JochenRedinger schrieb:
Zu Thronefall: ICH hab das durchgespielt! Wenn man vom Gedanken an RTS weg und zu dem eines Rätselspiels hin geht, macht es sogar noch mehr Spaß, finde ich. Und der Look ist mMn auch echt schick. Hab mich sehr für die beiden gefreut 🙂
Okay, jetzt wird's ein wenig Off-Topic. :lol:
Das Spannende am Tower Defense Genre:
Ein TD Spiel ein Optimierungsproblem.
Ein Optimierungsproblem kann unendlich viele Lösungen haben, oder auch nur eine. Klassischerweise hat ein TD Spiel eine sehr hohe, unbekannte Anzahl von Lösungen, die zum Ziel führen.
Im Solomodus stellt der Leveldesigner die Spieler vor Herausforderungen. Im Multiplayer muss man besser optimieren als der Gegenspieler (bzw. besser eine Herausforderung lösen; kurzes Shoutout an Legion TD 2
🙂 ). Bei Legion TD 2 gibt es z.B. eine wöchentliche Herausforderung, wo die verschiedenen Lösungen von allen Spielern gerankt werden, selbst die Lösungen der besten Spieler der Welt unterscheiden sich noch spürbar. Häufig gibt es dynamische Komponenten, wodurch man seine Strategie stetig anpassen muss. Thronefalls dynamischer (dazu mehr RTS like) TD-Bruder mag das tolle "They Are Billions" sein.
Ein Optimierungsproblem heruntergebrochen auf wenige Lösungen, oder auf eine klar beste Lösung, verstehen wir unter "Rätsel".
Wenn ein Tower Defense Spiel seine Lösungsmöglichkeiten soweit herunterbricht, dass es zum Rätselspiel wird, nimmt es einiges vom Reiz und Potential des Genres weg: Kreativität, Risikoabwägungen, Raum für Fehler.
Wenn es etwas nimmt, dann sollte so ein Spiel auch etwas geben?
Ich finde die Lösung von Orcs Must Die!3 im höchsten Schwierigkeitsgrad Risslord ziemlich gut: Wenn man in den Missionen dort die Level perfekt spielen möchte ("5 Schädel"), werden die Möglichkeiten reduziert, es wird quasi zum Rätselspiel. Weil es ein Koop-Spiel ist, überlegt man mit seinem/seinen Freund/Freunden, wie man diese scheinbar unlösbare Aufgabe lösen kann, vielleicht wie in einem Escape Room.
Das Coole hieran: Man hat i.d.R. das Spiel bereits vorher auf einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad durchgespielt, durfte Fehler begehen und Spielmechaniken verstehen. Das gesammelte Wissen kann jetzt - in der Königsdisziplin des Spiels - angewendet werden.
Thronebreaker: The Witcher Tales oder auch Solomissionen von Hearthstone haben das dynamische Spielsystem "geopfert", um für mehr Vielfalt zu sorgen. Spielerinnen und Spieler konnten ihr angesammeltes Kartenwissen und Verständnis anwenden, um damit Rätsel zu lösen.
Beginnt aber ein Rätselspiel - unter dem
Deckmantel eines TD-Spiels - bereits als solches, ist es ein Rätselspiel. Und hier geraten wir schnell zu den Casual Games, an dessen Grenze sich Thronefall, aber auch das schöne Vorgängerspiel Islanders, oder Dorfromantik befinden.
Das Ziel dieser Spiele ist nicht, Dinge zu erreichen, die "wir" Hardcore Gamer unter höchster Qualität verstehen. Ich glaube, wir alle würden einem Angry Birds keine 90 geben oder wären verwundert, wenn es einen Spielepreis innerhalb einer klassischen Nicht-Casual-Kategorie, bekäme. Trotzdem ist es ein handwerklich sehr gut gemachtes Spiel, was vielen Menschen gefällt (ich spiele auch gerade wieder am Handy Earn to Die 2 :lol: ).
Vielleicht bezieht sich meine Verwunderung* auf die Vermischung des DCPs zwischen Casual und weniger gefälligen "Hardcore" Spielen. Je nach Besetzung der Juroren, gerade wenn sie keine Spieler sind, führt zu einem systematischen Nachteil der klassischen Spiele, worunter die Nichtberücksichtigung von Drova das Resultat ist.
Aus Sicht der Wirtschaftsförderung ist das natürlich egal...
*Eigentlich sollte nichts verwundern beim DCP
Edit: Während ich das schreibe, habt ihr schon meinen Punkt aufgegriffen.^^