The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

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Darkcloud
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Darkcloud » 8. Nov 2019, 18:51

Glibberkeks hat geschrieben:
8. Nov 2019, 16:54

Hier einige Kritikpunkte:

( Schwierigkeitsgrad Normal)
- Das Gunplay empfinde ich, als leidenschaftlicher FPS-Spieler, als unterdurchschnittlich
- Der Grafikstil trifft nicht mein Geschmack, abseits davon ist die grafische Darbietung einfach nicht mehr zeitgemäß
- Die Spielwelt(en) bietet keine Exploration
- Gegnervielfalt ist quasi nonexistent
- Das Craftingsystem wirkt als wäre es eine Altlast und ist komplett irrelevant
- Begleiter sind Abseits von ihrem jeweiligen Skillboost nutzlos
- Die AI ist dumm wie Brot, verfügt aber über einen sechsten Sinn wenn man Loot stiehlt
- Gebäude und Grundrisse sind fast immer identisch. Es wirkt fast so als hätte Obsidian nur 5 Grundrisse entworfen.
- Begleiter sind immersionsvernichtend, da sie nie von Feinden wahrgenommen werden, selbst wenn sie direkt neben ihnen stehen.
Hm bis auf den 1. Punkt vielleicht und die Exploration vielleicht ( die bei Bethesda eher noch schlechter ist, da hat man die paar Orte die es gibt halt noch 10 mal durchs copy paste tool gehauen und leere dazwischen geflanscht)
Naja die Gegnervielfalt ist auch nicht so groß ja, von den Gegnertypen halt in etwa so viel wie in New Vegas aber in nem kleineren Spiel und sie unterscheiden sich voneinander hier auch mehr.
Das Crafting war der Unterschied, der dafür gesorgt hat, das sich deutlich bessere Waffen und Rüstungen hatte. Damit war dann Science auch der eine Skill den ich auf 100 gebracht hab.
Beim Stehlen wurd ich eigentlich nur erwischt wenn wirklich direkt vor mir ein NPC war und auch nur mit komplett direkter Sichtlinie. Konnte problemlos fast alles einstecken.
Meine Begleiter wurden dauernd angegriffen, ich kam deshalb auch zum schluss das ich wenn ichs noch mal auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad Spiel, alleine mach.

Ich kam halt zum Schluss, dass Outer Worlds viel besser ist, als jedes Fallout in dem Bethesda involviert war. New Vegas hatte durch Obsidian gutes Writing, wobei die Fraktionswahl halt echt keine war, da man NCR oder absolut dumme Arschlöcher als Auswahl hatte. Spielmechanisch war es bis auf die echt guten Perks aber halt echt nicht gut und die leere langweilige Welt zwischen den Städten waren halt ne qual, genauso die "Dungeons" in den Städten oder bei den Quests. Begleiter waren so integriert, dass sie auch gar nicht da sein könnten wenn man nicht gerade mit ihnen redet. Sonst waren sie halt ein packesel und Ablenkung für Gegnerfeuer.

Bestätigt halt meine Sicht, das Bethesda am besten nur noch publisht oder noch besser, die IPs verkauft und andere publishen lässt, da sie ja jetzt in Spielen wie Wolfenstein auch GAS -Scheiße einbauen lassen.

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Glibberkeks
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Glibberkeks » 9. Nov 2019, 15:00

Das Crafting war der Unterschied, der dafür gesorgt hat, das sich deutlich bessere Waffen und Rüstungen hatte. Damit war dann Science auch der eine Skill den ich auf 100 gebracht hab.
Genau, die Wissenschaftswaffen sind die einzige Daseinsberechtigung für das Crafting, da man diese ja notgedrungen durch das crafting verbessern muss damit sie überhaupt relevant bleiben.

Ich habe meinen Durchlauf mit dem Fokus auf schwere Waffen gespielt, also schweres MG mit ~10.000 Schuss - jeder(!) Gegner ist innerhalb von 1-2 Sekunden gestorben, wieso sollte ich da Unmengen an Geld reinstecken um vielleicht 0,2sec bei der Time to kill zu sparen?

Bei der Rüstung habe ich überhaupt keinen Unterschied gemerkt. Habe sowohl die Brustpanzerung als auch den Helm auf 100 Armor verbessert, aber da die Gegner idR. wie die Fliegen sterben hätte ich wahrscheinlich auch nackig rumlaufen können :D

All das liegt vermutlich an dem Schwierigkeitsgrad "normal", aber normal sollte das nicht sein.
Beim Stehlen wurd ich eigentlich nur erwischt wenn wirklich direkt vor mir ein NPC war und auch nur mit komplett direkter Sichtlinie.
Vielleicht lag das bei mir auch zum Teil an den zuvor erwähnten Bugs (Objekte wurden nachgeladen) die mich geplagt haben, aber ich wurde auch mehrfach durch eine Wand hinweg beim stehlen erwischt - Also ist bei mir Speichern bevor ich etwas stehle zur Pflicht geworden.
Meine Begleiter wurden dauernd angegriffen, ich kam deshalb auch zum schluss das ich wenn ichs noch mal auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad Spiel, alleine mach.
Touche, im Kampf werden die Begleiter tatsächlich dauernd angegriffen und gehen in Windeseile K.O., deshalb hatte ich auch geschrieben, dass sie nutzlos seien.
Immersionsvernichtend war auf Schleichpassagen oder Tarnmantelmissionen bezogen - das hatte ich nicht gut formuliert ^^
Ich kam halt zum Schluss, dass Outer Worlds viel besser ist, als jedes Fallout in dem Bethesda involviert war. New Vegas hatte durch Obsidian gutes Writing, wobei die Fraktionswahl halt echt keine war, da man NCR oder absolut dumme Arschlöcher als Auswahl hatte. Spielmechanisch war es bis auf die echt guten Perks aber halt echt nichtgut und die leere langweilige Welt zwischen den Städten waren halt ne qual, genauso die "Dungeons" in den Städten oder bei den Quests. Begleiter waren so integriert, dass sie auch gar nicht da sein könnten wenn man nicht gerade mit ihnen redet. Sonst waren sie halt ein packesel und Ablenkung für Gegnerfeuer.

Bei mir ist es das genaue Gegenteil - ich würde (fast) jeden Fallout Teil TOW vorziehen.

Genau den Finger drauflegen kann ich nicht, es sind einfach diese vielen Kleinigkeiten die mich stören und in der Summe das Spiel für mich vermiest haben.

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Vinter
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Vinter » 10. Nov 2019, 00:48

Ich hab nun zehn Stunden und ich merke, wie ich kein Interesse mehr habe. Kein Bock aufs nächste Gespräch, kein Bock auf den nächsten Kampf, kein Bock auf den nächsten Dungeon. Das fühlt sich alles mühselig an. Nicht, weil das Spiel spielerisch mühsam ist, aber weil ich es als Pflicht empfinde.... Und dann muss ich bei Gesprächen aufpassen, die mich nicht interessieren, Kämpfe erledigen, die ich nicht spannend finde, Terminals durchforsten für ein Worldbuilding, das mir egal ist, zwischendurch lange Wege latschen....

Ich hoffe meine Freundin findet es besser, wenn nächste Woche der Patch für die Schriftgröße kommt, sonst waren das echt verschenkte 50€....

imanzuel
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von imanzuel » 10. Nov 2019, 01:26

Uhhh, die erste halbe Stunde in der Wertschätzung / Sonntagsfolge gehört. Was für eine Vernichtung :D Ich fand das Spiel schon nicht wirklich toll und völlig überbewertet, da freut es mich das wenigsten zwei professionelle Stimmen meine Meinung teilen. Aber man kann wirklich davon ausgehen, dass es zumindest bei den GotY-Nominierungen mehrfach vorkommt, schon alleine weil die "Konkurrenz" dieses Jahr eher gering ist.

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Pawuun
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Pawuun » 10. Nov 2019, 08:52

Ich will das jetzt echt nicht weiter ausführen, aber meine Reaktion auf die ersten 45min des Podcasts ist einfach: Boah...ey... Jochen... . In jedem Fall Danke an Andre, der hier beim Spiel bleibt, sich auf die Logik der Spielewelt einlässt und damit das Ganze deutlich sachlicher bespricht.
Ich selbst habe jetzt 11h Stunden gespielt und kann zumindest sagen, dass ich das Spiel nett finde. Mir gefällt das Weltendesign, der Gameplayflow und meine Begleiter sind mir durchaus sympatisch, nicht cool, nicht interessant, aber sympatisch. Heißt, ich habe meinen Spaß mit dem Spiel, aber eine Reihe von Gründen verhindern, dass ich das Spiel so loben würde wie die Presselandschaft. Alles fühlt sich irgendwie klein und reduziert an, die Aufgaben, vor die mich das Spiel stellt, finde ich nicht sonderlich interessant und viele Systeme, wie diese holografische Tarnung, erscheinen mir von der Idee her gut, aber nicht konsequent genug eingebunden.
Die einzige Sache, die mich wirklich stört, ist die Technik. Auf der Xbox One S gibt es regelmäßig Texturladeprobleme, die dazu führen, dass ich am liebsten ohne Begleiter spielen würde. Denn sobald sich diese in Gespräche einbringen, sieht man sie in der ersten halben Sekunde ihre Wortbeitrags ohne Textur, bis die dann nachgeladen ist. Außerdem gibt es zahlreiche Framerateeinbrüche und Texturenachladen in der Spielweilt. Aktuell spiele ich mit Gamepass... sollten noch gute DLCs nachgeschoben werden, kaufe ich mir das Spiel vielleicht nächstes Jahr auf Steam oder GoG in der Goty-Version, mal gucken.Vielleicht lasse ich es aber auch.
Jetzt höre ich aber erstmal weiter und spiele parallel New Vegas am PC. :whistle:

ClintSchiesstGut
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von ClintSchiesstGut » 10. Nov 2019, 09:07

Danke an Andre und Jochen für den wirklich guten Podcast zu dem Spiel.

Auch wenn ich Gefahr laufe, jetzt Äpfel mit Birnen zu vergleichen, aber ich habe gestern, zum 1. Mal, The Sinking City gespielt und war richtig froh, wie
A. toll und atmosphärisch die 'deutschen' Dialoge sind und
B. wie mich The Sinking City - trotz mauem Gameplay - von der Geschichte mehr bindet (in der Stadt herum zu laufen + stimmige Dialoge).

Da spüre ich persönlich bei The Outer Worlds fast gar nichts gegen und der Vergleich von Jochen mit dem 'Witz', finde ich sehr passend.

Mir bleibt jetzt nur noch die Option, die Blu-ray PS4 Version von the Outer Worlds dem Konzern zu bringen, der das Spiel verdient - Gamestop. :)
:dance:

Daepilin
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Daepilin » 10. Nov 2019, 09:48

Nja, es is kein perfektes Spiel, beileibe nicht, aber ne ordentliche 7-7.5

Kritikpunkte:
1) Geringer Umfang. Nicht unbedingt die Welt, aber das drumrum. Sehr wenige Waffen/Rüstungen, alle Gebäude sehen irgendwie gleich aus, sehr wenige unterschiedliche gegnertypen.
2) das skillsystem. Bzw genauer das perksystem. 3/4 sind stink langweilig
3) Schwieirgkeitsgrad. Auf Hard viel zu einfach. Das jetzt künstlich schwerer machen mit Supernova, ne danke. Permanent companion death klappt nich, dafür sind die companions viel zu dumm und defensiv schwach auf der Brust.

Dialoge find ich voll okay, wenn auch etwas ausschweifend, aber dafür gibt's ja n skip button ;)
Story bisher okay, Grafik okay

dr.denton
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von dr.denton » 10. Nov 2019, 11:02

Bin gerade am Hören eurer Folge und mir fallen zwei Dinge ein, die ich sehr dringend unterbringen möchte:

Die sog. "Hufeisentheorie" geht davon aus, dass "Linksextremismus" und Rechtsextremismus strukturell ähnlich seien und sich in den stärksten Ausprägungen annähern. Eigentlich sollte es Hufeisenthese heissen, denn diese angebliche Theorie beruht auf eigentlich genau nichts, bzw. vorwiegend auf den Ressentiments irgendwelcher selbsterklärter "Konvervativer", die gerne Faschismus und Rechtsextremismus verharmlosen und rechtfertigen, indem sie beharrlich eine angebliche Bedrohnung von links konstruieren.

Dass die Plakate in dieser Form gewähnt wurden, sehe ich eher als pragmatische Entscheidung - denn in unserer westlichen Welt lässt sich Totalitarismus ästhetisch kaum besser vermitteln. Mit konkreten politischen Ideologien dürfte das wenig zu tun haben. Vielleicht ein bisschen wie der sehr freie Umgang mit Nazisymbolik in Asien.

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Puschkin
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Puschkin » 10. Nov 2019, 11:21

dr.denton hat geschrieben:
10. Nov 2019, 11:02
Bin gerade am Hören eurer Folge und mir fallen zwei Dinge ein, die ich sehr dringend unterbringen möchte:

Die sog. "Hufeisentheorie" geht davon aus, dass "Linksextremismus" und Rechtsextremismus strukturell ähnlich seien und sich in den stärksten Ausprägungen annähern. Eigentlich sollte es Hufeisenthese heissen, denn diese angebliche Theorie beruht auf eigentlich genau nichts, bzw. vorwiegend auf den Ressentiments irgendwelcher selbsterklärter "Konvervativer", die gerne Faschismus und Rechtsextremismus verharmlosen und rechtfertigen, indem sie beharrlich eine angebliche Bedrohnung von links konstruieren.
Ich musste sehr schmunzeln über Jochens Wiedergabe der Theorie.
Der Ideengeschichtliche Vorgänger nennt sich auch Totalitarismustheorie.
Von den Anhängern wird Kapitalismus/Marktwirtschaft/Liberalismus/Freie Gesellschaft (nach Herrn Popper)eigentlich unhinterfragt in eins gesetzt. Als der Gute Gegensatz zu Faschismus und Kommunismus.

Irgendwie "lustig" dass die Volksrepublik China quasi auf dem Weg zum superkapitalistischen Staat ist.
Do not play devil’s advocate unless you have passed the bar
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Corvus
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Corvus » 10. Nov 2019, 11:29

Puh dass war schon ein ziemlicher Verriss von euch beiden, aber je länger ich drüber nachdenke muss ich zugeben, dass ihr nur sehr viele valide Punkte hattet.

Klar die Jubelwertungen des Spiels kann ich einfach nicht verstehen, aber nach dem Durchspielen (siehe frühere Posts) fand ich mich recht gut unterhalten und habe dem Spiel seine untere 80, die es ja von einer GS bekommen hat absolut gerechtfertigt. Der immer-selbe Witz hatte mich scheinbar nicht so sehr angeödnet wie Andre oder genervt wie Jochen, aber dennoch zitiert ihr die beiden einzigen Stellen von diesem Witz die mir nach einer Woche nicht spielen noch im kopf rumschwirren. :? Viel mehr ist da auch nicht mehr, während ich manche Sachen von NV immer noch im Kopf habe. :think:

Auch die leeren Welten hat Andre sehr treffend beschrieben, am Ende war es bei mir auch ein "Reise zum Planten, Ab zum nächsten Schnellreise Punkt, hinlaufen durch eine leere Welt zum Marker.".

Es scheint ja doch so zu sein, dass Obsidian den Wegganng von Chris Avellone nicht so gut weggesteckt hat wie gedacht, ich bin mal gespannt was sie jetzt als Microsoft Studio auf die Beine bringen.
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Scurgo
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Scurgo » 10. Nov 2019, 12:06

Eure Outer Worls Erfahrung spiegelt exakt meine Borderlands 3 Erfahrung wieder. Enttäuschung auf ganzer Linie und völliges Unverständnis wie man das so gut finden kann.

Phazonis
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Phazonis » 10. Nov 2019, 15:26

dr.denton hat geschrieben:
10. Nov 2019, 11:02
Dass die Plakate in dieser Form gewähnt wurden, sehe ich eher als pragmatische Entscheidung - denn in unserer westlichen Welt lässt sich Totalitarismus ästhetisch kaum besser vermitteln. Mit konkreten politischen Ideologien dürfte das wenig zu tun haben. Vielleicht ein bisschen wie der sehr freie Umgang mit Nazisymbolik in Asien.
Naja ich fände das schon interessant, wenn man sich da motivisch sehr an kommunistischen Plakaten abarbeitet, weil sagen wir es mal so Propaganda funktioniert überall weitest gehend gleich. Der amerikansich Onkel Sam laut verkündet "I want you", das nazistische Plakat "Kauft nicht bei Juden" oder eben das kommunistische "Alle Macht den Arbeitern" haben natürlich einen anderen ideologischen Unterbau, aber alle haben gemein, dass du doch bitte nicht über die Aussage nachdenken sollst, sondern sie dich emotional schnell abholen und zur Tat / zur Zustimmung bringen wollen.
Deshalb sehe ich da kein Problem auch andere Plakate zu wählen und dann halt umzuschreiben. Ich meine selbst wenn das Ziel war wir wollen uns nur totalitäre Popaganda vornehmen: die gibts auch unter rechts, also könnte man sich auch derren Propaganda und Propagandaästhetik bedienen.

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NeverDieTwice
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von NeverDieTwice » 10. Nov 2019, 16:11

Zum Podcast: Einfach nein. Bei fast jedem angeführten Punkt würde ich widersprechen oder 3 Beispiele aus der jüngeren Podcast-Spielegeschichte anführen, um die Aussagen zu relativieren.
Ich kann mir die Diskrepanz nur so erklären, daß ich bei TOW bewusst alles ignorierte oder niederschoss was nach Langeweile oder schlechten Dialogen aussah und dass ich die fantastischen Wissenschaftswaffen für das Gunplay verwendete.

Nur noch eine Herzensangelegenheit:
Das Ceasar's Legion in FO:NV zu einem moralischen Diskurs führen könnte, der auch nur eine Sekunde nach ihrer ersten Begegnung mit dem Spieler in Primm anhält, halte ich für ein Gerücht. Trotz dem mittlerweile 6-ten Durchgang von FO:NV bieten die genau so, wie ehrlich gesagt alle Fraktionen des Spiels, wenig Bemerkenswertes. Die Mojave ist als solche einfach schön und man ist froh wenn da ein paar Menschen rumlaufen, die vom Stil halbwegs ins Bild passen. Zu mehr taugen die aber wirklich nicht. Und bitte jetzt nicht wieder die raumfahrenden Ghoule, die Kings oder die White Glove Society anführen. Da war mMn die Idee deutlicher spannender als die letztliche Umsetzung. Wenn man das Budget von TOW jetzt nochmal verdoppelt hätte und den Textern freie Hand gelassen hätte, wären die auf ähnlich skurile Ideen gekommen. Das man massenweise weirde Fraktionsschemata raushauen kann, stellt für mich dennoch keine gute Geschichte, gutes Writing oder gar auch nur ein moralisch interessantes Analyseobjekt dar.

AGmilky
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von AGmilky » 10. Nov 2019, 16:41

Ich finde wirklich nicht, dass man sich in dem Spiel hauptsächlich über die Dummheit von Leuten lustig macht.

Klar, die Sheeple dienen oft als Opfer des Humors, aber das Spiel macht auch immer wieder klar, dass sie Opfer aus einer Zwangslage heraus sind, und nicht zwingend weil sie zu blöd sind sich zu wehren.

Beste Beispiele dafür sind, dass ja selbst diejenigen, die offen rebellisch sind, aus purem Pragmatismus es sich trotzdem wirtschaftlich nicht leisten können sich komplett vom Vorstand abzukapseln:
  • Eine Stadt/Firma versucht einen humaneren Kapitalismus zu etablieren, wird vom Vorstand ausgeschlossen/isoliert, und will aber in dem Vorstand zurück um ihn von innen zu verändern.
  • Die Bewohner des "Stadtschiffes" hassen den Vorstand, brauchen aber den Handel mit ihm
  • Und selbst in der Anfangslocation wirkt ein Kompromiss zwischen Rebellen und Vorstand wie die sinnvollere Lösung
Unter dieser Prämisse zu erwarten, dass die einfache Arbeiterbevölkerung rebellisch und aufgeklärter ist und das Nichtvorhandensein dieser Eigenschaften auf Dummheit zurückzuführen ist einfach nur falsch.
Zuletzt geändert von AGmilky am 10. Nov 2019, 17:06, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von derFuchsi » 10. Nov 2019, 16:50

Hab die Folge noch nicht gehört und traue mich auch nicht so recht nachdem was ich hier so lese :?
Vermutlich werde ich bloß auf Fehler und Ungereimtheiten aufmerksam gemacht die mir bisher kaum auffielen oder mir nichts ausmachten. Aber wie das dann so ist, wenn man es einmal wahrgenommen hat kann man es nicht mehr ungesehen machen :shifty:
Dass Jochen als Fallout NV Fan das Spiel nicht gut findet war mir aber vorher schon klar. Ich hab FNV allerdings nie gespielt.
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Heretic
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Heretic » 10. Nov 2019, 17:31

Ich habe gerade den Podcast gehört und kann nur von vorne bis hinten zustimmen. Und ich dachte schon, mit mir würde etwas nicht stimmen, als ich "The Outer Worlds" nach drei Stunden (!) zu den Akten gelegt und stattdessen "Blair Witch" und "Vampyr" gespielt habe. Trotz Kosten von exakt 0 € dank zweiwöchigem Gratisabo des Microsoft Game Pass. Leicht genervte Gleichgültigkeit - das dürfte das Gefühl am besten beschreiben, das ich von der ersten Minute an empfunden habe. In dem Spiel ist alles so egal, es langweilt einfach nur. Dagegen war "Elex", das ich zuvor über 100 Stunden lang gespielt habe, eine Meilenstein an Immersion und Anspruch. Und das hat wahrlich keine vor Originalität oder Wortwitz strotzende Story. Dafür aber forderndes Gameplay und eine erstklassig designte Welt.

Noch eine Anmerkung zum Podcast selbst: Die ersten 45 Minuten empfand ich als sehr anstrengend und redundant, als Jochen zum gefühlt fünfzigsten Mal auf der Dummheit der Bevölkerung herumgeritten ist. Einmal erwähnen hätte gereicht. ;)

Phazonis
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von Phazonis » 10. Nov 2019, 17:50

NeverDieTwice hat geschrieben:
10. Nov 2019, 16:11
Zum Podcast: Einfach nein. Bei fast jedem angeführten Punkt würde ich widersprechen oder 3 Beispiele aus der jüngeren Podcast-Spielegeschichte anführen, um die Aussagen zu relativieren.
Dann leg doch los. Hier wird dich niemand aufhalten wenn du höflich bleibst.
NeverDieTwice hat geschrieben:
10. Nov 2019, 16:11
Nur noch eine Herzensangelegenheit:
Das Ceasar's Legion in FO:NV zu einem moralischen Diskurs führen könnte, der auch nur eine Sekunde nach ihrer ersten Begegnung mit dem Spieler in Primm anhält, halte ich für ein Gerücht. Trotz dem mittlerweile 6-ten Durchgang von FO:NV bieten die genau so, wie ehrlich gesagt alle Fraktionen des Spiels, wenig Bemerkenswertes. Die Mojave ist als solche einfach schön und man ist froh wenn da ein paar Menschen rumlaufen, die vom Stil halbwegs ins Bild passen. Zu mehr taugen die aber wirklich nicht. Und bitte jetzt nicht wieder die raumfahrenden Ghoule, die Kings oder die White Glove Society anführen. Da war mMn die Idee deutlicher spannender als die letztliche Umsetzung. Wenn man das Budget von TOW jetzt nochmal verdoppelt hätte und den Textern freie Hand gelassen hätte, wären die auf ähnlich skurile Ideen gekommen. Das man massenweise weirde Fraktionsschemata raushauen kann, stellt für mich dennoch keine gute Geschichte, gutes Writing oder gar auch nur ein moralisch interessantes Analyseobjekt dar.
Zugegeben auch F: NV war da jetzt nicht so viel besser hat aber vieles geschickter gemacht. Die berühmten Beispiele die du da bringst wie eben die White Glove Society sind jetzt eerzählerisch nicht viel besser, aber spielerisch sehr unterschiedlich start und lösbar. Bei dem genannten beispiel macht es zum Beispiel allein schonmal einen Unterschied bei wem du die Quest annimmst, von weiteren Abweichungen durch skillchecks un ähnliches mal abgesehen.
Ebenso mit den Fraktionen wie eben Ceasar's Legion: Klar die ist auch nur eine klischeetypische Faschismus Fraktion und wurde auch nicht sehr viel weiter ausgemalt, aber es war eben nur eine von vielen. Daneben war eben NCR und Mr. House die als andere Fraktionen auch andere Ideologien etwas abbilden sollen. Wenn du da mehrere beleuchtest kommst du halt vielleicht auch davon wenn die einzelne Betrachtung etwas oberflächlich ist und bleibt, wenn du aber wie offensichtlich TOW dir ein Witschaftssytem mit entsprechender Ideologie nimmst, dann muss halt deine Darstellung/Kritik um einiges besser sein.

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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von rekuzar » 10. Nov 2019, 19:09

War ja grade wegen der stark konträren Meinung zu meiner eigenen gespannt auf die Schilderungen von Jochen und André aber die Ausführungen.. hm. Wo André spürbar neutraler an die Sache heran gegangen war, merkte man bei Jochen doch seine große Enttäuschung und die damit verbundene "starke" Meinung zu dem Spiel an.

Ich hatte das Gefühl, seine Meinung hatte recht schnell einen point of no return überschritten und sah von nun an alles nur noch aus diesem möglichst negativem Blickwinkel, ohne sich überhaupt auf die Rahmenbedingungen, die die Welt dieses Spieles setzt, einzulassen. Grade seine Interpretation, dass das Spiel sich für über die dummen einfache Leute lustig macht, was man ja "garnicht anders schlussfolgern kann" empfand ich als nicht nachvollziehbar.

Gegenbeispiele wurden im Thread ja nun schon teilweise genannt. Aber auch dieses Podest auf das man selber gehoben wurde, existiert so im Spiel nicht. Ja, die Erde hatte mit der Hope viele kluge Köpfe mitgeschickt aber der Knackpunkt war, dass diese noch nicht vom Vorstand indoktriniert und verdorben wurden. Das wird auch mehrmals im Spiel so benannt. Es geht viel mehr um die wissenschaftlichen Freigeister, die so nicht mehr in der Kolonie existierten. In vielerlei Hinsicht hatte ja eher eine Rückentwicklung in der Kolonie stattgefunden, die auch das obere Management nicht aufhalten konnte (soviel zu dem Punkt, dass wären die Intelligenten in dieser Konstellation).

(Achtung Spoilerblock)
Alleine die erste große Entscheidung auf Terra 2 empfand ich als durchaus schwierig. Einerseits wollte ich mich nicht auf die Konzernseite schlagen und damit dieses kranke System noch stützen.. andererseits waren die Rebellen gefühlt relativ planlos und die Anführerin zu sehr auf ihren Groll versessen. Das war für mich keine Entscheidung "dumm gegen dumm" sondern eben 2 Fraktionen, die beide nicht ideal waren. Ich habe damals etwas gecheatet und beide Varianten durchgespielt. Grade interessant fand ich da aber die Figur des Stadthalters, der trotz seiner höheren Position und seinem Glauben an dieses System kein schlechter Mensch war und ich einen bitteren Nachgeschmack hatte, als ich das letzte Gespräch mit ihm führte (nachdem ich mich zuvor gegen die Stadt entschieden hatte).Gleichzeitig konnte ich den persönlichen Hass (Tod des Sohnes) der Rebellenanführerin durchaus nachvollziehen, jedoch schien sie in gewisser Weise das Richtige aus teils falschen Gründen zu wollen. Das einzig etwas enttäuschende war dann, dass es doch den einen optimalen Weg gab, wenn man sich zunächst für die Stadt entscheidet und anschließend den Kompromiss aushandelt. Und dann natürlich die total bekloppte Auflösung des Ursprungs der Seuche und dessen Lösung, die ich sehr amüsant fand. Generell schafft das Spiel trotz seiner überdrehten Prämisse (die mir auch nie sauer aufgestoßen ist oder gar ermüdend wurde) trotzdem oft Graustufen zu schaffen und eben nicht nur Schwarz und Weiß.
Beim Vorstand selber leider war das nicht der Fall. Das ich am Ende dazu genötigt werde, Edgewater auszulöschen, wenn ich wirklich auf ihrer Seite stehen will, war dann zu viel des Bösen. Da hatte ich doch gehofft, dass mir das Spiele ihre Position etwas schmackhafter macht.

Mir würde jetzt noch recht viele nette Anekdoten und tolle Momente aus dem Spiel einfallen aber ich denke mal der Punkt "hab ein komplett anderes Spiel gespielt / alles komplett anders wahrgenommen" ist wohl mit einem Textblock deutlich genug raus gekommen. In Sachen Balance und Technik teile ich durchaus einige Kritikpunkte, wo ich aber aufgrund der positiv empfundenen Seiten ganz gut drüber weg sehen kann.
Bleibt nur zu sagen, dass es interessant war zu hören, wie stark die beiden das Spiel abgekanzelt haben, was ich persönlich als mein Highlight dieses Jahres sehe. Und auch weit vor einem Fallout 4 bzw. generell jedem Bethesda Rollenspiel (die ich trotzdem sehr als guilty pleasure schätze!). Werde es bei Zeiten, dann hoffentlich mit kommendem DLC, sicher nochmal auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad spielen.

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NeverDieTwice
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von NeverDieTwice » 10. Nov 2019, 19:59

Phazonis hat geschrieben:
10. Nov 2019, 17:50
Dann leg doch los. Hier wird dich niemand aufhalten wenn du höflich bleibst.
Ich denke das verrennt sich zu sehr in Detaildiskussionen :lol: . Ich stimme mit der Gesamtrezeption schon nicht ganz überein. Vielleicht ist das der Grund für mein Unbehagen bei diesem Podcast.
Phazonis hat geschrieben:
10. Nov 2019, 17:50
Wenn du da mehrere beleuchtest kommst du halt vielleicht auch davon wenn die einzelne Betrachtung etwas oberflächlich ist und bleibt, wenn du aber wie offensichtlich TOW dir ein Witschaftssytem mit entsprechender Ideologie nimmst, dann muss halt deine Darstellung/Kritik um einiges besser sein.
Da würde ich schon Zweifel anführen, ob das tatsächlich weiter ausdefiniert werden muss. Gerade die Kritik am Kapitalismus ist auf filmischer Seite so ausgetreten, dass ich über die oberflächliche Behandlung des Themas sehr froh war. Ich möchte hier nicht zum wiederholten Male den Konflikt von einer Frau und ihrem Kind erleben, dass sich keine Medikamente leisten kann und dann gezwungen ist Tag und Nacht zu arbeiten. Auf der anderen Seite dann der Manager, der davon profitiert und feiert und so weiter und so fort... Man darf mMn also als genau so gegeben ansehen, wie das Vorwissen eines Marvel-Filmzuschauers bei dem letzten Avengers-Film, ohne alles künstlich breitzutreten.

Gerade das wird in dem Spiel doch ganz clever gemacht. Man bekommt mit wenigen Pinselstrichen und Charakteren doch recht schnell ein Bild davon, wie die Gesellschaft und das System dort funktioniert. Damit gibt sich das Spiel dankenswerter Weise nicht ab, sondern konzentriert sich eher auf die Ambivalenz des Systems. So ist z.B. der Manager der "Thunfisch"-Fabrik, auf der ersten Welt, selbst ein armer Wurm der nur Anweisungen befolgt, dabei selbst jedoch ernsthaft an die Vorteilhaftigkeit dieses Systems glaubt (Hinweis: Der Mann hat auch ein verschlossenes Büro!). Das ist keine Utopie und in den Dialogen wird schnell klar, dass er sich durchaus der Nachteile dieses Systems bewusst ist.

Man bedenke: Seine Kolonie ist weitestgehend sich selbst überlassen, die Vorräte reichen selbst wenn alle mit anpacken, nicht für alle aus. Darüber hinaus sind Spezialisten für die Nahrungsmittelversorgung, die das Problem beheben könnten, aus der Gemeinschaft ausgetreten und machen nun wer weiß was hinter einem aktiven Vulkan. Welch eine Verschwendung und ich an seiner Stelle, wäre auch angefressen, wenn das Überleben der Kolonie, der dortigen intellektuellen Elite so egal wäre. Jochen beobachtete bereits richtig, die Einwohner sind Idioten und die wenigen, welche tatsächlich über überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten verfügen (den Manager meine ich damit nicht), stehen nicht für die Gesellschaft ein. Man darf hinzufügen, der Spieler als Teil dieser Elite, steht für die Gesellschaft dieser kleinen Kolonie ebenso wenig ein.

Das Ganze wird noch unterstrichen, durch das zugegebenermaßen extrem schwache Writing der Anführerin der Rebellen. Es wird nicht ganz klar was Sie dort überhaupt vorhat und was Ihr Problem mit der Gesellschaft ist. Klar sind die Arbeitsschutzbedingungen in der Kolonie karikatisiert und unzureichend. Sie selbst sagt im späteren Verlauf jedoch auch, dass Sie die Kolonie nicht versorgen könnte und ggf. Flüchtlinge aus der Stadt abweisen wird. Der "Thunfisch-Fabrik"-Manager andererseits ist bereit Verantwortung für seine Vergangenheit zu übernehmen und die Rebellen ohne weitere Repressionen wieder bei sich aufzunehmen. Man könnte auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht sagen, er versucht den Gesamtnutzen seiner Kolonie (wozu auch das Überleben der Gemeinschaft zählt) zu maximieren, während die Rebellen auf der anderen Seite, entgegen Ihres blumigen Peace-Geblubbers, vorzugsweise ihren persönlichen Nutzen erhöhen wollen. Gefrei dem Motto: Hauptsache mein eigenes Gewächshaus hat Strom. Diese Kontroverse entspricht in Ihrem Kern Diskussionen die auch in der Realität geführt werden. Die Macht des Marktes (Neo-Liberalismus nach John Maynard Keynes), d.h. die Maximierung des Gesamtnutzens der Gesellschaft durch die maximale egozentrische Sichtweise jedes einzelnen Marktteilnehmers gegen Friedrich Hayek, welcher eine starke Rolle des Staates (Staat = Kapitalgesellschaft in diesem Spiel) in bestimmten Situationen präferierte.

Wenn ich dem Spiel in diesem Story-Akt etwas vorwerfen will, dann jedoch genau hier: Die Antagonistin des Managers zeigt außer ihrem persönlichen Groll absolut nichts, was Ihre Denkweise überzeugend rechtfertigen würde. Klar, soll jeder so leben können wir er will, aber wenn es um Leben und Tod geht, sind solche Bedürfnisse reiner Luxus. Das sind ähnliche Diskussionen wie sie momentan ja auch von der AFD und den klassischeren Parteien geführt werden. Die einen möchten gerne Ihre eigene Familie / Haut schützen und selbst eine verschwindend geringe Chance von Gewalttaten durch Flüchtlinge nicht riskieren. Die klassischeren Parteien verfolgen ein eher globalisiertes / europäisches Weltbild und begreifen die Probleme der Flüchtlinge, als Ihre eigenen. Dass das Spiel trotz der geringen Dialogtiefe solche Überlegungen hergibt, zeigt doch ganz wunderbar dass die Darstellung des Kapitalismus dort ganz gut funktioniert hat und sich nicht verstecken braucht. Fallout traut sich hier durchweg nur sehr selten in diese politischen Gefilde und verbleibt vielerorts in Detaildiskussionen stecken. TOW versucht sich eher an einer deutlich schwieriger nachvollziehbaren, aber auch einfach schwerer zu vermittelnden Meta-Diskussion.

Ich gebe gerne zu dass das Spiel hier einen nicht bei der Hand nimmt und man muss schon aktiv über die Problematiken dort nachdenken, um erstens Probleme überhaupt identifizieren zu können und zweitens informierte Entscheidungen treffen zu können. Das mag an dem geringen Budget liegen oder einer absichtlichen Reduktion auf das Wesentliche durch Obsidian. Das Spiel jedoch auf einer rein humoristischen Ebene zu beurteilen ("zünden die Witze in den Dialogen?") oder zu überprüfen, ob die Dialoge unmittelbar einen starken Grundkonflikt entwickeln ist hier mMn zu kurz gegriffen. Das Spiel gibt genau wie Fallout NV einen wunderbaren Grundrahmen her, eine Art Tapete her, auf dessen Nährboden sich spannende Entscheidungen ergeben können. Möchte man das Spiel als Kapitalismuskritik begreifen, so wird das Spannungsfeld zwischen verschiedenen ökonomischen Glaubensrichtungen deutlich, dem Verhältnis von Einzelpersonen zum Staat und zu Unternehmen, sowie der Bedeutung / Legitimation des persönlichen Eigentums in diesen Welten. Das Spiel gibt je nach Fokussierung des Spielers / Charakterausgestaltung und Entscheidung so viel Interpretationsstoff, dass er mir schwer fällt dies als schlechtes Darstellungsobjekt des Kapitalismus anzusehen. Andere Spiele schaffen das mMn längst nicht auf diesem Niveau und gerade ein Horizon Zero Dawn, rückt diese Probleme deutlich weiter in den Hintergrund (auch zeitlich gesehen). Das Problem was ich hier zugestehen würde ist eher: man kann das als reines Freizeitvergnügen auch vollkommen ignorieren / verpassen, wenn man durch die Dialoge einfach durchreitet.

Es ist nun mal kein Fallout, da es von seiner Thematik vielerorts sehr viel komplexer ist (und unangenehm nah an aktuellen politischen Begebenheiten) und auch kein Horizon Zero Dawn (das thematisch vor allem technologische Kritik äußert und den Menschen eher als zwangsläufiges Opfer sieht). Aber alle Puzzle-Teile sind an seinen Platz und ich persönlich haderte mit sehr vielen der Entscheidungen, die ich dort getroffen habe und war dementsprechend emotional involviert, als dessen Auflösung am Ende des Spiels eintraf.

Das nur als kleiner Einwand bezüglich der vorgeworfenen schwachen idiologischen Darstellung des Spiels. Mit weiteren Beispielen die z.B. die mMn sehr fantastische Rolle des "Mond"-Mannes betreffen, möchte ich an der Stelle aber nicht weiter langweilen.
(Update: Ach Mist, vllt. doch ganz kurz :lol: :lol: ): Dieser stellt ganz wundervoll die derzeitige Arbeitssituation vieler Mitzwanziger in Konzernen auf dieser Welt dar. Wenn auch etwas überzogen, empfinde ich den Charakter und seine Beweggründe als herausragend ausgearbeitet. Das Argument, dass das Spiel sich rein über diesen Mann lustig macht, greift auch hier zu kurz. Etwas abseits von dem Mann lässt sich ein Terminal finden, in dem er seiner Mutter schreibt bzw. schreiben will, was er gerade tut.
Bild
Ein Spannungsfeld zwischen den eigenen Ambitionen, der Corporate Identity und dem schlichten Bedürfnis nach Bedeutung in seinem Leben ist hier sicherlich reinzulesen. Erneut: Ich finde mich oder viele meiner Bekannten durchaus in diesen Dialogen wieder. Der Humor ist da und oberflächlich gesehen, dass entscheidende Merkmal dieses Charakters. Das ist jedoch wie so oft in diesem Spiel nur der Versuch ein Übertragungsmedium zu schaffen und tiefer greifende Konzepte erfahrbar zu machen. Der Charakter wird ernst genommen und das Lachen bleibt einem bei näherer Betrachtung eher im Halse stecken. Nicht weil das Spiel sich lustig macht, sondern weil man ernsthaft eine Art intrinsisches Mitleid für die Lebenssituation der armen Seele bekommen kann. In dem Sinne empfand ich ähnliches tiefes Mitleid mit dieser Gestalt, wie z.B. auch mit einer Cass aus FO:NV.
Inwiefern das beim Spieler ankommt, scheint jedoch stark von der persönlichen Vita abzuhängen und wer die Kapitalismuskritik lieber ausdifferenziert, auserklärt bekommen möchte, erscheint mir tatsächlich besser mit einem Film bedient. Das die Charaktere nicht durchgängig ihre Motivation auf der Zunge tragen, empfinde ich als angenehm realistisch. Der Staplerfahrer im Amazon-Lager ist mit unter auch nicht in der Lage, mir sein Leben innerhalb von 3 Sätzen auf den Punkt zu bringen bzw. das überhaupt zu wollen. Warum dann immer eloquente Dialoge von Spielcharakteren gefordert werden, wundert mich sehr.

Das alles ändert aber auch nix daran, dass der Horizon Zero Dawn Podcast, eine meiner Lieblingsfolgen ist und die Bewertung der Beiden von TOW völlig legitim. Mich ärgerte nur diesmal der Verriss ohne ein stärkeres Gegengewicht etwas (mag Sebastian das Spiel vielleicht? Sonst iwer? Hallo? Hilfe? Echo. Echo! :lol: ). Von dem Gameplay, dass auf höheren Schwierigkeitsstufen ( von Anfang an ) durchaus herausfordernde Passagen bereithielt, fange ich gar nicht erst an. Ebenso das Crafting, welches durch entsprechende Skillung mit den Wissenschaftswaffen erst ihr volles Potential entfaltet. Die Doktorin als Begleiterin, bekommt im späteren Verlauf eine ebenso interessante Backstory verpasst. Das hier insgesamt mehr Dialogzeilen nötig gewesen wären, um eine engere Bindung zum Spieler herzustellen ist klar, aber auch kein völliger Beinbruch. Da gab's schon schlimmere *hust* z.B. in Kotor 1 *husthust*.

Liebe Grüße
Zuletzt geändert von NeverDieTwice am 10. Nov 2019, 21:57, insgesamt 4-mal geändert.

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schmatzler
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Re: The Outer Worlds - Fallout: New Vegas als Science-Fiction-Comedy

Beitrag von schmatzler » 10. Nov 2019, 21:44

Ich bin seit gestern Vormittag dran, das dürften also so ungefähr 20 Stunden sein.

Mittlerweile bin ich zwar nicht mega enttäuscht von dem Spiel, aber etwas genervt. Ich habe - wenn man der Navigationskarte nach geht - die Hälfte der Planeten abgegrast und bin völlig overpowered. Die Gegner fallen wie die Fliegen und selbst wenn ich sekundenlang angeschossen werde, ändert sich kaum etwas an meiner Healthbar. Vom Gefühl her ist das Gameplay völlig ausgeschöpft und jetzt heißt es nur noch stundenlang Missionen abackern.

Ich fand den Einstieg des Spiels sehr spannend, die erste Begleiterin ist auch meine Lieblingsbegleiterin, von der ich alle Nebenmissionen durchgespielt habe und die mir auch sehr viel Spaß gemacht haben. Die anderen Companions interessieren mich allerdings nicht die Bohne - der Pastor, der nach einem komischen Buch sucht, die Doktorin, die...keine Ahnung was die nochmal macht...und der Idiot, der mir vor meinem Schiff aufgeschwatzt wurde und der quasi nur auf meinem Schiff rumhängt - was ist denn da passiert? Ich habe null Interesse, jemand anderes mitzunehmen als meinen Saugroboter und die Mechanikerin, weil niemand meiner Companions eine ausreichend spannende Backstory bietet, um ihm mal eine Chance zu geben. Das ist sehr schade.

Ein Fallout New Vegas ist das Spiel wirklich nicht - ein 7/10-RPG, was ich nach ein paar Monaten spätestens wieder vergessen haben dürfte.

Eine Sache muss ich allerdings ansprechen: Die Steuerung scheint sehr konsolenoptimiert zu sein. In der Folge wurde angesprochen, dass das Verkaufen so mühsam wäre. Ich spiele das Game mit einem Xbox-Controller am PC und Junk verkaufen ist da eigentlich nur ganz oft A hintereinander zu drücken. Das macht sogar ziemlich Laune, den ganzen Ramsch in einem Rutsch rauszuhauen. :) Immer diese Ewiggestrigen mit der Maus + Tastatur.

Grafisch ist das Spiel zwar kein Vorzeigetitel, aber doch ganz angenehm anzuschauen - und gut optimiert. Es läuft sogar auf meinem Esprimo Office-PC ohne hart zu ruckeln.

Ich glaube, ich quäl mich da das nächste WE noch durch, werde aber die restlichen Nebenmissionen ignorieren. Das Spiel hätte in meinen Augen einen interessanteren Schreibstil und verschiedene Settings benötigt um mich längerfristig zu motivieren - Fallout:NV hat das geschafft. Kaum wurde mir da langweilig, hab ich einfach einen der DLC angefangen - und alleine die Indianerwelt hat mich zwei Tage lang beschäftigt und Bock gemacht. Sowas fehlt bei TOW leider.

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