt 2019, 10:09

Tom hat geschrieben:
13. Okt 2019, 06:25
2. Wer das Verhalten als Kuschen vor der chinesischen Regierung interpretiert, liegt damit sicher nicht komplett daneben, übersieht aber, dass die Bevölkerung in China nach einem jahrzehntelangen kometenhaften ökonomischen Aufstieg sehr zufrieden mit der eigenen Regierung ist (Quelle), sich eine größere Rolle von China und chinesischen Werten und Regeln in der Welt wünscht, und nicht unbedingt nach westlicher Demokratie strebt. Äußerungen wie die von Blitzchung werden höchstwahrscheinlich wirklich von vielen Chinesen als beleidigend und inakzeptabel angesehen.
Dazu letztlich nur - ja und? Es empfinden auch viele US-Amerikaner als beleidigend, was man über die derzeitige US-Regierung sagen kann. Sollte man es deshalb lassen bzw. unterbinden? Wohl kaum, oder? Solange eine Äußerung nach den Gesetzen des Landes, in dem sie getätigt wird, nicht strafbar ist, darf sie diskutiert, auseinandergenommen, scharf angegangen, verbal angegriffen, sogar als Müll bezeichnet werden. Aber der, der sie getätigt hat, sollte keinerlei Sanktionen erfahren. Oder?

Edit: Klar, das ist jetzt sehr vereinfacht. Wer Firmengeheimnisse verrät oder ähnliches, kann natürlich belangt werden. Ich spreche letztlich schon von dem aktuellen Fall - und da spielt natürlich auch mit, dass Blizz seine Regeln (vermutlich sehr bewusst) sehr schwammig gehalten hat und damit willkürlich Strafen verhängen kann. Vermutlich war dem Betroffenen klar, dass er mit der Äußerung Blizzard verärgert - aber grundsätzlich: Diese Klausel in den Spielerverträgen allein ist eigentlich schon skandalös. Da sie bewirken dürfte, dass alle lieber mal vorsichtshalber den Mund halten, weil man ja nie wissen kann, was Blizz nun gefällt und was nicht.

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philoponus
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Re: Der aktuelle Shitstorm: Folge Blizzard

Beitrag von philoponus » 13. Okt 2019, 10:38

Ich zitiere mal aus dem neuen Technology Newsletter der New York Times zu Thema. Im Original mit Links zu den entsprechenden Artikeln.
Hello, Bits readers, I’m Erin Griffith, a tech reporter filling in from New York. Here’s what happened this past week in tech:

The Chinese government has increased pressure on foreign companies that don’t toe the party line on protests in Hong Kong. That has created a minefield for American companies, Amy Qin and Julie Creswell wrote. First, the National Basketball Association apologized to China after a team executive tweeted support for the Hong Kong protesters. Despite the apology, some Chinese sponsorships, broadcasts and preseason games were canceled.

Then Activision Blizzard, the gaming company, suspended a professional e-sports player for voicing his support for the protesters, saying it damaged the company’s image. The move prompted a vigorous backlash from fans and lawmakers. And a group of Blizzard employees staged a walkout to protest the company’s move.

Chinese media also attacked Apple for approving an app that lets Hong Kong protesters track police officers, leading to calls for a boycott of its products in China. On Wednesday night, Apple said it was withdrawing the app, HKmap.live, from its App Store just days after approving it because the authorities in Hong Kong said protesters were using it to attack the police.

That’s all in just one week. Nike, Tiffany, Riot Games, Marriott, Zara, Delta and many others have also complied with China’s requests.

I should note that one American group was defiant. The television show “South Park” issued a searing mock apology last Monday after it was banned from the country: “Like the N.B.A., we welcome the Chinese censors into our homes and into our hearts. We too love money more than freedom and democracy.” Ouch.

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