Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

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Timberfox13
Beiträge: 87
Registriert: 19. Nov 2018, 13:32
Wohnort: Jena

Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Timberfox13 »

Woran erkennt man einen tiefgründigen Podcast?

Daran, daß 1/3 der Zeit erst einmal zur Begriffdefinition genutzt wird!


Hochinteressanter Beitrag und Danke erst einmal an Wolfgang und Prof. Dr. Daniel M. Feige.
Ihr seid wirklich gut aufeinander eingegangen und man (ich) hatte immer den Eindruck, daß sich hier 2 Menschen unterhalten haben, die mit beiden Füßen im Thema stehen.
Ist zwar jetzt nicht unbedingt die Kost für 09-10 Uhr Morgens aber hat Spaß gemacht.

Alleine die oben angeführte Definition der Begrifflichkeiten war in einer Zeit, in der auch mal schnell mit sehr spezifischen Ausdrücken um sich geworfen wird extrem erhellend.

Ich werde mir das Ding aber auf jeden Fall nochmal bei Whiskey und Kerzenschein geben um zu sehen, ob ich das alles so richtig durchblickt hab.

CarZ
Beiträge: 4
Registriert: 9. Nov 2019, 13:47

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von CarZ »

Was für ein großartiger Podcast. Mein The Pod Highlight bislang. Vielen Dank!

Dass ein so tiefes Gespräch zwischen zwei Experten dennoch verständlich und bereichernd für den Zuhörer bleibt, ist echt eine Seltenheit.

Wolfgang ist auch der perfekte Host für diese Art von Auseinandersetzungen!

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Soulaire
Beiträge: 1156
Registriert: 28. Mär 2016, 06:44

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Soulaire »

grandiose Folge. :clap:
leider wird Kunst immer mehr als etwas Privilegiertes und Künstliches in der Gesellschaft gesehen, etwas was im Elfenbeinturm bestimmt wird und alles was es in ein Museum schafft ist dann auch automatisch Kunst. Kunst sollte aber wieder als etwas Positives besetzt werden. Ein Werk, was einem rein gar nichts gibt, kann in meinen Augen auch keine Kunst für diejenige Person sein.

Wenn es um die Kunst-Diskussion bei Videospielen geht, geht es meistens gar nicht um die Kunst an sich. Sie soll nur dem Zweck dienen, das Medium als Kulturgut in der Gesellschaft zu etablieren. Sei es aus persönlichen Gründen (um sich als spielende Person besser zu fühlen, Eitelkeit etc) oder aus wirtschaftlichem Interesse. Und das ist fatal für dieses Medium als Kunst-Form.
Wenn ich mir angucke welche Spiele als Kunst bezeichnet werden, muss ich einfach nur den Kopf schütteln. Ein artsy Art-Style reicht da schon aus damit die "Video-Spiele können auch Kunst sein"-Chöre in der Presse und anderswo ertönen. Oberflächlicher kann man dieses Medium wirklich nicht behandeln.

dadadave
Beiträge: 77
Registriert: 14. Apr 2018, 13:50

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von dadadave »

Die Folge wurde ca. ab Mitte einiges besser, war mein Eindruck, der Einstieg war etwas umständlich und man hatte sich vielleicht im Gespräch auch noch nicht so gefunden. Danach hat's mir gut gefallen und einige wichtige Punkte kamen zur Sprache.

Wer Thief und Dishonored sowie Planescape Torment mag, hat bei mir eh schon einen Felsen im Brett :-)

Wolfgang, falls Du Planescape Torment nachholen möchtest: es gibt da diese Enhanced Edition: habe sie selber nicht ausprobiert, aber könnte ganz angenehm sein, Widescreen-Support, vielleicht besser lesbare Fonts (bei diesem Spiel sehr relevant) etc.

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Oliver Naujoks
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Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Oliver Naujoks »

Nur ein Einzelaspekt, aber mögt Ihr mal sagen (falls die beiden Sprecher hier mitlesen), warum Ihr Daggerfall mal so eben ohne Begründung als unspielbar erklärt habt?

Nur wegen der damals vielen Bugs (was ich noch verstehen könnte)?

In seiner Hardcore-Art der prozeduralen Generierung einer unfassbar großen, weiten Welt ist es bis heute ein Faszinosum. Das war nun sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss und wurde ja nicht umsonst in dieser gigantischen Form nie wieder wiederholt, aber für mich ist das so faszinierend und interessant, dass ich immer noch ein Mal bis mehrfach im Jahr ein paar Stunden in diese Welt dort eintauche. Nach inzwischen fast 25 Jahren.
---
Spielt: MLB The Show 20, Out of the Park Baseball 21, NHL 20, Unavowed, GTA V
Liest: "The Ball is round - the global history of football", David Goldblatt

Wolfgang Walk
Beiträge: 294
Registriert: 8. Aug 2016, 20:11

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Wolfgang Walk »

Die vielen Bugs und das eigentlich nicht kontrolliert steuerbare Kampfsystem waren's bei mir.

Plankster
Beiträge: 98
Registriert: 14. Nov 2018, 21:58

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Plankster »

dadadave hat geschrieben:
26. Mär 2020, 17:12

Wer Thief und Dishonored sowie Planescape Torment mag, hat bei mir eh schon einen Felsen im Brett :-)
Sehr sympathischer Gast, der auch sehr kompetent, aber nicht besserwisserisch, wirkte.

Wolfgang, als Game-Autor darf man Dir das Computerspiel mit der wahrscheinlich besten Story und Spielwelt namens Planescape Torment stark ans Herz legen.

Strohhalm
Beiträge: 26
Registriert: 28. Sep 2017, 20:30

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Strohhalm »

Hallo zusammen, vielen Dank für diese tolle Folge! Ich bin mal so frech und frage einfach mal nach:

Ich habe nicht ganz verstanden, warum nicht alle Spiele auch Kunst sind.
Wenn jemand eine digitale Figur modelliert, wo ist der Unterschied zu einer Figur aus Ton?
Wenn diese Figur dann im Spiel erscheint, dann ist es keine Kunst mehr?
Ist ein misslungenes Kunstwerk wirklich kein Kunstwerk? Lässt sich nicht besonders über ein misslungenes Kunstwerk nachdenken?
Was ist mit einem Screenshot? Ist das dann nicht ein eigenständiges Werk, das selbst auch wieder Kunst ist?
Falls ein einzelner Screenshot Kunst ist, wie kann dann das ganze Spiel, dass ja aus einer Aneinanderreihung von
Screenshots besteht, keine Kunst sein?
Wenn der Soundtrack eines Spiels Kunst ist, dann im Spiel dieser Soundtrack läuft, kann dann das Spiel keine Kunst sein?
Kann also das Gesamtwerk, wenn es kein Kunstwerk ist, einzelne Teile, die Kunst sind, dann auslöschen?

Für mich wird der Spieler nicht gebraucht, um aus einem Spiel ein Kunstwerk zu machen.
Der Quellcode ist für mich das Kunstwerk. Das braucht dann Strom und Eingabegeräte und den Spieler,
damit des konsumierbar ist. Aber das Kunstwerk ist doch schon da? Nur nicht konsumierbar realisiert?

Warum können Natur und Zufall keine Kunstwerke erschaffen? Weil dann irgendwann alles Kunst ist und
der Begriff seine Bedeutung verliert? Kunst muss etwas Besonderes haben? Also etwas Einzigartiges?
Etwas über das man Nachdenken kann? Warum hat Kunst etwas mit Nachdenken zu tun?
In jeder Sekunde bin ich jemand anderes als die Sekunde davor. Nämlich jemand älteres.
Das Alte hört doch immer auf zu existieren. Wozu brauche ich da Kunst um mich zu verändern?
Alles auf dieser Welt besitzt Eigenschaften der Einzigartigkeit. Und sei es nur der Standort.
Tut mir leid, aber ich finde es gefühlt eher richtig zu sagen, alles ist Kunst, als das da ist keine Kunst.

Es tut mir schrecklich leid, aber ich vermute, dass ich was Entscheidendes nicht verstanden habe.
Vielleicht muss ich das ganze nochmals anhören.

Eure Strohi

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Soulaire
Beiträge: 1156
Registriert: 28. Mär 2016, 06:44

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Soulaire »

Strohhalm hat geschrieben:
28. Mär 2020, 19:47
Hallo zusammen, vielen Dank für diese tolle Folge! Ich bin mal so frech und frage einfach mal nach:

Ich habe nicht ganz verstanden, warum nicht alle Spiele auch Kunst sind.
Wenn jemand eine digitale Figur modelliert, wo ist der Unterschied zu einer Figur aus Ton?
Wenn diese Figur dann im Spiel erscheint, dann ist es keine Kunst mehr?
wir reden ja über das eigenständige Medium "Videospiel" im Gesamten und nicht über dessen Einzelteile. Ein Film ist ja auch nicht schon Kunst wenn es ein Musikstück enthält, auch wenn Musik für alleine genommen als Kunst gilt. Ein Film benötigt auch eine visuelle Ebene. Und ein Spiel eben eine interaktive Ebene. Wenn ein Medium nur auf andere "Künste" referiert und nicht aus sich selbst heraus schon Kunst sein kann, ist das Medium dann eher eine Plattform und keine Kunst. Ein Museum ist eben auch keine Kunst, auch wenn es Kunstgegenstände ausstellt.
Herr Feige hat ja betont dass man das "Werk" an sich nicht aus den Augen verlieren sollte. Und ein Berg an sich ist noch kein geschaffenes Werk. Man muss es irgendwie greifen können, weswegen ein Gedanke oder ähnliches auch keine Kunst sein kann.

Strohhalm
Beiträge: 26
Registriert: 28. Sep 2017, 20:30

Re: Ästhetik & Kunst des Computerspiels (feat. Prof. Dr. Daniel M. Feige)

Beitrag von Strohhalm »

Danke für deine Antwort Soulaire.
Über den Kunstbegriff lässt sich vorzüglich streiten. :D
"Ist das Kunst, oder darf das weg?" Ich komme mit dem Gesamtwerkkunstbegriff trotzdem nicht ganz klar.
Ich verstehe schon, dass man das "Medium", was auch immer das Medium beim Videospiel ist,
als Ganzes betrachten kann.
Trotzdem. Das bedeutet, ich sage dem Orchester: Ihr macht hier Kunst. Aber sobald das in einem
langweiligen Spiel läuft, bei dem ich nix denken muss oder sonst iwi keinen Mehrwert sehe,
dann ist das keine Kunst mehr, sondern... was genau? Trivial? Ohne Bedeutung?
Wie oft gibt man Dingen keine Bedeutung und ein paar Generationen später wird es ausgestellt?
Ein Museum wäre doch Architektur? Und die Anordnung von Kunstgegenständen ist doch nicht trivial?
Das Gemälde eines Berges ist Kunst, der Berg an sich aber nicht?
Danke, dass du es versucht hast zu erklären, Soulaire. Aber ich fürchte, dafür reicht mein Grips nicht...
Ich akzeptiere das jetzt einfach... das da ist Kunst, das da ist keine und fertig. XD

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