Magazin Spezial: Tencent

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Pawuun
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Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Pawuun »

Moin,

vielen Dank an die beiden Sebastians. Das war eine sehr starke und spannende Folge. Ich habe jetzt ein deutlich besseres Bild von Tencent und fand die Folge wirklich interessant. Gerne mehr davon.

Das heißt, ich würde mir wünschen, dass ihr den einzelnen Spielekonzernen gerne etwas stärker über die Schultern schaut und ihre Historie, Vorgehen am Markt etc. etwas genauer vorstellt.

Da ich mich seit einem Jahr auch stärker mit der Börse beschäftige, würde das, auch deswegen, aber nicht nur, mir persönlich einen hohen Mehrwert bieten.

Viele Grüße

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Filusi
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Filusi »

Ja der Podcast war Spitze, bitte mehr davon! :)

Floki
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Floki »

Ah super, wollte auch schon einen Thread aufmachen.

Ich wollte auch noch mein Feedback geben, da ich beim Hören der "Doku" irgendwie zwiegespalten war.

Zum einen fand ich es gut zu hören und es hat mich generell interessiert. Danke für die 2 Stunden. :-)

Aber: Zum einen habe ich einen - nennen wir es journalistischen - Anspruch vermisst, so wie es bei dem tollen Format rund um Atari der Fall war.
Mir wurde viel zu viel abgefeiert (warum auch immer), wie groß Tencent mittlerweile ist und wo sie die Finger überall drin haben. DA würde auch ein Blick in Wikepdia reichen für die Info. Leider waren das aber hier 60 % des Beitrags. Nicht falsch verstehen, ich finde das auch aus einer reinen Businesssicht sehr interessant, wie sie expandieren. Aber da drehten man sich zu sehr im Kreis.

Was mich aber wirklich ein bisschen enttäuscht hat, war der Umstand des Gehorsams von Tencent gegenüber des Regimes.
Hier wurde das einfach nickend zur Kenntnis genommen und gesagt, dass das bei US Firmen ja nicht anders ist. Hier liegt ein grundlegender Unterschied vor. US Unternehmen verpflichten sich der Terrorismusbekämpfung und Geldwäsche. SIcherlich nachvollziehbar.
China will die Kontrolle über die Bürger (siehe Social Scoring) und macht daraus auch kein Geheimnis. Meines Wissen nach leitet Tencent die Nutzerdaten bspw. von WeChat anlasslos an die chinesische Regierung weiter. Ein weiterer Unterscheid zu den USA und der gerichtliche Überprüfbareit, die es in China nicht gibt. Kurzum: Hier habe ich eine gewissen Distanz und Kritik vermisst. Schade, musste ja auch kein Hauptteil sein.

Und: Mich hat interessiert, wieso Tencent sich so breit aufstellt. Ist es wirklich die Aussicht auf plumpe Rendite durch Dividende? Kann ich mir fast gar nicht vorstellen - noch mehr Geld zu viel Geld? Wozu? Vielleicht ist es so. Westliche Unternehmen funktionieren so, chinesische auch? Ist es die Hoffnung durch die Einsichtnahme noch mehr zu lernen, was dann in China vielleicht helfen kann, den eigenen Markt zu bearbeiten? Gibt es da schon Fallbeispiele? Das sind Punkte, die ich mir für einen zweiten Teil wünschen würde.

Dennoch: Tolles Format. Vor allem weil über die aktuelle Zeit gesprochen wird. Stand jetzt - das finde ich interessant. :-)

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Dr. Zoidberg [np]
Cronjob of Justice
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Hat mir auch sehr gut gefallen, ich habe dadurch ein wesentlich besseres Bild davon bekommen, wie Tencent agiert.

Alles was zum Thema "Jahre voraus" gesagt wurde, kann ich bestätigen - zumindest von einem 3-Wochen-Aufenthalt im Jahre 2014 ^^ Wir haben damals zur Kommunikation WeChat genutzt und das hatte da tatsächlich bereits Funktionen, die bei WhatsApp erst Jahre später kamen. Drei konkrete Beispiele: Desktop-Anwendung, Live-Location-Tracking und die Verwendung von GIFs.

Dazu kam, dass jedes abgelegene Bergdorf (und die sind wirklich abgelegen) besseres Internet hatte, als man hierzulande bisweilen in der Großstadt bekommt - ganz davon zu schweigen, dass du in jedem noch so ranzigen Kiosk "Free Wi-Fi" bekommst. Dazu kam, dass ich in einem besagten Bergdorf auf knapp 3000m Höhe eine Werbung für League of Legends gesehen habe:
lol.JPG
lol.JPG (96.75 KiB) 908 mal betrachtet
Ich hab das Foto damals so geschossen, dass die Höheninformation mit reingerendert wird. Man kann auch die GPS-Koordinaten bei Google Maps eingeben, dann findet man den Ort: https://goo.gl/maps/1e7qPR7jVrv5ArFZA

Die App QQ hab ich dort vor allem als halblegale Möglichkeit kennengelernt Musik herunterzuladen. Halblegal deswegen, weil jeder und seine Mutter dort auch einfach Musik hochladen konnte, damit andere sie herunterladen können. Ich hatte die tatsächlich noch (längst nicht mehr benutzt) bis letztes Jahr auf meinem Handy, irgendwann konnte ich aber hier keine App-Updates mehr dafür herunterladen. Für mich war sie vor allem eine tolle Möglichkeit damals gehörte chinesische Musik zu "konservieren"

BlackSun84
Beiträge: 325
Registriert: 10. Feb 2016, 17:42

Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von BlackSun84 »

Solche Speziale finde ich immer wieder interessant. Es ist schon atemberaubend, mit welchen Zahlen in China hantiert wird. Ebenso beängstigend ist es, wie China sich auch durch den Spielesektor in eine Vormachtstellung bringen will, egal, was es kostet - Partnerschaften auf Augenhöhe mit z.B. Nachbarn ist ja nicht gerade Chinas Stärke.

Voigt
Beiträge: 1469
Registriert: 14. Jun 2016, 14:43

Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Voigt »

Bin gespannt wie die die Partnerschaft mit Japan händeln, ob die das auf Augenhöhe hinbekommen.

Eine Sache aber für Sebbe, die nine-dash-line wird von beiden Regierungen Chinas (Volksrepublik und Republik) international vertreten.

Ob Taiwan als Teil von China dargestellt werden mag, hängt davon ab wen du fragst und wer gerade Taiwan regiert. Die meist dominante Partei hat sich der Ein-China-Regelung verpflichtet, heißt es gibt nur ein China, es ist aber nicht klar was die legitime Regierung für Gesamtchina ist. Daher auf Karten wird es als gemeinsamen China eingezeichnet, fraglich ist bloß wo der Regierungssitz/Hauptstadt eingezeichnet wird. ;)
Große Teile der Bevölkerung sieht sich aber schon als eigene Nation, denen Festlandchina eher egal ist, genau wie doe Oppostion.
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TheDome
Beiträge: 4
Registriert: 14. Apr 2020, 10:00

Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von TheDome »

Floki hat geschrieben:
22. Mai 2020, 09:42
Was mich aber wirklich ein bisschen enttäuscht hat, war der Umstand des Gehorsams von Tencent gegenüber des Regimes.
Hier wurde das einfach nickend zur Kenntnis genommen und gesagt, dass das bei US Firmen ja nicht anders ist. Hier liegt ein grundlegender Unterschied vor. US Unternehmen verpflichten sich der Terrorismusbekämpfung und Geldwäsche. SIcherlich nachvollziehbar.
China will die Kontrolle über die Bürger (siehe Social Scoring) und macht daraus auch kein Geheimnis. Meines Wissen nach leitet Tencent die Nutzerdaten bspw. von WeChat anlasslos an die chinesische Regierung weiter. Ein weiterer Unterscheid zu den USA und der gerichtliche Überprüfbareit, die es in China nicht gibt. Kurzum: Hier habe ich eine gewissen Distanz und Kritik vermisst. Schade, musste ja auch kein Hauptteil sein.
Fand die Folge auch insgesamt sehr gut. So etwas wie die wirtschaftlichen Hintergründe find ich immer sehr spannend.
Meine Anmerkung zu dem ganzen fasst Floki aber perfekt zusammen.

Rick Wertz
Beiträge: 326
Registriert: 13. Apr 2018, 10:40

Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Rick Wertz »

Filusi hat geschrieben:
22. Mai 2020, 09:39
Ja der Podcast war Spitze, bitte mehr davon! :)
Kann ich nur zustimmen, sehr spannende Einblicke!

Irgendwelche Kommentare und Meinungen zur chinesischen Regierung auszusparen halte ich nur für folgerichtig, mich interessiert die Meinung der Podcaster in dieser Hinsicht und ob die USA nun besser oder schlechter sind eigentlich überhaupt nicht; glaube nicht, dass hier Mehrwert geboten würde.

Ich höre The Pod nicht für Politdiskussionen.
Voigt hat geschrieben:
22. Mai 2020, 13:11
Bin gespannt wie die die Partnerschaft mit Japan händeln, ob die das auf Augenhöhe hinbekommen.

Eine Sache aber für Sebbe, die nine-dash-line wird von beiden Regierungen Chinas (Volksrepublik und Republik) international vertreten.

Ob Taiwan als Teil von China dargestellt werden mag, hängt davon ab wen du fragst und wer gerade Taiwan regiert. Die meist dominante Partei hat sich der Ein-China-Regelung verpflichtet, heißt es gibt nur ein China, es ist aber nicht klar was die legitime Regierung für Gesamtchina ist. Daher auf Karten wird es als gemeinsamen China eingezeichnet, fraglich ist bloß wo der Regierungssitz/Hauptstadt eingezeichnet wird. ;)
Große Teile der Bevölkerung sieht sich aber schon als eigene Nation, denen Festlandchina eher egal ist, genau wie doe Oppostion.
Die klassische taiwanesische Position war ja, dass sich Taiwan als die legitime Regierung auch des Festlands von China sah. Wird aber mittlerweile nicht mehr ausgesprochen. Im Endeffekt haben also beide Länder Souveränität über das Staatsgebiet des Anderen behauptet.

Voigt
Beiträge: 1469
Registriert: 14. Jun 2016, 14:43

Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Voigt »

Wie gesagt abhängig von der aktuellen Regierung. Die Kuomintang (die "Originalregierung") steht weiterhin für Ein-China-Politik, die Oppostion DDP hingegen dagegen. Diese ist halt seit 2016 (wieder) die Regierungspartei, und daher sind Beziehungen zu Volksrepublik China wieder schlechter.

Ist halt immer welchen Balanceakt man gehen mag.
Geht man mit Ein-China-Politik mit, womit man offiziell in fast jedem internationalen Gremium nicht dabei sein darf, da für jede Nation nur 1 Regierung anwesend ist, dafür ist man Volksrepublik China freundlich, und bekommt eventuell paar Brotkrumen, und darf inoffiziell mitmachen.
Und man hat die ganz ferne Hoffnung, dass die Volksrepublik wie die Sovietunion in vielen Jahren doch nochmal zerfällt, und dann eventuell die Republik China wieder Führung übernimmt.
Oder geht man wie die Opposition auf Konfrontationskurs, und sagt man sei eine eigene Nation, mit Recht auf Sitz in internationalen Gremien. Und hoffst das die Volksrepublik ihre militärische Drohung nicht wahr macht, oder wenn die USA einen wirklich verteidigt.
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大胖熊猫Pangda
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von 大胖熊猫Pangda »

Hallo zusammen,

schön, dass euch die Folge gefallen hat und wir euch hier einen tieferen Einblick in Tencent geben konnten.

Tencent ist auch Thema gewesen, das mir schon länger am Herzen lag, da ich in vielen westlichen Spielemedien meist nicht ausreichend recherchierte Informationen zum Konzern gelesen habe. Ich hatte aus meiner Perspektive das Gefühl, dass Tencent mit westlichen großen Spielepublishern gleichgesetzt wurde, was meinem Verständnis nach kein zutreffender Vergleich ist. Tencent ist in meinen Augen ein Internet-Konglomerat, ein IT-Mischkonzern, in dem ein Business-Arm das Entwickeln, Veröffentlichen und Vertreiben von Spielen ist. Ein bisschen wie Sony oder Microsoft - nur ohne eigene Spielehardware.

Zu euren Kommentaren:
Floki hat geschrieben:
22. Mai 2020, 09:42
Aber: Zum einen habe ich einen - nennen wir es journalistischen - Anspruch vermisst, so wie es bei dem tollen Format rund um Atari der Fall war.
Mir wurde viel zu viel abgefeiert (warum auch immer), wie groß Tencent mittlerweile ist und wo sie die Finger überall drin haben. DA würde auch ein Blick in Wikepdia reichen für die Info. Leider waren das aber hier 60 % des Beitrags. Nicht falsch verstehen, ich finde das auch aus einer reinen Businesssicht sehr interessant, wie sie expandieren. Aber da drehten man sich zu sehr im Kreis.
Fair Point, dass wir diesen Teil etwas kondensierter hätten darstellen können. Mir war es jedoch wichtig, jeden Hörer am Anfang abzuholen und niemanden zurückzulassen. Das Ziel war, ein grundsätzliches Verständnis zu vermitteln, wer und was Tencent eigentlich ist und wie sich der Konzern zusammensetzt.
Sollte meine Faszination für die vielfältigen, weitverzweigten und clever ineinander verwobenen Geschäftsfeldern als einseitiges "abfeiern" rübergekommen sein, war das zumindest nicht meine Absicht, eine zunächst neutrale bis positive Darstellung aber durchaus gewünscht. Ich finde faszinierend, wo und wie Tencent überall seine Finger im Spiel hat, das beschreibt aber noch nicht meine Wertung des Geschäftsgebarens. Abfällige Bemerkungen zu chinesischen Unternehmen sind mir in der Regel auch zu billig. Positive Äußerungen können aber leicht aus dem gewohnten Rahmen fallen.
Ich muss hier außerdem anführen, dass die Welt aus der ich komme nicht die des Journalismus, sondern der ökonomischen Analyse ist. Idee war, vor allem aus den jeweiligen Jahresberichten einen etwas anderen Blick auf die Firma zu erhalten, der deutlich datengetriebener ist, als das die chronologische, anekdotische (und großartige) Aufarbeitung bei Atari war. Vielleicht hätten wir hier ein etwas anderes Erwartungsmanagement betreiben können? Bin mir da nicht sicher, da muss ich noch einmal drüber nachdenken. In jedem Fall vielen Dank für deine Anmerkungen, die nehme ich zur Aufarbeitung gerne mit.
Floki hat geschrieben:
22. Mai 2020, 09:42
Was mich aber wirklich ein bisschen enttäuscht hat, war der Umstand des Gehorsams von Tencent gegenüber des Regimes. Hier wurde das einfach nickend zur Kenntnis genommen und gesagt, dass das bei US Firmen ja nicht anders ist.
Regierungsnähe bedeutet nicht automatisch Gehorsam. Lobbyismus bedeutet aber immer Nähe zur Politik. Diese Nähe materialisiert sich in den USA oder Europa nur anders als in China. Mag vielleicht an der Regierungsform liegen...
Floki hat geschrieben:
22. Mai 2020, 09:42
Meines Wissen nach leitet Tencent die Nutzerdaten bspw. von WeChat anlasslos an die chinesische Regierung weiter.
Hier stößt du bei mir auf enrsthaftes Interesse: Gibt es hier eine Quelle dazu, die das belegt? Ich habe hierzu bisher nämlich außer Spekulationen noch nichts handfestes gefunden. Falls ja, bitte posten, das interessiert mich sehr!

Zum Social Credit Point System könnte sich vielleicht eine eigenen Folge eignen, da hier Game Design in die Realität des Alltags übersetzt wird. Da muss ich mal mit den Herren Podcastern Rücksprache halten, ob wir da nicht was zu machen könnten. Sagt mal Bescheid, ob euch das interessiert ;)
Floki hat geschrieben:
22. Mai 2020, 09:42
Und: Mich hat interessiert, wieso Tencent sich so breit aufstellt. Ist es wirklich die Aussicht auf plumpe Rendite durch Dividende? Kann ich mir fast gar nicht vorstellen - noch mehr Geld zu viel Geld? Wozu?
Meine These hierzu ist, dass jedes öffentlich gehandelte Unternehmen nach den Regeln des Marktes spielen muss. Es muss also immer weitere gewachsen und mehr Gewinn gemacht werden. Es gibt zwar theoretische Überlegungen zu einer Wirtschaft der Zukunft, die nicht auf ewiges Wachstum ausgelegt ist. Das ist aber bis zur Börse noch nicht vorgedrungen. Solange sich da nichts bewegt, geht es in der Tat in erster Linie ums Geld.
Darüber hinaus fährt Tencent finde ich eine ganz clevere Strategie, die auch im Westen immer mehr Großkonzerne verfolgen: Man wird zum Systemanbieter. Man bietet den Nutzern eine Plattform (WeChat, WeGame, etc.), auf der eigene (und fremde) Produkte angeboten werden. Zum vollständigen Systemangebot, an dem man selbst als Unternehmer in allen Phasen der Transaktion mitverdient, fehlt nur noch dass man auch über die Transaktion selbst gebietet (durch WeChat Pay). Egal was die Nutzer kaufen: Solange Geld fließt, wird automatisch mitverdient. Davon kann man halten was man will, aber clever ist das durchaus...

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:
22. Mai 2020, 11:22
Dazu kam, dass jedes abgelegene Bergdorf (und die sind wirklich abgelegen) besseres Internet hatte, als man hierzulande bisweilen in der Großstadt bekommt - ganz davon zu schweigen, dass du in jedem noch so ranzigen Kiosk "Free Wi-Fi" bekommst. Dazu kam, dass ich in einem besagten Bergdorf auf knapp 3000m Höhe eine Werbung für League of Legends gesehen habe
Die Werbung verweist auf ein Internet-Café im 3. Stock. Daher wahrscheinlich die League of Legends-Werbung. Aber das beweist nur: Auch im hinterletzten Bergdorf wird in China noch gezockt. Tencent ist auch da überall...

BlackSun84 hat geschrieben:
22. Mai 2020, 11:59
Ebenso beängstigend ist es, wie China sich auch durch den Spielesektor in eine Vormachtstellung bringen will, egal, was es kostet - Partnerschaften auf Augenhöhe mit z.B. Nachbarn ist ja nicht gerade Chinas Stärke.
Hier liegen zwei Themen am Herzen, die mir immer mal wieder begegnen.
Zum Einen ist China meines Erachtens an einer Vormachtstellung im Spielesektor nicht im Mindesten interessiert. Dafür spricht bspw. der neunmonatige Spielebann in 2018, währenddessen kein einziges neues Spiel offiziell zugelassen wurde, oder die nach wie vor sehr kleine Indie- und Entwicklerszene, die mit vielseitigen Einschränkungen leben muss. Darüber hinaus gibt es sehr strenge Auflagen, v.a. wenn es um minderjährige Spielende geht. Nach meiner Lesart sieht die chinesische Regierung Spiele als Verführung, die Kinder und Teens in ihrer Entwicklung behindert und beeinträchtigt. Spiele machen abhängig und halten die junge Generation davon ab, ihr volles Potenzial zu entfalten. Es bleibt also weniger Zeit fürs Lernen und für die Schule, die in China einen vielfach höheren Stellenwert hat als in Deutschland.
Das Zweite ist die Sache mit China und Partnerschaften auf Augenhöhe. Historisch betrachtet gab es in Fernost (zumindest auf dem Festland) nie eine Augenhöhe. Vom chinesischen Verständnis nach gab es immer das "Reich der Mitte" und Tributstaaten rundherum, die aber nach chinesischem Verständnis nicht ernsthaft auf einer Höhe konkurrierten. Partnerschaften beruhen in der Regel darauf, dass beide Seiten entweder das Gleiche wollen oder jeweils dem Gegenüber etwas attraktives anbieten können. China war sich aber oft bereits selbst genug. Partnerschaften werden deswegen auch vorrangig im Ausland eingegangen; der Zugang zum chinesischen Markt ist seit jeher schwierig.
Im Falle von Tencent heißt das, dass deren Geschäftsmodell innerhalb Chinas wunderbar funktioniert, sie aber bei Unternehmungen im Ausland festgestellt haben, dass der chinesische Weg dort nicht funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass Tencent das sehr gut verstanden hat und den ausländischen Partnern daher eine lange Leine lässt.

Ich habe mich bewusst mit politischen Einordnungen zurückgehalten, da dies nicht Ziel des Podacsts war. Es soll ja immer noch um Spiele gehen :dance:

Pawuun hat geschrieben:
22. Mai 2020, 07:52
Das heißt, ich würde mir wünschen, dass ihr den einzelnen Spielekonzernen gerne etwas stärker über die Schultern schaut und ihre Historie, Vorgehen am Markt etc. etwas genauer vorstellt.
Vielleicht geht da ja was. Ich hätte schon ein paar Ideen, die ich bei Gelegenheit "Sebastian Eins" mal unterbreiten werde.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass Tencent für euch nun nicht mehr die große, undurchdringliche Blackbox aus China ist, in den man nur schwer hineinsehen kann.

Einen aufrichtigen Dank für Euer Zuhören!

"Sebastian Zwei"

Don Mchawi
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Don Mchawi »

Fand die Folge auch spannend, habe viele gute Einblicke gewonnen und finde deinen unaufgeregten, aber nicht langweiligen Stil auch sehr passend, Sebastian II.

Flokis Zwiespalt kann ich nachvollziehen, ich fände eine Nachfolgeausgabe mit Fokus auf die menschenrechtsrelevanten Aspekte auch gewinnbringend, gehört ja auch zur Thema Gamesindustrie. Muss ja kein einseitiger Bashpodcast werden, das fände ich auch nicht angebracht, aber vielleicht findet sich ja ein dritter Gast, der ein wenig diese Perspektive einbringen kann? Spannend wäre auch, eine chinesische Perspektive zu hören. Warum nicht mal eine kleine experimentelle Talkshow bei The Pod...? Vlt zu teuer wegen der Gäste, viel Aufwand, zuviel von Zusagen Dritter abhängig... Spannend wärs.

Rick Wertz
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Rick Wertz »

Bitte nicht, das kann nur in die Hose gehen. Für solche Diskussionen ist The Pod definitiv nicht das richtige Forum.

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Axel
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Axel »

Don Mchawi hat geschrieben:
23. Mai 2020, 13:00
Flokis Zwiespalt kann ich nachvollziehen, ich fände eine Nachfolgeausgabe mit Fokus auf die menschenrechtsrelevanten Aspekte auch gewinnbringend, gehört ja auch zur Thema Gamesindustrie.
Letzte Woche gab es in der SWR Sendung „Fragen an den Autor“ genau das Thema:
http://www.sr-mediathek.de/index.php?se ... 703&tbl=pf

Vielleicht kann ja Sebastian 2 als dort lebender was zur Qualität des Inhalts in der Sendung sagen.
Der obige Beitrag stellt allein meine Meinung dar. Auch wenn ich es vielleicht nicht jedes einzelne Mal dazu schreibe, weil ich es vergesse: es ist dennoch nicht als Verallgemeinerung gemeint. Du sollst selbstverständlich eine andere Meinung haben. :)

Don Mchawi
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Don Mchawi »

Rick Wertz hat geschrieben:
23. Mai 2020, 18:23
Bitte nicht, das kann nur in die Hose gehen. Für solche Diskussionen ist The Pod definitiv nicht das richtige Forum.
Wieso? So wie ich das verstehe hat The Pod schon auch einen journalistischen Anspruch an sich selbst, es gibt doch zahlreiche Reportagen und Folgen, die sich mit der Branche beschäftigen. Und Unternehmensverantwortung ist doch jetzt nicht weniger relevant für eine Branche als Werbung, Crunch, Branchenpreise. Es ist halt ein schwierigeres Thema, so zutun, als es sei es aber nicht Teil der Spieleindustrie halte ich aber für Kopf-in-den-Sand-stecken. Ich traue The Pod voll zu, sich da seriös mit auseinander zu setzen - eben durch ein Form wie Interview, Gesprächsmoderation o.ä.
Zu einem Blick hinter die Kulissen gehören auch unschöne Seiten.

Die Frage, die ich nicht beantworten kann, ist inwieweit es da gute Gesprächspartner gibt, die genau an dem Schnittpunkt Unternehmensverantwortung/Menschenrechte und Gamingbranche/Tencent Expertise besitzen. Keine Ahnung. Ich würde das auch nicht erzwungen haben wollen, also wenn, dann müsste es schon mindestens ein kompetenter Gesprächpartner sein, der sich auch in einer gewissen Tiefe konkret mit dieser Schnittmenge auseinander gesetzt hat.

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Jon Zen
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Jon Zen »

Zum Thema Games Culture in China:
Für chinesische Spieler ist die Individualisierung und der Status in ihrer Gruppe sehr wichtig. Als ich vor ca. 9 oder 10 Jahren mit einem Chinausaustausch in der Nähe von Shenzhen war, konnten wir es hautnah erleben. In den Schulen müssen alle Chinesen ähnlich aussehen, gleiche Schulkleidung (Jogginghose + T-Shirt), kein Make-Up, keine besonderen Frisuren. Eine Gruppe, jeder gleich, der einzelne kann nur mittels Leistung hervorstechen. Während der Unterrichtswoche lebten und übernachteten alle Schüler in der Schule.
Am Wochenende aber dann sahen sie vollkommen anders aus, individuelle Mode und Frisuren, wie man sie hier heutzutage nur von Instagrammer erwarten würde. Auch die Jugendlichen auf den Straßen, die nichts mit dem Austausch zu tun hatten. Da kamen wir uns fast vor, wie einige DDR'ler, nachdem die Mauer fiel (dafür hatten wir aber bessere Zähne als die Chinesen).

Und heute verdienen viele von dieser Generation Geld, Geld das sie bereit sind auszugeben. Als CS:GO Item Collector/Trader konnte ich es mitverfolgen, als mit dem Anbieter "Perfect World" Counterstrike in China releast wurde:
Die High-Tier Items rasten innerhalb kürzester Zeit mit den Preisen auf's 2-4 Fache ihres vorigen Werts. Zur Zeit würde ich schätzen, dass mindestens 50% der Collector mit einem Inventarwert über $ 10.000 Chinesen sind, bei einzelnen "Fachgebieten" (z.B. "Low Float" und "Katowice 14" dominieren sie die Szene) - und dabei spielen viele nicht einmal das Spiel! Wenn einer der Collector einen neuen seltenen Skin erwirbt, wird dies in den sozialen Kanälen geteilt und er wird von seinen Freunden abgefeiert. :ugly:
Auch ist es unter Chinesen üblich Ingame Gegenstände mit Werten von Teils mehren Tausend Dollar zu verleihen. Im Westen unvorstellbar.
Wir sind da eher die Briefmarkensammler, mit mehr Wissen über das was wir handeln (auch oft aus ökonmischen Gründen), aber sozial eher zurückhaltend, fast peinlich berührt, wenn man darauf angesprochen wird (oder verhasst und beneidet). :lol:
https://steamcommunity.com/id/Jon-Zen/ | Unsere Biervorräte schwinden dahin, Sire!

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SebastianStange
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von SebastianStange »

Danke für das Feedback soweit.

Und mir war schon klar, dass einige von euch hier am Ende die Kritik an der chinesischen Regierung vermissen oder auch an der entsprechenden Kooperation seitens Tencent. Aber diese "can of worms" wollte ich im Podcast bewusst nicht aufmachen. Ich will das ganze Themenfeld ebensowenig ignorieren oder schönreden. Aber in der Sendung geht es halt um Tencent, das Unternehmen.

Was den Wunsch angeht, das alles etwas mehr auf den Punkt zu machen, wie bei der Atari-Geschichte: Guter HInweis. SInd zwei unterschiedliche paar Schuhe - auf der einen Seite ein freies Gespräch, basierend auf nem Recherche-Dokument, auf der anderen Seite eine geschriebene und vorgelesene Folge. Letztere ist immer mehr auf den Punkt, ist klarer strukturiert. Hat weniger Füllmasse.

Ich überlege gerade, wie wir das für die nächste Sendung dieser Art machen könnten. Vielleicht ne Mischung - also freies Gespräch, aber ganz hart nach Fahrplan. Thema 1, 2, 3, 4, einzelne Datenpunkte, wenig Abschweifen. Probieren wir vielleicht aus. Mit Sebastian würde ich nämlich demnächst gerne mal die Fiskaljahresbilanzen der großen Publisher durchgehen. Und da sehe ich eh die große Herausforderung, das übersichtlich in Audio-Form zu bringen.

Cheers Leute!

BlackSun84
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von BlackSun84 »

Ich fänd ja allgemein Videos über den Spielemarkt/die Spieleentwicklung in anderen Staaten außerhalb des Westens oder Japan interessant. Auch Staaten wie Indien, Iran oder von mir aus Afrika - jaja, ist kein Staat, packt die Keulen wieder ein - bieten sicher Stoff für Speziale.

Don Mchawi
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Don Mchawi »

BlackSun84 hat geschrieben:
24. Mai 2020, 10:56
Ich fänd ja allgemein Videos über den Spielemarkt/die Spieleentwicklung in anderen Staaten außerhalb des Westens oder Japan interessant. Auch Staaten wie Indien, Iran oder von mir aus Afrika - jaja, ist kein Staat, packt die Keulen wieder ein - bieten sicher Stoff für Speziale.
Meinst du Videos oder Podcasts?
Finde ich grundsätzlich auch interessant, muss mMn auch nicht immer so in die Industrietiefe gehen, sondern zB auch kultureller Umgang mit Spielen, Zugang etc, da gibts unglaublich viele spannende Ansatzpunkte. Zu Iran gab es doch mal ein paar Sonderreportageausgaben von Wolfgang, der ja mal dort unterwegs war in dem Bereich.
Ich hatte Andre mal vor ein paar Jahren, als ich selbst noch in Ostafrika lebte, dazu ne Mail geschrieben, weil ich ja auch meine eigenen Eindrücke dazu interessant fand. In Ostafrika gibt es aber keine große Spieleindustrie und aktiv bin ich auch nicht im Spielebereich unterwegs, sondern bekomme natürlich über die Jahre nur mit, wie Spiele in der Gesellschaft stehen usw, weshalb das etwas zerlaufen ist. Aber damals dachte ich auch schon, dass so eine kleine Podcastreihe 'Spielen in der Welt' (gerne griffiger), in der vlt einfach so mal in 15 Minuten a la Anekdotenformat jmd dazu erzählt, sei es jetzt eher Branchenfokus oder Gesellschaftsfokus, kann ja auch variieren, eine coole Idee wäre. Ansätze hatten wir ja zu Japan, jetzt China und dem Iran schon.

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Andre Peschke
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Andre Peschke »

Don Mchawi hat geschrieben:
24. Mai 2020, 14:21
Aber damals dachte ich auch schon, dass so eine kleine Podcastreihe 'Spielen in der Welt' (gerne griffiger), in der vlt einfach so mal in 15 Minuten a la Anekdotenformat jmd dazu erzählt, sei es jetzt eher Branchenfokus oder Gesellschaftsfokus, kann ja auch variieren, eine coole Idee wäre. Ansätze hatten wir ja zu Japan, jetzt China und dem Iran schon.
Finde ich ebenfalls nach wie vor interessant. Versuche in diese Richtung waren bislang aber nicht von erfolg gekrönt. Es ist ziemlich schwierig, da die richtigen Ansprechpartner zu finden. Vor allem, wenn man nicht unbedingt (nur) einen örtlichen Entwicklerverband interviewen will, bei dem die Meinung sicher ein wenig werbend eingefärbt sein wird und bei dem es schwer ist aus der Ferne einzuschätzen, wie viele Entwickler der wirklich vertritt etc.

Andre

Don Mchawi
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Re: Magazin Spezial: Tencent

Beitrag von Don Mchawi »

Andre Peschke hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:37

Finde ich ebenfalls nach wie vor interessant. Versuche in diese Richtung waren bislang aber nicht von erfolg gekrönt. Es ist ziemlich schwierig, da die richtigen Ansprechpartner zu finden. Vor allem, wenn man nicht unbedingt (nur) einen örtlichen Entwicklerverband interviewen will, bei dem die Meinung sicher ein wenig werbend eingefärbt sein wird und bei dem es schwer ist aus der Ferne einzuschätzen, wie viele Entwickler der wirklich vertritt etc.

Andre
Glaub ich. Falls dir tatsächlich konkret mal was in Ostafrika auffällt, meld dich, bin ja öfter dort und ein Besuch vor Ort kann vieles leichter machen - inklusive Einschätzung über Größe/Relevanz etc. Wobei ich ja selbst grade auch gar nicht weiß, was es da gibt. Aber ich würde wetten, dass es zB in Ruanda oder Kenia spannende Projekte gibt, erstere experimentieren gerne mit moderner Technik (zB Drohnen oder Roboter in der Medizin) und letzteres ist voller kleiner Start-Ups etc. Könnte mir auch vorstellen, dass im Zusammenhang mit den Flüchtlingslagern der Region oder der Genozidaufarbeitung in Ruanda Projekte existieren. Das ist jetzt spekuliert und wenn, wären es vlt auch eher nette kleine Geschichten, wie Spiele eingesetzt werden können, aber ob das dann die große Reichweite hat, steht auf einem anderen Blatt. Naja, wenn ich dir da irgendwo helfen kann, schreib mir gerne.

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