Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

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akaTwoFace2309
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von akaTwoFace2309 »

Desotho hat geschrieben: 15. Jan 2026, 12:51 dass die AfD ein Hurenverein ist
Bei aller Verachtung gegenüber der AfD, ihren Anhängern und anderen Neonazis und Faschisten: Ich fände es ganz nett wenn wir trotzdem auf nicht-diskriminierende Sprache achten.
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Aratirion
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Aratirion »

Stimmt, das ist den Huren gegenüber ungerecht. Lieber eine Partei voller Huren als ein faschistischer Drecksverein.

Aber beim Lesen ist mir hier ein Spannungsverhältnis deutlich geworden, das ich so schon auch öfter am Schirm hatte, aber hier noch nicht direkt angesprochen hab: unser gesellschaftliches Überleben hängt davon ab, dass es Leuten nicht scheißegal ist, was da draußen (gerade) passiert. Für's individuelle Wohlergehen ist aber Eskapismus, Rückzug und Ignoranz durchaus eine erfolgversprechende Strategie. Der goldene Mittelweg wäre wohl ein Engagement, das einem selber gut tut, und tatsächlich einen Beitrag dazu leistet, dass nicht alles den Bach runtergeht. Dafür brauchts aber den richtigen Charakter, Mut, Durchhaltevermögen, Resilienz, etc....

Aber um das noch mal zu betonen: natürlich gabs schlimmere Zeiten. Aber - und das wäre eine These, die ich durchaus geneigt wäre, zu verteidigen (nur, wie gesagt, vielleicht nicht hier und heute, weil ich gerne hätte, dass Bewältigungsstrategien zu dem, was uns belastet, egal wie schlimm das welthistorisch betrachtet sein mag, im Vordergrund stehen sollen) - zu unseren Lebzeiten und jenen der Generationen 1950+ wohl eher nicht. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass die Nachrichten heute unmittelbarer und heftiger knallen. Im Kalten Krieg gab es genau ein Schreckensszenario für Westeuropa: Atomkrieg. Das war aber so schrecklich und dazu musste es zunächst so eskalieren, dass die Gefahr wohl nur 2-3x in 40 Jahren wirklich ernsthaft bestand. Hätte es sich realisiert, wäre alles aus gewesen. Insofern war der Kalte Krieg natürlich schlimmer. Was heute aber deutlich schlimmer ist: es gibt keinen berechenbaren Gegensatz mehr. Die Amis stärken uns nicht mehr den Rücken. Gestern sind sie unsere Verbündete, morgen greifen sie uns an. Es war in den Jahren seit dem 2. WK noch nie so wahrscheinlich, dass die zig Pulverfässer in Europa explodieren und verschiedenste Arten von heißen und hybriden und kalten Konflikten uns direkt erreichen. Das ist dann vielleicht keine vollkommene nukleare Vernichtung. Aber mir reicht schon zu sehen, was in der Ukraine passiert, dass ich weiß, dass ich das nicht möchte. Auch die interne Gefahr durch die Faschisten war seit der NSDAP nicht mehr so groß. Und was die tun, wenn sie einmal an der Macht sind, zeigt MAGA in den USA. Niemand braucht sich Illusionen machen, dass die AfD hierzulande, bei entsprechender Machtfülle, nicht exakt das gleiche probieren würde, mit dem zusätzlichen Nachteil, dass wir verwundbarer sind als die USA und China, Russland (und die USA) diesen Irrsinn sofort ausnutzen würden. Das wäre, insofern, das Ende des Europas so wie wir es kennen.
OlliF
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von OlliF »

Mir hilft mein Umfeld aus Familie und Freunden, die mir halt geben. Auch wenn ich ein eher introvertierte Mensch bin, sind es doch soziale Kontakte, die mir helfen Stabilität im Leben zu finden.
Aktiv das Handy weg legen hat mir im letzten halben Jahr auch geholfen. Und dann ungestört am Steamdeck oder mit einem Buch die Welt einfach mal vergessen.
Auch wenn es platt klingt, achte darauf jeden Tag eine Dosis frische Luft zu bekommen. Egal wie das Wetter ist.

Und auch einmal aktiv an die guten Dinge denken, die wir immer als selbstverständlich nehmen. Es mag klein klingen, aber wenn du Licht brauchst legst du einfach den Schalter um. Wenn du Hunger hast findest du etwas im Kühlschrank. Wenn du Durst hast kommt aus deinem Wasserhahn bestes Trinkwasser. Das war in den letzten Jahrtausenden undenkbar und auch heute ist das nicht in jedem Winkel der Welt eine Selbstverständlichkeit. Aber man darf auch größer denken: vielleicht das kleine Cafe um die Ecke mit dem netten Besitzer? Das Kino, mit den Geheimtipps im Programm? Das neue Fitnessstudio mit den tollen Geräten? Bei all den schlechten Nachrichten verlieren die guten Dinge an Kontrast.

Ich liege zB gerade nach der Arbeit auf dem Sofa, freue mich über die Ruhe im Haus und dass draußen eine Amsel zwitschert. Ist nichts großes. Aber trotzdem sind das gerade 5 echt gute Minuten. Muss man sich nur mal bewusst machen. :)
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Feamorn
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Feamorn »

OlliF hat geschrieben: 15. Jan 2026, 13:46 Mir hilft mein Umfeld aus Familie und Freunden, die mir halt geben. Auch wenn ich ein eher introvertierte Mensch bin, sind es doch soziale Kontakte, die mir helfen Stabilität im Leben zu finden.
Aktiv das Handy weg legen hat mir im letzten halben Jahr auch geholfen. Und dann ungestört am Steamdeck oder mit einem Buch die Welt einfach mal vergessen.
Auch wenn es platt klingt, achte darauf jeden Tag eine Dosis frische Luft zu bekommen. Egal wie das Wetter ist.

Und auch einmal aktiv an die guten Dinge denken, die wir immer als selbstverständlich nehmen. Es mag klein klingen, aber wenn du Licht brauchst legst du einfach den Schalter um. Wenn du Hunger hast findest du etwas im Kühlschrank. Wenn du Durst hast kommt aus deinem Wasserhahn bestes Trinkwasser. Das war in den letzten Jahrtausenden undenkbar und auch heute ist das nicht in jedem Winkel der Welt eine Selbstverständlichkeit. Aber man darf auch größer denken: vielleicht das kleine Cafe um die Ecke mit dem netten Besitzer? Das Kino, mit den Geheimtipps im Programm? Das neue Fitnessstudio mit den tollen Geräten? Bei all den schlechten Nachrichten verlieren die guten Dinge an Kontrast.

Ich liege zB gerade nach der Arbeit auf dem Sofa, freue mich über die Ruhe im Haus und dass draußen eine Amsel zwitschert. Ist nichts großes. Aber trotzdem sind das gerade 5 echt gute Minuten. Muss man sich nur mal bewusst machen. :)
Bei mir ist das Problem, dass das parallel zu schlechten Nachrichten seit der Pandemie tatsächlich deutlich abgenommen hat. Soziale Kontakte sind nicht unbedingt weniger an Personen geworden, aber in der Frequenz, die Leute unternehmen deutlich weniger, das ist für mich als Single ein echtes Problem, weil ich mehr und mehr alleine bin, und es ist echt nicht einfach "mal eben" neue Kontakte zu finden, vor allem für meinen Typ Person nicht. Dazu haben immer mehr der alten Anlaufstellen zugemacht, ich musste wegen Eigenbedarf nach nur drei Jahren umziehen (und habe mich verschlechtert) etc. pp. Da fällt es oft echt schwer, die positiven Dinge zu sehen, bzw. das noch positiv zu sehen, wenn sie merklich eben wirklich qualitativ nachgelassen gegenüber "früher", selbst mit paralleler Therapie.

Während der Pandemie ging es mir tatsächlich noch recht gut mit allem, aber seit deren Ende ist es für mich deutlich schwieriger geworden. Auch weil die meisten Kollegen nie wieder aus dem Homeoffice gekommen sind, sprich im Büro ist es auch relativ einsam geworden (von ca. 12+ regelmäßigen Leuten zu 3-5 runter). Alles andere im Eingang angesprochene kommt dann halt noch oben drauf. Ich hab meinen Nachrichtenkonsum schon stark reduziert, aber man bekommt halt trotzdem mit, und ich will ich will auch nicht alle sozialen Medien rauswerfen, da ich da durchaus einiges an schöner Interaktion habe und auch für Hobbies viel mitbekomme. Sowohl bei Bluesky als auch Instagram. Aber dadurch blutet halt auch immer die Tagespolitik durch.
Ich bin schon vielen Accounts entfolgt, die selber immer wieder in eine Repost-Spirale gefallen sind. Komplett rausnehmen geht halt echt schlecht, und ist als politisch generell interessierter Mensch auch eigentlich doof. Andererseits kaue ich echt dran, dass meine eigentlich generell extrem positive Zukunftsaussicht von vor 10-15 Jahren mittlerweile im Grunde komplett in's negative gekehrt wurde.

Also in Antwort an den Thread-Titel, für mich ist die Antwort "eher schlecht". Und ich arbeite echt viel dran, aber es ist verdammt schwer.
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Aratirion
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Aratirion »

Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 14:19...
Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. I feel you. Auch wenn ich zum Glück nicht single bin, unterstreiche ich den Rest: mein tendenziell großer Freundeskreis kommt kaum mehr zusammen (was natürlich neben der Covid-Zäsur auch daran gelegen hat, dass wir zeitgleich alle 30 geworden sind, die meisten das klassische Programm mit Familie, Haus, etc fahren oder in anderen Städten leben). Immerhin gibt es in der Arbeit noch soziales Miteinander.

Und der Punkt mit Social Media deckt sich auch mit meiner Erfahrung: es gibt viele tolle Leute, die ich nur aufgrund von FB kenne und die tolle Dinge sagen und machen, und diesen Anschluss will ich nicht verlieren. Aber es kommt mit Kollateralschäden und unguten Verlockungen.

Wünsch dir alles Gute und hoffe, dass es dir auch irgendwie gelingt, den wohltuenden sozialen Kontakt wieder etwas hochzufahren. Es ist wirklich verdammt schwer, gleichzeitig merke ich an meinem Freundeskreis, dass es eigentlich alle schon auch irgendwie wollen würden. Es fehlt nur die Initiative und ein gutes Konzept, das sich mit dem jeweils neuen Alltag vereinbaren lässt. Aus überschneidenden Bubbles bekomme ich mit, dass das schon funktionieren kann: die haben sowas wie einen Stammtisch oder mindestens ein gemeinsames Wochenende, das fest steht (und an dem auch nicht gerüttelt wird), und damit klappts. Ohne diese Struktur ist es echt schwierig, was auf die Beine zu stellen.

~~~
Was mir aus meinem eigenen Instrumentarium noch eingefallen ist:

Es gibt für mich ein paar alltime treats, die immer funktionieren und mir unheimlich viel Kraft spenden. Die Herr der Ringe Trilogie anschauen ist sowas. Das geht so tief - aufgrund von Nostalgie und dem Umstand, dass mich das mit 13, 14 so unheimlich berührt hat, mit allem drum und dran - dass ich immer, wenn ich sie sehe, für einige Zeit neuen Mut und neue Kraft schöpfe. Es gibt da echt kaum was vergleichbares. So muss sich wohl auch Religion für diejenigen anfühlen, die sie im besten Sinne leben.
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von OlliF »

Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 14:19 ...
Das klingt wirklich bescheiden. Ich habe das große Glück seit Geburt im gleichen Umfeld zu leben und so viele Kontakte erhalten zu können. Ein Ortswechsel ist ja häufig Gift für die Beziehung zu anderen.

Da du geschrieben hast, dass deine alten Anlaufstellen zu gemacht haben: darf ich fragen, was für Anlaufstellen das waren? Gibt es keine (guten) Alternativen?
Auch wenn es immer etwa altbacken klingt finde ich Vereine immer eine gute Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu kommen und sein Netzwerk auszubauen. Ich habe im Schwimmverein in der Jugend und jungen Erwachsenen alter viele Kontakte geknüpft, nicht nur mit gleichaltrigen, sondern auch "Älteren". Wäre ein Sportverein eine Möglichkeit für dich?
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von bluttrinker13 »

Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 14:19

Bei mir ist das Problem, dass das parallel zu schlechten Nachrichten seit der Pandemie tatsächlich deutlich abgenommen hat. Soziale Kontakte sind nicht unbedingt weniger an Personen geworden, aber in der Frequenz, die Leute unternehmen deutlich weniger, das ist für mich als Single ein echtes Problem, weil ich mehr und mehr alleine bin, und es ist echt nicht einfach "mal eben" neue Kontakte zu finden, vor allem für meinen Typ Person nicht. Dazu haben immer mehr der alten Anlaufstellen zugemacht, ich musste wegen Eigenbedarf nach nur drei Jahren umziehen (und habe mich verschlechtert) etc. pp. ...
Wenn doof, gleich wieder vergessen oder streichen.

Aber ein Tipp von mir aus Berlin wäre, soziale Kontakte über Tätigkeit zu entwickeln, und hier vor allem ne sinnstiftende Tätigkeit. Für viele ist das ja Sport im Verein, für mich war das aber eher ehrenamtliche Arbeit (im Verein), und hier gibt es imo viel wo man sich unterschiedlich einbringen kann und Skills einbringen und dann aber auch entwickeln kann. Ehrenamt braucht natürlich Zeit, aber dann mach doch vielleicht selber mehr "Homeoffice". :D Das Gute ist: man kommt automatisch mit vielen eher netten (wenn auch andersartigen) Leuten in Kontakt und gibt dem Zufall ne Chance. Und man kann jederzeit einfach gehen wenn man will.

My 2 cents.
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Feamorn
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Feamorn »

bluttrinker13 hat geschrieben: 15. Jan 2026, 15:15
Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 14:19

Bei mir ist das Problem, dass das parallel zu schlechten Nachrichten seit der Pandemie tatsächlich deutlich abgenommen hat. Soziale Kontakte sind nicht unbedingt weniger an Personen geworden, aber in der Frequenz, die Leute unternehmen deutlich weniger, das ist für mich als Single ein echtes Problem, weil ich mehr und mehr alleine bin, und es ist echt nicht einfach "mal eben" neue Kontakte zu finden, vor allem für meinen Typ Person nicht. Dazu haben immer mehr der alten Anlaufstellen zugemacht, ich musste wegen Eigenbedarf nach nur drei Jahren umziehen (und habe mich verschlechtert) etc. pp. ...
Wenn doof, gleich wieder vergessen oder streichen.

Aber ein Tipp von mir aus Berlin wäre, soziale Kontakte über Tätigkeit zu entwickeln, und hier vor allem ne sinnstiftende Tätigkeit. Für viele ist das ja Sport im Verein, für mich war das aber eher ehrenamtliche Arbeit (im Verein), und hier gibt es imo viel wo man sich unterschiedlich einbringen kann und Skills einbringen und dann aber auch entwickeln kann. Ehrenamt braucht natürlich Zeit, aber dann mach doch vielleicht selber mehr "Homeoffice". :D Das Gute ist: man kommt automatisch mit vielen eher netten (wenn auch andersartigen) Leuten in Kontakt und gibt dem Zufall ne Chance. Und man kann jederzeit einfach gehen wenn man will.

My 2 cents.
Danke. Das wäre auf jeden Fall eine Idee, ja.
Ich werde jetzt erstmal wieder ins Fitnessstudio beim lokalen Sportverein (wenn auch sauteuer), das mal so als ersten Schritt.
Mehr Homeoffice ist tatsächlich eher doof, da ich durch den Umzug von drei auf zwei Zimmer runter bin und gemerkt habe, dass der Arbeitsplatz im Schlafzimmer mir nicht wirklich gefällt, aus diversen Gründen. Jedenfalls ist Homeoffice jetzt deutlich doofer als noch während der Pandemie. Abgesehen davon, dass mir dann halt die täglichen Kontakte mit den paar Kollegen die da sind verloren gehen, was echt bescheiden wäre.
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Feamorn »

Aratirion hat geschrieben: 15. Jan 2026, 14:37 ~~~
Was mir aus meinem eigenen Instrumentarium noch eingefallen ist:

Es gibt für mich ein paar alltime treats, die immer funktionieren und mir unheimlich viel Kraft spenden. Die Herr der Ringe Trilogie anschauen ist sowas. Das geht so tief - aufgrund von Nostalgie und dem Umstand, dass mich das mit 13, 14 so unheimlich berührt hat, mit allem drum und dran - dass ich immer, wenn ich sie sehe, für einige Zeit neuen Mut und neue Kraft schöpfe. Es gibt da echt kaum was vergleichbares. So muss sich wohl auch Religion für diejenigen anfühlen, die sie im besten Sinne leben.
Das ist hier "Alien". :ugly:
Habe den früher immer geschaut, wenn ich krank war und es ging mir sofort besser. :lol:

Insgesamt merke ich, dass Filmgucken mir echt gut tut. Und zwar zelebriertes, sprich wirklich Lichter aus, Smartphone weg etc. Aber da muss auch das Mindset gerade passen. Manchmal mache ich alles passend und merke dann, dass die Baseline einfach zu unruhig ist und breche dann auch wieder ab.
Aber geht zur Zeit echt gut, kam wieder vermehrt auf, da ich mir zur Blackweek einen ordentlichen OLED-TV und einen standalone-4K-Bluray-Player gegönnt habe und einige meine alten 4K-Scheiben in ganz neuem Licht gesehen habe (wortwörtlich). Ich versuche auch wieder öfter ins Kino zu kommen. Also irgendwie weg vom "daueronline"/second-screen/"ich schaue was auf YouTube, ups, Abend ist rum".
Aktuelles Ziel ist auch wieder mehr Lesen, was den selben Effekt hat.
Zuletzt geändert von Feamorn am 15. Jan 2026, 16:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Largelot »

Ich gebe meinen Vorrednern absolut recht, ich glaube wir leben nicht in gefährlicheren Zeiten als die letzten 70 Jahre, sondern bekommen viel mehr mit durch Social Media und Co.

Ich glaube hätten wir unter Nixon und den beiden Bushes Social Media gehabt, hätten wir mit den Ohren geschlackert.

Du musst Dir halt selbst die Frage stellen, was es Dir bringt und was du an der Weltlage veränderst, wenn du die nächsten Jahre in Angst weiterlebst?
Ich habe auch, im Rahmen einer Psychischen Erkrankung, durch den aufflammenden Ukraine Konflikt richtige Angst bekommen.

Mein Therapeut hat mir aber geholfen diese Angst einzuordnen und die Gedanken zu bewerten, in weit die überhaupt zielführend sind.

Wenn Du Angst hast, wird das Trumps Wahnsinn auch nicht beheben.
Also lebe dein Leben, nehme Dinge vor, mach Sport, konsumiere weniger Nachrichten und Social Media!
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Feamorn
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Feamorn »

OlliF hat geschrieben: 15. Jan 2026, 15:11 Da du geschrieben hast, dass deine alten Anlaufstellen zu gemacht haben: darf ich fragen, was für Anlaufstellen das waren? Gibt es keine (guten) Alternativen?
Meinte halt so Orte, die man früher regelmäßig besucht hat, sprich Restaurants, Läden etc. pp.
Deshalb fahr ich ab und zu immer noch nach Bonn in das Restaurant in meinem ehemaligen Mietshaus und dann zum Bonner Comicladen, des es zum Glück noch gibt, wo man mit den Angestellten ins Gespräch kommt, Empfehlungen bekommt die man von alleine oder per Algorithmus nicht gefunden hätte usw..
Aber was ich zum Beispiel massiv merke ist, wie sehr ich die alten CD-Läden vermisse, so doof es klingt. Das war auch abseits von "ich kaufe was" immer ein super positiv besetzter Zeitvertreib, weil man konzentriert ohne Ablenkung neue Musik kennengelernt hat (und sich gegebenenfalls mit den Leuten dort unterhalten hat). Oder der Zeitschriftenladen, Bäcker, was auch immer, wo man regelmäßig hin ist, wo man die Leute evtl. kannte und wo man manchmal dann auch tatsächlich einen kleinen Draht zueinander hatte. Also die ganzen kleinen Interaktionen im Alltag, die durch Pandemie, Ladenschließungen, Umzüge etc. pp. halt eingeschlafen sind oder gestorben sind. Sind halt einfach viele kleine Nadelstiche, die da irgendwie zusammen kommen.
Ich glaube auch tatsächlich, dass das etwas ist, was der Gesellschaft insgesamt etwas fehlt, dadurch, dass so viele persönliche Interaktion immer weiter hinten runter fallen, und auch viel "zufälliger" Austausch ausbleibt. Es wird alles immer etwas unpersönlicher, wenn man nicht aktiv gegensteuert.

(Und ja, klar, Fluktuation gab es immer, aber insgesamt werden es halt in der Summe weniger, weniger neue Gelegenheiten kommen hinzu.)
LimboJimbo
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von LimboJimbo »

Ich möchte an sich natürlich eher konstruktiv etwas hier beitragen, da wurde aber denke ich das meiste schon genannt (bewusster Nachrichtenkonsum und generell Mediennutzung, (gesunder) Eskapismus, etc).

Die momentane Lage erlebe ich ebenfalls als sehr belastend. Als besonders bedrückend empfinde ich dabei diesen unglaublichen Menschenhass. Also wie viele Menschen anscheinend (?) tiefste Befriedigung daraus ziehen, andere zu unterdrücken, deportieren, Menschen, die nicht einem irgendwie geartetem Mainstream angehören Rechte entziehen wollen verbunden mit vollkommener Realitätsverweigerung, unterfüttert durch Social Media, KI Fakes, die vollkommene Aushöhlung einer geteilten Realität. Das macht mir Angst.

Früher gab es halt noch so etwas wie gemeinhin akzeptierte Fakten. Natürlich hat man die auch immer mal wieder anders ausgelegt, bestimmte runtergespielt, anderes gepusht - aber dass man ein Video von Trump, Putin, A. Weidel oder sonstwem haben kann, wie sich komplett entlarven und es ist... egal?!?

Auf was soll man denn hoffen, wenn selbst offensichtlichstes Unrecht, augenscheinliche Lügen und klare Rechtsbrüche einfach, wie gesagt, vollkommen egal sind.

Mich haben schon immer mal Dinge politisch wirklich wütend gemacht, wie etwa die Wiederwahl von George W. Bush jr., das war zu Oberstufenzeiten von mir. Aber so sehr ich den damals und heute noch dafür kritisieren würde, einen unrechtmäßigen Krieg im Irak vom Zaun gebrochen zu haben, inkl. Schauspieleinlage von Nayirah as-Sabah / der Brutkastenlüge vor dem US-Kongress, reaktionärer Politik usw.

Aber es gab dort noch so etwas wie eine geteilte Realität. Zwar haben Enthüllungen wie Tötungen von Zivilisten im Irak durch Blackwater Söldner viel zu wenige Konsequenzen gehabt, aber zumindest gab es dort Prozesse, Verurteilungen, man konnte es nicht einfach komplett wegwischen.

Wenn ich heute sehe, wie viele Menschen so etwas heute sogar offen feiern würden, einfach weil ein pervers menschenverachtendes Weltbild schlichtweg salonfähig geworden ist. Das sind ja keine Minderheiten mehr à la 2-3% NPD-Wähler.

Das Leben geht halt irgendwie weiter, aber wenn ich ehrlich bin: Ich kann das alles gerade nicht wirklich fassen.

Es geht halt irgendwie weiter, indem man versucht zu vergessen und zu tolerieren, was eigentlich nicht zu tolerieren ist.
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von LimboJimbo »

Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 16:23 Deshalb fahr ich ab und zu immer noch nach Bonn in das Restaurant in meinem ehemaligen Mietshaus und dann zum Bonner Comicladen, des es zum Glück noch gibt, wo man mit den Angestellten ins Gespräch kommt, Empfehlungen bekommt die man von alleine oder per Algorithmus nicht gefunden hätte usw..
Nur als kleine Randnotiz:
In dem Comicladen war ich auch oft, als ich 2014-2015 in Bonn gewohnt habe :)
Danach war ich nach meinem Umzug lange Jahre Stammkunde im Comicroom Hamburg.
Beides schöne, gut geführte Läden.

In den letzten Jahren musste ich das Hobby Comics aus Zeit- und Platzgründen deutlich runterfahren, aber in dem Jahr wurde ich eigentlich erst so richtig zum Comicleser sozialisiert, also im Sinne von über alte LTB/Asterix/usw Gewohnheiten hinaus hin zu Image, Dark Horse / viel amerikanischer Independent-Kram sowie etwas DC/Marvel.
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von OlliF »

Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 16:23 Aber was ich zum Beispiel massiv merke ist, wie sehr ich die alten CD-Läden vermisse, so doof es klingt. Das war auch abseits von "ich kaufe was" immer ein super positiv besetzter Zeitvertreib, weil man konzentriert ohne Ablenkung neue Musik kennengelernt hat (und sich gegebenenfalls mit den Leuten dort unterhalten hat).
In welchen Musik-Genres treibst du dich denn herum? Nicht zufällig im Metal-Bereich? Bist du Konzertgänger? Falls ja, hast du Freunde mit denen du das machst oder fehlt dir da der Anschluss? Vielleicht wäre Metality e.V. etwas für dich. Die haben verschiedene regionale Chapter. Sinn der Organisation ist es Menschen miteinander zu verbinden indem man zB gem insam Konzerte oder Festivals besucht. Hab mich mal in Wacken länger mit denen unterhalten, das sind sehr coole Leute.

https://metality.org/
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Feamorn »

OlliF hat geschrieben: 15. Jan 2026, 17:00
Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 16:23 Aber was ich zum Beispiel massiv merke ist, wie sehr ich die alten CD-Läden vermisse, so doof es klingt. Das war auch abseits von "ich kaufe was" immer ein super positiv besetzter Zeitvertreib, weil man konzentriert ohne Ablenkung neue Musik kennengelernt hat (und sich gegebenenfalls mit den Leuten dort unterhalten hat).
In welchen Musik-Genres treibst du dich denn herum? Nicht zufällig im Metal-Bereich? Bist du Konzertgänger? Falls ja, hast du Freunde mit denen du das machst oder fehlt dir da der Anschluss? Vielleicht wäre Metality e.V. etwas für dich. Die haben verschiedene regionale Chapter. Sinn der Organisation ist es Menschen miteinander zu verbinden indem man zB gem insam Konzerte oder Festivals besucht. Hab mich mal in Wacken länger mit denen unterhalten, das sind sehr coole Leute.

https://metality.org/
Danke für den Tipp! Schau ich mir mal an, Genre passt. Konzertbesuche der Freunde sind halt eine der Sachen, die merklich eingebrochen ist. ;)
(Tatsächlich oft mit der Begründung zu teuer. Da machen sich halt Sachen wie kleine Kinder und Hauskauf etc. auch sehr deutlich bemerkbar.)
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Janna
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Janna »

Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 17:05
OlliF hat geschrieben: 15. Jan 2026, 17:00
Feamorn hat geschrieben: 15. Jan 2026, 16:23 Aber was ich zum Beispiel massiv merke ist, wie sehr ich die alten CD-Läden vermisse, so doof es klingt. Das war auch abseits von "ich kaufe was" immer ein super positiv besetzter Zeitvertreib, weil man konzentriert ohne Ablenkung neue Musik kennengelernt hat (und sich gegebenenfalls mit den Leuten dort unterhalten hat).
In welchen Musik-Genres treibst du dich denn herum? Nicht zufällig im Metal-Bereich? Bist du Konzertgänger? Falls ja, hast du Freunde mit denen du das machst oder fehlt dir da der Anschluss? Vielleicht wäre Metality e.V. etwas für dich. Die haben verschiedene regionale Chapter. Sinn der Organisation ist es Menschen miteinander zu verbinden indem man zB gem insam Konzerte oder Festivals besucht. Hab mich mal in Wacken länger mit denen unterhalten, das sind sehr coole Leute.

https://metality.org/
Danke für den Tipp! Schau ich mir mal an, Genre passt. Konzertbesuche der Freunde sind halt eine der Sachen, die merklich eingebrochen ist. ;)
(Tatsächlich oft mit der Begründung zu teuer. Da machen sich halt Sachen wie kleine Kinder und Hauskauf etc. auch sehr deutlich bemerkbar.)
Ich bin da zwar nicht selbst aktiv, aber gute Freunde von mir sind da sehr in ihrem lokalen Chapter engagiert und die scheinen viele coole Sachen zu machen. Neben Treffen und Konzertbesuchen auch Charity-Aktionen und so und sie sind sehr begeistert davon, weil auch viel Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse wie Autismus und so genommen wird.
Man kann mich auch auf Bluesky finden. Oder auf der Couch mit Recon, dem sehr geehrten Herrn Hund.
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Aratirion
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Aratirion »

LimboJimbo hat geschrieben: 15. Jan 2026, 16:48...
Nur ganz kurz, weil Positivity im Vordergrund und so, aber du hast da, meines Erachtens, den Kern der Sache getroffen: die salonfähige Entmenschlichung und das Bejubeln von Verhalten, das seit 1945 immer mit unheimlicher Kritik entgegnet wurde und mit unheimlichen Tabus belegt war, gab es so in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Westen und bis vor kurzem definitiv nicht. Watergate war ein Skandal, heute wäre das scheißegal. Ich würde sogar sagen: selbst wenn felsenfest nachgewiesen werden könnte, dass Trump Kinder missbraucht hat, würde sich genau gar nichts mehr ändern. Er würde nicht mal zurücktreten müssen. Die Rückkehr des Imperialismus ist in dieser konkreten Form - zumindest für die westliche Hemisphäre - neu. Der Grad an salonfähigem Faschismus innerhalb der westlichen Hemisphäre ist in dieser Form neu. Das ungenierte Wegbrechen jeglicher Hemmungen ist in dieser Form neu. Früher haben die USA immerhin noch geheime CIA-Operationen für ihre Schweinereien gebraucht. Chelsea Manning wurde verurteilt, weil sie Kriegsverbrechen geleaked hat. Heute würde sich Trump hinstellen und sagen: "Klar, haben sie doch verdient, die Schweine, wo ist das Problem?" Und 50% überm großen Teich und 40% hierzulande würden ihm zujubeln.
Wikipedia hat geschrieben:Als Watergate-Affäre (oder kurz Watergate) bezeichnet man, nach einer Definition des Kongresses der Vereinigten Staaten, zusammenfassend eine Reihe von gravierenden „Missbräuchen von Regierungsvollmachten“,[1] die es während der Amtszeit des republikanischen Präsidenten Richard Nixon (20. Januar 1969 bis 9. August 1974) gab. Die Offenlegung dieser Missbräuche verstärkte in den USA massiv eine durch den Vietnamkrieg ausgelöste gesellschaftliche Vertrauenskrise gegenüber den Politikern in Washington und führte schließlich zu einer schweren Verfassungskrise. Nixon trat am 9. August 1974 – als bisher einziger Präsident in der US-Geschichte – von seinem Amt zurück; er kam damit einer drohenden Amtsenthebung (Impeachment) zuvor
--> Da kann ich nur lachen. Genau das und noch viel mehr passiert ja in den USA gerade am laufenden Band. Und hats Konsequenzen? Null, nada. Selbst wenn das Höchstgericht entscheiden würde, dass alles, was Trump getan hat, gegen die Verfassung wäre: wurscht. Bevor der impeached wird, wird der Kongress auf unbestimmte Zeit zugedreht. Und selbst wenn Trump weg ist. Dann kommt halt Vance oder ein anderer Wahnsinniger. Die sitzen zu fest im Sattel, als dass denen von Innen noch irgendeine ernsthafte Gefahr drohen würde. Selbst ein Bürgerkrieg würde ihm vermutlich nutzen. Das einzige, was MAGA zu Fall bringen könnte wäre aber wohl tatsächlich ein Bürgerkrieg, aus dessen Asche irgendwann ein neues Amerika versucht werden könnte. Und Nachsatz: solange es Social Media gibt, wird MAGA obsiegen. Das ist leider meine düstere Prognose.
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Terranigma
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Terranigma »

Ich habe vor einiger Zeit Albert Camus für mich entdeckt und seinen Ansatz - mal salopp verkürzt - dass das Leben unter der Lupe betrachtet eine ziemlich absurde und groteskte Angelegenheit ist, wo der Mensch bemüht ist Sinn zu entdecken, wo es aber keinen gibt. Von ihm stammt auch das Zitat: "Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen."

Mir ist das sehr sympathisch. Als Lehrer bin ich zu einem in einer sehr priviligierten Position, nämlich: Angst um den Berufsverlust muss ich keinen haben. Aber die Frage nach der Bewältigung zielt ja auch weniger auf akute Nöte und Probleme ab, sondern es geht um auf die Gegenwart und Zukunft gerichtet Sorgen. Was ich an dem Zitat so mag ist: Es hat eine Leichtigkeit, die gerade heutzutage fehlt. Schaut man sich in öffentlichen Diskursen um, sind Menschen sehr schnell auf Bäumen und stürmt es sehr schnell im Wasserglas. Vieles ist sehr schnell sehr schlimm, sehr fürchterlich, sehr menschenverachtend, sehr grausam - oder auch sehr miserabel, sehr fürchterlich, sehr auswegslos, sehr hoffnungslos. Geopolitisch ist's auch keine schöne Zeit zu leben, aber dann wiederum zeige man mir im Kalender der Menschheitsgeschichte einen Ort und eine lange Zeitperiode, in der man nicht dasselbe gesagt hätte. Weil es ja um Anregungen geht: Mein Eindruck ist nicht, dass es tatsächlich die Weltlage ist, die so ermüdend ist, sondern die Hoffnungslosigkeit die man gegenüber der Zukunft hat und der Zynismus, der sich mit Blick auf die Gegenwart breit gemacht hat. Gelassen sein, entspannt zu sein, fröhlich oder auch zufrieden zu sein scheint schwer, weil man in den Nachrichten täglich allerlei gute Gründe findet es nicht zu sein.

Aber ich denke wie Sisyphos wird man entweder unglücklich im Hinblick auf den Ist-Zustand, der eben ist wie er ist und an dem auch jedwedes Maß an Hoffnungslosigkeit oder Zynismus nichts ändern wird, oder man versucht Gelassenheit und Glück zu kultivieren in der Einsicht, dass ein gewisses Maß an Kontrolle darüber hat, ob man gelassen oder mürrisch in die Gegenwart oder Zukunft schaut. Wenn ich heutzutage in die Nachrichten schaue und etwa sehe, dass wir nun ernsthaft vor der Frage stehen, ob die NATO zerbricht weil Trump nun Grönland annektieren will dann ... nun, ich finde das zum Lachen. Nicht weil ich es nicht ernst nehme - ich nehme das sehr ernst - sondern weil es derart grotesk ist. Und weil ich kein Zyniker werden will und weil ich die Hoffnung nicht aufgeben will, dass die Zukunft doch noch einen positiven Spin bekommt, ist die Flucht ins Absurde für mich ein guter Umgang. Es ist ernst und zugleich derart bescheuert. Aber kein Kopf, den man sich darüber zerbricht, wird ändern, was nun eben der Zustand der Welt ist.

Ich meine das nicht als Realitätsverweigerung, o.ä., sondern ernst: Ich habe vor Jahren im Winter mal über Wochen mit meinem Mann von 300€ montl. gelebt und in einer Wohnung ohne Strom und Heizung, weil der Vermieter uns verarschte und die Nebenkosten nicht ans Stadtwerk überwies, und die den Strom abstellten. Und dennoch waren wir glücklich. Jetzt läuft's viel besser privat, und wird sind weiterhin glücklich. Als ich letztens in einem Flugzeug saß und wir in Turbulenzen kamen dachte ich mir noch so, "Würden wir jetzt abstürzen und sterben, wäre das okay. We had a good run." Ich denke, man kann eine gelassene Haltung durchaus trainieren und gerade heutzutage kann man nicht gelassen genug sein. Gelassen - nicht desinteressiert oder egal.


PS: Das meine ich jetzt nicht im Hinblick auf Menschen, die tatsächlich leiden, etwa unter Isolation, Depression, finanziellen Nöten, beruflichen Sorgen, o.ä. Aber ich sehe in meinem Umfeld allerlei Menschen, denen es bei Tageslicht betrachtet materiell gut genug, aber die zunehmend in einen "Ist doch eh alles egal, die Menschheit ist scheiße"-Zynismus abdriften und denen die Empathie dabei abhanden kommt.
PPS: Das klang jetzt wahrscheinlich viel schwafeliger als ich wollte - ich sitze gerade am Schreibtisch und muss korrigieren, habe aber keinen Bock - deshalb etwas konkretes: Siddharta von Hermann Hesse. Ich empfehle den Roman gerne an gestresste Kollegen oder sonst Menschen, bei denen die Mundwinkel unnötigerweise runter hängen.
Sitting quietly and doing nothing,
Spring comes, and the grass
grows by itself.
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Aratirion
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Aratirion »

Terranigma hat geschrieben: 15. Jan 2026, 18:09...
Vielen Dank für diese bereichernde Perspektive. Ich war auch mal dort. Siddharta bescherte mir fast orgiastische Gefühle und in dem Moment hätte ich zur Schlange gesagt, wenn sie mich beißt: Es ist ok, bro, am Ende sind wir alle eins.

Vielleicht muss ich dorthin zurück. Ob mir das gelingt, weiß ich aber nicht....
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Skyryd
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Re: Wie bewältigt ihr diese Zeiten?

Beitrag von Skyryd »

Krasses Thema! Aber dennoch Danke an den Threadersteller, denn es ist auch ein sehr wichtiges Thema.

Ein paar Eckpunkte, die mir allgemein helfen:
  • Keine Sozialen Medien, also wirklich gar keine. Mir fehlt absolut nichts, seitdem ich all diesen Plattformen abgeschworen habe.
  • News nur bewusst konsumieren. Ich lasse mich einfach nicht mehr permanent mit Meldungen vollballern.
    Habe die "Zeit" abonniert, also eine Wochenzeitschrift. Daraus ziehe ich die meisten News. 1x am Tag schau ich die Tagesthemen, wenn es passt, muss aber nicht. Das reicht mir, um mich nicht überfordert zu fühlen, gleichzeitig aber auch nicht das Gefühl von "Abgehängtheit" zu haben.
  • Wenig(er) Konsum. Was ich brauche, schaffe ich an. Was ich nicht brauche, verschwindet konsequent aus meinem Haushalt/Umfeld.
  • Keine permanente Beschallung. Ich kann auch mal Auto/Öffis fahren ohne Musik/Podcast aufm Ohr. Zuhause muss nicht ständig irgendwas laufen.
  • Kontakt zu Menschen...und das sage ich als jemand, der seeeehr gern für sich ist:) Patner*in, Familie, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen...you name it. Ich finde, wenn man aufmerksam auf sich hört, merkt man, wieviel Kontakte man pro Tag/Woche "braucht".
Der letzte Punkt führt mich dann auch zu einem anderen, sehr großen Aspekt in meinem Leben: "Bei mir sein"
Klingt vielleicht nach Geschwurbel, ist für mich aber der allerwichtigste Punkt! Ich muss dazu sagen, dass ich Alkoholiker und nun seit 3,5 Jahren abstinent bin. Dass ich das so lange geschafft habe und es mir gut damit geht, habe ich dem Programm zu verdanken, dem ich mich angeschlossen habe (Selbsthilfegruppe). Darüber könnte ich seitenweise schreiben, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Teile dieses Programms grundsätzlich gut für einen Menschen sind, egal ob da ne Suchterkrankung dahintersteckt. Gaaanz krass heruntergestampft:
  • Sich jeden Tag bewusst machen, wofür man dankbar sein kann. Ich mache das mit einer Dankbarkeitsliste...so richtig handgeschrieben:) Und da kann auch schon mal schlicht die Geschirrspülmaschine draufstehen.
  • Meditation. Für mich perfekt sind schon lange genau 25 Minuten, absolute Stille. Handy auf stumm. Und dann bewusst wahrnehmen, was da durch die Birne fliegt...nicht sofort wegschieben. Wahrnehmen, nichts weiter damit anstellen => nächster Gedanke/nächstes Gefühl.
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